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1 Goldmark '/«>,Dollar.

BesttiunMitt in Köln

Anspmibm Sr. AdmmierS mb Stau«

heiligten Platz haben die fremden Truppen gestanden. Labt uns ihn von neuem die Weihe gehen. Ein Symbol der deutschen Einheit «nd Einigkeit ist unser Dom. Wie Schwurfinger ragen seine mächtigen Türme hervor in den I nächtlichen Simmel.

Wohlan! Sehen auch wir »um Schwur die Hand! Und Ihr alle in deutschen Landen, die Ihr jetzt im Geist bei uns weilt, schwört mit uns. Schwören wir Einigkeit, Treue dem I Volke, Liebe dem Baterlaude, ruft mit mir: Deutschland, geliebtes Baterlaud Hoch, doch, hoch!«

Die Uhr kündigt die Mitternachtsstunde. Auf dem Domplah stehen dichtgedrängt viele Zehntausende. Auch alle Nebenstraßen und mit einer unübersehbaren Menge gefüllt. Als der zwölfte Schlag verhallt, flammten auf hohen Pylonen rechts und links vom Haupt­eingang des Domes Feuer empor. Hunderte von elektrischen Lampen erhellen den Platz taghell. Die deutsche Glocke am Rhein, die Petrusglocke des Domes, begann zu lauten und kündigte Köln an, daß es frei ist. Aus mehr als hunderttausend Kehlen brauste das Deutschlandlied zUm nächtlichen Himmel. Don allen Kirchtürmen der Stadt läuteten die Glocken. Langsam verloderten die Flammen.

Dir Rede dks ettulithtn

Köln, 30. San. (WTB.) Der lang ersehnte Augenblick, in dem Köln von einer siebenjährigen militärischen Besetzung durch die Engländer befreit wurde, war heute mit­tag um 3 Uhr gekommen Dem Vorgang wohnten Tausende und Abertausende auf dem Domvlatz vor dem Bahnhossgebäude bei. Zehn Minuten vor 3 Uhr zogen die englischen Truv ven unter klingendem Spiel vor das Haupt, quartier und nahmen vor dem Oberkomman­dierenden General Thave Ausstellung. Dar auf wurde die englische Flagge her­unter g e h o 11 Die englischen Truppen wurden dann in drei Sonder,ügen nach Wies­baden verladen, von denen der letzte um 4.49 die Bahnhofshalle verlieh. Nach der endgül tigen Befrei,mg Kölns von der Besatzung wurde an derselben Stelle, an der bisher die englische Flagge aufgezogen war, die Köl­ner Flagge weihrot gehidt, was von der Menge lebhaft begrübt wurde. Die ganzen mit der Räumung Kölns in Verbin­dung stehenden Vorgänge sind ohne, jeden Zwischenfall verlausen-

Die Reform des Reichstagswablrechtes.

Berlin, 30. Jan. Wie das Nachrichten­büro des Vereins Deutscher Zeitungsverleger hört, sieben im Reichsministerum des Innern die Vorbereitungen zu einem Wahlreform­gesetzentwurf vor dem Ahschlub, der als Ziel die Abschaffung der Listenwahl, die Einführung der Persöulichkeits- w a h l, die Ausschaltung von Splitterparteien und die Erzielung möglichst klarer Mehrheits- verhältnisie anstreht. Wie wir weiter hören, wird an dem Grundsatz der Verhältniswahl festgehalten. Dagegen soll eine andere, zwech. urähigere Berechnung der Reftftimmen erfol­gen. Die bisherigen groben Wahlkreise sollen durch kleinere ersetzt werden. Es werden wahrscheinlich 156 Wahlkreise geschaffen wer­den. voraussichtlich wird auf 70 000 Stim­men ein Reichstagsabgeordneter kommen, so- dah im ganzen mit etwa 390 Reichstagsahge- ordueten ru rechnen ist- Wahrscheinlich wird das Mahlalter von 20 auf 21 Jahre heraufge- |eht werden. Die Wahlnovelle soll möglichst bald dem Reichstag zugeleitet werden.

Das (nltrnationalt

ArbrMritMommm

ft London, 1. Fehr. Die Antworten der Regierungen von Belgien, Frankreich, Deutschland und Italien auf das bri­tische Ersuchen, oh sie die Einberufung einer Konferenz wegen einer internationalen Rege­lung der Arbeitszeit in der Industrie für wünschenswert halten, sind eingetroffen. Die britische Regierung beschlob darauf, demnächst Einladungen zur Teilnahme an einer Kon­ferenz in London an die in Frage kommendem Regierungen r» richten.

. Die Anmeldung DeulWnndS zum Mkerbuub

Berlin, 30. Jan. (WTB.) Eine Ent­scheidung über die Anmeldung ,um Völker­bund erfolgt, wie die Blätter erfahren, sicher­lich nicht vor Mittwoch. Wenn der Auswärtige Ausschub des Reichstages gehört worden ist, wird sich die Reichsregierung über den Zeitpunkt der Anmeldung schlüssig werden.

Nach.dem 31. Januar werden in der Kölner Zone noch einige Abwicklungsstellen Zurück­bleiben zur Regelung von Schadenersatzan­sprüchen und zur Uebergabr von Mobiliar usw. Diese Abwicklungsstellen werden, wie die Blätter hören, keinerlei Okkuvationsge- walt ausüben.

Köln 31. Jan. Um Mitternacht begann feierliches Glockengeläute des Domes und der übrigen Kirchen Kölns. Um 12 Uhr 7 M,n. I ergriff Oberbürgermeister Dr. Adenauer | das Wort zu seiner Ansprache, worauf die vor I dem Dom versammelte Menschenmenge bte I drei Strophen des Deutschlandliedes sang. l Darauf sprach der preuhische Ministerpräsident Braun. Als er schloh, wurde von der Menge der Choral »Grober Gott, wir loben Dich« angesiimmt. Als die Klänge des Chorals verhallt waren, setzte wiederum das Glockenge­läut ein. I

Nie Ansprache Dr. Adenauers

fk. Köln, 1. Fehr. Bei der mitternächt­lichen Befreiungsfeier vor dem Kölner Dom hielt Oberbürgermeister Dr. Adenauer fol­gende Rede:

Die'Stunde ist gekommen, die so heik und inbrünstig ersehnt ist! Der Tag der Freiheit ist angebrochen! Unsere Herzen fliegen empor ,u Gott dem Allmächtigen! Dank sei ihm, der uns gestärkt in schwersten Tagen, der uns ge­führt hat durch Not und Gefahr. Vereint find wir wieder mit unserem Staate, unserem Volke, unserem Baterlaude. Vereint und frei nach 7 Jahren der Trennung und der Unfrei­heit! In gemeinsam getragener, gemeinsam überwundener Not erwachte die treueste Ka­meradschaft. Ihr deutschen Volksgenossen tn den noch besetzten Gebieten habt Mit uns Schulter an Schulter gestanden. Euch, die Ihr noch der Freiheit entbehrt, grüben rott tn vie­ler Stunde in Liehe und Treue, schweres Haben wir erdulden müsien durch die harte

I Faust des Siegers in 7 langen Jahren. Heute I dieser weihevollen Stunde labt uns davon schweigen. Ja, wir wollen gerecht sein, trotz vielen, was uns widerfahren ist Wir wollen anerkennen, dah der geschiedene Gegner auf politischem Gebiet gerechtes Spiel hat walten

I lassen Hoffen wir, hab unsere Leidenszeit I nickt umsonst gewesen ist, dah nunmehr ein wahrhaft neuer Geist in die Völker Europas

I einzieht. Die Grundsätze des Rechts und der I Maral, die für das Verhältnis der einzelnen I Menschen zueinander gelten, die jeden Men I Wen als frei und gleichberechtigt erklären, müssen auch in Wahrheit nicht nur in Worten Geltung erhalten für die Gesellschaft der

I Völker.

I Brüder, Schwestern! Wir sprechen dir gleiche I Sprache, wir lieben die gleiche Heimat. Cb I reich, ob arm, ob links, ob rechts, dir innersten I nnd tiefsten und menschlichsten Gefühle find I uns allen gemeinsam. Gemeinsame Not ha- I hen wir getragen. Erfahren haben wir, was I Schicksalsgemeinschafi ist.

I Wenn jetzt die Last von uns genommen I wird, wenn wir hinaus treten in die Freiheit, dann labt uns das niemals oergesien! Die-

I jet Platz wurde dereinst geweiht durch dir I zgprte: »Dem Geist deutscher Einigkeit und I Kraft sollen diese Dompforten Tore des Herr-, | ijchsten Triumphes werden « Auf diesem ge-

Sie AbrüiluuMnferkM wird veriugl

fk. Paris, 1. Fehr. WiePetit Pa- eiften berichtet, ist der Generalsekretär des Bölkerhundes Sir Erie Doumond nach Genf zurückgekehrt. Er überbringt den An­trag, die für den 15. Februar angesetzte vor­bereitende Abrüstungskonferenz zu vertagen. Dieser Antrag geht von Frank­reich. Belgien, Spanien und der Tschechoslo­wakei aus. Italien Habe sich angeschlossen, während England sich bis jetzt noch geweigert Hat, den Antrag zu unterzeichnen. Die Ver­tagung soll wahrscheinlich bis 15. Avril ek- folgen. Jedenfalls aber soll der vorbereitende Ausschub nicht später als am 15. Mai seine Arbeit beginnen. Der Antrag auf Vertagung soll nach demPetit Paristen« u. a. damit he- gründet werden, hab einige Länder noch nicht Delegierte bestimmt haben sollen, um die not­wendige und erforderliche Zeit zu gewinnen, und die ernsten Fragen die zur Diskussion ständen, gründlich zu ftudiereu.

Köln, 1. Febr. Der preußische Mini­sterpräsident Braun Hielt bei der mitter­nächtlichen Befreiungsfeier in Köln auf dem Domplatz eine Ansprache, in der ec u. a. ausführte: I

An der berechtigten Freude, welche die I Bevölkerung des geräumten Gebietes tn I der gegenwärtigen Stunde über die lang- I ersehnte und jetzt wiedererhaltene Freiheit empfindet, nimmt die preußische Staatsre­gierung den herzlichsten Anteil. Mit, dw- 1 ser Freude verbindet sich der unauslöschliche Dank der Staatsregierung an alle Kreise der Bevölkerung.

Heißesten Dank zollen und werden wir immer zollen dafür, daß Rheinlands Man­ner und Frauen im Bewußtsein ihrer natio­nalen und wirtschaftlichen Verbundenhett mit dem unbesetzten Vaterland in den ver­gangenen sieben Jahren eine unerhörte Fülle seelischen Leidens und herben Un­gemachs, wirtschaftlicher Not und harter Prüfungen erduldet haben.

Die Drangsale und Entbehrungen der Besatzungsjahre sind von der Bevölkerung | des Rheinlandes für uns alle im unbe­setzten Deutschland getragen worden. Diese Erkenntnis ist heute Gemeingut aller Seut= scheu geworden. Wie bewußt und ehrlich trotz aller Sorgen das Verantwortlichkeits- gefühl des rheinischen Volkes und die Liebe dieses Volkes zu der Bevölkerung Gesamt-

I deutschlands gewesen ist, das kam in er­hebender Weise zu kraftvollem Ausdruck in

I der denkwürdigen Rede, die der Kölner Oberbürgermeister Dr. Adenauer bei der Rheinischen Jahrtausendfeier am Abend des 19. Juni des vorigen Jahres tn Köln ge­halten hat. In jenem Zeitpunkt außenpo­litischer Schwierigkeiten bat der Kölner Oberbürgermeister die anwesenden Vertreter der Regierung und der Volksvertretung, man möge freiwillig in keine neuen Saften und Ketten für Dentfchland einwilngen, lieber wolle die rheinische Bevölkerung Not und Qual weitertragen, bis Recht und Ge­rechtigkeit, auf deren Sieg das Rheinland fest vertraute, dem rheinischen Volk die Freiheit zurückgebe. Diese Bitte Adenau­ers fand allüberall im Rheinland ein lau­tes und uneingeschränktes Echo.

Als. dann in den Ortobertagen des vori­gen Jahres in Locarno die Paktkonferenz tagte, da war es der Wirtschaftsausschuß für das besetzte Gebiet, der am 12. Oktober 1925 von Düsseldorf aus eine Drahtung an unsere Delegation nach Locarno sandte, in der gebeten wurde, die deutsche Delegation möge bei den schwebenden Verhandlungen . nur die Interessen des gesamten deutschen

Vaterlandes berücksichtigen und auf die Lasten deS besetzten Gebiets keine Rück­sicht nehmen, wenn diese Rücksicht etwa nur durch Nachteile für Gesamtdeutschland er­kauft werden müßte. Die Geschichtsschreiber künftiger Jahre werden, wenn sie über bte

rheinische Besatzungszeit das endgültige Ur­teil zu fällen haben, auf diese beiden und ähnlichen Dokumente noch oft zurückgrelsen Die preußische Staatsregierung wird sich immer dankbar und stolz dec in der Zett nationaler Not von der Bevölkerung ihrer westlichen Grenzprovinz bewiesenen mann­haften Treue und beispielloser Opferwil­ligkeit erinnern und in dieser Erinnerung, die stets lebendig bleiben soll, ihre be­sondere Fürsorge und Pflege dem rhei­nischen Volke angedeihen lassen.

Zu solcher Fürsorgebereitschaft rechne ich ganz selbstverständlich auch, daß die preußi­sche Staatsregierung besten Willens ift, den sozialen und kulturellen Bedürfnissen des Rheinlandes in größtmöglichem Umfange Rechnung zu tragen. Auf diese Weise glaubt sie am ehesten das ihr vorschwebend- Ziel erreichen zu können, die letzten lieber- bleibsel deS Mißtrauens, die im Rheinland aus einer früheren Zeit gegen Berlin noch vorhanden sein sollten, restlos zu beseiti­gen. Zu irgendwelchem Mißtrauen ist ja auch jeder Grund fortgefallen, nachdem durch die Verfassung des neuen Freistaates Preußen die Gesamtheit des Volkes, wie es Josef von Görres, der große Sohn des Rheinlandes schon vor mehr als 100 Jah­ren gefordert hatte, zum Träge.c der Staats­gewalt geworden ist.

Die Bevölkerung der Rheinlands stellt ein Fünftel und die Bevölkerung bef Rhein- landes zusammen mit der in Wirtschaft, Kultur und Schicksal besonders verwach­senen Bevölkerung Westfalens ein Drittel der Gesamtheit des preußischen Volkes dar, eines Drittels von so entwickeltem Wirt­schaftsleben und einer so hochstehenden Volkskultur.

Unsere Freude am heutigen Sage wird freilich noch getrübt durch die schmerzliche Tatsache/ daß mehr als vier Millionen Volksgenossen weiterhin unter fremder Be­satzung leben müssen. All diesen unseren noch leidenden Brüdern und Schwestern an Rhein, Mosel und Saar gelten in dieser Stunde unsere herzlichsten Grüße, unser aufrichtigster Dank und die unbedingte Ver­sicherung, daß wir nichts unversucht lassen wollen, um ihre Leiden zu lindern und abzukürzen. Daß diese Abkürzung tn nicht I zu ferner Zeit eintritt, ist unsere zuversicht­liche Hoffnung und bestimmte Erwartung.

I Diese unsere Erwartung stützt sich auf den Geist der gegenseitigen Bölkerverstan-

I diaung, von dem der Pakt von Locarno getragen ist und bet im Rahmen der euro­päischen Völkerfamilie, deren Einzelglieber

I jetzt gleichberechtigt sein sollen, Verständnis und Entgegenkommen auf allen Seiten zur Voraussetzung hat. Aus innerstem Her­zen und von der friedfertigsten Gesinnung geleitet, bejaht die Regierung der Repuvstt

I Preußen jenen neuen und vielverheißenden I auf die moralische Entwaffnung Europas hinzielenden Geist Locarnos.

Unsere Freude am heutigen Sag wird aber auch weiter noch beeinträchtigt durch die traurige Wirtschaftskrise, die unseren gesamten Volkskörper erfaßt und über bte weitesten Kreise Arbeitslosigkeit, Entbeh­rung, Hunger und Verzweiflung gebracht hat, besonders hier im Westen, wo die Ar­beitslosigkeit nicht nur zahlenmäßig grötzer ift, sondern in den meist großstädtischen I unb industriellen Gebieten sich auch drücken- I der und entmutigender auswirkt. Es rotrb des vereinten Zusammenwirkens aller Seile unseres Volkes bedürfen, um über die ge­genwärtige Bolksnot, dieser schwersten Aus- I Wirkung des verlorenen Krieges, hinwegzu­kommen und unserem arbeitsamen Volk tn I langsamem wirtschaftlichen Wiederaufstieg eine lichtere Zukunft zu bereiten.

Hierauf erwähnte der Ministerpräsident I die außerordentliche Hochwasserkatastrophe, der die Staatsregierung trotz der großen Finanznot zu begegnen sich bemüht hat. Er schloß mit den Worten: Möge bte weihevolle historische Stunbe, in der wir hier- am Fuße des heiligen Kölner Doms zusammen- qetreten sind, uns in dem erneuten Ge­löbnis vereinen, treu zu Preußen, treu zum Reich zu stehen unb nun befreit von dem lähmenden Druck der Besatzung tn gemeinsamer zäher Aufbauarbeit unser deutsches Vaterland durch das Dunkel der trüben Gegenwart einer besseren Zukunft

entgegenzuführen. *

einige Zeit «ach dem Eiuziehe« der eng­lische« Flagge rourde auf dem hisherge» briti­sche« Hauptquartier eine riesige schwarz-weibe Preubenfahne unter den brausenden Hochrufen der «och immer zahlreich aus dem Domvlatz versammelte« Menge gehibt. Das hiefige Telegravhenamt bat an ave mit ihm verbun»

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