Slmstao, Ml 3. August 1926
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Lmstrsttt Mental ans Milbeat Salles
Berlin,?. Aug. Die mexikanische Polizei gibt die Aufdeckung eines Kvrnvlatts zur Ermordung von Calles bekannt. Ver- baftet wurden eine Stenotypistin, die in dem Calles' Büro gegenüberliegenden Rathaus beschäftigt war, weiter die Frau eines Seidenfabrikanten, der selbst flüchten konnte, der Sohn des mexikanischen Senators Arauio und fünf andere. Die Regierung hält die näheren Umstände noch geheim. Alle Verhafteten sind Mitglieder der Liga für die Verteidigung der religiösen Freiheit.
Der KrKeakonMt la «er-ki
Eine Erklärung der mexikanischen Geistlichkeit.
Mexiko, 2. ,Aug. In der Erklärung, drc von ©eiten des mexikanischen Episcopats der Associated Preß zugegangen ist, heißt es: Verschiedene Diplomaten des lateinischen Amerikas und verschiedene hohe Regierungsbeamte hätten ihre guten Dienste zur Vermittlungangeboten. Der augenblickliche Kirchenstreit sei ein unnötiger Kamps, denn er würde ohne weiteres beigelegt sein in dem Augenblick, in dem die Regierung dem Volk Freiheit rn den religiösen Fragen und anbete von der Verfassung gewährleistete Recht: einräume. Vom wirtschaftlichen Standpunkt aus sei der Kampf verderblich, da der von katholischen Kreisen geplante Boykott wahrscheinlich wirksam sein würde. Weiterhin wird die Forderung aufgestellt, daß während des vorgeichlagenen Waffenstillstandes die Durchführung der neuen Regierungsverfügungen in kirchlichen Fragen und antireligiösen Verfolgungen eingestellt werden.
Demonstration für die Regierungsvolitik.
Die Mitglieder der Arbeiterverbände und die Regierungsstellen Veranstalteten gestern in der Stadt Mexiko und verschiedenen größeren ©tobten des Landes Straßen de Monstra t i o n e n für die Kirchenpolitik der Regierung. In der Stadt Mexiko dauerte der Vorbeimarsch des Zuges vor Präsident Calles 2,5 Stunden . Die Zahl der Teilnehmer wird auf 15000 geschätzt. In verschiedenen Städten sollen sämtliche Katholiken Traucr- kleidung tragen und die Häuser mit schwarzem Krepp behangen sein. In Pachuca sind <mt Sonnabend abend bei den letzten Gottesdiensten 6 Frauen und 6 Kinder in den ungeheuren Menschenmengen, die sich in die Kirchen drängten, erdrückt worden.
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Sst snmMKen SmanzgMe
Annahme im Senat.
Paris, 2. Aug. Der Senat hat die von der Kammer bereits Sonnabend angenommenen Finanzgesetz« am Montag angenommen.
Hebet die heute vormittag unter dem Vorsitz des Präsidenten der Republik ftatt- gefundene Sitzung des Minifterrates, die um 'VA Ubr zu Ende ging, wird folgender Bericht ausgegeben: Der Ministerpräsident und Finanzminifter Poincare hat in der Miuister- ratfitzung dem Kabinett ein Eesetzesprojekt vorgelegt, das die sofortige Schaffung einer Amortisationskasie zur Tilgung der Bonds der Rationalen Verteidigung, sowie ein Projekt zur industriellen Ausbeutung des Tabak- monovols vorsteht. Die Regierung hat be- schlosien, nach der Annahme der beiden ®c= setzesproicSte durch die Kammer dem Parlament die Einberufung der Nationalversammlung nach Versailles vorzuschlagen, um dem Gesetz über die Schaffung der Amorüsations- kasse einen verfassungsmäßigen Charakter zu verleihen. Ferner erstattete in der Sitzung der Kriegsminister Bericht über die fortschreitende Befriedung der Zustände in Marokko und Syrien. Weiter beschloß der Minifterrat eine Reibe von Sparmaßnahmen im Verwaltungsdienst: inbesondere die Einschränkung von Ministerreisen, die in Zukunft nur in Fällen äußerst dringender ministerieller Geschäfte ftattfinden dürfen. *
Abschiedsbesuch des Sultans von Marokko.
fk Paris, 3. Aug. Der Sultan von Marokko hat dem Präsidenten der Republik gestern nachmittag "fernen Abschiedsbesuch erstattet . Er wird am 7. August von Marseille nach Marokko zurückreisen.
Siwlritw Ml Mre ttttautf
Ser teuW-msMe Verlrsg «r des Merdusd?
Moskau, 2. Aug. Aus gut unterrichteter Quelle verlautet, daß Sinowjew am Dienstag dieser Woche einen sogenannten Urlaub von zwei Jahren antreten wird. Bis jetzt ist noch nicht bekannt, wo Sinowjew seinen Urlaub verbringen will. Man spricht vom Ural oder Sibirien
Sn der letzten Sitzung des Bollzugskomitees der kommunistischen Internationale wurde die Frage der Ovpofition in der russischen kommunistischen Partei und das Verhalten des Vorsitzenden der kommunistischen Internationale, Sinowjew, erörtert. Das Vollzugskomitee billigte die Maßnahme des Politbüros der Kommunistischen Partei und sprach dem Zentralkomitee der Partei das Vertrauen aus. Sinowjew wird im Herbst vom Vorsitz der 3. Internationale zurücktreten.
Die „Bojstsche Zeitung" läßt sich aus Moskau melden: Menschinski, bisher Stellvertreter Dsershinskis, ist offiziell zum Vorsitzenden der staatspolitischen Verwaltung ernannt worden. Er wurde im Jahre 1874 geboren und ist von Beruf Rechtsanwalt. An der revolutionären Bewegung nahm er seit
Emsts Lage In DamaWs
• London, 2. Aug. Einer „Times"-Mel- dung zufolge scheint sich Damaskus nach den Mitteilungen eines hort befinolichen Amerikaners in einer so schlimmen Lage zu befinden, wre sie seit der großen Beschießung im Oktober vorigen Jahres nicht inehr eingetreten ist. Am 13. Juli war die Stadt bereits drei Tage lang vollkommen isoliert . Niemand durste sie betreten oder verlassen . Der Zugverkehr war vollständig eingestellt, auch bestand weder eine telephonische, telegraphische noch sonstige Verbindung. Vier französische Abteilungen in einer Gesamtstärke von 5000 Mann, die in die letzten Kämpfe an der Gnuta-Oase verwickelt waren, Hatten schwere Verluste erlitten. Es wurde gemeldet, daß sich alle Kurdenstämme den Aufständischen angeschlossen hätten. In Damaskus wimmele es von Gerüchten; man sei in der Stadt auf alles gefaßt. Die Mohammedaner feien übermütig, die Christen dagegen von Furcht erfüllt. Besonders die Armenier zitterten vor dem Lose, das sie er» warte, wenn die Aufständischen Sieger blieben.
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Dir Lage In Mnmkkv
Paris, 2. Aug. Nach einet Meldung des „Petit P a r i j i e n“ aus Fez dauert infolge der regen Tätigkeit der Aufständigen die Unruhe bei den dem Aufstandsgebiet benachbarten Stämmen an. 3m Abschnitt von Taza ist ein französisches Flugzeug brennend abgestürzt. Seine Insasien waren sofort tot.
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Selen und Litauen
Heising sors, 2. Ang. Die amtliche Polnische Telegraphenagentnr hat in der hiesigen Presse ein Kommunique veröffentlicht, in dem sie gegen die Ausführungen der „2 s- weftija" über polnische Angriffs- plane gegen Litauen Stellung nimmt Daraufhin veröffentlicht die hiesige litauische Gesandtschaft ein Eegencsmmuniqus, in dem sie die Behauptungen zurückweift, Polen habe Litauen seit langem de jure anerkannt, was vielmehr heute noch nicht der Fall set Auch von der polnischerseits behaupteten polen- freundlichen Stimmung in Litauen sei dort nichts zu merken, vielmehr deuteten viele Tatsachen auf das Gegenteil hin, insbesondere der Umstand, daß General Z e l i g o w s k i, der berüchtigte Anführer des Wilnaer Handstreiches, einen Sonderauftrag in der Umgebung erhalten habe, ferner, daß Marschall Pil - s u d s k i kürzlich eine Inspektionsreise an der Grenzlinie unternommen habe und endlich, daß die polnischen Truvvennmgruv- vierungen in den Grenzgebieten, meistens im Gebiet von Wilna, vorgenommen worden seien......> ■.
1895 teil und gehört seit 1902 der bolschewistischen Richtung der sozialistischen Partei an. Nach der Oktober-Revolution bekleidete er den Posten eines Volkskommissars des Finanzwesens. 1918 war er Mitglied der ersten Sowjetdotschaft in Berlin. Späterhin war er stellvertretender Vorsitzender der staaispolitischen Verwaltung.
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Erklärungen des polnischen Außenministers.
Warschau, 2. Aug. Auf eine längere mit Angriffen gegen Deutschland gespickte Rede des nationaldemokratischen Abgeordneten Seyda im auswärtigen.Ausschub des Siem erklärte der Außenminister Zaleski u. a., daß die Frage des deutsch-russischen Vertrages Gegenstand der ernstesten Prüfungen seitens der polnischen Regierung nicht nur war, sondern noch ist. Jedenfalls erfordere die ganze Angelegenheit noch eine genaue Prüfung und er sei der Auffassung, daß der Völkerbund hier das berufene Urteil fällen könne und, wenn er recht unterrichtet sei, werde sich auch die nächste Völkerbundsvrrsammlung damit üe- 1 fasten.
Bktzmr KIMI EMMAS der AMW-MgW
fk. Wien, 9. Aug. In einer Unterredung des Sonderberichterstatters der ,,Neuen freien Presse" in Paris sagte Briand: „Niemals hätte ich mein Amt im neuen Kabinett übernommen, wenn ich nicht vollständig sicher gewesen wäre, meine bisherige Politik fortzusetzen. Poincare hat die Regierung übernommen, um die Finanzfrage zu lösen. Eine Abkehr von der bisherigen Außenpolitik bedeutet der Name Poincare nicht. Meine Politik ist die Politik von Locarno, und ich habe schon in der Konferenz von Locarno auf eine Milderung der Rheinlandregierung hingearbeitet. Der Nest der Abmachungen, der noch zu verwirklichen ist, wird verwirklicht werden. Die französische Regierungsbildung hat aber die Abwickelung dieser anderen Angelegenheit verzögert. Freilich ist guter Wille von beiden Seiten erforderlich.
Dr. Stresemann kehrt nach Berlin zurück.
fk Berlin, 3. Aug. Retchsmimster des Auswärtigen Dr. Stresemann totrb von seinem Erholungsurlaub spätestens am 9. August wieder in Berlin eintreffen. Es kann angenommen werden, daß dann die schwebenden Verhandlungen über Deutschlands Gin tritt in den Völkerbund und die damit zusammenhängenden Fragen in ein letztes Stadium gekommen sind. Nach Klärung der Sachlage werde sich die Reichsrcgrerung auch über die Zusammensetzung der deutschen Delegation für Genf schlüssig werden.
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Nom truttotn Sliitentenfag
Bonn, 2. August. (WTB.) In der heutigen Vormittagssitzung des 9. deutschen Studententages verlas der erste Vorsitzende der Deutschen Studentenschaft zwei Schreiben. In dem ersten, an die Bonner Studentenschaft gerichteten Schreiben, legt der Vorsitzende der Bonner Studentenschaft, trotz größter persönlicher Bedenken dieses Amt nieder, um die vorliegende Spannung zu vermindern. In einem zweiten Schreiben spricht die Bonner Studentenschaft ihrem ehemaligen Vorsitzenden ihren Dank aus.
Der erste Vorsitzende des deutschen Studententages gab darauf als Beschluß des Vorstandes bekannt: Die Tatsache besteht, daß der Vorsitzende der Bonner Studentenschaft zurückgetreten ist. Somit ist unsere früherer Beschluß hinfällig und wir fühlen uns jetzt wieder als Gäste der Bonner Studentenschaft. - - .
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Der ehemalige Reichskanzler Dr. Wirth hat seinem bekannten ersten Aufruf an bte deutschen Republikaner jetzt einen zweiten Artikel folgen lassen, in dem er — neben der Ankündigung der Herausgabe einer republikanischen Monatsschrift und der Veranstaltung republikanischer Tage im Herbst — die bereits in seinem ersten Aufruf entwickelte Idee eines engen Zusammenschlusses aller republikanischen Parteien noch einmal unterstreicht und besonders §ur Bekämpfung xeder monarchistischen Bewegung auffordert. Dieser Artikel wird in Berliner politischen Kreisen namentlich deshalb viel bemerkt, weil er einen ziemlich scharfen Borst o ß gegen die Bayerische Volkspartei enthält. Dr. Wirth wendet sich im letzten Teil seines Aufsatzes gegen „die mehr als eigenartige Mischung reaktionärer und verhängnisvollerweise auch konfessioneller Strömungen" in Bayern . Man könne „vor der Att, wie in Bayern unseligerweise monarchistische Propaganda mit konfessionellen und religiösen Zukunfts- und Entttncklunqsmög- lichkeiten verquickt wirb, nur lebhafte Besorgnisse, ja sogar Grauen empfinden". In politischen Kreisen ist man der Ansicht, daß Dr. Wirth mit dieser zweifellos der Bayerischen Volkspartei geltenden scharfen Kritik der politischen Verhältnisse in Bayern in erster Lime die Absicht verfolgt, auf seine eigene Partei in der Richtung einzuwirken, daß das Zentrum die bisherige Rücksichtnahme auf die bayerische Volkspartei aufzugeben und sich von icber Beeinflussung durch die monarchistischen Bayern freimachen soll.
3n diesem Zusammenhang ist die Antwort sehr interessant, die das Zentralorgan der Zentrumspartei, die „G e r m a n i a“, Dr. Wirth bereits gegeben hat. Das Blatt wendet sich zunächst gegen die Behauptung Dr. Wirths, daß die republikanische Staatsform gefährdet fei. Es glaubt, diese Frage „mit gutem Grund vern einen zu können und weist dann daraufhin, daß „der republikanische Gedanke auch in den Parteien rechts des Zentrums starke Wurzel geschlagen habe. Es zitiert volksparteiliche Blätter, die „zwar für den Bürgerblock schwärmten, aber nicht versäumten, jedesmal zu betonen, daß die Politik der vereinigten Bürgerlichen Parteien sich nur auf republikanischem Boden bewegen können." „Ansätze zu solchen Auffassungen", — so schreibt das Blatt weiter — „finden sich auch bei den Deutsch nationalen. Das ist ein sehr großer Fortschritt. Diesen Pro zeß der Einfügung bisher widerstrebender Elemente sollen wir nicht störe n.‘
Mit deutlicher Beziehung auf die Wirth- sche Auffassung, „jede monarchistische Bs» wegung zu bekämpfen", erklärt die '„Germania" schließlich: „Der Schlachtruf: Hier Republik, hier Monarchie bezeichnet nicht allein die politische Scheidegrenze. Denn die Linie, die diese Gebiete abgrenzt, läuft nicht zwischen, sondern mitten durch fast alle bürgerlichen Parteien. Es gibt Kreise, di« die Monarchie wieder erstreben, nicht um der Idee willen, sondern weil sie sie nötig haben zur Erreichung rein wirtschaftlicher oder aus Standesinteressen. Mit ihnen wird sich der Republikaner schlecht verständigen können. Daneben lebt aber auch der monarchistische Gedanke in weiten Ionst demokratisch und sozialenkenden Schichten gefühlsmäßig fort, als ein ideales Ziel, als die Verkörperung des nationalen Gedankens, wie ihn diese Kreise verstehen. Mit diesen Schichten ist eine Verständigung möglich. Auch der Republikaner kann ihnen die Hand reichen. Deshalb ist mitde m Kampfruf gegen bte Mo- narchiealleinnicht viel anzufan- ge n. Für die Republik arbeit en heißt nicht, das deutsche Volk in zwei Parteien spalten und sie mit dem Stichwort republika-, nisch und monarchistisch versehen. Das Zentrum hat sich ja auch immer gegen die Bürgerblockpolitik gewandt, und die Auffassung des Grafen Westarp bekämpft, daß nur gegen die Sozialdemokratie gekämpft werden könne. Ebenso falsch wäre es aber, den Grundsatz aufzustellen, daß nur mit der Linken und immer gegen die Rechte regiert werden müsse. Besonders das Zentrum mürb e in einem Kampf mit dieser Front st ellun gzerriebenwerden. Diese Situation schreibt aber dem Zentrum gebieterisch die Notwendigkeit vor, seine Mittelstellung unter allen Umständen beizubehalten und bei Wahrung seiner grundsätzlichen Haltung sich die taktische Bewegungsfreiheit nicht nehmen zu lassen. Es ka n n weder eine Rechts -