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MINE tcn N. Amt 1926

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Inflation In Wna

Schanghai, 22. Juni. Die schlimmste Folge des gegenwätigen Militarismus ist das Ueberfluten des Landes mit Mil­lionen von Pavierdollar, die von den militärischen Machthabern in den verschie­densten Provinzen zur Ausgabe gebracht wer­den. Die Noten büßen nicht selten % ihres Wertes ein, aber die Soldaten, die mit diesen Scheinen entlohnt werden, zwingen die Kauf Icutc, das Geld als vollwertig anzunehmen. Unter dieser Inflation leiden besonders die Kaufleute und die ärmeren Schichten der Be­völkerung. Besonders in den Provinzen Chili und Schantung ist die Lage sehr schlimm. Die Pekinger Handelskammer überreichte gestern den Marschällen Tschangtsolin und Wuveifu und dem Ministervräfidenten Pen, dem Gou­verneur von Schantung Tschangtsungschang, eine Bittschrift, worin sie Abhilfe dieser Ucbel- stände fordert.

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Das englische stohlenberglmugeieh

Loudon, 22. Juni. Reuter meldet: Der

Aufschub der Debatte über den in der Gesetzes­

vorlage vorgesehenen Achtstundentag wird da­

hin gedeutet, daß neue Schritte zur Wiederauf­

nahme von Verhandlungen über den Berg­arbeiterstreik eingeleitet seien. Die führenden Männer beider Parteien ziehen gegenwärtig

eine Verminderung der Löhne einer Verlänge­rung der Arbeitszeit vor. Die gestern cingc- brachte Gesetzesvorlage sicht vor, daß die Er­laubnis zum Achtstundenarbcitstag fünf Schic in Kraft bleiben soll. Die Vorlage zur Re­organisation der Bergwerke sieht die Ver.- schmelzung von Bergwerksunternehmungen vor, wobei jeder Plan, der die Bewegungsfrei­heit der Bergwerksbesitzer einschränken würde, vermieden wird. Die Vorlage siebt weiter die Erhebung von einem Schilling jährlich auf je 20 Schilling Bruttoertrag der Besitzer vor. Die dadurch gesammelten Beträge sollen zum Wohle der Arbeiter verwendet werden, z. B. zur Einrichtung von Bädern in den Bergwer­ken. Gleichzeitig sollen sie aber die Unter­nehmer in den Stand setzen, eine Art von Ge­winnbeteiligung der Arbeiter zu schaffen.

Lor» Birkenhead gegen Moskau.

ff .London, 23. Juni. Lord Birken­head sagte in einer Rede in London, die großen Massen der britischen Arbeiter be­sudelten sich nicht mit den schädlichen Mos­kauer Doktrinen und die Mehrheit der Ge­werkschaftsführer halte die Einigkeit und nicht die Uneinigkeit zwischen Arbeitgebern und Arbeitern für den einzigen Weg zur Rettung der Industrie. * ,

Wtljmns FreundUM» ermordet

Warschau. 22. Juni. In Grade» bei Rowno wurde der frühere Kommandeur der ukrainischen Armee des Atamans Petljura, General O s v i l k o. in seiner Wohnung durch einen Revolverschuh ermordet. Er war Führer der ukrainischen Volksvartei in Wolhynien und Herausgeber der Zeitung-Dzwin. Es wird all­gemein angenommen, dah er auf Befehl der russischen Sowjetbebörden getötet worden sei. Das Attentat wurde von einer Person durch das Fenster seiner Wohnung verübt. Die Un­tersuchung wird erschwert, da der ununter­brochene Regen alle Spuren verwischt hat.

Rücktritt des luxemburgischen Kabinetts.

Luxemburg, 22. Juni. (WTB.) In­folge des beständigen Abbröckelm seiner Ma­jorität reichte Staatsminifter Prüm die Ge­sa m t d e m i s s i o n des Kabinetts ein.

Gegen die Autonomisten in Elsatz-Lothringrn.

ff .Paris, 23. Juni. Wie Havas aus Metz tzneldet, hat der Präfekt des Mosel­departements gegen drei Bürgermeister, die das Manifest des. Heimatbundes unter­zeichnet haben, Dienstenthebung auf die Tauer eines Monats verfügt.

Der Vorsitz »er Zentrnmsfraktion.

ff .Berlin, 23. Juni. Tie Zentrums- fraktion des Reichstages beschloß, die Neuwahl des Frakrionsvorsitzcnden bis zum Herbst zu verschieben.

Wer wird FinanrmiMll in FrankrLich?

BrinndS NemWnngen Immer noch ohne Erfolg

Der Stand der ministeriellen Krise ist, wie Havas berichtet, seit gestern nachmittag sta­tionär. Die lange Besprechung, die Briand gestern vormittag mit Doumer, Poincarc und einer Anzahl seiner ehemaligen Mitarbeiter hotte, hat noch nicht zu einer Ausarbeitung eines Finanzsanierungsvlanes geführt.

Inzwischen hat Briand, wie bereits berichtet, begonnen, mit den Parteiführern und verschie­denen anderen varlamentarischcn Persönlich­keiten Fühlung zu nehmen. Man hat den Ein­druck, dah Meinungen, die Briand gegenüber zum Ausdruck gebracht worden sind, ihn dazu bestimmen würden, einen neuen dringlichen Versuch zu machen, P o i n c a r c dazu zu be­stimmen, das Finanzministerium zu übernehmen. Sollte dieser auf seiner Weigc rung beharren, so bleibt die Frage der Zu­teilung des Finanzministeriums noch zu re­geln, denn die Wahl D o u m c r s zum Finanzminister, die gestern abend wahrschein­lich gewesen ist, ist inzwischen wieder frag- l i ch geworden. ,

Das „Journal des Dcbats" will sogar wis­sen, dah Briand nunmehr daran denke, dem linksrcoublikanischcn Abgeordneten Pieti, einem ehemaligen höheren Beamten des Finanzministeriums ,das Portefeuille des Finanzministeriums anzubietn.

Wie die „Liberi e“ berichtet, sind die ander- halb Paris weilenden sozialistischen Abgeord­neten nach Paris berufen worden, weil mit der

Möglichkeit gerechnet werdn mühte, dah Bri­and kein Kabinett bilden könne und dah vielleicht morgen Entscheidun­gen getroffen werden mühten. .

KM FrankknbaW

N c w v o r k, 22. Juni. Infolge der Schwie­rigkeiten, die sich Briand bei der Kabinetts­bildung entgegenstellen, war an der heutigen Börse dec iranzösische Franken vorübergehend um 70 Cents pro 100 Franken abgcschwächt.

ft P aris , 23. Juni. Die Bemühungen Briands, die Ministcrkrijc zu lösen, haben bis jetzt kein E r g e b n is gezeitigt. Cs scheint aber, dah die Meinungsverschieden­heiten über das F i n a n z v r o g r a in m , die noch 'gestern nachmittag bestanden, im Lause der gestrigen Abendkonferenz behoben werden k o n n t c n. Jedoch hat Briand bis jetzt noch keinen Beschlug über die Zusammen­setzung seines Ministeriums treffen können.

Briand bat gestern Nacht den Journalisten versprochen, dah bis heute um die Mii - tagsstunde die Entscheidung fall en werde. Falls Caillaux das Finanzmini­sterium übernehmen würde, würden P o i n - tat und Doumerge als Mitarbeiter a u s s che i d « » und- es käme ein Ministerium in Frage, das als eine links revubli- kauische Konzentration bezeichnet werden könnte.

Rr KsmvrMMntMrf über öle MAnabMung

Berlin, 22 Juni. Gegen 2 Uhr waren die Besvrschungcn der Bertreter der Reichs- regierung mit dem interfraktionellen Aus­schuß dec Regicrungsvarteicn beendet. Danach verhandelte der Reichskanzler und der N c i ch s i n n e n m i n i st e r mit den Bertretrrn des Zentrums und der Dem o traten. Kurz vorher war die demokratische Reichstagssraktion zu einer Sitzung zusammcu- getreten, nm sich nochmals mit der Fürsten­abfindung zu befassen. Nachmittags batte Reichskanzler Dr. Marx Besprechungen mit den Führern der sozialdemokratischen und der d e u t s ch n a t i o n a le n Reichstags- fraktion. Wie verlautet, bat die Besprechung mit dem sozialdemokratischen Führer zu einer Klärung der parlamentarischen Lage noch nicht geführt, lieber das Schicksal de: Vorlage wird sich erst gröbere Klarheit er­geben, wenn die Einzelberatung im Rechts- ausschuh weiter vorgeschritten ist, also erst in einigen Tagen. Auch die Besprechungen mit dem dcutschnationalen Fraktfvns- führet hat noch zu keinem abschlie- h en den Ergebnis geführt. Nachmittags um ti Uhr fand ein K a b i n c t t s r a t statt, in dem der Reichskanzler über seine Perhand­lungen mit den Führern der Deutschnationalcn und der Sozialdemokraten Bericht erstattete. Beschlüsse wurden nicht gefaßt.

Die Verhandlungen im Rechts- ausschutz

Berlin, 22. Juni. Auf der Tages­ordnung des Rechtsausschusses des Reichs­tages stand heute der Gesetzentwurf über die Fürstenabfindung *ur Beratung. Vor­sitzender Dr. Kahl (D.Vp.) sprach den bringei öen Wunsch aus, daß die heftigen Auseinandersetzungen zwischen den Parteien, anläßliH des Volksentscheids bei den kom­menden Ausschußberatungen keine Nachwir­kung haben möchten, zumal alle Par­teien ein Interesse an der sachlichen und schleunigen Beratung Hütten. Abg. Schulte (Ztr.) wies baraus hin, daß die notwendige Aussprache zwischen den Par­teien bisher noch nicht habe stattfinden können» eS liegS darum im Interesse der Sache, mit den sachlichen Beratungen erst morgen zu beginnen. Abg .Dr. Rosen-, seid (Toz.) kündigte für seine Fraktion Anträge an ,die sich in der Richtung der früheren sozialdemokratischen Anträge be­wegen. Auf eine Generaldebarle wurde allerseits verzichtet und beschlossen» mor­

gen vormutag mit der Spezialberatung des Gesetzentwurfes zu beginnen.

Neue Forderungen der

Sozialdemokraten

Zu den Verhandlungen des Reichskanzlers mit den Sozialdemokraten und den Dcutfch- nationalen berichten die Blätter: Die sozial­demokratische Fraktion hat eine grohe^Anzahl von Anträgen zu der Vorlage über die Fürsten- adiindung eingcreicht, die sich mit der Zu­sammensetzung des S o n d e r g e- richts befassen und fordern, daß sämtliche R.i ch t e r vom Reichstag zu wählen seien und daß vier Richter Laien sein müßten. Ferner beantragte die Fraktion, dah das (5c- richt nicht lediglich auf Antrag einer Partei tätig sein dürste, dah es vielmebr von amts- megcn die Auseinandersetzung vorzuncymen haße, um zu vermeiden, dah die vraktische An­wendung in bas' Ermessen der einzelnen Län­der gestellt werde. In Fällen bereits criolgler Auseinandersetzung soll das Gericht auch im Gegensatz zur Regierungsvorlage aus Antrag einer Partei beschlichen können. Schließ­lich beantragt die sozialdemokratische Fraktion, dah sämtliche Konstdeikommisse und ähnliche Renten ohne Entschädigung zu Falle kommen.

Tic Forderungen der D e u t f ch n a t i o n a- l c n betreffen im wesentlichen die Punkte, die eine Verfassungsänderung bedeuten. Dem ..Lokal-Anzeiger" zufolge haben die Deutsch­nationalen zu erkennet« gegeben, daß für sie das Komoromih unannehmbar sein würde, wenn cs durch Berücksichtigung sozialdemokrati­scher Wünsche abgeändert würde.

Sitzung des Reichskabiyelts.

ff. Berlin, 23. Juni. Reichskanzler Dr. Marr erstattete gestern abend dem Kabinett Bericht über seine Verhandlungen mit den Parteien in der Fiirstenabfindungs- frage. Das Kabinett beschäftigte sich weiter mit der Frage des Gesetzentwurfes gegen das Auswertungsbegehren. Zu de: Wahl Dorvmiillers wird das Kabinett in seiner heutigen Sitzung Stellung nehmen.

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Lübecks neuer Bürgermeister

Lübeck, 22. Juni. In der heutigen Se­natssitzung wurde der Senator Loewigt (Soz.) zum Vorsitzenden des Senats und zum Rachsolger des zurückgetretenen Bürger­meisters Dr. Neumann gewählt. Zum stell­vertretenden Vorsitzenden wurde, da von bür­gerlicher Seite auf einen zweiten Posten ver­zichtet wurde, Senator Soff (S03J gewählt. „

Sie Fohr! der SSruWanb (Zur 10. Wiederkehr des Tage» ihrer Aus­fahrt am 23 .Juni)

Wie die Zeit vergeht! Wahrhaftig, cS find schoii zehir Jahre vergangen seit jenen Tagen, da der Name von U-Teutschland durch die ganze Welt klang. Alte Er- tnnmingeit steigen auf. Am 23. Juni 1916 verließ das erste Hcmbels-U-Boot der Welt unter dem Kommando des Kapitäns Paul König den deutschen Hafen, durchbrach die englische Blockabe und fuhr nach Balti­more, um dort seine kostbare Fracht — das Schiff hatte Farben geladen — abzu- setzen. Mit neuer Ladung versehen — dies­mal bestand sie-aus Kupfer und Gummi — stach U-Teutschland nach wenigen Tagen wicber in See und fuhr zurück nach der Heimat. Der altbewährte Kapitän des Norddeutschen Lloyd, Paul König, weilte im September 1915 in Berlkn, als ihn eines Tages die Aufforderung erreichte, nach dem Hotel Adlon zu kommen, wo der Chef des bekannten Bremer Hatidekshauses, Loh-, mann, ihn zu sprechen wünschte. Loh­mann fragte Kapitän König, ob er Lust habe, wieder „auf große Fahrt" zu gehen. König war sofort bereit und erfuhr im Lause des Gespräches den Plan, mit einem Ilnterseebootshandelsschiff die Fahrt nach Amerika zu wagen. Zwei Monate, später lag der Entwurs für das U-Boot fertig vor, nach weiteren vier Monaten das Schiff wasserbereit auf der Werft. Ober- ingenienr Rudolf Erbach von der Ger­mania-Werft in Kiel hatte die Pläne ent­worfen, den Bau geleitet" und ein Schiff geschaffen, das in schwersten Stürmen unb unter den seltsamsten und schwierigsten Ber- hältnissen seine ' Seetüchtigkeit auf das glünzendste beweisen sollte. ■ - ~—

Und dann kam die Ausfahrt. In aller Stille ging sie vor sich. Von Kiel fuhr das U-Boot, mit 29 Mann besetzt, zunächst durch den Kaiser-Wilhelm-Kanal nach der Wcser- müubung, wo bie letzten Formalitäten er- lebigt unb bie Schifsspapiere sowie bie Ku­rierpost au Borb gebracht würben. So trat U-Teutschlanb seine Aussahrt an. Auf stürmischer Fahrt burch die Nordsee wurde die englische Blockade durchbrochen, unb es ist interessant, in dem Fahrtbericht Kapi­tän Königs nachzulesen, unter welchen Ge­fahren bie englische Blockadelinie durch­brochen und die freie See genommen wurde. Ein starker Sturm ,der selbst alt-erfahrene Seeleute seekrank werden ließ/ zwang Ka- ■ pitän König, den Kurs' nach Süden zu neh­men, wo U-Deutschland nach einigen sonni­gen unb stillen Tagen in ber Nähe des Golfstromes in einen Gewittersturm geriet. König berichtet darüber: „Die ganze Atmo­sphäre ist in - einem brüllenden Aufruhr, es rollt über uns in einem einzigen, un­unterbrochenen Donnerkrachen, wir kommen in das Zentrum: ein Hexenteigen von Ur­weltgewittern tost um das Boot, es ist wie das Ende aller Dinge." ES scheint, als ob die Hölle losgelassen sei. Die Luken des Bootes müssen tagelang geschlossen ge­halten werden und es herrschen im Innern deS kleinen Schisses eine unerträgliche Hitze unb ein Oelbunft, der atemraubend ist. Bei 53 Grad Celsius erträgt die Mann­schaft schweißtriefend diese Höllenqual meh-> rere Tage. König hört aus, das Tagebuch zu führen und notiert nur den kurzen. Satz: „Höher darf die Temperatur nicht mehr steigen, wenn die Leute im Maschinen- ranm noch aushalten sollen." Endlich, am 8. Juli abends, tauchen als erste Grüße des neuen Kontinents die Blinkfeuer von Kap Henry auf, das am südlichen Eingang zur Chesapeake-Bai liegt. Nachts um halb zwöls Uhr wird die amerikanische Hoheits­grenze passiert. König notiert: „Innerhalb der amerikanischen Hoheitsgrenze setzten wir Lichter und fuhren ruhig in die Einfahrr zwischen den Kaps, bis wir vor uns die rot-weißen Topplichter beS Lotsendampsers auSmachten. Wir stoppten und zeigten bas übliche Blaufeuer, worauf der Lotsendamp­fer sofort einen Scheinwerfer auf uns rich­tete und, da er keine Umrisse eines Damp­fers erkennen konnte, vorsichtig näher kam. Er beleuchtete uns lange, und immer wie­der tastete der Lichtarm des Scheinwerfers üöe; das niedrige Deck und den Turm der „Deutschland". " Der unerwartete Anblick unseres Bootes schien den braven Lotsen- kapitän so verblüfft zu haben, daß cS! eine gute Weile dauerte, bis aus dem Sprachrohr seine Frage kam: „Wohin sind Sie bestimmt?" Auf unsere Antwort „Newport News" fragte er nach dem Na­men unseres Schisses. Wir nannten den Namen, aber es beburfte einer zweimaliger^ Wiederholung, bis man drüben erfaßte,