Einzelbild herunterladen
 

«fite 2

vrektzeflische 8eitu«s, Marburg «.L. Tienttag, be* 15. Juni 1926

Bunttslagim M WmWfch- btufltbtn SolksbundcS

Frankfurt a. OK., 14. Juni. Im Kaiser­saal des Römers empfing am heutigen vor­mittag im Ramen der Stadt Frankfurt Ober­bürgermeister Landmann die österreichischen Delegierten u nd würdigte in seiner Be­grüßungsansprache die große Bedeutung der alten Kaiserstadt für die Anschluhbewegung und ihre Entwicklung. Die Stadt Frankfurt fei untrennbar verbunden mit der Schaffung der deutschen Einheit, als das Bindeglied zwischen Rord und Süd, der Sitz des Bundes­rats, wo Bismarck sein gewaltiges Werk be­gann, der Ausgangspunkt der grohdeutschen Einheitsbewegung vom Jahre 1848. Kein Zufall fei es, daß gerade in Frankfurt das große Werk der Reichsgründung feine Vol­lendung gefunden habe im Frieden von 1871, der die deutschen Stämme unter Führung Preußens zu einem größeren Deutschland zu- fammengeschmiedet habe. Redner schloß mit dem Wunsche, daß diese Entwicklung weiter führen werde und müsse zur Bereinigung aller deutschen Volksgenossen in einem Grotzdeutsch- land, und daß Frankfurt der Ort fein möge, an Dem diese historische Entwicklung ihren Abschluß finden werde. Reichstagspräsident Löbe dankte namens der österreichischen und deutschen Delegierten in herzlichen Worten und feierte die große historische Vergangen­heit Frankfurts .feine große Bedeutung in der großdeutfchen Frage und gab ebenfalls dem Wunfche Ausdruck, daß auf dem historischen Boden der alten Kaiferstadt in nicht allzu- serner Zeit die Stunde der Einigung aller deutschen Volksstämme schlagen werde. Für die Deutschösterreicher sprach mit überzeugen­der Wärme Universitätsprofefsor Dr. Eibl- Wien, der in glänzenden Ausführungen die Fäden der geschichtlichen Entwicklung der Anschlußbewegung ausdeckte. Das geschicht­liche Werden gründe sich auf die Macht der Ideen. Aber Ideen mühten geglaubt werden. Zwar fei das alte Oesterreich zerfallen, aber schon jetzt tauche über den Trümmern und über und hinter der Idee des lMlkerbundes die große politisch« Idee des mitteleuropäi­schen Blocks auf. auf dem allein der organische Aufbau Europas erfolgen könne. Für diese mitteleuropäische Idee zu wirken und an ihrer Verwirklichung mitzuarbeiten, sei das Ziel und Streben des österreichisch-deutschen Dolksbundes und heilige Pflicht aller beut- Pschen Volksgenossen.

Rach einem kurzen Frühstück begaben sich die Gäste in Autobussen des Frankfurter

Verkehrsvereins auf eine Rundfahrt durch den herrlichen Taunus, die über den Feldberg wo das gemeinschaftliche Mittagessen ein­genommen wurde nach Lönigstein und Cronberg führte, von wo nach kurzer Rast die Rückfahrt angetreten wurde. Am Abend fand in der historischen Paulskirche, der Stätte des alten Bundesparlaments, eine große Kund­gebung statt, auf der neben Reichstagspräsi­dent Löbe führende Parlamentarier der ein­zelnen Parteien zur Abschluhfrage sprachen.

In der Paulskirche fand gestern abend als Abschluß des Bundestages des österreich-deut­schen Volksbundes eine große politische Kundgebung für den Anschluß Deutschöster­reichs an Deutschland statt. Reichstagsvräsi- dent Löbe hielt eine kurze Ansprache, in der er u. a. sagte: Gebt dem deutschen Volke, frei hettliches Selbstbestimmungsrecht, morgen wird es sich schon zeigen, daß keine Macht der Welt diesen einheitlichen Willen der deutschen Stämme von Nord und Süd hemmen kann' Im Anschluß daran erklärten Vertreter der österreichischen Wirtschaft, des österreichischen Landbundes und der Wissenschaft, daß die un­bedingte Notwendigkeit bestehe, die deutschen Stammesgenossen in Oesterreich mit dein Mutterlande zu vereinen.

14 Tote bei dem Ervlofionsunglück in Gary.

ft Gary in Indiana, 15. Juni. Vci dem Ervlosionsunglü wurden 14 Personen getötet.

Mr kriegt das Seid?

Von Rumpelstilzchen. i

Da läuft einem wirklich das Wasser im Munde zusammen: am 20. Juni kann man durch bloße Abstimmung mehrere Milliarden fürstlichen Vermögens für das Volk retten; sie sollen an Bedürftige wer wäre das nicht? unter den Kriegs- und Jnflations- opfern verteilt werden.

Das mit den Milliarden ist freilich aus­geschnitten, soviel wert ist der ganze Besitz nicht, und zum Teil erfordert er sogar Zu­schüsse, so für den Unterhalt der Parks oder der Theater. Aber es ist doch ein gehöriger Batzen Geld, wenn es gelingt alles gut zu verkaufen. Dieses Geld soll nun verteilt werden, wenn der Antrag angenommen wird, über den das Volk entscheiden soll. Das tft der erste Lichtblick seit acht Jahren. Bisher hat der Staat, unterstützt durch einzelne pri­vate Haie, uns doch nur genommen, so daß unser Volksvermögen zurzeit nicht mehr ganz die Hälfte dessen beträgt, was wir 1913 be­sessen haben. Endlich wird also der erste Versuch zur Ausführung dessen gemacht, was man seit Jahrzehnten von den Roten erwar­tete, nämlich der gerechten Aufteilung der irdischen Güter.

Rach der Revolution war die Sozialdemo­kratie dazu noch nicht bereit. Sie übernahm das gesamte Eigentum der Hohenzollern, das Me Voltsbeauftragten nur zur Sicherung der Auseinandersetzung in jenen gewalttätigen Zeiten beschlagnahmt hatten, zu treuen Hän­den. In der von dem damaligen preußi­schen Justizminister, dem Svziatdemo- kraten Rosenfeld, unterzeichneten Er­klärung heißt es ausdrücklich, daß diese vor­läufige Zwangsverwaltung zukeinerEnt- e i g n u n g führen solle. Das Eigentum war )o sicher hinterlegt wie bei einem Rotar.

Ser MWtonflifl in banne»»

Hannover, 14. Juni. Nach den Dar­legungen des Kultusministers in seiner Unterhaltung mit einem Pressevertreter fioÖt man in den Kreisen des Lehrkörpers der Technischen Hochschule Hannover keinen Weg, wie der Konflikt beigelegt werden könnte. Das Professorenkolle­gium beharrt, wie wir von Mitgliedern des­selben hören, auf dem in seiner Erklärung vom 10. Juni gekennzeichneten Standpunkt, wonach es

ein Zusammenarbeiten mit Professor Lessing ablebnt.

Es bedauert, daß die Angelegenheit zu ihrem Schaden auf ein politisches Gebiet ge­schoben worden ist,'und sieht darin die Haupt- schwierigkeit des Falles, der nur unter den Ge­sichtspunkten der Zweckmäßigkeit und der Wirt­schaftlichkeit betrachtet werden wollte. Wenn man ihn so ansehe, könne man nur wünschen, daß Professor Lessing die völlige Zwecklosigkeit seiner Bemühun­gen einsebe, weiter Vorlesungen an der Technischen Hochschule zu halten. Professor Lessing sage, er wolle Ruhe haben. Er könne aber unter den jetzigen Umständen keine Ruhe finden, denn die Lage sei so, daß sie Lessing als Vortragenden nur Aufregung ver­ursache, die der wissenschaftlichen Ar­beit nachträglich sei. Was das Vor­geben gegen die Studenten betreffe, so sei der Ausdruck deswahllosen" Herausgreifens von zehn Studierenden unglücklich gewählt. Da es Vo-ichrift sei, daß gegen jeden der Angeschul­digten einzeln vorgegangen werde, so habe man natürlich nicht mit 250 zuglei chanfangen können, sondern habe zuerst zehn genommen und fahre nun in der gleichen Weise fort. Bis jetzt sei das Verfahren aus un­gefähr 50 Studenten ausgedehnt und werde weiter fortgeführt. Beim Kultus­minister weilten gemeinsam mit Rektor Dr. Oesterleu die Professoren Dr. Müller und Dr. Quinte.

--*--

Sir »rutscht Burschenschaft zum Sali Lessing

Burschenschafter und Kultusminister.

Berlin, 14. Juni. Der Hochschulaus­schuß der deutschen Burschenschaften ver­breitet zum Fall Lessing die folgende Er­klärung:Die deutsche Burschenschaft über­bringt der Studentenschaft der Technischen Hochschule in Hannover ihre herzlichste und stärkste Anteilnahme an dem Kampf gegen den derzeitigen Privatdozenten Lessing. Dem Unterrichtsminister bringt die deutsche Burschenschaft ihre stärkste Entrüstung zum Ausdruck. Das preußische Unterrichts- Ministerium hält eine Person, die unwert ist, deutscher Dozent zu sein, und verletzt die akademische Freiheit. Die deutsche Burschenschaft war allzeit Mährerin deut­scher Sitte und Zucht und Hüterin der aka­demischen Freiheit und fordert vom preußi­schen Unterrichtsminister im Interesse des Ansehens der deutschen Hochschulen Auf­hebung der Maßnahmen gegen die Hanno­verschen Studenten und Lösung des Dienst­verhältnisses Lessings.

Sympathiestreik der Stuttgarter Stn benten.

ff. Berlin, 15. Juni . Der allge­meine Studentenausschuß der Technischen Hochschule in Stuttgart beschloß, als Sympathiekundgebung für die Hannover­sche Studentenschaft di: Stuttgarter Stu­dentenschaft aufzufordern, am heutigen Dienstag die Vorlesungen und Hebungen nicht zu besuchen.

Die Haussuchungen bei den Industriellen in Essen.

fk .Berlin, 15 .Juni. Das Amtsge­richt in Essen hat demBerliner Tage­blatt". zufolge die Beschwerde der

Erst die Kommunisten entdeckten jetzt, acht Jahre nach der Revolution, die Dolksseindlichkeit dieses Vorgehens. Schon der, Sozialdemokratie war nicht mehr ganz geheuer gewesen. Ihre preußische Regierung hatte sich, was man von einem Treuhänder eigentlich nicht erwartet, deshalb auch ge­weigert, den Besitz herauszugeben: sie war nur in Einzelfällen dazu gerichtlich gezwungen wvrden. Also die Kommunisten alseinzige wahre Volkssreunde" beantragten nun. reinen Tisch zu machen: den ehemaligen Fürsten sollte entschädigungslos alles, bis zum letzten Groschen, weggenommen werden. Da ist denn die große Konkurrenzangst über die Sozial­demokratie gekommen, sie will bei den nächsten « Wahlen keine Reichstagsfitze an die Kommu­nisten verlieren und macht daher den Volks­entscheid auch zur Parteisache. Und wir warten nun wie die Kinder auf Weihnachten.

Ängefähr können wir uns ja die Be­scherung vorstellen, denn Enteignungen und Neuverteilungen hat es in gewissem Umfange auch bisher schon gegeben. So waren ja und find es zum großen Teil noch die Wohnungen alle die Jahre hindurch für öffentliche Bewirtschaftung beschlagnahmt, durften nicht frei vermietet, sondern nur an Leute mit Dringlichkeitsschein abgegeben wer­den. Infolgedessen bekam Herr Chapfe Apter aus Galizien, nachdem er sich einige Wochen in der deutschen Reichshauptstadt aufgehalten hatte, für sich und dann noch für insgesamt 23 nachgekommene Verwandte schöne Woh­nungen im Berliner Westen. Auch die Fa­milien Kutisker und Barmat waren sehr bald in gutem Quartier, denn sie wurden ja durch den Aeichsfchatzminister Bauer oder andere hervorragende Staatsmänner besonders warm empfohlen; daß derweil Zehntausende junger deutscher Arbeiter, wenn sie in diesen Jahren heirateten, keine Wohnung bekamen, sondern

Großindustriellen gegen die Hau«» suchungen als begründet aner­kannt und die Maßnahmen der Berliner Polizeipräsidenten als ungerechtfertigt auf­gehoben . Gegen diesen Beschluß hat der Polizeipräsident Beschwerde erhoben.

Ä----

Ausland

»Panzerkreuzer Potemkin" in Frankreich verboten.

TU. Paris, 14. Juni. Die Aufführung des Sowjet-FilmsPanzerkreuzer Potemkin" ist für ganz Frankreich verboten worden. Die Regierung steht in dem Film die Verherrlichung der Insubordi­nation und begründet das Verbot mit der Staatsnotwendigkett, die Verherrlichung von Verbrechen zu verhindern.

Der persische Thronfolger an Typhus erkrankt.

fk. London, 15. Juni.Times" berichtet aus Teheran, daß der persische Thronfolger an Typhus schwer erkrankt ist.

------

SeuMkS AM

Ter Fürstenenteignungsfilm genehmigt.

Berlin, 14. Juni. Die Abendblät­ter melden: Die Filmoberprüfstelle hat heute mittag den von der Abter-Filrn-Ge- sellschaft hergestellten Fürstenenteignungs­film, den die Filmprüfstelle vor einigen Tagen verboten hatte, ohne Ausschnitte genehmigt . Der Vorsitzende, Oberregie­rungsrat Dr .Seeger führte zur Begrün- burg seines Urteils an, daß ein Film nach dem Lichtbildgesetz nicht allein wegen sei­ner politischen Tendenz verboten werden dürfe. Der Sachverständige und Staats­kommissar für die öffentliche Sicherheit und Ordnung, Lberregierungsrat Müyl- eisen, habe hierzu keine Bedenken (!) ge­äußert. Die Film-Oberprüfstelle habe keinen Anlaß, sich diesem Urteil nicht an­zuschließen. Infolgedessen genehmige die Film-Oberprüfstelle den gesamten Film ohne Ausschnitte.

Ein Loebe-Jnterbiew gegen Hindenburg.

Berlin, 14. Juni. Die Abendblätter berichten aus Newyork von einem Inter­view, das Reichstagspräsidens Loebe dem Berliner Vertreter derNewyork Times" gewährt haben soll. Loebe habe darin dem Reichspräsidenten v. Hindenburg Ver­fassungsbruch (!) zum Vorwurf ge­macht.

Zusammenstöße im Lustgarten.

Gestern abend kam es, wie dieVoss. Ztg." meldet, nach Schluß der Kundgebung der S.P.D. vor dem Schloß zu Zusam­menstößen mit der Schupo, bei denen eine Reihe von Personen verletzt wurde und etwa 13 Personen festgenommen wurden. Ein Schupooffizier hatte eine Puppe, die die Züge des ehemaligen Kaisers trug, beschlagnahmt, worauf sich die Menge auf ihn stürzte und versuchte, ihm die Puppe zu entreißen. Die Polizei mutzte Ver­stärkungen herbeiholen und die Treppen vor dem Schloß durch Berittene räumen. Die Menge drängte icdoch wieder vor unö sprengte die Kette der Polizisten. Dar­auf ging die Polizei mit dem Gummi­knüppel gegen die Menge vor.

--*---

üiwelWe TagesnMWen

Familientragödie.

Stettin, 14. Juni. Eine blutige Fa­milientragödie spielte sich heute nachmittag 5 Uhr im Hause Emilstrahe 6 ab. Der 21 Jahre alte Goldschmied Bruno Beyer aus der Heinrichstraße gab jm Verlaus eines Streites auf seine Verlobte, die 18jährige Frieda Brüs­sow, und deren Mutter Revolverschüsse ab.

bestenfalls eine Schlafstelle in der Küch der Schwiegermutter, das litten diese klassen- bewuhten Vorkämpfer der gerechten Güter­verteilung natürlich gern.

Herrn Kutisker selbst (dem Tüchtigen freie Dahn!) gelang es sogar, die Preußische Staatsbank zu enteignen. Er hätte es sicher an die bedürftigen Kleinrentner verteilt, aber leider wurde er vorzeitig verhaftet. Volks­freundliche Minister stellten im letzten Mo­ment noch die Staatsanwälte unter Anklage die Herren Kubmann und Caspari, die sich durch Verfolgung Kutiskers und Darmats wider das öffentliche Interesse vergangen hat­ten. Rur war es zu spät.

Darmat war im Enteignen noch größerer Meister als Kutisker. Er benutzte das vom Deutschen Reiche bereitwillig ihm gewährte Geld dazu, um an der Amsterdamer Dörse Papiermark zu fixen, wodurch nicht nur lum­pige Millionen enteignet wurden: mindestens

1 Milliarden deutschen Dolksvermögens haben sich unter feiner Mithilfe durch die Inflation verflüchtigt.

Schon in den Revolutionswochen selbst, im November und Dezember 1981 i ist übrigens Reichs- und Heeresgut im Werte von 5 Mil­liarden Gvldmark spurlos verschwunden. Also offenbar an Bedürftige verteilt worden. Man blieb auch in den Jahren danach bei dieser sozialen Hebung. Die Marinewerft Rüstringen- Wilhelmshaven ein Riesengelände mit Ge­bäuden. Kranen, Maschinen wurde für ein Papier betrag, der zwei Goldmark ausmachte, an eine bedürftige Privatfirma verschoben. Und die Konfervenfabrik Spandau-Haselhorst, amtlich auf 129 Millionen Goldmark ge­schätzt, bekam Herr Barmat für ein Paket völlig wertlofer, eigens frisch gedruckter Drema-Aktien. Je nachdem wurde soziali­siert oder entsozialisiert.

«t. 138

Die leiben Frauen wurden mtt lebensgefähr­lichen Verletzufigen bem Krankenhause zuge- führt . Beyer selbst tötete sich bann an Ort unb Stelle burch Revolverschüsse. Der Grund zu ber Tat sollen Streitigkeiten zwischen den lungen Verlobten gewesen sein.

Ar Wfte

Immer wieder zeigt sich in der Presie aller derjenigen Parteien und Organisationen, die Fernbleiben joon der Abstimmung am 20. Juni als Parole ausgegeben haben, der Irrtum, daß aegenommen wird, der Volks­entscheid wäre gelingen, wenn am 20. Juni die Hälfte aller wahlberechtigten Deutschen sich an der Abstimmuüg beteiligen, da sind rund 20 Millionen, und von diesen wieder über die Hälfte (also über 10 Millionen) mitJa" stimmten. Das ist ein Irrtum! Nach Artikel 3 des Gesetzes über den Volksentscheid müssen vielmehr das Raubgesetz der Kommunisten da es verfasiungsändernd ist, über die Hälfte der Abstimmungsberechtigten mitJa" stimmen, also es müssen sich 20 Millionen nicht nur be­teiligen, sondern es müssen 20 Millionen mit ,,Ja" stimmen. Das wird am einfachsten ver­hindert, wenn jeder, der nicht für einen Kom­munisten gehalten werden will, jeder, dem Raubgelüste fernliegen von der Abstimmung fernbleibt. Kein Mensch ist vervilichtet, an der Abstimmung teilzunehmen: kein Mensch wird durch Fernbleiben von der Abstimmung irgendwie und irgendwann in seinen staats­bürgerlichen Rechten beeinträchtigt oder er­leidet Schaden an diesen Rechten. Die Be­teiligung an der Abstimmung ist nur ein Recht und keine Pflicht. Moralische Pflicht jedes anständigen, rechtlich und ehrlich empfindenden Deutschen ist es vielmehr, in diesem Fall von der Abstimmung fernzubleibeu.

Alle Parteien und Organisationen aber haben andererseits dringende Veran­lassung, durch ihre Obleute, Ver­trauensleute und Stimmbezirks­leiter die Wählerlisten auf voll­ständige Eintragung aller Wahl­berechtigten nachzusehen. Es wäre immerhin rein technisch möglich, daß durch Versehen", die nicht stets aus politischen Ab­sichten entsprungen zu sein brauchen, 10 oder noch mehr Millionen Wahlberechtigte diesmal bei der Aufnahme in die Wählerlistever­gessen" werden könnten. Wenn gegen solcher Vergessen kein Einspruch erhoben wird, so würde die Gesamtzahl der Abstimmungs­berechtigten unter Umständen erheblich geringer sein können als 40 Millionen. Wenn kein Einspruch gegen solchesVergessen" er­hoben würde, bestände plötzlich der Rechtszu­stand, daß statt 40 Millionen nur z. B. 25 Millionen als abstimmungsberechtigt er­scheinen. Von 25 aber ist die Hälfte nur 12,5 Millionen. Es wäre immerhin denkbar, daß die beiden Raubvarteien, Sozialisten und Kommunisten, 12,5 Millionen Ja-Stimmen auf die Beine brächten, so daß dann die Hälfte aller Wahlberechtigten soweit sie ein­getragen sind mitja" gestimmt hätten und der Volksentscheid geglückt wäre! Also alle Parteien und Organisationen müssen durch ihre Vertrauensleute, Obleute und Stimm­bezirksleiter die Wahllisten auf die voll­ständig« Eintragung der Abstimmungsberech­tigten nachsehen lassen, damit nicht weniger als 40 Millionen Stimmberechtigte, die tat­sächlich vorhanden sind, in die Listen eingetra­gen werden und Schiebungen und betrügeri­schen Machinationen von vornherein ein Rie­gel vorgeschoben ist.

Und dann erst recht zur A b st i m m u n s nicht hin geben! Die Wählerlisten müssen beweisen, daß die Mehrzahl der Deutschen sich an der Abstimmung nicht beteiligt. Die Wahlurnen müssen leer bleiben!

Der ganze Nimbus, mit bem sich eine Per­son manchmal zu umgeben weiß, beruht auf einer k!ug geübten Zurückhaltung. Es ist rett im Theater: Sobald man dort hinter die Ku­lissen sicht, beginnt der Zauber zu verfliegen. <

Aach diesen Beispielen wird man sich nun einigermaßen vorstellen können, wie es zu­gehen mag, falls am 20. Juni die notwendige Hälfte aller deutschen Wahlberechtigten beim Volksentscheid mitJa" abstimmt. Zunächst werden einige Vedürstige, die sozusagen vor­gemerkt find, bedacht. Für Scheidemann, der einige Hebung im Sitzen auf Hochsürst- lichen Stühlen hat, wäre historisches Mobiliar vorzumerken. Für den roten Heilmann au» dem Preußischen Landtage, der mehr für Bargeld ist und sich vom staatlichen Rundfunk eine Abfindung von 75 000 Mark hat zahlen lassen, könnte vielleicht ein Milliönchen ab­fallen. Aehnliches könnte man noch für einige andere bekannte Volksvertreter unb nach­novemberliche neue Regierungsbeamte vor- schlagen. Die ganze Masse des Vermögens der ehemaligen Fürsten aber würbe selbst­verständlich den im Ausfchlachten und Ver­schallen erfahrenen HerrnEhapfe Apter, Iwan Kutisker und Genossen zur Verwertung i® Interesse des Volkes zu übergeben fein, vor­ausgesetzt, daß wie bei Darmats Margarinc- lieferungen eine Provision von 15 Prvz. für die sozialdemokratische Parteikasse ausgemachr wird.

Auf diese Weife würde die Rechnung Rull zu Rull glatt aufgehen. Etwas anderes haben wir ja feit 1918 nicht erlebt, etwas an­deres ertvarten wir gar nicht; Ordnung must fein. '

Jeder aber, der durch die Devolution un» ihre Folge, die Inflation, feine Ersparnis r verloren hat, soll zu Hause bleiben, denn so«" sorgt er nur dafür, daß die Haie auch weiter gutes Leben haben.

Der Ragel, den man auf den Kops triff* 1 bringt oft in des Rächsten Fleisch.