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SonntaMedanken

Du müchjunger Knabe, Wie siebst du mich an? Was haben deine Auge» Mr eine Frage getan! Alle Ratsherrn der Stadt Und alle Weisen der Well Meiden stumm auf bte Frage, Die bet ne Augen gestellt!

$0n erhabener Anmut ist bte Geschichte vom Zwölfjährigen Jesus rm Tempel. Eer sie enbet schwerer Äs Gottfned Kellers schönes Gedicht. Statt ber sch^zhaf^n Wen- tyung klingt hinein jenes nachdenkliche Wort des Anderen:

Da sprach ich schaudernd rm Vorübergehen: So weit im Leben, ist zu nah am 2ob!"

Dor unseren Augen strht der herrliche, ftüh- reist Knabe und ist der Mittelpunkt der Dis­kussion für bte Weisen und Schriftgelehrten, die ha glaubten, sich alle Fragen an den Schuhsoh­len abgelaufen zu haben, und die nun durch des Kindes Gegenwart mit einem Male wieder zu Forschern geworden sind. Im Augenblick noch sind ihre Augen voll von der Begeiste­rung, die etn junges, von Gelehrsamkeit un­getrübtes Fragen in ihnen entzündet. Im Augenblick noch spüren sie es nur dunkel, daß da ein überlegener Geist und ein überlegener Mensch vor ihnen steht. Noch ist dieses Ahnen nicht stark genug, um all bte Niedrigkeits- instmkte zu wecken £ie sonst entlarvte Unter» fegenbeit zu entfachen pflegt. Noch schützt bas Kind feiner Jugend halbwüchsige Gestalt. Ist ja noch ein Bübletn, das die schuldige Ehr­furcht vor den Greifen nicht vergißt. Aber wehe, wenn das Kind etn Mann wird! Man darf nicht ungestraft die Ratsherrn und Weisen der Welt von den bequemen Kissen zurechtge- r legier Begriffe verscheuchen. Dunkel schattet 1 durch des Tempels Fenster die Wetterwolke auf» - ziehenden Schicksals.

tj Noch aber ist es tote eine Atempause in ber ! Tragödie, die auf Golgatha gipfelt. Alte außer- V biblische Legende rankt um diese Geschichte einen duftigen Kranz frommer Phantasten: wie die zwei strohhÄnichtcht nebeneinander aufgerichte­ten Säulen, die dasTor ber L-erechiigkeit" bilden, sich öffnen, um den Jesusknaben hin- dmchtretcn zu lassen, wo niemand noch schritt: tote bteParadiesesbrücke", ein altes Schwert, mit der scharfen Schneide nach oben gelegt

. über einer abgrundtiefen Felsen furche, sich sei­nem Fuße zur Brücke breitet; tote das kupferne Horn, mit dem Mose tn der Wüste zum Sam­meln blies, und das feit Jahrhunderten keinen Ton von sich gab ,bet "feinem leisen Atem er» dröhnt, die Völker ber Welt zu berufen, das alles sind köstliche Shmbole. Aber schöner als sie alte tfl diese einfache Geschichte im Lukas­evangelium:Mein Sohn, warum hast du uns das getan?" In kürzere Worte läßt sich bas Leid der Mutter chre den Sohn durch Tage vergeblich gesucht hat, nicht fassen. Große Berufung des Sohnes ist noch immer tote ein Rad über die Gefühle ber Mütter gefahren, ttlhtb es gehört schier übermenschliche Opferkraft dazu, diesen Schmerz als von Gott gegeben zu

Garagen. Verwundern wird er nie.

Und es toitb ein Schwert durch deine Seele bringen". Am Wege des Heilandes steht für jeden Christen, nicht nur für den Katholiken, irgendwie bte Madonna, mahnendes Symbol des Frauenopfers, das die Männer meist nicht verstehen, eine ewige Klage in dieser harten Welt, nicht minder aber ein ewiger Trost. Diese zarte Geschichte von Mutter und Kind ist die Knospe blutroten Verhängnisses, das sich beiben gemeinsam erfüllt:Wisset ihr nicht, baß ich sein muß in dem, das meines Vaters in?"Und seine Mutter behielt alle diese Worte in ihrem Herzen." Diel.

Sem Seift der Medizin

Von Thomas Mann.

Offener Bries an bett Herausgeber ber »Deutschen Mebizinischen Wochenschrift".

Haben Sie Dank für Ihr Schreiben vom 16. ds. Mts. und für Mitteilung der kritischen Betrachtungen, die von ärztlicher Seite an meinen RomanDer Zauberberg" geknüpft worden find! Es ist mir sehr wertvoll, diese Aenßemngen in meinen Händen zu haben, die ich bisher nur oom Hörensagen kannte und von denen ich mir kein deutliches Bild hatte machen können.

Eine Apologie meiner Erzählung gegen jene fachmännischen Ausstellungen und Bedenken zu liefern, die sich ja übrigens weniger gegen die Wahrheit meiner Schilderungen als gegen ihre Opportunität richten, kann nicht meine Sache fein. Man soll es die anderen sagen lassen, meine ich; und von anderer ebenfalls ärzt­licher Seite hat mein Buch denn auch schon manche Fürsprachen und Stützung erfahren, vrivat und öffentlich; wobei ich besonders die auffallend mutigen Aeußerungen jener Frau Dr. Margarethe Levy (Berlin) im Sinne habe, der dieDeutsche Medizinische Wochen­schrift" loyalerweife gestattete, zu erklären, die Kritik, die der Roman an der Realität des Lungen - Luxus-Sanatoriums übe, sei nach ihrer Erfahrung als Pattentin. und Aerztin Nur allzu gelungen und berechtigt, und das Luch bedeute einen sehr ernsthaften Appell an bas Gewissen der Aerzte, ihre Kranken vor dem psychisch schädigenden Einfluß dieses Milieus zu bewahren. Ich bitte auch, mit mmkbarer Genugtuung ihre Aufforderung wiederholen zu dürfen, die Aerzte sollten den Vornan nicht als einen gegen sie gerichteten Angriff betrachten, sondern als Mahnung zur Erkenntnis und Einficht. Was mich jedoch an ben Bemerkungen der tapferen und wissenden §ttru ein wenig entsetzt hat, ist die Art, in der Fe leichthin, und als handele es sich um die selbstverständlichste Sache der Welt, eine wigui **s Romans, den Chefarzt ,Vorrat Behrens

Oberheffifchr Zeitung, Marburg a. L. Sonnabend, den 9. Januar 1926

Marburg imb Umgegend

Marburg, 9. Januar (Hartung).

* St. Stadttheater. Als 7. Vor­stellung ging das Lustspiel ^heimliche Braut­fahrt" von Leo Lenz vor fast ausveo- kauftern Hause in Szene. Endlich wie­der einmal eine Komödie im wahren Sinne des Wortes, äußerst geschickt im Aufbau, in der Szenenfolge und voll reicher Hand­lung, fein gesteigerter Durchführung und Ausnützung der einzelnen Austritte, prachtvoller Situationskomik mit einer Schußpikanterie, die selbst dem Prüden ge­fallen mußte. Gut gesehene Gestalten, zum Teil charakteristische Typen, wußten in ihrer Art dem Publikum mehr oder minder Interesse abzugewinnen und waren mit ge­schickter Hand hingestellt. In ihrer Mitte triumphierte die Heldin des Sttickes teil­weise in emanzipierter Hosenrolle und gab dem ganzen Stück Leben und Würze. Der Stoff ist durchaus nicht neu und in man­nigfachen Variationen zu verschiedenen Zeitepochen behandelt; doch die Art, wie er geformt ist, sichert dem Stück dauernden Erfolg. Der Inhalt läßt sich bei der er­wähnten reichen Handlung nur kurz skiz­zieren. Zwei Fürstenkinder sollen ver­mählt werden, um zwei Länder miteinan­der zu verbinden. Unter Diplomaten wird das Heiratsprojekt erwogen ob der Schwie­rigkeiten, die sich entgegenstellen. Der Fürst wie die Prinzessin sind etwas wenigstens für den Hof, nicht fürs Pub­likum komplizierte, ja extravagante Per­sönlichkeiten. Der Fürst ist die ewige Treterei der Hofsippe müde, verlangt nach Freiheit und ist voreingenommen gegen den Teufelsbraten", die Fürstin von Schön- burg-Lichtenau. Diese, eine rassige, etwas abenteuerlich veranlagte Dame mit dem Herzen auf dem rechten Fleck, durchschaut und belauscht den Heiratsplan und will sich an dem ihr zugedachten Fürsten rächen. Sie ist sich ihrer Macht als Weib bewußt, will den Fürsten zur Liebe reizen und ihn hinterher abweisen. Auch sie flieht, um einmal der Hofluft zu entrinnen, tauscht die Rolle mit einer Schenkmamsell und tritt als Partnerin einer Pierrot auf, den eigenartige Verhältnisse zwangen, sich als flüchtiger Fürst den Nachstellungen des Hofes, als Schauspieler verkleidet, zu entziehen. Von einer Liebe zu einer pol­nischen Gräfin wird der Fürst gründlich durch bereit Herzlosigkeit geheilt und ver­liebt sich in seine Partnerin die ihm zugedachte Fürstin. Auch diese hat den besseren Menschen in ihm erkannt, liebt ihn mit der Rache ist es aus. Nach allen überstandenen Abenteuern lüftet sich dann das Geheimnis, mit dem sich beide in verschiedensten Lagen umgeben hatten und sie kriegen sich das A und Omen des Lustspiels. Die Ausführung war im Ganzen genommen ausgezeichnet, das Spiel abgerundet, die Spielleitung war bei Karl Volk in besten Händen. Alle Gestalten scharten sich z. T. in anerkennenswerter Dar­stellung um die Hauptfigur Alix Kra­mer (Fürstin Schönburg-Lichtenau). Diese hochbegabte Bühnenkünstlerin hatte gerade in diesem Stück die für sie willkommenste Gelegenheit, ihre Bielfeitigkeit und künstle­rische Leistungsfähigkeit vollkommen zu offenbaren. Blendend und schneidig in der Hosenrolle als forscher Reiter, schmuk- kes Herrchen, eleganter Kavalier und Fech­ter, hinreißend als Schankmädel, kapriziös als Colombine, trotz allem immer die Dame von Geblüt, ganz Rasse, Sprühteufel und wieder so ganz weiblich wundev- voll, entzückend, jeder Gestalt, die sie zu verkörpern hatte, die treffende Note auf- prägend. Neben ihr mutzte der Rollen«-

mit der Person einesweit über Davos be­kannten" Lungenspezialisten identifiziert. Über meine Art der Menschenbeobachtung und »aus» fchlachtung sind so viele verleumderische Mär­chen so viele Operngucker- und Belauerungs- phantasien im Umlauf, daß mir die Ein­bürgerung weiterer solcher Legenden äußerst unwillkommen märe. EinBeobachter" so roher und primitiver Art bin ich meiner Leb­tage nickt gewesen, und sollte auchHofrat Behren/' keineswegs das zynische Scheusal sein, das die Kritiker derDeutschen" und der Münchner Medizinischen Wochenschrift" aus ihm machen, sondern follte er in seiner melan­cholisch-schnodderigen Phantastik sogar zu den fymvathischsten Gestalten des Buches gehören, fo bin ich doch nicht nur mir selbst die Fest­stellung schuldig, daß die Beziehungen dieser meiner Romanfigur zu der realen Person jenesweit bekannten" Spezialisten, wenn überhaupt vorhanden, jedenfalls außerordent­lich oberflächlich find.

Von den privaten Tröstungen zu reden, die mir aus ärztlicher Sphäre zuteil geworden find, wäre wohl indiskret und selbst denunzia» torisch. Immerhin, die Tatsache, daß ein ganz großes Tier" unter den Medizinern, ein Ge­heimer Rat und Ordinarius einer berühmten Universität, von der Lektüre desZauber­bergs" so angetan war, daß er seinen Stu­denten einen eigenen Vortrag darüber ge­halten hat, diese Taffache ist es nicht allein, die mich entschuldigt, wenn ich zu der Vermu­tung neige, daß die Kundgebungen der Herren Doktoren Schelenz und Prüssian von der Auf­nahme, die mein Roman in der ärztlichen Welt gefunden hat, kein richtiges Bild ver­mitteln. Schließlich, es gibt Verbindungen, Überschneidungen zwischen dieser Welt und der rein literarischen. Die Medizin besitzt einen Jünger und Sohn, auf den mit Stolz zu blicken sie Ursache hat, einen dichterischen Ab­kömmling. der eben als Dichter seine ärztliche Abkunft nicht verleugnet: Dr. Arthur Schnitzler in Wien. Nun, ich habe es aus seinem Munde, daß er denZauberberg" als Arzt, mit der Teilnahme des Arztes gelesen bat, und es sind Steuerungen von ihm über das Buch bekannt

Partner, Willi Hanke (Fürst Eberhard) ver­blassen. Einige gute Momente sind ihm nicht abzustreiten, sein Spiel ist vonAuf- tritt zu Austritt ungleichmäßig. Als lyri­scher Liebhaber wird er zu süßlich über» fentimental. Als Mann und Held fehlt ihm das rechte Mittel der Charakteristik der darzustellenden wie man sagt Per­sönlichkeit. Er bedarf noch mancher Schulung, um der an ihn gestellten An­forderungen gerecht zu werden. In sei­nem Spiel liegt etwas Selbstgefälliges, oft Gemachtes, das seiner Rolle nicht steht. Susanne Hehnr lag das Schankmädel nicht recht, schon nicht durch die dialektische Un­sicherheit es fehste das kleinbürgerlich Urwüchsige. An dem Gastwirt, Karl Volk, konnte man seine Freude haben, die Figur war echt gegeben wie auch der Theatev- direktor von Rud. Goll, der Geheimrat von Schlieben von Adolf Teleky war glatt aus dem Dnodez-Hof herausgeholt und von prä­zisierter Hofschnäuzigkeit. Auch KarlJnhncke (Forstamtmann) fand sich gut in seine Rolle. Der Ministerpräsident von Paul Schubert war überoffiziell und etwas steif. Friedrich Geffers fand als König den richtigen Ton in Würde und Toleranz und verstand die kurzen Auftritte, die ja als eine Ent­spannung anzusehen sind, anregend und wirksam zu lassen. Die von Szene zu Szene sich steigernde Handlung ließ manche erwähnte Mängel der Darstellung über» sehen und prägte die Gesamtaufführung zu einem rechten, anregenden Theatergenntz. Der Beifall bestätigte die volle Zufrie­denheit des Publikums.

-Ein Dank. Auch zu Weihnachten hat die Kinderschule in der Schulstratze von allen Seiten reiche Geschenke bekommen. Freunde unsrer Anstalt, u. a. auch zahlreiche Geschäftsleute, haben Vielerlei gesandt, was das Kinderherz erfreut. Auch einige Schulklaffen haben sich an dem Liebeswerk beteiligt und Puppen angezogen und Wäsche genäht. So war es möglich, jedem Kind ein schönes, großes Weihnachtspaket mit nach Haufe zu geben. Wir danken allen gütigen Gebern von Herzen. Frau Bauer, Frau Jensen, Prof. Hubo.

Klavierabend Alfred Hoehn.

Die Firma Steinway u. Sons wird dem Künstler für sein Konzert am Dienstag in den Stadtsälen einen großen Glocken-Kon- zertflügel zur Verfügung stellen, der aus dem Depot von Nokd u. Sohn in Frank­furt extra im Auto nach Marburg kommt. Es bedeutet dies eine besondere Ehrung der weltberühmten Firma dem großen Künstler gegenüber, dessen Auftreten man mit hochgespannten Erwartungen entgegen­setzen darf. Es ist zu empfehlen, sich recht­zeitig mit Karten bei Neufeld, Bahnhof» strotze oder Voigt, Haselstraße, zu ver- fehen.

t. Amönau. Am Mittwoch nachmittag 4 Ähr veranstalteten die beiden Gemeinden Amönau und Oberndorf hier im vollbesetzten Althaus'schen Saal eine seltene Feier zu Ehren der ihr söjähriges Berufsjubiläum fei­ernden Frau Hebamme Katharine Kahler, an der ungefähr 130 Frauen beider Gemein­den teilnahmen. Unter den von auswärts er­schienenen Gästen befand sich auch Herr Land­rat Schwebel und Frau Gemahlin, die Vertreterin des Wohlfahrtsamtes Schwester Anna, Herr Doktor Löhlein, Wetter, sowie die Ehrenvorsitzende des Kreishebammenver­eins Fräulein Zeiter und die Vorsitzende Stau Lithograph Becker, Marburg. Der Herr Landrat und der Ottspfarrer sowie die beiden Dürgermeister holten die Jubilarin, die sich voller geistiger und körperlicher Frische noch erfreut, ans ihrer Wohnung ab. Sie hat 600 kleine Erdenbürger in Amönau, 97 in Oberndorf dem Leben geweiht, viel Freud geworden, die meiner inneren Haltung gegen­über den Vorwürfen und Bedenken jener Spe­zialkritiker eine ungemeine Festigkeit ver­leihen.

Ich gebe zu, der Fall ist schwierig. Der Ro­manDer Zauberberg" hat einen sozialkriti­schen Vordergrund, und da der Vordergrund dieses Vordergrundes medizinische Region ist, die Welt des Hochgebirgs-Luxus-Sanatoriums, in der die kapitalistische Gesellschaft Vorkriegs- Europas sich spiegelt, so konnte es wohl nicht fehlen, daß eine gewiße Fachkritik, hypnotisiert vom vordersten Vordergrund, in dem Buche nichts als eben den Sanatoriums-, den Tuber­kuloseroman erblickte und die Wirkung, die sie davon ausgeben sah, mit einer solchen Svezialsensation verwechfelte, als handele es sich um eine Art von medizinischem Gegen­stück zu Upton Sinclairs Enthüllungsepos vom Chikagoer Schlachthof. Das Mißverständnis ist voller Ironie. Denn dem literarischen Ur­teil ist nur zu wohl bekannt, daß das Sozial- kritische durchaus nicht zu meinen Passionen und also auch nicht zu meinen Stärken gehört und daß es in meiner Produktion nur akzi- dentiell und nebenbei mit unterläuft, eben nur mitgenommen wirb. Die eigentlichen Motive meines Schriftstellertunis sind recht sündig-individualistischer, das heißt metavhy- sischer, moralischer, pädagogischer, kurzinner- weltlicher" Att, wie überall, so auch im Zauberberg", gegen den ein Zuwenig an ge­sellschaftlichem Pathos denn auch von feiten einer sozial und selbst sozialistisch gerichteten Kritik (Julius Bub) mit schwerem Bedauern eingewandt worden ist. Man darf keinen Widerruf von mir verlangen. Es wäre feig, mein Erlebnis zu verleugnen, und mit recht würden diejenigen, die es stumm mit mir teilten und mir dankten, daß ich es zur Sprache gebracht, mich dafür mißachten. Ich halte die künstlettsche Kritik, die mein Roman, unterderhand, an einer realen gesellschaft­lichen Erscheinung übt, für wahr, berechtigt, ja verdienstlich. Denn ich habe die sittlichen Ge­fahren. mit denen dieser wunderliche Hörsel- berg die Jugend bedroht (und die Tuberkulose ist eine Jugendkrankheit), mit Händen ge»

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und Leid mit den Familien der zwei Ge­meinden geteilt. Ihre Verdienste wurden in verschiedenen Ansprachen hervorgehoben, vom Wohlfahrtsministerium ihr ein Diplom, vom Kreis ein Geldgeschenk, von der kirchlichen und den politischen Gemeinden sinngemäße Ge­schenke überreicht. Verschönert wurde die Feier durch mehrere gut ein geübte Gesangs­vorträge ber beiden GesangvereineSänger» lüft undKonkordia". Bei Kaffee und Kuchen nahm die Feier einen allseits befriedi­genden Verlauf. Hervorgehoben sei noch, daß auch der noch lebende hochbetagte Lehrer, der s. Zt. Frau Kahler mit noch 52 Kandida­tinnen ausbildete, Herr Geheimrat Pros. Dr. Ahlseld der Jubilarin ein Glückwunsch­schreiben mit seinem Bild übersandte.

- Aeustadt. 3m verflossenen 3ahre ge­langten bei dem hiesigen Standesamt zur Beurkundung 31 Geburten gegen 48 im Vor­jahre. Den Bund fürs Leben schlossen 17 Ehepaare gegen 15 im Jahre 1924. An Sterbefällen sind 28 gegen 23 im Vorjahre zu verzeichnen. Die Zahl der Einwohner be­trug nach dem am 1. Dezember erfolgten Volkszählung 2 263.

Aeustadt. Am Dreikönigstage ver­anstaltete der hiesige katholische Gesellenver­ein im Saale be£ Schützenhofs von Ludwig vom Schloß eine Weihnachtsfeier mit aller­hand stimmungsvollen Darbietungen. Herr Kaplan West, Präses des Vereins hielt die Begrüßungsansprache und gab Zwecke und Ziele des Vereins bekannt, der im Geiste des Gründers Colping arbeite. Anschließend fand eine Verlosung statt, die vielen eine Ueberraschung brachte. Alle Mitwirkenden gaben ihr Bestes, und freudige Weihnachts» ftimnrung beherrschte den Abend.

Kreistag in Kirchhain.

Kirchhain, 8. Jan. Heute fand unter dem Vorsitz des Herrn Landrats v. Gilsa im Sitzungssaale des Kreishauses eine Kreistags­sitzung statt. Erster Punkt der Tagesordnung war Prüfung der Wahlen zum Kreistag, die vorgenommen und für richtig befunden wur­den. Rach längerer, einzelner Beratung der Parteien wurde zur Wahl der Mitglieder des Kreisausschusses geschritten. Gewählt wur­den: Bürgermeister Linker-Neustadt, Land­wirt und Bürgermeister Boland-Niederklein, Landwirt Benner-Mardorf, von der Zen- trumspartei; ferner Bürgermeister Grün- Kirchhain, Landwirt H. Hohl-Kirchhain, Land­wirt Kreyling-Rauschenberg von der Bauern­liste und Liste Grün. Zurückgetreten als Kreis­mitglieder sind die Abg. Hohl, Benner und Kreyling zu Gunsten Bouxsein, Bodenbender und Paul. Erstere sind dafür Kreisausschuß­mitglieder geworden. Hierauf fand die Wahl der Vertrauensmänner zur Auswahl der Schöffen und Geschworenen statt. Sämtliche seitherige Vertreter wurden wieöergewcihlt.

Als Schiedsmann für den Bezirk Holzhausen und Eutsbezirk wurde Gemeinderechner Deuker gewählt, Stellvertreter ist Landwirt Bodenbender.

Die Umgemeindung der an der Eisenbahn- strecke NeustadtAllendorf liegenden Bahn­wärterhäuser aus dem Gutsbezirk Neustadt- Oberförsterei in den Bezirk der Stadtgemeinde Neustadt, wurde beschloßen.

Hierauf wurde der Voranschlag über Kosten der Unterhaltung der Landwege im Rech­nungsjahre 1926 festgesetzt. Die Neufassung der Jagdsteuer-Ordnung und der Erlaß einer Wertzuwachsstener-Ordnung wurde beschlossen. Zur 400-Jabrfeier der Universi­tät Marburg wurde eine Jubi- iäumsobgabe von 5000 Ji be> willigt, zahlbar in 3 Jahresraten.

Die förmlichen llebernahmen von Bürg­schaften seitens des Kreises für Bau- und Meliorationsdarlehen wurde beschlossen und die Prüfung der Kreiskasien-Rechnung wurde für das Jnflationsiabr 1922/23 vorgenommen. Die Berussschulsatzung wurde genehmig^.

griffen, und kein einsichtiger Arzt streitet sie ab. Aber ein vollkommener Irrtum des Chef­arztes Dr. Schelenz ist es meiner sickeren Ueberzeugung nach, zu glauben, die Leute läsen das Buch um dieser feiner Meinung nach schädlichen Kritik willen, siedurch­flögen die langatmigen Dialoge", um sich mit sensationeller Lustder Schilderung des Heil- stättenlebens hinzugeben". Wirklich, ich kann ihn beruhigen. DerZauberberg" verdankt seinen Erfolg in erster Linie dem, was die Aerztin Levy in aller Unbefangenheit die Le­benswahrheit und Lebendigkeit seiner Ge­stalten nennt. Er verdankt ihn demnächst seiner geistigen Thematik und Problematik, mit der noch vor fünfzehn Jahren in Deutsch­land kein Sund vom Ofen zu locken gewesen wäre, die aber dank aufwühlender Erlebnisse heute jedem auf den Nägeln brennen. Und er verdankt ihn nicht dem Kitzel irgendwelcher skandalöser Enthüllungen über das .Innen­leben" von Hochgebirgsheilstätten.

Zu jener Thematik und Problematik gebärt, was ein Kritiker das Eedankengeflecht über Leben und Tod, Gesundheit und Krankheit ge­nannt hat, und ich komme darauf zu spre­chen, weil der Mann derMünchner Medi­zinischen Wochenschttft" sich beklagt, ich hätte ein Inferno gemalt, welches, im Gegensatz zu dem meines großen mittelalterlichen Vorgän­gers, jegliches ethische Pathos vermißen laste. Sonderbar! Ein Teil der literarischen Kritik empfahl mir mit Ungeduld, mich endlich doch wieder auf mein Künstlertum zu besinnen, statt mich noch länger mit sittlichen Mensch­heitsfragen herumzuschlagen, und dieser Arzt sieht nichts als attistische Grausamkeit und Kälte. Resvett- und Lieblosigkeit gegen das kranke Leben, einen abstoßenden Mangel an jenerchttstlichen Reverenz vor dem Elend", von der Frau Chauchat svttcht, wirft er mir vor, fern von der Vermutung, daß etwa gerade die Haltung, die er mit solchen Motten brandmarkt,, das freilich nicht auf der Hand liegende .ethische Pathos" des Buches in sich schließen könnte. Noch einmal seltsam! Der ganze erzieherische Prozeß, den der junge Held meiner Erzählung durchläuft, dieser