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den 21. Mal 1926

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Ekploiiou der KMrfabrik SaMA

Wertheim a. Main, 29. Mar. Heute iwrwittag gegen list/» Uhr flog in dem etwa 4 Kilometer entfernten bayerischen Ort Hass­loch a. M. aus bisher noch unbekannten Ursachen di: Pulverfabrik Ha-stoch unter furchtbarem Getöse in die Luft. Die ganze Fabrik ist vernichtet und ein Teil der umliegenden Wohngebäude schwer be­schädigt. An drr Exvkosionsstclle befindet fich ein riesiger Trichter. Die Zahl der Toten ist noch nicht bekannt, doch rechnet men mit mindestens 15 Bis 20. Die Zahl der Verwundeten ist erheblich gröber. 3« das Krankenhaus zu Wertheim sind bisher 30 Verlebte eingeliefert wor­den, von denen drei gestorben sind. Die Trümmcrstätte bietet ein grausiges Bild. Die Rettungsarbeitcn sind, da weite.e Ervlo- stonen zu befürchten sind, schwierig. Die Lust- erschüttcrung hat nicht nur in Hasslach, son­dern auch in den umliegenden Orten Fenster­scheiben zerstört.

Wie ergänzend gemeldet wird, war die Ex­plosion von solcher Gewalt, dass in Wert­hei m Türen und Fenster «usge- rissen und in Hassloch die Dächer a ü g e - deckt und zahlreiche Gebäude beschädigt wur­den. Die gesamte Fabrikanlage wurde mit einem Schlage von Grund aus- zerstört; ein­zelne Teile brennen noch. Die Unglücksstätte bietet ein trostloses Bild der Verwüstung. Der ♦m l i c renb e Wald ist bis zur halben Dcrgeshöhe vollkommen umge- le81. Lastautos mit Rettungsmannschaften und Acrzten waren sofort zur ersten Hilfe­leistung an der Unglücksstelle erschienen, wo fich herzergreifende Szenen abspielten.

wtb. Heidenseld, 20. Mai. Bom Be­zirksamt in Markt-Hcidenfcld wird zu dem Hasslocher Explosionsunglück amtlich mit- geieilt: Bisher sind festgestellt 7 Tote; eine Person wird noch vermisst. Mehrere der Verletzten sind kn den letzten Stun­den im Krankenhaus verstorben. Die Zahl der Schwerverletzten beträgt zwölf. Von den Schwerverletzten schweben einige in Lebensgefahr. Ueber die Ursache des Unglücks ist noch nichts bekannt.

Man nimmt an, dass sie vom Kesselbaus ausgcgangrn ist, da die meisten der vollständig verkohlten Leichen in nächster Nähe des Kessel­hauses ausgesunden wurde.n. Jede weitere Exvlosionsgcfabr ist ausgeschlossen. Der Brand ist vollständig gelöscht.

9 Tote, darunter 4 Frauen

fk. Berlin, 21. Mai. Nach weiteren Mel­dungen bat die Ervlosion in Hassloch bis jetzt 9 Todesopfer gefordert, unter denen sich 4 Frauen befinden. Nach einer Meldung der Direktion der Pulverfabrik wird ange­nommen, dass lagerndes Pulver für Jagdpatronen sich selbst entzündet bat.

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Schweres Mwettee in NinsiZ

Paris. 20. Mai. Nach einer Savas-Mel­dung aus Chicago ist der Staat Illinois von einem schweren Sturmwetter heim- scsucht worden, bei dem der amerikanische Flieger Patrick, der zum ersten Male im Jahre 1920 den Flug von Newyork nach Nome unternahm, getötet wurde. Viele Gebäude wurden durch den Orkan zerstört, der besonders in den Vorstädten von Chi­cago grössere Verwüstungen anrichtete. Tele­graphen- und Fernsprechleitungen baden stark gelitten, so dass ihre A?iederhch:ste!lung nach Angaben der Behörden längere Zeit in 2In= "Studj nehmen wird. Der ßturm wai_ von starken Hagelschauern begleitet, die aus den Feldern grosse Verwüstungen anrichtetcn.

Schweres Bergwerksunglück.

fk. Bebra, 21. Mai. Durch einstürzende Grsteiumasien wurde gchtern bei den Sasel fekdstollen in der Räbe des Dorfes Süss i»e i Bergarbeiter erschlagen. Bier »eitere erlitten zum Teil schwere Verletzungen.

DeMMWN-s WchMMM

Gras Streitern über die MW«

Genf, 20. Mai. (WTB.) Gegen Schluss der Bormitragssihung des Abrüstungsaus­schusses erklärte Graf Bernstorfs, die bisherige Debatte habe vielfach bei ihm den Eindruck erweckt, -dass man die vorgcbrachten Argumente besser zum Beweis der These hätte verwenden können:

Wie kann man der Abrüstung aus dein Wege gehen?

als zu der anderen Frage: Wie kann man zur Abrüstung kommen? Der argentinische Delegierte habe.gestern von einem potentiellen Friedenswillen gesprochen. Aach feiner Auf­fassung müsste man wenigstens zu einem Zwifchenablornmeri gelangen, aber alle Argumente. die vorgebracht wurden, hätten so geklungen, als ob sie in der Zeit vor dem Kriege vergebracht würden.

Bernstorfs führte dann etwa folgendes aus: Man darf doch die Tatsache des Bestehens des Völkerbundes und den Umstand nicht übersehen, dass dadurch die Lage vollkommen geändert werden ist. Ich bin sehr erstaunt darüber, daß man in diesen Debatten vom Völkerbund und seiner Tätigkeit nicht mehr gesprochen hat, als dies geschehen ist. Der Krieg ist doch mit gewissen Ausnahmen eine An Möglichkeit. Ein kriegerische-: Konflikt ist nur nach zwischen dem Völker» bunde selbst und einem Angreiferstaat vor­stellbar. Außerdem ist meiner Ansicht nach auch die Sicherheitsfrage zu stark u n t e r st r i ch e n worden.

Wir haben deutscherseits in Bezug auf die, Entwaffnung in den letzten acht Jahren eine sehr grosse Erfah­rung bekommen. Weniger Erfahrung haben wir aber in Bezug auf die Nüstung der letzten acht Jahre. Ich habe einen tiefen Eindruck empfangen von dem düsteren Gemälde, das gestern der belgische Senator de Brouckstrc uns über den Gas- und Luftkrieg vor Augen geführt hat. Ich will, durch dieses Bild angeregt, nicht etwa einen formellen Vorschlag unterbreiten .sondern nur eine per­sönliche Anregung geben, die dahin geht, die Anwendung von Giftgasen und von Kriegs!uftfahrzeugen glatt zu ver- bieten. Es wäre auf jeden Fall ein recht guter Anfang für unsere Arbeiten und würde in der Welt den denkbar besten Eindruck machen. ,

Der belgische Delegierte hat in feiner Nede auch noch ausgeführt, dass es jedem Land er­laubt fein müsse, sich zu verteidigen. Zynische Grausamkeit wäre es, wenn man einem Lande verbieten wollte, sich gegen Luftangriffe auf seine Hauptstadt.zu schützen. Nicht ich habe dieses Wort von zynischer Grausamkeit ge­braucht.

Ich möchte aber doch darauf Hinweisen, dass Deutschlands Entwaffnung augen­blicklich so gross ist, dass wir unsere .Haupt­stadt nicht gegen einen Lustangriss ver­teidigen können.

Dei der Frage der potentiellen Kriegsstärke eines Landes muh man berücksichtigen, wie die Friedensindustrie in die Kriegsindustrie übergeführt werden kann. Ich will keine unangenehmen Erinnerungen aus der Ver­gangenheit erwecken, aber für den besonderen Fall Deutschlands ist die Lage doch so, dass die deutschen Industriezentren, die in der Nähe der Grenzen liegen, i n wenigen Stunden vernichtet wer­den können, bevor überhaupt an eine Um­wandlung herangegangen werden kann. Ausserdem muss man noch die besonderen schwachen Punkte, die ein Land aufweist, be­rücksichtigen. Darunter fällt z. B. die Mög­lichkeit. die Bevölkerung mit genügender Nah­rung zu versehen. Schwierigkeiten in der Ve- schasfung von 'Rohmaterialien. besonders sol­cher. die aus den Kolonien eingeführt wer­den müssen. Schliesslich muss man noch aus die geographische Lage eines Landes Rücksicht nehmen. Es iss ein Unterschied, ob die Grenzen offen daliegen, oder ob sie durch natürliche Schranken, wie Gebirge usw. ge­schützt sind.

Ich hab: den Eindruck, tote ich auch schon in meiner ersten Nede sagte, dass der Frage­bogen aus der einen Seite bis ins einzelne geht, dass aber auf der anderen Seite einige wichtige Punkte überhaupt nicht ins Auge gejasst sind. Es toäce doch sicher wesentlich, die Frage des Verbots der schweren Artillerie und der Kciegsflugzeuge sowie der Tanks zu erwähnen. Ich meine, man würde erfolg­reichere Arbeit leisten können, wenn man nicht auf Sie blosse Herabsetzung der jetzigen Rüstungen ausglnge, sondern auch daran ginge. gewisse Kategorien von 21 ü ft u n g c n überhaupt auszuschalten. Ausserdem muss die Frage der Kolonialtrup- ven noch berücksichtigt werden. Ich vrieder- hole, dass ich hier keinen formellen Vor­schlag im Namen meiner Negierung ober auch nur in meinem eigenen Namen mache, son­dern nur einige Gedanken auf Grund unserer bisherigen Debatte vorbringe. Schliesslich möchte ich noch darauf Hinweisen, bass wir und der Völkerbund schon aus Prestige­gründen unbedingt zu praktischen Ergebnissen gelangen müssen.

Nach der mit sichtlichem Interesse von den Ausschussmitgliedern aufgenommenen Nede des deutschen Vertreters erhob sich Lord Robert Cecil, um den von Bernstorf: angeführten Gedanken zu unterstreichen, dass durch das Bestehen des Völkerbundes gegen­über der Vorkriegszeit eine vollkommen ver­änderte Lage geschaffen fei. England könne fick nicht vorstellen, dass es noch irgend einen anderen Krieg geben könne, als einen Völker- bnndskrieg gegen einen Angreifer.

Er wies sodann darauf hin. dass die Inter­nationale Konferenz zur Kontrolle des Waffenhandels im vergangenen Jahre fich in ihrem Schlussprotokoll ausdrücklich ge­gen denGaskrieg ausgesprochen hat.

MrWrmg der Mentnfe m England

Die Vorschläge Baldwins abgelehnt.

London, 20. Mai. (WTB.) Die Teke- glertenkonfercnz der Bergarbeiter hat die Vorschläge der Regierung zur Beilegung des Bergbau Konflikts abgetehnt.

Ter Sekretär der Lergarbeitcr-Juternatio- . nale Hoüges erklärte in einer Unterredung mit einem Vertreter der „Press Association^': Ter letzte Generalstreik ist fehlgeschla- gen. weil er eine riefenhafte, aber Z ir> e ck - lose Anstrengung war, angesichts der Stärke der wirtschaftlichen Tatsachen und der sozialen Kräfte, denen er gegenübertrat. In den zwei grauen Wochen des Streiks sind die Erfolge der Ge werks chaftsarbei- ten eines halben Jahrhunderts zu­nichte gemacht worden. Tie wirtschaftliche Lage in'der Kohlenindnstrie ist jetzt viel schlimmer als vor dem Streik. Die Be­dingungen der von der Regierung angebotenen Regelung spiegeln diese Tatsache'wieder. '

Die erste Sitzung des Kabinetts Marx.

ft Berlin, 21. Mai. Das Reichskabinett hielt gestern nachmittag seine erste Sitzung über das Arbeitsorogramm der Reichsrcgie- rung ab. Grosse politische Fragen sollen erst nach den Pfingstfcrien in Angriff genommen werden. ' - , . .

Ar deuWr SeKwartti Ml ZoMtMel»

Berlin, 20. Mai- Die Nationalliberalc Ksrresvondeuz veröffentlicht einen Ausruf des Neichsausichusses der Deutschen Bolks- partei zur Fiirstenabsindnng, in dem darauf hingewiesen wird, dass die enijchädi- gungslose Enteignung gegen Moral, Recht nnd Vcriaüung veistosse. Der Slufrui verweist aus die Mitarbeit Ser Partei zur gesetzlichen Rege­lung dieser Frage. Die Deutsche Volkspartei werde mit allen Kräften dasür eintreten, dass die Vorlage der Reichscegierung, der die preussische Regierung im Reichsrat mgestimmt habe. Gesetz wird. Der Ausruf schliesst: „Sie Deutsche Volkspartei fordert ihre Anhänger im Laude auf, das Boll übet die drohend: Gefahr aviruklären und der Verhetzung entgegen zu treten. Unsere Parole lautet: Kein: Beteili­gung am Volksenticheid! Jeder bleibe am 20. Juni bet Abstimmung tete! Die Zustimmung zu dem rommnnisttlchen Gesetzentwurf, ist mit den Grundsätzen der Deutschen Vottopatlei un­vereinbar."

Flugzeugunglück in Belgien.

fk. Berlin, 21. Mai. Nach einer Mel­dung aus Brussel stürzte gestern morgen ein belgisches Militärflugzeug ab. Die beiden Insassen, ein Hauptmann und ein Sergeant, wurden getötet.

Jas SKWal brs Kankra

Die Währungskatastrophe in unserem westlichen Nachbavlande hat gestern ihren bisherigen Höhepunkt erlebt. Innerhalb einer Börse stieg das englische Pfund von 161,70 Franken auf 168,40 Franken, der Dollar von 33,44 auf 34,70 Franken. Bor zwei Monaten noch kostete das englische Pfund etwa 135 Franken. Allein in diesem letzten Monat verlor der Frank etwa 13 Prozent (von 148—168,40 für das Pfund). Noch niemals hat der Frank ein so schnelles Sinken erlebt wie in den letz­ten drei Wochen. Tie Schwestervaluta des französischen Franken, der belgische Frank, teilt naturgemäß dessen Schicksal. Tie Kursentwicklung der Devise Brüssel zeigt ungefähr die gleiche Kurve wie die deS Franken. Die dritte lateinische Währung, die italienische, die ebenfalls in den letzten Wochen schwer miigettomtnett wurde (sie verlor im Laufe dieses Monats ettva 15 Prozent ihres Wertes), wurde von dem letz­ten Sturz des Franken nicht betroffen.

Es mutet geradezu ungeheuerlich an, daß es acht Jahre nach dem Krieg nicht ge­lingen tollt, in einigen der sog-. Sieger-- Jtaaten die Währung zu stabilisieren. Das *Ut ein weiterer Beweis dafür, daß die wirtlichen Krtegsgewinner (Krirgsgetoinn- ler) nicht in Paris, sondern jenseits des Atlantiks sitzen. Tie unglücklichen Bei­spiele ,die Deutschland, Oesterreich, Rußland und die balkanischen Länder der Welt ge­geben haben, hätten eigentlich genügen müs­sen ,den übrigen Währungen ein ähnliches Schicksal zu ersparen. Als in Frankreich Her riot die Regierung übernahm, hatte es fast den Anschein, als ob eine Stabili­sierung der Währung gelingen würde. Be­kanntlich kam aber bisher jeder französische Finanzminister, auch Caillaux, auf den ganz Frankreich so große Hoffnungen gesetzt hatte,, über die Finanzprogramme, die eilte Rettung hätten bringen können, zu Fall. Auch Per et, der jetzige Fi- nanzrninister, wird sich ebenfalls nicht hal­ten können, wenn es ihm nicht gelingt, in letzter Stunde den Sturz des Franken nuf- zuhalten.

Tie Gründe für den WührutigSsturz lie­gen .wenigstens in Frankreich, vor allem darin ,dass es nicht gelingt, den Staats­haushalt auszugleichen. Wir wissen aus dem Beispiel 'der Stabilisierung unserer eigenen deutschen Währung, daß dir Ba- lanziei'ttng des Haushalts eilte» Staats die erste Voraussetzung für" die Festigung der Währung ist. Die Schwierigkeiten, ans die jedes französische Finanzministerium bei dem Versuch, den Staatshaushalt auszn- gleichen, stieß, sind bekannt. Alles Heil wurde in Frankreich weniger von der inne­ren Reform der Finanzverhältnisse erwar­tet, als vvn der Hilfe des Auslandes durch Regelung der interalliierten Schulden.

Weder das eine noch das andere hat dem Franken bisher wesentlich geholfen. > Na­türlich traten Erholungen des Wechselkurses ein ,wenn eine Anleihe aufgenommen oder ein Abkommen zur Schuldenregelung ge­troffen wurde. Aber diese Erholungen waren nur vorübergehend, sie tonnten im Grossen und Ganzen die Kursentwicklung des Franken nicht anfhaltcn. Tie letz­ten Kursverluste traten ein, vbwolil Frank­reich vor kurzem ein Schuidenavkommen mit Amerika geschlossen hatte,, das die französischen finanziellen Verhältnisse weit­gehend berücksichtigte. Frankreich hatte bei den internationalen Schuldettverhandlungvii sich stets auf den Standpunkt gestellt, daß feine- Schuldenzahlungen nicht größer sein durften als seine Einkünfte aus dem Tawesabkominen betrügen.

Tas Schnldenabkommen mit Amerika ist diesem Wunsche iiachgekommeit» die Zah- kungsverpflichtungen Frankreichs betragen nur einen Bruchteil der Einkünfte ans den deutschen Reparationszahlungen. Ter Wert dieses Abkommens sollte vor allen Dingen darin bestehen, daß nach erfolgter Regelung die Kreditfähigkeit Frankreichs im Auslande wachsen würde. Das Misstrauen des Auslandes gegen die französische Wäh­rung ist jedoch in keiner Weise geringer geworden. Ter Kapitalbedarf der franzöii- jchen Wirtschaft ist start ans das Ausland angewiesen, ohne bisher Befriedigung ge­funden zu haben. Auch der letzte Versuch des französischen Finanzministers, in Eng­land eine Stützungsanleihe zu erhalten, wird voraussichtlich zum Scheitern verur­teilt sein.

In nächster Zeit besteht keine Aussicht, daß die Kursentwicklung des Franken zum Stillstand kommt. An eine Sin leihe ist, falls die (englische nicht zustande komM,