Einzelbild herunterladen
 

MnerSlag, W izAvrll 1926

me ^vdrrheMsch« Zeitung" et- ygtfci s«ch«nal wöchentlich. Br- ^prei« monatlich 2 GM. au<- Meßt. Zustcllungegebühr, durch tzj«Post2.25 GM.gür etwa infolge Streik«. Maschinen defekte oder tltsctitatet Ereignisse auffallende Kummern wird kein Ersatz ge- jeiftet. Verlag b. Dr. §.. Hitzeroth, jnuf der Univ.-Buchdruckerei b.

Slug- Koch« Markt 21/28, Fernsprecher: Nr. 55. u. Nr. 666. Postscheckkonto: Amt Frankfurt gx. Nr. 5015. Sprechzeit

Mt Redaktion von 1011 «mb

*1,11 Ubr.

Äberheffische

«oMeet dl 4|^ Misch«

!WW*t // I I II Illi MtM

Nr. 88 61. Sabre. Marburg a. Lahn

Der Anzeigenpreis beträgt ftzk, den 10 gespalt. Zeilenmillimeter 0.08 GM., kleine Baranzeigen 0.06 amtliche und aus­wärtig« Anzeigen 0.10 GM. Bei schwierigem Satz sowie bei Platz- Vorschrift 50«/, Aufschlag. Sauunelanzeigen 100 Auf» schlag. Reklamen der Millim.

0,40 GM. Jeder Rabatt gilt al» Barrabatt. Ziel 5 Tage. Belege werden berechnet, ebenso Auskunft durch die Geschäftsstelle und Zusendung der Angebote. Er­füllungsort Marburg.

1 Goldmark */«,,Dollar.

MeigerjüridasMstr KurhessMe)Gberhessen/s Amtliches VerKünöiMigsbMsürd-KreistRüebWz

Sir Sänwfc in Mna

Paris, 14. Avril. Nach einer Meldung 6etChicago Tribüne" aus Peking bat der Menminifter des früheren Kabinetts, S u - f geito. die Leitung der von der Kuornin- tschunvartei eingesetzten Regierung Lbernom- fflCH und den Senior des diplomatischen Korps daoon in Kenntnis gesetzt, das, er mit drei Kollegen und drei der noch tätigen Minister di« Geschäfte führen werde. Die ausländischen Kertreter hätten bei ihren Regierungen tele­graphisch um Berhaltungs mahregeln ersucht. gtt übrigen sei gestern den ganzen Tag über : der Tungscho-Front gekämpft vvrdeu. Nach Berichten aus Tientsin bereite Litschingliug eine gewaltige Offen, sive gegen die Kuomintschuntrup- gtn bei Bergtei vor.

SkrmM in Prag

Prag, 14. April. Nachdem der polnische «ahenminister Skrzynski gestern in Prag eingetroffen ist, wurde er beute in Tana vom Präsidenten der tschechoslowakischen Republik Rasaryk empfangen. Nach dem Emp­fang fand ein Essen statt, an dem viele bervor- tegcnbc Persönlichkeiten teilnahmen. Die Warschauer Plätter, die der Reise des Auhen- «inisters heute lange Leitartikel widmen, sehen die Aufgabe Skrzynskis darin, einen engen Bund »wischen den slawischen Staat en Polen, Tschechoslowakei und Jugo- stawien herbeizuführen. Leute morgen wur­den die Ratifikationsurkunden des fSchiedsgerichtsvertrags zwischen den Heiden Ländern sowie die Ratifikationsurkun- ten des sogen. Liquidationsoertrags ansgetaus' t, der alle Rechts- und Finanz- frageu regelt, die aus der Teilung des Teschener Gebiets (Schlesien) sowie der Ee- tiete von Arwa und Zips in der Slowakei entstanden sind.

Skrzynski wird fi* von Prag nach Wien be­geben, wo ein polnisch-österreichischer Schiedsvertrag unterzeichnet werden ettb.

Paul Boncour in Berlin.

fk. Berlin, 15. April. Der französische Delegierte beim Völkerbund Paul Boucour ist gestern Abend aus Danzig kommend in Betlin eingetroffen.

DerDaily Telegraph" über den Locarnopakt. ^London, 14. April, lieber der lieber« schuftLocarnopakt oder Völker- bundssatzung" veröffentlicht derDaily Telegraph" einen Artikel seines diploma- tischen Berichterstatters, in dem es u. a. heißt, es fei noch nicht endgültig geregelt worden, ob die Delegierten für die Völkerbundsstudien- hommiffion Kabinettsminister, Botschafter «der Rechtssachverständige sein werden. Die Aussichren für eine allgemeine Vereinbarung über das schwierige Problem der Ratssttze wür­den jedoch für so gering angesehen, daß der Bedanke der Ernennung von Rechts- lachver ständigen Anklang finde, da, Venn sie eine Einigung nicht erzielen köun- ten, die Folgen weniger ernst fein würden. Dem Korrespondenten zufolge scheinen britische Kreise bestürzt darüber, daß

Paul Boncour Polen in seiner Warschauer Rede versicherte, Frankreich sei zur Unter­stützung des polnischen Anspruchs auf einen Sitz im Völkerbundsrat entschlossen.

Aoch mehr habe die in gewissen diplomatischen Kr"is._n in Paris erörterte Anregung über» die von der Voraussetzung ausgeht, daß °uch im September eine Einigung "in Genf jW erfolgt und deshalb vorschlägt, die von «m Vertrag von Locarno in seiner gegen­wärtigen Form der Völkerbundsverfammlung und dem Völkerbundsrat erteilten Befugnisse '«iebsrirhterlicbcr Natur in Konflikten zwi- Wn den Locarnomächten außerhalb des Völ- «erbundsrats einer anderen schiedsrichterlichen Körperschaft entweder einem neuen Hcm- A Gerichtshof, oder einem Tribunal, in dem ;®e Unterzeichner des Paktes vertreten und "irechtigt fein würben, ihre Stimme abzu- Men. zu übertragen, denn solche Körverschaf- seien im Gegensatz zum Dölkerbundsrat in Lage, strittige Fragen durch Mehrheit zu - ^'tickeiden. DerKorrespondent" erklärt, ein

und Rußland

Englische MünblunMN

Unsere kürzlichen Andeutungen über den weiteren Ausbau der von Locarno einge­schlagenen politischen Linie der deutschen Auszenpolitik werden jetzt in sensationeller Weise von derTimes" positiv umschrieben in einem in großer Aufmachung veröffent­lichten Artikel, der die Ueberschrift trägt: Deutschland und die Sowjetre» gierun g.

Das Londoner Blatt teilt darin mit. daß die deutsche Regierung mit der Sowjetregie- rung verhandelt, um einen Vertrag abzu- schließen, der dazu bestimmt sei, die Be- fcingungen des zwischen beiden Regierungen in Rapallo im Jahre 1922 abgeschlossenen Vertrages der durch den Locarno-Vertrag geschaffenen Lage anzupassen.

Daß zwischen Deutschland und Rußland schon feit längerer Zeit Verhandlungen schwe­ben, ist nichts neues. Sie wurden notwendig durch die von der Sowjetregierung geäußerten Vedenken. daß Deutschland durch den Ab­schluß des Westpakte3 sich in der Gestaltung seiner außenpolltischcn Beziehungen völlig auf die Seite der We st machte schla­gen wolle.

Die eingehende Aussprache, die seinerzeit zwischen Tschitscherin, dem Reichskanzler und dem Reichsauhenminister stattfand, hat schließ­lich Herrn Tschitscherin davon überzeugt, daß von deutscher Seite keinerlei Vereinbarungen eingegangen wurden, die die gemeinfa- famen deu k s ch - rus s i schen 3 n t e r - essen irgendwie tangieren. Seit dieser Zeit ist Deutschland mit Sowjetrußland in stän­diger Fühlung geblieben.

Wenn dieTimes" jetzt aus dieser ganz selbstverständlichen Tatsache eine große Sen- saiton macht, so geschieht es offenbar in der Absicht, die Aufmerksamkeit von den po­litischen Vorgängen in Warschau und Prag, auf die wir gestern hingewiesen haben, abzu­lenken. Daß Deutschland mit seinen Ver­handlungen keinerlei Hintergedanken ver­knüpft, geht am besten aus der Tatsache her­vor, daß die Westmächte in ganz loyaler Weise über den Charakter der noch schweben­den Verhandlungen informiert worden sind.

eine MM erttätung

TU. Berlin. 14. Avril. Zu den Meldun­gen in der englischen Presie über den Abschlub eines Rückv er sich erungsv er trage» zwischen Deutschland und Sowjet» Rutzland wird von Berliner zuständiger Stelle ausdrücklich erklärt, daß von einem sol»

solcher Vorschlag dürfte in englischen Kreisen keinen Anklang finden, da ein Mehrheitsbe­schluß in der Entscheidung über Krieg und Frieden als unerträgliche Verletzung der natio­nalen Souveränität angesehen würde. Es werde au» darauf hingewiesen, daß dies Ver­fahren ebenso eine Verletzung der Volker- bundssatzung darstellen würde.

Der Berichterstatter fährt fort: Von vielleicht noch größerer Bedeutugn ist die von Boncour in War'^cm offen geäußerte Ansicht, daß die Oststaaten, denen die Locarnoverträge nicht dieselben Garantien bieten könnten wie den Westmächten, sich durch neue Verträge oder durch den Ausbau der bestehenden sichern sollten. Die meisten heute zwischen diesen Staaten bestehenden Pakte enthielten nur eine Garantie gegen einen Angriff von selten Ruß­lands. Der neue Gedanke wäre, die Verpflich­tung gegenseitiger Unterstützung ebenso auf einen deutschen wie auf einen russischen An­griff anwendbar zu macken. Dies sei, wie es heißt, obgleich eine Bestätigung bisher fehlt, die Hauptänderung, die vor kurzem in das volnifck-rumäniscke Bündnis eingefügt wurde. Fn London werde die Veröffentlichung des Vertragswortlautes mit größtem Fnteresie er­wartet. Es bleibe noch abzuwarten, ob die neue Regierung des Generals Averescu das ratifizieren werde, was ihte Vorgängerin vnter--ichnet habe.

Krassin erkrankt.

fk. P a r i s. 15. Avril. Wie dasI o u r - n a l" berichtet, hat sich der Sowjetbotschafter Krassin in einem Krankenhaus in Nizza einet Transfusion unterziehen müssen. Die Operation soll gut verlaufen sein.

chen Vertrag gegenwärtig keine Rede sein kann. Dagegen find schon seit geraumer Zeit zwischen der deutschen und der russischen Re­gierung Verhandlungen im Gange über eine Präzisierung fres gegen­wärtigen Berbältnilses iw Hinblick aus den Locarno-Pakt. Von deutscher Seite ist wiederholt betont worden, dah der Vertrag von Locarno keine Veränderungen gegenüber den Beziebungen Deutschlands zu Ruhland und keine Umstellung der politischen Orientierung bedeutet. Der Vertrag von Lo­carno wird von Deutschland in keiner Weise als eine Aktion gegen den Osten aufgefaht. Auch'die Fortsetzung der Verhandlungen mit den Westmächten habe eine neue Nuanzierung des Verbältnifics zu Sowjet-Ruhland notwendig gemacht. Hebet all diese Besprechungen mit Rubland werden jedoch die W e st m ä ch t e von der deutschen Regierung kor Häufend informiert. Ob und wann die Besprechungen mit der Sowjet-Regierung eine konkretere Form fin­den und zur schriftlichen Punktation führen werden, steht noch dahin.

Oeuvre" zu dem Gerücht über einen deutsch- russischen Vertrag.

fk. Paris, 15. April.Oeuvre" schreibt zu dem Gerücht, daß zwischen Berlin und Moskau Verhandlungen wegen Abschluß eines Ver­trages ftattfinben sollen: Der erste Rapal­lovertrag mußte Europa in Erregung ver­setzen. Er wurde zwischen zwei Ländern ab- geschlosien, die nicht dem Völkerbund angehör­ten. Inzwischen hat eine Veröffentlichung uns unr schlecht beruhigt, denn dieser deutsch-rus­sische Allianzvertrag konnte Eeheimklaufeln, die für den Westen Europas gefährlich waren, enthalten.

Ein zweiter Vertrag könne, wenn er abge­schlossen würde, derartiges nicht enthalten, denn Deutschland ist verpflichtet, hinsichtlich des Vertrags von Locarno in den Völkerbund einzutreten, und hat jeden Vertrag beim Völ­kerbund zu registrieren. Dieser könne nur genehmigt werden, wenn er nicht gegen die friedlichen Bestimmungen des Bölkerbunds- statuts verstoße.

Mjchjcbimg der AbrMungS- lonferenz

L o n d o n, 14. April.Morning Post" mel­det, die endgültige Weigerung Sowiet- ruhlands, an der Abrüstungskonfe­renz teilzunebmen, werde vielleicht dazu füh­ren, dah die ganze Frage der Abrüstung zu Lande vorläufig verschoben wird. ,,Daily Herald" hält es für fast sicher, dah die Abrüstungskonferenz verschoben wird. Die französische Regierung werde einen dahingehenden Vorschlag machen. Dieser Entschluh sei auf Grund von Boncours War­schauer Besprechungen mit Vertretern der pol­nischen und rumänischen Regierung zustande gekommen.

Vertagung der Konferenz der kleine« Entente.

fk. Bukarest, 15. April. Der rumänische Auhenminister bat angekündigt, dah die für Mai geplante Konferenz der »einen Ententi auf Juni vertagt werden würde.

Bon den Kundgebungen der Pariser kommunistischen Beamten.

fk. Paris, 15. Avril. Zm Verlause der gestrigen Kundgebungen der Beamtest kom­munistischer Richtung wurden im ganzen 423 Verhaftungen vorgenommen, von denen jedoch nur drei aufrecht erhalten wurden. 12 Po­lizeibeamten sind bei den Zusammenstöhen ver­letzt worden, darunter 6 ziemlich schwer.

ein gereifter Amerikaner

Keine Reparationen, gemeinsamer Wiederaufbau.

Am 20. Dezember 1920 schrieb Pom« care imTemps":In der Tat, wenn eS nicht die Zentralmächte gewesen sind, die den Krieg verursacht haben, warum soll­ten dann gerade sie verurteilt sein, den Schaden zu bezahlen? Aus einer geteil­ten Verantwortlichkeit folgt notwendig und gerechterweise auch eine Austeilung der Kosten."

Heute, nach mehreren Jahren, greift der amerikanische Soziologe und Historiker Prof. Harry Elmer Barnes diesen Gedanken Poincarös erneut auf, aber unter ganz an­deren Voraussetzungen, als Poincare im Dezember 1920. In seinem in diesen Wochen in Newhork erscheinenden Buch: The Genesis os the World War" die Schlußfolgerungen dieses in Amerika mit Spannung erwarteten Werkes finden sich im Apri'lheftDie Kriegsschuldfrage" kommt Professor Harry Elmer Barnes auf Grund langjähriger Studien der Kriegs» schuldfrage zu folgendem Ergebnis:

Wenn wir die Reihenfolge der Schul­der verschiedenen Länder abschätzen, so kön­nen wir mit Sicherheit sagen, daß die einzige direkte und unmittelbare Verant­wortung für den Weltkrieg auf Frank­reich und Rußland fällt mit der schuld zu etwa gleichen Teilen. Dann würde Oesterreich kommen, obwohl es niemals einen allgemeinen europäischen Krieg Wünschte. Zum Schluß würden wir Eng­land und Deutschland gemeinschaftlich den letzten Platz zuerkennen, da beide in der Krise von 1914 gegen den Krieg waren. Vielleicht war das deutsche Publikum mili­tärischen Unternehmungen etwas mehr geneigt als das englische Volk, aber der Kaiser machte viel stärkere und entschlosse­nere Anstrengungen, den Frieden Europas im Jahre 1914 zu wahren, als Sir Edward Grey."

Professor Barnes begnügt sich aber nicht, wie die meisten Historiker, mit dieser pla­tonischen Feststellung, daß das Versailler Urteil über Deutschland in der Kriegs­schuldfrage ungerecht ist, sondern er for­dert auch die sich aus diesem revisioni* stischen Urteil ergebenden Konsequenzen.

Das ganze logische und juristische Fun^ dament des Gedankens von deutschen Re-, parationen, soweit es sich von der Jahr­tausende alten Politik der besiegten Völ­kern auferlegten Srrafkontributionen unter­scheidet, ist die Annahme der vollkomme­nen und einzigen Verantwortung Deutsch­lands für den Ursprung des Weltkrieges und das Elend, Leiden und die wirtschaft­lichen Verluste, die er mit sich bracht«. Diese Annahme ist voll in den auf Repa­rationen bezüglichen Verordnungen des Versailler Vertrages verkörpert, und selbst Poincare war einmal unvorsichtig genug, zuzugeben, daß der Beweis geteilter Verantwortung für den Ausbruch des großen Kampfes das Verschwinden der deutschen Reparationen mit sich brächte. Der Dawes-Plan und alle laufenden ame­rikanischen und europäischen Uebereinkom» men zu seiner Durchführung, obwohl un­endlich besser als die Poincars-Politik, sind mit Bemühungen zu vergleichen, die Geldstrafe eines Mannes zu verringern, der allen als unschuldig bekannt ist.

Was wir tun müssen, ist, uns eine groß­zügige, aufbauende und weitsichtige Po-, link zu eigen zu machen. Nachdem die Schuld für den Weltkrieg verteilt ist, sollten die Ausgaben für die Schadloshaltung der Leidenden ebenso verteilt werden. Die Vereinigten Staaten sollten ihre unzwei­felhafte finanzielle Macht benutzen, Frank­reich und England (letzteres würde Den Vorschlag wahrscheinlich mit Freuden be­grüßen) zu veranlassen, jeden Gedanken irgendwelcher Reparationen von Deutsch­land fallen zu lassen und das Programm anzunehmen, mit Deutschland auf Gegen­seitigkeit die Bürde des Wiederaufbaues «nb der Wiedergutmachung zu tragen."

Diese Feststellung von Professor Harry Elmer Barnes ist außerordentlich beachtens­wert, weil Barnes in seiner Auffassung, daß die Schuld am Weltkriege sich auf die verschiedenen Nationen verteilt, nicht allein steht, sondern namhafte amerikanische Historiker zu ähnlichem Urteil gelangt sind.

Flugreug-Abstur,

ff. Paris, 15. Avril. Nach einer Haoas- meldung aus Tara ist ein französisches Mili­tärflugzeug in der Nähe von R o ch e s abge- ftürit. Die beiden Flieger wurden getötet.