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Sonnabend, den m. Mai 1926

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Marburger ragesanzeiger

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^nzrigerfüridasstüher kuLhessMe)GberhMn/> Amtliches Verkündigungsblaü sur dkreiMarbmg

flm die Stützung des Srankea

Französischer Ministerrat.

Paris, 21. Mai. (WTB.) Nach Schlich des heutigen Ministerrats verhandelten Ministerpräsident B r i a n d und Finanzmini- ster P 6 r e t mit dem Gouverneur der Bank von Frankreich. Finanzminister P e r e t er­klärte nach Beendigung dieser Besprechung den Pressevertretern, das Einvernehmen der Regie­rung und der Bank von Frankreich sei ent­gegen gewissen Andeutungen niemals gestört gewesen. Man habe über Mittel und Wege beraten, durch die man in wirksamer Weise den Franken bessern könne. Neue Modalitäten seien ins Auge gefaßt worden. Die Besprechun­gen hierüber' seien auf gutem Wege. Die Lank von Frankreich sei entschlossen, die Regierung bis zur siegreichen Stabili­sierung des Franken zu unter ft ü^en.

Die Bank von Frankreich schließt einen Kompromiß.

ff. Paris, 22. Mai. Heber die gestern zwischen den Leitern der Bank von Frank­reich und Ministervräsident Bef­and und Finanzminister Peret «c- fübrten Verhandlungen berichten einige Mor­genblätter, daß dem gestrigen Ministerrat eine Erklärung des Gouverneurs der Bank von Frankreich Vorgelegen haben, wonach die Leiter der Bank fich zwar weigerten, die Goldreserven der Regierung zur Verfügung zu stellen,..doch bereit seien, die Znterventionsmittel aus dem Fonds Morsans zur Stabilisierung des Franken zu verwenden.

Das wird von den Blättern als ein erstes Entgegenkommen bezeichnet. Schließlich soll nach den Blättern ein Kompromiß z u - standegekommen sein. Von einer gro­ben Bank in Paris werden auf den Märkten non Paris und Rewyork die Operationen für die Wiederherstellung des Franken geleitet »erben. Die Goldreserven sollen Frankreichs Kredit für Vie französischen Devisen garan­tieren.

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Kein ZochchM der Sette* lUMN in England

Abreise der Bergarbeiterdelegierten aus . London.

' London., 21. Mai. Die Vorschläge Baldwins zur Beilegung des Bergarbeitet­konfliktes find heute vormittag von den Berg­werksbesitzern abgelehnt worden. In der der Regierung übermittelten Erklärung wird die Notwendigkeit betont, den Achtstunden­tag wieder herzu st eilen, damit die Gestehungskosten fich verringern. Bei Wieder­einführung des Achtstundentages brauchte die /Lohnherabsetzung etwa 10 Prozent nicht ru übersteigen. Die Bergwerks- Besitzer erklären, datz durch die Vorschläge der Regierung die Freiheit der Geschäfts­führung eingeschränkt und die Lei­stungsfähigkeit des Bergbaues nicht erhöht würde. Rach ihrer Auffasiung würde das Aufhören der Agitation in den Be­trieben und die Ausschaltung politischer Ein­flüsse dazu beitragen, daß wieder gegenseitiges Setttanen entsteht und ein unbehinderter Fortschritt möglich wird.

Der Vollzugsrat des Bergarbeiterverbandes und die Bergarbeiterdelegierten baben ihre Zusammenkunft am heutigen Mor­sen abgebrochen. Sie haben Baldwin die endgültige Ablehnung feiner Vor­schläge übermittelt und sind von London in die verschiedenen Bezirke a b g e r e i st. Die Re­ni e r u n g hat sich zur neugeschaffenen Lage Noch nicht g^äußert.

Stellung ter Liberalen

London ,21. Mai. Die Spaltung, vie in der Liberalen Partei wegen der Haltung Lloyd Georges wäh­rend des Generalstreiks ausgebrochen ist, tritt in den liberalen Morgenblättern deitt- tsch hervor. Der politische Korrespondent derWestminster Gazette" sagt,

Eia neues Fiasko in Genf

Richt tie leiseste Aufsicht aus Abbaltung ter SMenserear"

Der englische Abrüstungsvessimismus.

ft London, 22. Mai. Der diplomatische Korrespondent desDaily Telegraph" schreibt: Gewisse britische Kreise verhehlen nicht länger die Auffasiung, da» min­destens für dieses Fahr nicht die leiseste Aussicht auf die Abhal­tung einer Abrüstungsvollkon f e r e n z besteht. Das wahre Ziel der Genfer Vorkonferenz ist anscheinend nicht ge­wesen, eine Vollkonferenz vorzubereiten, als vielmehr festzustellen, ob die Einberufung einer solchen Vorkonferenz über­haupt am Platze sei oder nicht. Die nunmehr ergangene Antwort roitbjtls aus­gesprochen negativ angesehen.

Der bisherige Verlauf der Genfer Abrüst­ungskonferenz hat zwar in Berlin an sich überrascht, trotzdem ist man einigermaßen er­staunt darüber, daß der Wille zur Nichtab­rüstung gerade der militärstärksten Staaten so unverhüllt zutage getreten ist. Wie sei­nerzeit die Washingtoner Abrüstungskonferenz zu einem greifbaren Ergebnis nicht geführt hat, weil Frankreich seine angeblich am meisten be­drohte Sicherheit in den Vordergrund schob, so wurden ähnliche Gedankengänge durch Paul B o n e o u r auch diesmal wieder in Genf ent­wickelt. .....

Auch hier hat man wieder von der noch nicht gewährleisteten Sicherheit gesprochen, die man diesmal dadurch für gefährdet hält, weil man diepotenziellen Kriegsmöglichkeiten" noch nicht genügend geklärt habe. In Berliner politischen Kreisen besteht eine Auffassung darüber, daß die diesmal von Frankreich in die Abrüstungsdebatte geworfenen potenziellen Kriegsmöglichkeiten nur herangezogen wurden, weil andere Ausflüchte für die Absicht Frank­reichs, nicht abzurüsten, nicht gefunden wer­den konnten angesichts der immer mehr zum Durchbruch kommenden lieber-,eugung. daß Deutschland weder Gus politischen noch aus wirtschaftlichen noch aus militärischen Gründen eine Kriegsgefahr bedeutet.

Der deutsche Hauptdelegierte in Genf hat denn auch in. voller Uebereinftimmung mit den zuständigen Stellen angesichts der von Frank­reich vertretenen These, der Berücksichtigung

potenzieller Kriegsmöglichkeiten, auf die be­sondere geographische und wirt­schaftliche Lage Deutschlands hinge­wiesen, die diese potenziellen Kriegsmöglich­keiten in Deutschland angesichts ihrer räum­lichen Nähe zu den in Frage koinmeuden Ope- rationsbasen völlig ausschalten. Trotz der un­angreifbaren von dem deutschen Hanptdelegier- ten Graf Bernstorfs ins Treffen geführten Ar­gumente rechnet man in deutschen unterrich­teten und politischen Kreisen nicht damit, daß sie auf die französischen Entscheidungen den Einfluß ausüben, der eine Aenderung der französischen Stellung herbeiführen könnte.

Aber nicht nur in Berlin ist man über den bisherigen Verlaus der Genfer Verhandlungen erstaunt und peinlich berührt, sondern auch in anderen europäischen Hauptstädten macht sich ein peinliches Empfinden bemerkbar. Beson­ders stark ist der unangenehme Eindruck in, Amerika, wo man in dem Verhalten der französischen Abrüstungsdelegierten eine regel­rechte Sabotierung des Abrüstungsgedankens erblickt.

Man begreift dort die französische Haltung besonders deshalb nicht, weil man die fran­zösischen Währungsschwierigkeiten in erster Linie mit aus die gewaltigen fran­zösischen Dlilitärlasten und die um­fangreichen militärischen Operativ- n e n in den Kolonialgebiefen zurückführt. Man ist deshalb auch geneigt anzunehmen, daß die vorgenommene Stützungsaktion der franzö­sischen Regierung umso weniger einen nach- hattigen Einfluß auf die französische Wäh- pungsstabilisierung haben kann, je mehr das Vertrauen der ausländischen Geldgeber für Frankreich in ihrem Glauben an Frankreichs Friedfertigkeit erschüttert wird.

Daß hierbei auch die jüngsten Vorgänge in Polen eine Rolle spielen, ist umso weniger verwunderlich, als man in, Amerika sehr wohl darüber unterrichtet ist, daß P o I e n. sich nur durch die französische Unterstützung zu dem zw e i t ft Ö r h ft e n Militärftaa t des Kon­tinents entwickeln konnte.

Man beurteilt daher in den amerikanischen Finanzkreisen die Lage von dem Gesichtspunkt aus, daß. wie Polen durch das Uebermaß fei­ner Rüstungen und feiner imperialistischen Politik zum wirtschaftlichen und finanziellen Zusammenbruch getrieben wurde, auch Frank­reich einem annähernd ähnlichen Schicksal ent­gegengehen muß, wenn es nicht rechtzeitig sich in seiner Rüstung eine Beschränkung auferlegt.

Lloyd George scheine alles getan zu haben, um feine Mitarbeit an den Aufgaben der Liberalen Partei nahezu unmöglich zu machen. Habe doch seine Haltung gegenüber der von Lord Oxford und anderen liberalen Führern während des Generalstreiks be­triebenen Politik eine Herausforderung be­deutet.

Dagegen klagt der politische Korrespon­dent von Lloyd Georges Organ, derDai­ly Chro nicke", den Führer der radika­len liberalen Gruppe Runciman an, er habe die zeitweilig unpopuläre Auffassung Lloyd Georges ausgenutzt, um die alten Zwistigkeiten neu zu entfachen, die immer unter der Oberfläche im Gange gewesen seien. Zum Schaden der liberalen Sache suche man um jeden Preis Lloyd Georges Einfluß zu untergraben. Der wirkliche Än- laß dieser Angriffe sei der Umstand, daß Lloyd George im letzten Jahre Sympathien für den gemäßigten Teil der Arbeiterpartei gezeigt habe. -

Die konservativen Blatter verfolgen diese Vorgänge mit ausgesprochener Genugtu­ung. Im Leitartikel derTimes" heißt es, Lord Orford und Lord Grey hätten so­fort erkannt,: daß der Generalstreik alle überlieferten Grundsätze der Liberalen Par­tei bedrohe. Einzig, und allein Lloyd Ge­orge stelle. sich abseits. Es sei schwer zu sehen, wie der Liberalismus gleichzeitig sein neugefundenes Ansehen bewahren und Lloyd George als parlamentarischen Füh­rer beibehalten kövne.

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Ser SMenkonM

Eine Erklärung des sozialdemokratische» Parteioorstandes.

ff. Berlin,. 22. Mai. Der Vorstand der sozialdemokratifchen Partei, nimmt in einer Erklärung zu den, Konflikt innerhalb d-r ; äch sisch en So zi aldemokratie Stele lang, >n der es heisst;

Mit der Nichtbeachtung der Bestimmung des Organisationsstatnts ist das auf Ausschluß lautende Urteil des fächfifchen Bezirksvorstan­des rechtskräftig geworden. Die drei­undzwanzig Abgeordnete des sächsischen Land­tags, die fich nicht mehr als Mitglieder der S.P. D. betrachten und eine eigene Partei gründen wollen, haben, wie in der Erklärung weiter gefast wird, das Tischtuch zwischen fich und der Partei zerschnitten.

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Ar Gärung in Wen

Warsau, 21. Mai. DerExpreß Porannh" meldet aus Posen, Vertreter der Rechtsparteien und der Witospar- teien mit Ausnahme der sozialen Ar­beiterpartei hätten ein Telegramm an Ra­ta; gerichtet, in dem die Demobilisierung der Militärabteilungen, der Abttansport der Truppen in die Garnisonen, Entwaff­nung der Schützenverbände und Entfer­nung aller Personen aus der Regierung gefordert wird, die den Staatsstreich hervorriesen. Fer­ner erklärt das Telegramm, die Posener Be­völkerung dürfte nicht durch Aenderungen leitenden militärischen und zivilen Stellen gereizt werden. Das Blatt bemerkt wei­ter, daß der Reserveoffiziersverband in Posen, der sehr kriegerisch gestimmt sei, bei dem Wojewvden die Forderung vorbrachte, vatz er sich für die Zeit bis zum Zusammen­tritt der Nationalversammlung zum un­abhängigen Regierungschef des Po­sener Gebiets erkläre und die Re­gierung Bartel nicht anerkenne.

Air Sürfltnobfintung

Aufruf der Deutschen Bolkspartei

Berlin, 20.-Mai. Die Nationalliberal: Korresvondenz veröffentlicht folgenden Aus­ruf des Reichsausschuffes der D. B. P. zur Fürstenabfindung:

Durch die kommunistische -Hetzarbeit ist es dahin gekommen, daß das deutsche Volk am 20. Juni darüber entscheiden mutz, ob den ehe­mals regierenden Fürstenhäusern ihr ge­samtes Vermögen bis um letzten Rest privaten Eigentums ohne jede Entschädigung weggenommen werden soll. Ein solches Ver­fahren würde gegen Moral, Recht und Verfassung verstotzen. Durch falsch^ Behauptungen und gröblichste Irreführungen wird das Volk gegen die vormaligen Fürsten und seine große Vergangenheit aufgehetzt.

In der Fräse der vermögensrechtlichen Aus- .ejnandersetzung der Länder mit ihren Fürsten­häusern kann nach der geschichtlichen Entwick­lung gewitz nicht das formale Recht allein ent­scheiden. Es ist notwendig, datz die Inter­essen der Allgemeinheit in aus­reichendem Matze gewahrt werden. Dabei ist auf die Finanzlage der Länder und auf die allgemeine Verarmung des Volkes Rücksicht zu nehmen. Die Deutsche Volksvartei hat diesen Forderungen dadurch Rechnung getragen, daß sie führend an einem Gesetzentwurf mitgearbeitet bat, be: eine bei­den Teilen gerecht werdende Auseinander­setzung ermöglichen sollte. Die Regierung hat auf unsere Forderung denselben Weg be­schritten und den gesetzgebenden Körperschaften des Reiches eine Vorlage unter­breitet, d i e eine, ausreichende Wahr u, n g der Allgemein interej- sen ermöglicht. Im Reichs rat hat die unter sozialdemokratischer Lei­tung stehende vreutzische Regie­rung dieser Vorlage zugestimmt und damit zum Ausdruck gebracht, datz sie den Volks­entscheid auf entschädigungslose Enteignung, ab lehnt. Die Deutsche Volkspartei wird mit allen Kräften dafür ein. treten, daß diese Vorlage Gesetz wird. Sie widersetzt sich aber der Forderung einer entschädigungslosen Enteignung, gleichgültig gegen wen sie sich richtet.

Der zur Volksabstimmung gestellte kommu­nistische Gesetzentwurf widerspricht der Ver- fassung, ixte den Schutz des Privateigentums verbürgt. Er widerspricht auch der Haltung, welche die Sozialdemokratie selbst in den. Tagen ' der Revolution unter Führung Eberts eingenommen hat. Offen sprechen cs die Kommunisten aus, datz mit den Fürsten nur der Anfang gemacht, datz die Konfiskation alles übrigen Eigentums einschließlich der Ansprüche auf Pension und Renten folgen soll. Die Ent­eignung soll der Atz sang der neuen Revolution sein. Würde sich eine Mehrheit für der, kommunistischen Gesetz­entwurf ergeben, dann würden die Grund­mauern unseres staatlichen Lebens zerstört, jede Ordnung untergraben, jede Kultur ver­nichtet. Jedes Vertrauen für einen Wieder­aufstieg wäre' dahin, die Arbeitslosig­keit würde durch den Wegfall ausländischer Kredite ins Ungeheuers gesteigert"

Die Auseinandersetzung über das Ver­mögen der Fürsten hat n i ch k,s mit der Aufwertungsfrage zu tun. In dieser Frage gilt für die Fürsten das gleiche Recht wie für jeden deutschen Staatsbürger. Die Fürsten baben durch die Inflation ebenso Ver­luste erlitten wie jeder andere Deutsche. Es bandelt sich auch nicht um die Wiederher­stellung der Monarchie, sondern es geht darum, einen Rechtsbruch z u ver­hindern. der dem deutschen Volke in allen seinen Schichten unermeßlichen Schaden brin­gen würde.

Die Deutsche Volkspartei fordert daher ihre Anhänger im Lande auf, das Volk über die drohende Gefahr aufzuklären und der Ver­hetzung entgegenzutreten. Unsere Parole lautet: Keine Beteiligung am Volksentscheid! Jeder bleibe am 20. Juni der Abstimmung fern! Die Zustimmung zu dem kommunistischen Gesetzentwurf ist mit den Grundsätzen der Deutschen Volkspartei unver­einbar.

Der Neichsausschud der Deutschen Bolkspartei.

Liefen bolschewistische Agenten erschossen.

Bukarest, 21. Mai. Heute nacht ver­suchten neun bolschewistische Agenten in einer Barke über den Dnjester zu setzen. Tie rumänischen Grenzposten eröffneten so­fort das Feuer und töteten sieben von ihnen. <_-