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Sommbrnd, Kn Ä. Februar 1926

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Bolkstravertav

(geeint in ehrfurchtsvollem Gedenken steht das deutsche Volk vor den Gräbern seiner gefallenen Helden. Zwei Millionen deutsche Männer und Jünglinge find auf den Schlachtfeldern des Weltkrieges verblutet, haben in freiwilligem Opfer das Leben ihres Volkes vor der Vernichtung bewahrt.

Tief vergrabener, brennender Schmerz ist das ursprünglichste Gefühl, das an diesem Trauertag ununterdrückbar in uns auf­steigt. Gerade die festesten Naturen stehen erschüttert vor der Vernichtung blühenden Lebens in so atembeklemmend großem Ausmaß.

Wieder wird, zynisch bei den einen, verbittert und ratlos bei den andern, die Frage laut werden nach demWarum". Wir wollen uns auch heute nicht täuschen: wo es um Fragen geht, die die letzten Dinge des Einzelnen, der Familie und des Volkes be­treffen, da finden sich nur wenige zurecht.

Keiner stirbt, der für das Leben fällt." Für das Leben, W^das Weiterleben des deutschen Gedankens daheim und in der Welt haben sie ihr eigenes Leben preisgegeben. Unauslöschlich grub ihr Tod in die Herzen der Usberlebenden ein heiliges Der- , mächtnis: den Glauben an des deutschen Volkes Zukunft.

Mit dieser Antwort auf dasWarum" erwächst uns zugleich ein weiteres, riesenhaftes Vermächtnis der Treuen, das sie mit ihren Leichenhügeln in West und Ost in das Antlitz der Erde einzeichneten: An uns Usberlebenden ist es, in ehrlicher Er­füllung der uns überkommenen Pflichten gegenüber dem Volks­ganzen den Kampf zu Ende zu kämpfen, im Sinne der toten Helden.

Wir wollen, indem wir unseren Gefallenen nacheifern, un­sere Liebe zu Volk und Land so stark werden lassen, daß sie Deutschland nie versinken läßt.

EKWlllsgrmMchast

Zum 28. Februar. Von Bernhard Rausch.

Ein Volk, das seine Toten ehrt, ehrt sich selbst. Alljährlich ist ein Ta« den Löhnen un- irres Volkes geweiht, die im schweren Ringen des Weltkrieges ihr Leben dem Vaterlande opferten. Was verbindet uns Deutsche mehr als die Trauer um jene Treuesten und Besten, die mit ihren Leibern den deutschen Boden beschirmt und die Verwüstungen des Krieges von den heimatlichen Fluren ferngehalten Laben? An ihren Seldengräbern kann und darf es keine Parteiungen geben. Wie sie in der Abwehr gegen die uns einkreisenden Feinde Schulter an Schulter susammenstan- den. so mutz ihr Ehrentag erfüllt sein von dem Gedanken der Einigkert und Schick­salsgemeinschaft, ein nationaler Feier­tag im wahren Sinne des Wortes.

Nichts kennzeichnet unsere innere Zerrissen­heit so. wie die Tatsache, dab wir trotz unserer stolzen Geschichte wirkliche vom ganzen Volk getragene nationale Feiertage so selten begehen können. Es gehört zum Wesen solcher Festtage, dab fie Erinnerungen an Gipfel­punkte unseres staatlichen Lebens festhalten, die. lang« Entwicklungsveriodcn krönend, für 'Wtfei Schicksal von entscheidender Bedeutung

waren und deshalb in der Volksseele lebendig, allen gleich heilig geblieben sind. Der Tag der Völkerschlacht bei Leipzig war ein einziger Jubeltag soweit die deutsche Zunge klang, aber er wurde bald verpönt als Tag der grob­deutschnationalen Sehnsucht. Der Tag de: Reichsgründung Bismarcks ist beute noch am ehesten ein Fest aller Deutschen. Doch wir müsien es am 18. Januar, der zugleich preubi- scher Krönungstag ist, immer wieder erleben, dab parteipolitische Tendennn und der Streit um Verfasiungsfragen störend dazwischen treten.

Es kommt beute noch hinzu, dab uns bei un­serer Lage zum Festefeiern am wenigsten zu Mut ist. Unser Vaterland liegt am Boden, entwaffnet und ausgeraubt. Der zehnte Teil unseres Volkes seufzt UMter fremder Herrschaft, und auf uns lastet ein wirtschaftlicher Druck, der uns schier den Atem benimmt. Da kann frohes nationales Hochgefühl, wie in den Ta­gen des Glücks, nicht in uns aufwallen. Wir ersehnen oft den Tag, der uns die Wieder­herstellung unserer nationalen Ehre und volle Freiheit bringen soll, den groben Zukunits- feiettag aller Deutschen. Uns Lebenden blieb nur die Aufgabe, ihn vorzubereiten. Aber auch darin vermag Glück und ErfMung zu liegen, wenn es im Sinne Heinrich von Treitschkes geschieht: -

Grobe politische Leidenschaft ist ein köst­licher Schatz: das matte Herr der Mehrzahl der Menschen bietet nur wenig Raum dafür. Glückselig das Geschlecht, welchem eine strenge Notwendigkeit einen erhabenen politischen Gedanken auferlegt, der grob und einfach, jede andere Idee der Zeit in seinen Dienst zwingt."

Ein erhabener politischer Gedanke ist es vor allem, den die strenge Notwendigkeit uns auf­erlegt. Je schwächer und bedrohter unsere Lage nach auben ist, desto mehr müsien wir in nationaler Geschlossenheit zu­sammen st eben. Und daran mahnen uns vor allem jene 1% Millionen, die an der Somme und in Flandern, bei Verdun und in den Karvathen, an der Düna und wo immer deutsche Waffen unvergänglichen Äufon ernte­ten. in fremder Erde ruhen. Sie haben ihre Treue zu Volk und Vaterland mit dem Tode besiegelt. Ihr Gedächtnis lebt in unseren Her­zen ewig fort, und auf die Erinnerung an ihre gewaltigen Taten einer Welt von Feinden ge­genüber stützt sich in dunkler Gegenwart der Glaube an die Zukunft unseres Volkes.

Nicht weniger soll auch jener 800 000 gedacht werden, die nach sicherer Berechnung der grau­samen feindlichen Hungerblockade zum Opfer gefallen sind. Und nicht zuletzt gilt der Volks- ! trauertag den Kricgsverletzten, den Witwen, . Waisen und Hinterbliebenen, diesen Dflietn i

des feindlichen Vernichtungswirkens, dem 20 Millionen Deutsche zu viel leben.

Unsere Trauer aber sei kein wehleidiges Kla­gen, sondern derer würdig, die mannhaft für uns litten und starben. Sie haben uns durch ihr Vorbild ein hohes Vermächtnis hinter­lassen, und ihnen sind wir es schuldig, daß am 28. Februar ein einiges Volk in wehmütigckdl und stolzem Erinnern stahlhart und ungebro- chen feinen Freiheitswillen bekundet.

Im Reichstage ist bei der Zurückweisung der Unverschämtheiten Mussolinis das gute Wort gesprochen worden:Aeutzere Machtlosigkeit ist nicht gleichbedeutend mit dem Verlust innerer Kraft, wenn sie sich auf einen einheitlichen nationalen Willen zu stützen vermag." In der Tat ist die Wiederherstellung der inneren Kraft die echte Vorbedingung für unseren na­tionalen Wiederaufstieg. Keinen besieren Dank können wir am Dolkstrauertag deshalb unse- ren gefallenen Helden darbringen als durch das Gelöbnis, in einheitlichem nationalen Wil­len zusammen zu haften, den inneren Hader zu begraben, wo es um die großen Schicksals­fragen unseres Volkes geht. So kann uns der Tag der Toten zu einer Hoffnugg für die Lebenden werden.

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