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Overhessische Zeitung, Marburg e. L. Sonnabend, den 30. Januar 1926

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und Berichten, die alle Zeugnis davon legten von dem innigen Band, welches beiden Völler Deutschlands und Chiles bindet.

Zugleich feierte Valdivia beim Besuch

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Marburg im Rauhreif. Soeben gehen uns weitere vier neue ausgezeich­nete Aufnahmen von Marburg zu, das Schloß im Rauhreif darstellend. Die Kar­ten sind in Handkupferdruck ausgeführt und bei Elwert erschienen, aber auch in allen einschlägigen Geschäften erhältlich.

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Am Freitag, den 22. d. Mts. htelt Herr Studienassessor Dr. Zimmermann den an­gekündigten Vortrag:Hessische Außenpolitik unter dem Hofmeister Hans von Dörnberg." Einleitend wies der Vortragende auf die grund­legende Bedeutung der Politik Ludwigs I. hin, dessen lange, fried fertige Regierung den An­fang einer gesunden, stets fortschreitenden Aus­wärts-Entwicklung des hessischen Staates bringt, die dann unter Philipp dem Großmütigen ihren Gipfelpunkt und katastrophalen Abschluß fin­det. Auf dem Gebiete der Außenpolitik sind Ludwigs wichtigste Erfolge der Erwerb der Grafschaften Ziegenhain und Nidda und die Verlobung seines zweiten Sohnes Heinrichs III. mit Anna, der Erbin von Katzenellenbogen.

Nach dem Tode Ldgr. Ludwigs I. im Jahre 1458 steuert die Landgrafschaft zunächst einer schweren Krise zu, die hervorgerufen wird durch das im Verlobungsvertrag mit Katzenellenbo­gen (1446) gegebene Versprechen, Heinrich III. eine selbständige Herrschaft zu geben. In der Ausführung bedeutet das eine Teilung der Landgraffchast zwischen den beiden ältesten Brüdern Ludwig II. und Heinrich III. und zwar erhält Ludwig II. Nicderhcssen mit der Residenz Cassel und Heinrich III. das Land a. b. Lahn und die Graffchaften Ziegenhain und Nidda mit der Residenz Marburg.. Das ganze folgende Jahr^hnt ist erfüllt mit den Ver­suchen, diese Teilung zu bewerkstelligen. Die $er ^einblütigen, bie unter ber x3etbüje bet Lcrndstänbe unb befreundeten Fürstenhäuser ge- führt wurden, rufen aber eine stets wachsende sEntftemdung der beiden Brüder hervor, die dann schließlich in der Brudewehde (1468/69) ihren gewaltsamen Aus trag ftnixt.

Die Entfremdung der beiden Bruder wird zuerst erkennbar in der Mainzer Sttftstehoe (1461/63), in der sie aut verschiedenen Een kämpften. Alleckings bekamen sie dadurch auch von beiden Parteien eine Belohnung, w daß

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Vorn Landgericht. Ein Bursche, der bei einer Schlägerei jeden Grund blindlings mit dem

Kreuzers daselbst die 75- Jahrfeier der Ankunft der er st en deutschen Ko - lonisten in Chile.

Welche Bedeutung die chilenische Regierung der Kolonisation durch die Deutschen beilegt, -vrbellt aus--'Siner' Ansprache des zukünftigen Präsidenten Chiles, in der er sagte:Es ist geradezu unglaublich, was die Deutschen aus dem Nichts geschaffen haben." Der Tag der Feier war für Valdivia ein gesetzlicher Feier­tag.

Unter den 27 000 Einwohnern Valdivias sind ca. 3000 Deutsche. 1850 war Valdivia noch ein aus Holzhütten mit Strohdächern er­bautes Dorf, durch die seit dieser Zeit dort eingewanderten Deutschen wurde es eine mo­derne, elegante Stadt, in der die größten In­dustrien und Handelshäuser von Deutschen ge­gründet worden sind.

Deutsche Kirchen, deutsche Schulen, Kran­kenhäuser, Sport- und Eeselligkeitsvereine sind vorhanden, blühen und gedeihen.

Auch Hessen und speziell Marburg hat schon immer Männer in Chile besessen, die dem Deutschtum dort zu gutem Ansehen verholfea haben. Es sei nur an Konsul Dr. Ochsen ins und Wilhelm Schmidt erinnert, ersterer hat

ist, ab, das in den Worten ausklang:Als chilenischer Offizier gelobe ich, daß wir stets

Nikodemus, dem fern Wissen nicht hilft, oder ein Zöllner tu unserem Jahrhundert, selK sind sie, sagt der Prediger vom Berge. Diek.

*2luchElektrvkarren find steuer­pflichtig. Elektrokarren sind nach einem Urteil des Reichsfinanzhvfs im Straßenver­kehr als Kraftfahrzeuge anzusehen, die zur Beförderung von Gütern zu Lande dienen und demnach zur Kraftfahrzeugsteuer heran­zuziehen sind. Das Gesetz, sagt die Be­gründung. stellt als Doraussetzung für die Steuerpfticht nur auf, daß es sich um Land­fahrzeuge handeln muh, die durch Maschinen­kraft bewegt werden, ohne an Bahngleise gebunden zu sein. Daran ändert auch nichts, daß bei den Karren kein Sitzplatz für den Führer vorgesehen ist. Sie dienen der Be­förderung von Gtftern auf öffentlichen Straßen und Plätzen.

* Freie Heirat. Die HeiratsordnunO für die frühere Sicherheitspolizei ist aufge­hoben. Die Beamten der Schutzpolizei brauchen die Unterlagen nicht mehr vorzu­legen, die bisher vorgeschrieben waren, wenn sie heiraten wollen.

Der Oberhessisehe Gebirgs­verein veranstaltet heute Sonnabend, um 8 Uhr beginnend, in den Stadtsälen einen Festabend mit Theaterstücken, Schatten­spielen, Tanz usw. Der Reinertrag wird zu Gunsten des Rimbergturms verwandt. Gäste können durch Mitglieder eingefiihrt wer­den.

* Wendling-Quartett- Nach länge­rer Pause dürfen wir am 8. Februar iw dem 5. Abonnementskonzert das Wendling-Quar­tett ans Stuttgart wieder hier begrüßen. Die Künstler sind durch die früheren Kammermusik- Veranstaltungen allen Musikfreunden noch in bester Erinnerung, sodaß eine besondere Emp- srhkung derselben sich eriibrtgt. Zum Vortrag gelangt das A-dur-Onartett von Schumann, Beethoven Opus 59 Nr. 1, ferner Weisman, Phantastischer Rergen. Einzelkarten sind von Montag ab bei Elwett erhältlich.

* Die Gesellschaft Brudersinn, einer der ältesten Gesellschaftsvereine Mar­burgs, beging am vergangenen Sonntag, so schreibt man uns, in den Stadtsälen die Feier des 50 jährigen Bestehens. Von den Gründern konnten noch drei Herren an der Feier teilnehmen. Diese nahm einen sehr schönen Verlauf und erbrachte den Beweis, daß der brüderliche und kamerad­schaftliche Geist, genau so wie in früheren Jahren, auch heute noch vorherrschend ist, zum Wohle und Gedeihen der GeseUschaft.

(-) Neustadt, 29. Jan. Durch die Firma . Landwehr & Schulz in Kassel wird zur Zeit die Strecke TreysaKirchham der zweiten Heber» laichzentrale ausgebaut, nachdem die Strecke BorkenZiegen Ham fertiggestellt und in Be­trieb gefetzt worden ist. Hierdurch ist in unserer Stadt wieder Verkehr eingezogen, eine Anzahl Leute strchen lohnende Beschäftigung. Last­autos durchfahren die Stadt und bringen die eisernen 14 Meter hohen Masten vom hiesigen Bahnhof an die Baustellen der umliegenden Ge­markungen. Das Kraftwerk wird eine Leitung mit vier Fasern geben, während die erstere sieben Fasern enthält. Dasselbe soll speziell den Kreis Kirchhain mit Licht versorgen, die Stadt Kirchham wird eine Umladestation er­halten. Zu dem Transport der Masten dient, der sogenannteRaupenschlepper".

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Marburg und ilmgrgend

Marburg, 30. Januar (Hartung).

Februar.

Schnell wie im Fluge enteilt die Zeit. Dom neuen Jahre ist nun wieder dec erste Monat dahin und Montag beginnt der Februar. Dieser Monat verdankt seinen Namen der Römischen Reinigungsgöttin Februa, er war bei den alten Römern der letzte Monat des Jahres. Der altdeutsche Name des Monats Februar heißt Hornung. Man nennt ihn aber auch Faschings-' oder Narrenmonat. Im übrigen ist der Februar ein Monat, den man gern hat, denn er weckt die Hoffnung auf den nahenden Früh­ling. Ter Dichter singt ja auch:

Es geht ein Leuchten durch die Welt, Die ersten grünen Halme sprießen, Der Saat harrt hungrig rings das Feld, Am Weidenbaum die Knospe schwellt, Lenzsehnsucht will sich rings erschließen. Wird unser Frühlingsträumen wahr? So fragt das Herz im Februar.

zugestochen und mehrere Personen hatte, wurde zu 7 Monaten Gefängnis Nach Verbüßung von vier Mo-

Freunde Deutschlands waren, sind und immer sein werden." Oberst Prieto erinnerte daran, daß der Kavitänleutnant Keilhack von der Berlin" Teilnehmer an der Fahrt des Ge­schwaders des Grafen Svee war, der bei den Malvinen den Heldentod starb, in (Erfüllung seiner Pflicht, wie der chilenische Nationalheld Arturo Prat, dem er gleichzuachten sei.

Die Zeitungen deutscher sowohl als spani­scher Sprache brachten in den Tagen des Kreuzer-Besuches viele Seiten mit Bildern

Heu- onntag, ittwoch, it. itt. 15 a. äbienft; Sottest

das gesamte Hessen einen ansehnlichen Ge­bietszuwachs davontrug. Dieses diplomatische Meisterstück vollbrachte Hans von Dörnberg, der in der schier unentwirrbaren Fehde es hatten sich nämlich säst alle Mainz benach­barten Fürsten beteiligt den Frieden ver­mittelte. Auf Grund dieses Erfolges und sei­ner eifrigen Tätigkeit in den folgenden Jahren wußte er das Vertrauen seines Landgrafen Heinrich III. so zu gewinnen, .daß dieser ihm die unumschränkte Verfügungsgewalt über den oberhessischen Staat einräumte. Ms zu sei­nem im Jahre 1500 erfolgenden Ausscheiden ist Hans von Dörnberg der allgewaltige Len­ker der oberhessischen Polittk geblieben.

Im Jahre 1464 beginnen die Teilungsver­handlungen von neuem. Sie sind durchaus von dm oberhessischen Forderungen bestimmt und zeigen eine konsequente Entwicklung in dem Sinne, daß der Hofmeister die ursprüng­lich geplante Ueberordnung des Casseler Land­grafen, die zur Erhaltung der Einheit des Landes in der Form der Mutschierung gesucht wurde, allmählich abschüttelt und die völlige Selbständigkeit Oberhessens in dem Frieden von 1470 erreicht.

Durch ben plötzlichen Tod des erst 33jährigen Ludwigs II von Cassel wird Landgraf Hein­rich III. im Jahre 1471 Vormund seiner bei­den unmündigen Vettern Wilhelms I., des Aelteren, und Wilhelms II., des Mittleren. Damit beginnt die zweite und glanzvollste Periode der Außenpolitik Hans v. Dörnbergs. Das Schicksal stellt ihm die Kräfte des gesamten Hessmlandes zur Verfügung, und er setzt sie nach außen hin an. Der Versuch, Ldgr. Her­mann zum Bischof von Hildesheim zu machen, wird bald ausgegeben, da inzwischen ein loh­nenderes Ziel lockt: di« Einmischung in den Streit Mischen Erzbischof Rupprecht von Cöln und seinm Ständen. Das Bündnis der von Karl von Burgund aufs schwerste bedrohten Stadt Cöln mit Ldgr. Heinrich III. bildet den Auftakt der Cölner Stistssehde, die von dem hessischen Heere mit Unterstützung des spät

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Von einem in Santiago lebenden Marbur­ger ist uns ein Bericht zugegangen über die großen Feiern gelegentlich des Besuches des deutschen KreuzersBerlin" in den Chileni­schen Hafenstädten und in der Landeshauvt- stadt Santiago im verflossenen Dezember. Auf Einladung der Regierung statteten der Kommandant, eine Anzahl Offiziere und etwa 70 Mann der Besatzung des Kreuzers, der Stadt Santiago, das etwa drei Eisenbahn­stunden vom nächsten^ Hafen Valparaiso ent» fcrnt liegt, einen Besuch ab.

Vom Bahnhof aus, von Tausenden begrüßt, marschierte die Truvve unter Vorantritt einer chilenischen Regimentskavelle, durch die Hauvt- straßen der Stadt, die mit chilenischen und deutschen Fahnen geschmückt waren. Auf dem ganzen Wege wurden die deutschen Seeleute, die in strammer Haltung dahermarschierten und einen prächtigen Eindruck machten, nicht nur von den Landsleuten sondern auch von den Chilenen in herzlicher Weise begrüßt.

Bei dem vom Deutschen Club gegebenen Festessen, an dem die Spitzen der chilenischen Behörden teilnabmen, wurden herzliche Worte für die Freundschaft und die engen Beziehun­gen Deutschlands und Chiles gewechselt. Der Direktor der Kriegsschule, Oberst Dareelo, er­innerte an die zahlreichen Dienste, die Deutsch­land Chile erwiesen habe, sei es auf dem Ge­biete der Wissenschaft, sei es durch die Aus­bildung seines Militärs, durch Entsendung von Instrukteuren, von denen heute noch einer, Oberst Deiner!, unter ihnen weile. Oberst­leutnant Vergara sagte u. a.: Während des Weltkrieges hätten die Chilenen hier draußen den Nachrichten vom Kriegsschauplatz mit ebensolchem Herzklopfen entgegengesehen, wie die Deutschen selbst, mit denen sie sich aus verschiedenen Gründen blutsverwandt fühlen. Oberst Ponce legte in einer Ansprache das Bekenntnis der Treue zu allem, was deutsch

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Zur Frage »er Kraftpostlinie KirchhainWittelsbergFranhansen.

Die Durchführung der Kraftpostlinie KirchhainWittelsberg über Ebsdorf nach Fronhausen hat die Gemüter recht in Auf­regung versetzt; dagegen sind Stadt und Kreis Marburg, vermutlich aus Befürch­tungen, die Post möchte dem Verkehr nach Marburg und der Kreisbahn Abbruch tun, entschieden dafür sind die an der Linie liegenden Dörfer. Daß ihr zweifellos vorhandenes Verkehrsinteresse mit dem Ver­letze nach Marburg nicht in Widerstreit kommt, mag ein Blick auf den vorgesehe­nen Fahrplan bartun: Eintreffen der Kraft- post in Fronhausen 6.50, 3.50, 6.35; An­schluß nach Marburg 7.07, 4.01, 6.44; a Gießen erst 7.23, 4.52, 7.07). Der stutz nach Gießen ist also zum Teil sehr wesentlich ungünstiger, die Reise nach Marburg vorteilhafter Für die von Marburg her in Fronhausen eintreffenben Züge ergeben sich folgende Anschlüsse: Fron­hausen an: 6.01, 4.52, 7.07; Anschluß nach Ebsdorf ab 6.55, 5.05, 7.10: Gerade wegen dieser für die Nachmittagszüge von Marburg besonders günstigen Anschlüsse wird die Reise in die Kreisstadt Marburg anstatt nach Gießen bevorzugt werden: die bisherige Erfahrung bei den Probefahrten lab Fronhausen 5.05) hat auch schon ge­zeigt, daß mit einer sehr guten Besetzung des Postautos mit Reisenden, die aus Mar­burg kommen, zu rechnen ist. Die günstigen Verbindungen nach und von Marburg wer­den sicher den Verkehr dorthin mehr för­dern als den nach Gießen.

Als Bahnstation kommt Fronhauseu eigentlich nur für die Dörfer Belin- (Si- cherts-)hausen, Hassenhausen, Erbenhausen, vielleicht noch Hachborn mit Ilschhausen und dem Hof Fortbach in Betracht. Bei der kurzen Entfernung HachbornEbsdorf wird Ebsdorf als Station der Kreisbahn nach wie vor für Hachborn usw. feine Bedeu­tung behalten, zumal da die Anschlüsse der Post in Ebsdorf auch günstig liegen: Hachborn ab; 7.15, 5.26, 7.31; Ebsdorf an 7.19, 5.32, 7.36; nach Marburg ab 8.03, 6.12, 8.36. Mit Benutzung der ersten Post kann man Marburg sogar noch eine halbe Stunde früher mit der Kreisbahn erreichen, als mit der Staatsbahn. Eine Schmälerung ihres Zuspruchs wird also die Kreisbahn wohl kaum von der geplanten Kraftpostlinie zu befürchten haben, und erst recht nicht die Stadt Marburg. ,

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aufgebotenen Reichsheeres erfolgrrtd) durch ge­kämpft wurde. Cöln hatte allerdings die rie­sigen Kosten zu bezahlen, und wie sehr Hans von Dörnberg die hessischen Belange im Auge behielt, erhellt auch daraus, daß er während der Belagerung von Neuß trotz der gegenteili­gen Cölner Bundesbestimmungen mit Karl von Burgund verhandelte. Der im Jahre 1475 geschlossene Friede bestätigte den Sieg der Ständepartei: Ldgr. Hermann wurde im , Jahre 1480 als Erzbischof von Cöln bestätigt.

Damit hatte Hessen einen gewaltigen Erfolg errungen. Sein maßgebender Einfluß aus den nördlichen Westen des Reiches ist während der Regierung Erzbischof Hermanns gewahrt geblieben. Er wurde noch dcchurch verstärft. daß mit dem Tode des Grafen Philipp von Katzenellenbogen diese reiche Landschaft an Ober Hessen fiel. Damit faßte die Landgraf- schäft an wichtigen Zollstätten (Gernsheim, St. Goar) des Rheinstromes Fuß und griff über den Main hinaus bis in das Gebiet des Neckar. So waren die Vorbedingungen für eine Weiterentwicklung gegeben, oie Hessen zum ausschlaggebenden Territonum Mitteldeutsch­lands hätte werden lassen können, wenn das folgende Jahrhundert die konsequente Wetter­führung dieser Polittk gebracht hätte.

Mit dem Tode Heinrichs III. (1483) ging dem Hofmeister die Verfügung über die nieder- hessischen Lande verloren. In der- nunmehr abschließenden 3. 13mobe seiner außenpoliti­schen Tätigkeit beschränkte er sich auf die recht­liche Sicherung seiner Erwartungen durch eine besonders innige Verbindung mit dem Kaiser, besonders Maximilian, und eine dement­sprechende Heiratspolittk.

Alles in allem bedeutet die Außenpolittk Hans von Dörnbergs die folgerichtige Aus­gestaltung der überkommenen Möglichkeiten, die Verlegung des hessischen Schwerpunktes nach Westen und Süden, die Grundlegung der Po­litik Philipps des Großmütigen. So ist Hans von Dörnberg zweifellos einer der größten Staatsmänner seiner Zeit. 2>.

naten kann Strafaussetzung erwogen wer­den. Der erste Richter hatte auf nur 4 Monate Gefängnis erkannt, das Gericht hielt diese Strafe jedoch für zu gering, weil bei Benutzung des Messers bei Zan­kereien ein für allemal die Milderungs­gründe in Wegfall kommen sollen. Der Einwand, daß Notwehr vorliege ließ das Gericht auch nicht gelten. Ein anderer Angeklagter hatte nach der Rückkehr von einer Fätzchenpartie solchen Lärm- ge­macht, daß schließlich, ohne datz es durch die Ortsschelle bekannt gemacht war, etwa 200 Personen der Vorstellung beiwotziiten. Diese bot Bedrohungen und Beleidigungen und als die Polizei kam und Feierabend bieten wollte, kamen auch die Ratsherren und Beamten an die Reihe. Trotz aller Be­teuerungen, datz er von nichts mehr wisse, hielt das Gericht die erste Strafe für rich­tig. 6 Wochen Gefängnis, 3 Tage Hast und 50 Mark Geldstrafe lautete das Ur­teil für den schon vorbestraften Angeklagten.

* Unfälle bei B a h nun t er hal- tungsarbeiten. Unfälle durch Heber- fahren arbeitender Bahnunterhaltungsarbeiter sind in letzter Zeit wiederholt vorgekommen. Zu deren Verhütung bestehen genaue Vor­schriften. Es muffen ausreichende Sicher­heitsposten mit Signalhörnern aufgestellt wer­den. Dann ist das Verhalten der Arbeiter beim Ertönen der Signale genau vorgeschrie­ben. Auf jeden Fall müssen die Arbeiter sofort die Arbeit einstellen und an den vor­geschriebenen Stellen Aufstellung nehmen,, be­sonders bei ungünstiger Witterung, auf un­übersichtlichen und drei- oder mehrgleisigen Strecken. Ebenso ist darauf zu halten, datz Arbeiter sich bei dem Wege von und zur Arbeitsstelle und auch sonst nicht eigenmächtig von der Kolonne entfernen. Die genaue Beachtung dieser Vorschriften soll fottgesetzt scharf überwacht werden. In Zukunft werden alle Verstöße streng geahndet, auch wenn kein Unfall entstanden ist.

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in den 80er Jahren ein Buch über Chile ge­schrieben, das große Verbreitung erlangt hat.

Hoffen wir, daß die Kundgebungen dazu beitragen, auch die wirtschaftlichen Beziehun­gen zu Chile, die während des Krieges viel an Nord-Amerika verloren gingen, wieder anzubahnen zum Wohle beider Völker.

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Selig sind die, die da geistlich arm sind; denn das Himmelreich i st i h r." Das Wort von der Schwelle des Reiches Gottes. Wenn der fromme Jung- Sttlllng den Seligpreisungen Jesu die seine hin­zufügte:Selig sind, die da Heimweh haben, denn sie sollen nach Hause kommen", so hat er eigentlich nur dieses Wort Jesu umschtteben. Die da Heimweh haben, die haben allen Stolz und Tand von der Seele getan; die stehen nackend und bloß an der Tür, und es ist sicher, daß'sie ihnen aufgetan wird. Gei stli-ch arm, darin erst vollendet sich der Begttfs des christ- lichen Armutideals. Kein mönchisches Armut­gelübde erfüllt seinen Zkoech wenn es nicht di« irdischen Güter abtut, um die Seele frei­zumachen, daß sie sich zu Gaste auf der Erde fühle . Und es kann gar nicht einmal diesen Weg frei machen, wenn er von anderen als materiellen Dingen versperrt wird, wenn etwa wir noch etwas von Kulturstolz tn uns tra­gen, wenn geistiger Besitz uns geist­lich dünkt . Hier an der Schwelle gelten frtne materiellen und ideellen Pässe, und da wir L;t einen nicht haben, der gilt, da wir nicht mit Gewißheit beschwören können, wir seien vom Geiste Gottes berufen, so ist schon nur die eine Möglichkeit, keinen vorzuzeigen und auf die Gnade dessen zu harren, der uns seines Hauses $ forte öffnet.

Geistlich arm aber ist man eigentlich, sobald man sich über sich selbst Bescheid weiß sobald man einmaltn seines Nichts durchbohrendem Gefühle" vor dem Angesicht des Bergpredigers gestanden hat. Jener Zöllner aus dem Gleich­nis. der nicht mit Spenden protzte, sondern an seine Brust schlug:Gott sei mir Sünder gnä­dig". oder nicht im Gleichnis Nikodemus, der gesetzeskundige Pharisäer,ein Oberster unter den Juden" den aber seiner Seele Fra­gen bei Nachtzeit vom Lager zu Jesu ttteb, weil ihm all sein Wissen und fein Eifer nicht zur Erfüllung seines Sehnens verhalf, das sind geistlich Arme, ob sie nun reich an Gütern des Besitzes oder des Wissens waren und erst den Bankerott des Irdischen erleben mußten, oder ob sie auf geradem Wege kamen, von vorn­herein ihrer Unzulänglichkeit bewußt. Man kann nicht erst geistlich arm werden, denn wir sind alle geistlich arm, aber man muß darum wissen, daß wir es sind, und denen, die das begriffen haben, gilt das Wort der herrlichen Verheißung, die gar nicht einmal nur eine bloße Verheißung ist. Ties ist des from­men Stilling Vettröstung:denn sie sollen nach Hause kommen" . aber Jesus spricht nicht von Zukünftigem, sondern von Gegenwärtigem: ,chcnn das Himmelreich ist ihr".

Ich wüßte fein besseres Bild dieses Gedan­kens als es Max Klinger gemalt hat tn jenem kühnen Bilde da der Heiland hinter ihm tragen feine Jünger das Symbol des .Kreuzes hineintritt in die griechische Götter­welt . Um ihn das spielende Treiben der herr­lichen Götter einer hohen und schönen Kultur. Abweisend verspertt ihm Ares den Weg, der stolze. Hebe kredenzt ihm den Becher, und meint noch etwas zu verschenken zu haben; Psyche aber, nackt und bloß, finft vor ihm in die Knie und blickt ihn mit glaubensstillen Augen an. Von der Psyche als olympischer Göttin haben die Gnechen eigentlich gar nicht so viel ge­sprochen; sie spielt eine ziemlich bescheidene Rolle unter den Großen der Vorstellungswelt. Psyche aber ist die Seele. Geistlich arm fein heißt nichts als Seele fein vor dem Angesicht Jesu. Ob das hie Göttin jenes künstlerischen Bekenntnisses oder ein Bet- telmädchen an der Straße ist oder ein moderner

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