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NMwe», den 6. Sanum 1926

Zur Lage in Marokko.

fk. R a S a t, K. Ian. Der amtliche Be­richt über die Lage in Französisch-Marokko stellt fest, datz der Feind auf der g a n z e n F r o n t von Fez seine Tätigkeitwie- der aufnimmt. In dem Abschnitt von Taza sind keine militärischen Operationen zu verzeichnen.

Kein türkisches Bündnisangebot an Bulgarien, fk. Sofia, 6. Jan. (Bulgar. Tel.-Bgt.) Ge­genüber der von einigen Zeitungen veröffent­lichten Meldung, nach der die türkische Regie­rung Bulgarien ein Bündnis angeboten und die bulgarische Regierung dieses Angebot ab­gelehnt hätte, wird erklärt, dah die bulgarische Regierung kein derartiges Angebot erhalten habe und datz sie insolgedesien nicht in die Lage gekommen sei, es abzulehnen.

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St. 4 61. W» Marburg a. Lahn

Der Anzeigenpreis beträgt für den 10 gespalt. Zeilemnillimeter 0.08 GM., kleine Baranzeigen 0.06 GM., amtliche und aus­wärtige Anzeigen 0.10 GM. Bei schwierigem Sah sowie bei Platz- borschrist 50«/, Aufschlag. Sammelanzeige» 100 % Auf­schlag. Reklamen der Millim. 0,40 GM. Jeder Rabatt gilt als Barrabatt. Ziel 5 Tage. Belege werden berechnet, ebenso Auskunft durch die Geschäftsstelle und Zusendung der Angebote. Er­füllungsort Marburg.

1 Goldmark Dollar.

Str rhkmmricht Karols

fh. Rom, 6. Jan. Die Mailänder Blätter berichten, Prinzessin Elena von Rumänien werde sich direkt zu ihrer Mutter nach Florenz begeben und dann noch Palermo weiter reifen, um an den Feierlichkeiten am Todestage des Königs Konstantin von Griechenland teilzu- nehmen. Der ehemalige rumänische Schatzmini st er ist in Mailand einge- trosfen. Hinsichtlich der politischen Be­ziehungen des Prinzen erklärte er in einem Interview, datz dieser mit General A v e r e s c u, dem Führer der Opposition, sehr freundschaftliche Beziehungen unterhalte. In Mailand wird die Ankunft eines rumänischen Würdenträgers erwartet, der dem Prinzen den Beschluß des rumänischen Kronrates über­bringen soll. Die Blätter verzeichnen auch das Gerücht, datz die Königin-Mutter von Rumänien selbst an den Trauerfeierlich- keitcn für die verstorbene Königin-Mutter von Italien teilnehmen werde, wobei sie mit ihrem Sohne eine Begegnung haben werde.

ÄbtchejUche Zeitung

Ser Man» in Serien

Paris, 5. Ian. (Wolff) Wie ein Telegramm desN e w y o r k H e r a l d' aus Kairo berichtet, sind die Friedens» Verhandlungen zwischen den Ver­tretern der syrischen Aufständischen und dem französischen Oberkommisiar de Iou- venel gescheitert, weil die Drusen­führer sich weigerten, ihre Waf f en auszuliefern. Sie erklärten, datz die syrische Frage endgültig mit Feuer und Schwert anstatt durch Verhandlungen ge­löst werden würde. Eine Abordnung un­ter Führung eines armenischen Patri­archen, die die 200 000 in Syrien und dem Libanongebiet befindlichen Armenier ver­trat, hatte vor dieser Zusammenkunft mit der Abordnung der Syrier den Oberkom­misiar der Loyalität der Armenier gegen­über Frankreich versichert.

M FrankeMWungen in Simm

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Die ^>berhessisch- 3-itung" «- scheint sechsmal wöchentlich. Be­zugspreis monatlich 2 GM. aus- schließl. ZustellungSgcbühr, durch pj«Post2.25 GM.Für etwa infolge Streiks, Maschinendefekte »der elementarer Ereignisie ausfallende Rummern wird kein Ersatz ge­leistet. Verlag v. Dr. §. Hitzeroth, Druck der Univ.-Buchdruckerei v. Ioh. Aug. Koch, Markt 21/23. Fernsprecher: Nr. 55. u. Nr. 666. Postscheckkonto: Amt Frankfurt a. M. Nr. 5015. Sprechzeit bet Redaktion von 1011 und i/,l1 Uhr.

SelMtmerMstf) Mnl SnstkerS

fk. Berlin, 6. Jan. Der Berliner Kunsthändler und Kunstsammler Paul Cassirer hat gestern versucht, durch Er- sckictzcn Selbstmord zu verüben. Er ist schwer verletzt ins Krankenhaus ge­bracht worden. Seine Gattin, die Schau­spielerin Tilla Dur<eux weilt an seinem Lager. Ueber die Gründe des Selbstmord­versuches weiß die8osi. Ztg." mitzuteilen, datz Cassirer seit Jahren herzleidend war und wahrscheinlich durch den kürzlichen er­folgte« Tod seines Bruders niederge­brochen war. Das Befinden wird von den Aerzten als sehr bedenklich angesehen. Er ist sofort operiert worden.

fk. B e r l i n, 8. Jan. Paul Cassirer hat den Selbstmordversuch in Gegenwart seiner Gattin im Büro des Rechtsan­waltes verübt, der mit der Scheidung des seit 20 Jahren verheirateten Ehe­paares betraut war. Der »Berliner Bör- fen-Courier" glaubt den Grund zu de» Selbstmordversuch darin zu sehen, dah die bevorstehende Scheidung die Nerve» Cassirers stark angegriffen hat.

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Budapest, 5. Jan. Im Laufe der Un­tersuchung wurde festgestellt, daß Prinz Windischgrätz pekuniär voll st än- dig ruiniert ist und mit großen finan­ziellen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte, so­daß die Behauptung, er habe aus patriotischen Gründen die Franksälschungen unterstützt, nicht stichhaltig ist. Gegen den Landespolizeichef Nadossh wurde deswegen die Untersuchung eingeleitet ,weil er die Recherchen gegen Win- dischgrätz nicht mit genügender Vorsicht durch- sührte und den in Holland verhafteten, Frank­fälschern einen Kurierpaß erivirkte, in dem er von der Kurierabteilung des auswärtigen Amtes die Versiegelung des Koffers forderte, für dessen Inhalt er garantierte. Die unga­rische Oesfentlichkeit begrüßt das energische Auf­treten der.Regierung, der die Entlarvung der Geldfälscher zu verdanken sei. Die Opposition ist sehr befriedigt darüber, daß alle Schuldigen verhaftet werden und will den Abschluß der Unwrsuchung abwarten, ohne eine politische Sensation aus dieser Krimrnalasfäre zu machen. Die Nachricht über den Zusammenhang des ehemaligen Ministerpräsidenten, Graf Paul Telekh. mit den Fälschern ist ebenso un­wahr, wie die Meldung über eine Demarche der französischen Regierung in Budapest. Für das gesamte Gebiet der Hauptstadt ist in der letzten Nacht die polizeiliche Bereitschaft ange­ordnet worden . In den Straßen stehen Dop­pelposten und Kraftfahrerpatrouillen durch­fahren die Straßen. Die Budapester Polizer hat aufgrund der in Hamburg erfolgten Ver­haftung Recherchen vorgenommen, die von Er­folg gewesen sind . Es besteht kern Zweifel, daß es sich bei dem Verhafteten um das Mit­glied einer und derselben Bande handelt, der auch die im Haag und in Budapest Verhafteten angehören. Die Mitteilungen der Hamburger Polizei verhalfen der Budapester zu wertvollen Informationen, aufgrund deren festgestellt wurde, daß von den bisher Verhafteten, na­mentlich Stephan Winkler und der Prrvat- sekretär Raba, mit dem in Hamburg verhafteten Olchvary in engen Beziehungen standen. Alle Mitglieder der Bande scheinen Kreaturen von Windischgrätz gewesen zu sein. Prinz Win- dischgrätz gab diesen Leuten an, einen legi- timlstischen Putsch ausführen zu wol­len, scheint aber zu Gunsten von Erzherzog Albrecht gearbeitet zu haben. Windischgrätz steht übrigens seit 1V2 Jahren unter Kuratell, da er sein Vermögen durchgebracht hat. Seine Frau, eine viel bewunderte Schönheit, sandte er mit fernen Kindern nach dem Schloß Sa- rospatak. Es wird behauptet, hüß diese völlig mittellos sind.

Zeugenvernehmung.

Budapest ,5. Jan. Der Chauffeur des Prinzen Windisch-Graetz, der durch die Polizei vernommen wurde, hat ausgesagt, daß der Prinz und sein Sekretär häufig in entlegene Stadtteile gefahren wären, dort den Wagen verlassen hätten und dann in Nebenstraßen verschwunden wären. Nach, ein bis zwei Stunden wären sie dann zu­rückgekehrt. Eine andere Aussage stammt von Sinern Journalisten, den Prinz Win­disch-Graetz beauftragt hatte, in Wien we­gen einer Anleihe zu verhandeln. Gegen Weihnachten habe der Prinz dann seinen Auftrag zurückgezogen, offenbar, weil er bereits die Mitteilung erhalten hatte, datz die Plazierung der falschen Frankennoten geglückt sei. Wie bekannt wird, hatte der Prinz bereits fällige Schulden in Höhe von fünf Milliarden ungarischen Kronen.

Neue Berhaftungen in der Frankenfälschungs- angelegenheit.

Budapest. 5. San. (WTB.) Sn der Angelegenheit der Frankenfälschungs­affäre wird die LIntersuchung pon der Poli­zei energisch fortgesetzt. Heute erfolgten zwei neuerliche Verhaftungen. So wurde der pensionierte Beamte Eugen Olchvary in Haft genommen, der ein Bruder des in Hamburg verhafteten Edmund Olchvary ist und mit ihm in ständiger Verbindung stand. Als Olchvary den Eindruck gewann, dah es der Polizei gelingen wird, in der Angelegen­heit der Frankenfälschung den Tatbestand auf­zudecken, schickte er aus Wien an Edmund Olchvary eine Depesche und machte ihn darauf aufmerksam, seine Aktion einzustellen und ohne Verzug nach Budapest zurückzukehren. Dieses Telegramm wurde von der Hamburger Polizei beschlagnahmt, die die Budapester Oberstadt­hauptmannschaft verständigte, indem sie gleich- zeitig , mitteilte, dah bei Edmund Olchvary. mehrere hundert Stück falsche Francsnoten

gefunden wurden. Auf Grund einer Ver­ständigung wurde von der Polizei auch eine Kopie des Wiener Telegramms beschafft und Eugen Olchvary verhaftet.

Berlin, 5. Jan. Landespolizeichef Emmerich Nadossh wurste heute abend, wie dieNeue Freie Presse" aus Budapest meldet, verhaftet. Seine Fest­nahme erregte noch mehr Aufsehen als diejenige des Prinzen Windisch-Graetz, da er sich allem Anschein nach nicht mir der Vorschubleistung, sondern der direkten Beteiligung an der Falschmünzerei schul­dig gemacht hat. Auch der Abg. Dr. Ulain ist heute abeud verhaftet worden.

B u d a p e st. 5. San. (WTB.) Sn der Angelegenheit der Frankenfälschung wird wei­ter berichtet: Der Privatgelehrte Stefan Winkler ist verhaftet worden, weil er in einem Budapester Geschäft einen Koffer mit doppeltem Toden kaufte und sich da­durch verdächtig machte. Bei der vorge­nommenen Haussuchung wurde im Koffer ein Brief des ebenfalls in Haft befindlichen Sekretärs des Prinzen Windisch-Gräy vor­gefunden, dem dieser rät, sich weiterer Schritte zu enthalten und nicht abzureisen. Ein Morgenblatt schreibt heute, die Stellung hoher Minister sei erschüttert. Wie das Ungarische Telegraphenkorr.-Düro dazu erfährt, entbehrt dieses Gerücht jeder Grundlage.

Nach einer weiteren Meldung aus Buda­pest stehen seit heute mittag 40 Personen des gesellschaftlichen und politischen Le­bens in Ungarn wegen Verdacht der Mit­schuld an den Frankenfälschungen unter Polizeiaufsicht. Die Liste dieser 40 Per­sonen sei von französischen Detektiven aus Holland mitgebracht worden und geht aus das umfassende Geständnis zurück, das der Oberst Jankovich vor den holländischen Be­hörden gemacht habe. Emerh, ein Abge­sandter der Bank von Frankreich, erklärte vor Pressevertretern, daß mit den bisheri­gen Maßnahmen die Angelegenheit noch lange nicht erschöpft sei. Hinsichtlich der Druckerei, in der die Noten hergestellt wurden, ist die Polizei noch zu keinem Ergebnis gekommen.

Volles Geständnis des Prinzen Windischgrätz.

fk. Budapest, 6. Jan. In den gestrigen Nachmittagsstunden hat Prinz Windischgrätz ein volles Geständnis abgelegt und mit« geteilt, wie die Fälschung durchgeführt wurde, und auch bk 91 o m e n derjenigen genannt, mit denen gemeinsam der Plan entworfen wurde, sowie auch die Namen derjenigen, die bei der Durchführung des Planes mitgeholfen haben. Daraufhin gab gestern die Staatsanwaltschaft der Oberstadthauptmannschast Weisungen, um die von Windischgrätz genannten Personen so­fort der Polizei oorzusühren. Gegen Abend verließen 85 Geheimpolizisten die Oberstadt­hauptmannschast, um die angeordneten Ver­haftungen durchzuführen.

Frankreich fordert Schadenersatz

fk. London, 6. Jan. Einer Meldung der Daily Expreß" zufolge soll die franzo- sischeRegierungoon Ungarn als Ent­schädigung für die Fälschung der 1000 Frankennoten den Betrag von 8 Millio­nen Pfund Sterling fordern. Auch die Tschechoslowakei soll eine diplomatische Aktion durch Vermittlung des Völkerbundes planen. Graf Appanyi erklärte in feinem Tele­gramm an dieDaily Expreß", die Fälschung ausländischer Banknoten hätte nichts .mit einer Wiedereinsetzung des Königs Otto auf den Thron zu tun. Die ungarische Monarchisten erheben Einspruch gegen den Versuch, sie mit dieser Angelegenheit in Ver­bindung zu bringen.

Verhaftung eines Falschmünzers in Serbien.

fk. Belgrad, 6. Jan. (Agentur Avala.) Die Polizei verhaftete am Montag in einem dalmatischen Lokal einen Mann namens Mato Madronitsch, der einer der Hauptverbreiter von gesiilfchten 1000-Dinar-Noten im Königreich der Südslaoen war. Die Polizei ist anderen Mitgliedern der Bande auf der Spur, die die falschen Noten vertrieben. Die Untersuchungen ergaben, datz die gefälschten Noten von der neuerdings in Ungarn entdeck­ten Geheimorganisation gedruckt wurden.

zur MmunMMung

Berlin, 5. Ian. (TU.) Durch zeitlich nisammenfallende, aber durchaus von ein­ander unabhängige Kundgebungen der der Demokraten und der Sozialdemo­kraten ist bereits vor der Rückkehr des Reichskanzlers nach Berlin

die Frage der Regierungsbildung wieder aufgerollt

morden. Von parteioffiziöser beino r k r a - tjscher Seite wurde betont, daß für die Demokraten in Gemeinschaft mit dem Zen­trum nur der Weg bleibe, zunächst einmal abzuwarten, welche Ergebnisse

neue Versuche auf Bildung einet Großen Koalition

haben würden. Die weitere Erklärung, daß jeder Versuch der Regierungsbildung von der Entscheidung des Zentrums und der Demo­kraten von vornherein zum Scheitern verur­teilt wäre, hat wohl den Sinn, daß die Demo­kraten unter allen Umständen die neuen Ver­suche in die Linie der Großen Koalition drän­gen wollen. Gleichzeitig mit dieser Erklärung wurde von so zialdemokratischet Seite ein Bericht über den Verlauf einer Ver­sammlung der sozialdemokratischen Partei- und Gewerkschaftsfunktionäre veröffentlicht. Im Gegensatz zu verschiedenen Artikeln ande­rer sozialistischer Führer wie Senering, Roske und Scheidemann erklärte dort der Fraktions­führer Hermann Müller, die Fraktion habe allen Grund, bei solchen Experimen­ten, wie die große Koalition eines darstelle, recht vorsichtig zu sein.Wir müssen uns hüten", so schloß Müller-Franken sein Referat, in einer großen Koalition in Schwierigkei­ten zu kommen, wie wir sie bereits schon ein­mal erlebt haben. Ohne Erfüllung von Mindestforderungen und das nötige Vertrauen ist eine Regierungsbildung aus der Grundlage der großen Koalition nicht möglich."

Nach lebhafter Debatte wurde eine Entschlie­ßung angenommen, die folgendermaßen lautet:

Die Konferenz der Berliner Funktionäre billigt, datz die Reichstags-Fraktion die Bil­dung einer Regierung der graften Koalition abgelehnt hat. Die Konferenz erwar­tet, datz die Fraktion, wenn jetzt erneut der Versuch der Bildung einer solchen Regierung gemacht werden sollte, abermals dir Be­teiligung in dieser Koalition a b l e h n t. Nur eine solche Haltung entspricht den Interessen der Partei und denen der werktätigen Bevölkerung."

Hermann Müller hat auch zum erstenmal in dieser Versammlung sehr präzise Angaben über die Meinungsverschiedenhei­ten gemacht, die sich in den Verhandlungen vor Weihnachten über das Programm des Demokratenführers Koch ergeben hatten. Da­nach ist es

das Mitztrauen gegen die Deutsche Volkspartei nicht allein und offenbar nicht einmal in erster Linie, das die Sozialdemokraten zur Ableh­nung der großen Koalition veranlaßt hat. Be­reits zum PunktFürstenabfindung" sprach Hermann Müller von einer starken Belastung des Zentrums aus dessen Vergangenheit. Hauptsächlich wurden aber von ihm

die sozialpolitischen Vereinbarungen als unannehmbar

bezeichnet. Die Sozialdemokratie beharrt also auf ihrem Programm und erklärt ausdrück­lich, daß die Nichterfüllung ihrer Mindest­forderungen eine Regierungsbildung auf der Grundlage der großen Koalition unmög­lich mache.

Wenn auch die sozialdemorkra- tifche Absage an die große Koalition als das hervorstechendste Moment der innerpoli­tischen Vorgänge der letzten Wochen zu be­zeichnen ist, so ist auf der anderen Seite doch nicht zu verkennen,

datz sich auch im Zentrum eine leise Ver­schiebung bemerkbar macht.

Maßgebende Politiker des linken Flügels be­urteilen die Aussichten für die große Koalition heute weitaus f k e p t i f ch e r als im Dezem­ber, nachdem sich gezeigt hat, daß die Andeu­tungen, bei einer ablehnenden Haltung der Sozialdemokratie im Reiche auch die Regie­rungsfrage in Preußen aufzurollen, offenbar ohne Eindruck auf die Linke geblie­ben find.

Immerhin ist anzunehmen, datz die preutzifche Frage in den späteren Verhandlungen noch eine Rolle spielen wird.

Zentrum und Demokraten werden jedenfalls nach der sozialdemokratischen Slbfage zu einer Stellungnahme genötigt fein. Ter R e i ch s - Präsident wird nach der Rückkehr Tr. Luthers, wie man allgemein annimmt,

Dr. Luther mit der Regierungsbildung beauftragen.

Dieser dürfte aber kaum viel Neigung haben, einen nun fast ganz aussichtslos ge­wordenen Versuch zu wiederholen.