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Marburger rageSanzelger
Montag, -en 28. Zull 1926
Dl« «Oberhrssischi Zeitung" erscheint sechsmal wöchentlich. Bezugspreis monatlich 2 GM. aus- schließl. Zustellungsgebühr, durch dtePost2-25 GM.Für etwa infolge Streiks, Maschinendefekte oder elementarer Ereignisse ausfallende Nummern wird kein Ersatz geleistet. Verlag v. Dr. §. Hitzeroth, Druck der Unib.-Buchdruckerei v. Zoh. Aug. Koch, Markt 21/23. Fernsprecher: Nr. 54. u. Nr. 55. Postscheckkonto: Amt Frankfurt <l M. Nr. 5015. — Sprechzeit her Redaktion bon 10—11 und ‘1,1—1 Uhr.
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KaakreW künftige Armee
fk. P a r i s, 28. Juli. Gestern abend hat an- läßlich des Kongresses der französischen Reserveoffiziere in Lille Marschall Fach folgende Grundsätze über die Organisation der künftigen Armee aufgestellt:
1. Das Friedensheer werde viel .'tütete Effektivbestände besitzen als 1914. Die Zahl der Armeekorps werde verringert werden.
2. Da» Kriegsherr werde sämtliche Hilfsquellen der Nation einsetzen und dadurch einen bedeutenden Gewinn haben.
3. Sowohl das Kriegs- als cut*i das Fric- densheer werden eine den militärischen Bedingungen immer mehr und besser angepaßte vervollkommnete Waffe besitzen.
Französische Verluste in Syrien.
Paris, 24. Juli. Nach Blättermeldungen aus Beirut sind bei den letzten Kämpfen mit den Drusen in der Umgebung von Damaskus auf französischer Seite 49 Mann gefallen, 97 wurden verwundet.
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Der englisch-lunmkmMe EchnIdenkonftM
Erwiderung Borahs auf die Angriffe gegen Amerika.
New York, 25. Juli. Nach einer Meldung der „Associated Press" aus Washington erinnerte Senator Bor ah, Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses, in einer längeren Erklärung die europäischen Kritiker an der amerikanischen Auswärtigen Politik daran, daß Leute, die selbst tn Glashäusern säßen, keine Steine werfen sollten. Churchills Schmäh- seldzug zwecks Schuldenannullierung sollte die Welt nicht Englands am Friedenstisch erlangte Landgewinne vergessen lassen. Es stehe fest, daß von den bei Kriegsschluß zur Verteilung gekommenen über vier Millionen Ouadratmeilen Land Großbritannien sich drei Millionen und Frankreich über 800 000 Qu adratmeilen Land gesichert Habe, während Amerird treu seinen Idealen nichts angenommen habe. Der Earl of Denbigh wolle das amerikanische Völk politisch aufklären. Die Amerikaner bedürften fedoch keiner besonderen Erziehung, um zu wissen, tote der Schuldner sich benehmen muß, wenn er nicht zahlen wolle. Die Angriffe auf die Vereinigten Staaten stellten eine eigene Methode ^Englands dar, die Annullierung der Schulden zu verlangen. Senator Bo»ah kennzeichnete Churchills Parlamentsteden als einen Galli- polifeLzug für die Annullierung. Asquith und Curzon, die mit den Vereinigten Staaten über seinen Eintritt in den Weltkrieg verhandelten, hätten über die Triebfedern der amerikanischen Politik andere Anschauungen gehabt, während Amerika letzt em Shylock genannt und ihm alle Menschlichkeit abgesprochen werde.
Politische Kreise heben die Erklärung Borahs als erste offizielle Kenntnisnahme der gegen Amerika geführten Agitation, der in Paris gegen amerikanische Reisende unternommenen Angriffe und der von italienischen Blättern gegen die amerikanische Polittk erhobenen Schmähungen hervor.
sk. Washington, 26 .Juli. Senator Borah betonte in seiner Erklärung noch: Die Schuldenregelung der Vereinigten Staaten mit Großbritannien, Italien und Belgien und die geplante Regelung mit ?rankreich bedeutet die Streichung von
Milliarden Dollars, die von den amerikanischen Steuerzahlern ausgebracht worden seien.
Der Washingtoner Korrespondent der „Newhork Times" glaubt, daß Senator Borah versuchen werde, die Schuldenfrage ebenso wie die Frage der Schuld am Welt kriege zu den Hauptpunkten in seinem Feldzug für die Kongretzwahlen zu machen.
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zllllMMg der spanMn Sttitb rostet
Paris, 24. Juli. Wie das.„Journal" aus Madrid meldet, wurden die Generale Weyler und Aguilera, Professor Maramon und die früheren Abgeordneten Domigo und Barriodero, die wegen ihrer Teilnahme an den Vorbereitungen des für den 24. Ium geplanten Komplotts in Haft genommen wor- gen waren, wieder fretgelefsem
Die WanzplSne Pommes
ein Mehr von 4-5 Milliarden direkter und indirekter Stenern
Paris, 24 Juli. Der Kabinettstat, der heute nachmittag um 3 Uhr unter dem Vorsitz von Poincare zufammentrat tagte bis gegen 7 Uhr Der Ministerpräsident entwickelte zunächst die gegenwärtige Finanzlage. Es herrschte Einstimmigkeit sämtlicher Minister übet die Richtlinien des Finanzvrogramms. Die näheren Einzelheiten werden in den Kabinettssitzungen der nächsten drei Tage iestgelegt werden. Die Regierung wird Erlasse ansarbeiten und die sofortige Einziehung sämtlicher Steuern ermöglichen. Die nächste Sitzung des Kabinetts findet morgen nachmittag um 5 Uhr statt. Am Schlub der Sitzung erklären die Minister den Journalisten, daß den Finanzvlänen des Ministerpräsidenten grobe Bedeutung beizumessen sei. Es bindele sich hierbei keineswegs, wie in der Presse vielfach behauptet worden sei, um eine neue Inflation. Die Regierung beabsichtige, lediglich den in der letzten Kammersitzung unter dem vorigen Finanzminister de Monzie gebilligten Betrag von 1,5 Milliarden zu verwenden.
Neue Festsetzung der indirekten Steuern.
fk. Paris, 26. Juli. Im Laufe des gestrigen Ministerrats wurden Sanas zufolge die Sätze der indirekten Steuern festgesetzt, die einen jährlichen Mehrer t r a g von 4 Milliarden liefern sollen. Die U m s a tz st e u e r soll auf 2 Prozent vereinheitlicht werden Für die kurzfristigen Bonds soll weder eine Zwangsanleihe, noch die Konsolidierung, noch ein Moratorium geplant sein. Auch werde Poincare kein Ermächtigungsgesetz, aber die Berechtigung, durch Dekrete Einsparungen in der Verwaltung durchzuführen, verlangen.
Havas glaubt, über die F i n a n z p l ä n e der neuen Regierung mitteilen zu können, die Regierung beabsichtige, Vorn Lande unerläßliche Anstrengungen zu fordern, sich aus eigener Kraft zu retten. Infolgedessen wcä»e sie vom Parlament verlangen, eine
Ergänzung zum Einnahmebudget in Höhe von 4 bis 5 Milliarden
zu bewilligen, die sowohl durch direkte wie indirekte Steuern aufgebracht werden sollen. Insbesondere werde eine Erhöhung der Erb- schaftsfteuer gefordert . Schließlich^ werde eine Neuregelung der Sätze für gewisse Steuern und Abgaben vorgenommen . Die Regierung werde, da sie gegen zede neue Inflation sei, in kürzester Frist für den Steuereingang des Jahres 1926 eintreten.
Es könne keine Rede davon sein, zu einer Abgabe vom Kapital oder zu einem Moratorium zurückzugreifen. Nach Ansicht der gegenwärtigen Regierung ^verden derartie Pläne den Franken erneut erschüttern.
Was die interalliierten Schulden betreffe, so sei Frankreich entschlossen, die ge-
Smowjesf talMtrllt
Moskau25. Juli. tTelegraphenagentur der Sowjetunion.) Das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei der Sowjetunion beschäftigte sich in seiner heutigen Vollsitzung mit einer Reihe wichtiger Fragen des staatlichen und wirtschaftlichen Wiederaufbaus und des innerparteilichen Lebens. Nach Anhörung eines Referats der Zentralkommission über Fälle von Uebertretungcn der Beschlüsse früherer Kongresse betreffs Wahrung der Einheit der Partei durch einige der führenden Parteimitglieder
wurde beschlossen, Sinowjeff von seinem Posten als Mitglied des politischen Büros des Zentralkomites abzurusen
und Laschewitz aus der Zahl der Kandidaten des Zentralkomitees auszuschlietzen. An Stelle Sinowjefss wurde Rudzutak zum Mitglied des politischen Büros gewählt. Gegenwärtig besteht also das politische Büro aus folgenden Mitgliiedern: Stalin, Rykow, Bucharin, Tomski, Kalinin, Molotov, Rudsutak und Trotzki. Die Zahl der Kandidaten des politischen Büros wurde von fünf auf acht erhöht.
schlofsenen Abkommen einzuhalten. Tas mit England abgeschlossene Abkommen könne als befriedigend angesehen werden, nicht pdoch das Washingtoner Abkommen, das weder Transfer- noch Schutzklauseln enthalte.
Die Stabilisierung könne nicht das Werk eines Tages sein, sondern das Ziel liege noch in ziemlich weiter Ferne. In erster Linie müsse man die Währungssamerung vorbereiten; andernfalls würde eine Stabilisierung auf der Baisse des Franken in verhängnisvoller Weise zu der Neuausgabe von Banknoten ;üh- ren. Ministerpräsident Poincare wcr'oe von der Kammer fordern, die Besprechung der Interpellationen über die Finanzpolitik bis zu dem Tage zu vertagen, an dem die Beratung tzbcr die Finanzpläne der Regierung selbst stattfinden werde. Er werde bei dem Antrag auf Vertagung die Vertrauensfrage stellen. Aller Wahrscheinlichkeit nach werde das Parlament in der zweiten Woche des August nach der Annahme der für die Finanzsanierung notwendigen Pläne in die Ferien gehen können.
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Weitere.günstige Beurteilung des Kabinetts • Poincarös.
Das „Journal d.es Debats" begrüßt das neue Kabinett Poineares, dessen Zusammensetzung die Einigkeit bringe. Das Blatt fragt: Welches wird die Politik der neuen Regierung sein? Man möchte annehmen und man sei davon überzeugt, daß die Slegierung sämtliche zwietrachtschaffenden Grundsätze, unter denen Frankreich heute leidet, an der Schwell des Kabinetts zurücklasse. Für alles, wa» nationale Würde, nationale Verteidigung, Ordnung und Duldsamkeit betreffe, sei die ganze Nation bereit, so zu leben, wie die Regierung es wünsche. Das Vertrauen wird von selbst wiederkommeu, wenn die Leffentlichkeit fühlt, daß die neue Politik nicht ein Notbehelf sei, dazu bestimmt einen gefährlichen Uebergang 'zu erleichtern, sondern den dauernden Zustand einer glücklichen Leitung offenbare. Das werde schon ein großes Ergebnis sein.
Der „Temps" seinerseits bespricht die Aufnahme, die das Ministerium Poincare im Ausland gefunben hat. Poincare, so sagt er, habe das große Verdienst, bestimmt und zuerst die Notwendigkeit unterstrichen zu haben, daß, wenn man das Finanzproblem lösen wolle, dieses außerhalb jeder politischen Frage geschehen müsse. Die Tatsache, daß er Briand im Außenministerium beibehielt, hat die Gewißheite iner heilsamen Fortsetzung der Außenpolitik offenbart. Das scheine sogar in Berliner offiziellen Kreisen begriffen worden zu sein, da man dort die Lösung der französischen Krise mit der Würde einer gewissen Abgeklärtheit beurteile.
Amerikanische Regierungskreise über das neue französische Kabinett.
Newyork, 24. Juli. Wie die „Associated Preß" aus Washington meldet, glauben amerikanische Regierungskreise, daß Frankreich nunmehr ein Kabinett habe, das einen Ausweg aus den finanziellen Schwierigkeiten finden werde-
Nach Entgegennahme einer Mitteilung des Büros über die Zusammensetzung mit den letzten internationalen Ereignissen gefaßten Beschlüsse billigte die Vollversammlung die Tätigkeit des politischen Büros und der Delegation der Kommunistischen Partei der Sowjetunion im Exekutivkomitee der Kommunisti- schen Internationale. Die Versammlung beschloß, die nächste ordentliche Parteikonferenz für die erste Hälfte des Oktober einzuberufen.
Die „New York Times" über das Zusammen- arbeiteu von Deutschland und Frankreich.
New Bork, 24. Juli. Die „New Vork Times" veröffentlicht einen Artikel englischen Ursprungs, der in der wachsenden deutsch- französischen Freundschaft eine Gefahr für England sieht. In dem Artikel nimmt das Blatt dazu Stellung und erklärt, daß eine solche Auffassung einen unnötigen Argwohn enthalte. Die Zusammenarbeit Deutschlands und Frankreichs könnte Europa einschließlich England nur nützen.
SeuWmds „BtkWimgm" hi der AbmftiM
Paris, 24. Juli. Havas verbreitet folgende Mitteilung aus London: In gut untrrrich- teten Kreisen ist man der Ansicht, daß die deutsche Regierung, ckwohl die Durchführung der Entwaffnung Deutschlands auf gutem Wege ist landernfalls würden die Alliierten sich um den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund gar nicht bemühen), die interalliierte Militärkommisfion in gewissen Fragen noch nicht völlig befriedigt hat und zwar:
1. Hinsichtlich des Effektivstärke der Polizei, die sich aus 150 000 Mann belaufe. Die deutsche Regierung müßte eine höhere Zahl haben;
2. Hinsichtlich des Kriegsmaterials (Ein- und Ausfuhr von Waffen- und Munition). In dieser Hinsicht hat Deutschland den Standpunkt der Alliierten noch nicht angenommen;
3. Hinsichtlich der Rekrutierung. Die Alliierten würden weitere Bürgschaften hinsichtlich der Aufhebung der Reseroeregimenter fordern;
4. Hinsichtlich der Zusammensetzung des Großen Generalstabes.
Das sind die wesentlichsten Fragen, in denen Deutschland die Alliierten noch nicht befriedigt hat. Sie bilden außerdem den Gegenstand von Erörterungen zwischen der Kontrollkommission und der deutschen Regierung. Man läßt hier durchblicken, daß diese Verfehlungen Deutschlands nicht als ernst angesehen werden, und daß aller Anlaß vorliege, auf eine befriedigende Regelung zu einem mehr oder weniger nahen Zeitpunkt zu rechnen.
Anmerkung des W. T. B.: Die Auffassung, daß es sich in der Frage der deutschen Av- rüstung jetzt lediglich noch um dse Abrüstung technisch militärischer Angelegenheiten bandelt. entspricht auch der hiesigen Ansicht. Ue- ber die wenigen noch nicht restlos erledigten Punkte der Entwaffnungsnote der Botschaiter- konferenz vom 4. Juli d. I. wird zur Zett sowohl in Paris, als auch zwischen der Interalliierten Kontrollkommission und oen in Frage kommenden deutschen Stellen verbandelt. Hierzu gehören auch die in der Havas-Mel- dung angedeuteten Punkte, wobei zu bemerken . ist, daß es sich auch hier nut noch um Erledigung einiger technischer Detailfragen bandelt. Es besteht alle Aussicht, daß alle diese Fragen ohne größere Schwierigkeiten bereinigt werden können.
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In einem „Die deutsche Abrüstung" überschriebenen Leitartikel befaßt sich die „Times" mit der bekannten Unterhausfrage und der von Chamberlain gegebenen Antwort. Da» Blatt sagt, der ersten Anfrage sei eine ergänzende gefolgt, die eine vielleicht etwas unvorsichtige Antwort (perhapf a rather unguarded reply) des Staatssekretärs de» Aezißern veranlaßt habe. Diese Antwort habe
Ueberraschung und Unzusriedeuheit in Berlin und Paris
hervorgerufen. Die „Times" sagt, die noch unerledigte Frage, die die interalliierte Mission in Berlin beschäftige, bezöge sich lediglich auf minder wichtige Punkte betreffend die Flugzeuge, die Definition des Begriffs „Kriegsmaterial" und die Stellung halbmilitärischer Organisationen. In dieser Beziehung sei die Lage nicht „völlig" befriedigend.
Die ganze Erörterung sei die letzte Woche unerwartet und unzeitgemäß in Berlin aufgeworfen worden. Sie sei zum Anlaß für heftige Ausfälle der deutschnationalen Presse gegen die Interalliierte Kommission gemacht worden, obwohl ihre tatsächliche Veranlassung lediglich einen Teil der regelmäßigen Arbeit der Kommission bildete. In einer der zahlreichen mit den Behörden gewechselten Mitteilungen habe General Walch von der Stellung des Generals v. S e e ck t, von dem R e i ch s w e h r e t a t und dem Charakter gewisser Felddien st Übungen gesprochen. Alle diese Punkte fielen unter die Zuständigkeit der Kontrollkommission.
Was die Frage der Stellung v. Seeckts betreffe, so sei der General entsprechend dem Verlangen der Kommission formell dem Reichswehtministerium unterstellt worden. Ader infolge feiner starken Persönlichkeit und der herzlichen Beziehungen, die zwischen ihm und dem Minister beständen, habe die Interalliierte Konftnission offenbar einige Zwei, fei an der Wirksamkeit dieser Aenderung gehegt. Ihre Zweifel seien wahrscheinlich auch bei anderen Gelegenheiten wiederholt zum Ausdruck gebracht worden. In diesem Falle aber seien sie hervvrgehoben war- den durch Veröffentlichungen zweier natia» natisttscher Blätter, die auf unaufgeklärt«