Donnerstag, toi 1 Juni 1926
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Dio Svfer bor SalaIWe in Birma
2800 Tote
STttttgeon, 2. Juni. Nach amtlichen Fest- Wellungen beträgt die Zahl der Toten bei »er lebte« Sturmkatastrovbe in Birma 280 0 Personen. Der grösste Teil der Todesfälle ist darauf zurückzuführen, bass e i n ganzes Dorf durch das vlötzliche Soch- »asser eines benachbarten Flusses überschwemmt wurde. Die wirtschaftlichen Schäden ßnd riesig. *
Amerika baut 8100 neue Flugzeuge
fk. Washington. 3. Juni. Der Senat nahm den vom Repräsentantenhaus bereits erledigten Gesetzentwurf an, der bis H« Ende einer Versuchsperiode von 5 Jahren »en Bau von 8100 Flugzeugen vor- W- *.
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Meuito-tuifitoe
Zuiummenurbell
Tschitscherin geht nach Rom.
! N o s k a u. 2. Juni. Bon gut unterrichteter LSeite wird mitgeteilt, dass Tschitscherin f Anfang August eine neue Europareise an- j treten wird, wobei er u. a. Berlin Paris nnd R o m einen Besuch abstatten wird. Wie der Vertreter der Telegrophen-Union erfährt, Milt die neue Reise Tschitscherins hauptsächlich einer Zusammenkunft mit Mussolini, mit de« er über die Ostvaktprobleme vorbandeln will. Der russische Botschafter in Rom, kterschenzow, habe, wie es heisst. Anwei- s»«g erhalten, mit der italienischen Regierung bereits zu unterhandeln, um Italien für den Ostpakt zu gewinnen. Dagegen, wolle Russland ßch Italien gegenüber nerpflichten, es in seiner Kolonialvolitik zu unterstützen.
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Sie Entwaffnung der Mabylen
Madrid, 2. Juni. Der Ministerpräsident erklärte den Journalisten in Barcelona, bisher habe man den Kabvlen 1 1 0 0 0 Gewehre unb 40 Kanonen abgenommen, aber die Tätigkeit des Militärs könne nicht Nachlassen, bis die Auslieferung von etwa 50000 Gewehren erreicht sei. Mehrere Muni- tionsdevots der Kabylen seien ebenfalls bereits in spanischen Händen. Der Minifterprä- sident fügte hinzu, innerhalb 14 Tagen werde die ganze spanische Zone mit vollständiger mcherheit durchaueren können.
Die spanisch-französischen Besprechungen in Paris.
fk. Madrid, 3. 3uni. General 3ot» i> äna .der sich zu Verhandlungen über das Marokko-Statut denmächst nach Paris begeben wird, wird von dem spanischen Haupt- delegierten bei den Friedensverhandlungen den äldschda, Lopez Olivon. begleitet : sein.
Spanien fordert die Auslieferung Abd el Krims?
Paris, 2. Juni. Wie die Blätter aus Fez melden, wird Abd el Krim voraussichtlich in den nächsten Tagen nach Fez gebracht derben. In Tarquist sind jetzt 250 Aifleute in Hast, die sich führend an der Aufstonds- bewegung beteiligt und freiwillig den Fran- ivsen unterworfen haben. Wie die tage Tribüne" aus Fez berichtet, beabsich- iigt, die spanische Regierung. Abd e l Krim Unter Anklage zu stellen, weil er den Tod von 22 spanischen Offizieren verschuldet haben soll.
16b el Krims Angehörige an der französischen Front.
ff Paris, 3. Juni. Savas berichtet aus ; 8ez. die gesamte Familie, sowie die tauet« sächlichsten Personen der Umgebung Abd el > »rims, etwa 150 Personen, sind an der ftan- iosischen Front eingetrossen.
Deutsch - -önischer Schledsgerichtsverttag öckiebSgerichi unb stündiger BergleWeni
Berlin, 2. Juni. Heute ist in Berlin von dem Reichsminister des Auswärtigen Dr. Stresemann und dem dänischen Gesandten Kammerherrn Herluf Zahle ein Schiedsgerichts- und Vergleichsvertrag, bestehend aus 21 Artikeln mit dazu gehörendem Schlussvrotokoll und Notenwechsel, unterzeichnet worden.
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Der Vertrag beruht aus denselben Grundsätzen, wie die von Deutschland in den letzten Satiren mit anderen Ländern abgeschlossenen Verträge dieser Art. Er umfasst sämtliche Streitigkeiten irgendwelcher Art, die zwischen Deutschland und Dänemark entstehen könnten; jedoch sollen Streitigkeiten, über bereit Lösung bereits durch andere Abmachungen ein besonderes Verfahren vereinbart worden ist, gemäss den betreffenden Abmachungen behandelt werden. Sofern es sich beider Streitigkeit um ein »Recht handelt, soll sie in bindender Weise durch Schiedsspruch entschieden werden. Sämtliche Streitigkeiten anderer Art sollen aus Verlangen einer der Parteien einem Vergleichsverfahren durch den stän-
Eaglanö unb Amten
fk. London, 3. Juni. Der Berichterstatter der „SR o r nt n a p o st" in Kairo meldet, der Ern st der Lage nehme eher zu als ab. Eine Grundlage für eine Lösung sei noch nicht gefunden. Der britische Oberkommissar Lord Lloyd habe am Sonntag bei einer Unterredung mit E a g l u l Pascha u. a. verlangt, dad Eaglul Pascha, wenn er Ministerpräsident werde, folgende vier Punkte annehme:
1. Ernennung eines britischen Ratgebers für das Ministerium des Innern.
2. 3h jt immune des Oberkommissars bei der Wahl des Ministers des Innern.
3. Ernennung von drei britischen Ratgebern für das Berufungsgericht.
4. Die Frage des Sudan unb der Oase von Dscherrabab müsste als erledigt gelten.
„Financial Times" erklärt in einem Leitartikel. Grossbritannien kann keinesfalls das teuer erkaufte Recht, die auswärtige Politik Aegvvteus zu kontrollieren, preisgeben. Wenn Eaglul Pascha seine Tätigkeit aus die t n n e * e Gesetzgebung beschränke, brauche er keine Einmischung zu befürchten.
fk. Kairo, 3. Juni. Wie verlautet, ist ber Präsident des Gerichtshofes, welcher die sieben im Zusammenhang mit der Ermordung des Sirdar angeklagten Acgyvter abgcurteili hat. von seinem Posten zurück- getreten, weil er das Urteil für ein schweres Fehlurteil hält.
Die britische Regierung richtete an die ägyptische Regierung eine Note, in der sie sich ihre Stellungnahme zu dem Urteil wegen der Ermordung des Sirdar und alle erforderlichen Schritte zur Gewährleistung der Sicherheit der Fremden in Aegyvten vorbehält.
ff. Malta, 3. Juni. Ein britisches Schlachtschiff ist nach Aegyvten ausgelaufen. Mehrere andere sollen sich zur Ausfahrt bereit halten.
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Die Kümpfe um Nekins
Paris, 2. Juni. Wie ans Peking gemeldet wird, bat der Kampf um Peking herum wieder begonnen. Eine Brigade der Li Sching Ling-Truppen habe am Sonnabend bei Äoung Towm gemeutert und die Eisenbabnftrecke zerstört; n» sei entwaffnet worden. Die Verbindung zwischen Peking unb Tientsin sei unterbrochen. Die Kuo Ning Tschu«Truppen hätte« über die alliierten- Truppen, die sich zurückzögen und sich in der Nähe von Peking verschanzten, einen Vorteil errungen. , . , ....... . ,
bißen Vergleichsrat unterworfen werden. Der Vcrgleichsrat besteht, wie das Schiedsgericht, aus 5 Mitgliedern, wovon jede Partei zwei ernennt, während der Vorsitzende gemeinschaftlich gewählt wird. Sofern Einigkeit bezüglich der Wahl des Vorsitzenden des Vergleichsrates nicht erzielt werden kann, soll der König von Schweden ersucht werden, die Ernennung vorzunehmen. Falls Deutschland SRiffllieb bes Völkerbunbes wirb, ist Mitwirkung des Völkerbunds- r a t c s zwecks Entscheidung gemäss Artikel 15 der Völkerbundssatzung .vorgesehen. Das gleiche gilt für den Fall des Beitritts Deutschlands zum Haager Schiedsgerichtshof. Rach dem Schiussvrotokoll soll der Vertrag auch hinsichtlich solcher Streitigkeiten Anwendung finden, die ihren Ursprung in frü=' Heren Ereignissen haben; dies gilt jedoch nicht, wenn es sich um Ersatzansprüche aus Kriegshandlungen während des Weltkrieges bandelt. Der Verire- wird "für die Dauer von 10 Jahren abgeschlossen und behält für jeweils 5 Sabre Gültigkeit, sofern er nicht gekündigt wird.
Lim vrvviionW Reoikruug in Portugal
Paris, 2. Sunt. Havas berichtet aus Coimbra: Nach einer Besprechung zwischen General Gomez Costa unb Major Cabe- cabas ist eine provisorische Regierung gebildet worben. Das Kriegs-, Kolonial- unb das Ackerbauministerium sind General Gomez Costa, das Marine-, das Finanz- unb das Justizministerium Cabecadas und das Innen-, Aussen- und das Handelsministerium Major Ochoa anvertraut worden. Major Filomeno Samara hat den Posten eines Oberlommissars für Angola übernommen.
ff. Lissabon, 3. Juni. Die kommunistische Partei hat den Generalstreik vrokla-» m i c r t, doch ist dieser Beschluss bis Mittwoch abend noch nicht ausgeführt worden.
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EtuigutMttbaubluugen tu England
fk L o it b o n, 3. Juni. Der parlamentarische Berichterstatter des „Daily Telegraph" meldet, baß. der erwartete Schritt zur Regelung des Kohlenstreikes unmittelbar bevorzustehen scheine. Die Stellung der Regierung bleibt unverändert, aber die Vereinigung der Zcchenbesitzcr will angeblich die Leiter des Berg- arbeitcrverbandes zu einer Konferenz unter einem unabhängigen Vorsitzenden cinladcn. Das Arbeiterblatt „Daily Her alb" erklärt dagegen, daß die Stockung in den Verhandlungen andauere . Die Bergleute widersetzten sich nach wie vor einer Herabsetzung der Löhne.
ff. London, 3. Juni. Auster „Daily Telegraph" berichten auch andere Blätter, daß ein Schritt der Kohlen» besitzer bevor st ehe. Der Sefretär des Bergarbeiterverbandes, Cook, hat übrigens offenbar feine Kenntnis von einer bevorstehenden Wiederaufnahme der Derhand» Handlungen. Gestern hat er in einer Rede den Premierminister aufgefordert, eine Regelung unter den alten Bedingungen zu erzwingen. „Times" zufolge verlautet, daß die Grubenbesitzer Vorschlägen, ein kleiner Ausschuß aus Dertretern der Grubenbesitzer und der Bergarbeiter solle unter einem neutralen Vorsitzenden die Bedingungen prüfen, unter denen die Arbeit wieder aufgenommen werden kann. Die Einzelheiten der Borschläge der Arbeitgeber sind noch nicht bekannt.
Chamberlain reift nach Genf. ;
ft. London, 3. Juni. Austen Cham» l a i n wird am Sonnabend nach Genf ab» reihen, um an der 14. Session des Böller» bMdsrates. teilzun^men. „
Slegürfltaabffnbuno im Landtag
Demokraten. Führer gegen de»
Volksentscheid
Sitzung vom 2. Juni.'
Das Haus überweist den zur ersten Beratung vorliegenden Gesetzentwurf, der für die Vollendung des Mittellandkanals weitere 22 Millionen 832 000 Mark zur Verfügung stellen will, dem Hauptausschuß.
Nächster Gegenstand der Tagesordnung ist die zweite Beratung des Haushalts des F t • nanzministert u m s. Der Hauptausschuß hat hier aus Ersparnisgründen runb. 1,3 Millionen gestrichen. Er empfiehlt die Annahme mehrerer Anträge, die u. a. das Staatsministerium ersuchen, mit allem Nachdruck eint Vereinfachung und Verbilligung der staatlichen Verwaltung durchzuführen. Weiter soll der Finanzmimster ermächtigt werden, tm Benehmen. mit einem Landtagsansschuß, zur Angleichung der Aufstiegsverhältnisse der preußischen Beamten an die der Reichsbeamten einer Ueberschreitung der durch den Haushaltsplan geschassenen Stellenverhältnisse vorübergehend zuzihtimmen.
In der allgemeinen Besprechung greift Abg. v. Rohr (Dntl.) den Finanzminister an, insbesondere wegen seiner Haltung in bet Frage der Auseinandersetzung mit den Fürsten. Die Politik eines Staates, die auf Raub angewiesen sei, müsse seine Partei immer ablehnen.
Finanzminister Höpker-Aschofs
erwidert daraus, der Streit wäre nicht entstanden, wenn man sich strikt an das allgemeine Landrecht gehalten hatte. Danach war das ge- j’a.mte unbewegliche Vermögen Eigentum des Staates. Auf diesen Standpunkt hat «sich auch das preußische Staatsministeriuni gestellt, daß die von ber Krone beanspruchten Besitzungen Staatseigentum sind. (Leb- fcafte Zustimmung links, großer Lärm rechts.) Die Deutschnationalen rufen tm Chor: „Keine 'Enteignung!" (Sm Lärm d.s Hauses gehen die
Ausführungen des Ministers zum großen Teil verloren). Der Volksentscheid ist in der Verfassung vorgesehen. Wie die Entscheidung auch ausfällt, man kamt sie unter keinen Umständen einen Raub nennen. (Erneuter Lärm rechts.) Die preußische Staatsregierung hat den Vergleich nur deshalb abgeschlossen, weil damals mit einem Eingreifen des Reichsgesetzgebers nicht mehr zu rechnen war, und es für den preußischen Staat eine ungeheure Schädigung bedeutet hätte, wenn die Auseinandersetzung tu vielen kleinen Prozessen erfolgt wäre. (Lebhafte Zurufe rechts.) Ich will den preußischen Richtern keinen Vorwurf machen. Wenn der König früher persönlich entschied, so geschah dies durch Kabln e ft 5 o r b e r. Diese Käbinettsorders können noch fetzt rechtsverbindlich für den'Richter sein. Wenn aber diese Kabinetts- orders letzt noch Anwendung finben sollen, so kann auf diese Weise der Jahrhunderte alte Streit zwischen Krone und Staat nicht gerecht beendet werden. (Großer Lärm rechts und Zurufe: „Diebstahl!") Die Ansprüche de? preußischen Staates, so wie sie in dem Rechts- gutachten vom Jahre 1922 bargelegt wurden, sind rechtlich auch begründet. Bel dem Vergleich aber war es ganz unmöglich, den Rechtsstand- punkt des preußischen Staates ganz durchzusetzen. Nachdem nun der Reichsgesetzgeber eingegriffen tat, haben wir Gelegenheit genommen, zu versuchen, unfern Rechts st andpunkt auch durchzusetzen. (Fortgesetzter großer Lärm bei den Deutschnationalen, Rufe bei den Kommunisten: „Ruhe im Kuhstall!") Wenn der Reichsgesetzgeber die Länder ermächtigt hätte, die Auseinandersetzung mit ihren ehemaligen Fürstenhäusern durchzuführen, bann wären wir hier im preußischen Landtag ganz sicher zu einer Auseinandersetzung gekommen. Leider sind die Tinge anders gegangen. Unb wenn es nun barauf ankam, ein Reichsgesetz für die Auseinandersetzung zu schaffen, bann mußte Preußen versuchen, ihm eine solche Fassung zu getan, daß sein Reckftsstaiidpunkt zur Geltung kam, so wie er 1922 niebergelegt wurde . (Mit erhobener Stimme:) Wenn ich anders gehandelt hätte, würde ich einfach meine Pflicht als 'preußischer Staatsminister verletzt haben. (Lebhafte Zustimmung links und in ber Mitte.)
Ich persönlich würbe bett Volksentscheib nicht begrüben.
(Hört! Hört! links.) Es war Aufgabe deS Reichstages, eine Entscheidung her betzuführen, und daß ich bei den entsprechenden Verhandlungen versucht habe, den preußischen Rechtsstandpunkt zu wahren, wild mir niemand verargen können. (Lebhafter Beifall links und in ber Mitte, anhaltende Anrufe-und Zischen: rechts,). , .