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LOertzkspsch- Zeitung. Marburg a. L. Freitag, beit T8. Juuk 1926

gegen 3 Millionen Stimmen angenommen. Dennbeteiligt" hoben sich natürlich auch jene Kurzsichtigen, die in die geschickt gestellte Falle gingen -und sich mit einem ungültigen Stimmzettel an der Abstimmung beteiligten; ihre Stimmen werden freilich bei der Er­mittelung des sachlichen Ergebnisses (ob ja, ob nein) selbstredend nicht mitgezählt, Wohl aber bei Entscheidung der formalen Voraus» fetzung, ob die absolute Mehrheit des stimm­berechtigten Volkessich beteiligt bat.

Man sieht, welch schwere Schuld dann auf denen lasten wird, die klüger fein wollen als ihre Führer, oder ängstlicher sind als man kms einem ausgewachsenen deutschen Staats­bürger gestatten darf! Aber jeder von uns wird mitschuldig, der es versäumt, hier, wo er kann, belehrend einzugreifen, auch un­ermüdlich beizutragen zur Klärung dieser mehr taktischen Seite der Angelegenheit, wo selbst die Anhänger des Rechtsstaates viel­fach heute noch im Dunkeln tappen.

Niemand darf darüber im Zweifel bleiben, daß jeder einzelne, der aus Angst und Vor­sicht die Einheitslosung des Fernbleibens mißachtet und vielleicht in bester Absicht irgendwie an der Abstimmung teilnimmt, un­erbittlich den Kommunisten hust, den Rechts­staat zu untergraben.

Rur wenn am 20. Suni der Volksentscheid schon durch Richtbeteiligung wir­kungslos bleibt, nur dann werden wir unser ohnehin schon genugsam zerrissenes Vater­land vor den neuen aufwühlenden und er­bitterten Kämpfen um die Frage derVer­fassungsänderungbewahrt sehen. Schon des­halb muh ein jeder, der sein Volk wirklich liebt, am Sonntag

ju Hause bleiben 1 --*---

Die Kabinettskrise in Uankreich

Ein Kabinett der Mitte?

Paris, 17. Juni. (WTB.) Wie Savas mitteilt, scheint es sich heute abend zu bestäti­gen. daß Poincare die Uebernabme des Ee> samtministeiiums ablehnen wird. In den Wandelgangen der Kammer wurden heute die Aussichten für das Zustandekommen eines Mi­nisteriums der nationalen Einheit, in dem alle. Parteien, von den Sozialisten bis zur Gruppe' Marins vertreten wären, ungünstig beur­teilt. da die Sozialisten an ihrem auf dem Parteitag von Clermont-Ferrant aufgestellten Programm festhalten und andererseits ein großer Teil der Radikalen nur dann mit der Heranziehung der Gruppe Marin einverstan­den sein wird, wenn gleichzeitig die Sozialisten in das Kabinett eintreten. Deshalb gewinnt der von dem Vorsitzenden der Radikalen Lin­ken, Abg. Boret. angeregte Gedanke, ein Ka­binett der Mitte unter Ausschluß der Sozialisten und der Gruppe Marin zu bilden, immer mehr an Boden und scheint nunmehr auch von Driand als Lösung ins Auge gefaßt zu werden. Auch ein Teil der Radikalen sprach sich in der beute nachmittag unter Vorsitz Herriois abgehaltenen Vorstandssitzung hierfür aus, während ein anderer Teil sich für ein von einer radikalen Persönlichkeit geführtes Ministerium, das entschlossen sei, das Finanz- vrogramm der Partei zur Ausführung zu brin­gen. einsetzte. Serriot bittet demgegenüber um Handlungsfreiheit, die auch be­willigt wurde.

Zur französischen Finanzlage.

ff. Parts, 18. Juni. Die Handelskammer von Paris bat zu dem Gerücht über eine even­tuelle Einsetzung der Goldreserve der Bank von Frankreich zur Stützung des Franken die Regierung gebeten, sie möge die Unabhängig­keit der Bank von Frankreich achten und die Goldreserve, die die Garantie für den Notenumlauf bilde, als unantastbar an- sehen.

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Semekratm und NolkSeatsKeiö

Der demokratische sächsische Finanzminister gegen den Volksentscheid.

Berlin, 17. Juni. Der demokratische sächsische Finanzminister Dr. Dehne bat am Mittwoch Stellung zum Volksentscheid genom­men. Er bedauerte, daß der Vorstand der Demokratischen Partei keine klare und feste Stellung zum Volksentscheid eingenommen hätte, die nur auf Ablehnung des zum Volks­entscheid stehenden Gesetzes hätte lauten kön­nen, denn die entschädigungslose Enteignung des Privatvermögens der Fürsten stehe in offenbarem Widerspruch zur Verfassung von Weimar, die zu achten und zu stützen der Demo­kratischen Partei immer als vornehmste Auf­gabe erschienen sei.

Eine «ationalliberale Warnung.

Der Nationalliberale Prooinzverband der Mark Brandenburg nimmt in einem Auf­ruf mit großer Schärfe gegen den Volksent­scheid Stellung. In dem Aufruf beißt es: Gegen die ungeheuerliche marxistische Ver­hetzung ist weiteste Aufklärung Pflicht jedes vaterländisch fühlenden und wahrhaft freiheit­lich denkenden Deutschen. Der Liberalismus gewährt nicht in falscher Duldsamkeit dem Recht und Unrecht gleich freien Spielraum, der Liberalismus fordert von jedermann, daß er für fein Tun einftebt und die Folgen seines Handelns trägt. Wer daher durch Stimmabgabe die wirtschaftliche Grundlage des Staates verneint, wird sich nicht zu beklagen haben, wenn eines Tages feine eigxne wirtschaftliche Grundlage vernichtet wird."

Weiter heißt es:Wer ipt Wahlvorstand sitzt, hat noch die besondere Pflicht, auf ge­hörigen Ausweis der Abstimmenden zu achten, damit nicht bei der starken Stimmenthaltung betrügerisch Stimmen unter falschem Namen abgegeben werden. Auch der rechtlich denkende

Wahlvorstand oder Beisitzer hat sich der Stimme zu enthalten! Eine Verpflichtung zur Stimmabgabe besteht nicht! Im Übrigen laßt die Marristen allein stimmen, meidet die Stimmlokale!

Wahlkampfmethoden

Aus der Roten Fahne:Dem Sarge Wilhelms folgend, marschierten gestern Tausende von Werktätigen des 5. Bezirks (Friedrichshain) auf, um für den kommenden Volksentscheid und die Fürstenenteignung zu demonstrieren. Aus dem Wagen vor dem Sarge, der mit S^vter und Apfel Seiner Majesttät geschmückt war, stand ER eigen- selbft im Hermelinmantel, mit der Krone auf gesalbtem Haupte. Hinter dem Wagen zogen zwei trauerndeDamen in schwarp weißrot: Hermine und die verflossene Augusta Viktoria.

Hierzu schreibt derTag: Man sollte meinen, daß selbst den demokratischen Befür­wortern des Massendiebstahls angesichts dieser zvnischen Schilderung schwül werden müßte. Daß der kommunistische Schmierfink auch noch das Andenken der verstorbenen Kaiserin be­sudelt und sie in den Höllenspuk der Enteig­nungshetze hineinzieht, ist immerhin selbst an­gesichts der Flut von Geschmacklosigkeiten, die man sich in Blättern vom Schlage der Roten Fahne, des Vorwärts und der Volkszeitung leistet, doch allerhand.

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Strafantrag tm SpritWchtr- Brozch

Berlin, 17. Juni. Im Spritschieber- vrozeß beantragte Staatsanwaltschaftsrat Dr. Berliner 1. gegen den Angeklagten Peters wegen 14 pflichtwidriger Handlungen, wie Be­stechung, Vereitlung von Strafverfolgung, Bei­hilfe zum Betrug, Urkundenfälschung ujw. im ganzen 3 Jahre Gefängnis und 1000 M. Geld­strafe, sowie Ersatz der hinterzogenen Svrit- mengen im Gesamtwerte von 4,3 Millionen Mark; 2. gegen den Angeklagten Beyer wegen Beihilfe zum Betrug und Vereitlung der Strafverfolgung 4 Monate Gefängnis, die durch die Untersuchungshaft als verbüßt gel­ten; 3. gegen den Angeklagten Hermann We­ber wegen Brandstiftung, Betruges und zwei Urkundenfälschungen sowie Bestechung 21/» Jahre Zuchthaus und 100 000 M Geldstrafe oder 100 weitere Tage Zuchthaus; 4. gegen den Angeklagten Heinrich Weber wegen Beihilfe zum Betrug und schwerer Urkundenfälschung 1 Jahr Gefängnis.

Die Beftechungsaffäre bei der Berliner Polizei.

Berlin. 17. Juni. Zu der Verhaftung von Inhabern Berliner Vergnügungsstätten und Beamten der Schutzpolizei meldet der ..Lokalanzeiger, daß die Bestechungs­affäre immer größere Kreise um sich zieht. Gestern Nacht ist der Inhaber des Hansakellers in der Jägerstraße fest­genommen worden. Für heute sind weitere Verhaftungen von Schutzvolizeibeamten zu erwarten. Die Schließung des Cafes National" ist beute morgen vom Polizei­präsidenten ungeordnet worden.

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Wir zoll» chmigrrlr"

Berlin. 17. Juni. Der BerlinerLokal­anzeiger meldet, daß ein früherer Angestellter des Schauhungerers Jolly die eidesstattliche Versicherung abgegeben habe, daß Jolly mit feiner Hilfe vom 28. Tage seiner 44tägigcn Hungerkur an täglich 200 bis 300 Gramm Schokolade zu sich genommen bähe. Gegen Jolly wird auf Grund dieser Aussage wahr­scheinlich ein Verfahren wegen Betruges eingeleitet werden.

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Die Bluttat in Sortimmd

Die Mordkommission des Polizeipräsidiums stellte Folgendes fest:

Blaschkowski, der seit längerer Zeit erwerbs­los war, ernährte sich durch Zimmervermleten. Allein im Obergeschoß waren in drei Räumen 14 Kostgänger untergebracht. Er selbst wohnte mit seiner Familie in einem Zimmer, das zu­gleich als Wohnzimmer, Scblaftaum und Küche diente . In einem Nebenraum wohnte eine Ar­beiterin, die in der vergangenen Nacht gegen 1 Uhr einen Wortwechsel zwischen den EhUeuten hörte . Da solche Streitigkeiten an der Tages­ordnung waren, legte die Nachbarin der Sache keine Bedeutung bei und schlief wieder cm. Erst morgens gegen 5 Uhr hörte sie einen Schuß fallen . Sie kleidet« sich notdürftig an und eilte in das Nebenzimmer, wo sie die Familie Blaschkowsll in ihrem Blute schwimmend vor­fand. Die Kinder lagen im Bett, die Leich« btr Frau vor dem Bett. Der Knabe Hsing halb aus dem Bett heraus. Blaschkowski selbst, der durch einen Revolverschuß seinem Leben ein Ende gemacht hatte, saß angekleidet auf einem Stuhl .

Nach den Ermittlungen der Kriminalpolizei hat der Mörder nach dem Wortwechsel mit sei­ner Frau wahrschernlich dieser und dann seinen Kindern mit einer schweren Zimmermaunsaxt die Schädel zertrümmert, sodaß die Gehirne bloßgelegt wurden. Der Befund der Leichen läßt darauf schließen, daß einige der Opfer längere Zeit im Todeskampf gelegen haben müssen. Nachdem der Unhold sich vergewissert hatte, daß keiner feiner Familienangehörigen noch ein Lebenszeichen von sich gab, ging er in das obere Geschoß und drang in den Raum ein, wo neun Kostgänger ihre Schla'stätte hat­ten. Einen von diesen, den Kellner Fritz

Bader, der als sein bester Freund galt und mit dem zusammen er abends vorher gezecht hatte, tötete er ebenfalls durch mehrere Axt- Hiebe auf den Kops, ohne daß einer der An­wesenden ihm entgegenzutreten wagte. Auch Bader vermochte sich nicht zur Wehr zu setzen, da er beim Empfang der tödlichen Schläge noch in tiefem Schlafe lag. Aus dem Rückweg zum Erdgeschoß traf der Mörder auf dem Trep- tKnabfab zufällig die tn der zweiten Etage wohnende Frau Mielecki, mit der et schon seit längerer Zeih Prozeßstreittgkeiten hatte. Auch ihr brachte er mit der Axt so schwere Ver­letzungen bei, daß sie sosort blutüberströmt zusammenbrach und nach dem Krankenhaus ge­bracht werden muffte, wo sie hoffnungslos dar- niederliegt . Die Leichen der sechs Getöteten mürben im Laufe des Vormittages nach der Leichenhalle überführt . Blaschkowski wird als gewalttätiger Mensch geschildert, der mehrmals vorbestraft war. lieber die Beweggründe zu der entsetzlichen Tat, die sieben, Menschenleben ge­fordert hat, herrscht vollkommene Unklarheit. Es wird angenommen, daß Eifersucht vorliegt.

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Mutter und Tochter durch Gas vergiftet.

Bad Dürkheim, 17. Juni. Gestern früh wurden in der Küche ihrer Wohnung die Witwe Katharina Lindner und ihre 25 Jahre alte Tochter bewußtlos aufgefunden. Beiöe wurden sofort in das Städtische Krankenhaus verbracht. Die Tochter verstarb ereits auf dem Transport, während die Mutter noch be­wußtlos im Krankenhaus liegt. Wie He Um­stände ergaben, handelt es sich um einen lln- glücksfall.

Unwetterkatastrophe.

Forchheim, 17. Juni. Von einem furcht­baren Unwetter wurde vorgestern das Dorf Weingarts heimgesucht. Die Hagelkörner fie­len in Größe von Taubeneiern und in solcher Menge, daß in wenigen Minuten die ganze Ernte vernichtet war. Die Kirschenernte und die Obsternte ist ganz vernichtet, die Heuernte wird sehr schlecht ausfallen und die Getreide­ernte fällt ganz aus. Seit 1862 wurde Wein­garts von keinem solchen Hagelwetter heim- gesucht, das so entsetzlichen Schaden anrichtete.

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X.

Volk in Not! Deutschlands Film. In einem kleinen Orte in Ostpreußen dicht an der russischen Grenze Friedens- und ^Manöver- betrieb. Gelegentlich eines Festes, welches zu Ehren der Einquartierung veranstaltet wird, beginnen sich die schweren Wolken, welche schon lange drohen, zu entladen. Russische Reiter­regimenter überschreiten die Grenze und nun beginnt die Leidenszeit für Ostpreußen, Krieg. Die dünnen Ketten der Beschützer werden von den russischen Massen überflutet, den Besitzern Haus und Hoi über dem Kopfe verbrannt. In der Zeit der höchsten Not erhält Feldmarschall von Hindenburg, unser Hindenburg, den Ober­befehl über die ostpreußischen Armeen und nun beginnt die größte Schlacht gegen die größte Ucbcrmadjt, die Schlacht bei Tannenberg, die mit dem glänzendsten Siege endet, den je die Welt gesehen. Dies sind die großen Umrisse biefes deutschen Films. Zwischen all diesem läuft nun die eigentliche Handlung und man muß gestehen, daß die Regie hier einfach Groß­artiges geleistet hat. Alle Darsteller ent­ledigen sich ihrer Rollen auf das hervor­ragendste. Die Kriegsbilder mit ihren Truv- penmaifen find Originalaufnahmen. Das Er­scheinen Hindenburgs löste jedesmal unge­heuren Beifall des Publikums aus. Der Jubel wollte kein Ende nehmen, sodaß die Vorstellung einer Danteskundgebung für unseren großen Feldberrn gleichkam. Daß man auch die Rus­sen, General Samsonow, feinen Adjutanten usw.. von ihrer sympathischen Seite schildert, wirkt versöhnend und gibt dem Film einen würdigen Hintergrund. Um uns kurz zu fafien, dieser Film ist ein Dokument deutscher Ge­schichte, ein Heldenlied aus Ostpreußens schweren Tagen und gleichzeitig eine Ehrung und ein Dank an den Befreier Ostpreußens. Jeder Deutsche sollte diese Gelegenheit wabr- nehmen, ein Stück deutscher Epoche im Bilde zu sehen. Auf bie morgen (Sonnabend) nach­mittag 4i' Uhr ftattfinbenbe Vorstellung zu Einheitspreisen sei besonbers hingewiesen.

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X Der orb .Prof, der Mineralogie und Petrographie an der Universität Gießen, Dr. S ch e u m a n n , hat einen Ruf an das Ordinariat für Mineralogie an die Techn. Hochschule in Charlottenburg erhalten.

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Marburg, 18. Juni (Brachvumd).

Tages»«uzeiger.

_ Freitag, den 18. Juni.

VfB. O5-Äur$.:'ab 7 Uhr abends Schwimmen

Wehrdaer Weg

Cafe Markee«, Aeitgaffe: 8 Uhr Konzert.

StadtsLle: 8.15 Uhr großes Sensation-. Gastspiel des Aamiro-Theater«.

Stahlhelm: 8.30 Uhr Pflichtabend im tzessi. scheu Hof. \

Zentraltheater, Äalernenftraße: Volk in Roh 11. T., Pilgrimsteiie: Exzentrische Frauen, vchützenhof. Wehrtaer Weg 2: Jazzband­konzert. 1

Es ist bekannt geworden, daß von Anhän­gern der Fürstenenteignung geplant ist, in größerem Umfange auf die Namen vonStimm- enthaltenben beim Bolksentscheid Stimmzettel durch unberechtigte Personen abgeben zu lassen. Ein derartiges Verfahren ist nicht nur unzu­lässig, sondern auch strafbar. Es ist daher un­bedingt notwendig, daß nicht nur der 8 117 der Reichsstimmordnung befolgt wird, wonach jeder seinen Namen dem Wahlvorstande anzu­geben bat undauf Erfordern seine Wohnung", sondern um leichtfertige Wähler vor einem Konflikt mit dem Strafgesetz zu schützen, müs­sen bie Wahlvorstände den Wählern in allen Fällen, in denen der Ahstimmenbe mehreren Mitgliedern des Wahlvorstandes nicht persön­lich bekannt ist, einen Ausweis über ihre Per­son abforbern.

Laßt Sonne herein!

Das Rote Kreuz der Stadt Marburg hat durch die Veranstaltung des Kinderfackelzuges eine glückliche Idee verwirklicht. Der Miik- wochabend dürfte über Erwarten alssehr gut gelungen zu betrachten sein.

In all bas Gehässige des trüben Lebens, iit das unschöne Kämpfen der politischen Parteien hinein war der Fackelzug für bie Großen und besonbers auch für bie Kleinen ein Erlebnis. Einen Sonnentag in dem täglichem Kampfe mit bem Schicksal.

Es bat sich wieder gezeigt, daß überall da, wo bie politischen Meinungen ausgeschaltet sinb, eine ungetrübte Freube errtsicht werden kann.

Wie hatten sich die Kinder so schön zu- famptengefunben! Sie Hatten in ihrer kind­lichen Freube alles Trennenbe vergessen und bie ftrablenben Augen zeigten, baß sie glücklich waren.

Das ist bef große Wert bcs Roten Kreuzes, baß es neben aller schweren Arbeit bie edle Aufgabe nicht vergißt, Gegensätze zu über­brücken und versucht, alle Unzuträglichkeiten des täglichen Lebens mit Liebe angenehmer zu gestalten.

Und wenn in Marburg der Anfang ge­macht worben ist, bie Jugend, unsere Jugend mttbelfen zu lasten an dieser aussöhnenden Arbeit, so dürfte sich bei Fortsetzung , dieses so erfreulichen Anfangs ein neues Arbeitsfeld bcs Roten Kreuzes eröffnen, das die Zu­stimmung aller Beoölkerungsschichien finben wird.

Wenn das Rote Kreuz einmal jährlich einen Jugendtag in Marburg veranstalten könnte, würde sich bei selbstloser Zurverfügungs- stellung aller hierfür in Frage kommenden Kräfte etwas Gutes und sehr Schönes er­reichen lasten und bie Jugenb würbe sich schon heute auf den nächsten Jugendtag freuen.

Dem Roten Kreuze würde es auf diese Art und Weise nicht schwer fallen, neue Freunde und Anhänger der Rotekreuzarbeit zu finden.

Was aber die Hauptsache ist, unsere Jugend wird so mit den Organen und der Arbeit des Roten Kreuzes vertraut und warum sollen nicht bie armen Kinderchen, bie sonst oft ab­seits stehen müssen, auch mal einen Tag im Sahr haben, der ihnen gehört unb wo sie sich bann nach Herzenslust freuen können. W. E.

* Polizeiliches. Vermißt wird feit dem 9. ds. Mts. der Hiesige Einwohner Ofen­setzer Anton Raumann, geb. am 2. 9. 1888 in Marbach (Kr. Marburg). Er hat sich am genannten Tage von hier entfernt unter der Angabe, er wolle Lebensmittel Hamstern. Seitdem hat er nichts mehr von sich hören lassen. Beschreibung: etwa 1.67 Meter groß, schlank, hellblondes, kurzgeschnit­tenes Haar, desgl. kurzgeschnittenen Schnurr­bart, blasses, sommersleckiges Gesicht, Rarbe an der linken Halsseite, bekleidet war er mit dunkelblauem Iakett, Hillier englischer Lederhose, hellgrauem Hut mit schwarzem Band, blaugestreiftem wollenem Hemd, be­nagelten rindsledernen Schnürschuhen. Ilm sachdienliche Mitteilung ersucht die Krimi­nalpolizei, hier.

* Der Semver talis-Tag tn $ er« l i n. Die Regimentsfeier des 1. Garbe-Regi­ments in Berlin vereinigte am Sonnabend über 1000 Kameraden. Es fand eine Parade- aufstellung. eine Feier am Denkmal und ver­schiedene Feiern statt. Der Sonntag brachte Gottesdienst unb eine Dampferfahrt nach Nedlitz. An bei Feier nahmen bie Prinzen Ettel Friedrich unb Oskar von Preußen sowie viele ehemalige Offiziere teil.

Nach bem Genuß unreifer Beeren gestorben. Ein etwa 5 Jahre alter Junge in Oberhausen (Rheinlanb) hatte unreife Erbbeeren gegessen unb bann Wasser danach getrunken. Später stellte sich bei bem Knaben Erbrechen ein, ' ohne baß man die «ache vorerst ernst nahm. Arn nächsten Tage starb bei Junge.

* Kein Schießsport in Schul' räumen. Für den Kleinkaliber-Schießspott werben in Zukunft öffentliche Schulräume nj Einzelpersonen, Vereine ober Berbände naffl einer Verfügung an die Provinzialschul­kollegien unb Regierungen, nicht mehr hergc- geben.