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1 Goldmark V«,iD»llar.

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Ser Sieger Briand

Wie wir bereits am Donnerstag meldeten, hat die französische Kammer die Steuergesetze Perets angenommen, und der Senat wird sie gleichfalls annehmen. Das Kabinett Briand hat damit einen wesentlich äußeren Erfolg er­rungen, und die Gefahr einer Kabinettskrise ist vorerst gebannt. Nachdem die Sozialisten und die Aadikalsozialisten beschlossen hatten, im ungünstigsten Falle Stimmenthaltung zu üben, waren Schwierigkeiten nicht mehr zu erwar­ten. Man ist in Paris des Treibens müde. Der Gegenstand neuer Steuern ist für ein Parlament schon sowie so ein höchst uner­quicklicher, denn der Parlamentarier soll dem Urwähler andere Ostereier in den Schoß legen als gerade Steuern.

Und dann vor allem der Druck des Fran­kensturzes erscheint so ungeheuerlich, daß et­was geschehen mutzte. Zwar haben, wie in der Inflationszeit bei uns, auch viele Kreise in Frankreich dabei gute Tage, und die Ge­fahren der Deflation und Stabilisierung drohen, aber etwas mutzte geschehen, und so beugte sich das Parlament demSieger" Briand, obwohl die Gefolgschaft sachlich kei­neswegs mit der Regierung einig ist. Datz auch dieser Ausgleich nur ein Scheinsieg ist, dürfte sich bald zeigen.

Beendigung der Steuerberatungen im Finanz­ausschuß des Senats.

Paris, 3. April der Finanzausschutz des Senats hat heute abend die Beratung der von der Kammer angenommenen Steuergesetze be­endet und sie unter gewissen Abänderungen und Rückstellungen einstimmig angenommen. Zu erwähnen ist, daß die Erhöhung der Um- saklleuer in der von der Kammer angenom­menen Fassung angenommen wurde. ~ Da- aegen die Bestimmung einer Einführung des Monopols auf Zucker und-Petroleum zurück- gestellt wurde. Es soll ein Sonderausschuß eingesetzt werden, der sich mit dieser Frage eingehend beschäftigen wird.

Briands Sieg in der Pariser Presse.

Paris, 2. April. Die Pariser Presse be­spricht nur in spärlichen Kommentaren das Abstimmungsergebnis in der Kammer . Die rechtsstehendeLiberte" sagt, für die Haltung eines Teiles der Rechten sei der Umstand maß­gebend gewesen, daß man im Falle einer Oppo­sition eine Katastrophe nicht entgangen wäre. Ferner sei die gemäßigte Rechte durch die Ausführungen des Finanzministers beeinflußt worden, der sich von seher wegen seines maß­vollen Auftretens ihrer Sympathie erfreut habe. DerTemps" stellt fest, daß trotz der Stimm­enthaltung der Sozialisten die Regierung ge­stürzt worden wäre, wenn nicht die gemäßigt rechtsstehenden Republikaner aus patriotischen Gründen es über sich gebracht hätten, für sie zu stimmen.

Brotpreiserhöhung in Frankreich.

Paris, 2. April. Der Brotpreis, der ab 6. April auf 1,85 pro Kilo festgesetzt worden ist, erfährt ab 11. April eine weitere Erhöhung von 5 Centimes pro Kilo.

Demonstrationsstreik der Gewerkschaften.

Paris, 1. April. (WTD.) Die Gewerk­schaften kommunistischer Richtung betreiben ftit einiger Zeit eine Propaganda zu Gunsten der Einführung einer beweglichen Lohnskala. Um dieser Agitation einen sichtbaren Aus­druck zu geben, wurde beschlossen, heute einen Demostrationsstreik zu veranstalten, der in den meisten Pariser Automobilfabriken sowie namentlich in der Umgegend von Ver­sailles in die Erscheinung getreten ist. Die Streikenden haben Versammlungen veranstal­tet. in deren Verlauf sie ihre Forderungen formulierten. Der Streik ist ohne Zwischenfall verlaufen.

Erhöhung der französischen Zollsätze.

Paris, 3. April. Gegen Schluß der De­batte über die Erhöhung der Zollsätze bean­tragte der Sozialist Cayrem, den Gesetzent- luurf an die Kommission zurückzuverweisen. Handelsminister Daniel Vincent erklärte, die Erhöhungen für notwendig, um die Han­delsverträge mit Deutschland zu eienm guten Ende zu fuhren. Die Regierung müsse eine starke, widerstandsfähige Stellung und ein Austauschmittel haben. Der Antrag auf Rück­verweisung wurde darauf mit 390 gegen 187 Stimmen abgelehnt. Ein sozialistischer Abän­derungsanträg, vo nder Erhöhung Getreide, Zucker und Kaffee auszunehmen, wurde an­genommen, ebenfo ein sozialistisch-republika­nischer Antrag,' von der Erhöhung die deut­schen Sachlieferungen für die befreiten Ge­biete auszunehmen. Schließlich wurde der ge­samte Gesetzentwurf betreffend die 30prozen- tige Erhöhung der Zollsätze mit 311 gegen 31 Stimmen angenommen.

M AbriistlmgsfrM vor dm Werdaus

Das englische Unterhaus beriet auf Grund einer Anfrage des Abg. Ponsobh (Ar­beiterpartei) die Tlbrüstungsfrage. Geschickt wie immer. Ponsobh meinte, Deutschland müsse die gleichen Rechte haben, wie die anderen Staaten, sobald es Vundesmitglied ssi, also mühten Deutschland und die anderen Staaten auch gleiche Rüstung haben. Wenn aus den neuen Genfer Verhandlungen nichts herauskomme, müsse England Deutsch­land verteidigen. Ponsobh stellte hierauf noch eine Anzahl Anfragen über die Teil­nahme der russischen Regierung an der Abrüstungskonferenz und über die An­weisungen für Lord Eecil sowie über die Versorgung der chinesischen Par­teien mit Waffen durch westeuropäische Mächte, wobei er erwähnte, dah kürzlich 200 nagelneue französische Flugzeuge an die feindlichen Part eien Chi­nas geliefert worden seien.

Der Unterstaatssekretär im Ministerium des Aeuhern, Locker-Lampson, erwiderte darauf unter anderm:

Es ist der britischen Regierung Ernst mit der Abrüstungsfrage. Ich bebaute, dah Ruhland nicht vertreten sein wird. E s wird keine internationale Ab­rüst ungskonfernz vom Völker­bund einberufen. bevor die Grundlage einer solchen Konfe­renz vereinbart ist. Die Weisungen für Lord Cecil sind noch nicht aufgestält. Der Dämon des internationalen Mihtrauens muh gebannt werden. Lord Cecil wird sicher nach Genf gehen, um einen endgültigen Plan für die Abrüstung anzuregen. Grohbri- tannien hat mit den Vereinigten Staaten 'die Initiative für die Abrüstung zur See ergriffen. Es ist sehr viel angemessener, wenn irgendeine große Militärmacht in Genf die Initiative für die Abrüstung z u Lande ergreift. Die englische Marine ist auf Grund des Washingtoner Vertrags be­trächtlich vermindert worden. Es muh auch berücksichtigt werden, dah Grohbritannien sehr ausgedehnte verletzliche Handelswege zu

beschützen hat. Der Unterstaatssekretär wies weiter darauf hin, dah England in der Frage der Landstreitkräfte in einer ganz an­dern Lage sei als die andern Länder, und hob hervor, dah der Umfang des Heeres andrer Lander nicht beeinflußt werde. Die Regie­rung wünsche dringend, bei einem allgemeinen Plan der Verminderung mitzuwirken. Die Luftfahrtfrage, so erklärte der Unter- staatssekretär weiter, sei ebenfalls sehr schwierig:

Es ist nahezu unmöglich, der zivilen Sufb fahrt den militärischen Wert zu nehmen. Rach dem Krieg wurden die britischen Luftstreit­kräfte nahezu auf Rull vermindert. Man müsse die Erwartungen nicht zu hoch schrauben, aber es ist zu erwarten, dah der vorbereitende Ausschuß ein greifbares Er­gebnis erzielen und auf dem langen und schwierigen Weg des Weltfriedens einen neuen Meilenstein erreichen wird.

3n der anschließenden Aussprache sagte Rennie Smith, (Arbeiterpartei), eine einseitige Abrüstung in Europa sei unmöglich; D e u t sch l a n d w e r d e auf die Dauer nicht damit einver­standen sein, die einzige un­gerüstete Ration zu bleiben.

Der Liberale Kenworthy erklärte, es müsse auf der Abrüstungskonferenz Frei­mut und völlige Offenheit herr­schen. Es dürfe keine neue Genfer Konferenz mit Intrigen upd Gruppenbildungen hinter den Kulissen geben. Großbritannien sollte sich zu großen Opfern bereit zeigen und ge­willt fein, den Verzicht auf das Vlockaderecht in die Wagschale zu werfen.

Amerika nimmt an der neuen Konferenz in Genf nicht teil.

fk. Washington. 3. April. Präsident Coolidge hat sich gegen eine Teilnahme Amerikas an der neuen Konferenz in Gens ausgesprochen und hat die Einladung des Bölkerbundes abgelehnt.

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Annaberg, 1. April. Anläßlich einer Bismarck feier sprach Reichsauhenminlster Dr. Stresemann am Geburtstage des Reichsgründers in Ann aber g. In seinen Ausführungen, die im Schlußteil die heutige politische Lage streiften, betonte er, daß die Konstellation, vor der Deutschland heute stände, mit keiner Lage zu vergleichen wäre, die von Bismarck gemeistert wurde, und daß Bismarck über dielenigen lächeln würde, die da glauben, aus seinen Reden und Handlungen Rezepte für die heutige Sage formen zu können. Die Kritik der heutigen Politik habe ihre tiefste Ursache in dem großen Gegensatz der Empfindung, mit welcher der Deutsche der gewaltigen geschicht­lichen Gröhe seines Vaterlandes gedenkt und der Unfreiheit und politisch geringen Bewe- Bgsmöglichkeit, zu der wir heute verurteilt

Mr müßten uns langsam unsere Groß­machtstellung wieder erringen. Das Fehlen feglicher Machtmittel bedinge, abgesehen von der friedlichen Einstellung Deutschlands, des­sen stolzeste Zeit diejenige sei, in der Bismarck Europas Frieden erhielt, die Abwendung nur politischer Methoden und eine neue Einstellung im Verhältnis der Mächte.

Zwei Gesichtspunkte beherrschen die gegen» wärtige Lage. Der eine ist die Friedenssehn­sucht der Völker, die erkannt haben, daß der Weltkrieg selbst für die Siegerstaaten kein dauerndes Glück schuf, die Weltwirtschaft aber aus ihren fisten Regeln in ein Chaos geworfen hat, und daraus ergibt sich die zweite Aufgabe für die Gegenwart, nämlich die aus den Fugen geratene Weltwirtschaft wieder einzurenken, eine Aufgabe, die ohne Deutschlands Mitwirkung nicht zu lösen ist.

Auf diesem Boden ergibt sich für Deutsch­land die Notwendigkeit zu internatlonaler Zu­sammenarbeit auf der Grundlage einer Ver­ständigung unter gleichberechtigten Ländern. Diefi Politik führt uns von London über Lo­carno nach Genf. Die Vertrauenskrise der letzten Völkerbundstagung ist noch nicht über­wunden . Ob wir den Weg nach Genf zurück-! finden können, hängt davon ab, ob diejenigen, die das Friedenswerk von Locarno mit dem Gedanken des Völkerbundes verbanden, den Weg für Deutschland freizumachen verstehen, den Deutschland gehen kann.

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Berlin, 1 April. Rach den Di enerten wird, wir dieS. 3. berichtet, eine diplo- «atische Fnhlnnguabme stättfinden, um feftjn-

stellen, auf welcher Basis die Berhandlungen der Studienkommission des Völkerbundes statt- finden sollen. Es wird abgewartet werden, welche Vertreter die anderen Mächte in die Kommission entsenden wollen. Erst dann wird sich Deutschland entschließen, wer mit unserer Vertretung beauftragt wird.

Leistungen an den Reparationsagenten.

Berlin,!. April. Die Bank für deutsche Jndustrieobligationen bat heute für 62 ¥2 Mil­lionen Goldmark gemäß den Bestimmungen des Industriebelastungsgesetzes auf das Reichsbank­konto des Generalagenten für die Reparations­zahlungen für Rechnung des Treuhänders ,ür deutsche Industrie - Obligationen überwiesen. Dieser-Betrag stellt die erste Hälfte der für das zweite Reparationsjahr vorgesehenen Jahres­zinsleistung von 2.V1- Prozent auf die Fünf- Milliarden-Belastung der deutschen Industrie dar, die dem Treuhänder seinerzeit in Form von Jnduftriebonds und veräußerlichen Obli­gationen übergeben worden ist. Mit dieser Zahlung find trotz der schwierige« Sage der deutschen Wirtschaft die zum 1. April 1926 aus der Jndnstriebelastung fich ergebenden Ver­pflichtungen frist- und ordnungsgemäß erfüllt worden.

Die deutsch-französischen Handelsvertrags- Verhandlungen.

Paris, 1. April. Die deutsche und die sranzöfische Wirtschastsdelegation veröffent­lichen folgende Erklärung: Die Präsidenten der beiden Delegationen, die mit der Fortfüh­rung der Handelsvertragsverhandlungen zwi­schen Deutschland und Frankreich beauftragt find, haben fich über den Tert des Entwurfs eines Zusatzabkommens zu dem Abkommen vom 12. Februar 1926 (das die Einfuhr französischen Frischgemüses nach Dentschland betrifft) oe- einigt und beschlossen, ihn beschleunigt ihren Regierungen zur Annahme vorzulegen. Der Inhalt der Abmachungen wird erst nach An­nahme durch die Regierungen bekannt gegeben werden.

Paris, 3. April. Der deutsche Botschafter v. H 0 esch hatte heute eine längere Unter­redung mit dem französischen Ministerpräsiden­ten Briand. Die Unterredung bezofi sich auf die politische Gefamtlage und der Beratung der Deutschland gegenwärtig besonders inter­essierenden Fragen, wie z. B. dem Stand der Luftschisfahrtsverhandlungen und die franzö­sisch-deutschen Wirtschaftsbeziehungen.

Deutscher Wille

Eine Osterdetrachtung.

Bon Bernhard Rausch.

Zeitlos wandeln i/ dem uferlosen Meer der Ewigkeit die Welten ihre Bahnen. Nur der vergängliche, an Raum und Zeit gebundene Mensch setzt dem ewigen Kreisen im Kosmos Anfang und Ende. Ihm schwindet und er­scheint die lebenspendende Sonne, und wie er sich aus Abend und Morgen den Tag schafft, so aus Werden und Vergehen, Blühen und Welken die Zeiten des Jahres.

Früh schon waren dem Menschen die Tage heilig, an denen die Sonne am höchsten und tiefsten stand, wovon auf germanischem Boden Johcmnisfeuer und Iulfeuer künden. Die hoffnungsvolle Zeit der ersten Tag- und Nacht- gleiche aber, von der an der Sonnenball grö­ßere Kreise über den blühenden Fluren zu ziehen beginnt, wurde durch das heidnische Ostarasest gefeiert. Diese naturwüchsige Freude über das immer neue Wunder der Schöpfungskraft hat das Christentum tief und sinnvoll in feinem Osterfest mit dem Aufer­stehungsglauben verbunden, und auch die christlichen Osterkerzen leuchten den Sieg des Lichtes und der Lebenshoffnung.

Auferstehung! Auch im Leben der Völker gibt es ein Auf und Nieder, Werden und Vergehen, gibt es Winterstürme und Frühlingswehen, Zeiten des Verfalls und Ostertage des Wiederauferstehens. Die segen­spendende Ofterfonne im Völkerleben aber ist der Wille zum Leben,

Es ist etwas Geheimnisvolles um die poli­tische Wiltensbildung eines Volkes. Bloßes Wünschen ist noch kein Wollen, sondern nu- Phantasie. Erst oann darf man vom Willen sprechen, wenn der Weg zur Verwirklichung der Wunschvorstellungen beschritten ist. W e indessen die Entstehung eines Einzelwillens mit dunklen Stimmungen, tastenden Erwa- gangen, sich kreuzenden «Wünschen und Ge­danken beginnt, so auch bei der Entstehung einer politischen Willensbewegung als Grup- penerscheinung. Der Gesamtwille eines Vol­kes vermag sich erst in einer bestimmten Zeit he r auszubilden, in der Gedanken, miteinander streiten, Irrwege verlassen werden, bis das entscheidende Wort fällt und ein Wille empor- springt, der alles andere in seinen Bann zwingt. Ein Volk ist seinem innersten Wesen nach psychologisch ebenso dunkel wie der ein« zelne Mensch und bei seinen Entschlüssen wie düster Schwankungen und Irrtümern unter- warfen. Meist ist es ein überragender Füh­rer, der seinem Volk Weg und Ziel weift und dessen Willensbildung entscheidend be­einflußt, wie Bismarcks Wille der deutsche Wille des 19. Jahrhunderts wurde.

Wohl dem Volk, dem zu gegebener Zeit solch ein Führer erwächst! Das Furchtbarste aber ist, wenn ein Volk nicht nur führerlos wird, son­dern über Haupt jeden Willen verliert Das baden wir in der Zeit des Zusammenbruchs noch dem Weltkrieg schaudernd erlebt. Der Kriegsausgang mit dem Versailler Diktat und seinen Auswirkungen war letzten Endes nichts anderes als die Folge der deutschen Wil­lenslähmung.

Das deutsche Volk hat im Weltkriege ge­leistet und ausgehalten, was kein Volk der Welt Hütte leisten und aushalten können. Als die deutschen Heere auf französischem Boden standen, hatten die Franzosen Nervenkrisen durchzumachen, wie wir sie nicht kannten. Nur mit drakonischen Mitteln konnte dort zeitweise die Disziplin bei meuternden Trup­pen wiederhergestellt werden. Aber Frank­reich floß ein immerwährender Kräftestrom an Menschen und Material aus der ganzen Welt zu, während wir auf uns allein angewiesen waren.

Das Würgen der Blockade und das immer stärker werdende Hämmern todbringender Ma­schinen führten endlich zur Erschöpfung. Zu dem Druck von außen kam der Druck von innen. Durch den Hatz, der unserem Volke aus der ganzen Welt entgegenschlug, wurde es unsicher. Es begann an sich zu zweifeln und verlor sein Ziel aus den Augen. Und nun kam das Verhängnis: der Wille zur Selbsterhaltung hörte auf! Völlig passiv starrte der deutsche Blick in Fassungs­losigkeit und Betäubung ins Leere. Unser Volk wurde plötzlich von einer gräßlichen gei­stigen Verwirrung ersaßt. Die es nun führ­ten, glaubten durch Passivität, Schwäche und Willenlosigkeit moralische Eroberungen in der Welt machen zu können. Alles das, was frü­her unseres Volkes Stolz und Stärke gewesen war, erschien ihnen als Irrtum. Weil die Feinde ein kraftvolles, selbstbewußtes Deutsch­land gefürchtet und deshalb geschmäht hatten, wurde von den tonangebenden Weltverbrüde- rtm und revolutionären Konjunkturpolitiker« bei uns alles, was Nationalstolz, deutsche Würde und Wille zur Selbstbehauptung war, mit Füßen getreten.

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