kemwienr, toi 24. April 1926
rte ^Odcrhesllsche Zeitung" er scheint sechsmal wichentlich. Ve- pigSprei« monatlich 2 GM. aus- schließl. ZusteOungSgebübr, durch dt«Post2.25 GM.Für etwa infolge Streiks. Maschinendefekte »der elementarer Ereignisse ausfallend« Nummern wird kein Ersatz geleistet. Verlag». Dr. §. Hitzervlb^ Druck der Unid.-Buchdruckcrei b. Job. Aug. Koch, Markt 21/23. Fernsprecher: Nr. 55. n. Nr. 666. Postscheckkonto: Amt Frankfurt o. M. Nr. 5015. — Sprechzeit der Redäktiva von 10—11 und
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Reue Kredite für Marokko
Paris, 23. Avril. Die Kammer bat beute friib die Aussprache über die auswärtigen An gelegenbeiten fortgesetzt. Nach längerer Diskussion über Marokko wurden die Kredite für Marokko angenommen. Eia sozialistischer Abgeordneter interpellierte die Negierung über den Verlauf der Verhandlungen in Marokko und gab der Vermutung Ausdruck, das; fie nicht dazu angetan seien, zu einem positiven Ergebnis zu führen. Dem widersvrach B r i a n d mit einer allgemeinen Erklärung, in der er die Aufrichtigkeit der Absichten Frankreichs beteuerte und zu versieben gab, daß Aussichten auf einen günstigen Abschluß der Verhandlungen durchaus beständen.
Primo de Rivera über die Ariedrusaus- sichten in Marokko.
Madrid, 23. April, lieber seinen letzten Eindruck von den Verhandlungen mit den Riskabylen erklärte Ministerpräsident Primode Rivera bei einem Empfang von Journalisten: die Verhandlungen von llbjia lassen keine große Hoffnung auf Erfolg auf’ kommen. Die Regierung ist fWoch tn die Verhandlungen eingetreten, um damit zu beweisen, daß Spanien keinen croberungslustigen und imperialistischen Plänen nachgeht. --
Jas WMllngskomprvmch
Versuche zur Beilegung der Krise
Berlin, 23. Avril. Die Verhandlungen der Vertreter der Negierung spart eien des Reichstages und der Vertreter der p r e ü tzischen Regierung beim Reichskanzler bezüglich der Fürstenabfindungvorlage bade«, wie aus parlamentarischen Kreisen verlautet, zu einer Einigung über die preußischen Forderungen geführt. E» soll nun mit den Deutsch nationalen und den Sozialdemokraten Fühlung genommen werden, und zwar soll diese Fühlungnahme noch nicht durch den Reichskanzler erfolgen, sondern durch Vertreter der Regierungsparteien. Zunächst findet eine Besprechung der sozialdemokratischen Mitglieder des Rechtsausschusses beim preußischen Ministerpräsidenten statt. Die Verhandlungen der Regierungsparteien mit den Deutschnationalen und den Sozialdemokraten werden im Laufe des Nachmittags erfolgen-
Kurze Sitzung des Rechtsausschusis.
Berlin, 28. Avril. Der Rechtsaus- Ichub des Reichstages trat heute unter dem stellvertretenden Vorsitz des Abg. Schulte- Vreslau (Ztr.) zu einer kurzen Sitzung zusammen. In eine sachliche Beratung des Fiirstenkomvromisies wurde nicht eingetreten, sondern der Vorsitzende machte den Vorschlag, daß sich der Ausschuß auf Sonnabend vormittag 10 Ilbr vertagen möge, damit Zunächst das Resultat der in der Schwebe befindlichen Verhandlungen abgewartet werden könne. Diesem Vorschläge stimmte der Ausschuß zu.
Die Sozialdemokraten lehne« ab.
Nach Schluß der kurzen Sitzung des Rcchts- ausschusies im Reichstage traten heute nachmittag die Vertreter der Regierungsparteien mit den Vertretern der Sozialdemokratie zu einer Besvrechung über das Komvromiß für die Fürstenabfindung zusammen. Auch Reichsjustizminister Dr. Marr wohnte den Verhandlun- sen bei. Als Vertreter der Sozialdemokratie waren die Abgeordneten Dr. Rosenfeld, Landsberg und Hoffmann-Kaiserslautern erschienen.
Die Besprechungen haben, obwohl am Vormittag zwischen dem Reichskanzler und dem p«eußischen Ministerpräsidenten eine Einigung *b«r die Gestaltung des Gesetzes erzielt zu sein scheint, zu keinen irgendwie verbindlichen Vereinbarungen geführt. Es handelte sich lediglich um ganz unver- dindliche Durchsprechung der Ange- “SenfieiL Soweit wir aus varlameutarischen Kreisen böreu, wird gleichwohl der Rechts- "usschaß am Sonnabend vormittag
sachliche Beratung des Gesetzes fort- «uhren, und zwar bei 8 3. Die durch die Ab« irhnung des § 2 entstandene Lücke auszufülleu, 'M erst der erforderlich gewordenen drittem
Das Rißkraatn gegen den Mkerbund
Ammer neue SHieds- und MerhsiSsverlrüge
ft Berlin, 24. April. „Tageblatt" und „Kreuzzeitung" melden, daß der Abschluß des deutsch-russischen Vertrages als unmittelbar bevor- stebend selten könne.
M einem ruWWcWen Miras
Moskau, 23. April. (TU.) Tfchtische- r i n erklärte dem italienischen Botschafter Gras M a n z o n i in einer Unterredung: Der deutsch-russische Vertrag stehe kurz vor der Unterzeichnung, da die Vertragspartner in den Hauptpunkten bereits einig seien. In der Unterredung wurde auch die Frage eines russisch-italienischen Vertrages berührt und beschlossen, die Vorarbeiten dazu baldigst aufzunehmen. Die Verhandlungen werden in Rom italienischerseits von Grandi, russifcherseits von dem russischen Botschafter in Rom geführt werden.
Lin ruh'WitouWr Vertrag
ff. London, 24. Avril Der Warschauer Korrespondent der „M o r n i n g v o st" will von zuverlässiger Seite erfahren haben, daß die Verhandlungen zwischen Rußland und Litauen über einen Vertrag nach dem Vorbilde des russisch-türkischen Vertrages so gut wie abgeschlossen seien. Dies würde.
..so führt der Korrespondent «us^ jeißrn» do».. J- Litauen sich endgültig von den anderen Grenz- ftaaten abgesondert hat und sich unter die Führung Rußlands stellt. ■'
Zu den Verhandlungen zwischen Grotzbritan- nien und der Türkei
ff. London, 24. Avril. aily Mail" zufolge enthält der von Angora vorgelegte
Gegenvorschlag das Verlangen nach einer größeren Abänderung der Moss ul grenze als in dem britischen Angebot vorgesehen ist. Die Türke- wolle aber Großbritannien die Ausbeutung der Petro- leumquellen überlassen.
Der dünlsch-polnifche Weösvertrag
ft. Kovenhagen, 24. Avril. Der Schiedsgerichts-Be r t rag zwischen Dänemark und Polen ist gestern unterzeichnet worden.
Französisch-spanische Paktoerhandlungen.
Madrid, 23. April. (TU.) Außenminister I a n g u a s gibt bekannt, daß gegenwärtig Verhandlungen über einen Freund- scha ftsvertrag mit Frankreich, ähnlich dem L o e a rn o p a k t, geführt würden.
Skt deutsche Nerlktiee für die öwdieitkommWon
ff. Berlin, 24. Avril. Wir W. T B. meldet, hat die Reichsregierung den deutschen Botschafter In Paris, v. Hoesch. rum Vertreter Deutschlands in der Kommission zu der Frage der Umgestaltung des Bölkcrbundsrats ersehen. Die Kommikfis« tritt am 10. Mai dixses ZMes in Genf zusammen.
Die schwedischen Vertreter für Gens.
ff. Stockholm, 24. Avril. Die schwedische Regierung bat den Staatssekretär S i ö b e rg und ihren Gesandten in Bern zu Vertreter Schwedens in der Völkerbundskommission zur Prüfung der Frage der Reorganisation des Völkerbundes ernannt
Lesung im Ausschuß vorbehalten bleiben. Die Sozialdemokraten haben sich in der heutigen Besprechun» vollständig freie Hand Vorbehalten und find auch der Mei-, nung. daß auch bei verschiedenen anderen Punkten der Vorlage, die Schwierigkeiten verursachen werden, sich solche Zufälle im Ausschuß wiederholen könnten, wie sie sich bei § 2 abgespielt haben. Die Besprechungen mit den Sozialdemokraten, die um 5 Uhr begonnen hatten, waren um %8 Uhr beendet.
AM AbMdemnOmlrSse
ff. Berlin, 24. April. Die Besprechungen zwischen Vertretern der Regierungsparteien, den Regiernngsvertretern und dem deutsch- nationalen Abgeordneten Grafen Merveldt zogen sich bis in die späten Abendstunden bin. Die Verhandlungen waren streng vertraulich. Sowohl durch die Demokraten wie auch durch die Deutschuatioualen find neue Abänderungsanträge zu dem Kompromiß vorbereitet. An der Besprechung mit den Sozialdemokraten und den Deutsch- nationalen nahmen außer dem Reichsjustizminister Marr der preußische Ministerpräsident und der preußische Finanzminister teil.
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Tie Vereinbarung mit der preußischen Regierung über da» Fürftenkompromitz.
fk .Berlin, 24. April, lieber die Vereinbarung, die gestern vormittag zwischen den Parteien des Kompromitzan« träges über die Fürstenabfindung und der preußischen Regierung erzielt worden ist, teilen die Blätter mit, daß die preußische Regierung ihr Verlangen nach einer Erweiterung der Rückwirkungen aufgege bett hat. Vorgesehen ist ein Rückkaufs recht, das sich die preußische Regierung auf verschiedene Schlösser und Herrschaften zu sichern beabsichtige. Diese Regelung hat in den Kreisen der Deutschen VolkSpartet Bedenken er» regt.
Zu erwähnen ist in diesem Zusammenhang eine Mitteilung der „Voss. Ztg.", daß die mit der preußischen Regierung Der*
einbarte Aenderung des Kompromitzenti wurfs in Form eines Antrages heute vorgelegt werden wird, der nur von den Demokraten und dem Zentrum unterzeichnet ist, wahrend es die Deutsche Volkspavtei abgelehnt hat, den Antrag mit zu unterschreiben; sie wird aber für den Antrag stimmen.
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Ile Abänderung des Mieter' schMMeS
Berlin, 23. April. Der Reichstagsausschuß für Wohnungswesen setzte die Beratungen über die Abänderung des Mieterschuhgesetzes beim § 4 fort, der die Aufhebung des Mretverhältnisses betrifft . Angenommen wurde ein Antrag, wonach bei gewerblichen Räumen eine Aufhebung des Mietsverhältnisses auf Antrag des Vermieters ermöglicht wird, wenn der Vermieter einen zu gSverblichen Zwecken vermieteten Raum für eigene gewerbliche Zwecke dringend braucht.
Der Ausschuß hat ferner entsprechend der Regierungsvorlage beschlossen, daß bei der Aufhebung eines auf Geschäftsräume bezüglichen Mietsverhältnisses dte Zwangsvollstreckung von der Sicherung eines Ersatz- raumes fortan regelmäßig nicht mehr abhängig gemacht werden soll. Für den Mieter derartiger Räume soll ein Ersatzraum im Urteil nur Vorbehalten werden, wenn der Mieter den Nachweis führt, daß durch eine ersatzraumlose Aufhebung des Mietsvettrags dringende öffentliche Interessen gefährdtt werden würden, z. B. daß die Entfernung des Mieters aus dem Mietsraum, ohne Bereitstellung anderer Räume, Schwierigkeiten bet der Versorgung der Bevölkerung mit lebenswichtigen Dingen, die Einstellung oder Beschränkung lebenswichtiger Arbeiten oder bergt, zur Folge haben könnte. Demnach beschloß der Ausschuß, entsprechend der Regierungsvorlage dem Ge- ttcht die Befugnis zuzusprechen, einen zur Herausgabe von Mietsräumen verurteilten Mieter eine beg Umständen nach angemessene Frist zur Räumung zu gewähren.
Bezüglich der Mittsverhältnisse über W o hn- ränme regelte der Ausschuß die Ersatzraum- fragc ebenfalls nach dem Rsgierunasvorschlag. ■
UoliMr AWbwnu
In dieser Woche feierte Generaloberst von Seeckt seinen sechzigsten Geburtstag. Das deutsche Volk hatte alle Ursache, an diesem 22. April in herzlichster Dankbarkeit dieses Mannes zu gedenken, dessen Verdienste um das Vaterland nicht hoch genug cingeschätzt werden können.
Das, was er im Weltkriege leistete, ist bekannt. Als Generalstabschef hatte er den größten Anteil an den Erfolgen nach der Morneschlacht bei Soissons. an den unvergleichlichen Siegesziigen Mackensens durch Galizien, an der Eroberung Serbiens. Aber feine besonderen. Fähigkeiten und Eigenschaften konnte er erst zeigen, als der We'-arieg zu Ende war und ihm die Aufgabe wurde, aus den Trümmern des zusammengebrochenen stolzen deutschen Heer-- eine neue, 'wenn auch kleine Armee zu bilden, die der Bersassung und dem Staat die Autorität und die Macht gab, deren sie bedurfte.
Generaloberst von Seeckt ist nicht nur ein tüchtiger Soldat, er ist auch Diplomat. Mit staatsmännischer Klugheit hat er die Truppe der politischen Zersetzung entzogen. Von rechts und links entstanden ihm scharfe Gegner. Durch Schmähungen und Verdächtigungen ging er einen geraden Weg. Er schwieg und handelte.
Dem Wunsch eines Hindenburg, daß es dem Generalobersten von Seeckt noch lange beschie- den sein möge, zum Segen unseres Vaterlandes seines verantivortliehen Dienstes z u walten und unsere junge Wehrmacht weiter allszubauen und zu stärken, wird sich da« deutsche ^olk in seiner Gesamtheit anschließen können.
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Man wird sich in Deutschland darauf vor- berqiten müssen, daß in allernächster Zeit gegen die deutsche Außenpolitik, insonderlich gegen den kommenden deutsch-ruflischen Neu- tralitäts- und Freundschaftsvertrag Sturm gelaufen wird.
Die ersten Wetterzeichen des drohenden Un» gewittere sind bereits aus der Richtung Prag und Marsckan erfolgt. London und Paris hoben sich bisher noch ruhig verhalten. Und doch kann es für den, der die englische und französische Presse in den letzten Tagen aufmerksam verfolgt hat, keinem Zweifel unterliegen, daß trotz aller offiziösen Schönredereien die Kabinette in London und Paris in erster Linie diese deutstk-russischen Verhandlungen als störend empfinden.
Eine unmittelbare Auswirkung dieser Verstimmung waren zweifellos schon die Erklärungen, die der englische Staatssekretär des Aenßern, Herr Auster Chamberlain am Mittwoch im Unterhaus abgegeben hat. Zwar erklärte Chamberlain auf eine Anfrage, daß England keinen Grund sehe, Einwendungen gegen den geplanten deutsch-russischen Vertrag zu erheben, wenn dieser Vertrag nach der deutschen Zusicherung nichts enthalte, was mit dem Loearnopakt öder den Völkerbundsbestimmungen in Widerspruch stünde.
Chamberlain hat aber auf eine weitere Anfrage, „ob die Regierung in Anbetracht der Tatsache, daß die Botschafterkonferenz gegenüber dem Völkerbundsrat festgestellt habe, daß Deutschland seine Entwaffnungsoerpflichtungen erfüllt hat, nunmehr den alliierten Mächten die Abkürzung ber Besatzungsfristen im Rheinland Vorschlägen werde", eine Antwort erteilt, die in Deutschland starkes Befremden Hervorrufen mutz.
Mit dieser Antwort hat Chamberlain bewiesen, datz er als verantwortlicher britischer Außenminister nicht identisch ist mit dem redenden englischen Völkerbundsdelegierten. Er erklärte — und hier zeigen sich die ersten Wirkungen der auf Ententeseite eingeleiteten diplomatischen Aktion —, datz Deutschlands Entwaffnung nock nicht den Grad erreicht habe, der im Sinne des Fragestellers die Abkürzung der Besetzungsfristen im Rheinland möglich erscheinen ließe.
Herr Chamberlain mutzte aber eine Frage beantworten, ob nämlich die Möglichkeit besteht, daß ein Teil des Landes eines vollberechtigten Völkerbundsmitgliedes durch Truppen anderer Völkerbundsmitglieder besetzt bleibe. Chamberlain lehnte eine Antwort ab — für uns aber ist dieses Schweigen vielsagende Antwort!
Doch noch mehr: Chamberlain wurde am Mittwoch gefragt, ob die in der Erklärung von 1919 niedergelegten Grundsätze zur Durchführung gebracht würden, sobald die in der Erklärung erwähnten Bedingungen zur Zufrie- denheit der dtttischen Regierung erfüllt seien und ob die britische Regierung sich noch an die 1919 abgegebene Erklärung halte. Chamberlain erwiderte kurz und hart: „Es handelt sich um eine Erklärung der damals bestehenden