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RVMW, toi 1. März 1926

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rraurririrm im RM

Berlin. 28. Febr. Der Volkstrauertag wurde in Gross-Berlin mit 7 Trauerfeiern zum Gedächtnis der Gefallenen des Weltkrie­ges begangen. Der Feier im Reichstage wohnte das Reichskabinett fast vollzählig bei, ferner Delegierte der verschiedenen Kirchen­gemeinden und konfessionellen Organisa­tionen.

Die Gedenkrede hielt der Präsident des Lolksbundes. Pfarrer Stens. Er begrüßte den Reichspräsidenten von Hindenburg und erinnerte daran, dass der Todestag des verstorbenen Reichspräsidenten Ebert sich beute zum ersten Male jährt. Dann führte er u. a. aus: Besser als schwächliche Sentimen­talität ist wahre echte Trauer. Aber auch mutiges Vorwärtsschreiten. Unsere Gefallenen geben uns durch ihren Tod eine Macht, die wir nützen, aber auch vergeuden können. Die Millionen Gräber in aller Welt sind Zeugen für alle Welt dafür, was das deutsche Volk geleistet bat. Ein Volk, das solche Söhne bat, hat ein Recht an sich zu glauben. Wir haben den Volkstrauertag nicht in den Herbst, das Symbol der Vergänglichkeit gelegt, sondern in die Zeit des Frühlingsahnens und der Ostergewissheit, denn das ist die letzte Mah­nung der Gefallenen durch Läuterung und Selbstbesinnung vorwärts zu schreiten.

Umrahmt wurde hie. Gedenkrede von Dar­bietungen eines Bläserbundes und eines Männergesangvereins. die den erhebenden Eindruck der Fefer erhöhten. Den Vortrag des Trauermarsches über das LiedIch hott' einer Kameraden" hörte die Trauergemeinde in stillem Gedenken an die Toten des Weltkrie­ges stehend an.

Drauerfeier der Reichswehr.

Gestern vormittag fand in der Garnison- krrche in Berlin ein Trauergottesdienst für die Gefallenen des Weltkrieges statt, ttn dem Reichswehrminister Gehler, Gene­raloberst v. Seekt, Admiral Zenker, der Kommandant von Berlin, Generalmajor Severing mit ihren Stäben teilnahmen. Der Wehrfreisparrer I r m e r er­mahnte die Reichswehr, den Geist der Ge­fallenen in sich zu tragen und sein Hüter yi fein.

Tie Heldruehrung in Köln.

Köln, 28. Febr. Heute begab sich Oberbürgermeister Dr. Adenauer in Be­gleitung des Beigeordneten-Kollegiums nach Melaten und legte dort auf dem Ehren­friedhof zum Gedächtnis der Gefallenen Kränze nieder. Eine eindrucksvolle Ge­dächtnisfeier fand mittags im Gürzenich statt. Die öffentlichen und privaten Ge­bäude hatten die Flaggen auf Halbmast ge­setzt.

Würdiger Verlauf der Feier in Hamburg. , Hamburg, 28. Febr. Wegen des heu­tigen Volkstrauertages sind auf den öffent­lichen und privaten Gebäuden sowie auf den Schiffen die Flaggen Halbmast gehißt. Sieben den vom Volksbund der deutschen Kriegergräberfürsorge vorgesehenen Veran­staltungen hielten auch eine große Anzahl anderer Vereinigungen Gedächtnisfeiern ab. Am Vormittag fanden feierliche Gottes-- dienste in allen Kirchen statt. Um die Mit­tagszeit ließen die Glocken sämtlicher Kir­chen ihre eherne Stimme erschallen. Auf dem LhlSdorfer Friedhof, der von vielen Tausenden besucht war, fand ebenfalls eine ivürdige Gedächtnisfeier statt.

Ter Bsttstrauertag in Bayer«.

München, 28. Febr. Da die Gefal­lenenehrung jeweils am 2. November vor­genommen wird, beschränkte sich Bayern heute am Reichstrauertag darauf, die öffentlichen Gebäude zu beflaggen. Ir­gendwelche amtlichen Veranstaltungen oder Trauerkundgebungen von Organisationen und Verbänden sanden nicht statt.

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. Sir Kämpfe in Marokko

Paris, 27. Febr. (WTB.) Wie dieChi- tago Tribüne" aus Gibraltar meldet, soll die dauernde Beschießung von Te- tuen durch Abd°el-Krim große Ver­luste an Menschenleben- verursachen. Hunderte von Personen hätten Tetuan ver­lassen und sich nach Ceuta geflüchtet.

Zur Lage in China.

Paris, 27. Febr. Wie die Agentur Indo- Pacific berichtet, ist der gesamte Eisenbahnver- «br auf allen grossen Strecken unterbrochen. Tie Linie PekingTientsin allein hält die Perbindung aufrecht. Die aus Europa kom­mende Post wird auf dem Seeweg befördert.

Die englische Messe gegen Chamberlain Bor einer neuen Erklärung Im Mechaus

ff. London, 1. März.Time s berich tet, dass Chamberlain Ende der Woche nach Genf abfährt und dass er vor der Abreise noch eine Erklärung im Unterhaus über den Vorschlag der Erweiterung des Völker­bundsrats abgeben wird. Eine Anzahl von Fragen werden heute im Parlament gestellt werden und um 4 Ubr wird Chamberlain eine Ansprache halten. Am Mittwoch wird die Frage wiederum vom Kabinett erörtert werden und es wird erwartet, dass am Nach­mittag Baldwin eine ErNärung abgeben wird. Aus dieser Antwort wird sich wahr­scheinlich ergeben, ob am Donnerstag im Unterhaus eine Debatte stattfinden wird oder nicht.

Zu den Gerüchten über einen Rücktritt Chamberlains.

London, 27. Febr. Die in London um laufenden Gerüchte von einer bevorstehenden Demission Chamberlains werden von den zu­ständigen Stellen als völlig haltlos bezeichnet. Wie der Vertreter der Telegravben-Union je­doch von gut unterrichteter privater Seite hört, wird die Frage des Rücktritts des englischen Aussenministers sehr ernstlich erwogen. Er selbst soll zum Rücktritt bereit sein. DerM a n - chester Guardian" erklärt, dass Chamber­lain sein Verbleiben im Amt von der Ein­setzung seines Versprechens, die polnische Kan­didatur zu unterstützen, abhängig macht. Cham­berlains Verbleib im Amt wird hauptsächlich unter dem Gesichtspunkt der künftigen Gestal­tung der englisch-französischen Beziehungen be­urteilt werden müssen. Ein Rücktritt des eng­lischen Aussenministers vor der Vollversamm­lung erscheint im Augenblick undenkbar. Dass Chamberlains Stellung erschüttert ist, ist ein offenes Geheimnis «ud der eigentliche Grund der Gerüchte.

Zur Erweiterung des Bölkerbundsrates.

Die Frage der Vermehrung der ständigen Sitze int Dölkerbundsrat nimmt in der eng­lischen Presse weiterhin den ersten Platz ein. Die Blätter sprechen von einer Krisis.

Der politische Berichterstatter desOh­le r D e r schreibt: Es ist für das Kabinett Baldwin der ernsteste Augenblick seit sei­nem Bestehen. Zwischen Chamberlain und der Mehrheit des Kabinetts besteht eine mo­ralische Krisis, die fast einer praktischen Krisis gleichkommt. Der Minister­präsident und Chamberlain stimmen in dieser Frage nicht überein. Das Land verlangt, daß die Locarnopolitik fortgesetzt und daß Deutschland zu allererst im Rat ausgenommen wird sowie daß die anderen Länder ihre An°^ spräche vertagen müssen. Chamberlain hat * sich bei seiner Durchreise durch Paris zu sehr mit Ansichten eingelassen, welche die englische öffentliche Meinung sowie die Dominions ent­schlossen verwerfen. Er will Deutschland ver­söhnen, ohne Frankreich zu verstimmen. Wenn er am nächsten Sonntag vor der formellen Eröffnung der Völkerbundsverhandlungen in Genf mit den deutschen Delegierten Zu­sammentreffen wird, wird er alle Karten auf

den Tisch legen. Polens Aufnahme in den Völkerbund würde in Deutschland als ein Schlag ins Gesicht, vor allem nach dem Trank aus dem Liebesbecher in Guildhall, emp­funden werden. Der Korrespondent tritt für den alleinigen Eintritt Deutschlands int gegen­wärtigen Augenblick ein, sowie für die Ernen­nung eines Ausschusses durch den Völkerbund, der im Herbst über die Ansprüche anderer Länder auf ständige Ratssitze Bericht erstatten soll. An einer anderen Stelle hebt der Observer' hervor, daß niemals eine größere ilebereinftimtnung in der britischen öffentlichen Meinung bestanden habe als in dieser Frage. Vierhundert Parlamentsmitglieder und die ge­samte Presse verlangten den energischsten Widerstand.

Der diplomatische Berichterstatter der Sund an Expreß" schreibt, es bestehe kein Zweifel mehr, dass d?r Völkerbund einer Spaltung zwischen dem lateinisch en Block und den nordeuroväischen Nationen einschliesslich der britischen Dominions gegen­übersteht.

DieSunday Times" wendet sich er­neut gegen den Gedanken einer Aenderung des Völkerbundsrates im Augenblick des Eintritts Deutschlands. Das Blatt weist darauf hin, dass dies eine Fortsetzung der diplomatischen Einkreisungsvolitik Frankreichs sein würde und schreibt: Es widerspricht dem Fair vlay, daß der Völkerbundsrat plötzlich geändert wird. Es ist deshalb unbedingte Pflicht der britischen Politik, dafür zu. sorgen, daß die in Locarno eingegangenen Verpflichtungen bis auf den Buchstaben erfüllt werden.

-London, 27. Febr. Der Ausschuss für aus­wärtige Angelegenheiten des Verbandes der linksstehenden und liberalen Parlaments­kandidaten befaßte sich in der heutigen Sitzung mit der Frage der Vermehrung der Völker- bundsratssitze und nahm eine Entschließung an, in der die Regierung dringend aufgefordert wird, alles zu unternehmen, um zu verhin­dern, daß die Frage einer weiteren Vermeh­rung der ständigen Ratssitze anläßlich des Eintritts Deutschlands in den Völkerbundsrat aufgeworfen wird. Sollte die Frage doch vor­gebracht werden, so wird die Regierung.auf­gefordert. von ihrem Vetorecht gegen jeden der­artigen Vorschlag Gebrauch zu machen.

Wien für tot Anspruch Reims

Eine neue Erklärung Mussolinis.

Berlin, 27. Febr. Wie dieB. 3" aus Paris meldet, veröffentlicht derPetit Pari- ftett ein Interview mit Mussolini. Der italienische Ministerpräsident kam u. a. auch auf die Frage derVermehrungderBöl- kerbundsratssitze zu sprechen und sagte, wie es in dem französischen Blatt beisst, er habe dem polnischen Botschafter noch am Sonnabend versprochen, dass er Polen bei seiner Kandidatur für den Bötterbundsrat unterstützen werde.Polen soll gleich­zeitig mit Deutschland eintreten und nicht «ach ihm, ebenso, wie es mit Deutschland in glei­chem Range in Locarno war." Wie weiter ver­lautet, hat.Mussolini den italienischen Botschafter in Paris nach Rom berufen, um dessen Bericht über die Stellung der fran­zösische» Regierung zur Ratsfrage entgegenzu- nehmen.

MWIkssh und Mussolini

Rom, 27. Febr. (WTB.) 3n den Unter­redungen Mussolinis mit Äin- t s ch i t s ch sind den Blättern zufolge be­sprochen worden: 1. die Frage eines itali­enisch-südslawischen Garantiepaktes, 2. die Frage des Anschlusses Oesterreichs an Deutschland, 3. die Minderheitenfrage. Rach derVoce Republikana" ist die Anschluh- srage nach südslawischer Anficht nicht aktuell. 3m übrigen nennt das Blatt die Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund das beste Mittel für die Erhaltung des Friedens. 3n einer Unterhaltung mit einem Vertreter derTribuna' erklärte Rin- tschitsch, der Anschluß Oesterreichs an Deutsch­land würde im direkten Widerspruch zu den Friedensverträgen stehen, die die Etabilttät und den Frieden Europas garantieren. Wenn man erst anfange, die Friedensverträge nicht einzuhalten, so sei kein Ende abzusehen. Auf die Frage, ob Sädslawien die diplomatischen

Beziehungen zu Rußland aufnehmen werde, erklärte Rintschitsch, daß augenblicklich keine Aenderung der Beziehungen Sädslawiens zu Rutzland.bevorftehe.

Tie französische Erportstener.

, Paris, 27. Febr. (WTB.) Der Senat hat in feiner heutigen Rachmittagssitzung seine Abstimmung von heute vormittag be­treffend die vom Finanzausschuß vorge­schlagene Exportsteuer revidiert und heute nachmittag die Epportsteuer in der Fassung, wie sie die Kammer angenommen hat, ge­nehmigt.

Nachwahlen im Marne-Departement.

fk .Paris, 1. März. 'Im Marrre-De- partement fanden gestern die Nachwahlen für einen verstorbenen sozialistischen Ab­geordneten und für einen zum Senator gewählten radikalen Abgeordneten statt. Es wurde gewählt der radikale Kandidat Mar- chadeau und der fatalistische Kandidat Marcel Duel.

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Wien, 28 .Febr. Unter dem Vorsitz des Obmannes des Deutschen Schulvereins, Dr. Groß, fand heute in der Volkshalle des Rathauses sowie auf dem Rathaus­platz eine von dem Hilfsverein für Deutsch- Südtirol und vom Andreas-Hofer-Bund einberufene Protest Versammlung ge­gen die Unterdrückung des Deutschtums in Südtirol statt. Es gelangte eine Ent­schließung zur Annahme, in der erklärt wird, die Südtiroler Frage sei eine Frage der ganzen zivilisierten Welt und gehöre vor den Völkerbund. Mit dem Absingen des Andreas-Hoferliedes und des Deutsch­landliedes schloß die Feier. In Linz fand eine ähnliche Versammlung statt.

Sudetendeutsche Protestversammlung gegen di« Sprachenverordnung.

Teplitz 28. Febr. Heute fand im Hotel R c p t u n*' eine Protestversammlung gegen die Sprachenverordnung statt, an der ungefähr 2000 Personen teilnahmen. Rach einer län­geren Rede wurde eine Kundgebung beschlossen, in der es u. a, heißt, das Sudetenldeutschtum verlange von seinen Vertretern, daß diese im In- und Auslande den Kampf gegen das ihm angetane Unrecht mit allen gebotenen und zu­lässigen Mitteln führten- Es könne nicht eher Frieden im Lande herrschen, bis das Recht der deutschen Sprache anerkannt und dem deutschen Volkstum die volle G l ei ch- berechtigung zuerkannt sei. Rach Schluß der Versammlung zogen die Teilnehmer unter Absingen deutscher Lieder auf den Marktplatz, wo Abgeordneter K a I l i n a eine Rede halten wollte. Er wurde jedoch von einem Regie­rungsvertreter am Sprechen gehindert. Gendarmerie zer st reute darauf di« Menge.

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Die rumänlftbc MstrimMsse

Der Nachfolger Bratianus.

Paris, 27. Febr. (WTB.) Die3nfor- mation* gibt eine Dlättermeldung aus Buka­rest wieder, derzufolge sehr wahrscheinlich ist, daß General Averescu an Stelle des zurückgetretenen Dratianu die Minister- Präsidentschaft übernehmen werde. Averescu sei ein Freund des Prinzen Carol, und die Aebernahme der Regierung durch ihn werde automatisch zeitlich mit der Rückkehr des Prinzen nach Bukarest und der Zurücknahme seines Thronverzichts zusammenfallen. Die Abendblätter berichten übrigens, daß Bra- tianu sein Amt am 7. März verlassen werde, und daß bereits für den Monat Mai Reu» wahlen geplant feien.

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Der Rücktritt des rumänischen Kabinetts Bratianu zeigt uns, daß der Vorfall des Thronverzichies des rumänischen Kronprinzen nicht jo ganz ohne Folgen blieb, wie die ru­mänische Presse glauben machen wollte. 3m Volke hatte die Erkenntnis zu tief Wurzel ge­faßt, daß nur den Machenschaften der beide« ehrgeizigen Brüder Bratianu es zu verdanken sei, daß Kronprinz Carol sich zu dem Entschluß aufraffte, auf die Krone sei­ner Väter zu verzichten. Wie sich die Dinge jetzt in Rumänien weiter entwickeln'werden, ist schwer ersichtlich. In der letzten Zeit haben die Zaranisten (Bauernpartei) 'sich eine immer stärker werdende Stellung verschaffen können. Der geistige Führer der Bauernpartei ist der Jassyer llniversitätsvrofessor Kon­stantin Stere. Die vormals regierende Partei hatte gegen ibn Anklage erhoben, weil er in den Jahren 1917/18 Chefredakteur ein« von den deutschen Besatzungstrupven in Bu­karest herausgegebenengermanoohilen" Zei­tung war uxd mit Eeneralieldmarschall von Mackensen und verantwortlichen Stellen ver­schiedentlich Verhandlungen führte. Diese Anklage ist jedoch niemals ausgetragen wor­den. Man sagte, daß die Bratianus einen Prozeß scheuten, weil Stere außerordentlich kompromittierendes Material gegen den gegen­wärtigen Ministerpräsidenten Bratianu in der Hand hatte.

Bukarest, 28. Febr. (WB.) Wie die Agentur Orient-Radio mitteilt, entbehren die Pariser Blättermeldungen über den Rücktritt des Ministerpräsidenten Bratianu jeder Grundlage.