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Montag, den 21. Sunt 1926

Pie «Oberhessische Zeitung" er­scheint sechsmal wöchentlich. Be­zugspreis monatlich 2 GM. aus- schließl. Zustellungsgebühr, durch hiePost2L5 GM.Für etwa infolge Streiks, Maschinendefekte »der elementarer Ereignisse ausfallende Kummern wird kein Ersatz ge­leistet. Verlag d. Dr. §. Hitzeroth, Druck der Unib.-Buchdruckerei b. Zoh. Aug- Koch, Markt 21/23. Fernsprecher: Nr. 54. u. Nr. 55. Postscheckkonto: Amt Frankfurt <l M. Nr. 5015, Sprechzeit Mt Redaktion von 1011 und 's,11 Uhr.

Sberhessische

Marburger JSI D ^ssische

rageßanzejger M H H B8 B S RD LandeSzeilung

Sir. 14? 61. SMS. Marburg o. Lahn

Der Anzeigenpreis beträgt» den 10 gespait. Zeilenmillimeier 0.08 GM., kleine Baranzeige« 0.06 GM., amtliche und aus­wärtige Anzeigen 0.10 GM. Bei schwierigem Sah sowie bei Platz­dorschrift 50"/, Aufschlag. Eammelanzeigen 100 °/0 Aus­schlag. Reklamen der Millim. 0,40 GM. Jeder Rabatt gilt als Barrabatt. Ziel 5 Tage. Belege werden berechnet, ebenso Auskunft durch die Geschäftsstelle und Zusendung der Angebote. <iv füllungSort Marburg.

1 Eoldmark V.,-Dollar.

MeigerMdasMertmchMchL)<VberhMw.-KmüichesVeMnüisungsblaöfiLdckrMwM^

SrlonM MineMildung

Paris. 20. Juni. (Wolff ) Scrriot hat auf die Kabinettsbildung verzichtet.

P a r t s, 20. Juni. (Wolff.) B r i a n d bat den Auftrag zur Bildung des Kabinetts an­genommen.

Briands Abfichten.

P a r i s, 20. Juni. Briand erklärte nach dem »erlassen des Elosses Vertretern der Presse, er werde fich nunmebr von den Abstimmungs- «gebnissen der Kammer leiten lassen, d. b. die Mehrheit berücksichtigen, die ihn zu­letzt unterstützt habe. Da er wisse, daß sogar Serriot die Abficht gehabt, ein weitgehendes Konzentrationskabinett zu bilden, sei ihm seine Aufgabe erleichtert worden. Er glaube, dad er jetzt Erfolg haben werde.

Ao französischen eachveriländigen

D a r i « , 20. Juni. DerMali n glaubt zu wissen, daß der Finanzsachverstandigen- Ausschutz, der seine Arbeiten wegen der Ministerkrise beschleunigt hat, bereits bei­nahe zu endgültigen Schlüssen gekommen rst. die auf folgendes hinauslaufen: Am den französischen Kredit wieder herzustellen und Frankreich so die Möglichkeit zu verschaffen, 'auf den ausländischen Märkten Hilfe zu fin­den, muh vor allem die Schuldenfrage geregelt werden, d. h. der französisch- amerikanische Vertrag von Washington über die Schuldenregelung ratifiziert und nut Großbritannien möglichst rasch über eine Rc- gelung verhandelt werden. Zur Regelung der schwebenden Schuld und um das Schatzamt von einem großen Teil feiner Verpflich­tungen zu entlasten, sollen die Vons der nationalen Verteidigung einem Vankcnkon- sortium übergeben werden, das für deren Rückzahlung oder für deren Umtausch in Vons anderer Art zu sorgen hatte. Dieses Konsortium wird die Unterstützung auslän­dischen Kapitals zu erlangen suchen und dasur eine Garantie ersten Ranges durch die pro­gressive Mobilisierung des Frank­reich zukonimcnden Anteils an den deutschen Eisenbahn- bezw. Jn- bustrie-Obligationen bieten. Was die übrige schwebende Schuld anbetrifst, so könnte sie zum Teil geregelt werden Durch diese verschiedenen Massnahmen soll d,e Sta- bilchierung der französischen Währung mit Unterstützung der Emissionsbanken der allt- terten Länder möglich werden.

--*--

Ar MmiMlan aus Kemal Mo

ff Paris, 21. Juni. HavaS mcldct aus Konstantinopel eine Einberufung der National­versammlung, die über die Aufhebung der Im­munität der verhafteten Abgeordneten zu ent­scheiden hätte, wurde vom Präsidenten der Na­tionalversammlung als unnötig abgelehnt, da die verhafteten Abgeordneten'auf frischer Tat ertappt und festgenommen worden seien.

ff. A « gora, 21. Juni. Wegen dem Atten­tat aus Kemal Pascha wurden bis jetzt 50 Personen, darunter 20 Abgecrdncie, ver­haftet. ___ *

Ar Stand des Senflitti im Bergbau

ff. London, 21. Juni. Die Verarbeiier- sührer Smith und Cook erklärten sich in einer Rede kategorisch gegen die Verlän­gerung der Arbeitszeit. Sie betonten jedoch die Möglichkeit einer eventuellen Rege­lung, die ein« VcrminderuuL der Lohne enthalte.

Ei« Telegramm König Georgs!«» König Alvbons.

ff M ad rid, 21. Juni. König Georg soll an König Alphons ein Telegramm gerichtet haben, in dem der Hoffnung Ausdruck gegeben wird, Spanien möge die fundgetane Absicht, aus dem Völkerbund auszutreten, nicht wahr machen.

Das Ergebnis des BMMWws

Sir rnlschübigungWr Enteignung brr Arsten abgelehnt

Vorläufiges amtliches Gesamt- Ergebnis

fk. Berlin, 21. Juni. Bei einer Gesamt­zahl von 39 687 848 Stimmenberechtigten wur­den Stimmen ak-geben 12 34 821

davon waren ungültig P9 370

gültig 15 025 451

Mit Ja stimmten 14 440 779

mit Nein 584 672

ft. Berlin, 21. Juni. Aus dem vorläu­figen amtlichen Gesamtergebnis geht hervor, dass beim Volksentscheid 36,3 Prozent d:r Stimmberechtigten mit Ja gestimmt haben.

Die Entscheidung ist gefallen gegen die entschädigungslosen Enteigner . Die von- nungen und Wünsche, die die Sozialdemokratie, vor allem der Kommunismus, auf diese Wahl setzte, haben sich nicht »rsüllt. Seit Wochen und Monaten wurde dem deutschen Volke ein Vorschlag in die Obren geblasen, der sowohl menschlich als auch vom Standvunkt des Staates aus ungeheuerlich erscheint. Der Rechtsstaat soll jedem sein Recht wahren. Das bat nicht zuletzt die Revolution, abschliessend die Wei­marer Verfassung sestgstellt. Die gestrige Wahl war demnach ein Schlag gegen den Ordnungs- staat, gegen die verfassungsmässigen Rechte seiner Bürger, ein Svrengungsveriuch, der Platz schaffen sollte für das Moskauer Ideal. Selten ist zu einem solchen Schlag mit grösserer Kräit und Wucht ausgeholt worden. Hätte der Volksentscheid ein positives Ergebnis gebracht, der deutsche Ordnungsstaat wäre heute eine Ruine. Die Hoffnungen waren gross. Das er­gab sich schon aus den Ausmassen der Wabl- kamvagne. Das Urteil der Wahl hat sie nicht gerechtfertigt.

Rach einer Meldung desDag" hat der frühere Kommunist, jetzige Sozialist Levi in einer Versammlung in Weimar - vor einigen Tagen gesagt:Ich hoffe, dass es einige Mi­nuten zu spät ist, wenn die Bürgerlichen mer­ken, dass die Massen am 20. Juni nachholen, "was 1918 versäumt ist." Und Herr Lobe bat sich für die Fürstenenteignung auf die franzö­sische Revolution berufen, wo man auch Fürsten, Grundbesitzer und Hochverräter enteignet batte. Für den klardenkenden Menschen war es des­halb offenkundig, dass der 20. Juni in der Tat nichts anderes bedeutete als ein Weitertreiben der Revolution. Das kann man vom Stand­punkte des. Sozialismus durchaus verstehen. Dort berricht der Marxismus,'der Klassen- kamvf. Was die sozialistischen Massen in den letzten Wochen taten, sannen und erstrebten, ist nur eine Begleiterscheinung dieses Marxismus und dieses Klassenkampfes. Wir kennen diesen Kampf.

Unverständlich ist nur, dass auch aus dem bürgerlichen Lager zahlreiche Wähler für die Enteignung gestimmt haben. Es gibt in der Tat Menschen, die allen Ernstes der Meinung gewesen sind, dass es sich bei dieser Wahl um eine einfache Frage vonmein" unddein" und etwa um Entwcrtungsvrobleme usw. han­delte. Völlig unverständlich bleibt ferner, dass auch bürgerliche Parteien in dieser Frage eine entschiedene Stellung nicht zu nehmen ver­mochten. offenbar ans Furcht vor der Sozial­demokratie. Es wird Sackte der Demokratischen Partei sein, den Riss in ihren eigenen Reiben zu schliessen. Sie hat erfahren, dass eine ver­rannte Parteileitung doch nicht machen kann, was sie will.

Das gestrige Ergebnis darf man begrüssen als einen Sieg des Rechtes und der politischen Vernunft.

Bedauerlich ist. dass auch diese Wab. neuen Hatz gesät und die Volksgenossen voneinander- gettennt hat. Die Propaganda der Volks- enteigner war von einer ungeheuren Heftigkeit. Und trotzdem musste ihr die Wirkung versagt bleiben, eben weil ihnen der in dem Antrag selbst liegende Schlag gegen den Staat verbor­gen geblieben war. Aufgabe der Gesetzgebung wird cs nun fein, in der Auseinandersiwung mit den Fürstenhäusern einen gerechten Ausgleich zu finden, der das Recht wabrt, aber auf der andern Seile auch der Notlage des Deutschen Volkes Rechnung trägt. *

EMbiM ouS

fcen

WMrrism

Ja

Nein

1. Ostpreussen

263 902

9 778

2. Berlin . .

942 654

31 077

3. Potsdam 11.

589 715

21 787

4 Potsdam I.

586 865

22 013

5. Frankfurt a. O- .

293 340

13 403

6. Pommern .

269 454

11 398

7. Breslau

383 100

24 900

8. Liegnitz . . .

263 093

13 377

9. Oppeln - . -

193 933

22 975

10. Magdeburg . .

453 800

16 754

11. Merseburg . .

352 929

12 875

12. Thüringen - .

580 806

24 833

13 Schleswig-Holstein

351 975

13 630

14. Weser-Ems . .

254 959

10 864

15. Ost-Hannover

180 404

9 519

16. SüdhannoverBraunjchw.

510 911

25 742

17. Westfalen-Nord .

447 248

17 627

18. Westfalen-Süd .

727 479

23 259

19. Hessen Nassau

635 385

24 305

2(1. Kölnmachen

466 172

20 563

21. KoblenzTrier .

134 994

7137

22. Düsseldorf-Ost

584 472

18 426

23. Düsseldorf-West .

359 839

12 626

24. OberbayernSchwaben .

320463

10 918

25. NiederbayernOberpfalz

97 581

3 814

26 Franken

413 938

14 431

27. Pfalz . . .

185 104

6 412

28. Dresden-Bautzen.

557 532

2 554

29- Leipzig . . .

.

454 099

21 546

30. Chemnitz-Zwickau

540 943

22 787

31. Württemberg

563 863

19178

32. Baden . . .

548 203

23 758

33. Hessen Darmstadt

«

348 335

15 572

34. Hamburg

e «

449 168

18 999

35 Mecklenburg

.

150 582

5124

Stimmungsbild aus tem MM

(Berlin, 20. Juni. (WTB.) Rach den bisher vorliegenden Meldungen ist die Wahl­handlung im ganzen Reiche ohne ernste Zwischenfälle verlaufen. Die Wahl­beteiligung schwankt sehr stark. Während aus einzelnen Stadtvierteln eine Wahlbeteiligung von nur 15 Prozent gemeldet wird, liegen aus Jndustriebezirken und aus den hauptsächlich von der Arbeiterschaft bewohnten Stadtvier­teln Meldungen über eine Wahlbeteiligung ton bis zu 70 Prozent und darüber hinaus vor, obwohl z. V. aus den Jndustriebezirken Essen und verschiedenen oberschlesischen Städ­ten allerdings von 1 Ahr nachmittags Meldungen von einer geringen Wahlbeteili­gung zirka 25 Prozent Vorlagen., Der ganze Abstimmungstag war gekennzeichnet durch eine allein von den republikanischen Parteien betriebene Propaganda, während die Rechtsparteien am heutigen Abstim- mungstage fast auf jede Propaganda verzichteten. In Berlin selbst ist die Abstimmung ohne jede Ruhestörung verlaufen. Dagegen werden aus M a ad e 6 u rg und Halle Zusammenstöße zwischen Stahlhelm­leuten und Anhängern des Roten Front­kämpferbundes gemeldet. In Halle selbst verlief die Abstimmung zwar ruhig, aber in Ammendorf bei Halle wurden bei einem Zu­sammenstoß 1 Stahlhelmleute, darunter 2 schwer verletzt. Die Kommunisten hatten 3 Verletzte. In Magdeburg wurden 3 Stähl­helmleute von Kommunisten schwer verletzt und mußten nach dem Krankenhaus geschafft werden. In beiden Fällen konnte die Polizei durch rasches Eingreifen weitere Zusammen­stöße vermeiden. Auch in Görlitz kam es zu einer Schlägerei zwischen Stahlhelmleuten und Anhängern des Roten Frontkämpfer­bundes, die aber keine ernstere Folgen hatte. Die Quartiere beider Parteien wurden von der Polizei nach Waffen durchsucht, die Untersuchung hatte aber ein negatives Er­gebnis.

Blutige Zusammenstösse in Ohligs.

ff. Ohligs. 21. Juni. Bei einem Zu­sammenstoss mit Kommunisten am Sonntag früh wurden 4 Mitglieder des Jungdeut­schen Ordens schwer verletzt. Die Polizei nahm mehrere Verhaftungen vor. Unter den Teilnehmern an der Schlägerei be­findet sich auch ein kommunistischer Ab­geordneter.

Zusammenstösse in SchliS.

ff. Leipzig, 21. Juni. Rote Front­kämpfer, die eine Propagandafahrt auf Lastwagen in die Umgegend unternommen hatten, sind in der Nähe von Schlis bei Taucha mit Angehörigen des Wehrwolfs zusammengestotzen. Dabei wurden zweei Wehrwolfleute erheblich verletzt.

SefamlwiMaft und LaOwuMaft

Von Landwirt Fr. Kaiser, Salzhausen.

Mitgl der volksparteilichen Landtagsfraktion.

Die Notlage der deutschen Wirtschaft ist eine allgemeine, und gerade die beiden Haupt- träger, Industrie und Landwirtschaft leiden am meisten. _ . .

Einem zusammengeschrumvften emdustr'-e- ervort steht eine vermehrte Einfuhr non Le­bensmitteln gegenüber, und die Gefahr des völligen Zusammenbruchs der Landwirtschaft steht nahe bevor, seine Folgen sind für die deutsche Wirtschaft unberechenbar.

Welche Bedeutung die Landwirtschaft für die Eesamtwirtichaft hat, geht am deutlichsten wohl daraus hervor, wenn man aus den vcr» chiedensten Produktionszweigen einige heraus­greift. So beträgt der Wert der Jahres­produktion an Milch und Milchprodukten etwa 3.5 Milliarden Mark und der Wert der deut­schen bergbaulichen Erzeugnisse ist mit zirka 3 Milliarden Mark zu veranschlagen.

Die Gesamtproduktion an Nahrungsmitteln bat einen Wert von etwa 16 Milliarden Mark. Dazu kommt noch die Bedeutung der Land- wirtschaft als Absatzgebtet für die Industrie. Etwa die Hälfte der deutschen Jndustrieerzeug. Nisse wurde zu noriyalen Zeiten von der Land» wirtschaft aufgenommen und der dritte Teil des deutschen Volkes lebt direkt und indirekt von der Landwirtschaft.

Angesichls dieser Tatsachen ist der unaushalt- same Niedergang der Landwirtschaft geradezu als eine dem deutschen Volke und seiner Ge­samtwirtschaft drohende Katastrophe zu be­zeichnen und es ist bedauerlich, dass die mass- gebenden Stellen nicht alles tun, um der Ee- samtwirtschaft eine in jeder Hinsicht leistiing-- fistiige Landwirtschaft zu erhalten. In weiten Wirtschaftskreisen bricht sich ja die Erkenntnis von der Bedeutung der Landwirtschaft als Erundindustrie des Staates immer mehr und mehr Bahn, und es mag für die Allgemeinheit von Interesse fein, dass in den Geschäfts­berichten der Banken, Handelskammern füh­render Jndustrieunternehmungen dies mehr und mehr anerkannt wird.

Die Grundursache des Niedergangs ist die Unrentabilität und damit die Verschuldung. Es ist doch als eine feststehende Tatsache anzu- sehen, dass die Schuldenlast der Landwirtschaft eine Höhe von zirka 8 Milliarden Mark er­reicht bat, zur jährlichen Verzinsung müssen zirka 800 Millionen Mark ausgebracht werden. Um diese Summe zu decken, ist der Verkam von zirka 4 Millionen Tonnen Roggen erforderlich.

Die Unrentabilität der Landwirtschaft ist m erster Linie durch die unverantwortliche Win» schafts- und Steuerpolitik der Regierung ent« standen, ferner durch die hohen Produktions­kosten der Erzeugnisse.

Der von den Linksparteien so sebr bekamvne und gefürchtete Schutzzoll hat sich zu den jetzi­gen Sätzen nicht als ein Hilfsmittel erwiesen; cs mutz im Gegenteil festgestellt werden, dass bei Abschluß von Handelsverträgen einzeln« Produktionsgruvven der Landwirtschaft, z. B. Winzer und Gemüsebauer, Exportinteressen geopfert wurden. | . ...

Ganz untragbar ist jedoch gegenwärtig für die Landwirtschaft die steuerliche und soziale Belastung. Die steuerliche Mehrbelastung gegenüber der Vorkriegszeit beträgt 40 bis 60 Mark pro Hektar. Die Steuerlast ist also um das 4 bis 5 fache der Vorkriegszeit gestiegen, und das nicht allein beim Reich, sondern auch bei Ländern, Kommunalverbänden und Ge­meinden. und gerade bei den letzteren ist die Form der Zuschläge von einer verheerenden Wirkung auf die Wirtschaft.

Genau so verhäst es sich mit den sozialen Lasten, die bei den Krankenkassen und den ver­schiedenen Versicherungsanstalten um das doppelte und dreifache gestiegen sind.

Ganz besonders kratz wirken sich die Besitz- steuern aus, die den Landwirt zwingen, von seinem unrentablen verschuldeten Besitz noch Hobe Steuern zu zahlen.

Es ist der grotze Fehler der Parlamente und gesetzgebenden Körperschaften, daß sie es nicht verstanden haben, die sozialen Lasten und Steuern der Tragfähigkeit der Gesamtwirtschat. unter besonderer Berücksichtigung der Land­wirtschaft anzuvassen. Während einzelne Wirtschaftskreise sich diesen Belastungen durch Betriebseinschränkung und Abwälzung auf die Preise ihrer Erzeugnisse entziehen konnten, war ihnen die Landwirtschaft schutzlos ausgx« liefert. Trotz dieser üblen Folgen liegen wie­der weitere Gesetzentwürfe vor. deren Durch­führung eine noch höhere Belastung fordert.

Ein weiterer Faktor, der die Unrentabilität der Landwirtschaft mitverjchuldet hat, ist das Preismitzoerhältnis. Erhöhten Produktions­kosten stehen niedrige Preise für die Erzeug­nisse gegenüber. Die Mittel, die der Landwirt für Unterhaltung seines Betriebes aufwenüen