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sk Paris, 12. Jan. In der von der Mehr- beit des auherordentlichen sozialistischen Par- teikongresses in der Schlusssitzung angenommenen Resolution heitzt es: Die Sozial- rcmo^ratische Partei ist unter den gegenwärtigen auherordentlichen Umständen bereit, die Verantwortung an einer Regierung zu übernehmen, sei es m5t den linksstehenden Gruppen, sei es. dass sie in die Regierung, die sie selber bildet und in der sie sich den m a h g e b e n d e n C i n - slub und die Mehrheit wahrt, Vertreter von ihrer Gruppe beruft, und zwar dergestalt, dah sie immer die Eewihheit hat, dah bei der Tätigkeit der Regierung entschlossene Massnahmen den Vorrang haben, Massnahmen, die allem geeignet find, die Zukunst des Landes sicher zu stellen, um die bedrohte Demokratie zu retteu.
Die lange Resolution der Minderheiten Renaudel besagt, die Partei könne eine Ver- tretung in einer Regierung nur dann übcr- uebmen, wenn sic ihre wirkliche politische Stärke und die Macht der organisierten Arbeiterschaft entsprechend vertreten sei. Eine derartige Regierung müsse ausserdem die bekanntlich dringlichen Reformen, die Annahme der Sozialversicherung und der kurzfristigen Dienstpflicht beschreiten. Ausserdem müsse sie iu kürzester Zeit in Marokko und Syrien den Frieden wieder Herstellen. Die Sozialdemokratische Partei soll jedoch ihre Vertreter nur für die Durchführung dieses Programms notwendige Zeit beordern.
Für ein Mindestprogramm der französischen Linksparteien.
Paris. 13. Jan. Die sozialistisch-republikanische Fraktion nahm gestern zu den schwebenden Frage» Stellung. In der schliesslich angenommenen Tagesordnung wird der Wunsch zum Ausdruck gebracht, dass die Linksparteien sich auf ein sofort zu veröffentlichendes Mindestprogramm einigen sollen.
ff Paris, 13. Jan. Die Wahlen kür die Vizevräsidcntenschaft der Kammer haben die Wiederwahl der Abgeordneten B o u y s s o n. Bouilloux-Lafont lradikale Linke) Boisson (Soz.) ergeben, sowie die Neuwahl des sozialistisch-revublikanischcn Abgeordneten B r u n e t, der anstelle bis sozialistischen Abgeordneten Mistral gewählt wurde.
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MMchet Landtag
Sitzung vom Dienstag, 12. Januar.
Dor mäßig besetztem Hause wird die erste Sitzung des Preußischen Landtages nach der Deihnachtspause gegen 2.30 Ahr eröffnet.
Eine Denkschrift über die gegenwärtige F i - nanzlage Preußens, sowie zahlreich Anträge zu Gunsten der Hochwassergeschädigten und zur 'Erwerbslosennot werden dem Hauptausschuh überwiesen.
Das Haus beschäftigt sich dann mit der zweiten und dritten Beratung des Gesetzentwurfes über die Unterbringung der Lehrer und Leiter von staatlichen Lehrer- Md Lehrcrinnenbildungsanstalten. Die Porige regelt die Anstellung und Pensions- derhältnisse derjenigen Beamten, die von der
Auslösung der Seminare
buvch die Beiordnung vom 26. Februar 1918 betroffen worden sind.
Der Ausschuß hat Bestimmungen darüber angenommen, dah eine Schmälerung der Gehalts- und Pensionsbeträge auch dann " > ch t eintritt, wenn die durch die Auslösung der Seminare Betroffenen schon vor Inkrafttreten des Gesetzes in andere Schulstellungen getreten sind.
Ein Regierungsvertreter betont, dah bei Berücksichtigung der Betroffenen und der Jung an wär ter für die Etellenbesetzung eine mittlere Linie eingehalten werden soll.
Abg. Oelze (Dntl.) spricht für einen weiteren Aenderungsantrag, der den Passus aus der Borlage streichen will, nach dem dem Umerhaltsträger für die Besetzung eines Postens drei geeignete Bewerber namhaft zu wachen sind. Diese Bestimmung stände einer unparteiischen Regelung der Stellenneubeset- jung entgegen.
Abg. Wildermann (Ztr.) betont: Das Zentrum werde für die Borlage in der vom Ausschuß verbesserten Gestalt stimmen, ob- Hfvhl bie Borlage einen starken Eingriff in "ie Rechte der Gemeinden darstelle. t
Ist Große SMlilisn gMellert entiÄmg über die Soltuno der Go-iMmokralM
Die Fraktionssitzung der Sozialdemokratischen Partei des Reichstags war gegen 9 Uhr abends beendet. Die Fraktion gab folgendes Kommunique bekannt:
Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion hat in den Verhandlungen über die Bildung einer groben Koalition Forderungen ausgestellt. deren Durchführung durch die Zunahme der Rot nur noch dringender geworden ist. Sie hat durch ihren Beschluss vom 16. Dezember feststellen müssen, dass infolge mangelnden Entgegenkom- meus der Deutschen Volksvartei in sozialpolitischen und wirtschaftlichen Fragen den Bemühungen des Abg. Koch kein Erfolg beschreden war. Sie bat daher mit den Formulierungen, die ihr als Ergebnis der geführten Verhandlungen vorgeführt wurden, eine geeignete Grundlage für die Bildung einer Regierung der groben Koalition nicht erblicken können.
Die sozialdemokratische Fraktion muh feft- stcllen, dass Gründe kür eine Aenderung ihrer Haltung nicht vorliegen. Es besteht kein Anzeichen dafür, dab die Deutsche Volksvartei ihren bisherigen Rechtskurs aufzugeben gewillt ist. Die Volksvartei bat daher auch in den bisherigen Verhandlungen über die Bildung einer grossen Koalition einen ernsten Wille» zur Zusammenarbeit nicht erkenne» lasse». Es war insbesondere die Deutsche Volksvartei, die der sozialdemokratischen Forderung über den Achtstundentag die Zu st immun g versagte, die sich im sozialpolitischen Ausschuss gegen die sozialdemokratische» Anträge zur Erwerbslose »fürsorge erklärte und die in der Frage der jetzt zum öffentlichen Skandal gewordenen Fürstenabfindung die sozialdemokratischen Forderungen zurückwies.
Deshalb erklärt die sozialdemokratische Fraktion, dass für ’»*; Bildung einer fftgiernng der grossen Koalition keine Grundlage besteht.
Wie verlautet, ist diese Entscheidung der Fraktion mit grober Mehrheit zustande gekommen.
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Damit sind also die Bemühungen, die Grobe Koalition zustande zu bringen, abermals als gescheitert zu betrachten. Wahrscheinlich wird nunmehr Dr. Luther am Donnerstag vom Reichspräsidenten wieder mit der Regierungsbildung beauftragt werden.
Abg. Deuermann (D.Dpt.): Sie Borlage bietet für die Unterbringung der Lehrerbildner eine verständige Grundlage: aber es kommt alles auf den Geist an, mit dem die Hilfe gegeben wird. Sie Schnelligkeit ist hier nicht die beste Methode. Der Staat muh ebenso wie die Städte mit dem Aus- beutungsfystem gegen die Studienassessoren aufhören, i
Abg. Otto- Charlottenburg (Sem.) erklärt, die Vorlage bedeute einen Fortschritt.
Von Regierungsseite wird erklärt, das Ministerium werde bemüht fein, die ab gebauten Eeminarlehrer an der richtigen Stelle wieder zu verwenden. Dann spricht sich der Regierungsvertreter für den erwähnten deutschnaftonalen Antrag aus, durch den die Regierungsvorlage wieder hergestellt würde.
Aach kurzer weiterer Debatte wird die Vorlage in zweiter Lesung nach den Ausschußbeschlüssen unter Ablehnung der Aende- rungsverträge mit großer Mehrheit angenommen. Die dritte Beratung wurde ab- gefeht.
Hierauf berichtet , ' 1
Abg. Eichhoff (D.Dpt.) über die Aüs- fchußberatung zu der großen Anfrage v. Campe (S. Dpt.), die Auskunft verlangte, welche Maßnahmen die Staatsregierung treffen wolle oder getroffen habe, um den durch. die Besetzung des Ruhrgebiets ge» . schädigten Gemeinden zu helfe»,..ehe
AeAktimmen
ff. Berlin, 13. Jan. Znm endgültigen Scheitern der Groben Koalition bemerken die Blätter, dass nnnmehr der Beauftragung des bic-uetieen Reichskanzlers Dr. Luther mit der Kabinettsbildung nichts mehr im Wege stehe, lieber die Haltung der Deutsch- nationale» gegenüber einem von Dr. Luther zu bildenden Kabinett der Mitte, das mit wechselnder Mehrheit regieren müsse, schreibt die „Deutsche Tageszeitung": Beschreitet man den Weg der fachlichen Arbeit, zur Besserung des Volkswohles, dann hat die Rechte keinen Anlass zur grundsätzlichen Opposition. Die „Tägliche Rundschau" verwahrt sich gegen den sozialdemokratischen Vorwurf, dass die Haltung der Deutschen V lks- vartei das Scheitern der Grossen Koalition verursacht habe. In der „E e r m a n i a" heisst es, dass die Sczialdemokratie in erster Linie für das ^.tchtrustandekommen einer Mehrheitsregierung haftbar zu machen sei. Zur Bildung einer Mehrhefteregierung durch Dr. Luther sagt das Blatt, die Rechte betrachte eine solche Negierung als Ve-läuferin einer Rechtsregierung. Es sei ein Irrtum zu glauben, dass das Zentrum ein Wegbereiter für eine solche Entwicklung sein könnte. Das „B e r l i n e r Tageblatt" schreibt zu der sozialdemokratischen Absage, dass die Mehrheit der sozialdemokratischen Reichstagsfraklion das Staatsinter- essr und den Bestand der Partei "-fährdet gebe. Die „Vossische Zeitung" nennt die Ablehnung einer grossen Koalition einen der grössten Fehler, die die Sozialdemokratische Partei seit ihrem Bestehen gemacht habe. Der „Vorwärts" schreibt: Die sozialdemo- raftichr Reichstagskraktio« werde die kommende Regierung nach ihren Taten beurteilen, 'time Mniderbettsregtornng bleibe im Amte so lauge, so lange fick keine Mehrheit finde, die sie .stürzt. Kann diese Mehrheit keine Regierung bilden, so bleibe der Ausweg des ApveLs an das Volk.
Entschliessung der Deutschen Demokratischen Partei.
fk. Berlin, 13. Jan. Wie die „Voss. 3 t g." berichtet, fasste eine Versammlung der Vertrauenspersonen der Deutschen Demokratischen Partei unter dem Eindruck der Haltung der Sozialdemokraten eine Entschliessung, in der sie der demokratischen Fraktion des Reichstags, besonders ihrem bewährten Führer, Denk und Anerkennung für zielbewusste Haltung während der gegenwärtigen Regierungskrise aussvricht und bedauert, dah eine grosse Partei, die die Politik von Locarno bisher in voller Ueberzengung unterstützt bat, in schwerer Stunde ein Werk der Rettung und des Wiederaufbaus ablehnt.
durch das Reich eine endgültige Entschädigung erfolgt ist.
Abg. Dr. Seerberg (Dntl.) verweist auf die Wirtschaftskataftrophe im Ruhrgebiet. Schuld sei die Ausbeutung des Ruhrgebiets durch die französische Politik mit ihren unerhörten Sanktionen und Reparationen. Fast 900 Millionen haben Frankreich und Belgien aus dem Ruhrgebiet heraus- geholt. Sie Gesamtsumme der Reparationen beläuft sich nicht, wie die Reparationskommission berichtet, aus 10, sondern auf rund 50 Milliarden. Der Ruhrkampf stellt einen großen moralischen Gewinn dar. (Sehr richtig!) Wie wurde mit dem Gedanken der Reparation gespielt! Heute ist der Separatismus tot; die rheinische Gefahr kann als beseitigt gelten. Ser Ruhrkampf hat gezeigt, wie stark die Bande sind, die die Aheinlande mit Preußen verbinden.
Abg. Falk (Sem.) schließt sich dem Dank des Dorredners an das Rheinland an.
Das Haus stimmt mit großer Mehrheit dem Ausschuhb.eschluß zu, der die große Anfrage als durch frühere Zusagen der Regierung erledigt erüärt
Aach 5.30 Ahr vertagt sich der Landtag auf Mittwoch 12 Ahr mittags. Auf der Tagesordnung stehen u. a.: Grundvermögenssteuer, Abstimmung über die einheitliche Stimmenabgabe im Reichsrat und eine große Anzahl kleiner Vorlagen sowie Anträge über die _■ Wohnungsnot. t . i : , -
SelbMWeilsMümng 6er MaMchlirei
Schanghai, 12. Ja». Nach einer aus japanischer Quelle stammenden Meldung aus Mukden hat General Tschang so mitgeteilt, dass die Mandschurei alle Beziehungen auf dem Gebiete der Verwaltung zu Peking a u f h e b e und ihre Selbständigkeit erkläre.
Neuer Vormarsch Litschinglin's.
Tientsin. 13. Jan. General Litschingli«, der Anhänger Tschangsolins, der kurz vor Weihnachten von General Feng geschlagen worden ist. bat eine neue Armee von 40 000 Mann gebildet, mit der er im Anmarsch auf die nur 70 Meilen südlich von Tientsin gelegene Stadt Tschangtschau ist.
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zur ZMktnWKnns
Budapest, 12. Jan. Die „Ui Nem- zodsk" meldet, dab der geheimnisvolle Schulz, der die französische Polizei auf die Spur der Frankenfälschung geleitet haben soll, nicht mit dem deutschen Schulz identisch sei, sondern ein wegen kommunistischer Umtriebe aus Ungarn ausgewiescner Druckereiarbeiter sei, der mit einem falsche« Pass wiederholt in Ungarn weilte, wo et mit Prinz Windisch-Erätz iit Verbindung trat. Das Protokoll über das Verhör des Feldbischofs 3 a d r a pe tz in der Frankenfälschungsangelegenheit wurde, wie bereits gemeldet, an das MUitäranditorjat geleitet, das sich jedoch beute für inkompetent erklärte und die Ange- legenbeit der zivilen Staatsanwaltschaft übergab.
fk B u d a p e ft. 13. Jan. „M agysroszag" meldet.die Polizei habe im Verlaufe ihr« Erhebungen die leitenden Persönlichkeiten sämtlicher zum Verbände der gesellschaftlichen Vereinigung gebärenden Vereine darüber vernommen, ob sie davon Kenntnis besitzen, dab irgendein Mitglied ihrer Vereine an der Fra-lkensälschung teilgenommen habe. Alle diese Vernehmungen hätten ein negatives Resultat gehabt.
ft Mönche n. 13. Jan. Auswärts verbreitete Gerüchte, dab im 3«sammenha»g mit der ungarischen Fälscheraffäre in München 15 Verhaftungen vorgenommen worden seien, sind vollkommen unbegründet.
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Weteuttanb und StWawikn
Moskau, 12. Jan. In einem den rus- sisch-südslawischen Beziehungen gewidmeten Leitartikel führt die „Iswestija" aus, daß die Lage nach Locarno und nach dem Fiasko des totgeborenen Gedankens eines Balkan-Locarnopaktes, der bei den bestehenden Streitigkeiten unter den Balkanstaaten undenkbar sei, die Balkanpolitiker dazu bewege, einige Fragen ihrer Außenpolitik, insbesondere ihr Verhältnis zur Sowjetunion selbständig zu lösen . Dte Wiederherstellung der diplomatischen Beziehungen zwischen Sowjetunion und Südslawten würde an und für sich schon einer ganzen Reihe von historischen po- littschen Voraussetzungen entsprechen Ohne veraltete slawophile Theorien auffrischen zu wollen, müsse man anerkennen, daß die Völker der beiden Länder stets eine gegenseitige politische Zuneigung empfunden hätten Das Blatt betont, daß keine politischen und wirtschaftlichen Streitfragen vorhanden seien, die den zwischen beiben Ländern bestehenden Gegensatz verschärfen könnten Insoweit die südslawische Regierung nunmehr Kudj die Politik der Unterstützung weißgardistischer Auswanderung aufgebe, falle auch dieses letzte Hindernis weg. Was die Befürchtungen der südslawischen Presse wegen Gefährdung der südslawischen Ausfuhr durch die Konkurrenz der Sowjetunion betreffe, so könnten auch diese Fragen unter normalen politischen Beziehungen .erfolgreicher geregelt