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Marburger Stabtzeitung
Marburg, 2. August (Erntmg). Vom Dammelsberg.
$ßie jo Meles, jo bat auch derDcnnmelsberg. tnejet faft im Weichbild unserer Stadt liegende Eichenwald, einst seine Glanzzeit gehabt. Die ältere Generation weiß, daß dort auf den großen und den angrenzenden kleineren Plätzen „ick Sommerfefte abgebalten wurden, und als jet tausendste Student in Marburgs Mauern einzog, wurde das große Fest der Bürger- und äet Studentenschaft im Dammelsberg gefeiert, (5g war dies am 13. Just 1887. Das ist schon lange ber und mittlerweile konnte ja auch bereits vor dem Kriege der Einzug des 2000. Studenten auf Sviegelslust gefeiert werden. Seit der Zeit diente der Dammelsberg mit ab und zu noch zu festlichen Veranstaltungen und Kundgebungen, die unter der „alten Eichen Rauschen" ihren Eindruck niemals verfehlten. Der Dammelsberg kam außer Mode, das zeigten die verfallenen Wege, die nach und nach verschwindenden Ruhebänke usw. Aber jetzt scheint man sich seiner wieder erinnert zu haben. Die Wege sind zum größten Teil schon geebnet und gangfähig gemacht, wenn auch hier nnd da noch manche Ruhebank fehlt. Wer eine würzige Höhenluft genießen will und den Dammelsberg besucht, wird feststellen müssen, haß er nicht feblgegangen ist.
* Zur groben Armee. Wie schon aus den Anzeigen ersichtlich, starb in Bad Ragatz in der Schweiz ein hier im Ruhestand lebender bekannter Offizier, der Kgl. preußische General der Artillerie Hermann Schubert, der zuletzt im Kriege die 22. Reserve-Division kommandierte. Dor Verblichene, der hier ein bescheiden zurückgezogenes Lebe^. führte und für jeden, den er kannte, ein freundliches Wort befaß, hat es, wie wir wissen, während seines Wirkens im letzten Kriege verstanden, aus den ihm in den Vogeien zur Verfügung gestellten zum Teil _ wenig ausgebildeten Mannschaften eine ‘ Kamvftruvve zu schaffen, deren Taten nicht vergessen werden. Wie wir hören, findet die Einäscherung der Leiche in einem Schweizer Krematorium statt, während die Asche in der Familiengruft in Berlin beigesetzt wird.
* Eine Gedenkfeier für die Gefallenen. Der Verein deutscher Studenten eröffnete sein 40jähnges Stiftungsfest am Sonnabend mit einer Gedenkfeier für die gefallenen Ange hörigen der Verbindung am Kriegerdenkmal auf dem Friedrichsplatz. An der Feier nahmen auch der A. T. V. und die Sängtrverbindung Friederieiana teil. Tie Ansprache hielt Geh.-Rat Prof. Dr. Busch.
1 Polizeiliches. Bei einer Schlägerei i in der EUjabethstraße wurden zwei junge Leute so verletzt, daß der eine in die Klinik gebracht werden mußte. Der Täter ist ermittelt. —Ferner wurde noch ein Mann festgenommen, der ebenfalls eine Schlägerei in Szene setzen wollte. — An einem Hause im Südvtertel wurden durch Abbrechen von Ver- ziorungen -schwere Sachbeschädigungen verübt
* Vom Sonntag. Etwas kühl, fast sonnenlos, führte sich der erste Sonntag im August ein und trotzdem eiiT Tag, für gröbere und kleinere Spaziergänge wie geschaffen. Viele weilten auswärts, am Rhein, in Treysa auf dem Echwälmerfest sowie in Dreihausen und in anderen Orten auf den verschiedenen Festen. Trotzdem zeigten sich Feld und Wald sowohl wte auch die Ausflugsorte, ziemlich belebt. ,
* Der blaue Schwan. Wie in ledern Jahr gelegentlich des Stiftungsfestes der Teutonen, so zog auch diesmal in der Nacht zum Sonntag der Schwan vor der Schwanapotheke m der Barfüsierstraße sein Kleid so „blau, wie man den Himmel" wünscht, wieder an. lind stolz präsentiert sich auch der Bär auf »sm Bärenbrunnen neben dem Lutherhaus in Teutonencouleur. Daß die nächtlichen Kunstmaler auch hier und da ein Tröpfchen „Blau" verloren hatten, davon gab das Straßen- »flaster ein Bild.
* Eoue Experlmental-Vortrag.' sei nochmals auf den morgen abend 8% Uhr in den Stadtsälen stattfindenden einmaligen Erverimental-Vortrag des Berliner Psychologen Leon Hardt hingewiesen. Rest- bche Karten in der Elwert'schen und Ebel'schen Buchhandlung und an der Abendkasse.
* Die Einreise in die Schweiz. In letzter Zeit sind zahlreiche deutsche Reichsan, gehörige wegen Uebertretung der fremden polizeilichen Bestimmungen in der Schweiz Vestraft und ausgewiesen worden. Die Ein- vtise in die Schweiz zum Antritt einer Stelle Jcöiglidj auf Grund eines Reifepaffes oder mit "cm im kleinen Grenzverkehr zugelassenen Ausweis ist nicht zulässig. Es ist vielmehr zur Arbeitsaufnahme außerdem noch eine beson- «Re Zusicherung der Bewilligung zum mteHenantritt nötia. die unter allen Umftän» «en oor der Einreise durch Vermittlung des Mündigen fchweizerischen Konsulates be- lchafft werden mutz.
* Von der Einführung bet Vier- vndzwanzigstundenzeit. Bei der Aufführung der Stundenzablung von 1 bis 24 ®erben die Zifferblätter an den Babnbofs- evren nicht geändeN. Die beteiligten Dienst- Men werden aber jetzt angewiesen, Stempel, Aufsätze, Anzeigetafeln usw. rechtzeitig fWern 8U lassen. Man prüft jetzt, ob es sich ^ einzelnen Fällen empfiehlt, die Taschen- ^vläne mehrerer Bezirke zusammenzufassen, u* Prüfungen hierüber find so zeitig zum Ab- Muß zu bringen, daß für den neuen Druck- l0® genügend Zeit bleibt.
. Eegen die dauernden Straben- Ufbrüche. Die Störung des Verkehrs durch Mge dauernde Straßenaufbrüche wird von ver beklagt,, besonders, wenn eine Verwal- die Straße aufreißt und mehr oder roeni- P1 instand setzt und bann eine nach ber an* ebenso verfährt. Die Reichsvost hat des- versucht mit den beteiligten Gemeinden 1
Oberhessische Zeitung, Marburg
sich zu verständigen, um die Erdarbeiten einheitlich vornehmen zu können. Die Tele- graphenbaudienststellen sind angewiesen worden, bei Erd-, Pflaster- und Stratzenaufbrüchen mit den Wegeunterbaltungsvflichtigen und den sonst Beteiligten rechtzeitig in Verbindung zu Alen, um einheitliche, ineinandergreifende Plane für die Ausführung gleicher und ähn- ltcher Arbeiten aufzustellen. Es werden so auch Ersparnisse erzielt. Die Gemeinden und Gemeindeverbände sind fetzt ersucht worden, auch ihrerseits bei den Verlegungen der Leitungen von Waffer, Gas und Abwäffern ebenso zu verfahren.
* Die Rheinfahrt des Mitteldeutschen Dängerbrutdes, ®au Oberhesfen. fand gestern bei leidlich gutem Wetter unter äußerst reger Beteiligung statt. Ausführlicher Bericht folgt.
* 11 Reichsgesetze und Verordnungen. 11 neue Reichsgesetze und gesetzesähnliche Verordnungen werden jetzt verkündet. Das Eüsistoffgesetz tritt am 1. September in Kraft. Am 1. August erhäkt da« Gesetz über die Wertbestimmung der Einfuhrscheine für eine Aebergangszeit Geltung. Ein 3. Gesetz regelt die Rückgabe der Grundstücke, die für Desatzungszwecke in Anspruch genommen sind. In der Reichsversicherungsordnung wird die Wochenfürsorge ausgebaut. Das Reich zahlt 50 Mark für jede Entbindung an die Krankenkasse. Beim Personal-Abbau wird eine Frist verlängert, für private Versicherungsunternehmen die Gebühren des Reichsaufsichtsamts bestimmt. Geändert wird das Reichspost- finanzgesetz, die Durchführung der Goldbilanzverordnung zum 2. Mal, 6as Inkrafttreten von Zolländerungen zum 3. Mal. Die 4. Den- derung der SteuerzinSsähe hatten wir mitge- teilt. Eine Art von Jubiläum erreicht das Besoldungsgesetz: es wird zum 20. Male ergänzt.
* Aus dem Amtsblatt. Regierungspräsident und Regierung: Ernannt: RBaumstr. beim HBAmt II Cassel, W- Meyer, zum RBauR. Versetzt: die RBaumstr. Tertor vom HBAmt I Marburg zum HBAmt I Caffel und Wölbing von Reidenburg »um HBAmt I Marburg. — Landeskulturamt: Einberufen: ©er.» Affest. Dr. Eörg zum LandKultAmt Castel zur Ausbild. f. b. Amt e. KultAmlsDorst. Versetzt: die Ldmess. Rühling von Dillenburg nach Treysa und Thiede von Treysa nach Dillenburg, VermeffOS. Heinr- Plag von Eschwege nach Wetzlar.
Tage» - «»zeige».
Montag, den 2. August.
Jahrgang 1866: Von 4 Ahr ab Hansenhaus links, Schmenner, gemütliches Zusammensein.
Zentraltheater, Kasernenstr.: Zwei Menschen. 11. T., Pilgrimstein: Die Bachantin.
Schützenhof, Wehrdaer Weg 2; Iazzband- kvnzert.
Dienstag, den 3. August.
Marburg er Ferienkurse:
9—10: Priv-doz. Dr. Stephani - Marburg: Das Harmonieprvblem von der Urzeit bis zur Gegenwart, mit Beispielen am Klavier.
10—11; Pros. Dr. Gerland-Jena: D« Na- turbestimmtheit der Menschen und die Rechtfertigung der Strafe.
11—12; Prof. Dr. Ja.nsch-Macburg: Natur- nottvendigkeit, Zwang und Freiheit, ein Problem der Erziehung.
Wehrsbausen, 2. Aug. Gestern wurde, vom schönsten Wetter begünstigt, hier ein Missionsfest für die äußere Mission gefeiert, was in unserer Gemeinde wohl seit Menschengedenken nicht vorgekommen war. Herr Superintendent Landau sprach über den Nvt- stand im Missionswesen ber nur durch kräftige Mitwirkung aller magren Christen gehoben werden könnte. Der zweite Redner, Herr Pfarrer Fessenfeld-Hannover, der das Missionsfeld aus eigner Anschauung kannte, gab zunächst eine schöne Schilderung der afrikanischen Naturverhältniste und sprach dann über die Schwierigkeiten der Mission. Diese bestehen, wie er sagte, in ber Raffe. In der Bildung und in der Bekehrung. Beide Redner fanden eine aufmerksame Zuhörerschaft. Die Feier wurde verschönt durch Vorträge des Posaunenchors aus Caldern, des Gemischten Chors aus Elnhausen und des Wehrshäuser Gesangvereins. Der Posaunenchor erfreute auch nach der Feier die Bewohner und Gäste unseres Dorfes noch durch schöne Vorträge. Die hiesigen Einwohner hatten es an Einladungen nicht fehlen laffen, weshalb auch der Festplatz fast bis auf den letzten Platz besetzt war. Abends 8 Uhr fand die Feier noch eine Fortsetzung in ber Kirche zu Elnhausen.
Rodheim a. d. B., 30. Juli. Die Eröffnung der neuen Postautolinie Wetzlar— Rodheim und Gladenbach—Rodheim fand unter großer Beteiligung der Bevölkerung aller an der neuen Linie liegenden Orte statt.
-o- Treysa. Auf Einladung der Stadt Treysa und der Deutschen Volkspartei nahm Reichsauhenminister Dr. Etrefemann gestern an dem Schwälmer Trachtenfest teil. Er war bei dem Vorsitzenden der Deutschen Dollspartei, Dr. Mercken, abgestiegen.
Das Schwälmer Trachtenfest.
-o- Treysa. Gestern fand hier unter groher Beteiligung aus Rah und Fern das Schwälmer Trachtenfest statt. Bei günstigem Wetter nahm es einen großartigen Verlauf. Etwa 12000 Menschen waren erschienen, um den Trachtenfestzug zu sehen, welcher der Stabt Treysa und den Schwälmer Ortschaften alle Ehre machte. Wan hatte m dieser Hirsticht gewaltige Anstrengungen gemacht. Alles, was man sich nur denken konnte, wurde auf den Wagen dargestellt. Da fuhr der Schwälmer Bvautwagen, geführt und begleitet von Schwälmer Reitern, da war die Trehsaer Dflugfabrck, der Amboß klang, das Feuer pp«mte und fite Lunken flogen. Ein Schorn-
L. Montag, 2. August 1926
fteinfeger kletterte unverdrossen durch den Schornstein eines mitfahrenden kleinen Hauses. Es kamen die Schwälmer als Soldaten in FriedenSunifvrmen zu Pferd und zu Fuß, ebenso in den Uniformen des Krieges. Der Festzug dauerte 2 Stunden. Auf dem Festplatz in der Lehmkaute hielt Herr Bürgermeister Stein eine Ansprache und rief allen ein herzliches Willkommen zu. Dann wurden die Schwälmer Tänze gespielt und im Ru wirbelten die Schwälmer Paare durcheinander, während eine riesige Menge freudig zuschaute. Während des Festzuges bemerkte man schon in den Fenstern der Villa Dr. Menken, den Vorsitzenden der Deutschen Volks- Partei, Reichsauhenminister Dr. Stress- mann, den man begeistert begrüßte. Gegen 4 Uhr begab sich Dr. Strefemann mit Begleitung auf den Festplatz und setzte sich dort in unmittelbare Nähe deS Schwälmer Tanzbodens, um den Schwälmer Tänzen zusehen zu können. Hin und wieder sah man ihn das Glas erheben und mit den Schwälmern ein „Wohl" trinken. Auch ließ er sich mit dem Schwälmer Brautpaar photographieren. Gegen 5.30 Ahr verließ er den Festplatz und kehrte wieder nach Bad Wildungen zurück.
Kassbl. Vor dem hiesigen Schöffengericht batte sich der frühere Stadtsekretär und spätere Bürgermeister von Niedenstein, im Bezirk Kassel wegen Unterschlagung amtlicher Gelder in verschiedenen Fällen zu verantworten. Der Mann wurde zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt.
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Sttllschtk ßtoftnichlag in Senn
Bonn, 31. Juli. Am heutigen Tage wurde ber Deutschen ©tubententag in bet Beethovenhalle um 10'z Uhr eröffnet. Die schwarz-rot-goldene und die schwarz-weihrote Fahne waren wieder an ihrem Platze aufgehängt worden. Herr Bauer, dec erste Vorsitzende der Deutschen Studentenschaft, begrüßte die Anwesenden, unter denen sich viele prominente Persönlichkeiten ber deutschen Hochschulen, der Vertreter dec Stadt Bonn, Herr Dr. Meyer, und die Vertreter verschiedener deutscher Reichsverbände, und die Abgesandten der Deutschen Studentenschaften befanden. Eine große Menge von Bearüßungstelegrammen sind eingegangen.
Nach den Begrüßungsworten ber Pertreter der Deutschen Hochschulen nahm der Vertreter der Stadt Bonn, Herr Dr. Meyer, das Wort/ Er überbrachte die Glückwünsche der Stadtverwaltung Bonn und sprach sein Bedauern über die Vorfälle des gestrigen Abends aus, indem er ausführte» daß nicht die Stadt Bonn, tote vielfach behauptet wurde, sondern die Bonner Studentenschaft das HauSrecht in dem Beethovensaal hatte, die Stadt Bonn also keinen Einfluß auf die Fahnenfrage gehabt hat.
Herr Frank, Wien, Aeltester der Deutschen Studentenschaft, unterbreitet darauf folgende Anträge des Hauptausschusses dem Plenum:
Der Studententag wolle beschllehen:
1. Die Deutsche Studentenschaft mißbilligt aufs Schärfste das Vorgehen des Vorsitzers ber Studentenschaft ber Universität Bonn, Herrn canb. theol. kath. Mager, ber am gestr. Abenb den Auftrag erteilte, die Fahnen schwarz-rot«
• gold und schwarz-weiß-rot herunter zu holen, ba hierdurch die deutsche Reichsfahne in den Staub gezogen wurde und das Andenken an die gefallenen Kommilitonen entehrt wurde.
2. Der Deutsche Studententag ist nicht in ber Lage, sich als Gast ber Studentenschaft der Universität Bonn zu fühlen, solange Herr canb. theol. kath. Mager den Vorsitz inne hat.
Beide Anträge wurden nach kurzer Aussprache mit grvßek Mehrheit angenommen. Darauf fühlten sich die Vertreter der Bon, ner Studentenschaft bewogen, den TagungS- raum zu verlassen.
Jetzt nahm Herr Prof. Dr. Scheel-Kie^ Vorsitzender des Verbandes deutscher Hochschulen, das Wort zu seinem Vortrag: „lieber das deutsche Hochschulwesen."
(Weiteres werden wir in der nächsten Nummer berichten).
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Mit WtbaftSmtltimgtn
r Berlin, 2. Aug. Der hiesige Pro- dukienmarkt verkehrt infolge der höheren Auslandsnotierungen in fester Haltuna. > fer üben Zurückhaltung. Weizen 316, Roggen 187—192, per Juli 208, Braugerste 200—205, Winter- und Futtergerste 170, Hafer 197—207, Mai» 176—178, Weizenmehl 38—40 Roaaen- rnehl 27,25—28,75, Weizenkleie 10,50—10,75, Roggenkleie 11,4—11,5.
r. Frankfurt, 2. Aug. Der hiesige Pro- dnktenmarkt verkehrte in fester Haltung infolge der hohen ausländischen Notierungen. Weizen 32, Roggen 22,50—22,75, ausländ. Hafer 21,25 dis 23, Mais 18,25—18,50, Weizenmehl 4250 bis 43,25, Roggenmehl 31,50—31,75, Weizen kleie 9,50, Roggenkleie 11.
r. Frankfurt, 2. Aug. Der Effektenmarkt verkehrt in fester Haltung. Montanwerte be- »orzuat, Farbeninduftrie 258 Geld, Phönir 120, deutsche Anleihen unverändert.
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jfullut’Milätn
2. August.
1921. Enrico Caruso in Neapel gestorben. Er war der bedeutendste Tenor, besten Stimme und Spiel überall höchste Bewunderung erweckte.
Seife 5\
Mitteilungen auf dem Leserkreise
Die Hebung der Kaufkraft.
Sehr richtig ist in Nr. 174 unter obigem Titel dargelegt worden, daß der Staat gut daran täte, zur Hebung der Kaufkraft die durch die Geldentwertung eingetretene Verarmung nach Möglichkeit zu vermindern und zu diesem Zwecke den Verarmten mehr zuruckzugeben, als er ihnen durch die Aufwer- tungsgesetze vorn Juli 1925 zurückgegeben hat.
Der Ueberstand liegt aber weniger darin, daß zu gering aufgewertet worden ist, als da- rin, daß die Auslosung erst im Laufe von 30 Jahren erfolgt. Bei der Auslosung werden 12Vi Prozent gezahlt zuzüglich 4y, Prozent jährlicher Zinsen davon seit dem 1. Januar 1926. Wenn also ein Auslosungsrecht z. B. nach 22 Jahren ausgelost wird, so werden etwa 25 Prozent des ehemaligen Kapitals ge- zahlt. Aber bis dahin ist eben voraussichtlich nicht nur der unglückliche Anleihealtbesitzer gestorben sondern auch ein großer Teil der Wirtschaft zugrunde gegangen. Die Gewährung ber sofort zahlbaren Vorzugsrenten ist auf einen viel zu kleinen Personenkreis beschränkt, nchnlich auf solche Anleihealtbesitzer, deren Jahreseinkommen den Betrag von 800 NM. nicht übersteigt, also auf solche Personen, die am Hungertuche nagen. 1200 RM. beträgt das steuerfreie Existenzminimum, bei Dor. handensein von Frau und Kindern mehr. Durch Gewährung der Dorzugsrente von 10 bis 800 RM., durchschnittlich also etwa 400 RM., gelangest die Hungerleider daher höchstens etwa auf das steuerfreie Existenzminimum. Daß solche Leute keine Anschaffungen machen können, durch die die Wirtschaft belebt wird, ist selbstverständlich. Notwendig ist es daher, die Bedürftigkeit als Doraussetzung für die Gewährung» der Vorzugsrente fallen zu lasten, also in § 18 das Wort „bedürftigen", ferner den ganzen § 19 (über den Begriff der SBebürftigneit) und Absatz 2 von § 21 (über die jährliche Nachprüfung der Bedürftigkeit zu streichen.
Eine zweite notwendige Maßnahme ist die Schaffung eines Rentnerversorgungsgesetzes. Von der Aufwertungsgesetzgebung haben alle diejenigen gar keinen Vorteil, die in der durch die Geldentwertung geschaffenen Not ihre Wertpapiere ober ihren Grundbesitz für geringwertiges Papiergeld haben verkaufen müssen, ober die vor dem 16. Juni 1922 durch ^Überreichung solchen Papiergeldes dazu genötigt worden sind, die Löschung ihrer Hypothek zu dulden. Allen denjenigen, bereu Äer- mogensroert sich von Ende 1918 bis Ende 1925 infolge der Geldentwertung um mehr als die Hälfte vermindert hat, sollte auf Antrag für Lebenszeit seitens des Reiches eine Rente in Höhe von 3 Prozent dieses Vermögensver- lustes, jedoch höchstens im Betrage von 3000 RM. jährlich gezahlt werden. Anleiheablösungsschuld hätte dabei bis zur Auslosung als verloren zu gelten. Auf die in der angegebenen Welse berechnete Rente wären auszu» rechnen: alle noch bezogenen Zinsen iraenb» welcher Art (Kapitalzins, Dividenden, Mietzins ober Mietwert eigener, nicht Gemieteter Räume, SBobenreinertrag, Pachtzins, Vorzugsrenten usw.), bagegen nicht anzurechnen: alle persönlichen (nicht vererbbaren), auf gegenwärtiger ober ehemaliger eigener Leistung beruhenden Bezüge (Invaliden-, Alters- und Hnfanrenten, Versorgungsbezüge von Kriegsbeschädigten und Kriegshinterbliebenen, Pensionen, Gehälter, Arbeitslohn usw.), ebensowenig Unterstützungen von Seiten Verwandter. Die Entscheidung darüber, wieviel Vermögen als durch die Geldentwertung verloren anzusehen ist. hätte das Finanzamt. Zur Deckung der Kosten könnte die Vermögenszuwachssteuer bestimmt werden.
Dr. L. Hellwig.
Was tn Marburg fehlt.
1. Etwas mehr Ordnungsliebe bei manchen Fahrgästen der Straßenbahn: ein Straßenbahnwagen ist kein Pavierkorb.
2. Zwei Ruhebänke auf der Brücke vor dem Hauptbahnhof. Hy Platz dafür ist vorhanden.
3. Immer noch Beleuchtung der Rathausuhr. ■■■MMMaaaBaKaMHRBBn
Briefkasten der Schrkfileitnna.
R. B. C. Beide Fragen sind mit „Ja" zu beantworten.
Wette. Berlins Feuerschutz ist einer Be-» rufSseuerwehr anvertraut, die aus 1689 Mann besteht: tp den früheren Vororten, die Berlin nn Jahre 1920 einverleibt wurden, sind z. B. bte freiwilligen Feuerwehren bestehen geblieben, die etwa 2000 Mitglieder zählen. Die Angehörigen der Berufsstnerwehr sind städtt- sche Beamte. Sie setzen sich zu überwiegenden Teilen aus ehemaligen Bauhandwerkern zu- fantmen. Einem bient nb zwar, zig stund igem Dienst folgt eine ebensolange Ruhepause.
Bei telephonisch übermittelten Anzeigen wird, wie bei allen Zeitungen, keine Gewähr für die Richtigkeit des Zeltes über- n citmen.
Amtliche Bekanntmachungen des Landratsamtes Marburg
Bekanntmachung.
Die Wegevarzelle Rr. 82 im Karienblatt 18 ber Gemarkung Treisbach m Größe von 83 Quadratmetern soll eingezogen werden.
Einsprüche hiergegen find gemäß § 57 beS ZnstSndigkeitSgesetzeS binnen 4 Wochen, bei Meldung des Ausschlusses, bet der unterzeichneten Wegepolizeibehörde geltend za machen.
Treisbach, den 27. Juli 1926. (4638
Die Wegepolizeibehörde.
z ’ Groll, Mrsermrister« /