Mittag, len L. August 1926
Die ^Vberhessische Zeitung" erscheint sechsmal wöchentlich. Bezugspreis monatlich 2 GM. auS- schließl. ZustellungSgebühr, durch di^ZostLLü SM.Für etwa infolge Streiks, Waschinendefekte oder elementarer Ereignisse ausfallende Kummern wird kein Ersah geleistet. Verlag v. Dr. §. Hiherolh, Druck der Unid.-Buchdruckerei b. Job. Aug. Koch, Markt 21/23. Fernsprecher: Nr. 541 u. Nr. 55. Postscheckkonto: Amt Frankfurt «. M. Nr. 5015. — Sprechzeit per Redaktion bon 10—11 und ff,1—1 Uhr.
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Nr. 179 61. Mrg. Marburg n. Laba
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1 Goldmark — V»,»Dollar.
MtzetzerKridasMev VerkünöiMis^iEjMd-KrmMachW
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Amerika und Eurem
Williamstown, 31. Juli. Im Institute of Politics erklärte der Generaldirektor der Panamerikanischen union, Rowe, die Bereinigten Staaten mühten eine Pan- amerikabewegung fördern, um sich gegen künftig etwa auftretende Verwicklungen mit Europa verteidigen zu können, da die Beziehungen ungewih seien. Panamerika müsse höhere politische Ideale aufstellen, wie die Beseitigung der Angriffsmöglichkeiten und die schiedsgerichtliche Behandlung aller Streitigkeiten. In der sich hieran auschlichenden Aussprache wurde betont, dah gegenüber dem europäischen Völkerbund die Vereinigten Staaten von Latein-Amerika die Frage des eigenen Kontinents regeln mühten.
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Zur Sevltmbtrlaeung
des Belkttbuudts
London, 31. Juli. Im Zusammenhang mit der Sevtembertagung des Völkerbundes findet gegenwärtig ein Meinungsaustausch zwischen verschiedenen Völkerbundsstaaten statt. Die Hauptbesorgnisse der englischen Regierung, die, wie der diplomatische Korrespondent des „Daily Telgraph“ berichtet, von einigen anderen Regierungen geteilt werde», bestehen darin, dah Deutschlands Zulassung zum Völkerbundsrat und zur Bölkerbundsversammlung durch unvorhergesehene Ereignisse wie ne März gestört werden könnten. Aus diesem Grunde wird verlaust, dah Deutschlands Wahl zu den beiden Körverschaften in den ersten Sitzungen der Tagung stattfindet, während die Wahlen für die nichtständigen Sitze um acht oder zehn Tage verschoben werden sollten.
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Das Ausnahmegesetz für Elsaß-Lothringen
Paris, 31. Juli. Der gestern vom Justizminister B a r t h o u in der Kammer eingebrachte Gesetzentwurf zur Bekämpfung der Angriffe auf die nationale Einheit, der in Wirklichkeit ein Ausnahmegesetz für Elsah- Lotbringen darstellt, siebt vor, dah jede Vro- vagandaha-rdlung, die darauf ausgeht, einen Teil des französischen Staatsgebiets der Autorität der Regierung zu entziehen, mit Gefängnis von einem Jahr bis zu fünf Jahren und mit Geldstrafen von 100 bis 500 Franken belegt wird. Auherdem kann auf Abi erkennung der bürgerlichen Ehrenrechte und auf Aufentbaltsverbot erkannt werden. Die Regierung will die Verabschiedung dieses Gesetzes vor dem Auseinandergeben des Parlaments herbeiführen. Der Rechtsausschuh der Kammer ist bereits heute nachmittag in die Beratung des Entwurfs eingetreten und bat beschlossen, vor der Einzelberatung eine Reihe ergänzender Erhebungen anzustellen.
Musizieren im besetzten Gebiet.
Mainz, 1. Aug. Der kommandierende General der französischen Rheinarmee bat auf Grund einer Ermächtigung der Rheinland- kommisfion die Verwendung von Trommler- uud Pfeiferkorps bei Umzügen innerhalb des besetzten Gebietes verboten.
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Attentat auf Stirne de Meta
Paris, 1. August. (WTB.) Havas meldet aus Barcelona: Als sich General P r i - mo de Rivera gestern abend in geschlossenem Auto auf dem Wege zum Bahnhöfe befand, um nach Madrid zu fahren, schleuderte ein in der Nähe stehender Mann einen Dolch gegen den Wagen des Ministerpräsidenten, ohne ihn jedoch zu treffen. Der Angreifer, der von dem hinter dem Wagen des Ministerpräsidenten fahrenden Polizeiauto überfahren worden war und dabei einen Beinbruch erlitten hatte, wurde sofort verhaftet. Es handelt sich um den 34 Jahre alten und in der Nähe von Barcelona beheimateten Tagelöhner Domingo Masacho Torrent, der wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt vorbestraft ist. Aus dem Verhör scheint hervorzugehen, daß dec Attentäter. Anarchist i[t x
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Die Abstimmung über den Finanzgesetzentwurf in der französischen Kammer.
Paris, 31. Juli. Die Kammer hat 8.15 Uhr abends die Debatte über die Finanzpro- jekte der Regierung abgeschlossen. Die Ecsamt- abstimmung ergab 295 Stimmen für und 188 Stimmen gegen die Regierung. In der Opposition befanden sich die Sozialisten, Kommunisten und ein Teil der Radikalen.
Laut nachträglicher Berichtigung war das Stimmenverhältnis bei der gestrigen Abstimmung über den Finanzgesetzentwurf in der Kammer folgendes: 304 Abgeordnete sprachen sich für und 177 gegen den Gesetzentwurf aus. Die Opposition setzte sich aus 28 Kommunisten, 94 Sozialisten, 12 Sozialrepublikanern, 31 Radikalen, 11 bei keiner Fraktion eingeschriebenen Abgeordneten und 1 Mitglied der republikanisch-demokratischen Vereinigung: zusammen 48 Abgeordnete enthielten sich der Stimme und zwar 12 Sozialisten, 32 Radikale, 3 Mitglieder der radikalen Linken und 1 Swialrepublikaner.
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Poincare hatte gestern den Entwurf betreffend das Statut der zu errichtenden A m o r t i s a t i o n s k a s s e in der Kammer eingebracht. Heute bat er diesen Entwurf wieder zurückgezogen. Er wird ihn am Dienstag, also 24 Stunden vor Beginn der Kammersitzung, aufs neue vorlegen. Gleichzeitig wird er beantragen, dah auch für die Beratung dieses Entwurfes, wie schon bei den Steuergesehen, das Dringlichkeitsverfahren in Anwendung gebracht werde. Die Kammer wird darüber am Mittwoch zu beschließen haben. Sie könnte dann am Donnerstag den Gesetzentwurf über das Statut der Amortisationskasse verabschieden, so dah seine Annahme durch den Senat noch im Lause dieser Woche möglich wäre. Der Ministerpräsident wird darauf dem Parlament den Antrag unterbreiten, das Statut der Amortisationskasse der Nationalversammlung zur Annahme vorzulegen, die in den ersten Tagen der nächsten Woche in Versailles zusammentreten könnte. Dadurch soll dem Statut der Charakter eines Verfassungsgesetzes gegeben werden.
Laut ,‘,Q u o t i t> i c n“ soll Poincare durch die Unterredung mit den beiden belgischen Ministern Franequi und Vandervelde zu der Einsicht gekommen sein, dah die finanzielle Wiederaufrichtung Frankreichs nicht ohne die Hilfe des Auslandes durchgeführt werden könne. Er sei jetzt entschlossen, sich in England und Holland um die Erlangung von Krediten zn bemühen. Um diese leichter zu erhalten, beabsichtige er, noch vor den Parlamentsferien dir Ratifizier»«« des zwischen Caillaux und Churchill getroffenen Schuldenregulierungsabkommens zu beantragen. Auch in diesem Falle werde er die Anwendung des Dringljch- keitsverfahrens fordern.
Die französischen Bonds der nationalen Verteidigung.
Paris, 1. Aug. Heute ist im „Journal Officiel" die bereits angekündigte Verordnung des Finanzministers erschienen, durch die Zinssätze für die Bonds der nationalen Verteidigung am 1. August erhöbt werden. Von diesem Tage ab sind die Bonds mit zwölfmonatiger Laufzeit mit 6 Prozent, die mit sechsmonatiger Laufzeit mit 5,5 Prozent, die mit dreimonatiger Laufzeit mit 5 Prozent und die mit einmonatiger Laufzeit mit 3,6 Prozent zu verzinsen. Die Zinsen sind, wie bisher, im voraus zu zahlen.
Die unbeliebten Amerikaner.
Paris, 31. Juli. Trotz des Einschreitens der Behörden kommen immer noch Belästigungen von Ausländern in Paris vor. Gestern wurde ein A m e r i k a n e r, der in Gesellschaft von Landsleuten den Luxemburg-Garten besichtigte, von einem Franzosen wegen seines angeblich zu lauten Auftretens zur Rede gestellt. Es entspann sich zwischen beiden ein heftiger Wortwechsel, der sehr bald zu einer Schlägerei ausartete. Der Franzose wurde von dem Amerikaner niedergeboxt, worauf dessen Landsleute zu Hilfe kamen. Die Polizei griff ein und nahm die Beteiligten in Saft.
Skt Kllllurkamps in Mexiko
Mexiko, 1. Aug. (WTB.) Dor der Kathedrale stehen militärische Posten. Die Kirchen werden weiter stark besucht. Die Truppen haben bisher nirgends eingegriffen: nur die Polizei und Feuerwehr mußten eingesetzt werden, als die mit der Llebernahme des Kircheneigentums beschäftigten Beamten mit Steinen beworfen wurden. Einige Personen wurden dabei verletzt. Die Arbeiterverbände kündigten an, dah 500 000 Personen am Sonntag an den Kundgebungen zugunsten der von der Regierung befolgten Politik teilnehmen werden. Ein Flugblatt droht allen, die an diesen Kundgebungen teilnehmen, mit der Exkommunikation.
Pa ris, 1. Aug. (WTB.) Aach einer Meldung der „Aewyork Harald" aus Mexiko wurde der Plab vor der Kathedrale durch das Militär geräumt, nachdem die dort angesammelte Volksmenge der Aufforderung zum Auseinandergehen nicht nachgekommen war. Dabei wurden 20Personen verwundet.
Aewhork, 30. Juli. Der Bischof der methodistischen Episkopalkirche, George Miller, der in den letzten Tagen aus der Stadt Mexiko zurückkehrte, äußerte sich hier über die in Mexiko gewonnenen Eindrücke über den Konflikt zwischen dem mexikanischen Staat und der katholischen Kirche. George Miller erklärte, seiner Tleberzeugung nach würden die von der mexikanischen Regierung getroffenen Maßnahmen dadurch veranlaßt, dah sich die katholische Geistlichkeit fortgesetzt politisch betätigte und den Gehorsam gegenüber den Gesetzen aufsagte. Der ganze Streit fei von der Hierarchie veranlaßt, die politisch
herrschen wolle. Es handele sich um einen Entscheidungskampf zwischen dem P a p st und dem Präsidenten von Mexiko, ein Kampf, von dem sich die Vereinigten Staaten fernhalten sollten.
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Ist Sage in Etzrim
Alex andrien, 1. August. (Reuter). Meldungen aus Quellen, die man als zuverlässig bezeichnen kann, deuten daraus hin, daß die Bewegung in Syrien sich weiter ausgedehnt und daß die Organisation der Zusammenarbeit zwischen den Führern in den von der Bewegung ergriffenen fünf Bezirken sich verbessert. Der Sultan Pascha Attrasch verharrt in seiner vorsichtigen Haltung und geht mit seinen Kräften sehr haushälterisch um. Er wartet immer die Gelegenheit ab, um die französischen Stellungen zu umzingeln und den Franzosen Ueberraschungs- angriffe zu liefern. Er hat die größte Beweglichkeit erreicht dadurch, daß er die Frauen und Kinder aus dem Bereich der Franzosen brachte. Er soll eine ausge« zeichnete Organisation haben. Der Distrikt um Damaskus und Ghata ist bebautes Gebiet, das die Aufständischen in einen aus- ge zeichneten Verteidigungszu- stand versetzt haben. Es soll sich hier eine vollkommene Telephon- und Telegraphenanlage befinden. Es wird noch gemeldet, daß die Aufständischen ihre militärische Organisation verbessert haben und daß ihre allgemeine Politik dahin geht, alle Handlungen, die ihre Kräfte schwächen könnten, zu vermeiden und die Feindseligkeiten in die Länge zu ziehen, um das Land von dem französischen Mandat zu Gunsten des britischen Mandats zu befreien.
Ist Mutalitiit ter sranMchm Generale
„La Mentalite alleniande — Cinq ans de Commandement sur le Rhin“: so nennt sich ein Buch, in dem der französische General Mordaeq, der bis zum vorigen Jahre an leitender Stelle der französischen Rheinarmee gestanden hat, die Erinnerungen und Erfahrungen seiner Kommandotätigkeit am Rhein niedergelegt hat. Ein sehr interessantes Buch! Nur der Titel ist falsch, ist irreführend. Statt „Die deutsche Mentalität“ müßte es heißen: „Die Mentalität eines französischen Generals“ oder noch besser „Die Mentalität der französischen Generäle“, denn die aus jenem literarischen Erzeugnis eines dieser Herren herausspringende Geistes- oerfassung ist charakteristisch für die ganze Gattung.
Wir bezweifeln lebhaft, ob Herr Mordaeq Fühlen .und Denken des deutschen Volkes wirklich kennen lernen wollte. Es klafft immer noch ein Abgrund des Nichtverstehens zwischen den beiden Nationen, ein Abgrund, den zu überbrüdien man sich jenseits der Vogesen verflucht ivenig Mühe gibt. Das gilt für die weitaus überwiegende Mehrheit der führenden französischen Gesellschaftsschichten und bis zu einem gewissen Grade auch für die zünftige französische Politik. Wie sollte unter diesen Umständen ein französischer General das zur Erfassung der deutschen Mentalität notwendige Verstehen und Wollen aufbringen? Herr Mordaeq jedenfalls hat die deutsche Mentalität nicht verstanden, doch sein Fall liegt rod) schlimmer er hat — sein Buch beweist es — das deutsche Volk absichtlich mißverstehen wollen und so ein Zerrbild deutscher Denkart gegeben, das eine Infamie ist.
Denn es ist die Mentalität eines Sklaven. Volkes, die uns aus diesem Buch eines fran- zöfischen Generals als die angebliche Mentalität des deutschen Volkes entgegensieht, die Mentalität etwa irgend eines der vielen schwarzen oder gelben Kolonialvölker, mit denen Herr Mordaeq wohl früher nähere Be- kanntschaft gemacht hat, eine Mentalität des Hundes, der vor der Peitsche des Herren kuscht. „Die Deutschen — so heißt es in dem Mordaeqscken Buche — haben nur tiefe Verachtung dafür, wenn man nicht kommandiert, sobald "man Sieger ist. Wir mußten am Rhein bleiben, was wir waren: die Sieger. Wir durften sie nicht bloß scheinen und mußten daher mit den ewigen Konzessionen Schluß machen. Ferner war es unerläßlich, dem deutschen Volke, das nur die Gewalt kennt, stets ein gut geschärftes Tümoklesf^mert zu zeigen, das heißt eine griff ausgebildete, stets zum Vormarsch an die Grenze bereite Armee. Kommandieren mußte die Basis unserer ganzen Volitik im Rbeinlande fein. Den Streik der Trambabnschasfner in Wiesbaden hatte ich in einer Stunde beigelegt. Ich hatte kommandiert und sie hatten gehorcht.“
Die gleichen Gedanken kehren noch einmal am Ende des Buches wieder, wo Herr Mordaeq eine Reihe Schlußfolgerungen gewissermaßen als ein Programm für die französische Politik aufstellt und in denen es heißt: „Gegenüber Deutschland können wir zwei Arten Politik treiben:' die Politik der Gewalt oder die Politik des Vertrauens. Politik der Gewalt heißt nicht Politik, die zum Kriege führt, sondern die uns angesi-Rts der deutschen Mentalität den Frieden f'*ert. Politik des Vertrauens ist für die Deutschen jedoch gleichbedeutend mit Schwäche und daher das beste Mittel, um einen neuen Krieg herbeizuführen. Politik des Vertrauens verlangt auch ^Ehrlichkeit“. Wo kann man die bei den Deutschen finden?!"
Diese beiden Stellen sind Jür das ganze Buch charakterfftisch, charakterrstisch sowohl für die Denkart, aus der heraus es geschrieben wurde, wie auch für die Zwecke, die es ver. folgt. Inwieweit Mordaeq wirklich von der „Minderwertigkeit“ der deutschen Mentalität ehrlich überzeugt ist und inwieweit er absichtlich ein falsches Bild gegeben hat, ist schließlich nicht so wichtig — es kann das deutsche Volk I^ten Endes gleichgültig lassen, wa» ein französischer General von ihm denkt — worauf es ankommt, ist die Frage, ob die von Herrn Mordaeq vertretene Methode der Gewalt und brutalen Unterdrückung — das ganze Buch ist von Anfang bis zum Ende eine Propaganda dieser Idee — die franzö- sische Politik gegenüber Deutschland noch weiter beeinflussen wird und bis jju welchem Grade. Daß die Tendenzen, die in dem Buch Mordacqs mit einer geradezu zynischen Offenheit ihren schriftlichen Niederschlag gefunden haben, noch immer in der französischen Politik eine Rolle spielen, steht leider fest. Alle Hindernisse, die fick der Loearno-Politik und deren Auswir- kunz auf daS deutsch-ffranzöslfche Verhältnis am