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London, 20. gebt. Die „Time s" glaubt ganz definitiv mitteilen zu können, daß keine
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Unterscheidung zwischen Sieger und Besiegten, die der Vertrag von Locarno zu beseitigen suche «nd die dem Geiste der Bölkerbundssatznngen zuwiderlaufe, verewige.
Für die Revision des »ersailler Vertrages.
Paris, 21. Febr. Dem „Newyork Heralü" wird aus Washington gemeldet, daß das sozialistische Mitglied Berger des Repräsentantenhauses eine Entschließung eingebracht habe, in der Coolidge aufgefordert wird, eine internationale Konferenz einzuberufen, um den Versailer Vertrag im Sinne der von dem Präsiden^n Wilson aufgestellten 14 Punkte zu revidieren.
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Montag, WLSrbmarlSA
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Abkommen enthält, wie Havas aus Konstantinopel berichtet, 16 Artikel. In dem ersten Artikel wird festgelegt, daß beide vertragschließenden Teile gute Nachbarschaft miteinander halten wollen. Im letzten Artikel wird ein Schiedsgerichtsverfahren für Streitfälle bestimmt. Ein weiterer Artikel behandelt die Absteckung der türkifch-fyrischen Grenze. Die übrigen beziehen sich auf. die Grenzpolizei, Bekämpfung von Banden, gegenseitigen Schutz der Untertanen, Bestimmungen über die Auslieferung von Staatsangehörigen, das Optionsrecht, die Bekämpfung der Konterbande, Vereinfachung der Zollformalitäten, Erleichterungen für den Eisenbahntransitverkehr und Bestimmungen betres- send den kleinen Grenzverkehr.
Der Anzetgenpreis betrügt füti bat iclgespaü. Zeilenmillimeter! 0.08 GM., kleine Baranzeige» 0,06 GM.,' amt liebe und <ms- würtige 'Anzeigen 0.10 GM. Bei schwierigem Sah sowie bei Platz- Vorschrift 50°/, Aufschlag. —; Sammelanzejgen 100 % Auf« schlag. Reklstmen der Millim. 0,40 GM. Jeder Rabatt gilt al« Barrechatt. Ziel 5 Tage. Belege werben berechnet, ebeUo Auskunft burch bie Geschäftsstelle und Zusendung der Angebote. Erfüllungsort Marburg.
1 Goldmark = »/-.»Dollar.
BkmmihiWilg in London
fk. London, 22. gebt. Der diplomatische Korrespondent des „O b s e r o e r" schreibt, in einigen Kreisen herrsche Besorgnis «egen des französisch-türkischen Abkommen, gn französischen Kreisen werde erklärt, wenn Chamberlain grankreich in der polnischen grage „verrate", dann sei nicht einzusehen, warum grankreich nicht im mittleren Oste« eine Aktion un- .'ternehmen soll«, ohne Großbritannien zu befragen. Wenn be Jou- venels Abkommen mit der Türkei über bie Grenzberichtigung bie Bagbabbahn, bie burch Syrien geht, der Türkei zurückerstatte, so würden die britischen Interessen dadurch in Mitleidenschaft gezogen werden. In London glaube man nicht an diese Möglichkeit, erwarte aber nähere Einzelheiten über den Inhalt des Abkommens.
fk. London, 22. gebt. Der diplomatische Korrespondent des „Daily Telegraph" schreibt: Er glaube nicht, daß durch den fran- zösisch-türkischen Vertrag englische Interessen geschädigt würden. Eine juristische Streitfrage sei allerdings durch den Artikel des neuen Vertrages aufgeworfen, der die gegenseitige Neutralität zwischen Frankreich und der Türkei im Falle eines Konfliktes einer der beiden Parteien mit einer dritten Macht ausspricht.
Eine ähnliche Bestimmung sei bereits tm italienisch-serbischen Freundschaftsvertrag von 1924 enthalten gewesen. Die juristische Zulässigkeit wurde damals unter Hinweis auf die Satzungen des Völkerbundes a n g c - zweifelt.
ÄbechMsche Jettun
Aussicht auf Aufnahme Polens in Bölkerbundsrat als ständiges Mitglied März besteht.
Der diplomatische Berichterstatter «Daily Telegraph" schreibt: „Alle Berichte
Die englische Luftmacht.
fk. London, 22. Febr. „Daily Chro- nicle" bespricht den Haushaltungsvoranschlag für das Militärluftwesen sehr ah- sällig. Er bedeute anscheinend mit Rücksicht auf die in Locarno geschaffene neue Atmoshäre ein Hinausschieben des Ausbaues der Luftflotte auf fünf Jahre.
Auch „Daily Mail" und der liberale „Star" wenden sich gegen die „Erdrosselung der Luftflotte durch die Bürokratie". 1
Italienische Unterstützung für einen Ratssitz Polens.
Paris, 21. gebe. Wie dem „Petit Pari s i e n" aus Rom berichtet wirb, habe Mussolini bem polnischen biplomatischen Vertreter bie Versicherung gegeben, baß Polen bei seiner gorberung, einen ständigen Sitz im Böl- Kerbunbsrat die Unterstützung Italiens sicher sei.
Eine englische Kundgebung.
fk. Lond on, 22. Febr. „Daily Herold" zufolge stellte der Vollzugsausschuß des Nationalen Rates zur Verhinderung von Kriegen Chamberlain zwei Entschließungen zu. • * '
In der ersten wird die Besorgnis über die vorgeschlagene Abänderung in der Zusammensetzung des Bölkerbundsrates ausgesprochen und die Regierung ausgefordert, dem Geiste des Locarnopaktes entsprechend für die Zulassung Deutschlands rum Völkerbund und Bölkerbundsrat ft» sorgen .
In der zweiten wird erklärt, daß die Zeit gekommen sei, »o die Fortdauer der Besetzung deutschen Gebietes ebenso unnötig wie'ünerwünkcht geworden sei, da fie die'
Sie erste Seericknn der frnnaWen Faschisten
ft. Paris, 22. Febr. In V e r d u n wurde Astern die zehnte Wiederkehr des Tages, an dem die Offensive eröffnet wurde, von den Ra- tionalparteien durch Gedenkfeiern begangen. Der Abg. Desirs Ferry machte bei einer Kundgebung des national - republikanischen lMillerandschen) Blocks der Regierung ben Borwurf, daß fie sich aus der Gedenkfeier nicht habe vertreten lasten.
Zu gleicher Zeit mit den nationalen Parteien hielt die neugegründete sranzöfische faschifti- schcPar 1 ei ihre, wie fie sich ausdrückt, „erste Heerschau" ab. Dazu sollen 4000 Delegierte aus allen Bezierken Ostfrankreichs nach Verdun gekommen sein und das Programm des französischen Faschismus angenommen haben. Außerdem sei ein Appell an das Ausland gerichtet werben, in bem erklärt werde, man werde die Abdankung des ohnmächtigen Parlamentarismus durch die ehemaligen Frontkämpfer erzwingen. Man werde eine nationale über den Parteien und Klaste» stehende Diktatur ausrichten und baldigst eine wirkliche Vertretung der nationalen Interessen in bet Form zweier Parlamente, eines Parlaments der Erzeuger und eines Parlaments der
Bnanös Gegenstoß
Ein IttuwfntMürtiW Abkommen aber die Nagdadbahn
Das wichtigste Requisit der Weltpolitt- ist die Kulisse. Sie ist undurchsichtig, zeigt einen rosenroten Himmel und verbirgt der neugierigen Oesfentlichkeit alles, was hinter ihr vorgeht.
Dem alten kaiserlichen Deutschland machte man es zum schweren Vorwurf, daß es durch seine Geheimdiplomatie einen Krieg unter ungünstigen Verhältnissen verschuldet und damit auch den unerträglichen Friedensschluß verantworten habe.
Heute wird von öffentlichen Tribünen der völke'rversöhnende Gedanke gepredigt. Man verkündet den Locarnogeist, veranstaltet Bankette, die ihn preisen, lobt das Vertrauen, daS die Staatslenker zueinander gewonnen haben — und hinter den Kulissen alLr dieser tönenden Worte geht das alte Spiel der Geheimdiplomatie lustig weiter.
Welches Spiel gespielt wurde? Wir werden genaueres erst wissen, wenn es zu spät ist. Der Kampf um die Ratssitze wirkt sich weiter aus. Chamberlain kann Briand das, was er ihm versprach — einen ständigen Ratssitz für Polen — nicht geben. Damit wachsen die Schwierigkeiten für das Kabinett Briand ins unermeßliche.
Mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten begann es. Arbeitslosigkeit, Frankensturz taten das übrige. Das Entstehen einer faschistischen Bewegung, der Ruf nach einer Diktatur, die Wahl TardieuS deuten den neuen Ruck nach rechts an, der die Regierung unmittelbar bedroht.
Bei all diesen Gefahren würde ein außenpolitischer Mißerfolg den Sturz des Kabl- netts bedeuten. Das Eintreten für Polen war der erste Versuch Briands, dem Generalissimus Foch und der. Militärklique einen Dienst zu erweisen.
Chamberlain hatte er für dieses Spiel bereits gewonnen, aber das englische Volk lehnte es entschieden ab.
Jetzt legt Briand wieder mit kühnem Griff die Hand Frankreichs in eine offene Wunde des britischen Weltreiches: Mos- sul. Der französische Bevollmächtigte de Jouvenel hat in Angora ein Abkommen unterzeichnet, dessen Einzelheiten noch unklar sind, dessen Geist aber den Engländern sofort verständlich ist: Alle strittigen Fragen zwischen Frankreich und der Türkei werden geregelt, auf Kosten — oder zum Nachteil Englands.
Die Wirkung dieses SchachzugeS ist nicht ausgeblieben: London zeigt sich beunruhigt. Alles drängt zu einem französisch-englischen Kompromiß. Wer dessen Kosten tragen soll, ist nicht schwer zu erraten. S.
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Das französisch-türkische Abkommen.
Paris, 21. gebt. sWTB.) Das zwischen dem französischen Kommistar in Syrien und bem türkischen Außenminister abgeschlossene
9er Streit um tte Erweiterung des MkerbundSmteS
Reichsaußenminister Dr. Sirefentann gewährte bem Berliner Vertreter bet „New- oork Times" ein Interview, in bem et sich über bie Voraussetzungen aussprach, unter benen bet Eintritt Deutschlands in ben Sölhcrbunb erfolgen werbe. Der Minister erklärte, bem „Lokal-Anzeiger" zufolge, baß bie Regierung nicht bie Absicht habe, fijren Eintritt in bett Rat bes Bölkerbunbes Arm in Arm mit Polen ober Spanien, bezw. beiben Länbern zu vollziehen. Es könne gegenwärtig ober in bet nächsten Zukunft gar keine Rebe bavon fein, bie stänbigen Mitgliedszahlen bes Rates weiter auszubeh- nen. Die beutfche Regierung fei burchaus bereit, von ganzem Hetzen an ben Aufgaben mitzuarbeiten, bie bem Völketbunb obliegen und van benen Deutschland hoffe, daß sie zur Wiederherstellung des Weltfriedens beitragen würden. Die Verträge, bie Deutfchlanb bei feinem Aufnahmegesuch an bie im Rate vertretenen Mächte erhalten habe, könnten nur fo auf gefaßt werben, baß ihm ein stiindi - ger Ratssttz unter Voraussetzung bet gegenwärtigen Zusammensetzung bes Bölkerbunbes zugesichert würbe. Die beutfche Regierung wüste es also als sicher ansehen, baß keine andere Lösung ins Auge gefaßt werben könne unb daß daher alle Ptesseäußetungen über diesen Gegenstand jeder sachlichen Grundlage entbehren. Welche Haltung Deutschland nach seinem Eintritt in ben Völketbunb gegenüber .inet Vermehrung bet ständigen Rats- sttze eventuell einnehmen werde, fei tm Augenblick keine akute grage.
StfroiunoMrn
in Mbl und Bonn
Köln, 20. Febr. (WTD.) Anläßlich der von der Studentenschaft der Universität Köln in der Form eines Studentenkommerses veranstalteten Befreiungsfeier nahm der von der Studentenschaft eingeladene Reichsaußenmi- nister Dr. St resemann das Wort zu längeren Ausführungen:
3n der deutschen akademischen Jugend bestehen, wie im deutschen Volke, verschiedene Einstellungen gegenüber dem Reich und seiner ^Fortentwicklung. Die einen verfallen in Träume der Resignation über alte Größe und Herrlichkeit, die anderen warten auf ein Wunderbares, das sie mit heißem Herzen ersehnen, ohne zu wissen, woher es kommt und wer es schaffen soll. Wieder andere glauben, daß es für Deutschland wichtig sei, die Entwicklung der Welt abzuwarten unb sich dann erst mit aktiver Politik in diele Entwicklung einzustellen, wenn Umrisse künftiger Entwicklung sichtbar sind.
Mag für den einzelnen Menschen, bet ben Weg von Gröhe und Macht unb von Einfluß unb Glück zu Armut unb Arbeit durchgemacht hat, der eine oder andere Weg möglich sein. Für diejenigen, die für die Reichsentwicklung verantwortlich sind, gibt eS nur einen Weg, das ist die Politik tätigen Mitschaf sens nach innen und nach außen.
Diese Kärrnerarbeit mag manchen als eine ideallofe erscheinen. Sie ist es nicht, denn nur aus dem langsamen Fortschreiten in stetigem Kampf ergibt sich der Fortschritt unb sieht man den Weg, der zurückgelegt ist. Gegenüber allen Kritiken über manche nicht erreichte oder manche getäuschte Hoffnung, über manche geistige Einstellung, die sich schnell genug in Taten auswirken. darf doch das eine gesagt werden: Wer zurückschaut auf bie Politik der letzten Jahre in Deutfchlanb. der muß mit Blindheit geschlagen ober von schlechtem Willen beseelt fein, wenn er nicht anerkennen wollte, daß wir ein gutes Stück vorwärts gekommen sind in bet Konsolidierung nach innen und deutscher Geltung nach außen. In dem Kampf zwis^n Rechtsanspruch und Machtgefühlen, bie das Recht selbst aus- Beuten, hat schließlich doch in der Vefrei- ung der nördlichen Rheinlandzone der Gedanke des Rechts gesiegt. Jede weitere deutsche Politik kann nur das Ziel haben, auf diesem Wege fortzuschreiten. Deutschland wird stets bereit fei», im Geiste des europäische« Wiederaufbaues mit offener Empfänglichkeit für die gegenseitigen Argumente Derhanb» lungen über seine Stellung zu anderen Mächten zu führen.
Aber wenn bet Geist von Locarno Sinu- bilb künftiger europäischer Politik ist, bann mutz seine weithin sichtbare letzte Auswirkung bie schließliche Zurückziehung bet Truppen aus bem besetzten
Rhetnlanb sein.
Ich kann mir nicht denken, daß man im Lager unserer ehemaligen Gegner darüber anders denkt. In dem großen Saal des Foreizn Dfftee in London, in dem dae Vetträge Don. Locarno unterzeichnet wurden, hing, für diesen Tag heichetgeschafft, das Gemälde von Lord Castleyagh. Wenn dieses Symbol eine über den Tag hinausgehercke Bedeutung haben soll, dann kann es doch nur die sein, daß das England der Gegenwart mit den Verträgen von Locarno dieselbe Politik treiben will, die einst Englands Vettreter auf dem Kongreß in Aachen 1818 gegenüber Frankreich getrieben hat, als er den Gedanken vertrat, Frankreich wieder als Großmacht in den europäischen Konzern aufzunehmen, und das zum Zeichen die Truppen der damals Frankreich besetzenden Mächte von Frankreichs Boden zurückzuziehen.
Die Frage dieser Zurückziehung muß eine Frage der Verhandlungen, eine Frage der Technik sein; aber sie ist bie logische Auswirkung einer neuen europäischen Situation, bi: das Problem der Sicherheit der Länder auf anderem Wege lösen will, als durch den der militärischen Gewalt. So gebe ich der Hoffnung Ausdruck, daß bie Glocken am Rhein nicht zu lange schweigen müssen, um die weite« Freiheit deutschen Bodens zu verkünden, um der so schwer betroffenen Bevölkerung bft Rheinland- die Möglichkeit zu geben, mit der ganzen Freude als Glieder eines freien Deutschlands zu fühlen, da? in Frieden und gegenseitigem Verstehen mit der Welt zu leben gedenkt.
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Die Sefreiungsfeier bet Bonner Studentenschaft.
ff Bonn, 22. Febr. Die Feier der Befreiung Bonns durch die Studentenschaft wurde am Sonnabend durch einen Begrüßungsabend für die bereits eingetroffenen Gäste emgeleitet. Am Sonntag morgen veranstaltete der Lehr-
Genf deuten darauf hin, daß man in Bölket- bunbshretfen an eine beschränkte Umbilbung b bes Bölkerbunbsrats im September benkt und die Aufnahme Spaniens als ständiges Mitglied ins Auge faßt.
fk. London, 22. Febr. Der Pariser Berichterstatter der „Daily Mai I“ meldet: In gut unterrichteten Kreisen sei dort gestern abend die Ansicht ausgesprochen worden, es sei wenig wahrscheinlich, daß unter den gegenwärtigen Verhältnissen außer Deutschland irgend welche anderen ständigen Mitglieder in den Völkerbundsrat gewählt werden'würden. Wenn die britische Regierung sich gegen den Vorschlag auf Zulassung von Polen erklären wurde, so werde die französische Regierung vermutlich die Ängelegeiheit lieber fallen lassen, als sich auf der bevorstehenden Genfer Zusammenkunft im nächsten Monat in Gegensatz zu Großbritannien stellen.