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Marburger Zagesanzeiger

dauernde Zusammenarbeit mit Oesterreich. Bundeskanzler Ramek dankte und trank aus eine glückliche und friedliche Zukunft der tschechoslowakischen Republik.

Verschlimmerung des Gesundheitszustandes der Königin von Schweden.

fk. Stockholm, 31. März. Der Gesund­heitszustand der Königin Viktoria von Schwe­den hat sich während des Aufenthalts in Anacapri verschlimmert. Die Königin leidet an einem Bronchialkatarrh bei zeitweise ge­schwächter Herztätigkeit.

Kamdertatn -um Einspruch I Mussolinis Bün-nispolilit gescheitert?

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Nr. 77 kl. Mrg. Marburg n. Lohn

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1 Goldmark = >/«,,Dollar.

AuS der nämlichen Wurzel des Preußen­tums wuchs endlich der klare Tatfachensinn Bismarcks. Er war von gewaltiger Energie und einem im Lande der „Denker und Träu­mer" unerhörten politischen Realismus. Seine Handlungen waren nie romantisch und ideologisch, sondern stets preußisch und realistisch und deshalb, obwohl auf festen Vrundanschauungen ruhend, so gänzlich un­doktrinär. DaS Grundthema der Politik des Altreichskanzlers war die Sorge um bas Reich, seine Sicherung nach außen und seine Festigung im Innern. Diesem Ziel ordnete sich alles andere unter. So floh bei chm der Gedanke der konstitutionellen Monarchie nicht aus einer abstrakten Doktrin, sondern aus der Lleberzeugung, daß sie für das neue Deutschland am zweckmäßigsten wäre zur Ord­nung im Innern und Machtentfaltung nach außen. „Ich gehe", sagte Bismarck 1878, mit dem, der mit den Staats- und Landes­interessen nach meiner Heberzeugung geht: die Fraktion, der er angehört, ist mir voll­ständig gleichgültig." Auch das allgemeine Wahlrecht war ihm in erster Linie ein „Hebel für die nationale Einigung". Das Parlament aber durfte nie mehr als ein Kontroll­organ sein. Ausschließliche Parlamentsherr» fcbaft verwarf er, wieder nicht aus Doktri­narismus. sondern im Staatsinteresse. Er unterschied zwischen Etaatsgesinnung und Fraktionsgeist, und in seinen „Gedanken und Erinnerungen" findet sich der bezeichnende SÄ: »Dir politischen Parteien lind der

London, 30. März. Der diplomatische Korrespondent des „Daily Telegraph" behaup­tet, in der Lage zu sein, weitere Einzelheiten über die Gründe anzugeben, die zum Zusam­menbruch der Bestrebungen Italiens geführt haben, mit Jugoslawien eine Militär-Allianz abzuschlietzen.

Danach hätte Briand unter allen Um­ständen darauf bestanden, daß ein italie­nisch-jugoslawisches Abkommen durch den Beitritt Frankreichs er- w e i t e r t w e rd e. Diese Bedingung habe Mussolini als unannehmbar bezeichnet.

Infolgedessen habe Nintschitsch in Rom klargemacht, datz Jugoslawien unter keinen Umständen über einen bloßen Gegensettig- keitsvertrag hinausgehen könne. Es habe sich mit dem Abschluß eines Schiedsgerichtsver- trages nach dem Beispiele der Loearno- Verträge einverstanden erklärt und in Poris hätten die türkensreundlichen Elemente ihren ganzen Einfluß ausgeboten, um Rint- schitfch zu überreden, sich nicht an einem italie­nisch-griechischen «ertrage zu beteiligen, der gegen die Türkei gerichtet wäre. Auch in Paris sei Nintschitsch außerordentlich vorsichtig gewesen.

Das Ergebnis sei nun, daß Jugosla­wien weder gegenüber Frank­reich noch gegenüber Italien irgendwelche Verpflichtungen übernommen habe.

Die gegenseitigen Bemühungen von Frankreich und Italien, die Geschicke Rumäniens mit diesen Bereinbarungen zu verketten, seien ebenfalls gescheitert.

ter dem wahren Wert der enteigneten Güter so weit zurück, daß alle von der Liquidation de- trofsenen Personen genötigt waren, eine Klage auf Zusatzentschädigung vor dem gemischten Schiedsgerichtshof einzubringen. Die auf diese Weise gegen die polnische Regie­rung eingeklagte Summe beläust sich auf ins­gesamt 300 Millionen Goldmark. Das Schiedsgericht hat bereits ein Beweis­urteil erlassen, aus dem hervorgeht, daß es die polnischen Schätzungsmethoden nicht für zulässig hält, und mit der Zu- billigung von Entschädigungen zu rechnen ist. Die deutsche Regierung hofft, datz sich die pol­nische Regierung nunmehr entschlietzen wird, aus eine völlige Aushebung der Liqui­dationen einzugehen und damtt eine Quelle dauernder Schwierigkeiten und Verstimmung zwischen den beiden Staaten zu beseitigen.

Rillionenunterschlagung in einer polnischen Militärwerkstatt.

ff Krakau, 31. März. Nach polnischen Blättermeldungen wurde in der Militärauto­werkstatt in Jaroslaw eine sich auf drei Jahre erstreckende Unterschlagung aufgedrckt. Der Chef der Werkstatt, ein Major, sowie ein Ober- . leutnant wurden verhaftet. Nach den bisheri-- gen Ermittlungen soll es sich um über 25 Millionen Zloty handeln.

Sie Snindanschauungrn Bismarcks

Don Dr. Paul Eichberger.

Bismarck war bei seiner bekannten Ab­neigung gegen alles Doktrinäre und Starre in der Politik doch nichts weniger als ein grundsatzloser Opportunist. Seine Staats- kunst, so geschmeidig sie war, bewegte sich auf dem Boden fester Anschauungen von Staat und Gesellschaft. Diese haben sich natürlich erst im Laufe individueller Ent­wicklungsperioden, in denen Bismarck unter persönlichen und zeitgeschichtlichen Bedingt- Hellen zum Staatsmann reifte, zu der Klar­heit und Gefchlossenhett herausgebildet, in der sie uns in den Aeden, den Tischgesprächen und namentlich den „Gedanken und Erinne­rungen' entgegentreten. Immerhin ist auch der Altreichskanzler nur im Zusammenhang mit den Entwicklungsjahren seiner Äugend zu verstehen, denn schon in den 40er Jahren treffen wir bei ihm jene Grundausfassungen an, die für den späteren Politiker typisch sind: Preußentum, Königstreue, ari­stokratisches Standesgefühl und politischer Realismus.

Bismarck fühlte sich Zeit seines Lebens als ein guter Preuße. Er lebte in den Tradi­tionen des alten Preußentums, und die Förderung von Preußens Macht, Größe und Wohlstand lag ihm stets in erster Linie am Herzen.

I In engem Zusammenhang mit diesem tief I verwurzelten Preußentum stand Bismarcks Doyalismus. Än kaum einem Staatsmann des 19. Jahrhundert waren die „angeborenen

I preußisch "monarchischen Gefühle" so verkörpert wie in dem Schöpfer des Reichs, der sich

I selbst auf seinem Grabstein als treuen Diener Wilhelms 1. bezeichnet hat. Er hat von Be­ginn seiner politischen Laufbahn bis zuletzt für ein starkes preußisches Königtum gewirkt, I und wenn sich die mächtige Gestalt bei feier­lichen Anlässen im Galarock der Kürassiere

I tief auf die Hand feines alten kaiserlichen Herrn hinabbeugte, so war das nicht Pose, sondern der natürliche, ritterliche Ausdruck

I eines echt empfundenen Basallentums.

Innerlich mit diesem Vasallentum ver- I bunden war in Bismarcks Wesen ein aus- I geprägtes, selbstherrliches Aristokratentum.

Obwohl in späteren Jahren das Landjunker-, hafte von ihm abfiel, hatte er, wie Erich I Marcks in seinem Werk über Bismarck sagt, das „Gefühl von einem anders gearteten, unabgeschliffenen, selbstherrlichen Individua­lismus, von der im Boden wurzelnden, ganz I auf sich selber gegründeten, frei und breit ausladenden aristokratischen Persönlichkeit." I Richts ist für den Edelmann in Bismarck wie I für sein Genie kennzeichnender als die spöt­tische Mißachtung der Leute vom grünen Tisch, die auf ihn immer den „Eindruck von I Zopf und Perücke" machten. In der inneren I Abneigung gegen „die Juristen und Schrei­ber" ist Bismarck sich stets gleich geblieben, von der Zeit, wo et als junger, ständisch- I konservativer Abgeordneter über die „von dem

Krebs republikanisch-heidnischer Bildung an- I gefressene Bürokratie" in seinen Briesen vom I Ledet zog, bis zu feinen „Gedanken und Er- I innenxngen“.

Ramek über die Anschlutzfrage.

Mailand, 30. März. Der österreichische Bundeskanzler Dr. Ramek hat ^Berliner I Korrespondenten tta li enis ch er'-Blatter ein I Interview gewährt und betont, die oster- I reichische Regierung sei sich wohl bewußt,

datz die politische Bereinigung Oesterreichs mit Deutschland erst möglich werde, wenn der Bölkerbundsrat einstimmig seine Erlaubnis dazu erteile. Solange nur ein Staat int Bölkerbundsrat gegen den An- fchlutz Stellung nehme, werde er unmog- w lich sein.

Die Haltung der österreichischen Regierung zur Anschlutzfrage sei vollständig korrekt und in Uebereinfhmmung mit den Friedens­verträgen, deren Bedingungen sie nicht zu verletzen beabsichtige, ebensowenig wie sie den europäischen Frieden bedrohen wolle, wie oft behauptet werde. Er glaube daher nicht, daß die Anschlutzfrage der italienischen Regierung Grund zu Vorwürfen bieten könne. Er hofw, datz die Erörterungen über Tirol nicht zweck­los gewesen seien für die gegenseitigen Be­ziehungen. Oesterreich sei bereit, lull allen Staaten Schiedsgerichtsvertrage abzuschlietzen, wolle aber keine besonderen politischen Ver­pflichtungen eingehen. Ueber die Bildung eines mitteleuropäischen Loearno habe er noch keine ernsten Vorschläge erhalten und be­schäftige sich daher nicht mit dieser Frage.

Die tschechoslowakische Presse feiert den Bundeskanzler in überaus herz­lichem Tone, weil sie den Prager Besuch Dr. Rameks als eine offizielle Bestätigung da­für ansieht, daß das österreichische Kabinett keine autzenpolitischen Schritte zur Herbeifüh­rung des Anschlusses unternehmen werde, des­sen dauerndeBerhinderung das wich­tigste Postulat der tschechoslowakischen Außen­politik sei. Heute abend findet im Spanischen Saal des Hradschin ein Empfang zu Ehren der österreichischen Gäste statt. Die sudel en- deutschen Parlamentarier haben beschlos­sen, diesem Empfang nicht beizuwohnen.

Bundeskanzler Ramek reift noch in der heu­tigen Nacht nach Wien weiter.

Ramrt in Mag

Prag. 30. Mürz. (TU.) Bei dem heute abend zu Ehren des österreichischen Bundes­kanzlers Dr. Ramek auf der Prager Burg ver­anstalteten Festessen , toastete . Auhenminister Dr Bene sch auf eine freundschaftliche und

EMMungsvMik in Mn

Berlin, 30. März. (WTB.) Bei den d e u t s ch - p o l n i f ch e n L i q u i d a 11 o n s - Verhandlung en war das Ziel der deut­schen Regierung, zu einer Vereinbarung zu ge­langen, wonach die polnische Regierung gegen eine entsprechende deutsche Gegenleistung auf die Fortsetzung der Liquidation des noch vorhandenen deutschen Eigentums m Po­len verzichtete. Demgegenüber hatte die polnische Regierung erklärt, daß sie ,ich .nur auf Verhandlungen über basjemge Eigentum einlassen könnte, das noch nicht von der Llgm- dation ergriffen sei. Sie l ehnte "daher a b über eine Einstellung der bereits tm Gange befindlichen Liquidationen zu verhan­deln und stellte neue Listen über das fteizu- qebenbe Eigentum in Aussicht. Letztere sind am 4 März übergeben worben. Hiernach verblei- ben nach Ausschaltung derjenigen Objekte, die nach deutscher Auffassung überhaupt Nicht li- quidierdar sind, nur zwei Rittergüter und etwa 1500 Hektar an kleinem ländlichen Grundbesitz, außerdem nur wemge städtische Grundstücke sowie kleinere gewerbliche Unter­nehmungen.

Dieser Rest ist so gering, datz seine Frei­gabe eine deutsche Gegenleistung n i ch t recht­fertigen und weder in wirtschaftlicher noch in politischer Beziehung die Wirkungen der bisherigen Entdeutschungspolitik abschwächen könnte. Die deutsch« Delegation hat daher er­klärt, datz sie aus das polnisch« Angebot nicht eingehen könne; sie hat mtt aller Deutlich- kett den ursprünglichen Antrag auf voll- stündige Einstellung der Liquidationen wiederholt. Sie hat dabei auch daraus hin­gewiesen, datz das von Polen bei den • Liqui­dationen beobachtete Verfahren mtt den Be­stimmungen des Berfailler Vertrags nicht in Einklang steht. Namentlich bleiben die bisher j als Liquidationserlös gezahlten Summen hüi-

Wer Kat nun Schuld?

kst. London, 31. März. „Dail« News" ^richtet, Chamberlain habe gestern vor E* Parlamentsausschub für Bölkerbunds- togea Telegramme vorgelesen, die er teils dein, teils gemeinsam mit Briand während w letzten Senser Konferenz an Brasilien tatte und in denen dringend um 3«rück- «ebang des Bekos gegen die Aufnahme rentjchlands in den Völkerbund ersucht wurde. f Chamberlain erklärte ans verschiedene An- fwsen, hinter Brasilien habe weder Italien imch Frankreich gestanden und nichts deute hnaui hin, dah der Vatikan oder Spanien die Opposition Brasiliens verursacht habe. Seiner ßuficht nach sei der einzige Grund für die Sal- tzmg Brasiliens die öffentliche Meinung in Hejem Land und das Serannahen der dortigen : Priifidentschaftswahlen.

t 41, Milliarden Defizit im 11 frmröMen Staatshaushalt

| Paris, 30. März. (WTB.) Die Kammer S tat in ihrer Dienstag-Nachmittagsitzung die Be- | fcedjung der Steuergesetze begonnen.

Zunächst empfahl der Eeneralberichterstatter I des Finanzausschusses, der der Fraktion Lou- ! tat angehörende Abgeordnete de Chappe- 1 ■ Heia ine, die gestern vom Ausschuß ange- I R swmnenen Kompromitzentwürfe zur Annahme. I k Hierauf ergriff Finanzminister Perst das | Sott, um den Gesetzentwurf zu verteidigen. U lar, Defizit belaufe sich auf 4409 Mil­lionen; aber man habe noch 2460 Millionen neue Einnahmen zu schaffen. Die geforderten Eteuermatznahmen stellten das Minimum des- len dar, was man fordern müsse.

| Eine neue Verzögerung könne nur eine t Krise herausbeschwören, für die keine Re­gierung die Verantwortung übernehmen könne.

Die Erhöhung der U m s a tz st e u e r werde die Kaufleute und die Industriellen am wenigsten belasten. Der Finanzminister besprach sodann die verschiedenen Gegenvorschläge, wie sie im Finanzausschuß gemacht worden waren, und die er ablehnen müsse. Er richtete zum Schluß einen warmen Appell an die Kammer, die Regierung dieses Mal nicht zu enttäuschen. Die meisten Redner verzichteten hieraus in der Generaldiskussion auf das Wort. Hier­auf wurde der Uebergang zur Besprechung der einzelnen Steuern beschlossen. Zuerst wurde über die Kopf st euer gesprochen.

In diesem Augenblick zogen die beiden am Sonntag im zweiten Pariser Wahlbezirk gewählten kommunistischen Abgeordneten ein.

Sie wurden mit außerordentlich starkem Beifall seitens der Kommunisten begrützt, was eine Gegenkundgebung fettens der Rechten auslöste. Es wurde g e p f i f f e n, und als der Lärm immer größere Dimensionen annahm, erhoben sich die Kommunisten und itimnrten r die Internationale an. Kammerpräsi­dent Herriot hob die Sitzung auf. Nach etwa 15 Minuten wurde sie wieder eröffnet.

Die Handelsvertragsverhandlungen.

Berlin, 39. März. Die Verhandlungen wischen der deutschen und der schwedischen Delegation über den Abschluß eines Han­dels- und Schiffahrtsvertrages, die bis heute in Berlin stattgesunden haben, wer­den über Ostern ausgesetzt werden. In der bisherigen Aussprache sind von beiden Seiten die grundlegenden Fragen des Handelsver­trags zur Sprache gebracht und die einzelnen Materien erörtert worden. Die Fortsetzung der Verhandlungen ist für Mitte April in Aussicht genommen. Die Schweden waren beute Gast des Reichswirtschastsministers Dr. Eurtius. An einem Frühstück nahmen teil: Der schwedische Gesandte, Minister Th. Wir- len, der Vorsitzende der schwedischen Delega­tion, Finanzminister a. D- Bennerften so­wie die Mitglieder der schwedischen und der deutschen Delegation. Die schwedisch« Delega­tion kehrt heute abend nach Stockholm zurück.

Das neue rumänische Kabinett.

B n k a r e st, 30. März. Das neue Kabinett bat heute mittag den Eid geleistet. Minister- vräfident ist Avurescu, Minister des Aeutzern Mitilenen.

Riltwoch, w 31. März 1926

L. <rwerh«ssisch- Sdtung" er- sechsmal wöchentlich. Be- monatlich 2 SM. aus- Zustellung-gebühr, durch S®9(12.25 GM.Für etwa infolge Waschinendefekte oder I tCLntatet Ereignisse au-fallende ^yeroern wird kein Ersatz ge- - Verlag v- Dr. §. Hiherotb. LLj der Unid.-Buchdruckerei d. „ c Au«. Koch, Markt 21/23. | ?e«sprcch-r: Rr. 55. u. Rr. 666. ^checkkonto: Amt Frankfurt Rr. 5015. — Sprechzeit ■ L Redaktion von 10—11 und : >1,1—1 Ubr.

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