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Milas, ten iS. Mai 1926

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Sie AbrüwngKvnserenz nW vor Ende 1927

Genf, 27. Mai. Bei einem Presteemviang hat Lord Robert Cecil, der gestern abend nach London zurückkehrte, der Meinung Aus­druck gegeben, das man allen Grund habe, mit dem Abschluß der ersten Epoche der Borbereitung der internationalen Abrüstungs­konferenz zufrieden zu fein, di die Lösung dieser außerordentlich schwierigen Ausgabe durch den Bölkerbund, die freilich noch ge­raume Zeit in Anspruch nehmen werde, end­gültig aus ein praktisches Gleis ge­bracht worden sei- Als besonders wichtig hob Lord Cecil den Beschluß hervor, daß die Friedensstärke zum Gegenstand der Abrüstung gemacht werden solle, und das ferner jedes Land der künftigen Abrüstungs­konferenz genaue und begründete Vorschläge über die eigene Abrüstung nzlter- breiten soll- Außerdem unterstrich er die Be­deutung der Untersuchungen, die zur Set Hinderung des chemischen-Krieges angestellt werden solle», und der S a n l - tionsmabnahmen, die die strenge Ein­haltung der Bestimmungen der internatio nalen Konvention gegen den chemischen Krieg gewährleisten sollen- Der Abschluß von re­gionalen Abrüstungsabkommen er­scheint Cecil durchaus empfehlenswert, weil dadurch die spätere allgemeine Abrüstung er­leichtert werde. Nach seiner Meinung kann im übrigen nicht damit gerechnet «erden, da» die zweite Tagung des Abrüftungsaus- ausschusses vor September 1926 und die A b rüstungskonscrenz selbst vor Ende 192 7 zusammentreten werde.

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Sie Wtit ter SWluckn

f Moskau, 27. Mai. Meldung der Tele- grcpheiiagentur der Sowjetunion. Die Mel­dung über den polnischen Dorschlag an Estland und Lettland auf Abschluß eines Gehet in Vertrages heranzutrctcn, steht im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit der Moskauer Preise. „Prato da" nennt den polnischen Dorschlag einen

gegen die Sowjetunion gerichteten agres­st v e n Schritt von außerordentlicher Bedeutung

und stellt fest, daß die Regierung Polens dem Dorschlag der Sowjetunion auf Abschluh eines Deutralitätsvertrages, der allein ge­eignet wäre, den Frieden in Osteuropa, wirk­lich zu festigen, ausgcwichen sei.

Das Blatt sagt weiter: Polens Angebot einer bewaffneten Unterstützung an Lettland und Estland im Falle eines Krieges mit der Sowjetunion ebenso wie die Erklärungen Paul Boncours über die Dolle Polens und die Tatsache einer bevorstehenden Konferenz der Minister des Aeuhcren von Polen, Est­land und Lettland sind Anzeichen einer Er­neuerung des Gedankens einer militari- 1 chen Schranke gegen die Sowjet­union unter Polens Führung. Das Blatt hält es für unzweifelhaft, daß der polnische Dorschlag und die entgegenkommende Haltung Lettlands und Estlands entgegen ihrer wah­ren wirtschaftlichen und politischen Interessen auf Beeinflussung aus Kreisen, die an einer Festigung des Friedens in Osteuropa nicht interessiert sind, und die Fäden der polni­schen auswärtigen Politik beherrschen, zu- rückzusühren seien. Die Oeffentlichkcit der Sowjetunion werde wachsam die Entwicklung dieser Lage verfolgen.

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Finnische Flugzeuge überfliegen russisches Gebiet.

tk. Moskau, 28. Mai. Finnische Flug, zeuge haben in den letzten Tagen das an Finn­land angrenzende Gebiet der Sowjet-Union überflogen und Beobachtungen angeftellt. Nach hier vorliegenden Meldungen haben Mitglie­der einer sich in Finnland aufbaltenden eng­lischen Militärmission an diesen Rügen trilgenommen. ,, _

Das Schicksal Ab» el Krims

Eine strenge Untersuchung wegen gemeiner Verbrechen

Abd el Krim in den sranzöschen Linien.

Paris, 27. Mai. Abd e l Krim ist, wie Ministerpräsident B r i a n d nach Schluß des heute vormittag abgehaltenen Ministerrats bekannt gab, in den französischen Linien eingetrosfen und sofort nach Taza weitergeleitet worden. Ucber sein künftiges Schicksal befragt, erklärte Kricgsminister P a i n l c n e. die französische Regierung müsse sich vor allem herüber mit der spanischen Regieruüg ins Einvernehmen setzen.

ik. Paris, 28. Mai. Havas me'det aus Fez: Abd el Krim wird nicht vor Sonnabend in Taza eintreffen.

Nach dem heutigen Ministerrat erklärte B r i a n d, daß über das weitere Schicksal Abd el Krims ein Meinungsaustausch zwischen Pa ris und Madrid stattsinde. Die beiden Re­gierungen würden Abd el Krim einen Wohn­sitz bestimmen. Sicher sei, daß dieser Wohn­sitz weit von Marokko entfernt lie­gen müsse.

Das ,,J o u r n n l des Debats" schreibt, die erste Frage sei, was man mit Add el Krim tun werde General B o i ch u t habe den Vor­posten Ordres gegeben, den Abenteurer m i t Ehren zu empfangen. Diese Anwei­sung sei vielleicht übertrieben. Abdel Krim müsse aber jedenfalls für das Le­ben der in seine Hände gefallenen franzö­sischen Soldaten verantwortlich gemacht werden. Es dürfe keine endgültige Entscheidung über das Los Abd cl Krims ge troffen werden, bevor man das Schicksal der fehlenden Gefangenen und die Umstände, unter denen sie ums Leben gekommen seien, kenne. Die Masjakres von Gefangenen sei ein Ver­brechen des gemeinen Rechts, für die der Ur­heber nicht die Kriegsge setze (!) in Anspruch nehmen könne. Eine strenge und vollständige Untersuchung sei notwendig, wie ihr Ausgang auch sein möge.

Ak GeWKlt ter ilnfetBnr’ung

Nach einer „Jourckal des Debüts" ver­öffentlichten Agenturmeldung ans Fez ist die Unterwerfung Abd el Krims wie folgt vonstatten gegangen: Am 25 Mai ließ Abd el Krim einen für den Generalresidenten Steeg bestimmten Brief überbringen, in dem er seine Unterwerfung an­zeigt und für sich und seine Familie um Schutz Frankreichs nachsucht. Darauf ließ Steeg antworten, die Unterwerfung Abd el Krims könne ohne die unver­zügliche Freigabe der Gefange­nen nicht angenommen werden. Nach­dem diese Bedingung am 26. Mai früh erfüllt wurde, wurde Abd el Krim mit­teilt, er könne sich mit den Franzosen in Nerbindung setzen, und am 27. Mai gingen zwei französische Offiziere ihm entgegen, um für seine Sicherheit zu sorgen. Ebenfalls nach einer Agenturmeldung sollen über die noch nicht unterworfenen Stämme Flug­blätter abgeworfen werden, um ihnen die Nachricht ,datz Abd el Krim in Tar- auist eingetroffen sei und sich den fran- Mischen Behörden gestellt habe, raschestcns zu überbringen.

Besprechungen über die Lage in Marokko.

fk Paris, 28. Mai. „Iourna l" be richtet, daß Marschall P ckt a i n gestern eine Besprechung mit dem Generalsekretär über die Vorbereitungen der zwischen Frankreich und Spanien angesichts der Kapitulation Abd el Krims eingeleiteten Verhandlun­gen batte.

Frankreich würde feine Zone in Marokko sehr schnell besetzen können; sollte aber die Be­setzung der spanischen Zone, die fast das ganz» Rifgcbiet umfaßt, auf sich warten lassen mühte man Mittel suchen, um die wichtige Pazifizierung der Stämme zu organisieren und Garantien gegen eine neue Akti on zu erhalten.

Außerdem sei die genaue F e st s e tz u n g der französischen und spanischen Grenze in Marokko zu erörtern. Diese Frage würde auf einer baldigst stattfindenden Konferenz behan­delt werden

Ueber die Lage im Risgebiet berichtet der Korrespondent des „Petit Parisien" in Rabat: Der ganze Osten des Risge- biets sei nnterworsen, aber im Westen sei es unmöglich, vorauszusehen, wie sich die GebirgsstLmme verhalten würden.

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Ein kurzer Rückblick sei dem Kampf Abd el Krims gegen die Eroberer seines Heimat­landes gewidmet. Sechs Jahre lang stand er gegen die Eindringlinge im Felde. Zunächst führte er g ern einsammit Rai - füll den Oberbefehl über die Stämme.^ Denn die Streitigkeiten unter den S t ü m- m e n , die sich seit jeher untereinander befeh­deten, verhinderten einen gemeinsamen Ope- rationsplan gegen den europäischen Feind.

Erst als Abd el Krim nach dem Tode Rai- sulis alleiniges anerkanntes Oberhaupt der Rifkabylen wurde, gelang cs seinem diplo­matischen Geschick, seiner Lleberredungskunst und seinem zähen Willen, die unbotsmäßigen Stämme in den gemeinsamen Kampf hinein- zuzwingen. Europäische Abenteurer aller Herren Länder schlossen sich ihm an. Mit ihrer Hilfe gelang es ihm, seine Aifkabhlen nach europäischem Muster zu m i l i t ä r t» scheu Verbänden zu vereinigen.

Er organisierte einen zunächst reibungslos lausenden Schmuggelverkehr, der ihm die nö­tigen Waffen und die notwendige Munition zuführte. Die Truppe, die, er ins Feld führte, war klein, aber gut diszipliniert und, was ihr sehr zustatten kam, mit der unwegsamen Ge­gend aufs innigste vertraut. In ununter­brochenen Kämpfen in den Jahren 1920 bis 1925 warf er die Spanier bis nahe an die Küste zurück.

Diese Erfolge führten ihn zu einem grenzen­losen Optimismus. Er überschätzte feine Machtmittel und griff auch die fran­zösischen Linien an der dem Disgebiet vor­gelagerten Aerghalinie an und zwang so Frankreich in den Kamps.

Zunächst hatte er auch hier wesentlich^ Er­folge. Doch der geschickten Politik der Fran­zosen gelang es, ein Weitergreifen des Bran­des zu verhüten. Eine von den europäischen Mächten durchgeführte, lückenlose Blök» k a d e der Küsten Marokkos verhinderte Mu- nitions- und Lebensmittelzufuhr. Die Stämme, kampsmüde, fielen von ihm ab, es kamen die Verhandlungen zu Udschda, ein nochmaliges letztes Aufbäumen und schließlich das unverr- "meidliche Ende. Aber der Dame Abd el Krim wird sortleben in der Welt den Islams und in der Geschichte.

Evalluntz ter stmMchrn Sozialisten

Paris, 27. Mai. (WTB.) Zum Er­gebnis des Sozialistenkongresses in Clermont- Ferrand schreibt der „Petit P a r i s i e n“, die Einheitsfront, die die Mehrheit der So­zialisten und der sozialistischen Parlamentarier herzustellen hofften, sei nicht zustande ge­kommen. Die drei Richtungen, die sich schon auf dem Dezirkskongreß der Sozia­listen des Seinedepartements zeigten, hätten sich auf diesem Aationalkongreh wieder ge­zeigt. Es gebe innerhalb der Sozialistischen Partei künftig eine Rechte (Renaudel- Marjquet). die bereit fei, mit der sog. Kartellmehrheit zusammenzuarbeiten, ein

Zentrum (Leon Blutn-Faure), das, wenn es auch jede Beteiligung an der Regierung ablehne, nichtsdestoweniger eine Regierung unterstützen würde, die entschlossen wäre, das sozialistische Programm zu verwirk­lichen, und eine Linke (M a u r i n) die zif­fernmäßig wenig Bedeutung habe und für eine Annäherung an die Kommunisten einge­treten sei. Man könne also vom Sozialisti­schen Kongreß sagen, daß er zumindest das Zeichen einer moralischen Spaltung aufweise.

Aus der französischen Kammer.

Paris, 27. Mai. Die Kammer lehnte mit 283 gegen 263 Stimmen den Antrag des Ministers des Innern, die Wahlreform am nächsten Dienstag zu erörtern, ab. Die Regie­rung hatte keine Vertrauensfrage gestellt.

Ar Nvürmns FranttrW

Von R. Ling-Paris.

Die Isolierung Frankreichs ist eine unbe­streitbare Tatsache, die zwar auch gewissen französischen Kreisen nicht verborgen bleibt, ohne daß ein Mittel zu ihrer Bejeiiigung ge­sunden wird. Ganz abgesehen von der deutsch- französischen Grenze siebt sich beute Frankreich sowohl im Norden wie im Süden, d. b. an, gesichls Englands wie Italiens in einer Lage, die wenig beneidenswert i|t. und die sich im Laufe der Zukunfl vermutlich noch weiter zu.» jpitzen wird. Die gegenwärtigen Verhältnisse sind äußerst cigenTtTnilid). 3m Verhältnis zu England sind es die Kreise der Rechtsparteien, zweifellos getragen von dem Gefühl der gro­ßen Masse, die eine sehr heftige, ia beinahe leidenschaftliche Propaganda gegen das große Insekreich treiben, während das Mussolinische Italien Anhänger und Bewunderer in eben denselben Kreisen und leidenschaftliche Gegner in den Parteien des Linkskartells, will sagen, der gegenwärtigen Mehrheit der französischen Kammer findet. Eine geschlossene Einheits­front gegenüber dem Auslande ist nicht mehr vorhanden, und daher fehlt es auch an einer einheitlichen und planmäßigen Außenpolitik diesen beiden gefährlichen Nachbarn gegen­über. Was in,den letzten Monaten getrieben wurde, war reine Ovvortunitätsoolitik, und wenn es zeitweilig zu einer Einigung mit England oder Italien kam, so geschah es auf Kosten Deutschlands und aus dem ewigen Ge­fühl der Angst vor Deutschland heraus.

Was England betrifft, ^so herrscht in der großen Masse eine ausgesprochen feindselige Stimmung, die nicht nur im Privatoerkehr, in der Behandlung der Touristen, im Tagesge­spräch ihren Ausdruck findet, sondern ihren Rückschlag auch in der großen Presse, ja sogar in der Politik erlebt. Als ein sehr charak­teristisches Zeichen dieser Stimmung ist ein so­eben veröffentlichtes Buch anzusehen, das sich zur Aufgabe setzt, Enthüllungen über den eng­lischen Spionagedienst zu bringen und durch­aus ernst genommen wird. Dieser englische Spionagedienst, der „Intelligence Service" wird ganz offen beschuldigt, in Syrien unti in Marokko eine unterirdische antifranzösische Propaganda zü treiben und sogar vor Be­seitigung von Franzosen, die zuviel von ihm wissen, nicht zurückzuschrecken. Die gleiche Stim­mung wiederholt sich bei der Behandlung der Schuldenfrage. Wenn auch gegenüber Amerika \immcr wieder der gleiche Einwand erhoben Wird, daß Frankreich seine Männer, Amerika irt|r sein Geld geopfert Habe und nicht einmal geopfert, dir es seine Gelder wieder rurück- fordert, so geschieht dies doch in einem weit gemäßigteren Tone als im Verhältnis zu England. Der englische Gläubiger wird nüe- der zu in „Erbfeinde", der die gemetniamt Front im Weltkriege vergessen bat und der/ falls er seine Forderungen durchdrücken sollte, 50 Prozent seiner Ansprüche erhalten würde, während der französische Rcnkner nicht mehl als 15 Proz. vorn Staate erhält. Diese eng­landfeindlichen Gefühle haben sich der ganzen Masse bemächtigt und werden sowohl von 2n- telleftuetten wie von Arbeitern geteilt, unby selbst wenn die Linksparteien in den Jahren, die der Regierung Poiucarüs folgten, versucht " haben, eine neue politische Einigung zwischen den beiden Ländern herbeizuführen, so geschah dies aus politischem Raisonnement heraus, ohne daß die eigentlichen Gefühle sich geändert hätten. Man sieht in England den großen Kolonialkonkurrenten, der nur darauf lauert, Syrien wegzunehmen und in Marokko im Trüben zu fischen.

Das Italien Musiolinis erlebt eine ähnliche leidenschaftliche Gegnerschaft in Linkskreisen, und der Ton der französischen Linkspresse ist derartig geworden, daß schon mehrmals Vor­stellungen seitens Italien bei der französischen Regierung erhoben worden sind. Getrieben von der Furcht vor einem Staatsstreich der französischen Bewunderer Mussolinis, sind die Linkskreise bis zu einer Wahlunion mit den Kommunisten gegangen, nur um die Wahl , von Persönlichkeiten zu verhindern, denen offene Anhängerschaft an faschistische Ideen zu­geschrieben wird- Ohne Frage haben die >n letzter Zeit erhobenen Ansprüche Italiens aus Erweiterung seiner Kolonien, die nur aus Kosten Frankreichs (Tunis, Syrien) geschehen konnten, den französischen Faschisten die Pro­paganda in Frankreich sehr erschwert. Alles in allem schwankt daher die französische Außen­politik zwischen Furcht und der Notwendigkeit, sich mit zwei so gefährlichen Nachbarn auf guten Fuß zu stellen, hin und her. Der Leid­tragende ist Deutschland, da man in ihm den Boden für Konzessionen sucht, die nichts kosten.

Die unmittelbare Folge dieser unschlüssigen Politik ist di» gegenwärtige Vereinsamung Frankreichs. Nicht einmal die von ihm ge- . fühlten neuen Staaten folgen mehr der Pa-

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