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Marburger Tagesamelger
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- SRonlog, ten 14. Mi 1826
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Uhr.
9r. Schacht aus btt btrnettatilAm Mitt autgtlttltn
Berlin, 12. Juni. Wie die Blätter melden, bat Reichsbankvräfident Dr. Schacht seine» Austritt aus der Demokratischen Partei wegen der Saltung des demokratischen Parteivorstandes zum Volksentscheid erklärt. Dr.Schacht hat hinzugefügt, datz es mit seinen volitischen Anschauungen nicht übereinstimme, daß er Demokrat bleibe.
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Bekanntlich rühmt sich der kleine Rest der demokratischen Partei, eine Gruppe von Offizieren ohne Mannschaften zu sein; das sei besser als eine Horde Mannschaften ohne Offiziere. Nun ist wieder einer der höchsten Demokraten-Offiziere aus der Partei ausgetreten, weil er nicht weiter mitansehen kann, wie die Koch und Genossen mit den Sozialdemokraten um die Wette die Grundbegriffe von Moral und Gesetz untergraben.
Das „Berllner Tageblatt" befaßt sich in längeren Ausführungen mit dem Austritt Dr. Schachts und mißbilligt ihn natürlich. Es macht dabei die interessante Mitteilung, daß Dr. Schacht auf dem linken Flügel der Partei gestanden habe. Wenn schon ein Mann, der als Offizier auf dem linken Flügel der Partei marschiert, sich — um mit Frau Marie Elisabeth LüderS zu sprechen — „verflüchtigt", so möchten wir gern wissen, waS die Dr. Petersen und Frank, die auch in anderen Fragen mit den Anschauungen der Parteileitung -seit langem nicht mehr einig gehen, nach der Haltung der Parteileitung beim Volksentscheid zu tun gedenken.
ES kommt bei einer Partei vor allem doch darauf an, datz ihr Männer angehören, die im Leben des Staates, der Wirtschaft und der Arbeit ihren festen Boden unter den Füßen haben. Ideologien sind billig wie Brombeeren. Schon einmal gabs eine Austvittsbewegung der „Offiziere", weil man feststellte, daß die demokratische Partei vor dem Sozialismus kapituliere. Lffenbär ist es Vielen Trost genug, daß die großen demokratischen Ideen in den anderen Parteien fortleben. ' >.
Denn die demokratische Presse mag jetzt den Austritt Dr. Schachts bemänteln wie sie will, Ain der einen Tatsache kommt sie nicht vorbei: mit Dr. Schacht hat einer der letzten Fachleute, vielleicht der letzte, einer Partei den Rücken gekehrt, die mit ihrem ewigen Gerede von der Gefährdung der Republik und ihrer Furcht vor den Sozialdemokraten und Kommunisten längst den Anspruch darauf verloren hat, eine bürgerliche Partei genannt zu werden.
Wie lange noch, und die einst so stolze demokratische Partei ist nichts mehr als eine Partei ohne Mannschaften und ohne Offiziere, eirt großes Loch im Weltall, umkreist von dem unendlich verbindlichen Lächeln vereinsamter Ortsgruppenführer. S.
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L Äolbtlittn unb Mtentftbtib
Berlin, 12. Sunt Eine Anzahl katholischer Organisationen hat einen Auiruf zugunsten des Volksentscheids erlassen. Als Unterzeichner waren eine Reihe von Berliner Ortsgruppen der Windthorst-Vünde angegeben. In diesem Ausruf wandten sich die Unterzeichner gegen die bekannte Kundgebung der deutschen Bischöfe, in der Ablehnung des Volksentscheides den Katholiken zur sittlichen Pflicht gemacht war.
Nunmehr veröffentlicht dir Reichsgeschästs- ktelle der Deutschen Windthorst-Bünde eine Erklärung, die sich mit aller Entschiedenheit gegen den erwähnten Aufruf des Reichsausschusses der katholischen Jugend zum Schutze des siebenten Gebots gegen die Fürsten wendet. In dieser Erklärung der Leitung der Windborft- Bünde wird festgestellt, datz die W i n d t * hör st-Bünde mit diesem Aufruf nichts 1 u tun haben, sondern datz es sich um daunverantwortliche Vorgehen von Einzcl- versonen handele. Die Erklärung heitzt: „Die Erwartung des Reichsvarteivorstandes, dah die Zentrumsangehörigcn am 20. Juni dem Volksentscheid nicht zu stimmen, wie es in seinem Beschlutz vom 19. Mai fest- gelegt ist. gilt selbstverständlich auch für den Reichsverband der Deutschen Windtborst- Bünde."
Die „Germania" bemerkt zu dieser Angelegenheit: „Wir stehen nicht an zu erklären,
Völkerbund und Msnröe-Doktrin
Str btr tnbgülligtn LtMimg Amerikas ton Europa
Wie aus Rio de Janeiro gemeldet wird, hat sich die brasilianische Regierung an alle südamerikanischen Staaten mit dem Ersuchen gewandt, dem Beispiel Brasiliens zu folgen und nicht mehr an den Arbeiten des Völkerbundes teilzunehmen, da dieser sich über die berechtigten -Wünsche aller südamerikanischen Staaten hinweggesetzt habe. Die Entschlichung Brasiliens, aus dem Völkerbünde auszutreten, wird in Washingtoner Kreisen dahin ausgelegt, dah die amerikanischen Nationen bestrebt seien, einen Bund zustande zu bringen, desien Grundlage die Monroe Doktrin sein würde.
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Englische Blätterstimmen über Brasiliens und Äaniens Vorgehen in Genf.
London, 12. Juni. Der Genfer Kor-- rcspondsnt der „Morning Post" schreibt: In Völkerbundsknisen wird dem bevorstehenden Besuche von König Alfons in Eng
land große Bedeutung bcigemessen. Man glaubt, daß es bei dieser Gelegenheit zu wichtigen Entwickelungen trfl Zusammenhang mit der s p a n i s che»-n Stellung zum Völkerbünde kommen werde.
Tic „Daily News" sagt über das Vorgehen Spaniens und Brasiliens in Genf in einem Leitartikel, diese beiden sonderbaren Zwischenfälle, die an und für sich nicht erfreulich seien, schienen den Weg sürdcnEintritt Deutschlands in den Völkerbund im Herbst geebnet zu haben. Wenn der Preis für den Eintritt Deutschlands in dem Ausscheiden zweier großer wichtiger Mächte bestehe, so sei er sehr hoch. Aber es sei zu hoffen, daß Mittel und Wege gesunden würden, um den verletzten Stolz dieser beiden Staaten zu versöhnen. Jedenfalls sei nicht anzunehmcn, daß Brasilien und Spanien sich auf die Dauer den ernsten diplomatischen und technischen Nachteilen ausletzen würden, die eine längere Trennung von einer internationalen Körperschaft mit sich bringen würden, die jetzt in Wahrheit zum Clearing-« House der Weltpolitik geworden sei.
datz die Beteiligung von Zentrumsleuten an diesem Aufruf, der der Kundgebung der Bischöfe in geradezu unverantwortlicher Weise entgegenläust und der daneben auch der einzig möglichen Politik der Zentrumsvartci wider- svricht, aufs schärfste zu verurteilen ist."
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au Wong unb SolKtnlW
Ein Brief de» Grafen Westarp.
Berlin, 12 .Juni. Der Vorsitzende der deutschnationalen Volkspartei und Reichstagsfraktion hüt an den Sparerbuud (Hypothekengläubiger- und Sparerschutzver- bgnd für das deutsche Reich e. V. Berlin) ein Antwortschreiben gerichtet, in dem es heißt:
„Ter Entivurf eines verfassungsändern- den Gesetzes, durch welches Volksbegehren und Volksentscheid zur Aufwertungsfrage als unzulässig erklärt werden soll, ist von dem letzten Kabinett Luther auf eigene Verantwortung und ohne Fühlung mit uns eingebracht worden. Die deutschnationale Volkspartei bleibt dauernd bemüht, auf gesetzlichem Wege die Wiederaufnahm e der Rentenversorg ung durch das Reich und die Herausnahme dec Fürsorge aus dec Wohlfahrtspflege zu erreichen. Wir können es aber nicht als berechtigt ansehen, das Verhalten* zu der Aufwertungsfrage und die Stellung gegen den Volksentscheid voneinander abhängig zu machen. Der geschädigte Aufwertungsgläubiger, Sparer und Rentner würde aber nicht nur ein großes Unrecht, sondern die größte Torheit im eigensten Interesse begehen, wenn er dem Volksentscheid vom 20. Juni zustimmen wollte."
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Srrbot bis Solen Kimtkämpstr- bunbeb in Thüringen?
Weimar, 12. Juni. Bei Beratung einer Großen Anfrage der Kommunisten über Putschpläne erklärte der thüringische Innenminister ^Dr. Sattler im Thüringischen Landtag, datz es ihm mit Rücksicht auf das ihm vorliegende Material über die militärisch aufgezogene Organisation des Roten Frontkämpferbundes und die in dessen Exerzierreglement und in Presseäutzerungen enthaltene agressive Tendenz angebracht erscheine, ein Verbot zwecks Aufhebung des Roten Frontkämpferbundes "in Erwägung zu ziehen. Tie Ausführungsbestimmungen des -Reichspräsidenten Ebert zu ben~ Vorschriften des Versailler Vertrags gäben die Handhabe dazu, und zwar müsse ein -solches Verbot auch dann in Erwägung
gezogen werden, wenn die Nachbarstaaten Thüringens darin nicht vorgingen und zunächst auch nicht folgen würden.
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Abb tl Krim
ft Par i s, 14. Juni. „Pe111 P ari- sien" will wissen, die heute in Paris beginnende französisch-spanische Marokko- Konferenz werde beschließen, daß Abd el Krim, seine Verwandten und feine nähere Umgebung, int ganzen etwa 40 Personen, nach einer französischen Kolonie, wahrscheinlich nach Madagaskar, betört tert werden sollen.
Spanischerseits würde man recht gern sehen, wenn Abd el Krim den spanischen Behörden als K r i Lg s v e r b r e ch e r ausgeliefcrt werden würde; aber da er sich den Franzosen freiwillig ergeben habe, könnten sie ihn nicht ausliefern. Die in der Gefangenschaft umgekommenen spanischen Offiziere, deren Tod die Spanier Abd el Krim zum Borwurf machen, seien übrigens an Typhus gestorben.
Roch keine Ruhe in Marokko.
TU. Paris, 12. Juni. Nach einer Meldung aus Rabat haben französische Militärflugzeuge B o m b e n f l ü g e in die Gegend von T a, a unternommen, wo größere Ansammlungen von Aufständischen festgestellt worden waren. Nach Mitteilungen von Eingeborenen sollen die Aufständischen große Verluste gehabt haben. Da weitere Ansammlungen von Aufständischen befürchtet werden, werden französische Truvvenabteilungen bei Taza zusammengezogen.
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Siobtnburgbtiu* in RniStrM
Neustrelitz, 12. Juni. Der Herr Reichspräsident besuchte am Nachmittag das Schloß Hohenzieritz, nordwestlich von Neustrelitz.
Nach dem Wiedereintreffen in Neustrelitz nahm der Herr Reichspräsident vom Schlosse aus 1 das Vorbeiziehen des aus Innungen, Korporationen, Vereinen und sonstigen Verbänden zusammengestellten Festzuges ab. Nach einem anschließenden kurzen Imbiß trat der Herr Reichspräsident mit dem fahrplanmäßigen Zuge um 7,26 Uhr die Rückreise nach der Reichshauptstadt an.
Rückkehr des Reichspräsidenten.
Berlin, 13 .Juni. Der Herr Reichspräsident ist gestern abend 9.05 Uhr von Neustrelitz kommend wieder in Berlin eingetroffen.
Ist SeimoeetWe SlubtnlcniW unb Mos. Lessing
Von raub, clcctr. Willibald Grutz.
Der Kampf gegen Prof. Lessing, der int Sommer 1925 seinen Anfang nahm, fand durch' den Urlaub des Pros. Lessing int Wintersemester und den Mißfallens-Erlaß des Kul« tusministers seinen einstweiligen Abschluß. Da der Minister-Erlaß im weiteren Verlauf; der Ereignisse eine nicht unwesenlliche Rolle 1 spielt, wird er im Folgenden wiehergegeben:
„Die Prüfung der Beschwerden über Ihr» Berichterstattung im Haarmannprozeß bat ergeben, daß Sie es dabei mehrfach an der erforderlichen Genauigkeit und Sorgfalt in der Wiedergabe der Tatsachen haben fehlen lassen. Auch haben Sie in Ihren Angriffen gegen die Prozeßleitung die Grenzen sachlicher Kritik überschritten. Der Ebarakier und der Ton der den. Fall Haarmann behandelnden Aufsätze läßt die notwendige I und übliche Rücksicht aus Ihre Stellung al» Hochschullehrer und akademischer Forscher vermissen. Ich bin genötigt, Ihnen über die Art der in Frage kommenden Berichterstat« , tung mein Mißfallen auszusvrechen. Ich / werde dazu insbesondere auch dadurch veranlaßt, datz in der letzten Zeit schon mehr- , fach Schriften und Aufsätze au» Ihrer Feder nicht die von einem Gelehrten zu erwartend» Sachlichkeit und Angemessenheit des Tone» auswiesen. Ich mutz daher die Erwartung aussvrcchen, daß Sie in Zukunst in dieser Hinsicht größere Zurückhaltung üben; ich wäre sonst nicht in der Lage, den Ihnen er-' teilten Lehrausttag dauernd ausrecht-' zuerhalten."
Diese Zurückhaltung bat sich Pros. Lessing nicht auserlegt, was dstrch folgende Tatsache bewiesen wird. Im Februar dieses Sabre», am Volkstrauertag fand in Dresden eine sozialistische Versammlung statt, in der Pros. Lessing eine Rede “gegen die Reaktion auf den deutschen Hochschulen hielt. Er behauptete, „die Studierenden ständen den Nöten und« Sorgen der arbeitenden Schichten fremd gegenüber." Das wurde bebauvtet in einer Zeit, im der der Student mehr denn je durch Werk« studeittentum in einige Berührung mit den arbeitenden Schichten kam. Dabei sollen die Studenten herzlos und kalt die Nöte und Sorgen der Arbeiter übersehen haben? Ist das die Sachlichkeit und Genauigkeit in der Wiedergabe der Tatsachen, deren sich nun Pros. Lessing befleißign sollte? Weiter ist es eine Provozierung der Studentenschaft, die nach der Lage der Dinge durchaus überflüssig war.
Durch diese Tatsache war die Studentenschaft Hannovers in ihrer Ansicht befestigt worden, und es wat klar, daß der Kampf fortgesetzt wurde, sobald Prof. Lessing wieder als Hochschullehrer in Erscheinung zu treten wagte. Es kam 5u den Begebenheiten am Montag nachmittag, am 31. Mai, die den Ausakt zu allen folgenden Ereignissen bildeten. Manche Auslegungen sind weit übertrieben worden und dadurch irreführend, wenn man da behauptet, die Studenten hätten sich gegen die Staatsautorität aufgelehnt. Wer etwas Jugendpsychologie kennt, wird die Begebenheit aus der Lage und Spannung zu erklären suchen. Wenn durch Scharren und Mißfallensäußerungen vor dem Hörsaal, in dem Prof. Lessing vor seiner Frau und einem Hörer seine Vorlesung hält, ein erheblicher Lärm verursacht wird, bat man nur den Zweck im Auge, die Vorlesung unmöglich zu machen, was auch der nächste Erfolg war. An diesem Nachmittag forderte der Rektor beim Einschreiten gegen gegen die Studenten von dem Nächst- stebenden die Ausweise, die ihm bereitwillig übergeben wurden. Die Zurückstehenden gaben unaufgefordert die Ausweise ab. so daß eine Zahl von 188 eingesammeltr Ausweise entstand.
Gegen diese Studenten begannen nach der Reise des Rektors zum Ministerium die Disziplinarverfahren. In der ersten Sitzung des Strafsenats wurden 10 Studenten relegiert, die wahllos aus der Masie heraus? gegriffen waren. Diese willkürliche Auswahl mutzte man als unmöglich und widersinnig empfinden, solange nicht bekannt war, datz den übrigen Studenten das gleiche Schicksal drohe. Nun ist sicher, datz die Verhandlungen für die klebrigen stattfinden werden, und datz sie mit der Relegation der über 200 Studierenden enden müssen, wenn nicht eine völlig abweichende Gerichtsbarkeit gegenüber der ersten Verhandlung Platz greifen wird.
Als die Relegation der 10 Studenten be« könnt gemacht war, beschloß die hannoversch« »Studentenschaft, ihre Kommilitonen bis zum Letzten zu unterstützen. Zunächst war nötig, für sie eine andere Hochschule auszumachen und sie teilweise finanziell zu unterstützen, was