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Lberhesfische Zeitung, Marburg a. L. Dienstag, 3. August 1828

Nr. 183

Partei noch ein« Linkspartei wer, den.

In Preußen sitzt das Zentrum mit den De- teuf raten und Sozialdemokraten in einer Re­gierung, in Baden nur mit den Sozialdemo­kraten, und in Württembew mit den Deutsch- nationalen . Und doch treibt das Zentrum in diesen Ländern gute republikanische Politik. Diese Möglichkeiten würden der Partei ver- Haut, wenn man sie in einen Links- oder Rechtsblock einzwängen wollte. Man darf da­her doch die Augen nicht vor den Gefahren verschließen, die eine republikanische Einigungsbewegung für die Selbst­ständigkeit der Partei 'haben kann."

Soweit die Aeußerungen derGermania", denen man in Berliner politischen Kreisen programmatische Bedeutung beimißt. Man sicht in ihnen eine erneute und selten mit sol­cher Eindeutigkeit ausgesprochene Festlegung des Zentrumskurses auf die mittlere Linie und damit letzten Endes auch eine nicht mißzuver­stehende Absage an die Pläne Dr. Wttths.

Ausland

Zum Anschlag auf Primo de Rivera.

Madrid, 2. Aug. Die amtliche Kund­gebung zum Anschlag auf Primo de Ri­vera besagt, daß die Art des Anschlages r«uf einen geistig minderwertigen 'Menschen Hinweise, der auf eigene Ver­anlassung gehandelt habe. Unter Hinweis daraus, daß Canovas, der die Verfassung chon 1876 geschaffen hat. Dato, der der Begründer der sozialen Gesetzgebung war und Canaleias .der Führer der Demokraten, ermordet wurden, könne Primo de Rivera die­sen närrischen Versuch nicht der Politik, die et vertrete, zuschreiben, sondern den Leiden­schaften, die die im öffentlichen Leben stehen­den Menschen bei Einfältigen erregen. Diese Gefahren seien mit den Regierungsämtern ver­bunden . Man dürfe dem Vorfall keine über­triebene Wichtigkeit' beimessen.

Annähcrungsbestrebnngen zwischen de« französischen Sozialisten und Kommunisten.

P a rt s, 2. August. (WTB.s Die Sozia­listisch-Kommunistische Vereinigung, eine Verbindungsorganisation zwischen der sozia­listischen und der kommunistischen Partei, hat an die Generalsekretäre der beiden Par-, teien ein Schreiben gerichtet, in dem unter Hinweis auf die Bildung eines Blocks der Bourgeoisie von Marin bis Herriot und von Tardieu bis Paln- levö zu einem vorbereitenden Meinungs­austausch zwischen den beiden Parteien, die sich zu dem Grundsatz des Klassenkampfes bekennen, aufgesordert wird.

Die Lage in China.

Schanghai, 2. Aug. Reuter. Wenn man zwischen den Zeilen der zweideutigen Verein­barungen, die aus Peking kommen, lieft, ist es klar, daß die Bemühungen der Marschälle Wu tHtt-su und Tschang Tso-lin die Knomintschu- armee niederzuringcn, vollkommen gescheitert ßnd.

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Kie Entscheidung über da» Reichs-Ehrenmal vertagt.

Berlin, 2. Aug. Wie derLokalanzeiger" hört, herrscht in der Reichsregierung über die Frage des Reichsehrenmals die Ansicht, die ganze Angelegenheit vorläufig so lange zn vertagen, bis eine Einigung der bet der Er­richtung des Reichsehrenmals in Frage kom­menden Gruppen zustande gekommen sind.

Das «Mil»

Ein Kriminalfall von K Struvve-München.

Der Architekt Evarist Morgen, der die Ge­schehnisse der letzten Tage immer noch nicht ganz begreifen konnte, spürte, wie ihn die Fä­den eines unseligen Verhängnisses mehr und mehr umschlangen und wie sich an sich harmlose Umstände zu Schuldbeweisen gegen ibn ver­dichteten.

Er hatte seine kranke Frau von England nach der Schweiz bringen und dabei auf der Durch­reise seine Tante besuchen wollen, die in einer süddeutschen Stadt einen Antiquitätenladen inne hatte. Da er sie aber an dem einen Abend, der ihm zur Verfügung stand, nicht an­traf, wollte er seinen Besuch auf der Rückreise wiederholen. Doch inzwischen hatte man ihn verhaftet; denn seine Tante war inst »u der Zeit, da et an ihrer Türe Einlaß begehrt batte, erwürgt worden.

Evarist Morgen war, als der Hauvtver- wandte von Frau Connenschetdt schon vor acht­zehn Jahren zum Universalerben eines ansehn­lichen Vermögens eingesetzt worden und somit so ziemlich der einzige Mensch, der an ihrem Tode Interesse haben konnte.

Es war ein verhängnisvoller Zufall, daß er, der feine Tante feit sieben Jahren nicht gesehen und nur sehr spärlichen Briefwechsel mit ibr unterhalten hatte, gerade in jener Nacht von Samstag auf Sonntag an ihrer Türe geläutet hatte. Er mußte ferner auch zugeben, daß ein Bittbrief, den man unter den Papieren der Er­mordeten gefunden batte, von ihm stamme. In diesem batte er seine Tante gebeten, ihm eine größere Geldsumme zu überlasten, um bamtt die Arztrechnung für feine Frau bezahlen zu können.

Sie melden in diesem Brief Ihren Besuch für Montag den 30. Juli an, sind aber bereit» Samstag den 28. Juli bei Ihrer Tante ge­wesen?" sagte der Untersuchungsrichter.

Ja. Es bat sich am Reifevlan eine kleine Verschiebung ergeben.

Evarist Morgan spürte selbst, daß der an sich geringfügige Umstand sich mit anderen Kleinig-

31 den Angriffen Levis auf De. Suttner.

München, 2. Aus. Wie di»Münchener Zeitung erfährt, richtet sich die Klage de, bayrischen Justizministers Dr. Gürtner so­wohl gegen denVorwärts" als auch gegen den Reichstagsabgeordneten Levi. Die Kla­ge ist in Berlin anhängig gemacht.

verbot de» Potemkin-Ftlms

S tu t t g a r t, 2. Aug. Vom Polizeipräsi­denten wird u. a. mttgeteilt: Rach der erneu­ten Zulastung des FilmstreifensPanzerkreu­zer Potemkin" sollte derselbe auch in Stutt­gart zur Aufführung gebracht werden. Die an den Filmstreifen vorgenommenen Aender- ungen haben seine aufreizende und den Staat sowie die öffentliche Ordnung und Sicherheit gefährdende Wirkung nicht verringert. Das Polizeipräsidium bat deshalb hie Vor­führung im Polizeibereich Groß-Stuttgart wegen Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Drbweng erneut verboten.

Berlin, 2. Aug. Nach einer Meldung desVorwärts bat beute in Stuttgart eine Besprechung von Vertretern der Regierungen von Bayern, Württemberg, Hessen und Tbüringen stattgefunden, in der beschlosten wurde, Einspruch zu erbeben gegen die Ent­scheidung der Filmvrüfstelle den Potemkin- Ftlm frei zu geben.

Frau Rathenaus Beisetzung.

Berlin, 2. Aug. Heute vormittag ist in der Familiengruft in Oberschöneweide Frau Geheimrat Ratbenau in aller Stille bestattet worden.

Der neue Rektor der Berliner Universität.

fk Berlin, 3. Aug. Zum Rektor der Berliner Umbersität 1926/27 wurde gestern der Geheime Justizrat Prof. Dr. H. Triebel gewählt.

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Die Opfer des Sturmes in Florida und Um­gebung.

Pari», 2. Aug. Wie der91 ero Bork Herold" aus Jacksonoille auf Florida mel­det, find den letzten Feststellungen zufolge bei dem Zyklon, der in der vergangenen Woche die Bahama-Jnseln. Florida und be­nachbarte Gebiete heimsnchte, 3858 Men­schen ums Leben gekommen.

Flugzeugunglück in Italien.

Parma, 2. Aus. Auf dem Flug von Montefalcone nach Spezia wurde ein Ver- kehrszwecken dienendes Wasterflugzeug durch einen leichten Motorschaden genötigt, auf den Fluß Tarno berunteraugeben. Bei dem Ab­stieg geriet es in die Drähte einer Elektrizi- tätsverteilungsstelle und stürzte ab. Drei Personen sind tot, drei verwundet.

Furchtbare» Uutomobilunglück.

fk. Berlin, 3. Aug. Bei Alexandria in Piemont wurde ein Automobil bei einem unbewachten Bahnübergang wn der Lokomo­tive eines Zuges erfaßt. Dabei explodierte der Benzinbehälter des Kraftwagens. Alle In­sassen des Autos, darunter ein Kind, ver­brannten bei lebendigem Leibe.

Tödlicher Unfall durch Explosion einer Hand­granate.

Rheinfelden. 2. Agg. Beim Spielen fanden mehrere Kinder in einem Schutthaufen zwei Handgranaten, von denen eine explo­dierte. Ein lOiäbriger Knabe ist an den da­bei erlittenen schweren Verletzungen bereits gestorben. Drei andere Knaben liegen erheb­lich verletzt darnieder.

keilen zu einem Wall zusammendichten würde, der ihm gefährlich war.

Weder aus der Ladenkaste, deren Bestand mit dem Einnahmebuch genau übereinstimmte, noch aus dem Geldschrank und dem gefüllten Schmuckbebälter war das geringste geraubt worden. Wozu bätte er denn etwas nehmen sollen, sagten die Leute hämisch, da ihm ohne­hin allesrechtlich »ufällt ...

Evarist Morgen batte sich um die Gunst dieser Erbtante nie bemüht, sie war ihm als dem Sohn von Frau Sonnenscheidts Jugend­geliebten ohne sein Zutun zuteil geworden. Vor einigen Wochen war er zum erstenmal mit heftigem Widerstreben zwar, aber von der Rot bezwungen mit eine brieflichen Bitte an die Tante her angetreten.

Haben Sie auf diesen Brief Antwort be­kommen? fragte der Untersuchungsrichter.

Rein, aber ich erwartete auch keine. Ich wollte mir auf der Durchreise persönlich Be­scheid erholen."

Sie brauchten das Geld wohl sehr not­wendig?

Das kann ich nicht leugnen . . .

Die Kriminalpolizei suchte mit mustergül­tiger Exaktheit nach Fingerabdrücken und Fuß­spuren und durchforschte den Kundenkreis der Frau Sonnenscheidt.

Schließlich batte sich auch Doktor Sly die Er­laubnis erbeten, die Wohnung der Ermordeten unter die Luve nehmen »u dürfen.

Die Bedienerin, die jeden Morgen zum Auf­räumen kam, bestätigte, daß sich die Zimmer in vollkommener Ordnung befunden und nicht» verändert verschoben oder entfernt worden sei.

Keine Spur. Nichts.

Aber als Doktor Syl einen Stuhl bestieg, konnte et oben auf einer holländischen Barock­vitrine ein winziges Etwas sehen, das ihm je länger er es anschaute wie ein anklagen­des Auge, wie eine offene Wunde erschien . . .

Auf dem Kasten war die Staubschicht ziemlich dick, aber nabe der einen Ecke befand sich ein-, kleiner runder Fleck, bet im Gegensatz zu den übrigen Möbeln nur ganz wenig überstaubt war. Hier mußte bis vor kurzem etwa» ge­standen haben, ehre Dose oder ein Kästchen, eine Figur ober ein Leuchtet.

Die Bedienerin erinnerte sich dunkel an eine

Selbstmord zweier Schwestern.

Berlin, 2. Aug. In Köslin verübten die ältlichen Geschwister Joost, von welchen die größere Schwester verkrüppelt und seit längerer Zeit lungenleidend ist, Selbstmord durch (Erhängen. Die Schwestern, welche früher in recht guten Vermögensverbättnissen lebten, hat­ten but chdie Inflation ihr gesamtes Vermögen verloren.

Eine Explosion.

Bonn. In der physikalisch-chemischen Ab­teilung bes chemischen Instituts der Univer­sität arbeitete ein Doktorant an bet Her­stellung eines Gemisches von flüssigem Sauer­stoff unb flüssigem Methan (Grubengas), als plötzlich bas Gemisch explodierte.'- Bei der Explosion wurden etwa zwölf Fensterscheiben zertrümmert und mehrere Apparate zerstört. Personen wurden nicht verletzt, da die meisten wegen der Mittagspause das Institut ver­laßen hatten. Der Doktorant kam wie durch ein Wunder mit dem Schrecken davon.

Die Durchschwimmung de» Ärmelkanal» erneut mißlungen.

ft. London, 3. Aug. Die amerikanische Schwimmerin Darrett hat ihren Versuch, den Aermelkanal zu durchschwimmen, nach 2P/< Stunden, 3 Kilometer öo-; Kap Grisnez ent­fernt, aufgegeben.

Ein Todessturz.

Aschaffenburg. Hier stürzte auf bet Mainbrücke der Stadtrat Benk mit seinem Fahrrad, wobei et eine schwere Schädel­verletzung erlitt. Et ist wenige Zeit danach verstorben.

Da» größte Passagierflugzeug der Welt.

Berlin, 2. Aug. Das größte Flugzeug, da» bisher im regelmäßigen Luftverkehr von irgendeiner Linie Verwendung gefunden bat, legte seinen ersten Flug vom Flughafen Eroydon nach Paris zurück, wobei es achtzehn Fluggäste unb zwei Führer beförderte. Das Riesenflugzeug wird von drei 400pferbigen Motoren angeterieben.

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Tagung des BminS für hessische öeschschv und Landeskunde

Gelnhausen, 31. Juli. Die alte ro­mantische lieblich an der Kinzig gelegene Kreisstadt Gelnhausen hatte heute liebe Gäste aus dem Hessenlanbe erhalten, der Verein für hessische Geschichte und Landes­kunde hielt seine Jahrestagung dahier ab. Auch der Regierungspräsident Dr. Stölzel unb der Landeshauptmann v. Gehren aus Cassel waren erschienen. Nach einer Sitzung bes Gesamtvorstandes fand am gestrigen Abend in derHoffnung" eine Begrüßungs­feier statt, die einen außerordentlich stim­mungsvollen Verlauf nahm. Die Haupt- tagung wurde eingeleitet mit einer Mor­genfeier in der Kaiserpfalz, die mit ihrem unvergeßlichen Formenreichtum kunst­voller herrlicher Steinbildarten als ein Zeuge einstiger glorreicher Zeit anzuspcechen ist. Kaiser Friedrich I erbaute hier auf der kleinen, aber lieblichen Kinziginsel den überaus prächtigen Kaiserpalast. Der »Ein­gang in denselben führte zwischen zwei mächtigen, aus schönen Quadern errichteten Türmen durch ein massives, einfaches Tor, über welchem die freundliche Kapelle lag, welche bis 1810 noch im Gebrauch blieb. Der eigentliche Palast, an der Nordseite des Hofes gelegen, zeigt mit seiner Fassade nach Süden. Nicht etwa die ungewöhnliche Grütze und Ausdehnung derselben, sondern

kleine seltsam aussehende Figur- Daraufhin verglich Doktor Sly noch einmal die gutgeführ­ten Geschäftsbücher mit der Inventarliste und diese wiederum mit dem Warenbestand und fand endlich, was man zuerst übersehen hatte, daß nämlich ein kleiner siamesischer Dickbauch- buddha fehle. Er Hatte aller Wahrscheinlichkeit nach bis zum Mordtag auf dem Kasten gestan­den, war aber unter den Verkäufen der letzten Zeit nicht einet tragen.

Die Kriminalpolizei ließ zwar nachforschen, wer sich für diesen Gegenstand interessiert haben könnte kam aber su keinem brauchbaren Resul­tat. Wichtiger erschien ihr die nachträgliche Aussage eines Sausinwohners, der am Mord- abend zwischen sechs und sieben Uhr in der Sonnenscheidtschen Wohnung ganz deutlich Männerschritte gehört haben wollte. Evarist Morgen aber konnte nicht in Abrede stellen, daß er just um diese Zeit bei seiner Tante Ein­laß begehrt batte.---

Einige Wochen, nachdem das Verbrechen ge­schehen, aber das öffentliche Interesse daran in­folge der Ergebnislosigkeit der gerichtlichen Nachforschungen etwas erlahmt war und sich längst wieder anderen sensationellen Ereignissen zugewendet hatte, erschien in mehreren Tages- blättern eine kleine, nicht sehr auffallende Notiz folgenden Inhalts:

Ausländer ist Derhältnisie halber gezwungen, aus seiner reichhaltigen Sammlung indischer Kunstgegenstände einiges zu verkaufen. Nähere Auskunft wird nur an seriöse Privatpersonen erteilt.

Doktor Syl konnte nicht finden, daß dir Offerten sehr zahlreich einliefen. Aber die Noti» erschien in stummer Beharrlichkeit Tag für Tag und brachte schließlich den kurzen Nach­satz: Nur noch eine Woche hier.

Eines Vormittags sprach ein älterer Herr bei Doktor Syl vor und gab an, im Auftrage eine» auswärtigen Freundes »u kommen, der leiden­schaftlicher Sammler sei und die Adresie wieder von einem anderen Bekannten erhalten habe.

Der Mann war ziemlich abgetragen, aber doch mit unverkennbarer Sorgfalt gekleidet und machte den Eindruck eines asketischen Sonder­ling».

Von dem Moment an, da seine Blicke Über die ausgestellten Dinge glitten, konnte man es

die seltene Pracht eines Gesamtbildes, die gefällige, edle Zeichnung und die meifter, hafte kunstvolle Ausführung heben die ehr­würdigen Reste dieses stolzen Baues über viele andere lzisher hoch gepriesene Sehenz- toürbigteiten mittelalterlicher Baudenkmäler. Das ungemein zierliche Portal, der Orna­mentschmuck des Thrones die vornehme Top- pelsäulenstellung der Fenster, die über­reichen und mannigfachen Verzierungen der Kapitüle erwecken heute noch ehrfurchts­volle Bewunderung aller Besucher »und das höchste Interesse der Kunstfreunde. Der hehre Palast, einst Lieblingssitz vieler deut- scher Kaiser, verfiel doch viel eher, als man von solch einem Monumentalbau hätte er­warten können. Karl IV., der Stiefvater des heiligen römischen Reiches deutscher Nation, verpfändete die Burg mit der Stadt Geln­hausen 1349 an die Grafen von Hohenstein und so muhte diese unter den Händen einer geizenden Pfandherrschaft ihrem Ver­fall entgegengehen, welchen die Schweden schließlich durch Einäscherung des in seiner Pracht weltbekannten Königsitzes am 20. Mai 1635 gänzlich herbeisührten. 1846 hat der Geschichtsverein Hanau im Sinne der heutigen Denkmalspflege Vorkehrungen getroffen, datz die Reste des einstmaligen stolzen Baues erhalten geblieben sind. Uni­versitätsprofessor Dr. Rauch aus Gießen hatte es übernommen, bei dieser Morgen­feier eine kurze aber gehaltreiche Ansprache zu halten, in der er über die Kaiserpfalz interessante Mitteilungen vortrug, ihre Ent. stehung, ihre Bestimmung und ihre Bau­formen erläuterte. An diese geschickt unb und umsichtig arrangierte Feier schloß sich im Kasino die Hauptversammlung an. Der Vorsitzende des Vereins Dr. Hopff, gedachte zuerst des Hinscheidens des ver­dienstvollen Ehrenvorsitzenden Eisentraut, dessen Andenken durch' Erheben von den Sitzen geehrt wurde. Er hieß dann die Gäste willkommen, dankte dem Ehrenaus­schuß für die getroffenen Vorbereitungen um der Veranstaltung denjenigen äußeren Rahmen zu geben, der für das gesamte Gelingen der Tagung erforderlich ist. Ins­besondere begrüßte er die Herren Regie­rungspräsident Dr. Stölzel unb Landes­hauptmann v. Gehren. Es sprachen da­rauf Bürgermeister Dr. Wilske-Gelnhausen, Regierungspräsident Dr. Stölzel, der auch die Glückwünsche des Oberpräsidenten über­mittelte, Landeshauptmann v. Gehren und Landrat Delius-Gelnhausen. Letzterer über­mittelte auch, die Glückwünsche des bis­herigen Regierungspräsidenten Springorum. Prof. Dr. Stengel-Marburg sprach über das ThemaAus der Werkstatt des geschicht­lichen Atlas von Hessen und Nassau: Po- litische Wellenbewegung im hessisch-nieder- sächslschen Grenzgebiet. Der Redner teer» stand es, in einer scharf kritischen Unter­suchung des politischen Atlasses eine Be­reicherung unserer Heimatskunde zu bieten. In der geschäftlichen Seite der Hauptver­sammlung wurde beschlossen-- die. nächst­jährige Tagung in Rinteln abzuhalten. 1928 wird sich der Verein fn Witzeiihäüsen zusammenfinden. Der Vereinsbeitrag wird wie seither 4 Mark betragen. Dem verdienst­vollen Mitglieds Dr. Wenck in Marburg wird der Verein zu seinem 50. Doktor­jubiläum am 1. August herzliche Glück­wünsche entbieten. Die früherenMittei­lungen des Vereins sollen neu aufleben. Vom Schriftführer des Vereins wurde der ein Bild rühriger Arbeit gewährends'Jah- resbericht vorgetragen. An die Ver­sammlung schloß sich ein gemeinsames Essen. Abends wurde ein Vortrag des Metropol. Schäfer-Gelnhausen:Ein Gelnhäuser Kunst- sund aus dem 15. Jahrhundert geboten.

ihm schwerlich glauben, daß er nicht für sich selber tarn. Sein schmaler Mund schwieg unb seine Mienen zuckten kaum unter der Maske künstlicher Gleichgültigkeit. Aber eine Gier, die sich in den verschleierten Augen jählings ent­zündet hatte, schien sich den mageren Händen mitzuteilen und in die Fingerspitzen zu sttömen, die sich mit fühlbarer Zärtlichkeit um die exotischen Dinge klammerten.

Endlich krampfte sich alles leidenschaftliche Vesitzwollen um eine kleine vergoldete Budd­hastatue von edler Schönheit.

Was sie koste?

Zweitausendfünfhundert Mark.

Die Sammelgier eines Menschen suchte^ fieberhaft nach Mitteln und Möglichkeiten diese Summe zu beschaffen . . .

Ob man sich auf Teilzahlungen einlasse?

Vielleicht, sagte Doktor Syl ... Ob zwar gerade für dieses Stück mehrere sehr ernsthafte Reflektanten da seien.

Der Mann sagte und es war. als ob er aus Träumen erwache er wolle mit seinem Auftraggeber Rücksprache nehmen.

Als er andern Tags wiederkam und erzählte, er habe von seinem Freund telephonischen Be­scheid erhalten, die Figur »u kaufen, da wußte Doktor Syl längst, daß dieses Telephongespräch nicht stattgefunden habe. Denn et batte den Alten beobachtet, wie er einige Wertgegen­stände veräußern und belehnen lassen wollte und wie er schlietzlich bei seinem Bankier den Rest eines Vermögen» abhob er, Vincent Tiscke, ehemaliger Lehrer am Bakteriologischen Institut in Bangkok, der über ein Jahrzehnt in Indien gelebt und gleichsam als verderbliches Tropenfieber diese unselige Sammelleidenschaft mitgebracht hatte.

Die Haussuchung förderte unter einer Fülle von Kunstgegenständen auch jene» kleine siamesische Götzenbild zu Tage, bas auf Frau Sonnenscheidts Schrank gestanden war.

Vincent Tiscke leugnete nicht länger. Al» ihm Frau Sonnenscheidt die Buddhastatue trotz wie­derholten Drängens nicht verkaufen wollte, Habe ihm die Eier nach dem Besitz dieses Kleinods alle Besinnung geraubt,' er habe sich auf die Frau gestürzt, die unter seinen würgen­den Händen leblos umgesunken sei.