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Sk. Luther wieder in Berlin

Berlin, 7. Jan. Die heutige Rück- kehr des Reichskanzlers Dr. Luther nach Berlin nehmen verschiedene Blätter zum Anlaß, um auf die Frage der Regie­rungsbildung zurückzukommen.

DieT ä g l i ch e Rundschau" schreibt: Nachdem die Mission Dr. Kochs gescheitert ist, und in der Zwischenzeit die damalige Haltung der Sozialdemokratie sich eher noch verschärft hat, wird man annehmen können, daß der Reichspräsident den Auftrag der Regierungsbildung Dr. Luther erteilen wird, der nur noch ver­suchen kann, die Mittelparteien zu einer Regierungskoalition zusammenzu schließen.

Im Gegensatz zu dieser Auffassung hält dieG e r m a n i a" die Große Koalition noch nicht für erledigt. Sie weist die Sozialdemokratie darauf hin, daß sie die Wahl habe zwischen staatspolitischer und parteipolitischer Taktik, zwischen Einfluß und Einflutzlosigkeit. Jedenfalls werde das Zentrum erneut verlangen, daß die Große Koalition geschaffen werde. Wenn diese nicht zustande kommen sollte, so hält es das Berliner Zentrumsorgan für unmög­lich, daß das Zentrum eine Regierung unterstütze, die auf den guten Willen und die Duldung der Deutschnationalen angewiesen sei, denn eine Mindcrhcitsrc«- gierung der Mitte könne nur eine Regie­rung unter deutschnationalem Einfluß be­deuten.

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Sr. Sikkskmnnn und Ne MH» Stiftung

Berlin, 7. Jan. Zu den Pressemel­dungen über die Zuteilung des Preises der W i l i'o n st.i k t u n g an den deutschen Re'cksauhenminister Dr. Stresemann erfährt daö W.T. B. von zuständiger Stelle Folgend"?: Daß dem deutschen Mi­nister des ^nutzeren von der genannten Stiftung der Preis für das Jahr 1925.an« geboten worden wäre, trifft nicht zu. Viel­leicht stehen dir Pressemeldungen im Zu­sammenhang mit Nachrichten, daß in ge­wissen ame'riranischen Kreisen der Gedanke erwogen wurde den Preis der Wilsonstif- tttng an die am Vertragswerk von Locarno beteiligten Staatsmänner zu verteilen und diese Staatsmänner zur Entgegennahme des Preises für den 28. Dezember, dem Ge­burtstage Wilsons, nach Amerika, eeinzu- laden Ihre Verwirklichung wäre, soweit der deutsche Außenminister in Frage kam, von vornberein unmöglich gewesen, weil eine Reize des Leiters der deutschen Außen­politik nach den Vereinigten Staaten von Amerika zu dem gegebenen Termin und ttua) Tpätei nachSoge der Verhältnisse nicht in Betracht kommen könnte.

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MeSettofiung cmcsLrzbcrm- mSrbrrs

Graz, 7. Jan. (WTB.) Der unter dem Verdacht des Mordes an Erzber^er in Bad Äusiee verhaftete vermeintliche Hetnr. Schulz hat nunmehr angegeben, mit feinem richtigen Namen Heinrich Bogt zu heißen. Er fei Mitglied eines Geheimbundes in Deutschland, stehe aber dem Morde an Erzberger vollkommen fern. Infolge eidlicher Derpslichtungen könne er Über seine persön­lichen Berpflichiungen keine weiteren Aus­künfte geben. Er ersuchte, dem Kreisgericht Leoben zugeführt zu werden, was heute oder morgen geschehen wird.

Das gestern erwähnte Telegramm an das Badische Landoerickt in Cffenbttrg ist von einem Amtsorgan des Ausseer Postamts aus- gegeben worden.

Kardinal Mercier schwer erkrankt.

Brüssel, 7. Jan. Tas Befinden des Kardinals Mercier hat sich über Nach: Plötzlich verschlimmert. Heute früh emp­fing der Kardinal die Sterbesakramente aus den Händen des Brüsseler Bischofs.

Wettere Verhaftungen in Angern

25 Mienen kennten geffiltot

Budapest, 7. Ian. (WTB.) Die Unter­suchung in der Frankenfälschungsaffäre^ hat, dem Vernehmen wach, wieder ein wichtiges Ergebnis gezeitigt. Der technische Angestellte des karthographischen Instituts (9 er o e sagte in dem Sinne aus, er sei von dem Prinzen Windischgrätz unter der Vorspiegelung, daß es sich um einen patriotischen Zweck handle, dazu bewogen worden, im Keller des lrartho- graphischen Instituts Einrichtungen zur Fabri­kation von falschen Franken zu treffen. Im Laufe des Verhörs bezeichnete Geroe die Per­son, der er die zur Fabrikation der falschen Frankennoten dienenden Maschinen im zerbrochenen Zustande verkauft hat, so daß zu hoffen ist, daß es der Polizei bin«, nen kurzer Zeit gelingt, die Maschinen und Klischees aufzufinden. Geroe wurde sofort in Haft genommen. Die Untersuchung wird in dieser Richtung fortgesetzt, um festzustellen, welche weiteren Beamten des karthographi- schen Instituts in diese Angelegenheit noch ver­wickelt sind. Die Polizei verhaftete ferner einen jungen Mann namens Andor, der eingestand, daß er sich ebenfalls erboten habe, die falschen Frankennoten zu vertreiben. Seine Heranziehung wurde jedoch infolge der Verhaftung des Iankooich gegenstandslos. Die Polizei hofft, daß auch weitere etwa noch vor­handene Frankenbestände befchlagnahmt wer­den können.

Budapest, 7. Ian. (WTB.) Im Zusam­menhang mit der Frankenfälsckungsaffäre wurden heute mittag drei weitere Verhaftun- aen vorgenommen.

Budapest, 7. Ian. (WTB) Unter dem Verdachte der Beteiligung an der Franken- Äng ist ferner ein Beamter des Naliona-. ttbanbes in Haft genommen worden.

fk. Wien, 8. Ian. Die Blätter melden aus Budapest, daß der Direktor der Windis^grätz- fchen Weinverwertungsgesellschaft, Halasz, ver­haftet wurde.

fk. Prag, 8. Ian. Das Tschechoslowakische Pressebüro meldet aus Ungoar: Im Zusam­menhang mit der ungarischen Falschmünzeran- gelegr-heil hat die hiesige e'»fh«iMr*Tiii»n am Mittwoch Haussuchungen bei den Füh­rern der ungarischen politischen Par­teien sowie in deren Sekretariaten und in den Redaktionen der ungarischen Blätter Kar- pathorußlands durchgeführt. In Ungoar wurde ferner gegen den Führer der ungari­schen Christlich-Sozialen, Arki Akose, ein Haftbefehl erlassen: er wurde in seiner Wohnung interniert. Die Posizei hat festge­stellt, daß allein für die Gehälter der Sekre­täre in sieben Sekretariaten und für die Re­dakteure von vier Blättern 55 000 Kro­nen monatlich notwendig waren, wobei fast keine Einnahmen vorhanden waren. Nach den Aussagen der verhörten Personen wurden diese Ausgaben von Senator E r g y und dem Abgeordneten Sandor Korlat bestritten, die beide in Ungarn weilen.

fk. B u d a p e st, 8. Ian. Geroe gab in einem weiteren Verhör an. daß das benutzte Notenpapier durch fünf Angestellte beim kar- thographischen Institut hergestellt wurde. Die Angestellten sind geständig. Geroe gab auch an, daß die Klischees von jeder Seite und jeder Farbdruck in je zwei Exemplaren her­gestellt wurden. Geroe sagte ferner aus, daß 25 000 Stück 1000-Francs-Noten hergestellt worden sind. Die fertigen Bank­noten seien von Windischgrätz aus dem Kellerraum getragen worden. Tie Polizei nahm die Komplizen Geroes in Gewahrsam.

Aus to Suche nach tot Smü mMimn

Budapest, 7. Ian. (WTB.) Wie die Blätter berichten, beabsichtigte Fürst Windisch­grätz vor einigen Monaten auf feinem Saras» pataker Gute eine Kaolingrube zu eröffnen, wozu er sich aus dem Auslande Maschinen sen­den ließ. Der Betrieb wurde jedoch nicht er­öffnet. Man vermutet, daß die unter dem Borwand der Jnbetriebhaltung der Grube be­stellten Maschinen zu Fälschungszwecken ver­wandt wurden.

2 u d a p e st, 7. Ian. (WTB.) Gestern mor­gen wurde das Schloß Sarospatak des Prin­zen Windischgrätz von der Polizei einer ein­gehenden Untersuchung unterworfen. Bisher ist es nicht gelungen, die Maschinen, die zur Herstellung der gefälschten Frankennoten notwendig gewesen sind, auszusinden. Die ge­samte Dienerschaft wurde einem Verhör unterzogen um festzustellen, wie weit diese von der ganzen Angelegenheit Kenntnis hatte. Die Untersuchungen werden fortgesetzt.

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Budapest, 8. Jan. Das Ungar. Tel.-Korr.- Büro teilt mit: Ministerpräsident Graf Beth- len sah sich gestern veranlaßt, die von ihm in einer vertraulichen Konferenz mit sämtlichen Parteiobmännern abgegebene und teilweise entstellt in die Presse gelangte Erklärung öf­fentlich zu wiederholen, daß er die Franken­fälschung als eine Staatsfache betrachtet und feinerfeiis deren Aufdeckung mit uner­bittlicher Strenge betreiben wird. Entweder gelinge es ihm, die Sache aufzuklären, oder er werde feinen Posten ver­lassen.

Budapest, 8. Ian. In Sachen der Fäl- schungsaklion des Prinzen Windischgrätz läßt der Erzherzog Albrecht erklären, daß er mit dem Prinzen Windischgrätz seit meh­reren Jahren keinerlei weder mittelbare noch unmittelbare Berührung hatte.

Budapest. 7. San. AuS dem Kreise der verhafteten Personen läßt sich feststellen, daß man weder von der Kompromittierung einer Partei oder politischen Dichtung, noch eines engeren homogenen Kreises sprechen kann. Prinz Windischgrätz stand in politischer Dichtung dem Obersten K a d o s s y ziemlich fern; ebenso gehörten die übrigen in den Skandal verwickelten Persönlichkeiten verschiedenen Richtungen an.Mar­fo w s k h war Raffenschuhler und Anhänger der freien KLnig'wahi, während Z a n k o - wies Legitimist war. Mankovics war politisch farblos, Winkler ebenfalls poli­tisch wenig interessiert. O l ch v a r y gehörte der Partei der erwachenden Ungarn an, Daba aber ist jüdischer Abstammung. Ob­wohl man sich von der ganzen Angelegenheit noch kein richtiges Bild machen kann, geht aus diesen Feststellungen doch schon ein­wandfrei hervor, daß bei der ganzen Fäl- schungöangelegenheit gewinnsüchtig- Elemente ebenso eine Dolle spielten, wie vermeintliche patriotische Ziele. Man versucht weiter mit größtem Eifer die Stätte aufzusinden, an der die falschen Roten hergestellt wurden.

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ZcunkrMs Wit im Soatgtbiei

fk. Paris, 8. Jan.Echo de Paris" beschäftigt sich mit der französischen Politik im Saargebirt und erklärte, man dürfte nicht hoffen, daß die Saarländer sich im neuen Jahre für Frankreich entscheiden werden. Es sei jedoch die Pflicht Frankreichs, alles zu tun, was menschenmöglich sei, um die Saarländer $u veranlassen (!!) sich für die Beibehaltung des bisherigen Zustandes zu entscheiden. Tas Blatt fordert, daß darauf hingearbeitet werde, im März 1926. wenn der Völkerbund die Präsidentschaft der Regierungskom- mission wieder zu vergeben hat, diese wie­derum einem Franzosen zu über­

tragen. allerdings nicht dem jetzigen Präsi­denten Ra ult. Diesen Beamten beizubehal­ten. sei durchaus unmöglich. An seiner Stelle müßte eine Persönlichkeit ersten Ranges.

Der Kampf gegen die deutschen Schulen in der Tschechoslowakei.

ff. Prag, 8. Jan. Seit 1918 wurden in der Tschechoslowakei dreihundert Schu­len mit 3768 Klassen aufgelöst. Der Gcsamtverlust des deutschen Schulwesens be­trägt ein Viertel seines ursprünglichen Standes.

Rückkehr Eanning's nach Marokko.

fk. M a d r i d, 8. Jan. Der Abgesandte Abd et Krims. Canning, hat sich nach Tanger zurückbegeben.

Sie ffftltemiWimg tot ton SstWauWuß

. Der Rechtsausschuhdes Deichs« t a g e s begann heute mit seinen Beratungen über die vermögensrechtliche Auseinander­setzung mit den früheren regierende« Fürstenhäusern. Zur Behandlung stan­den drei Anträge: Zunächst ein demokra­tisch e r, der die Länder ermächtigen soll, die vermögensrechtliche Auseinandersetzung, soweit sie noch nicht stattgefunden hat. durch Landesgesetz unter Ausschluß des Rechts­weges zu regeln; dann zwei kommu­nistische Anträge, die das Vermögen der ehemals regierenden Fürsten ohne Ent­schädigung enteignen und alle Rechts» ftreitigtciten darüber bi« zum Inkrafttreten einer reichsgefehlichen Regelung auSgesetzt wissen wollen.

Ron dem Vertreter des preußischen Finanzministeriums wurde eine Denkschrift vorgelegt, die in sehr aui» jährlicher Weise die vermögensrechtliche Aus­einandersetzung zwischen dem preußischen Staat und dem vormals regierenden Königs- Hause behandelt. 3n der Hauptsache sei die Beurteilung des vermögensrechtlichen Ver­hältnisses des Hauses Hohenzollern zum preußischen Staat abhängig davon, in welchem Sinne und in welchem Umfange der Grund­besitz, der in der älteren Zeit den Kern der Vermögensrechte der landesherrlichen Fa­milie bildete, als Domänen gut das Eigentum des Staates überging.

Rach den Freiheitskriegen versuchte die reaktionäre Vewegung, die grundlegenden Be­stimmungen des allgemeinen Landrechts rückwärts zu revidieren. Sie fand in der llebernaljme der Dvmänenverwal» tung durch das Hausministerium ihren Aus­druck, scheiterte aber an der Märzrevolntion von 1848, wenigstens soweit sie darauf ab» zielte, das Eigentum an den Domänen litt ganzen, wieder dem Königshause zuzusprechen. Im Verlaufe der weiteren Jahrzehnte wurden die Einkünfte aus dem sogenamrten Thron» fideifonds und dem dem . königlichen Hause Vorbehalt en en land- und forstwirt­schaftlichen Grundbesitz dazu verwendet, Ka­pitalien anzusammeln und neue Besitzungen zu erwerben, die nach Maßgabe der grund­legenden Bestimmungen des allgemeinen Landrechts in der Regel Privatver- mögen der landesherrlichen Familie wurden. Soweit Erlöse aus dar Veräußerung von Ver­mögen des regierenden Hauses zu Neu­erwerbungen verwandt wurden, blieb die Rechtslage ungeklärt. Ebenso blieb die Rechtslage der Mobilien, die das könig­liche Haus besah (Ausstattung der Schlösser, Theatersundus, Kroninsignien und Juwelen) ungeklärt.

Hierauf gab der Vertreter des preußi­schen Finanzministeriums die wicht- tigsten zahlenmäßigen Angaben des Ver­gleichs zwischen Preußen und dem kö­niglichen Hause wieder. Rach dem Ver­gleich soll erhalten der Staat: die Kron» schlösser mit dem h.storischen Mobilar und den Gärten, die Kunstwerke in den Berliner Mu­seen, die Verfügung über das Hvhenzollern- museurn, die Hausbibliothek und daS Haus- archiv nach Maßgabe besonderer Bestim­mungen, die Theater mit den Theaterfonds, 111000 Morgen Land und Forst, die Haus­grundstücke in Berlin und Potsdam mit eini­gen Ausnahmen, ferner die Kronfideikommiß» reute. Das vormalige Königshaus soll erhalten: einzelne Schlösser (das Palais Kaiser Wilhelms 11. und das Niederländische Palais, Bellevue, Babelsberg), einzelne Hausgrundstücke, das Gebrauchsmobilar und den Familienschmuck, den restlichen Land- und For st besitz, rund 290 000 Morgen, und 30 Millionen Reichsmark. Die 30 Millionen entsprechen etwa dem Werte des dem Staate zufallenden Grundbesitzes (Güter, Forsten und Nuhgrundstucke).

Rach verschiedenen die Generaldebatte vor» berreitenben Fragen beschloß der Ausschuß, um die persönliche Anwesenheit des preußischen Finanzministers zu ersuchen.

Hierauf erklärte der thüringische Staatsminister Dr. v. Klüchtzner, daß die thüringische Staatsregierung nicht in der Lage sei, beim Deiche den Erlaß eines Deichsgesetzes über die entschädigungs­lose Enteignung der Vermögen der ehe­mals regierenden Fürstenhäuser anzuregen, da eine derartige Enteignung mit dem all­gemeinen Rechtsempfinden und mit den Grundsätzen der Reichsverfassung nicht in Einklang stehen würde. Dagegen würde die thüringische Degierung bereit sein, einer vom Reiche etwa geplanten gesetzlichen Rege­lung der Frag« der Auseinanders etzungen