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Marburger

Tagrsanzelger

Mittwoch, -0N 28. Zull 1926

Die »Oberhessische Zeitung" er­scheint sechsmal wöchentlich. Be­zugspreis monatlich 2 GM. aus- schließl. Zustellungsgebühr, durch dt«Post2>25 GM.Für etwa infolge Streiks, Waschinendefekte »der elementarer Ereignisse ausfallende Nummern wird kein Ersah ge­leistet. Verlag v. Dr. §. Hiheroth, Druck der Unib.-Buchdruckerei b. Ioh. Aug. Koch, Markt 21/23. Fernsprecher: Nr. 54. «. Nr. 55. Postscheckkonto: Amt Frankfurt *, M. Nr. 5015. — Sprechzeit ^er Redaktion von 10—11 und 1 Uhr.

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1 Goldmark — V«,-Dollar.

Amerika und die Rede Nrvstsfor Barnes

New York, 27. Juli. Die Berliner Rede des Professor Barnes über die Kriegsschuld­lüge hat in Amerika größte Beachtung gefun­den. Die deutschfeindlichen Blätter habe« je­doch seine Ausführungen mit keinem Wort er­wähnt. Biele amerikanische Blätter weisen daraus hin, daß über die Rede noch eine ein­gehende Auseinandersetzung in der amerikani­schen Oeffentlichkeit stattfinden werde.

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England nnd der Sturz Einowjrsfs

London, 27. Juli. Trotz des groben In­teresse», das gegenwärtig die innerpolitische Lage in England in Anspruch nimmt, hat die Nachricht von dem Fall Sinowjefs starke Beachtung gefunden. Zu den vielen Faktoren, die den Sturz Sinowjeffs verursachten, gehört auch, wie der diplomatische Korrespondent der „M o r n i n o p o st- meint, der Fehlschlag des englische« General streik» und die Unfruchtbarkeit der sowjetrusfischen Propa­ganda in England.

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Ein rmrgiMr Vorstoß men die Saarregiernag

<3tiiarbrüden, 26. Juli. Die Hand­werkskammer Saarbrücken und der Hand­werkerbund des Daargebieis haben angesichts der katastrophalen Untätigkeit der Negie­rungskommission gegenüber der Notlage, in die das Saargebiet durch die vertrags­widrige Einführung der Franken­währung geraten ist, einen außerordentlich energischen Dorstoß gegen die Saarregierung unternommen, indem sie ihr unter Hinweis auf die vertragsmäßige Derpflichtung für die Wohlfahrt der Bevölkerung zu sorgen, kategorisch mitteilten, das Handwerk des Saar­gebiets werde mit den übrigen Berufszweigen unverzüglich zur Selbsthilfe schreiten, wenn weiterhin von Seiten der Negierungs- kommifsion nicht durchgreifende Maßnahmen ergriffen werden. Der Wunsch nach einer Umstellung auf die Goldmarkba- f i s sei int Saargebiet nach den gemachten Er­fahrungen der Markmflation so stark ver­breitet, daß es nur eines Winkes der Spitzen- vrgamsationen bedürfe, um binnen kürzester Zeit eine solche Umstellung herbeizuführen. Die Situation sei bereits so kritisch geworden, daß die Regierungskommission alle Beran- lassung habe, unverzüglich großzügige Hilfsmaßnahmen durchzuführen, wenn die französische Währung nicht binnen kurzem praktisch erledigt sein solle. 2In einzelnen For­derungen zur wenigstens teilweisen Ausglei­chung der nachteiligen Auswirkungen der Frankeninflation für die saarländische Bevöl­kerung werden in der Eingabe der beiden Or­ganisationen genannt: Bereitstellung ausrei­chender billiger Papierfrankenkredlte (die im Gegensatz zu Deutschland im Saargebiet voll­kommen fehlen), sofortige Lösung des Zoll­problems und durchgreifende Maßnahmen zur Verringerung der Steuerlasten und gerechtere Derteilung derselben unter stärkerer Heran­ziehung des Bergbaues und der Schwer­industrie.

Der deutsch-englische Konkurrenzkampf auf dem Farbenmarkt.

ft. Manchester, 28. Juli. Auf der gestrigen Jahressitzung der Vereinigung der Farbstoffverbraucher bezeichnete der Vor- sitzerhe das vergangene Jahr als epoche­machend in der Geschichte der Farbstoffin­dustrien der Welt. Deutschland sei durch die Konzentration und Expansion der deut­schen Farbstoffindustie unabhängig von fremden Rohstoffen geworden, was auf das ganze deutsche industrielle und soziale Leben zurückwirken müsse. Demgegenüber müsse die Farbstoffindustrie Großbritan­niens danach trachten, ihre Märkte be­trächtlich zu vermehren.

Abnahme der Arbeitswillige» im eng- lischeu Bergbau.

ft. London, 28. Juli. Infolge der Reden Cooks gegen die Streikbrecher hab ' 'die Zahl der Arbeitswilligen in 23ar«; wickshire gestern um 1400 abgenommen/

Sie betrügt jetzt noch etwa 6000. <,

Starke Mehrheit für Wamrh

Sie SntervellattenSökhatte vertagt

Poincaro ist offenbar überzeugt davon, daß er im Parlament keine Schwierigkeiten Haben wird. Er will sogar das BerHandlungsoer- fahren der äußersten Dringlichkeit vom Par­lament verlangen, ein Verfahren, das Zwei­drittelmehrheit erfordert. Da man damit rechnet, daß Poincare in der französischen Kammer mindestens 400 Stimmen für sich haben wird, ist also einige Gewähr vorhanden, daß das Parlament diesmal die Arbeiten der Regierung nicht stören wird.

Das offizielle Programm Poinearös bietet eigentlich nichts bemerkenswertes. . Es hält sich, was die Neufestigung der direkten Steuern anbelangt, eng an das Programm, das seinerzeit von der Sachverständigenkom­mission ausgearbeitet worden war. Aus den indirekten Steuern soll ein Mehrbetrag von 2 y2 Milliarden Franken herausgeholt werden, indem die Verkehrssteuern erhöht werden und der Einfuhrzoll auf Kolonialvrodukte erheb- . lich heraufgesetzt werden soll. Die Umsatzsteuer wird nach den Plänen Poincarßs 2 Prozent betragen; es wird erwartet, daß die Zoll­erhöhungen und die Umsatzsteuer etwa 1 Milliarde im Jahr einbringen. Ferner sollen die Tarife der Eisenbahn verteuert werden.

Das Wenige, was bisher von den Plänen PoincartzS bekannt ist, läßt erkennen, daß fein Programm, soweit es rein finanzpolitisch ist, sich kaum von dem Caillaux' entscheidet. Die oben skizzierten Maßnahmen werden aber kaum ausreichend fein, den Haushalt auszu­gleichen und die erste Voraussetzung für die Stabilisierung des Franken zu schassen. Wie Poinearß gedenkt, die leeren Staatskassen zu füllen, scheint ebenfalls noch nicht ganz klar zu fein. Ein Stabilisierungsprogramm wird rorr der Regierung zunächst offenbar noch nicht aufgestellt; man will warten, bis sich die finanzielle Lage des Staates gebessert und die Stimmung im In- und Auslande beruhigt hat damit dos Werk der Stabilisierung nicht durch unvorhergesehene Zwischenfälle beein­trächtigt werden kann. Der Kurs des Fran­ken ist unverändert fest. Das Pfund notierte 190, der Dollar 40,41. Ob aber die Kursbesse­rung des Franken anhalten wird, wenn die endgültige Stabilisierung etwa noch auf Mo­nate hinausgeschoben wird, ist sehr zweifel- hast. Die letzte Besserung des Franken ist zwar durch die politische Situation verursacht worden aber wie bei den vorigen Kabinetts­bildungen, so ist es auch bei dieser nicht aus- neschlossen, daß die Reakton ein tritt, die umso stärker werden wird, je mehr die Stabili­sierungsmaßnahmen verzögert werden.

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Der Präsident oer französischen Kammer begibt sich bekanntlich unter Trom­melwirbel und Trompetenstößen durch die Spa­lier biföenben republikanischen Gardisten vom Gebäude des Kammerpräsidenten nach dem Sitzungssaal . Ms der neu gewählte Kammer­präsident Per et heute mittag, den Rotunden­saal durchschritt, wurde ge p sl ff en. Tie Havasagentur teilt mit, daß diese Kundgebung von einer Persönlichkeit ausgegangen sei, die ein kommunistischer Abgeordneter eingeführt habe. Um dem Zwischenfall entgegenzuwirlen, hätten viele Zuschauer den neuen Kammer­präsidenten auf das wärmste begrüßt. Der Kammerpräsident eröffnete die Sitzung mit ei--- ner kurzen Ansprache, die tedoch wiederholt von den Kommunisten unterbrochen wurde.

Noch dramatischer gestaltete sich, die Sage, als Ministerpräsident Poincare die Redner­tribüne bestieg, um die Regierungserklärung zu verlesen •. Gleich zu Beginn der Verlesung ruck der Kommunist Cachin Poincare zu:

„Sie sieht man nur in Zeiten des Unglücks!" Die Rechte protestiert, toorauf die Kommunisten sich erheben und die Internationale anstimmen. Die Rechte und Mitte suchen durch Hände­klatschen den Gesang zu übertönen. Die Kom­munisten , aber lärmen weiter. Kreide­bleich steht Pomcare auf der Rednertribüne und erklärt schließlich, als der Lärm etwas nachgelassen hatte: „Ich habe nicht das Recht, die Regierungserkläruiig abzubrechen. Ich werde sie nicht abbrechen!" Poincare kann alsdann einige Sätze in Ruhe verlesen, wirb bann aber fortgesetzt von Cachin mit seinen Anhängern unterbrochen.

Dir Regierungserklärung, die Ministerpräsident Poincare in der Kammer und Justizminister Barthou im Senat verlesen haben, lautet wie folgt.

Das Kabinett ist in einem Geiste Nr na­tionalen Versöhnung gebildet worden, um der Gefahr, die' gleichzeitig unsere Sßäb* rung, die Freiheit.unseres Schatzamts und das.

Gleichgewicht unserer Finanzen bedroht, be­gegnen zu können. Jeder der Männer, die sich einmütig zusammengetan haben, um an diesem Werk des öffentlichen Heils zu arbeiten, ist der Ansicht gewesen, daß er die Pflicht hat, in diesem Augenblick diesem Werk all seine Ge­danken und seine Kraft zu widmen. Später werden andere Fragen auftreten, über die diese Männer verschiedener Ansicht sein werden. Heute jedoch sind sie vollkommen einer M e i- nnng über die dringliche Notwendig­keit der Finanzsanierung und der hierbei anzuwendenden Mittel.

Nach aufmerksamer und gewissenhafter Prüfung der Lage haben wir die feste Uebcrzeugung gewonnen, daß es möglich ist, schnell den Stand der französischen Fi­nanzen zu bessern und den Kurs des

Franken zu heben.

Um dieses Ziel zu erreichen, ist eine sofortige und entschlossene Zusammenarbeit zwischen Re­gierung und Parlament notwendig. Deshalb bringt die Regierung einen Gesetzentwurf zur Erschließung von den Ausgaben entsvreechender Einnahmequellen ein.

Um jede neue Jnflationsgefahr zu ver­meiden, wird die Regierung die Bewilligung dieser unerläßlichen Zusatzeinnah­men beantragen unter Beobachtung des Sparsamkeitsgrundsatzes. Wenn auch entspre­chend den Anregungen der Sachverständigen die Regierung gezwungen ist, unverzüglich zu die­sem Zwecke gewisse indirekte Steuern zu erhöhen, so wird sie gleichzeitig durch direkte Besteuerung des erworbenen Vermögens für die gerechte Verteilung der Lasten sorgen. Ein Teil des Ertrags wird jährlich zur Speisung einer Amortisationskasse für die Bonds der nationalen Verteidigung dienen. Außerdem müssen Maßnahmen ge­troffen werden, um das Vertrauen aufrecht zu erhalten und es der Regierung zu ermöglichen, pünktlich alle Verpflichtungen des Staates einzuhalten, die Produktion im Mutterland und in den Kolonien zu för­dern und die Lebenskraft des Landes zu stei­gern. Wir behaupten nicht, in einigen Wochen oder auch nur in einigen Monaten die ge­samten Wirtschafts- und Finanzprobleme lösen zu können, die ein beinahe überall in der Welt herrschender Notstand vor uns bat erstehen lassen. Die Hauptsache ist aber zweifelsohne, das dringendste ohne Umschweife und ohne Winkelzüge in Angriff zu nehmen.

Ebenso wie wir selbst haben die Gläu­bigernationen Frankreichs, die Frankreich fest entschlossen ist im Rahmen seiner Möglichkeit zu bezahlen, ein Interesse daran, daß wir vor allem die Währungskrise beheben, die auf vielfache Ursachen zurückzu­führen ist, die jedoch sehr wohl beschwichtigt und deren gefährliche Auswirkungen vermieden werden können. Frankreich hat ernstere und schmerzlichere Stunden als diese erlebt. Es hat sich damals durch Einigkeit und Energie gerettet. Auch heute hängt von diesen Bedin­gungen der Sieg ab.

Die Regierungserklärung schließt mit den Motten: Meine Herren! Gehen wir sofort an unsere schwere Aufgabe für die Republik und das Vaterland.

Als Poincarß die Rednertribüne verläßt, veranstalten die Kommunisten wiederum eine lärmende Kundgebung, die ihr Ende findet, als Perßt die elf Interpellationen zur Ver­lesung bringt. Poincare erklärt, die Re­gierung fordere die Zurückstellung der Be­ratung der Interpellationen bis nach der Durchberatung der Finanzgesetze, für die er das Verfahren der außerordentlichen Dring­lichkeit fordern werde. Die Lage fei äußerst ernst. Jede Stunde der Verzögerung könne sie verschärfen.

Der Kommunist Renauld Jean fordert sofortige Beratung, seiner .Interpellation und erklärt, die Rückkehr Poincarss bedeute eine Herausforderung der Arbeiter und der Wähler, die dreimal hintereinander dem Kar­tell der Linken ihre Stimme gegeben hätten.

Der Führer des Kartells der Linken fei zum Feinde übergegangen.

Von all den fchöklen Reformen, die man im Mai 1924 beginnen wollte, fei keine verwirk­licht worden, obgleich die Abgeordneten der Linken über 330 von 380 Stimmen verfügten. Die Auflösung der Kammer sei notwen­dig. Der nächste Redner, der sozialistische Ab­geordnete Compare Morel, erklärt, die Interpellationen über die Verteuerung des Brotes könnten nicht vertagt werden und for­dert ihre Diskussion für morgen.. Seine Freunde, erklärt (tempere Morel. - wurden der.

Regierung aus wirtschaftlichen und politischen Gründen nicht das Äertrauen ausfpre- chen. Es sprechen nach Compöre Morel noch weitere Interpellanten, die sämtlich für die baldige Diskussion ihrer -Interpellation ein­treten. Eine Ausnahme macht der rechtsradi­kale Abgeordnete Brunet, der mit Vertagung seiner Interpellation über die Finanzpolitik der Regierung einverstanden ist. Der radikale Abgeordnete Franklin Bouillon macht poincare zum Vorwurf, daß er eine Grup­pierung von Parteien vollzogen habe.

Bertrauensvotum für Poincare

Paris, 27. Juli. (WB.) In der Abstim- mung der Kammer wurde der Antrag der Re­gierung, die Jnterpellationsdebatte zu ver­tagen, wofür die Regierung die Der. trauensfrage stellte, mit 358 gegen 101 Stimmen angenommen. Ferner wurde der Antrag der Regierung, die Erklärung der außerordentlichen Dringlichkeit für die Fi- nanzgefetze zu bewilligen, mit 418 gegen 31 Stimmen angenommen. Darauf vertagte sich die Kammer auf Freitag nachmittag.

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Rems Anziehen des Ranken

Paris, 27. Juli. Die Besserung der französischen Währung ist gestern rum Still­stand gekommen. Das Pfund Sterling, das amtlich 190 notiert hatte, zog nachbörslich auf 196,5 an, der Dollar von 38,97 auf 40,40. Das neue Anziehen des Franken wird damit er­klärt, daß die nächsten Verfalltermine in De. visen, besonders in Pfund und Dollar, zu be­gleichen sind. Man nimmt an, daß die Re. gierung gestern größere Mengen Devisen an. kaufte.

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England, Rankrei» und die Müftungsmlen

In der französischen Regierungspresse wird die Entwaffnungsfrage, die durch den Vorstotz der Interalliierten Kontrollkommission gegen den General von Seeckt wieder stärker in den Vordergrund des politischen Interesses geruckt worden war, in letzter Zeit mit auffallender Zurückhaltung behandelt. Man beeilt sich, die Ansicht zu unterstreichen, daß es sich bei den Noten des Generals Walch nur um rein tech­nische Fragen und lediglich, nm Fälle handele, deren spätere Abwicklung schon anläßlich der Märztagung des Völkerbundes, roo man Deutschlands grundsätzlich durchgemhrte Ent­waffnung anerkannte ins Auge gefaßt worden sei Die französische Regierung iajeint in der Tat entschlossen zu sein, diesen Standpunkt festzuhalten und die Tätigkeit. der Kontroll­kommission als eine Hilie für die deutsche Re­gierung betrachten zu wollen, eine Hilfe die dieser erlaube, den Weg für den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund frei zu machen.

In gutunterrichteten diplomatischen Kreisen führt man diese merkwürdige versöhnliche Haltung Frankreichs auf Gründe suruck, die einen gewissen Zusammenhang zwischen Der Entwaffnüngssrage, der Frankenkrise und der insolge dieser Krise in Frankreich entstande­nen Mißstimmung gegen En.ßl and Herstellen. Der Druck der angelsächsischen Gläubiger auf Frankreich hatte bekanntlich zu einer Erregung des französischen Volkes ge­gen England geführt, die offenbar lenseits des Kanals sehr nachdenklich sttmmte und sogar die Befürchtung auslöste, daß eine, etwaige aus der französischen Verärgerung icker die englischen Gläubigerforderungen entstandene Annäherung Frankreichs an Deutschland eine England ungünstige Verschiebung der europä­ischen Kräfteverhältnisie nach sich Sieben konn­te. Es lag deshalb den Engländern viel da­ran, die Aufmerksamkeit Frankreichs von der Schuldenfrage und damit von Englands Gkau- bigeriorderungen abzulenken. Die günstigste Gelegenheit hierzu war in einer Wlederauf- rollung der Entwaffnungssrage gegeben, und es dürfte daher wohl zutreffen, das es — wie in gutunterrichteten Kreisen verlautet — ge­rade England war, das die Absendung der neuen Entwaffnung snoten des Generals Walch besonders b e g ü n st 1 s t bat. Um so stärker war in Paris darüber ent­rüstet, daß englische Zeitungen — vermutlich sogar auf halbamtliche Einflüsse hin — ver- ; suchten, es so darzustellen, als ob die Ueber- rei.chung dieser Noten gegen den Willen der englischen Regierung erfolßt sei. Man batte in Paris das sebr richtige Empfinden, als ob es den Engländern nur darauf ankäme, die