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Knzeigerjur(dasWzer hurbe0iTdi c) <8)beebriJCTv*> ee VerkünüigungÄ-^M jur d-AwsNardmT
Donnerstag, -en 20. Mai 1926
Marburger ragesanzeiger
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Die Mgittungsettlörung im Reichstag
Sie SlamemMordmm- bleibt in Kraft
Sitzung vom 19. Mai.
Auf der sLagesordnung steht die zweite Berat u rt g des Tlachtragsetats für 1925. In den Dachtragsetat sind u. a. 1.5 Millionen eingestellt für die Kosten der Durchführung des Volksbegehrens.
Abg- Aeubauer (Komm.) macht dem Deichsflnanzminister Dr .Reinhold den Vorwurf, daß er früher die Finanzlage zu ungünstig geschildert habe. Der Lieberschuh von zweihundert Millionen beweise das. Dieser Lieberschuh sei herausgewirtschaftet worden durch die ungenügende Unterstützung der Erwerbslosen und Sozialrentner. Dafür habe man die Vesitzsteuern gesenkt und die Schwerindustrie subventioniert. Aach einigen Bemerkungen des Abg. Deubauer (K.) wird der Dachtragsetat ohne weitere Aussprache nach den Beschlüssen des Ausschusses angenom- m e n. Damit ist die Tagesordnung der Sitzung um 1.45 Ahr erledigt. Zur Entgegennahme der Regierungserklärung wird sofort eine neue Sitzung auf "2.30 Ahr anberaumt.
Reichskanzler Dr. Marx.
In dieser Sitzung gab sofort Reichskanzler Marx folgende Erklärung ab:
Die Reichsrcgierung. die am heutigen Tage vor die deutsche Volksvertretung tritt, setzt sich mit Ausnahme des Kanzlers aus denselben Männern zusammen, wie das Kabinett Luther. Reichskanzler Dr. Luther ist aus unserer Mitte geschieden. Aeber drei Jahre hat er seine ganze außergewöhnliche Kraft in den Dienst des Reiches und des Volkes gestellt. Es ist mir ein Herzensbedürfnis, auch an dieser Stelle wärmste Anerkennung der aufopfernden, selbstlosen und unermüdlichen Tätigkeit des Reichskanzlers Luther zum Ausdruck zu bringen.
Ich glaube mit der Meinung weiter Kreise dieses hohen Hauses übereinzustimmen, wenn ich annehme. daß bei der Zusammensetzung des neuen Kabinetts eine eingehende und umfassende Regierungserklärung nicht erforderlich erscheint. Deshalb darf ich mich auf wenige Worte beschränken.
Das Kabinett wird die bewährte Autzen- politiä des bisherigen Reichskanzlers weilerführen.
Diese Politik, die mit der Regelung der Reparationsfrage in London begann, sollte ihren Abschluß in den Verträgen von Locarno finden. Wir hoffen' daß die Verhandlungen der Studienkommifsion in Genf dazu führen, die Locarnoverträge bald endgültig in Kraft zu setzen und Deutschland die Möglichkeit zu geben, als ständiges Mitglied des Völkerbundsrates au dessen großen Aufgaben mitzuarbeiten. Der zwischen Deutschland und der Sowjetunnion geschlossene Vertrag fügt sich durchaus in diese Politik ein. Er ist ein Ausdruck der freundlichen Beziehungen zwischen Deutschland und seinem östlichen Nach
barvolke und ein weiteres Glied in der Reihe der Verträge, die dem Frieden und Der Festigung Europas dienen sollen.
Obwohl keine verfassungsmäßige Ver- vilichtung hieriür besteht, wird der Vertrag angesichts seiner Bedeutung demnächst dem Reichstage vorgelegt werden.
Schwere wirtschaftliche Rot, die sich insbesondere in der langdauernden und außergewöhnlich umfangreichen Arbeitslosigkeit^ äußert, lagert nach wie vor auf weiten Kreisen des deutschen Volkes. Hier Abhilfe zu schaffen wird auch von der gegenwärtigen Regierung als vornehmste Pflicht betrachtet. Wenn ich nicht aus die Bedürfnisse und Wünsche der einzelnen Wirt- schafts- und Berufskreise eingehe, so soll das nicht eine Geringschätzung darstellen. Wir werden ihnen dis an die Grenze des Möglichen entgegen zu kommen stets bestrebt bleiben. Zwei Fragen allerdings erfordern nach meiner Meinung eine besondere Erwähnung. Der Grund liegt in den Ereignissen der letzten Woche. Ich weise zunächst auf den von der Mehrheit des Reichstages gefaßten Beschluß hin, der das Schreiben des Herrn Reichspräsidenten zur Flaggen- frage begrüßt, und im Einklang mit diesem Schreiben den Wunsch nach Herbeiführung einer Einigung zum lebendigen Ausdruck bringt.
Die Reichsregierung wird mit ganzer Kraft darangehen, die Wege, die das Schreiben des Herrn ReichsvrLstdenten andeutet, einzuschlagen und das durch jenes Schreiben gesteckte Ziel zu erreichen. Selbstredend wird hierdurch Bestand und Durchführung der Verordnung des Reichspräsidenten vom 5. Mai d. Js., deren Rechtsgültigkeit nicht bezweifelt werden kann, in keiner Weise berührt. ,
Ferner möchte ich die Frage der Auseinandersetzung zwischen den Ländern und den vormals regierenden Fürstenhäusern nicht unerwähnt lassen. Der Termin zum Volksentscheid ist ayf den 20. Juni anberaumt worden.
Die grundsätzliche Einstellung der Reichsregierung zu dem im Volksentscheid unterbreiteten Gesetzentwurf über die entschädigungslose Enteignung der Fürsten erleidet durch die Umbildung des Kabinetts keine Aenderung. Die Reichsregiernng wird deshalb auch den Gesetzentwurf, den die frühere Regierung gemäß einem Kompromißantrag der Regie- rnngsvarteien dem Reichsrat unter- ' breitet und den dieser in der vckrigen Woche mit der verfassungsmäßigen Mehrheit angenommen hat, dem Reichstag r«r weiteren Beratung z n l e i t e n.
Die Reichsregierung bittet den Reichstag um seine Unterstützung in ihrem Bestcekcn, auf der Grundlage der revublikani- s ch e n Weimarer Verfassung das
Wohlergehen des deutschen Volkes in all seinen Teilen ou fördern und die Einheit des Reiches unter gleichzeitiger Achtung der Rechte der Länder zu schützen. Nur in engsten verständnisvollen Zusammenarbeiten zwischen Regierung und Volksvertretung ist das erstrebte Ziel zu erreichen.
Die Regierungserklärung wurde in ihrem ersten Teil von den Abgeordneten ohne besondere Kundgebungen ausgenommen. Die Kommunisten machten nur wenige Zwischenrufe. Bei den Dankesworten an den bisherigen,Reichskanzler Dr. Luther kam aus den Reihen der Deutschen V o l k s p a r t e i lebhafter Beifall. Mit lauten Hört! SörÜ-Rufen der Kommunisten wurde die Erklärung ausgenommen, daß die Flaggenverordnung unverändert bestehen, bleibt. Am Schluß der Erklärung kamen Beifallsrufe aus den Reihen der Regierungsparteien.
Abg. Müller-Franken (Soz.): Bei der Bildung des neuen Kabinetts sind die Parteiführer n i ch t g e f r a g t worden. Das wird sich .aber nicht vermeiden lassen, wenn man eine Regierung bilden will, die sich auf eine Reichs- tagsmehrheil stützt. Eine solche Mehrheitsregierung wird solange unmöglich sein, wie die "Deutsche Volkspartei statt aller platonischen Liebeserklärungen für die große Koalition immer nur den Anschluß nach r e ch t s s n ch t. Tie jetzige Regierung gilt als Uebergangskabinett. Hoffentlich richtet sich die Länge ihrer Amtsdauer nicht nach der Länge ihrer Regierungserklärung. (Heiterkeit.) Wir lind durchaus einverstanden mit der Erklärung der Regierung, daß sie die bisherige Linie der Außenpolitik einhalten mist. In der Flaggen frage können wir v.ns nicht mit der Ankündigung des Ausschusses begnügen, der unter Zuziehung aller möglichen Verbünde und von .Historikern und Heraldikern die Normung und Typung der Flaggeit vornehmen soll.
Wir werden -reinen Jnitiativgesetzentwurf einbringen, der bestimmt, wie gellaggt werden soll.
Die Gerüchte von einem L i n K s p utsch sind lächerlich und werden nur verbreitet, nm den Rechtsputschisten das Handwerk zu erleichtern. Für die Komm uni st en ist die Zeit der Putsche vorbei, weil ihre revolutionäre Kampfkraft gebrochen ist. (Widerspruch bei den Komm.) Wir müssen vor allem von der Reichsregieruno Aufklärung Darüber verlangen. ob tatfärb’:-r- eine Verschwörung zwischen Reichswehrslellen und den Rechtspui^chisten- Verbänden besteht. Mit dem Bekenntnis der Regierungserklärung zur Weimarer Versos- snng sind wir selbstverständlich einverstanden. Wir werden die Regierung u n t e r ft ü t - zen, solange sie eine Politik verfolgt, die mit dem Gedanken der Völkerverständigung und mit dem Allgemeinwohl vereinbar ist.
Reichsminister des Innern Dr. Külz: i
Nach Presseberichten soll zwischen dem N a - tionalverband deutscher Offiz i e re und den Sportverbänden eine Fuhrer- besprechung ftattaefunben haben. In einem Teil der Presse ist das so dargestellt worden, als ob zwischen Reichswehr und dem No-
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Finanzsachverständigen durchaus zufrieden fei, betonte aber, daß keinerlei bindende Entscheidungen getroffen worden seien.
Str einem RinifterwktM?
ff. Paris, 20. Mai. Heute tritt ein Ministerrat zusammen, der wichtige Beschlüsse fassen soll. Der Finanzminister wird über feine Londoner Verhandlun- gen berichten und Nkatznahmen zur Stabilisierung des Franken Vorschlägen, über die bereits gestern in Anwesenheit der bedeutendsten Persönlichkeiten der Bank von Frankreich verhandelt wurde.
Rach der Morgenpresse soll dabei die Möglichkeit der Aufhebung des Gesetzes über d i e Kapitalflucht zur Sprache kommen, ferner die Beseitigung der Kontrollscheine für Wertpapierbesitzer und die Schaffung einer Devisenzentrale.
Das Oeuvre" verzeichnete ein Gerücht, daß infolge des Ernstes der Finanzlage gestern einer möglichen Umgestaltung des Ministeriums vor dem Wiederzusammentritt der Kammer gesprochen worden fei.
Der „Quoditien" schreibt, die Regierung ist von dem Ernst der Stunde, von der Unzulänglichkeit ihrer Vorschläge überzeugt. Sie ist deshalb, wie man versichert, bet eit, sich zurückzuziehen, um einem Ministerium Platz zu machen, dessen Zusammensetzung
selbst die Bürgschaft für die Durchführung einer Aktion sein werde. Gewisse Leute behaupten, es handele sich um e i n nationales Ministerium und B r i a n d sei bereit, in ihm einen Posten anzunehmen.
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zur Sagt in Wen
Warschau, 19. Mai. (WTV.) Die Lagt ist noch immer sehrernst. InPosen und Pomerellen scheint man weiterhin entschlossen zu sein, die neue Regierang nicht anzuerkennen. Die Vermittlungsversuche. die in Posen von dem Senats- marschall eingeleitet worden sind, blieben noch ohne Ergebnis. Dom Rechtsblock scheint sich nur ein Teil der nationalen Arbeiterpartei des ehemaligen preußischen Gebiets mit der neuen Lage abfinden zu wollen. Auch in Ostoberschlesien sind die Volksvertreter der alten polnischen Rechtskoalition gegen Warschau als Einberufungsort der Da» tionalversammlung.
In der polnischen Sozialdemv» k r a t i e, in der gegenwärtig die radikalsten Elemente ausschlaggebend sind, machen sich starke Widerstände legen die Einberufung der Dationalversammlung überhaupt geltend. Der „D o b o t n i f“ fordert heute unbedingt Verschiebung der Prä» sidentenwaahl, Auflösung von Sejm und'Senat und Ausschreibung der Reuwahlen für den Sejm. Wenn aber die Präsidentenwahl jetzt stattfinden falle, so mühten Garantien für eine Wahl Pilsudskis ^geschaffen werden.
Diese Forderungen der Sozialdemotraten fön» neu ohne Derfassungsbrüche nicht erfüllt werden.
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Der Kampf um den Nsrdpsl
Der „Star“ zum Nordpolflug Amundfcns.
Der „Star" bezeichnet in seiner heutigen Ausgabe die wissenschaftliche Ausbeute des Nordpolfluges Amnndsens als eine wissenschaftliche Illusion. Die Behauptung, daß die Fahrt die Möglichkeit einer Lustverbindung zwischen Europa und dem fernen Osten erwiesen habe, wäre unsinnig. Nur eiu Mondsüchtiger würde bei einer Reise nach dem fernen Osten über den Nordpol s a h re w. Die Behauptung, daß das in wenigen Jahren möglich fein werde, sei wertlos. Das Weiter am Nordpol wurde im Jahre 1946 das gleiche sein, wie im Jahre 1926. ,
Uebrigens falle in den amerikanischen Berichten über die Norstpolfahrt auf, daß in einigen: davon der Versuch gemacht werde, die Entdeckung einer Anzahl von Inseln a b z n l e u g n e n , die in den anderen Berichren erwähnt wurde. Ta die Vereinigten Staaten alle» Land nördlich Alaskas biSzum Nordpol beanspruchen, wäre mit der Möglichkeit eines Streites um die neuen Gebiete zu rechnen, an dem auch England als Besitzer Kanadas ein Interesse haben könnte.
ailmebflilierung in Rimmnim
ff. Paris, 20. Mai. Nach einer vom .Petit Journal" wiedergegebene Meldung aus Bukarest hat die rumänische Regierung infolge der russifchrn Truppen- k o n z c n t r a t i o n an der polnischen Grenze, entsprechend den Bestimmungen des polnisch - rumänischen Vertrages eine Teilmobilifation von Slreiikräfte» angeordnet, die an der beßarabifchen Grenze zusammen gezogen werden.
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tont StraßmkSmvfe in Damaskus
Berlin, 19. Mai. Wie der „Lokalan- zeigcr" aus Paris berichtet, ist es nach den letzten Meldungen aus Beirut in Damaskus zu neuen Straßenkämvfen gekommen. In vielen Teilen der Stadt wüten Feuersbrünste, die nicht eingedämmt werden können, da bei dem Versuch, die Aufständischen zu vertreiben, die W a f f e r v e r - forgung abgefchnitten wurde. Bon dem Minarett lassen sich deutlich 20 verschiedene Brandherde keststellen. Dem Feuer find bereits über 509 Säufer zum Ovfer gefallen.
Zur Beschießung von Damaskus.
ff. London, 20. Mai. Der Korrespondent bis „Daily Expreß" berichtet aus Damaskus, daß bei der Beschießung des Stadtteils Miel von Damaskus durch die Franzosen am 7. Mai Über 300 Häuser zerstört und 500 Zivilpersonen getötet worden seien. Die Beschießung hatte 200 Aufständischen gegolten, die sich in dem Stadtteil festgesetzt hatten.
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Neuer zrmikenftmz
Paris. 19. Mai. Der Eindruck des Mißerfolges der Londoner Berband- lnn gen ist durch den kalastrovbalen Frankensturz vollkommen verdrängt worden. Allgemein wird die Ansicht vertreten, daß das Scheitern der Verhandlungen in keinem direkten Zusammenhang mit der Fran- kenwcrtung stehe, daß vielmehr die i t a l i e ni- s ch e Spekulation maßgeblichen Einfluß ausgeübt habe.
Die Direktoren des Finanzministeriums bersuchten, beruhigend auf die Presse einzu- toirfen. Sie wiesen darauf hin. daß die Krise durch den Stand der Staatsfinanzen nicht gerechtfertigt fei, daß vielmehr die Barmittel des Staatsschatzes vollkommen zur Deckung der am 20. Mai fälligen Bons der Rationalen Berteidigung ausreichten. Die technischen Stellen Wielen weiter daraus hin, daß die Dachfrage nach fremden Devisen nur sehr gering gewesen sei und das Fehlen jeden Angebots in Dollar und Pfund den Markt nervös gemacht habe (!). Die französischen Kaufleute, die nach dem Abkommen mit Amerika auf eine Besserung des Francs gehofft hatten, haben in den letzten Tagen Masseneinkäufe gemacht. Auch die Kreise, die der Wirtschaft sernstehen, beginnen, sich ihrer Franken, deren laichen Entwertung sie befürchten, zu entledigen. Die Direktoren des Finanzministeriums haben sich gestern dauernd mit dem F'nanzminister in London in telephonischer Verbindung gehalten. Die Maßnahmen zur Kontrolle der Devisengeschäfte und für die Verhinderung der Kapitalflucht sollen sofort, zur Anwendung kommen .
In den Dienststellen des Finanzministeriums werden weiter die Pläne für die Einrichtung einer Devisenzentrale aus» bearbeitet, die baldigste Wirksamkeit haben sollen. Auch Briand hat sich abends mit dem Finanzminister telephonisch Über die Frankenkatastrvphe unterhalten.
PeretS Abreise von London.
London ,19. Mai. Finanzminifter Per et ist heute früh von London nach Paris zurückgereist. Auf dem' Bahnsteig erklärte er Pressevertretern, daß er an sich mit Jen Besprechungen Churchills und den