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Oberhessische Blätter

Wöchentliche Unterhaltungsbeilage zur Oberhessischen Zeitung

Nr. 1

Aus «Mains BergangruW

JmHörsctü der landwirtschaftlichen Winter- schule hielt an 3. Dezember Herr Hauptlehrer u R. Dux als Allen dorf einen Vortrag über das Thema: Aus Kirchhains Vergangenheit. Einleitend hmerkte der RednerÜSer nicht die Dergangnheit seines Volkes liebt, fühlt auch nicht dn Stolz ihm anzugehören und hat kein Derrauen in di« Zukunft desselben. Das ist in de Gegenwart mit ihren schweren Fragen wichtzer denn je. Wie wir uns heute darauf rinstellen müssen, aus der Hei­mat unsere Sichtigsten Lebensbedürfnisse zu decken, so misen sich unsere geistigen Be­dürfnisse zum xuten Teil auf das beschränken, was uns unittelbar umgibt und bewegt. Dem germanisier Hange ins Angemessene, ins Weite sindhie Flügel beschnitten, die an­geborene Liebezum Boden hat ihn ablösen müssen. Die «imat ist uns darum heute mehr, als ein Egenstand des Interesses und der Teilnahme. Sie ist nach Millionen ein Gut, in dem sichpie Wurzel unseres sittlichen Bewußtseins uftittclbar versenkt. Wer sich an die Heimaj klammert, der kann sich befreien von detdrückenden Gegenwart, der läßt sich von sauer Sorge nicht nieder­ringen. Äemehrss nun gelingt, in die Ge­schichte der enger«Heimat einzudringen, desto mehr wird man sich mit ihr verwachsen fühlen, sie um fo miger lieben lernen. Wer die Heimatsgeschit« klar erfaßt hat, besitzt damit den Schlüsi für das rechte Ver­ständnis der Staageschichte.

2ch kenn ein Landw reich und schön, Voll goldener Asien die Felder.

Dort grünen vom 3 bis zur sonnigen Höh n Diel dunkele, dusti« Wälder,

Dort hab' ich als Ab an der Mutter Brust In Blüten und Dinen gesessen.

Gott grüß dich, du Hmat, du herrliches Land, Herz Deutschlands, iein blühendes Hessen.

Alsdann behandel der Vortragende die älteste Zeit bis zur ^führung des Christen­tums. 2m Hessenlaie breiteten sich früher keine wogenden Feld grüßten nicht male­rische Städtchen nebe altersgrauen Burgen und stattliche Dörfer »ft schmucken Kirchen. Vor ungezählten Aataufenden liehen die Meere der Vorzeit re Wogen über die Landschaft rauschen, ias Wüstenklima der Duntsandsteinzeit und^as subtropische der Draunkohlenperiode Hielte mit der Kälte- Periode der Eiszeit i Wir hörten von Funden von Muschellai Ton. Mergel. Ocker und Daumeisensteinen, »n der gewaltigen Tätigkeit der Vulkan« des Vogelsberges, dessen glühende Lava frohe Flächen des Landes bedeckte, von tx Bildung des 2a- saltkerns der Amönebü der Hügel, auf denen Kirchhain und »Weinsberg stehen, dem Frauenberg und anL Schrecklich mag damals das Leben der Jthc gewesen sein. Rach weiteren Llahrtaushen zog sich das Meer wieder zurück, die btropische Draun- kohlenzeit folgte. Die 4me brannte heiß und üppige Gewächse entlassen dem Doden.

..................Illlllil...........IIHII... im IUM

(^br. verboten.)

6fn SuIttrlM» WberWen ms »er M des s Meisen

KrieseS

Einer heimatlichen Chrot nach erzählt von Ä. Osiw

(Fottsetzung.l

Die kostbaren Bilder, di^erlichen Hoch­altäre, die wertvollen Kreil alles, alles . ist verschwunden. Selbst de»ohe Sänger­chor im Hintergründe existil nicht mehr. . Durch die hohen Kirchenfens: bricht das Morgenlicht. Aber selbst hiShat sinnlose Wut die meisten Scheiben »rochen und , zerstört. Sein Blick gleitet 1 lhnen hin­auf bis zum zierlichen Dqverk. Di« spätgotischen Fischblasen sin^och unbe­rührt. Aber den Fußboden Ign sie zer­wühlt wie Schweine, als häts fjx gierig nach Schätzen gesucht. Alles Atolle und Kostbar« war fort und wenn sthgften die Kirche noch mitnehmen könne hät­ten es auch getan. 1

Betrübt schlich er sich Wieder^aus und ging vom Bache abwärts bur<4a§ Dörf- lein. Leise, wie klagend, riese Ich, aS Wäs­serchen dahin und eine flinke^achstelze lief wie sonst, wippend und tnü.m Köpf­chen nickend über die blanken Achen des Baches und hascht« nach Es

wußte nichts vom Krieg und Zerstö­rungswut der Menschen.

Dann schlich er wieder in sein Heim. Er hatte genug gesehen. Im <4n Ver­steck wollte er den Abend abto»n und dann wieder unter dem Schutze < Nacht nach Amöneburg zurückwandern. U groß auch sein Heimweh gewesen war, ssah ct doch ein, daß er besser tat, int Sdjt star­ker Mauern vorläufig zu bleiben, sts die Nacht in ihre dunklen Schwing her­niederrauschte und die dunklen Wäll ober­halb Stausebachs sich in nächtigettzräu- men wiegten, trat er seinen RückweLn.

Marburg, den 2. Januar

1926

Mit ihren Leibern füllten sie bei ihrem Untergang« den Riesenfriedhof, dem wir jetzt die Braunkohle entnehmen. Alsdann folgte nach abermals Jahrtausenden die Eiszeit, die alles Leben erkalten ließ. Rach dem Di­luvium begann wieder eine wärmere Zeit, die eine üppige Degitation brachte und Wäl­der. in denen Auerochsen, Bären und Wölfe hausten. Don den untergegangenen Tieren wurden später bei Asien darf Stücke gefunden als Stück eines Eckzahnes vom Mammut, Schulter und Rippen vom RhinoceroS, Reste von Elch und Geweihe vom Renntier. Auch in der Deustädter Gemarkung wurde ein Stoß- zahn von l1/, Meter Länge des Mammut­tier eS gefunden. Lieber die gemachten Funde aus der Steinzeit in der hiesigen Gegend machte der Redner nähere Angaben, ebenso auS der Bronze- und nachfolgenden Eisen­zeit. Dann ging der Redner zur Einführung des Christentums über. Es war im Frühling des Jahres 721, als auf der uralten Wein- und Königsstraße ein Häuflein Männer in fremdartiger Gewandung sich dem Oberlahn­gau näherte, bekleidet mit Kutten aus grobem Wollstoff, auf dem Rücken Ledersäcke mit kirchlichen Geräten, Pilgerstäbe in den Händen. In größter Einfachheit und Armut. Psalmen singend, zogen sie ihres Weges. Es waren arme Söhne des hl. Benediktus, die unter St. Bonifatius' Führung aus dem meer- umschlungenen Lande der Angelsachsen kamen, unseren heidnischen Vorfahren die Heils Wahr­heiten des Evangeliums zu verkünden. Als die Mission aus den Bergen bei Cölbe trat, öffnete sich ihren Augen eine weite, damals schon dicht besiedelte und gut kultivierte Ebene, auS deren Mitte sich der gewaltige Basalt­felsen der Amöneburg wie das Grabmal eines Riesen erhob. Durch das Tal floß die Amana in zahlreichen Krümmungen hindurch. Roch heute weiß das Volk jenen ersten Weg zu beschreiben, zeigt längs der Straße die sog. Freiländereien, die infolge des Vorbeizuges noch in späteren Jahren zehntfrei waren. In der Seelheimer Gemarkung liegen die nach dem Heiligen benannten Bonifatiusäcker. Wir hörten von der Bekehrung und Taufe der Brüder Dettik und Derrulf. di« Vorsteher des GaugerichtS und der weiteren Misfivnstätig- keit Et. Bonifatius.

Auf dem Hügel, um den heute Kirchhain liegt, erstreckte sich damals ein heiliger Hain, in dem Bonifatius eine Kirche erbaute und dem heiligen Michael widmete, der zum Pa­tron Kirchhains wurde. Als solchen treffen wir ihn im Siegel der ältesten noch vorhan­denen Urkunden. 1238 unterfieaelte eine solche der Pfarrer »Konradus in Kirchhain", der aber im Siegel noch Pfarrer von Wer floh heißt.

Das Dorf Kirchhain war auf kurmainzischem Boden gelegen, gehörte aber in Bezug auf die Gerichtsbarkeit unter den Vogt von Amöneburg. Kurfürst von Mainz war da­mals Heinrich von Virneburg. Dieser lag mit Hessen im Streite. Der damalige Land­graf von Hessen, Heinrich der Eiserne, 1328

bis 1377. beschloß feine Landesgrenzen mög­lichst weit gegen Amöneburg vorzuschieben, nahm dem Kurfürsten das offene Kirchhain weg und machte es durch Ziehung einer Mauer, Errichtung einer Burg und Anlage eines Grabens zu einer Stadt. Erst 1359 er­folgte der Ausbau von Mauer und Schloß durch den deutschen Orden. Von den Privi­legien der Stadt ist nichts mehr zu finden, da am 21. März 1412 auf St. Benedikts tag der Graf Heinrich von Waldeck aus Feind­seligkeit mit Zuziehung der Omeneburger Ein­wohner die Stadt Kirchhain geplündert und bis auf zwei Häuser gänzlich zerstört hat. hierbei sind auch die Urkunden der Stadt ver­brannt worden. Die alte Feindschaft zwischen Kirchhain und Amöneburg, welche sich damals ausbildete, kommt in einem alten Kirchhainer Geschütz zum Ausdruck, das die Aufschrift trug:Kirghain bin ich, Amelbork freß ich". Ein angeschener Kirchhainer war Dr. Menche, Kanzler zu Köln und DikariuS zu Mainz, welcher im Jahre 1500 vom Papste in Er­laubnis erwirkt hatte, in Kirchhain ein Kloster zu bauen. Als dieser aber den morastigen Weg von der Stadt nach Hof Radenhausen sah, entschloß er sich zum Ausbau und Pflasterung des Weges und vermachte zu deren Unterhaltung eine Stiftung von 200 Gulden.

Hiermit fand der hochinteressante Vortrag feinen Abschluß. Heber die Einführung der Reformation und den nachfolgenden 30jähri- gen Krieg will der Redner in einem späteren Vortrag berichten. 3. K.

9'6 ErbriSkW!

Mer harre e schwarz Röckelche En Röckelche met Schiefe*). Doas deat en jeder vo oiS o Bei schwarze Schlupp ean Schnttese?) Mei Ellevoater trugg doaS sch«. Wär he di« Eller nuhm Ean such vis Boater fealigmol,) Dreann zou dr Motter tum.

Nur sechs Gebroier) Warrn mer blus Bugt deat dr Bruttorb heinke, och jeder wollt zoum konfirmier«

Eam schivarze Kleftche Meinte.5)

Eich tooar bT Neastputch vo oiS all,5) Doas moucht meim Boater Sourge Ds Röckelche tooar mir z' weit Ke anersch wollt he borge.

Zoum Schtoerningst Jong!" mei Boater fät, Wu doust du Norz herstamme?

Gläib nur nit, detz doas Röckelche Eich toege dir verdamme." Dobei tooar eich ken Schnenber') nit Könnt toäi en Drescher «ässe, So harre mer te Möckelche Doas so gout hätt' gefreaffe.

Eich trank die Melch ean leakt d' Schmäad5) S' tooar alles für die Katze Grit jeden Dong e Roierei,*) Dr Knäreie) wollt nit Platze.

Meich könnt mer dorch e Nool gejaa11) , mer d' erfchtmol ginge.12)

Mei Boater schall:D' Rouck kimmt o!" Eich heult en konntS nit ziveange. Sechs Weste brinner ean d' Wams Eich tooar toäi auSgegosse

Die Aermel freilich tooant z' lagt

Ean heanne ach die Flosse.15)

Wäi mer dr ahle Spenzerlf) staun, Doas kann sich jeder deinke Meich könnt mer ean die Hirsche stä Die Spatz« obz'leinke.

Die Hose, na, eich will nit klaa, Woarn weit gemtng noach heanne Do könnt ganz gout of Aftermiet Noch enner Platz dreann feanne. Oach Schastestiwel harr eich o, Gepinnt ean sresch gesöhll

Do stacke vorn zwie Fürwes16) dreann Well noch « desche fehlt.

D- Stockhont'«) of melm MSstekopp, Ds schinste Stück vom ganze, E- besche HLi ean do verbänll Ean fochsig wäi en Ranze.

K« Wurscht kimmt schiner ans dc «pretz. So stann eich do eam Kleftche

Zwoar schweazt eich toäi en Brore schn ES ging » meich ke Löftche.

Doch alter nimntt «mol e Snn, Rorz nit ds schleicht« koche Eich met meim schine NouchtmohlSstoal Hnn altes radgefwche.

H. Bastian.

1) Rock mit Schößen (Gehrock), 2) Bor­hemd, 3) selbigeSmal, 4) Gebrüder, 5) im schtöarzen Anzug glänzen, 6) Nesthäckchen, 7) Kostverächter, 8. Rahm, 9) Rührer, 10) Knoten, 11) durch dn Nadelöhr jagen, 12) dar erstemal zum Abendmahl gingen, 13) die Rockfchöße, 14) der alte Rock, 15) abgeschnittener Strumpf, 16) Zylinder.

Allerlei

Hochwertiger Beenustoss aus Holzabfälle«.

Hofrat Prof. Dr. Stäche, Men, hat nach bet Haustechnischen Rundschau einen de- forberungsfähigen Schacht-Generator er» baut, mit dem es gelingt, im Walde die Holzabfälle in harte Holzkohle (Lignizit) zu verwandeln und zuvor ihren Gehalt an Gasen, Teer und Teerwasser auszunützen. Die gewonnene Holzkohle ist frei von Schwefel und Phosphor, hat infolge ihres Wasserstoffgehalts rund 9000 WE. Heiz­wert und ist für viele Industriezwecke von grossem Wert. Für den Hausbrand eignet sie sich ebenfalls. Ländern mit Holzreich­tum und Kohlenarmut, z. B. Oesterreich, vermag bas neue Verfahren zum Segen zu gereichen, indem es bie Holzabfälle aus- nützt, die heute im Walde nutzlos ver­modern und Herde für Holzschädlinge bilden.

Spät, spät in der Rächt war es, als er wieder ankam und als ihm der bekannte Torwarte! auf das verabredete Zeichen öff­nete.* Er hatte genug gesehen im Neben Stausebach und lange lüstete es ihn nicht wieder nach dem gleichen Weg«. Ein tie­fer, traumloser Schlaf hielt ihn nachts um­fangen auf feinem kargen Lager. Am an­dern Abend trafen sich wieder bie Stause- bacher, die sich in Amöneburg aufhielten, im Eckhause oben am Marktplatze. ES war fo still« Verabredung, daß sich bie Flüchtlinge aus den umliegenden Dörfern an gewissen Abenden in bestimmten Häu­sern zusammenfanden. So tarnen die Stausebacher jeden Donnerstag abend in dem vorgenannten Haufe zusammen. Was wollten sie auch alle treiben, sie, die meist Landwirte waren und nun hier zur Lang­welle verurteilt waren. Zwar hatten sie sich den Verhältnissen nach ganz anders eingestellt und suchten Beschäftigung, wo sie konnten, aber das füllte ihren Lebens­und Arbeitskreis doch nicht ans. Da saßen sie nun um den großen Tisch herum, der lange Jörg mit dem rotblonden Haar, den sie immer früher wegen feiner langen Gestalt zur Zielscheibe ihrer Witz« gemacht hatten und dann der kleine buckelige Kon­rad und die Katharine und die Lisbeth und alle die lieben ehemaligen Stausebacher und ein düsterer Ernst log auf allen Zügen, denn es tut weh, sehr weh, die Heimat ver­lassen und als Flüchtling fremdes Brot essen zu müssen. Eben öffnete sich wieder die Tür und unser Kaspar Preis trat mit noch einer Anzahl Stausebacher ein und wünschte allen einen guten Abend und setzte sich schwerfällig an den großen Tisch. Hör mal, Kaspar, fragte da sein Ge­genüber,Du warst gestern Nacht in Stau­sebach, wie siehts denn da aus?"Ja, wie siehts aus, lieber Freund, nicht schön und ich wollte, ich hätte das alles nicht gesehen, aber das Heimweh, das Heimweh, fraß zu stark an mir. Bleibt alle lie­ber hier oben, was ihr da unten seht, ist Zerstörung und wilde Verwüstung, zum Herzbrechen."

ES war einen Augenblick still in der Stube, vom nahen Turm hörte man die Glockenschläge der neunten Abendstunde und jeder war mit seinen Gedanken beschäftigt, sich all das Grausig« auszumalen, was Kaspar gesehen hatte und nur mit Worten anzudeuten wagte.

Erst nach und nach kam daS stockende Ge­spräch wieder in Gang und jeder wußte etwas zu berichten.

Da hatte der lange Jörg allerlei von den Mardörfern gehört, die sich gestern abend drüben im gegenüberliegenden Hanse zu versammeln pflegten. Der alte Peter von dort hatte sich auch hinuntergeschlichen, um einmal nachzusehen, wie es im Dorfe stand. Den hatten sie erwischt und jämmerlich mißhandelt. Ein Kriegsmann hatte ibn auf die Erde geworfen, ihm die Hände gebunden und ein Querholz in den Mund gesteckt, daß er ihn nicht zumachen konnte und bann hatten fie ihm garstige Mistjauche eingeschüttet. Da hatte er geschluckt und geprustet, aber die wilden, entmenschten Krieger hatten gelacht und ihm noch mehr zugeschüttet. Er sollte ihnen nun einmal zeigen, wo die Leute Geld vergraben und andere Wertsachen versteckt hatten, aber er wußte nichts und schüttelte immer mit dem Kopfe, wenn sie ihn gefragt hatten. Dar­über waren sie ärgerlich geworden und hat­ten ihn immer noch mehr gequält. DaS nannten sie dann einen schwedischen Trunk. Roch beute zittere der arme, alte Peter, wenn er daran denke und feine Zähne feien noch ganz wackelig.

Ja, die Schweden, bie Schweden,- meinte ein anderer,bte sind bie Schlimmsten. Gnad« dem Gott, der denen in die Hände fällt.'Kaum glaublich", sagt« bie alte Katharina unb faltete die Hände,da hat mir doch der alte Christian immer erzählt, daß di« noch bie besten wären und jeden Morgen mit Gebet und frommem Gesang in den Krieg ziehen."Ja", sagte ihre Nach­barin Lisbeth,das hat man sich früher immer erzählt, aber seitdem ihr König Gustav tot ist, soll auch bei denen keine

wäre.

(Fortsetzung folot.)

Ordnung mehr fein und sie sollen zehn­mal schlunmer sein, als die Anderen."

O,toir armen, armen Leute", jammerte es da wieder in der Ecke,müssen wir denn altes, alles Leid erdulden? Da hat mir gestern auch Liner ton den Rüdigheimern erzählt, wie sie dem mitgespielt haben. Er war ans dem Weg nach Kirchhain, da haben sie ihn gefaßt und schrecklich gequält. Den haben sic an bett Schwanz Des Bferdes ge­bunden und dann mutzte er wohl oder übel mitlaufen, daß ihm der Schweiß m Strö­men am Körper herunterlief. Und dann abends erst im Lager, da haben sie ihn unmenschlich gemartert. Einer hat ihm em Seil um den Kopf gebunden, in dem titele harte Knöpfe waren. Dann haben sie da­mit einem Knüppel an den Enden so lange gedreht, bis bie Knöpfe in den Kopf em- drangen. Sie haben ihn so langegeret- belt", bis daS Blut aus dem Kopfe sprang unb noch heute sieht man bie Narben und

viel Unmenschlicheres hat er bei Mitgefangenen mitansehen müssen. Da ha­ben sie einem die Zunge herausgezogeti unb mit einem Pfriemen vorn ein Loch durchgestochen. Durch das Loch zogen ne ein langes Pferdehaar und fibeliett, bamtt auf und ab, daß der Arme vor schmerz schrie. So hatte der Riidigheimer erzählt und noch andere schreckliche aRarterge ten gingen durch di« Tischrunde wte schau­erliche Mären, die der Menschengetst er­sonnen, um die Leute zu erschrocken.

Auch der alte Gumpert hatte gehört und erzählte, daß man einen Mardörfer un­ten bei der Ohmbrücke eingefangen und arg gequält hatte. Dem hätte man aur «tne spaßige Art das Leben verpatzen Mtt Salz hätte man ihm die nackten Fußsohlen eingerieben und das dann durch eine Ziege, bie bekanntlich gern ©als letft, ableden laf- fen. Das hätte ihn so furchtbar gekrtzelt, daß fr vor lauter Lachen bald gestorben