Dienstag, toi 19. Smmm 1926
«te ^vderheMfib« Zeitung" et- Meint sechsmal wöchentlich. 9t- «gsprets monatlich 2 SM. au«- fließt. Zustellungsgebühr, durch tztePost2.25 GM.Für etwa infolge Streik«, Maschinendefekte »der elementarer Ereignisse ausfallende Kümmern wird kein Lisa» geleistet. Verlag v. Dr. §. Hiheroth, Druck der Unib.-Buchdruckerei b. g,h. Aug. Koch, Markt 21/23. Fernsprecher: Rr. 55.«. Rr. 666. Postscheckkonto: Amt Frankfurt a. M. Nr. 5015. — Sprechzeit her Redaktion von 10—11 und »,,1—1 Uhr.
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Nr. 15 bl.Mrg. Mardms o. Lahn
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nenvolitik im werden solle. Ueberzeugung tikolariftischen
Geiste der Verfassung gesichert Sie ist nicht in der Lage, diese vor einem unbegründeten var Mißtrauen preiszugeben.
ft. Berlin, 18. Jan. Die demokratische Reichstagsfraktion nahm um 1412 Uhr nachts ihre Sitzung wieder auf und Iahte, wie das Nachrichtenbüro deutscher Zeitungsverleger hört, nach kurzer Beratung einstimmig folgende« Bejchlub:
Die Fraktion der deutschen- demokratischen Partei ist nicht gewillt, infolge des Einspruchs der Bayerischen Volkspartei a u s ihre Sitze für die Besetzung des Innenministeriums zu verzichten. Sie hat diese Besetzung aus der Ueberzeugung vertreten, dab durch sie die Führung der In-
Das Kabinett der Ritte «ehhetterl
Die Demokralen wellen ans das Mneaininifteriiun Ml veMlen
die Abgeordneten Koch, Erklenz und Haas zum Rcichswehrmlnister Gcßler begeben, der einerseits mit dem Reichskanzler Dr. Luther Fühlung nehmen wird.
Dieser Beschluh wird am Dienstag vormittag um 10 Uhr dem Reichskanzler und den anderen Parteiführern mitgeteilt werden.
In demokratischen Kreisen nimmt man an, daß die Bemühungen Luthers um die Bildung eines neutralen Kabinetts der Mitte als gescheitert anrusebe« sind-
Hepp lehnt ab, wenn Koch bleibt.
Berlin, 18. Jan. Wie der „Lok.-Anz." erfährt, hat der volkspartriliche Abgeordnete Hepp, der zweite Vorsitzende des Reichslandbundes, dem Reichskanzler erklärt, daß er nicht in der Lage sei, in einem Kabinett mit Herrn Koch als Innenminister das Amt eines Ministers für Ernährung und Landwirtschaft zu übernehmen.
In den Mittagsstunden hielt di- Deutsche Volkspartei eine Fraktionssitzung.ab und beschloß, wegen der durch die Bayerische Volks- Partei aufgetauchtrn Schwierigkeiten ihrem Parteiführer Scholz Handlungsfreiheit für feine Entschließungen zu geben.
Das neutrale Kabinett der Mitte gescheitert?
ff. Berlin, 19. Jan. Wie mehrere Blätter melden, nimmt man in parlamentarischen Kreisen an, dah durch den Beschluh der Demokraten die Bemühungen Dr. Luthers um die Bildung eines neutralen Kabintets der Mitte als gescheitert anzusebcn seien. Wie der ,Lokal-Anzeiger" schreibt, wolle Dr. Luther dann mit einem freigebilbeten Kabinett — andere Zeitungen sprechen von einem Veamtenkabinett — vor den Reichstag treten. Der „Vorwärts erklärt, die Beamtenregterung werde sich nur Bolten können, wenn das Zentrum für das Kabinett gewonnen werde; scheitert sie, so bleibt als einziger verfastungsmähiger Weg die Auflösung des Reichstags.
fk. Berlin, 19. Jan. Reichskanzler Dr. Luther empfing heute Vormittag die Führer der Mittelparteien zu der gestern angefag ten Besprechung, in der zunächst die Demokraten ihren heute Nacht geiahten Beschluß Mitteilen werden. UeKer den Ausgaag der Verhandlungen ist noch nichts bekannt geworden.
MWnntfenate Anträge
auf BerfÄlungSSudemng Einschränkung der Befugnisse des Reichstags, Verminderung der Abgeordnetenzahl
ff. Berlin, 19. Jan. Auf der Gründungsfeier der Deutschnationalen Volksvartei in Berlin kündigte Graf Westarp in feiner Festrede an, dab die Deutschnationalen eine Reibe von Anträgen im Reichstag einbringen werden, die eine Einschränkung der Befugnisse des Reichstags und somit der Wirksamkeit der Parteiherrschait anstrebt. Bei dem Antrag handelt es sich um die Stärkung der Stellung des Reichspräsidenten und um Abschaffung des Artikels 54 der Reichsverfassung, wonach der Reichskanzler bei jedem Miß- trauensvotum des Reichstags zurückzutreten gezwungen sei. Verlangt werde das Recht für den Reichspräsidenten durch Anweisung bezw. Ernennung des Reichskanzlers eigene Politik zu treiben, wie es zum Beispiel in Amerika möglich sei. Im Reichsrat müsse Preuhen den Vorsitz erhalten. Schließlich werden die Anträge eine Herabsetzung der Za bl der Reichstagsabgeordneten fordern, da Deutschland sich es in der heutigen Notlage nicht leisten könne, dah 2000 Männer und Frauen in den Parlamenten des Reiches und der Länder Diäten bezögen. Für den Reichstag käm es praktisch zu einer Verminderung der Sitze dadurch, dah man das Wablalter auf das 24. oder 25. Lebensjahr hinauf- setzt.
Berlin, 18. Jan. Die Reichstagsfraktion der Bayrischen Volkspartei faßte in ihrer heutigen Nachmittagssitzung folgenden Beschluß, der sofort dem Reichskanzler Dr. Luther und den Reichstagsfraktionen des Zentrums, der Demokraten und der Deutschen Volkspartei mitgeteilt wurde:
1. Die Reichstagsfraktion der Bayrischen Volkspartei erklärt eine Lösung der Kabinettsbildung mit Herrn Koch als Innenminister für untragbar und würde beim Festhalten an dieser Lösung an einer Koalition auf dieser Grundlage nicht teilnehmen können;
2. angesichts der großen politischen Schwierigkeiten für den Fall einer parteipolitisch-parlamentarischen Besetzung des Innenministeriums erachtet die Fraktion die Besetzung mit einem Fachmann als richtige Lösung.
3. Je nach Erledigung dieser beiden Punkte wird die Stellungnahme zu den weiteren Verhandlungen sich gestalten.
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Um 6 Uhr empfing Reichskanzler Dr. Luther dir Führer der Mrttelpar- teien zu einer Besprechung. Von der Deutschen Volkspartei waren Dr. Scholz uns Zapz, von den Demokraten Haas und Erk-lenz, vom Zentrum Marx und von der Bayerischen Volkspartei Leicht erschirnen.
Gleich zu Beginn der Sitzung verlas der Abgeordnete Leicht die Erk.ärung der Bayerischen Volkspartei und führte in oer Begründung » us, daß der Abgeordnete Koch em zu prominenter Demokrat UNL außerdem zu unitarisch gesinnt sei, sodaß di- Bayerische Volkspartei gegen ihn als R-ichsrnnen- minister Einspruch erheben müsse. Nach mehr als zweistündiger Dauer wurden dre Veryand- lungen abgebrochen. Wie das ^K>z.-Büro erfährt, konnte eine Einigung über die strirtr- gen Fragen der Zusammensetzung des Kabinetts noch nicht erzielt werden. Die Verhandlungen weiden daher am Dienslag vormittag 10 Uhr wieder ausgenommen werden.
Wie die Tel.-Union erfährt, gestalteten sich die Verhandlungen in dieser Sitzung so schwierig, imß sie entgegen der vorgestrigen amtlich-« Ankündigung fcute abend nicht zu einem irgendwie abschließenden Ergebnis geführt werden konnten. Di- Demokraten erheben- auch weiterhin grundsätzlich Anspruch aus das Innenministerium und verlangen Mlßndem ein wichtiges Ministerium für Koch. In Kreisen der Deutschen Volkspartei ist man der Auffassung, daß tee Lösung nur zu finden ist, wenn di- Demokraten ihre Ansprüche zurückschrauben. Ge rüchte, die berefts davon wissen wollen, daß Dr. Luther seinen Auftrag zurückgeten werde, treffen nicht zu.
Nach der Besprechung beim Reichskanzler traten die Zentrums fraktion und di- demo- kratffche Fraklion des Reichstages zusammen. Nie Kmrumsftaklwn hielt nur eine kurze Sitzung ab und nahm den Bericht über die Verhandlungen bei Dr. Luther entgegen.
Die demokratische Rcichstagsftaktion versammelte sich um 7 Uhr und tagte bis gegen 10 Ähr. Wie man hört, handelte es sich h«r vornehmlich um die Frage, ob die Frakrwn daran festhalten soll, daß dem Abg. Koch das Innenministerium übergeben wird. Die Verhandlungen wurden bann I abgebrochen und auf 11 Uhr nachts vertagt, da die Frakiwn unbedingt noch heute zu einem Beschluß kommen wftl. In der Zwl- I schenzeit finden Verhandlungen nach verschiedenen Richtungen hin statt. U. a. haben sich
Dir chinesischen Sitten
London, 18. Jan. (WTB.) Die „Times' bringt aus Peking die Meldung, daß die Reste der Truppen des Generals Kuosung- l i n g s sich von Schanhaikwan vor den Streitkräften Tschang-Tso-Lins in südlicher Richtung zurückziehen. Diese militärische Bewegung. die die Kuomintschu-Stellung in der Provinz Tschihli und in Peking selbst bedrohten, ermutigten Tuan Tfchijui im Amte zu bleiben. Fast die gesamte Amtstätigkeit ruht und die Regierungsangestellten von den Oberlehrern bis zu den Eisenbahnarbeitern, die ihr Geld nicht erhalten. bereiten Schwierigkeiten. General Feng der fein Lager bei einer kleinen Station 100 Meilen westlich von Kalkan aufgeschlagen hat. setzt feine politische Tätigkeit fort.
Skt tenische Ktolest In tat BesntzimMaoe
fk. Paris, 19. Jan. Wie „Journal" berichtet bat Botschafter v. H o e s ch bereits vor drei Tagen mit dem Generalsekretär im Auswärtigen Ami Berthelot über die Frage der Herabsetzung des Besatzungsbeeres verhandelt. Ter Kriegsminister und der Wil- nisterpräsident hätten dazu noch keine Stellung genommen, da Briand zu sehr mit Problemen der inneren Politik beschäftigt war. Nach dein „Petit P a r i s i c n" - ist cs jedoch wahrscheinlich, daß Briand den deutschen Botschafter heute oder morgen in dieser Angelegenheit empfangen werde.
Belgien und die Frage der Vesetzungsstärke.
fk. Brüssel, 19. Jan. Nach dem „Vingti e m c“ Siede“ hat Vandervelde auf die Vorstellungen des deutschen Gesandten wegen der Herabsetzung der Besetzungsziffer in der 2. und 3- Zone geantwortet, daß dieser Schickt Belgien nicht berühre, da die belgische Besatzung, die kleinste strategische Einheit von einer Division, verringert worden sei.
Tie «tue französische Heeresstärke.
Paris, 18. Jan. Wie daS „Echo de Paris" mitteilt, sei im O b e r st e n K r i egs- rat am vergangenen Freitag die Zahl der für Frankreich nötigen Truppen aus 20 Divisionen festgesetzt worden. Der von General Rollet vertretene Gedanke einer Mas- fenaushebung an d'-r Grenze sei endgültig aufgegeben worden. Der Oberste Kriegsrat habe ferner einstimmig aufs Reue betont, daß die Herabsetzung der Militärdienstzeit an die vorherige Verwirklichung gewisser Dinge geknüpft werden müsse, die die Kapitulanten, die Ueber- gangsperiode usw. betreffen.
Die Abrüstungsfrage in England.
London, 18. Jan. Wie „Star" mitteilt, schlägt der Parlamentsausschuß, der die Mög lichkeiten von Ersparnisien in den 3 Hauptmast fen untersuchte, im nächsten Budget die Streichung von 20 Millionen Pfund Sterling vor, wovon 7 Millionen aus die Luftfahrt entfallen würden. Churchill werde jetzt $u entscheiden baten, ob er diese Vorschläge dem Kabinett gegenüber vertreten wolle.
am 29. Maar betritt
Köln, 18. Jan. Die Mehrzahl der im englischen Hauptquartier zusammenge- faßten Dienststellen verläßt Köln bereits am 20. Januar. Der Dienst der verschiedenen Abteilungen des Hauptquartiers wird bis zum Abrücken der letzten Truppen noch durch kleine Erfatzstellen versehen, die aber auch am 29. d. M. eingezogen werden, sodaß mit diesem Tage die Räumung Kölns beendet sein dürfte.
Die englische Besatzung in Bingen einge- troffen.
Bingen, 18. Jan. Die englische Besatzung in Stärke von 400 Mann ist In Bingen 'eingetroffen. Mit den Truppen trafen gleichzeitig die Familien der verheirateten Offiziere und Mannschaften em, die in den beschlagnahmten Wohnungen Nuterkuust finden. Weitere Wohnungsanforderungen sind bisher nicht gestellt worden.
durch den immer noch bestehenden Mangel an Industriewaren beeinträchtigt. Wenn aber wirtschaftliche Schwierigkeiten entstehen, die beispielsweise in Deutschland, . zum Zusammenbruch von Tausenden von Unternehmen führen, so ist der sowjetrussische Staat für 97 Prozent der Industrie-, Verkehrs- und Bankbetriebe verantwortlich und läßt keinen Betrieb bankerott werden. Bei sachlicher Betrachtung der Dinge müßte man sich eher wundern daß die Schwierigkeiten der Sowjetunion bei der raschen Wiederherstellung dev
Wirtschaft und dem Ausbleiben der Auslandskredite einen gutartigen Charakter tragen. Die französische Finanzkrise verringert die Möglichkeiten einer Anleihe, dagegen bedarf die erstarkende französische Industrie neuer Absatzmärkte. Sie wird tn der nächsten Zeck . eine immer größere Absatzkrise verspüren, für die auch Frankreichs sogenannte Verbündete. vor allem die Bereinigten Staaten, sorgen werden.
Rußland und zrankni»
Moskau, 18. Ian. (WTBZ Telegraphen- . agentur der Sowjetunion. In der „Prawda I veröffentlicht Tronkl einen Artikel über die Aussichten der Verhandlungen mit Frankreich. ..Wir erhoffen von den Verhandlungen', schreibt Trotzki, „praktische Ergebnisse. Wir werden alles unternehmen, um biete zu erzielen. Ein Erfolg ist aber nur möglich, wenn die Gegensätze nicht vertuscht werden, sondern wenn tn der.Fragestellung um in der Dor- Icaung der Verhandlungsztele volle Klarheit herrscht. Zunächst muß man sich damit ab! in. den daß die Sowjetunion nach rote vor den legi'timistischen Standpunkt in ort Frage brr Zarenschulden restlos ve ro.cft und weniger denn je an die. Aufhebung des Gesetzes über die Schuldenaunullierunz denkt. Den fianzösischen Ansprüchey könn.e die Sowjit- tiv0'n außer der Schadenersa,'o Gerung für die Intervention auch die R 2 ch n u n g ü b e r den Weltkrieg entgeg-/halten Wenn la- zaristische Rußland im Iatee 191-1 Frank, reich und England erklärt gälte, es werde sie drei Jahre hindurch militär'sch unterstützen, Millionen von Menschen opfern, im Interesse der Alliierten seine Wirtschaft zu Grunde richten und an der Aufteilung der Kriegsbeute nicht teilnehmen, so hätten Frankreich und England nicht nur auf die Zaremchulden verzichtet, sondern der neue ungeheuerliche Anleihen gewährt. Die Sowjetregierung sucht für die Wirtschaftsbeziehungen zu Frankreich diejenigen Formen zu finden, durch welche für beide Teile Vorteile gesichert roerben Ts kommt darauf an, ob die franzomche Regierung solche Bedingungen schaffen kann und will, daß die französische Maschinenbouindu- strie für den russischen Markt arbeitet. Der stürmische Aufschwung der 'sowjet- wirtschäft bedeutet 1. steigender Kreditbedarf, 2. ein Anrecht auf Kredite. Wenn auswärtige Regierungen oder ernst zu nehmende Finanzleute und Industrielle den aus sowjetfeindlichen Quellen stammenden P^phezei- ungen über den baldigen wirtschaftlichen Zusammenbruch der Sowjetunion infolge von Export- und Valutaschwierigkeiten Glauben schenken, so wäre es das beste, wenn sie weder sich noch die Sowjetregierung mit unnützen Verhandlungen bemühten, denn jemand, bet vor dem Bankerott steht, gewährt man keine Kredite. Noch aussichtsloser aber ist es, von ihm Tilgung alter Schulden zu ermatten., Gerade in gewissen Export- und Balutaschwierig- keiten findet das Wachstum der Sowjetwirtschaft feinen Ausdruck. Die russische Industrie, welche den Vorkriegsstand nahezu erreicht hat, bleibt allerdings hinter dem Entwicklungstempo-der Gssamtwirtschaft zurück. Die Aüs- fuhr landwirtschaftlicher Erzeugnisse -wirb