Äbechessische
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Marburger rageilmietzer
- Sonnetslag, W18. Februar 1926
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BMaftett in Mn?
fk. Berlin. 18. gebt. Die „Tägliche Rundschau" weiß zu melden, daß der italienische Botschafter in Berlin, Graf Bos- dari, zwar nach Berlin zurückkehren werde, jedoch in absehbarer Zeit durch ein anderes Mitglied der italienischen Diplomatie ersetzt werden dürste.
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Ergebnis berBrrhandlnngen mit Nrimmwnb
Die Modalitäten bet Aufnahme Deutschlands in den Bölketbund.
B e t l i n, 17. gebt. In den Verhandlungen des Generalsekretärs des Völkerbundes mit Berliner amtlichen Stellen ist im grotzen, wie bereits gemeldet, das Programm der Ausnahme Deutschlands erörtert worden. Die Ausnahmemodalitäten werden sich voraussichtlich in folgender Weise abspielen:
Am 8. März 3 Uhr nachmittags tritt die Vollversammlung des Völkerbundes zusammen und nimmt zuerst die Wahl des Präsidenten der diesmaligen Tagung des BR- Kerbundes vor. Daraus erfolgt die Wahl von zwei Ausschüssen und zwar die Wahl der Aufnahmekommission für den Eintritt Deutschlands und die Wahl des A u s - ilhuffes für Budgetfragen. Die ufnahmekommtsfion bildet sofort eine Unterkommission, deren Verhandlungen streng geheim sind. Zu den Verhandlungen dieses Unterausschusses wird ein Vertreter Deutschlands geladen, der der Kommisiion auf genau formulierte, bei dem Eintritt eines Staates übliche gragen Auskunft zu erteilen hat. Der Unterausschuß erstattet daraus dem Haupt- ausschuß Bericht, worauf der Hauptausschutz der Vollversammlung seinerseits über seine Beschlüsse Bericht erstattet. Darauf beschließt der Bölkerbundsrat zusammen, der einstimmig bes-klietzt, Deutschland einen ständigen Ratssitz elnzuräumen. Bon diesem Beschluß wird darauf die Vollversammlung des Völkerbundes in Kenntnis gefetzt. Man nimmt an, datz das Zeremoniell des Eintritts Deutschlands em 13. März erfolgen wird. Deutschland wird darauf in der Lage fein, an den darauf folgenden Ratssitzungen des Völkerbundes teilzunehmen.
«Ständiger Sitz Polens gegen Verminderung der Befatzungstruppen".
London, 17. gebt. (TU.) Der diplomatische Berichterstatter des „Daily Telegraph" schreibt zur grage der Vergrötzerung des Böl- kerbundsrates, datz die letzte Kompromih- tormel zur Ermöglichung der Verleihung eines ständigen Sitzes, an Polen in dem Angebot einer weiteren Berminde- tung der Rheinland trupp en bestehe. Der Gedanke eines solchen Tauschgeschäftes würde jedoch in England nicht begünstigt. Außerdem würde das die Aufgabe dauernder Werte gegen provisorische Vorteile bedeuten. Deutschland würde in seiner bevorstehenden Note seinen Standpunkt klarlegen, wie es in gewissen Fällen zu handeln gedenke. Das wäre zu begrüßen, aber die Tatsache der Klärung des englischen Standpunktes und des feiner Dominien wäre vielleicht noch bedeutungsvoller. In ministeriellen Kreisen ist man der gleichen Ansicht, denn man meint, daß das brttische Reich in 6enf eine unzweideutige Sprache führen solle, da die Anwendung der Mehrheitsregel bei Entscheidungen des vergrößerten Bölker- bundsrats die englische Entschlußfreiheit bedrohen würde, bei einem Disput auf Grund der Tatsachen zu entscheiden. Daraus würden stch schwere Verwickelungen bei der Ueber- vahme der Berantworttichkeit für Krieg und Stieben ergeben.
Ehamberlain über die Frage der Ratssitze. .London, 17. gebt. (SIS.) Im Unter, daus erörterte Chamberlain auf oerfchie- bene Anfragen die Stellung der Dominions im Völkerbund. Auf die Anregung, datz der brttiflhe Vertreter feine g u ft i« m u n g zur Vermehrung der ständigen Mitglieder des Völkerbundsrates geben follte. »ernt die Dominions »"vor ihr EinoerstLudnis erklärt batten, erwiderte 66w**feie, die britische
WMagm im ReWlm
Ser Fall AM
Die allgemeine Aussprache über den I u - stizetat wird fortgesetzt.
Abg. Dr. Haas (Dem.): In weiten Kreisen des deutschen Volkes sei das Vertrauen Mt deutschen Rechtspflege geschwunden. Es liegt heute so, daß der Republikaner in weiten Gebieten von Deutschland Gefahr läuft, daß er fein Recht vor Gericht nicht findet. (Lebh. Zustimmung links.) Der Redner führt eine ganze Reihe Urteile an, in denen nach seiner Meinung Fehlurteile zu Gunsten rechtsgerichteter und zu Ungunsten republikanischer Personen gefällt worden sind. - ;e Richterorganisationen sollten t i größter Entschiedenheit vorgehen geg..r Richtzsr, die in ihren Entscheidungen bie ehrliche .Unparteilichkeit vermissen lassen und sich in den Urteilsbegründungen große Taktlosigkeiten erlauben. Hier sollte auch mehr von Disziplinarverfahren Gebrauch gemacht werden. Viele Richter halten überhaupt jede objektive Kritik an der Rechtspflege schon für ein Verbrechen. Demgegenüber muß die Notwendigkeit betont werden daß die Justiz durch innere 'Reinigungsarbeit sich wieder das Vertrauen verschafft, das sie durch eine Fülle von Fehlurteilen in der Oeffeutlichkeit verloren hat. (Beifall links).
Abg. Emminger (Bahr. Vpt.): Die gesetzliche Regelung der Aufwertungsfrage sei ein gewisser Fortschritt, wenn auch naturgemäß die unter großen Schwierigkeiten zustandegekommene Kompromißlösung nicht alle befriedigen könne. Das jetzt so kritisierte Güteverfahren sei das Werk des Reichstages auf der Grundlage eines sozialdemokratischen Antrages. Der Redner weist dann die Kritik des Abg. Dr. Levi an der Rechtspflege als unberechtigt und unbegründet zurück. Die deutschen Nicktet müßten Herrn Dr. Levi angesichts seiner wenig objektiven Darstellung als Richter ablehnen.
Abg. Neuß (Dem.) begründet eine Interpellation, welche Maßnahmen die Regierung ergreifen wolle, um der unbefugten Veröffentlichung von Aktenstücken, Dokumenten und Dienstkorrespondenzen durch ehemalige Reichsbeamte oder Offiziere entz- gegenzutreten. Die Interpellation beziehe sich auf die Veröffentlichung wichtiger amtlicher Schriftstücke durch Großadmiral v. T i r p i tz. Aktendiebstahl könne man Tir- pitz nicht vorwerfen, aber er habe sich aus Abschriften aus den Originalakten ein Pri- vatarchiv angelegt. Der Generalstaatsan- walt in Berlin hat erklärt, daß dieses Delikt durch die Amnestie der Volksbeauftrag- t$n von 1918 erledigt sei. Die Deutsch- nationalen müßten aber jetzt erklären, ob sie das Verhalten des Herrn v. Tirpitz mißbilligen ober nicht.
Reichsjustizminister Dr. Marx antwortet auf eine Beschwerde der Abg. Frau Lüders (Soz.): Grundsätzlich müsse den Frauen das Recht der Teilnahme als Schöffin in allen Prozessen bewahrt werden. In Sitt- lichkeitsprozessen gerade sei die Mitwirkung von Frauen ein Nachteil. Die Einsetzung eines Gerichtshofes zur Entscheidung übet die Verfassungsmäßigkeit würde demnächst vorgenommen werden. Der Gesetzentwurf sei schon in Vorbereitung. Abg. Dr. Haas
habe im allgemeinen eine zulässige Kritik an der Rechtsprechung geübt, sei aber zu weit gegangen mit der Behauptung, daß der Republikaner vor deutschen Gerichten sein Recht nicht finde. Wir können nicht von jedem Richter Sympathie für die Republik verlangen. Aber wir müssen fordern ,datz jeder Richter sich zum Schutz der Republik verpflichtet fühlt. Wir werden darauf achten, datz das Recht gewahrt wird gegen hoch und niedrig. (Beifall).
Abg. Moses (Soz.) begründet eine sozialdemokratische Interpellation gleichen Inhalts wie die demokratische zur Aktenveröffentlichung des Grotzabmirals v. Tirpitz.
Reichsjustizministet Dt. Marx beantwortet die Interpellation dahin: Der Großadmiral habe sich amtliche Dokumente nicht angeeignet, sondern sich davon Abschriften machen lassen und sie veröffentlicht. Eine widerrechtliche Aneignung amtlicher Urkunden komme nicht in Frage. Auch die Veröffentlichung fei nicht strafbar, weil sie nicht geeignet war, die Sicherheit des Reiches zu schädigen. Disziplinäre Maßnahmen feien nicht in Frage gekommen, weil o. Tirpitz bei der Veröffentlichung nicht mehr im Amte war. Ob Veröffentlichungen von aus dem Amt geschiedenen Beamten verboten werden sollen, werde bei dem neuen Beamtenrecht entschieden werden.
Abg. Treviranus (Dutl.) erklärte, es sei zu begrüßen, datz durch die Antwort des Ministers der Schlange ber Verleumdung gegen Tirpitz der Kopf zertreten sei. Es sei nachgewiesen, daß Tirpitz durchaus korrekt gehandelt habe. Es sei eine Pflicht der Notwehr gewesen, wenn er den Ge- schichtsklitterungen von links gegenüber die Wahrheit feststellte. Deutschen blieb es Vorbehalten, die Schuldlüge gegen den Deutschen v. Tirpitz zu erheben (Hört, Hört.), das deutsche Volk könne stolz sein aus einen Staatsmann wie Tirpitz. (Lebhafter Beifall rechts).
Damit schließt die Aussprache. Das Mi- uistergehalt wird bewilligt. Ein Zentruins- antrag auf Ermäßigung der Gerichtskosten wird angenommen. Entsprechend dem Aus- schußantrage werden die Kostest für den Staatsgerichtshof zum Schutze der Republik gestrichen. Die weitere Spezialberatung wird um 8.15 Uhr auf Donnerstag 1 Uhr vertagt. Auf der Tagesordnung steht außerdem der Etat des Reichsarbeitsministeriums.
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Nächste Woche Keine Reichstagssitzung.
Berlin, 17. gebt. Der Reichstag beabsichtigt in der nächsten Woche keine Vollsitzungen abzuhalten, sondern die Tage von Montag bis Sonnabend sitzungsfrei zu lassen, um den Ausschüssen Gelegenheit zu geben, mit ihren Arbeiten rascher vorwärts zu kommen. Man rechnet in parlamentarischen Kreisen mit Bestimmtheit damit, datz der Haushaltsplan für 1926 zum gesetzmäßigen Termin, also bis 31.3. erledigt wird.
Regierung stehe bereits über diese grage in einem Meinungsaustausch mit den Dominions. Weiter bestätigte Chamberlain, es fei sehr wahrscheinlich oder so gut wie sicher, daß die grage der Ernennung neuer ständiger Mitglieder in der nächsten Sitzung des Rates zur Sprache kommen werde. Auf eine grage ob Chamberlain nicht der Ansicht fei, datz für den Weltfrieden eine Vertretung Kanadas im Bölkerbundsrat ebenso wichtig fei, wie eine Vertretung Brasiliens, erklärte Ghamberlain, er könne solche Vergleiche nicht billigen, ober die Sympathie der Regierung mit den Wünschen und Bestrebungen sämtlicher Dominions fei ja immer wieder zum Ausdruck gebraust worden.
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Der SlMtftllik in Frankreich
ff Paris, 18. Febr. In Le Havre und Umgegend wecken, dem Beispiel einiger Kaufleute in Paris ^folgend, heute fast sämtliche Kaufleute und Industriellen nachmittags von 2—4 Uhr ihre Geschäfte und Werke geschlossen'
halten, um gegen die neue Stcuerbelastung zu protestieren.
, ff. Paris, 18. Febr. Die Lohnbewegung in der Beamtenschaft der Post-, Telegravhen- und Televbonvcrwaltu'-.g nimmt großen Umfang an. Nachdem vorgestern die männlichen Angestellten ihre Forderungen aufgestellt hatten, fand gestern abend eine Versammlung des weiblichen Personals statt, das mit den männlichen Angestellten in der Bezahlung gleich gestellt werben will.
Die Berhandlungen der Franzosen mit den elsässischen Eisenbahnern.
.. fk- Paris, 18. Febr. Der Minister für öffentliche Arbeiten hat gestern abend im Kammerausschuß für Elsaß-Lothringen übe: feine Verhandlungen mit den elsässischen Eisenbahnern Bericht erstattet. Er erklärte, er habe bereits in der Kammer einen Gesetzentwurf eingebracht, durch den das Statut der elsaß-lothringischen Eisenbahner, auch betreffend ihrer Besoldung abgeändert werden soll. Dieser Gesetzentwurf sei an den Ausschuß für öffentliche Arbeiten acaanaeu...
Frankreich und seine Minder- Hellen
Es ist seltsam: sobald irgetidwo das Wort vom Minderheitenschutz fällt, bann fühlen. sich immer gewisse Staaten in ihrem tief» ' sten Herzen beleidigt. So sestzustellen in Paris, in Romstn Warschau, in Prag. Al- Mussolini in seiner Hetzrede die Durchführung des Minderheitenschutzes kundgab, wie er sie sich denkt, da wußte sich die Presse all dieser Städte vor Begeisterung nicht genug zu tun. Am lautesten tönte der Jubel in Paris. Verständlich: denn die Jtalianisierungsversuche Mussolinis sind ja eine getreue Kopie der Methoden, mit denen Frankreich die Verwelschung des deutschen Rheinlands durchzusetzen versuchte.
lieber die Lösung ber Minderheitenfrage selbst wußte die Pariser Presse nicht viel zu sagen. Denn eine Minderheit gibt e» in Frankreich ja nach der Ansicht der französischen Blätter garnicht. Und das Elsaß? Ja Gott, die Elsässer sind doch Franzosen. Sie sind zurückgekehrt in die ausgestreckten Arme der Mutter Frankreich. Sie sind Franzosen iw ihrem Fühlen und in ihrem nationalen Denken. So lieft man es Tag für Tag in den Leitartikeln der Pariser Presse.
Dieser Tage hat sich etwas begeben, Waden Zeitungen erneut Anlaß gibt, Ihre These in den lebhaftesten Farben leuchten zu lassen. Die' Unzufriedenheit über bie schlechten Lohnverhältnisse hat die elsässischen Eisenbahner jetzt Dazu geführt, zu einem Generalstreik aufzurufen. Die Organisationen 'der Beamten And Lehrer Werden aufgefordert, sich der Bewegung an» zuschlietzen. Und in dem Streikbeschluß, der gefaßt wurde, ist ein Passus enthalten, . der besagt, daß die Kampffront auf alle Verbände im Elsaß ausgedehnt werden soll, „die gewillt sind, aktiv am Kampf für die Durchführung der Rechte der unterdrückten nationalen Minderheiten teilzunehmen."
Dieser Satz hat in der Pariser Presse wie eine Bombe gewirkt. In zahlreichen, in einer nicht gerade maßvollen Sprache gehaltenen Artikeln wird den elsässischen Eisenbahnerverbänden vorgeworfen, daß sie die anfängliche Lohnbewegung jetzt in ein politisches Fahrwasser gelenkt härten und dadurch dem Gewerkschaftskampf einen Charakter gegeben hätten, der äußerst bedrohlich erscheine. Man weift darauf hin, daß vor nut wenigen Tagen der deutsche Reichsaußenminister Stresemann eine Rebe gehalten hätte, die sich mit dem Schutze ber deutschen Minderheiten im Auslande befaßte u Das Zusammentreffen der Worte des deutschen Politikers und des beanstandeten Satzes in dem elsässischen Streikbeschluß könne doch nicht so ganz Zufall sein. Nach diesen Feststellungen wirft sich die Presse Frankreichs und auch die Zeiv tungen ,bie in französischer Sprache im Elsaß Erscheinen, zu der alten Epistel auf, die ein Vorhandensein deutscher Minderheiten glatt ablehnt.
Gibt es etwa noch eine bequemere Auslegung des Minderheitenschutzes? Man braucht nur festzustellsn, daß die' Bevölkerung, die durch Gewalt oder durch einen papierenen Vertrag einem fremden Staate einverleibt wird, gleichzeitig mit dem Erhalt der Staatsbürgerrechte in dem Volkstum des neuen Staatswesens aufgegangen ist — und die ganze Minderheitenfrage ist -erledigt. Mussolini hat Recht. Die Südtiroler sind Italiener geworden, die Elsässer sind- alle Franzosen geworden, die Oberschlesier Polen und die Sudetendeutschen Tschechen. Eine Minderheitenfrage gibt es also nicht mehr. Warum däs böse Deutschland sich aufregt und über Probleme diskutiert, über die sich so ziemlich alle Ententestaaten einig sind, ist ihnen unverständlich.
Es wäre vielleicht zwecklos für uns, sich über solche Narrenpossen, die die Pariser Presse treibt, aufzuregen, aber sie sind doch ein Niederschlag der Stimmung und vielleicht auch der Ansicht der verantwortlicken Staatslenker dieser Länder. Und diese Länder sind alle im Völkerbund vertreten. Sie sind berufen, wie alle anderen Mitglieder des Bundes, über die Regelung des Minderheiteilschutzes zu sprechen ünb zu urteilen. Was wird aber letzten Endes aus den Verhandlungen in Genf beranS- springen, wenn Staaten, die nicht gan; ohne Einfluß auf die Gestaltung der Völ- kerbundspolitik sind, solche Ueberzeugunae-.i vortragen? Diese Erwägungen rnüssen doch zu ernsten Sorgen führen, die deutlich den bitteren Kern enthüllen, drw in be; Frachten dieser französischen Pressedialclsil ih^.