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Ae Btrhandlunven in Ma
Erste Besprechung der Friedensdelegierteu fk. Paris, 27. Avril. Wie Savas aus Udjda berichtet, find die drei Rifdelrgierten gestern dort eingetroffen und habe» sofort mit der französischen und der spanischen Delegation eine erste kurze Besprechung im franzöfischen Konsulat gehabt.
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Mussolini in Mailand
fk. Mailand, 27. Avril. Trotz eines schweren Gewitterregens hatten sich gestern abend auf dem Domvlatz über 50 000 Faschisten zu Ehren Mussolinis eingefunden. Mussolini dankte den Demonstranten und erklärte u. a.: Diese Zusammenkunft zeigt mir, da« Ihr auch mit demselben Gleichmut im Gewehrfeuer stehen bleiben werdet. Mailand, das in der Vergangenheit Italiens die Losungen des Faschismus gegeben bat, rüstet sich, um sie auch für die Zukunft zu geben. Mussolini schloß mit den Worten: „Schwarz- bemden, Kugeln fliegen vorbei und Mussolini bleibt doch!" Diese Worte wurden von der Menge mit maßloser Vegeisterung ausgenommen.
Ser Pariser Svienagevwzeß
Paris, 26. April. Heute nachmittag hat vor der Pariser Strafkammer der Prozeß gegen die vor einigen Monaten verhafteten drei, in Paris anfässigen und einen Handel mit Radioapparaten treibenden Engländer Fischer (geboren in Lodz, jetzt englischer Staatsangehöriger) Philipps und Leath er sowie gegen die beiden Französinnen, die Varietekünstlerin Mo- reuil und die Tänzerin Lefevre, begonnen. Die Anklage lautet auf Spionage. Sie sollten zu Gunsten einer fremden Macht insbesondere Aufschlüsse über den französischen Flugzeugplan zu erhalten versucht haben. Die Angeklagten leugnen, die ihnen zur Last gelegten Verbrechen begangen zu haben. Trotz des Widerspruches der Verteidigung beschloß der Vorsitzende, die Verhandlungen unter Ausschluß der Oessentlichkeit zu führen.
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SlaalSministerorWenl v. Brauer t
Vaden-Baden, 26. April. (WTB.) Der frühere badische Ministerpräsident Exzellenz v. Brauer ist gestern im Alter von 80 Jahren geworben. Der badische Ministerpräsident hat aus diesem Anlaß an die Witwe des Berstorbenen ein Beileidstelegramm gerichtet, v. Brauer war früher ®e« e sandter in Bukarest. 1874 wirkte er im Auswärtigen Amt unter Bismarck und war dann im folgenden Jahre Konsul und Legationsrat bei der deutschen Botschaft in Petersburg. 1881 war er Vortragender Rat int Auswärtigen Amt in Berlin und war später Bismarcks rechte Hand. 1888 wurde er Generalkonsul in Aegypten, dann 1890 Gesandter und Bundesratbevollmächtigter, J892 Minister des Grohherzoglichen Hauses Tür auswärtige Angelegenheiten und 1901 Ltaatsministerpräsident. 1905 wurde er nach Durchführung der neuen Verfassung verabschiedet nach Verleihung des Hausordens der Treue und Ernennung zum Grohhofmeister. Er lebte zuletzt in Baden-Baden im Ruhestand.
Die Koblewkrise in England.
fk. London, 27. April „Time s" mel- j)ft; Infolge der gestrigen Vermittelung Baldwins besteht die Ausstcht, daß die Verhandlungen zwischen den Grubenbesttzern und den Bergarbeitern weiter geführt werden.
27 Koreaner hingerichtet.
Varis, 26. April. Die Agentur Jndo Pacific berichtet aus Tokio, daß nach Nachrichten aus Charbin die Russen 27 Koreaner an der russisch-chinesischen Grenze seftgenommen und des Schmuggels angeklagte Koreaner hinge- richtet hätten . Das Außenministerium stellte eine Enqnete an, um bei der Svlvletregierung iu protestieren.
Dee Berliner Vertrag
Mizung In der etfomten teuMen M
Zn Berliner politischen und diplomatischen Kreisen äußert man seine Befriedigung darüber, daß durch die Veröffentlichung des deutsch-russischen Vertrages nunmehr die Ungewißheit und Nervosität ein Ende findet, die in der diplomatischen Welt des In- und Auslandes seit Wochen zu bemerken war. Die Presse des Auslandes, insbesondere in Paris und London, verhält sich in der Beurteilung dieses hoch bedeutsamen politischen Ereignisses vorläufig noch abwartend
Die Hauptfrage, die insbesondere in der Presse der Westmächte bisher immer wieder diskutiert worden ist, ob der Vertrag nämlich im Widerspruch stehe zu dem Locarno- Abkommen und den Verpflichtungen, die sich für Deutschland nach seinem Eintritt in den Völkerbund aus den Artikeln 16 und 17 der Völkerbundssatzung ergeben, kann nach dem jetzt vorliegenden Wortlaut insoweit als geklärt angesehen werden, als sich aus diesem Punkt irgendwelche ernsthaften Komplikationen für die deutsche Außenpolitik kaum mehr ergeben könne. Die Hauptmächte, ein« schließ''^ Amerikas, sind bereits vor längerer Zeit über den Teil des Vertrages, der mit den erwähnten Bindungen Deutschlands gegenüber den Locarno-Mächten in Zusammenhang gebracht werden könnte, ausführlich unterrichtet worden.
Ohne auf die Einzelheiten des Vertrages schon heute einzugehen, sei vorläufig ganz allgemein nur so viel gesagt, daß das veröffentlichte Dokument einen allgemeinen Freundschaftsvertrag darstellt. Die beiden Staaten sichern sich gegenseitig N e u t r a l i - t ät bei jedem Angriff zu, der durch die Haltung des Angegriffenen sich als ungerecht- f trügt darstellt. Die gegenseitige Neutralität ist also begrenz t. Einmal muß der Angriff trotz friedlichen Verhaltens bet. Angegriffenen erfolgen, d. h. also unprovoziert fein, sodann wird aber in einer dem Text als Anlage beigefügten beutfdjen Note ausdrücklich auf die Bedeutung des Artikels 16 des Völkerbundsstatuts eingegangen Deutschland hat immer betont, daß es sich nicht für verpflichtet halte, an Strafaktionen, die sich aus jenem Artikel ergeben, teilzunehmen, wenn Beschlüsse des Völkerbundes vorliegen, denen es nicht seine Zustimmung geben konnte.
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Berlin, 26. Avril. Der zwischen Deutschland und Rußland in Berlin abgeschlossene, von Strcfemann und Krestinski unterzeichnete Vertrag enthält vier Artikel, die folgenden Wortlaut haben:
Artikel I.
Die Grundlage der Beziehungen zwischen Deutschland und der Union der Sozialistischen Sowietrevubliken bleibt der Vertrag von Ravallo.
Die deutsche Regierung und die Regierung der Union der Sozialistischen Sowietrevubliken werden in freundschaftlichen Beziebungen miteinander verbleiben, um über alle, ihre beiden Länder gemeinsam berührenden Fragen volitischer und wirtschaftlicher Art eine Verständigung herbei- zuführen.
Artikel II.
Sollte einer der vertragschließenden Teile trotz friedlichen Verhaltens von einer dritten Macht oder von mehreren dritten Mächten angegriffen werden, so wird der andere vertragsschließende Teil während der ganzen Dauer des Konfliktes Neutralität beobachten.
Artikel III.
Sollte aus Anlaß eines Konflfltes in Artikel 2 erwähnten Art oder auch zu einer Zeit, in der fich keiner der vertragschließenden Teile in kriegerische» Verwicklungen befindet, zwischen dritten Mächten eine Koalition zu dem Zwecke geschlofirn werden, gegen einen der vertragschließenden Teile innen wirtschaftlichen oder finanziellen Boykott zu verhängen, so wird fich der andere vertragschließende Tell einer solchen Koalition nicht anschließe«.
Artikel IV.
Dieser Vertrag soll ratifiziert «nd die
Ratifikationsurkunden in Berlin ausgetauscht werden.
Der Vertrag tritt mit dem Austausch der Ratifikationsurkunden in Kraft und gilt für die Dauer von fünf Sohren. Die beiden vertragschließenden Teile werden fich rechtzeitig vor Ablauf dieser Frist über die weitere Gestaltung ihrer volitischen Beziehungen verständigen.
§rr NetrnwMr! zwischen Krestinski und Stresemann ist dem Vertrage beigefügt, in dem beiderseitig betont wird, daß der Vertrag wesentlich zu der Erhaltung deS allgemeinen Friedens beitragen wird und daß die beiden Regierungen es für zweckmäßig halten, alsbald in Erörterungen über den Abschluß eines allgemeinen Vertrages zur friGlichen Lösung der zwischen den beiden Teilen etwa entstehenden Konflikte einzutreten, wobei insbe- sondere die Möglichkeiten des schiedsgerichtlichen Verfahrens und des Ver- gleichversahrens berücksichtigt werden sollen.
In der N o i e StrefemannS wird weiter erklärt, daß die beiden Regierungen auch die grundsätzlichen Fragen erörtert haben, die mit fxm Eintritt Deutschlands in den Völkerbund zusammenhängen. Tie deutsche Regierung sei überzeugt, daß die Zugehörigkeit Deutschlands zum Völkerbund kein Hindernis für die freundschaftliche Entwicklung der Beziehungen zwischen Deutschland und der Union der Sozialistischen Sowfetre- publiken bilden kann. Solltet!, was die deutsche Regierung nicht annimmt, im Rahmendes Völkerbundes irgendwann etwa Bestrebungen hervortreten, die, in Widerspruch mit seiner grundlegenden Friedensidee, e t n, c i't i g gegen die Union der Sozialistischen Sow- letrepubliken gerichtet wären, so würbe Deutschland derartigen Bestrebungen mit allem Nachdruck entgegentreten. Nach Artikel 16 »ind 17 der Bölkerbundssatzung käme ein Sanktronsverfahren gegen die Union , her Sowjetrepubliken, abgesehen von weiteren Voraussetzungen, nur dann in Betracht, wenn die Union der Sowjetrepubliken einen Angriffskrieg gegen einen dritten Staat eröffnet. Dabei ist zu berücksichtigen, daß die Frage, ob die Union der Sozialistischen Sowietre- publiken bei einem Konflikt mit einem dritten Staat der Angreifer ist, mit bindender Wirkung für Deutschland nur mit dessen e i - gener Zustimmung entschieden werden könnte und daß somft in dieser Hinsicht etwa von anderen Mächten gegen die Union der Sowjetrepubliken erhobene, nach deutscher Ansicht nicht berechtigte Beschuldigungen Deutschland nicht zwingen können, an irgendwelchen auf Grund des Artikels 16 eingeleiteten Maßnahmen teilzunehmen.
BMmng durch dm
Auswüriigtn Ausschuß
Berlin, 26. April. Der Auswärtige Ausschuß des Reichstages beschaftigle sich unter Vorsitz des Abg. Hergt (Dntl.) mit dem deutsch-russischen Vertrag, wobei der Reichsminister de» Aeußeren, Dr. Stressmann nach Bekanntgabe des Inhalts des Vertrages ausführliche Darlegungen machte. Hieran schloß sich eine längere Aussprache, an der sich die Abgeordneten Dr. Breitscheid l'Soz.f, Graf Reventlow (Dvlk.), Stoecker (Korn.), Löbe (Soz.), Dr. Hoetzsch, Dr. Scholz (D. Bpr.), Kaas (Ztr.), Dr. Haas (Demokr.), v. Freytag-Loringhoven (Dntl.), Dr. Bredt (58. Bgg.) und Dr. Emminger (B. Vpt.) beteiligten. Sämtliche Fraktionen sprachen sich über» »tnftimmenb für b ie Annahme des Vertrages au». Da auf der Tagesordnung noch andere BeratungSpunkte standen, die nicht erledigt werden konnten, wurde die Beratung auf Dienstag vertagt.
Das Scho in dkt M
ft Berlin, 27. April. Da die Ratisika« ttonsurkunoe pes deutsch-russischen Vertrages in Berlin ausgetauscht werben soll, wird, wie die Blätter bemerken, der Vertrag in der Geschichte unter dem Namen „Berliner Vertrag" fortlcben. Ob das Vertragsdo- kument, das gestern die einstimMtge Zustimmung des auswärttgen Ausschusses des Reichstages gefunden hat, dem Plenum des Reichstages zur Annahme vorgelegt wird, ist noch eine offene Frage. Bejahendenfalls wird das Reichsparlament eine Einheitsfront der Parteien zeigen, die bisher noch bei tetner Regierungsvorlage, auch in f.tner Z^fung, von der „Deutschen Zeitung" bis zur „Roten Fahne", zu Tage getreten ist, wenn auch die Deutsch- nationalen ihre Billigung mit der Einschränkung versehen, daß der Vertrag nicht ein Fest- Halten an der von ihnen bekämpften Locarno- und Völkerbundspolitik bedeute.
In der „K r e u 3 31 g.", die betont, daß der Vertrag in keiner Weise eine neue Lage schafft, heißt es: Wenn auch wir trotz mancher Bedenken der Grundtendenz und den Grund- zögen des Vertrages zustimmen, so geschieht dies aus der Erwägung heraus, daß der Vertrag wenigstens in gewisser Weise neben der rein westlichen Orientierung das Bestreben zeigt, sich wenigstens nicht von den West« machten als Sturmbö ck gegen Rußland verwenden zu lassen.
Die „Deutsche T a g e s z t g.", die gleichfalls betont, man müsse jeden Schritt begrüßen, der dazu dient, die deutsche Handlungsfreiheit nach Möglichkeit wiederherzuftellen, sagt: Noch ist freilich durch den Vertrag an der allgemeinen Richtung der deutschen Politik nichts geändert. Nicht einmal die Revision der Locarnopolitik steht in Aussicht, aber auch der Draht nach Rußland ist wieder intakt.
Auch der „L 0 k a I a n 3.“ bedauert es, daß in dem neuen Vertragswerk wieder jener deittsche Locarnismus zum Ausdruck kommt, und erklärt, daß man diesem ganz nützlichen und einwandfreien Vertrage gegenüber" doch kühl bis ans Herz hinan bleiben müsse.
Die „Deutsche A l l g e m. Z t g.“ schreibt: In dem Berliner Vertrag haben wir, wie das schon über den Vertrag von Rapallo gesagt wurde, einen großen wirklichen Friedensvertrag vor uns, dessen wesentlicher Bestandteil keine aggressive Spitze gegen irgend eine dritte Macht enthält. Daß der Vertrag vor dem deutschen Eintritt in den Völkerbund abgeschlossen worden ist, fällt dem Versagen anderer zur Last. Denn schon vor der Abreise der deutschen Vertreter nach Genf war auf beiden Seiten die grundsätzliche Bereitschaft zu einem Abkommen festgestellt.
Die „T ä g I. Rundscha u“ hebt hervor, daß der Zweck des Vertragsabschlusses fei, eine Brücke friedfertiger Entwicklung und ge- meinschaftlicher Zusammenarbeit zwischen dem Westen und dem Osten zu sein.
Die „Germania“ urteilt ähnlich: Deutschlands geographische Lage im Herzen Europas verpflichtet zu einer Politik des Ausgleiche» zwischen Ost und West. Diesen Ausgleich zu fördern ist Zweck und Ziel des Berliner Vertrages mit Sowjetrußland, ebenso wie es dis Bestimmung der Locarno-Abkommen gewesen ist und auch weiterhin fein soll.
Das „B erl. Tageblatt“ nennt den deutsch-russischen Vertrag eine selbstverständliche Ergänzung der Locarnoverträge und sagt: Wenn erst der Sckiedsvertrag mit Rußland, dessen Abschluß in dem Berliner Vertrag vor- gesehen ist, geschlossen sein wird, so wird damit ein Werk geschaffen sein, das Deutschland mit allen wesentlichen europäischen Staaten durch Frieden sichernde Abmachungen verbinden wird. Die deutsche Friedenspolitik hat bann einen urkundlichen Abschluß erhalten, auf den die Leitung der deutschen Außenpolitik mit Befriedigung blicken bann.
Die „5?off. Ztg.“ weist darauf hin. daß die Stelle der deutschen Note an Krestinski, die die Feststellung Rußlands als Angreifer bei einem bewaffneten Konflikt mit einem dritten Staate für Deutschland nur bindend macht, mit dessen eigener Zustimmung, wörtlich den Erklärungen entspricht, die die deutschen Un- terbänbler in Locarno den Vertretern der dort versammelten Mächten abgegeben haben.
Der „D 0 rwät s“ schließt feine Ausführungen mit folgenden Worten: ..Es ist ein ernstes Interesse ganz Europas, daß die Hindernisse, die dem Abschluß der Westverträge im Wege standen, jetzt schleunigst fortgeräumt werden. Dann erst wird das richtige Gleichgewicht der l Verträge hergefteüt fein und Deutschland wird seine Mission als friedlicher Mittler zwischen Ost und West erfüllen können."
Die „Rote F a h n e“, die auf einen redak- tionetlen Kommentar verzichtet, druckt die Erklärung der K. P. D. ab, die der Abgeordnete Stöcker gestern im Auswärttgen Ausschuß ab»