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Warum Steiften des SawMauts?
Außenminister Briand Hütte gestern in der Kammer eine dreistündige Besprechung mit seiner Gruppe, den sozialistischen Republikanern. lieber die aus dieser Unterredung gewonnenen Eindrücke macht eine gut unterrichtete politische Persönlichkeit folgende Angaben:
Briand tritt im Gegensatz zu Poincarö für eine sofortige Ratifizierung der Schuldenabkommen ein. Frankreich könne nicht ohne Hilfe des Auslandes, das übrigens selbst an einer Zusammenarbeit interessier! sei, aus seiner gegenwärtigen Finanzlage herauskommen.
Im engsten Zusammenhang mit der Schuldenfrage stehe die Revision des Dawes-Planes.
Für Frankreich bestehe kein Grund, sich einer etwaigen darauf hinzielenden Forderung Deutschlands zu widersetzen, denn eine Verminderung der deutschen Zahlungen könne nur dann die Einwilligung Frankreichs finden, wenn die französischen Verpflichtungen gegenüber England und Amerika dementsprechend herabgesetzt würden. Darüber hinaus sei eine Revision des Da- weS-lBlanes als der erste Schri,tt auf dem Wege zu einer internationalen Konferenz mit dem Ziel der vollständigen Schul- denannulierung zu betrachten. In dieser Beziehung seien
die Verhandlungen von Interesse, die gegenwärtig zwischen Montagu Norma», Strong und Tr. Schacht und zweifellos später auch mit dem Schatzsekretär Mellon im Antibes geführt würden.
ES handle sich zunächst um eine Verständigung zwischen der angelsächsischen und der deutschen Finanz, bei der aber sicherlich auch Frankreich eine Rolle zu spielen berufen sei.
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Die Meldungen, daß die am Reparations- Problem interessierten Mächte eine Revision des Dawesplanes nicht nur für möglich, sondern sogar für wünschenswert halten, wollen nicht verstummen. Aus England wird berichtet, daß Bankkreise eine Konferenz der Reparationsmächte mit Deutschland angeregt haben, deren Zweck die Besprechung einer Revision des Dawesplanes und des interalliierten Schuldenproilems sei. Es ist nicht ersichtlich, ob hinter dieser Anregung offizielle Kreise stehen. Aehnliche Meldungen wurden bisher stets dementiert . Es scheint aber, als ob sie doch nicht ganz an der Wahrheit Vorbeigehen . Man hatte die letzten Reisen des deutschen Reichsbankpräsidenten nach London und Paris und die Beratungen des Reparationsagenten mit englischen und französischen Regierungspersönlichkeiten mit diesen Plänen in Verbindung gebracht . Offenbar mit Recht; denn dem Anschein nach ist das Problem der interalliierten Schulden nicht zu lösen, ohne daß die Regelung der deutschen Reparationen einer einer Neuordnung unterzogen wird.
Selbstverständlich beabsichtigen die interalliierten Mächte, wenn sic einer Revision des Dawesabkommens nicht abgeneigt sind, nicht, Deutschland entgegenzukommen, sondern es dreht sich in der Hauptsache um das fr an- zösische Währungsdilemma, aus dem offenbar kein anderer Ausweg als der der internationalen Hilfe besteht. Da Frankreich die Zahlung seiner Kriegsschulöen stets von den deutschen Reparationsleistungen abhängig gemacht hat, läßt sich das eine nicht ohne das andere reorganisieren.
Wie seiner Zeit unter Peret, wird auch unter Poincare wieder von der Möglichkeit gesprochen, die deutschen Elienbahn- o b l i g a t i o u e n, die sich in den Händen Frankreichs befinden, zu mobilisieren, damit Frankreich aus dieser Quelle Mittel zur Sanierung seiner Finanzen erhält. Bekanntlich wurden Deutschland als Ausgleich für dies Entgegenkommen Erleichterungen in der Besatzungsfrage und ähnlichem angeboten. Wenn letzt sogar eine Revision des Dawes- planes, also der Leistungen Deutschlands an die Interalliierten, angeregt wird, so hat sich die interalliierte Oeffentlichkeit offenbar davon überzeugt, daß lediglich wegen der Besatzungs- erleichterungen em Opfer von Deutschland nicht zu verlangen ist. 'Qn der Besatzungsfrage verlangt Deutschland nichts als sein Recht. Wenn Deutschlands Zustimmung zur Mobilisation der Eisenbahnobligationen verlangt wird, so wird eine weitgehende Revision des Daivesabkym- Meris gefordert werden müssen»
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In deutschen politischen Kreisen ist es ausgefallen, mit welch reger Beflissenheit die englische Presse in den letzten Wochen den Stand der deutschen Bestrebungen aus Wiedererlangung von Kolonialbesitz verfolgt. Die Beeinflussung der englischen Presse durch das „F o r e i g n Office" ist unverkennbar. Die Tendenz der ganzen Presseaktion ist zweifellos vorbeugender Natur. Die englische Regierung besürchtet offenbar als eine der nächsten Folgen des deutschen Eintritts in den Völkerbund die Aufrollung der Kolonialfrage. Nach früherer anfänglicher Geneigtheit, auf einen Teil des von ihm jetzt verwalteten ehemaligen deutschen Kolonialgebiets zu verzichten, scheint die englische Regierung jetzt vor dem Geschrei der Interessenten in ihrem eigenen Lande kapituliert zu chaben und entschlossen zu sein, sich allen evtl. Wünschen und Forderungen der Deutschen aufs ent schieden st e zu widersetzen. Um die ablehnende Haltung Englands auf der erwarteten Völkerbundsauseinandersetzung über die Kolonialfrage vorzubereiten und die Weltöffentlichkeit in ihrem Sinne zu beeinflussen, hat daher die englische Regierung schon jetzt einen, man kann wohl sagen ganz raffinierten Pressefeldzug gegen die deutschen Kolonialansprüche ein- ?gleitet. Ueber den näheren Charakter die- er Campagne gibt e in in der „Time s" erschienener, fraglos inspirierter Artikel recht instruktive Auskunft.
Die „Times" stellt zunächst die absolut falsche Behauptung auf, daß nur ein -sehr kleiner Teil der deutschen Oeffentlichkeit an deutschen Kolonien oder an dem kolonialen Gedanken interessiert sei und kommt dann auf den evtl. Anspruch Deutschlands als zukünftiges Mi.tglied des Völkerbundes auf frei werdende Kolonialmandate zu sprechen. Das Blatt gibt bezeichnenderweise zu, daß Deutschland „als Kandidat natürlich ebenso in Frage komme wie jedes andere hervorragende Völkerbundsmitglied", schreibt dann aber: „Allerdings werde Deutschland vorläufig sich nur an der vom Völ-
SotonlaW für NeuMImd
kerbund auzuübenden Kontrolle beteiligen können." Aus dem Programm der Kolonialen Arbeitsgemeinschaft sei klar ersichtlich, daß gerade über diesen Punkt die früheren deutschen Kolonialbe- amten unterrichtet werden möchten. ES könnte nur von Vorteil sein, '„bie Erfahrung dieser früheren deutschen Kolonial- bcamten für die ständige Mandatskommission des Völkerbundes auszunutzen." Das Blatt fordert dann noch die deutschen Wissenschaftler auf, die bereits früher „be-, wundernswerte Arbeit in Afrika leisteten ihre Sjndien in diesen Gebieten sortzu- setzen."
Der Artikel der „Times" ist nicht gerade geschickt. Er enthüllt zu oft die Hintergedanken, die das Blatt oder vielmehr die englische Regierung mit ihm verbindet. Indem man Deutschland die Aufnahme in die Völkerbundskontrollkommission für die Kolonialmandate als erreichbares Ziel vor Augen stellt, will man den Deutschen Forderungen nach Zuteilung eines Mandats schon von vornherein sozusagen den Wind aus den Segeln nehmen. Die Beteiligung Deutschlands an der Völkerbundskontroll-e über die Mandate wäre für Deutschland natürlich nichts anderes als ein Scheinerfolg, bestenfalls ein kleiner Prestigegewinn, aber ohne jede praktische Bedeutung. Praktische Vorteile würden daraus eher die Engländer ziehen, die sich dann die Erfahrungen früher bewährter deutscher Kolonialbeamter und Wissenschaftler kostenlos zunutze machen könnten, ohne daß Deutschland davon irgend welchen politischen oder wirtschaftlichen Nutzen hätte. Die Anspielungen der „Times" sind gerade hinsichtlich dieses Punktes nicht mitzzuver- stehen. Wir glauben annehmen zu können, daß auch die deutschen amtlichen Steilen, falls die Kolonialfrage im Völkerbund akut werden sollte, isich nicht mit den paar Brocken, die ihnen nach der „Times" England offenbar hinwerfen will, begnügen, sondern an ihren berechtigten Ansprüchen aus realen Kolonialbesitz sesthalten werden.
EnMcht Sombinaltontn
Die Note Walshs.
Berlin, 29. Juli. Nach einer Meldung der „B. Z am Mittag" vom 29. d. Mts. stellt der diplomatische Berichterstatter des „Daily Telegraph" die Behauptung aus, daß die letzte Note des Generals Walsh über die Stellung des Generals von S e e ck t auf eine Intrige des deutschen Verbindungsoffiziers zwilchen dem Reichsivehrmlnisterium und der Interalliierten Militärkontrollkommijsion zurückzuführen sei . Hierzu wird amtlich bemerkt, daß die Behauptung des „Daily Telegraph" von Anfang bis zu Ende auf freier Erfindung beruht und daß die gegen den genannten Offizier erhobene schwere Beschuldigung von der Reichsregierung auf das Entschiedenste z u - rückgewiesen wird. Ueber den tatsächlichen Sachverhalt erfahren wir im übrigen folgendes.
Die letzte Note des Generals Walsch vom 2. 7. über die Stellung des Chefs der Heeresleitung geht zurück auf einen Beschluß der Botschafterkonjerenz vom 14. 4. d. Js. Zn der Verordnung des Reichspräsidenten vom 28. 1. d. Js. über die „Befehlsbefugnisse im Reichsheer". Dieser Beschluß forderte die Uebertragung der Generalinspektion der Truppen an einen der beiden Gruppenkommandeure. Er ist der deufichen Regierung durch eine Note der Interalliierten Militärkontrollkommission vom 27. 5. mit geteilt und von der deutschen Regierung^ durch Note vom 22. 6. im ablehnenden -sinne beantwortet, von General Walsh in der Note vom 2, 7. wieder aufgerollt worden.
Die Ebe» zwischen deutsche» Frauen'und englischen Besatzungstruppe».
London, 29. 2uli. (WTB.) In Beantwortung einer Anfrage im Unterhaus hat der Staatssekretär für das Kriegswesen Evans mitgeteilt, daß bis Ende v. Jrs. 648 Ehen zwischen deutschen Frauen und im besetzten Gebiet stehenden englischen Soldaten geschloffen wurden.
SleMhmnBase im Clmmbiet Appell der Wirtschaftskreise an den Völkerbund.
Saarbrücken, 29. Juli. Die Handelskammer Saarbrücken, der Vorstand des Wirtschaftlichen Vereins, sowie Vertreter der Handwerkskammer und des Handwcrkbundes haben gestern zu der Wäbrungslage im Saargebict Stellung genommen und ihre Auffassung in einer Entschließung niedergelegt, die der Regierungskommission des Saargebiets mit der Bitte übermittelt worden ist, sie an das Genfer Sekretariat des Völkerbundes weiterzuleiten:
I» der Entschließung beißt es u. a„ daß die Wirtschaftskreise des Saargcbietes einmütig sind in dem Wunsche nach einer baldigen Stabilisierung der saarländischen Wäbrungs- verhältnisse. Zu den allgemeinen Schädigungen durch die Verschlechterung der französischen Währung käme hinzu, daß Frankreich das Saargebiet, trotzdem es französisches Währungsinland geworden ist. als Währung s- auslaud behandelt. Abhilfe sei aber nur dadurch möglich, daß das Saarzollvroblem in vollem Umfange seine Lösung findet und daß dem Saargebiet seine naturgemäßen wirtschaftlichen Verbindungen mit dem übrigen Deutschland sicherge- stellt würden. Die Wirtschastskreise des Saargebietes richteten darum an die Regie- rungskommisfion und den Völkerbund das dringende Ersuchen, sofort d-e Vorbedingungen für den Uebergang des Saargebietes zur Wertbeftändigkeit zu schaffen. Gleichzeitig wird gebeten, Schritte zu tun, daß Frankreich das Saargebiet ift vollem Umfange bei der Kreditgewährung mit dem übrigen französischen Währungsgebiet gleich behandelt.
Tas Torpcdoschiff als Schmugglerschiff. .
Berlin, 29. Juli. Wie das W.T.B. berichtet, wurde im Hafen von Malmö das schwedische Torpedoboot „Iris" von der Zollbehörde festgehalten und durchsucht. Es stellte sich heraus, daß das Boot große Mengen Spirituosen, Zigarren und Zigaretten mit sich führte. • - ■
Sie peinliche MdenSllebe
Die polnische Regierung hat sich nach dem Staatsstreich Pilsudskis bemüht, vor der Weltöffentlichkeit einen guten Eindruck zu machen; sie hat erklärt, daß sie eine aktive Friedenspolitik treiben werde, daß sie die Rechte der nationalen Minderheiten achten werde, daß sie insbesondere mit dem westlichen Nachbar Polens, mit Deutschland, in Frieden zu leben wünsche. Noch ist das Echo der Reden des polnischen Außenministers nicht verklungen und schon kommen Nachrichten aus Polen, daß die polnische Friedensliebe in der Praxis doch etwas anders aussieht, als in der Theorie. Die polnische Regierung hatte angekündigt, daß sie den Wirtschaftskrieg mit Deutschland so schnell wie irgend möglich zu beendigen wünsche. Der strittige Punkt in den Wirtschaftsverhandlungen zwischen Deutschland und Polen war das Niederlassungsrecht. Nach den Ankündigungen der polnischen Regierung hätte man mit Recht annehmen können, daß Polen endlich bereit sei, den deutschen Standpunkt anzuerkennen und die unumgänglich notwendigen Konzessionen zu machen. Das neue polnische Ausländerge- setz aber verschlechtert die Rechtslage der Ausländer in Polen in einem solchen Maße, daß die deutsch-polnischen Derhandlungen über die Frage des Niederlassungsrechtes vollkommen aussichtslos geworden sind. Infolgedessen sind die Wirtschaftsoerhandlungen auf unbestimmte Zeit verschoben worden. Auch die reinen Handelsvertragsverhandlungen sind noch nickt um einen Schritt weitergekommen, da sich über die wichtigsten Fragen, z. B. das Kohlenkontingent, noch keine Einigung er« zielen lieft.
Die Wendung, die bi? deutsch-polnischen Wirtsckastsverhandlunaen genommen haben, lassen also nichts von dem Friedenswillen Po- lens gegenüber Deutschland erkennen. Die Achtung der nationalen Minderheiten ist für jedes Land eine moralische Pflicht. Polen hat aber von jeher verstanden, sich dieser Pflicht zu entziehen. Gerade aus der letzten Zeit liegen genug Beispiele vor. die beweisen, wie wenig ernst es Polen mit seinen pathetischen Friedensverhandlungen meint. Was die Handelsvertragsverhandlungen anbelangt, so scheint Polen vollkommen zu veroessen. daß es in den Handelsbeziehungen mit Deutschland eher der nehmende als der gebende ist. Die polnischen Wirtschaftsverhältniffe sind im Auoenblick infolge des englischen KohleN- ftreibe nicht schlecht. Daraus erklärt sich wahrscheinlich die Beharrlichkeit, mit der sich Polen weigert, Deutschland in den Handels- Vertragsverhandlungen entgegenzukommen.
Die polnische „Friedenspolitik" gegenüber den Nachbarländern äußert sich merkwurdi- aerweise darin, daß Polen seine Rüstungen verstärkt. Die Organisation der polnischen Armee liegt allein in den Händen Pilsudskis. der nicht einmal dem Staatspräsidenten und der Negierung verantwortlich ist. Zweifellos geht es auf die Initiative Pilsudskis zurück, daß der polnischen Kriegsindustrie jetzt große Mittel zur Verfügung gestellt, daß die chemische Industrie ausgebaut werden soll und daß für die Stickstoffindustrie ausländisches Kapital besorgt werden soll. Die Organisation der Pilsudsknäger soll bedeutend vergrößert und unter militärische Leitung gestellt werden. Ferner sind für den Herbst große Armeemanö- per, die die Kriegsfähigkeit der polnischen Truppen beweisen sollen, vorgesehen. Diese Rüstungen haben selbstverständlich nicht den Zweck, die polnische Friedensliebe zu dokumentieren. Es ist möglich, sogar wahrscheinlich. daß diese Rüstungen nicht gegen Deutschland gerichtet sind: dem entwaffneten Deutschland gegenüber könnte sich Polen diesen Aufwand sparen. Man geht ober sicher nicht fehl, wenn man annimmt, daß die militärischen Kundgebungen Polens eine Rüstung gegen Litauen bedeuten, also indirekt doch gegen Deutschland und auch Sowjet-Rußland gerichtet sind. In sowjetistischen Kreisen, herrscht daher bereite einige Besorgnis, da im Falle eines Krieges zwischen Litauen und Polen alle großen Eisenbahnverbindungen mit Rußland und dem Westen in polnische Hände kommen. Daß Litauen ein beliebtes Objekt der polnischen Annektionsbestrebungen ist, ist schließlich nicht unverständlich: einerseits wird Ostpreußen bei einer Annektion Litauens durch Polen völlig von polnischem Gebiet umschlossen, andererseits wird die Verbindung zwischen Sowjetruftland und dem übrigen Europa durch polnisches Gebiet oder doch mindestens durch eine polnische Intereffensphäre durchbrochen.
Mit den Genfer Abrüstungsverliandlungen lassen sich die polnischen Rüstungen nur schwer in Einklang bringen. Polen handelt aber nur als getreuer Vasall Frankreichs, wenn es feine Rüstungen so hoch wie nur irgend möglich berauffchraubt Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte für das, was man aus den Ab-