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Dienstag, den 8. Zull 1926

Marburger Zasesanzeiger

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Landeszrjtung

Die «Oberhessische Zeitung" er­scheint sechsmal wöchentlich. De- zugUpreie monatlich 2 GM. <rus- schließl. Zustellungsgebühr, durch piePost2.25 SM.Für etwa infolge Streiks, Maschinendefekte »der elementarer Ereigniffe ausfallende Kümmern wird kein. Ersatz ge­leistet. Verlag v. Dr. §. Hitzervth, Druck der Unib.-Buchdruckerei b. Zoh. Aug. Koch, Markt 21/23. Fernsprecher: Nr. 54. u. Nr. 55. Postscheckkonto: Amt Frankfurt a. M. Nr. 5015. Sprechzeit per Redaktion von 1011 und »/tl-l Uhr.

to.155 61. Arg. Marburg o. Lahn

Der Anzeigenpreis beträgt für den 10 gespalt. Zeilenmillimeter 0.08 EM., kleine Baranzeigen 0.06 GM., amtliche und aus­wärtige Anzeigen 0.10 GM. Bei schwierigem Satz sowie bei Platz- Vorschrift 50»,', Aufschlag. - Sammelanzeigen 100 Auß schlag. Reklamen der Millim. 0,40 GM. Zeder Rabatt gilt al« Barrabatt. Ziel 5 Tage. Beleg« werden berechnet, ebenso Auskunft durch die Geschäftsstelle und Zusendung der Angebote. Er­füllungsort Marburg.

1 Goldman! V.,-Dollar.

zur SüritruMndunMW

Ein Schreiben des Generalbevollmächtigten des ebemaligen preußischen K inigsbaujes an die preußische Staatsregierung.

TU. B e rlin, 5. Juli. Der Eeneralbevoll- mäÄiigte des ehemaligen preußischen Königs­hauses. von Berg, bat hxute efn Schreiben an die preußische Staatsrcgicrung gerichtet, in dem er sich bereit erklärt, die Verhandlungen auf der Basis des Vertrages vom 23. Oktober 1925 wieder aufzunehmen. Es Beißt darin: Nachdem die zur Abänderung des Vertrages vom 12. Oktober 25 eingeschlagenen Wege der Volksentscheid, wie auch die rcichsgesetz- liche Regelung zu einem Ergebnis nicht geführt haben, ist es mir Pflicht, nunmehr erneut die Initiative zu ergreifen. In der Erwartung, das; die preußische Staatsregierung auch ihrer­seits von dem Wunsche geleitet ist, zur Ent­spannung der politischen Lage und zum Wohle der Allgemeinheit diese Angelegenheit tunlichst rasch zu einem für beide Teile zufriedenstellen­den Abschluß zu bringen, darf ich wohl einer baldgefl. Rückäußerung entgegensehen.

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Geheimrat Dr. MedseM t

Essen, 5. Juli. sWTB.) Geheimrat Dr. W i e d s e l d 1, der Letter der Friedrich Krupp A.-G. und frühere deutsche Botschafter in Wa- shinjston ist heute im fast vollendeten 55. Le- bensiahre nach langer Krankheit gestorben.

Der Tod des ehemaligen deutschen Bot­schafters Geheimrat W i e d f e l d t s kommt nicht überraschend. Schon seit längerer Zeit litt der Verstorbene an einer Blutzersetzung. Ein längerer Kuraufenthalt in der Schweiz konnte sein Befinden nicht bessern. In den letzten Tagen trat nun eine Verschlechterung ein. die zum Tode führte. Wie bekannt sein dürste, mar Geheimrat W i e d f e l d t der erste Direktor der Friedrich Krupp A. G. über­haupt die leitende Persönlichkeit dieses Unter­nehmens. Als im März 1923 Geheimrat Wiedfeldt als deutscher Botschafter nach Washington geschickt wurde, betrachtete er selbst diese diplomatische Mission nur als vor­übergehend. Es konnte daher nicht überra­schen, als Geheimrat W i e d f e l d t Anfang 1925, seinen Rücktritt ankündigte und wieder in die Leitung der Krupp A.-G. eintrat. Mit ihm ist eine der hervorragendsten und be- sähigsten Wirtschaftskenner Deutschlands da­hingegangen. Schon als Student, betätigte er sich als journalistischer Mitarbeiter, der von Prof. Zastrow geleiteten sozialen Praxis. Nachdem er längere Zeit im Stenographen- biiro des Herrenhauses tätig gewesen war, wurde er Direktor der Landesgenossenschafts­bank in Sachsen. 1908 wurde er als vortra­gender Rat in das Reichsamt des Innern be­rufen. In der richtigen Einschätzung seiner Fähigkeiten übertrug ihm 1911 die japanische Regierung die Leitung der südmanschurischen Bahn. Seinen Erfolgen auf wirtschaftlichem Gebiet verdankte er dann später 1919 seine Berufung in das Krupp'sche Direktorium.

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AuMdttMS zum Nammm- fcW der ReWparleien

'S e r r i n , 5. Juli. (WTB.) Die seit Früh­jahr 1921 bestehende Arbeitsgemeinschaft im Preußischen Staatsrat, der vorwiegend Mit­glieder der Dyutschnationalen und Deutschen Volkspartei angehören, richtete em von dem Vorsitzenden Frecherr v. G a y l und dem stellvertretenden Vorsitzenden Dr. Jarres unterzeichnetes Schreiben an die Fraktions- Vorsitzenden der genannten Parteien, worin sie unter Bekanntgabe der einstimmig gefaßten Entschließung ihrer Arbeitsgemeinschaft, an dieim tiefsten Sinne des Wortes staats­erhaltenden Parteien", die Aufforderung zur Bildung einer erweiterten Arbeitsgemeinschaft richtet. Wir verkennen nicht, so heißt es in dem Schreiben u. a daß sehr erhebliche Schwierigkeiten der Verwirklichung dieses Ge­dankens entgegenstehen, und daß sehr viel uneigennützige und sachliche Arbeit geleistet werden muß, ehe das Ziel erreicht wird. Wir wissen auch daß der Weg zur einheitlichen Vertretung des großen rechtsgerichteten Tei­les des deutschen Volkes nur schrittweise, be­ginnend mit einer allmählichen immer fester werdenden Arbeitsgemeinschaft in den Parla­menten zurückgelegt werden kann. In dem Schreiben, das ferner der Meinung Ausdruck gibt, daß die Bildung dieser Arbeitsgemein­schaft auch ein befriedigendes Verhältnis, zu den übrigen bürgerlichen Parteien erleichtert werde, wird schließlich die unverzügliche Aufnahme der einleitenden Schritte und eine inöglichlst baldige Bekanntgabe der Stellung * der Leiden genannten Fraktionen verlangt.

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Die Mane Caillaux

Paris, 5. Juli. WTB.f Heute wurde ein fast dreistündiger Kabinettsrat abgehalten, in dessen Verlauf Finanzminister Caillaux eine eingehende Darlegung der Finanzlage abgab und in allen Einzelheiten das Programm ent­wickelte, das er morgen der Kammer vor­legen will. Ueber die Ausnahme des Berichts der Finanzsachverständigen berichtet Havas, daß die meinen Abgeordneten der Mitte ebenso wie der frühere Finanzminister Peret wenig Vorbehalte zu machen haben. Dagegen bereiten sich die Sozialisten und einige Radi­kale darauf vor, Empfehlungen des Komitees ohne Rücksicht daraus daß sie von der Regie­rung angenommen werden oder nicht, zu be­kämpfen. Man macht in Kreisen der Sachver­ständigen gewisse Widerspräche und vor allem die Ersetzung der übermäßigen direkten Be­steuerung durch indirekte Abgaben zum Vor­wurf. Dieser Vorschlag wird andererseits von den Mittelparteien, die darin eine Bestätigung ihrer Politik erblicken, günstig ausgenommen. Aber diese Parteien stehen auch, wie bisher, der dem Bericht geforderten Ratifizierung des Washingtoner Abkommens ablehnend gegenüber.

Die akute Krise um Caillaux hat in den letzten Tagen eine wesentliche Entspannung gefunden. Zu dieser Beruhigung der Gemü­ter trug hauptsächlich die ^Feststellung bei, daß Caillaux im Gründe genommen nicht ge­sonnen ist, ein eigenes Reformwerk durchzu- führen, sondern nur die Absicht hat, seine Stabilisierungsmethoden dem Gutachten der finanziellen Sachverständigenkommchsion an­zupassen. Dieser Bericht der Sachverstän­digen ist sehr vorsichtig gehalten. Seinem Inhalt merkt man an, daß er unter dem Druck eines Kompromisses zustande gekommen ist, eines Kompromisses, das. man könnte fast sagen, mehr politischen und parteitaktischen Zielen nachjagt, als dem Grundübel, das an der Wurzel des Staates nagt. Wie denken sich die Sachverständigen die Stabilisierung? Erstens durch eine möglichst große Anhäu­fung fremder Devisen, und zwar in erster Linie mit Hilfe kurzfristiger und langfristiger Auslandskrediten bei den wichtigsten Emis­sionsbanken, zweitens durch eine kurze Vor-

Soguna des RMsWdlebundes

Königsberg, 5. Jult. Der Reichsstädte­bund ist zu einer 16. Mitgliederversammluiii heute vormittag hier zusammengetreten. Zur Tagung waren rund 900 Mitglieder erschienen. Der Vorsitzende, Oberbürgermeister Belian- Eilenburg, eröffnete die Tagung mit einer Ansprache, in der er die Erschienenen auf dem historischen Boden der Ostmark herzlich willkommen hieß. Er erinnerte daran, dap in Königsberg die Vorarbeiten zur Stelnschcn Städteordnung getroffen wurden und hier die neue Ordnung zuerst erprobt worden sei, die sich bewährt habe. Er betonte die vertrauens­volle Zusammenarbeit mit dem preußischen Ministerium des Innern und gab dem Wunsche Ausdruck, daß die Zerrissenheit, die durch un­ser Volk geht, endlich verschwinden möge. Mi­nisterialdirektor Dr. von Leyden über­brachte die Grüße und Wünsche der preußische» Staatsregierung und des preußischen Ministers des Innern, Lberpräsident Siehr dierenig'N der ostpreußischen Stadt- und Kommunaibe- börden , Regierungspräsident von Kahrselot diejenigen seiner Verwaltung. Oberbürger­meister Lohmeyer entbot die herzlichen Will- kommensgrüße der Stadt Königsberg. Nach­dem Oberbürgermeister Belran für alle der Tagung dargebrachten Wünsche herzlichst ge­dankt hatte, nahmen die geschäftlichen Verhand­lungen ihren Anfang.'

An Hindenburg und den Kanzler wurden Be- grüßungstclcgramme gesandt.

Günstiger Fortschritt der französisch deutschen Handelsvertragsvcrbandltngen.

fk. Paris. 6. Juli.Petit Journal" glaubt in der Loge zu sein, mitteilen zu kön­nen. daß tm heutigen ÄUnisterrat Sandels- minister Ehavsal mitteilen werde, daß die letz­ten Schwierigkeiten in den Verbandlungen zwecks Abschluß eines französisch-deutsche". Handelsvertrages behoben [eiet-.

bereitungsperiode für gewisse technische Maßnahmen. Ferner durch Ankauf und Ver­kauf fremder Devisen durch die Staatsbank, deren Kurs sich auf einer bestimmten Höhe hält. And schließlich durch die gesetzliche Festlegung des neuen Frankenwertes. Die Schlußfolgerungen, die das Gutachten der Sachverständigen zieht, taffen sich ungefähr folgendermaßen präzisieren: Erhöhung der Staatseinnahmen, energische Beschränkung der Ausgaben, keine weiteren direkten oder indi­rekten Vorschüsse der Dank von Frankreich für staatliche Zwecke, also eine Ablehnung der Inflation. Dann eine allmähliche Verminde­rung der durch die Bank von Frankreich dem Staat gewährten Vorschüsse zwecks Stärkung der Aotendeckung. Weiterhin eine Erleichte­rung der Lage des Schatzamtes durch Abtren­nung der schwebenden Schuld. Durchführung der Stabilisierung und Maßnahmen zur Aäck- sehr der landflüchtigen Kapitalien., Und endlich Aufnahme ausländischer Kredite und möglichst langfristige Anleihen in fremder Währung. Alle diese Forderungen, die das Gutachten aufstellt, machen sich auf dem Pa­pier recht gut. Im allgemeinen laufen sie darauf hinaus, dem französischen Volk selbst erneute Opfer aufzuerlegen. Es fragt sich nur, ob diese neuen Opfer auch getragen werden können oder ob sie über die Kraft des französischen Volkes hinausgehen. Das Gutachten spricht auch von Ausländsanleihen. Es vergißt aber anzugeben, bis zu welcher Grenze des Entgegenkommens die französische Regierung der neuen Gläubigern gegenüber gehen darf. Man weiß ja, welche Bin­dungen zum Beispiel Amerika mit einer solchen Anleihe an Frankreich verknüpfen möchte. Immerhin kann man feststellen, daß der Bericht in der Presse ein -günftigeä Echo gefunden hat. Gerade vielleicht deshalb, weil er nicht viel Aeues bringt und streng vermeidet auf Fragen einzugehen, die peinlich berühren können. Immerhin ist das Kabinett doch in der Beurteilung feiner eigenen Stel­lung etwas optimistischer geworden. Es hofft gerade auf Grund dieses Berichtes und der Dereiterklärung Caillaux sich diesem Be­richt anzupaffen. seine Position in der Kam­mer wesentlich stärken zu können. So dürfte wenigstens die augenblickliche Kabinettskrise eine Lösung finden. Ob aber die Finanz» misere Frankreichs irgentoie eine Veränderung nach der günstigen Dichtung hin erfahren hat, ist sehr zweifelhaft.

MimmierfuKmsAuWuß des RriKsiages

Berlin. 5. Juli. Der Femeunter- fuchungsausfchuß des Reichstags b e f ch li e tz t in feiner heutigen Sitzung aut Vorschlag des Vorsitzenden, daß der Ausschuß Ende September oder anfangs Oktober nach München übersiedeln wird, um der Kostener- fvarnis halber dort noch etwa 40 bis 50 Zeu­gen über die Einwohnerwehrfälle zu verneh­men.

Dann vernimmt der Ausschuß eine Reihe von Zeugen über die Vorgänge in München kurz vor der Ermordung des Studenten Bauers.

Zeuge Privatdozent Dr. R u g e-München, dessen Vereidigung der Vorsitzende vorläufig aussetzt, erklärt, daß et wegen seiner voliti schen Betätigung aus Veranlassunng der Juden für geisteskrank erklärt werden sollte und er fei deshalb anfangs des Jahres 1923 nach München übergesiedelt. Er sei von Rudolf Schäfer veranlaßt worden, Blücherbund aufläiMigstätig zu jein. Der Zeuge äußert sich danach über den Ursvuug und die Bedeu­tung der Feme,der heiligen Fünft', eine Or­ganisation, die richterliche Urteile fälle und aus­führe aber nicht morde. Rach der Meinung des Zeugen ist nicht Zwengauer sondern Schäfer der Mörder Bauers, wenn auch Zwengauer aus völkischem Geiste und kamerad- fchaftlicher Treue die Tat zugegeoen habe. Zwengauer sei im Gegensatz zu Bauer ein sehr ehrenhafter Mensch gewesen. Er bebe ihm gesagt, er sei mit Bauer im englischen Garten in Streit geraten und habe in der Notwehr Bauer erschossen. Zwengauer bebe offenbar unter dem moralischen Druck von Schäfer ge­standen. Das ganze Protokoll des Staatsan­walts Stumpf sei eine Fälschung. Der Zeu­ge bekundet weiter seine Freude darüber, daß Zwengauer aus dem Zuchthaus entkommen ist. Femeorganisationen seien nicht vorhanden gewesen, aber im Blücherbund habe eine Fe- meeinrichtung bestanden, deren Haupt Schä­fer war.

§te Lüge in Engiand

fk London, 6. Juli. Der parlamentarische Korrespondent der Times meldet: In ministeri­ellen Kreisen sei man gestern einigermaßen ent­täuscht gewesen, über die Lohnoorschläge der Zechenbesitzer in S.d- und West-Borkshire, da man bessere Bedingungen und infolgedessen dis Wiederaufnahme der Arbeit bei einer großen Anzahl der Bergleute, erhofft habe.

fk London, 6. Juli. Die Grubenbesitzer von Borkshire (Schottland) Forest of Dean, Bristol und Southstraffordfhire gaben bekannt, daß sie kür den 8 Stundentag dieselben Löhne anbieten wie vor dem Streik.

In Worwickshire garantieren die Grubenbesitzer einen kleinen Zuschlag für 9 Monate.

Ausländische Kohle in England.

London, 5. Juli. Die ausländische Kohle, für deren Ankauf die Regierung drei Milli- onen Pfund Sterling verlangt, soll für die öffentlichen Dienste und für den Hausverbranch bestimmt werden. Diese Kohle soll zu einem Preise verkauft werden, der den gesamten An­kaufspreis decken soll. Die Einnahmen werden zu neuen Ankäufen verwendet.

Das Unterhaus beschließt Fortdauer der Notstandsvollmachten.

ff. London, 6. Juli. Das Unterhaus nahm in einer Rachtsitzung nach eingehenden Erörterungen den Antrag des Innenministers betreffend die Fortdauer der Rorftandsvoll- machten mit 181 gegen 04 Stimmen an. Der Minister erklärte in der Debatte, wenn ar- ueitsrvillige Bergleute daran verhindert wür­den, in die Gruben zurückzukehren, Hann werde die Regierung die Vollmachten benutzen, um die Arbeitswilligen zu schützen. Purcil (Ar­beiterpartei) sagte, die Vollmachten würden nicht verhindern, daß russische Gelder weiter nach England gelangen. Er werde Geld von jeder Seite nehmen, wenn es dazu helfe, den Zechenbesitzern eine Niederlage zu bereiten.

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Eine Rede Eoolidges.

Philadelphia, 5. Juli. (25323.) In einer Ansprache zur Feier des 15 9. Iahres- ra g e s der amerikanischen Unab­hängigkeitserklärung sagte E so­lid g e. nach Ablauf dieser 150 Jahre seien aus allen Teilen der Welt Tausende nach Philadelphia wie zu einer heiligen Pilger­stätte gepilgert in dankbarer Anerkennung der Dienste, die wenige begnadete Männer hier der Menschheit errotefen. 'Dienste, die so groß seien, da sie noch immer eine hervorragende Unterstützung für die freien Regierungen in der Welt bilden. Es sei sicher genügend Zeit verflossen, um mit-, großer Gründlichkeit den Wert und die Einrichtungen der Vereinigten Staaten und ihre Zuverlässigkeit als Normen für die Ordnung der menschlichen Gesellschaft und für die Forderung der Zivilisation zu be- weisen. Mit Bezug auf die Ursachen der Re­volution könne man sich nicht der Ueberzeug- ung entziehen, daß der Geist der neuen Zivili­sation seinen Urfpruna in Amerika habe, und was die Rechte der Persönlichkeit anbetreffe, in Amerika fortgeschrittener war, als der Geist, der die alte Welt beherrschte. Allgemein wurde angenommen daß die französischen Ideen einen Einfluß auf die politische Gedan­kenwelt Amerikas während der Revolutions. tage gehabt hätten. Dies könne richtig fein, aber die wesentlichsten Gedanken der llnab« bängigkeitserklnrung waren in den Kolonien nahezu zwei Menschenalter vor der Entsteh- una der die Mitte des 18. Jahrhunderts cha. tahterifierenben französischen politischen Philosophie Gegenstand der öffentlichen Erör­terung. Eoolidge erinnerte ferner an die Rede des Geistlichen Thomas Hooker in (Eon« nectirut im Jahre 1638. in der dieser erklärte, das Fundament der Autorität liege in der freien Zustimmung des Volkes. Weiter wies Eoolidge auf die Veröffentlichungen des Geist­lichen John W i f e in Massachusetts ans den Jahren 1710 bis 1717 bin, die sich mit den Grundfähen der bürgerlichen Regierung be­fassen. D-efer Geistliche war anscheinend ein genauer Kenner der politischen Schriften de» 1632 in Sachsen geborenen Gelehrten Samuel Vufendorf. Die UnabHänaigkeitserklärung fei das Ergebnis eines im Volke wohnenden Gefühls dafür, daß den geistigen Dingen der Vorrang zukomme. Wenn wir. fo erklärte Eoolidge. nicht daran fefthalten, fo wird alle unsere materielle Wohlfahrt, fo überwirft tigend sic auch sein mag, in unseren Händen nur ein Symbol der Ohnmacht fein.