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Zweites Blatt

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Aber in Bezug auf die Technik hatPrvst Neujahr" einen großen Fortschritt gemacht. Früher war der Bries- träger und die Postkutsche der Vermittler des Glückwun­sches. Dann griff man zum Telephon und rief sich in der Stilvesternacht ein fröhlichesPrvst Neujahr" zu. Heute fliegt der GrußProst Neujahr" drahtlos und in allen Wellenlängen durch den Luftraum von Land zu Land «nd von Kontinent zu Kontinent. Ob wir mittlerweile glück­licher geworden sind?

Mr wollen es nicht entscheiden, denn es ist schon entschieden. TrotzdemProst Neujahr!"

Umgruppierung der Truppe» im Ruhrgebiet. -

Paris, 31. Dez. Nach eiwrr Meldung dec Agentur Havas aus Brüssel hatEtoile Beige" Auskünfte dar-

Die Neiteieiing bet Hielt

Der erwartete Erlaß der Reichsregierung Übet die Heuregtiun g der Dienstzeit der Beamten ' liegt jetzt tot. Der Erlaß, der für die Zeit bis zum BL Dezember 1925 Gültigkeit besitzt, hat folgert!en Wortlaut.

L Jeder Beamte ist verpflichtet, seine volle Arbeits­kraft in den Dienst des Reiches zu stellen. Er hat die ihm übertragenen Arbeiten rechtzeitig ohne Rücksicht auf eine festgesetzte Dienststundenzahl zu erledigen. R. Der Dienst ist in der Regel in der Dienststelle und ^innerhalb der vorgeschrickenen Tagesdienstzeit zu er­ledigen. Tie Dienstzeit beträgt wöchentlich mindeste is 54 Stunden. Regelmäßige Mehrleistungen könnten inm chalb eines Kalenderjahres durch regelmäßige Min­derleistungen ausgeglichen werden und umgekehrt.

3. Soweit der Dienst in bloßer Dienstbereitschaft besteht, ist die Dienstzeit entsprechend zu erhöhen. Dem Dienst in den Dienststellen unh innerhalb der vorqe- schriebenen Tagesdienstzeit ist die Teilnahme an Sit­zungen, Besichtigungen und dergleichen gleichzustellen. Soweit die Erledigung des Dienstes in der Dienststelle tzlnb in der vorgeschriebenen Tagesdienstzeit auS dienst­lichen Gründen unzulässig ist, kanrz eine anderweitige Regelung stattfinden.

4. Die Tagesdienstzeit wird von jeder Behörde nach Anhörung der Beamtenvertvetung festgesetzt. Tie Lagesdienstzeit ist grundsätzlich in Bor- und Nachi- lmittagsdienst zu teilen. Nur dort, wo aus zwingenden örtlichen oder sachlichen Gründen eine solche Eintei­lung unmöglich erscheint, kann mit Zustimmung der »bersten Reichsbchörde und des Reichsministers des Innern durchgchend gearbeitet werben. Diese regeln die Bewill'g'.lng der Ausnahme in der Dienstzeit. Hierbei dar/ die WochendienstAeit nicht auf unter 51 Stunden festgesetzt werden.

Für eine Ueberschreitung der bestimmungsmäßigen Wöchenbienstzeit wird eine Vergütung nicht gewährt. Wn Ausgleich kann durch Dienstbefreiung zu anderen Veiten gewährt werden.

aber, schließlich kann sie sich mit der im Augenblick stellvertretenden Herrin des Hauses nicht darum raufen, meinte Rosenbauer grimmig, indem er sich anschickte, das Zimmer zu verlasien.Sie bleiben also bis zum Abendessen hier, das Sie dann mit Fräulein Pilar einnehmen können, währenddessen vertrete ich Ihre Stelle bis auf weiteres!"

Rosenbauer brauchte Fräulein Zingst nicht lange zu Judjien, denn sie stand auf dem Gang In tausend Aengsten um ihren Herrn und unsicher, ob sie an- klopsen dürfe oder nicht.

Hat der Herr Baron sich beim Sturz etwas ge­brochen? Wie ist denn das gekommen? fragte sie Rosenbauer, der sich erst versicherte, daß niemand in der Nähe sei, und die gute Seele dann beruhigte.

Natürlich hat er sich ein wenig geklopft, aber das ist nicht schlimm. Unter uns, Fräulein Zingst, er hatte wieder eine Ohnmacht, aber davon wollen wir lieber nichts sagen, damit fein unnötiger Tratsch entsteht, der Herrn von Elbenborn sehr un­angenehm wäre. Sie wissen, wir Männer lieben das nicht. Er schläft jetzt ruhig, behütet von Herrn Römer, und wenn et aufwacht, lasse ich's Ihnen sagen, damit Sie ihm etwas Gutes, Leichtes zurecht­machen. Das bringen Sie ihm dann selbst herauf, nicht wahr? Aber lassen Sie sich's nicht von Fräu­lein Pilar abnehmen, ja nicht, denn die ist viel zu lebhaft für einen Menschen, der Ruhe braucht, und würbe ihn mit ihrem Gezappel und Herumgeslitz« doch nur aufregen."

Ich verstehe! Soll besorgt werden, Herr Dok­tor. Aber man wird doch dem Herrn Sanitatsrat telephonieren müssen. Sie verzeihen, wenn ich mich da hineinmische. aber das geht doch wahrhaftig nicht, daß der Herr Baron so ohne Arzt .. *

. (Fortsetzung folgt.)

(Nachdruck Verbote».)

Die Nichte aus Florida.

Roman von E. v. Adlersfeld-Ballestrem.

i 77. Fortsetzung.

Sein etwas geschieht? Fehlen meiner Onkel etwas? fragte sie stehenbleibend, weniger über­rascht und besorgt als gespannt.

Nichts von Bedeutung: Herr von Elbenborn ist ausgeglitten und hingefallen'', antwortete Römer schnell durch die halboffene Tür, vor der Rosenbauer schon stand.Er hat sich ein wenig geschlagen,' fit halfen ihm beim Treppensteigen nur, weil er sich hinlegen will. Gnädiges Fräulein können ganz un- hesorgt sein, es hat wirklich nichts zu sagen.

Meine atme Onkel! Ich werden ihn pflegen, tzm eine Tee kochen . . ."

Wir brauchen keinen Tee! rief Rosenbauer, dessen Geduld zu Ende war, und schlug ihr die Tür vor der Nase zu.

Nachdem Elbenborn zu Bett gebracht worden «ar, schlief er bald ein, was Römer für ein gün­stiges Zeichen hielt, namentlich, da der Puls wieder «Higer ging.

Aber der Arzt mußte sich die Stirn trocknen, als er sich mit Rosenbauer rn das anstoßende Ankleide- -immer zurückgezogen hatte.

Herrgott, das war ein Glück, daß es so nahe tem Hause geschah, sagte et aufatmend.Hätten «fr eine halbe Stunde dazu gebraucht, ihn heimzu- schafsen, 'bevor die Gegenmittel zur Anwendung kommen konnten, es wäre vermutlich zu spät ge­wesen. Vermutlich,' glücklicherweise hat der Mann zu seinem Heil eine erstaunliche Widerstandskraft. Was er diesmal zu schlucken bekommen hat, muß Wicht gering gewesen fein!"

Nr. 364

Montag, 31. Dezember . 1923

l>« Seit tu MkzMu.

Von unferm wirtschaftlichen Mitarbeiter.

Das Jahr 1923 war nicht nur ein Schicksalsjahr für unsere Politik, sondern auch ein Jahr schwerster Sa icksalssch.äge fiir unsere Wirtschaft und unsere Währung. Im Lause des Jahres 1923 ist die deutsche Währung restlos zerschlagen worden.

Ein Blick über den Lebensweg der Mark mag das dartun. Zur Jahreswende 1923 hatten wir einen Dollarkurs von etwa 7000 M also eine etwa 1700sache Entwertung d-r Mark. Zur Jahreswende 1924 no­tiert der Dollar 4200 Milliarden, 4,2 Billionen, die Entwertung ist also eine Billicniensache geworden.

Wenn wir uns die Entwicklung des Verfalles noch tu Einzelheiten vor Augen führen wollen, dann müssen wir uns mit einigen wetteren Ziffern beschäf­tigen, Schon im Jahre 1922 gab es allerdings einen höheren Dollarstand als 7000 M, und zwar am 8. November mit 9170 jH für den Dollar. Ende De­zember 1922 aber notierte der Kurs 7000 M. Im Januar 1923 schwankte er zwischen 7000 und 49 000. In der letzteren Ziffer drückt sich die Rückwirkung des RuhretnmarscheS Von Mitte Januar aus. In den Monaten Februar, Mär; und April hatten», wir Dollarkurse. die unter diesem Januarböchstkurs stan­den. Im Monat Mär; war eine völlige Stabilität auf etwa der 20000 Mark - Grenze wahrzmiehmen. Zurückzuführen tvar das aufdiedamalige, freilich mit sehr erheblichen Opfern an Gold und Devisen durch- geführteu Martstützungattton. Nachdem aber die Er- ivartungen nach einem baldigen erfolgreichen Aus­gang des Ruhreinbruchs aus der Basis eines Sieges des passiven Widerstandes man rechnete mit einer höchstens dreimonatlichen Dauer sich nicht erfüllt haben, und nachdem aitch die Mittel für di« Mark- fttitzungsakfton nicht mehr aufgebracht werden konn­te». setzte der rapide Verfall ein. Im Monat Mat batten wir schon einen DollarkurS oon 69 000, im Monat Juni von 154 000 M, und im Monat Juli wurde ein Kurz von mehr als einer Million Mark für einen Dollar erreicht. Im August waren eS schon 11 Millionen, im September schon über 180 Milli­onen, im Oktober kanten wir schon doch in die Milli­arden, der Dollar notierte in diesem Monat 72',L Milliarden, und der November brachte uns dann den Kurs von 4200 Milliarden, oder 4,2 Billionen Mark. Dieser Kurs wurde im ganzen Dezember, bis jetzt festgehalten, sodaß eine frühere Mark heute 4,2 Billi­onen gilt. Die Stabilität der letzten Woche wurde erzielt durch die Schaffung einer neuen Wahrung in Gestalt der Rentenmark. Diese Rentenmark ist nur ein binnenwirtschaftlicheS Zahlungsmittel. Sie kann daher nur eine Uebergangslösung darstellen, denn das Ziel der ganzen WäürungSsanterung muß die Gold­note sein. Wir sind in unserer Wirtschaftspolitik auch schon tatsächlich auf deut Weg zu einer Gold­note, die sich auf der Basis einer wirftichen Gold­mark aufzubauen hat, und für die Folge wird die Netchsbank in ihre Trübere Funktion wieder eintreten nrüsien. Auch hierfür sind die Wege schon dadurch gcebnet, daß die Reichsbank nach neueren Bestimmun­gen nur noch wertbeständige Kredite gibt. Die Pa- piermark-Kreditpolttik der Reichsbank im letzten Jahr bat, wie man offen auSsprechen muß, den entsetzlichen Zusammenbruch unserer Währung nur noch be­günstigt. In einer Zeit, in welcher die private Wirt­schaft tägliche Zinsen von 10 und mehr Prozent, allo im Jahr 3000 Proz. Zinsen bezahlen mußte, bat die Reichsbank für ihre Papiermarkkredite knapp 50 Pro­zent für daS Jahr genommen. Außerdem empftng sie die in gutem Gelbe geliehenen Kapitalien nach so und so viel Wochen und Monaten in lächerlich zusammen- geschrumpsten Beträgen zurück, während die ursprüng­lich gegebenen Summen sofott für neuwerbende An­lagen, für Fabrikneubauten, BetriebSvergrößemngen oder gar ftir Deviseitivekulation benutzt worden

Sie Lm Im BeWei Bediel.

Berlin 29. Dez. Von dem französischen Mili­tärpolizeigericht in Mainz sind nach derVossifchen Zeiftmg" 36 Personen, die im Okwber 1923 in zwei mit dem Golddruck beschäftigten Druckereien als Wacht and Aufsichtspersonal beschäftigt wären, ztt je 2Er Togen Gefängnis und 50 Goldmark Geldstrafe ve». urte'lt worden In beiden Truckern en ist seinerzeit ba{ gesamte Geltz von den Franzosen beschlagnahmt wor­den. ,

Aachen, 31. Dez. Tas belgische Kriegsgericht führte am Sonnabend eine mehrtägige Verhandlung wegen Eisenbahnsabotage zu Ende. Es handelt sich tritt Anschläge am die Strecken AachenHerbesthal, Aachen nach Stolberg und einige der benachbarten Neben-r strecken. Menschenleben sind dabei nicht zu beklagen« Vor Gericht standen vier Angeklagte, Menzel ans Stol-* berg, Neuhaus, Schwager und Frömgens; die drei Letztgenannten stammen aus Aachen und sind 19 -2Q> Jahre alt. Tas Gericht erkannte gegen Menzel, gegen den der Anklagevertreter die Todesstrafe beantrag^ hatte, auf lebenslängliche Zwangsarbeit/, gegen Schwager auf 1 Jahr Gefängnis, währens Frömgens freigesprochen wurde. Eine Anzahl weite* ree Ar geklagter die flüchtig sind, wurde in Abwesenheit verutteilt und zwar fünf zum Tode und die übrigen zu Zwangs arbeit von 1520 Jahren oder Gefängnis bis zu 15 Jahren.

*W°' Nene Bluttat.

Koblenz, 29. Dez. Wie erst nachträglich be­kannt wird, ereignete sich am Sonntag, 23. Dezember, in Koblenz ein furchtbares Verbrechen, dem drei Men-, scheuleben zum Opfer gefallen sind, lieber den Vor- fall werden jetzt nähere Einzelheiten bekannt. Am Sonnabend abend wurde ein weißer Sgrgeant von einer französischen Kolonialformation aus der Wittschaft Süderland in Koblenz-Lützel hinauSgewie- sin, weil er die G ä st e be l ä st i g t e. Am Sonntag morgen gegen 7 Uhr betrat er wiederum das Lokal. Als der Witt nach wenigen Augenblicken die Zechi'chuld forderte, wurde er ins Gesicht geschlagen. IN diesem Augenblick stürmten weitere fünf Angehörige dieser Truppe in das Lokal und begannen ohne weiteres . eine wild« Schießerei. Von den Anwesenvens wmden drei Gäste durch Kopf- und Bntstfchüssr getötet, untrere durch Schüsse verletzt, darunter ein französischer Offizier. Die Schießerei setzte sich dann auf der Straße fort Die Täter entkamen, konnte» aber d ann bald festgenommen werden. Wie dieRhei­nische Zeitung meldet, handelt er sich umehe malig» Fremdenlegionär«, die schon in Frankreichs Zuchthausstrafen verbüßt hatten. i

Grunde muß etwas Entscheidendes geschehen. Wenn Sie der Meinung sind, ohne die Hauptperson nichts tun zu können, dann ist es an mir, auf Grund der tn meinen Händen befindlichen unanfechtbaren Be­weise die notwendigen Schritte zu machen."

Wie wollen Sie das machen, ohne daß Elben­born etwas davon merft? fragte Rosenbauer.Da sitzt ja der Haken! Zch bin ganz Ihrer Meinung, daß es nicht mehr so weitergeht. Halten Sie Elben­born für gekräftigt genug, Aufklärungen zu er- ertragen, dann dürfte es richtig fein, wenn ich mich aufraffe, ihm die Wahrheit zu sagen. Der Ausschluß der Oeffentlichkeit hängt dann von ihm ab, wäh­rend er anderseits machtlos dagegen wäre."

Damit haben Sie recht, gab Römer zu.Die Lage hat sich jetzt doch so zugespitzt, daß die Enthül­lung gewagt werden muft; dem Kampf gegen einen so hartnäckigen Feind sind wir nicht mehr gewachsen. Wir wollen Herrn von Elbenborn zwei Tage, von heute gerechnet, geben, um den Anfall dieses Nach­mittags zu überwinden, und alles tun, ihm dazu zu verhelfen, dann aber muß gehandelt werden, und zwar noch während 4ch hier bin. Ich werde wich jetzt in fein Zimmer setzen, um seinen Schlaf zu be­wachen, dann lösen Sie mich ab, und während der Nacht werde ich wieder bei ihm bleiben. Sollte er vor Eintritt der Nacht noch erwachen, dann muß er gute, kräftige, aber leichte Nahrung erhalten; da­rum bitte ich Sie, dafür zu sorgen, daß die Wirt­schafterin selbst etwas zubereitet und es selbst ihm überbringt. Sie verstehen mich! Was sollte ein Diener auch tun, wenn eine liebende Nichte kommt und ihm das Tablett abnimmt, um den geliebten Dnlel selbst fein Essen zu bringen? Schlimmsten- falls müßten Sie der Wirtschafterin einen Wink geben . . .

Ich glaube nicht, daß die Zingst gutwillig ihr Amt «n jemand, sei'» wer will, abtreten Wiche,

waren. Diese Reichsbankpolitik ist schuld daran, daß beute das deutsche Volk förmlich betteln geyen muß im Ausland, und oft genug Gaben aus den Händen entgegenzunehmen gezwungen ist, die seinerzeit den entscheidensten Stoß gegen dieses selbe Volk geführt haben.

Um die zerfallene Währung aufzurichten, muß das deutsche Volk unerhörte Opfer bringen, die seine Sub­stanz nicht unberührt raffen können. Wir stehen jetzt vor einer Sachwerterfaffung im schlimmsten Sinne des Wortes, ja ivtr werden zu steuer- und finanz- Politifchen Maßnahmen greifen müssen, die geradezu einer Konfiskation, einer Enteignung gleichkommen. Tas Reich muß, auch lvenn der Leidensweg noch so bitter ist, alle Kraft daran setzen, seinen.Haushalt ins Gleichgewicht zu bringen. Für eine Uebergangszeit, die sich nach Monaten benutzt, wird das fiir viele bimdett.tausende Existenzen furchtbare, heute in ihrem ganzen Ausmaß noch garnichl abzusehente Lasten und, Bedrückungen zur Folge haben. Aber wie in unserer Politischen Entwicklung feit dem Zusammenbruch über fast allen Entscheidungen das Wort zu spät steht, so teiber auch über unseren wirtschaftlichen und steuer­lichen Maßnahmen. Zu spät ist eine wirkliche Sa­nierung unserer Staatssinan;im in die Wege geleitet worden. Wenn man sich erinnert, daß am Tage des Abschlusses des Waffenstillstandes, als doch schon die ungemein drückenden Bedingungen belanni waren, und man vorauSsehen mußte, was noch zu erwarten stand, der Dollar knapp 6 M notierte, wenn man sich weiter daran erinnert, daß am Tage des Friedensschlusses von Versailles, daß man also genau im Bilde war, über die fürchterlichen unmöglichen und untragbaren Bestimmungen und ihre politischen und wirtschaft­lichen Folgen, der Dollar knapp 60 Ji notierte, dann wird man zurückschauend doch wohl sagen müssen, daß wirttich viel zu spät mit einer wirklickten gründlichen Sanierung unserer Finanz- und Steuerpolitik be­gonnen worden ist. Nun müff-n mit einem Mal Ver­säumnisse von Jabren eingeüolt werden, vnd das muß unter allen Umständen ttnb in möglichst kurzer Frist erreicht werden, sonst sind wir einfach vollkomnten zu­grunde gerichtet. Dann bleibt nichts mehr übrig als fremde Gebieter, die ohnehin schon militärisch Welte Teile unseres deutschen Landes beherrschen, mich noch als Diktatoren unserer Wirtschaft, unserer Staats- und Privatfinanzen aufreten ?.u scheu.

Wir befinden uns jetzt am Beginn einer neuen Wirtschaftsentwicklung. Die große Umgestaltung un­seres wirtschaftlichen Organismus ist im Zuge. Die Umstellung auf die Rentenmark, aus Mark und Pfermige, die jetzt wieder sich durchsetzende Achtung vor dem Pfennig wird günstige Folgen für diejenigen Unternehmungen haben, die sich im Innern solide und gesund dttrch die lockenden Zeiten der Inflation hin­durch gerettet Haven. Effektenmarkt und Warcnhan- del werden jetzt ihre großen Prüfungen zu besteben haben. Die deutsche Staats- und Privatwirtschaft sieben an der Schwelle des Jahres 1921 vor Auf­gaben. deren Lösung entscheidend sein wird, auch für die politische Existenz der Nation.

SrofrWIt!

Der gute alte Brauch, sich gegenseitig zum neuen Jahre Glück zu wünschen, ist vielleicht etwas in Verruf ge­kommen. Wenigstens scheint das in Deutschland so der Ml zu sein. Das Glück hat für uns einen so fernen ftnd blassen Schimmer bekommen, daß man nur noch Zaghaft die Hand danach auszustrecken wagt. So kann man es sich wohl erklären, daß das Prost Neujahr von heute nicht mehr bett vollen und frohen Klang hat, wie einmal vor Jahren. Damals war der Neujahrsglück­wunsch wie ein voller Akkord, der über das Land hinauS- hrauste Das Gefühl der Zusammenzugehörigkeit durch- ruckte uns bei dieser Gelegenheit mit besonderer Wärme. And wenn die Postanstalt von Memel mit der von Konstanz am Bodens« Neujahrsgrüß« austauschte, so lag darin der Unterwn des stolzen Gesanges: Von der Etsch Lis an die Memel, von der Maas bis an den Belt keitdem Hot der deutsche Adler seine Flügel eiwaS enger spannen müssen. Aber wenn wir uns heute zum neuen Kahre glü-ftvünschen, dann mag der Ton leiser und ge­dämpfter sein und er schließt doch das stille Gelübde ein -- das soll wieder werben wie einst.

Wie eine Flut ergoß sich früher der Segen des Neu- tahrsglückwunsches über uns. Wenn man die Zeitung enx Neuiahrstage aufschlug, so war man erstaunt, welche güde von guten Freunden und getreuen Nachbarn man ynftr den Bewohnern desselben Ortes hatte. Wo immer matt einmal ein paar Groschen hingetragen hatte, da fern als Dank am 1. Januar der Gruß zurück: Prost Neujahr! ES kamen andere Jahve, Jahre, in denen «ns das Leben erheblich schwerer gemacht wurde. Man war srvb, sxin bischen Ware zu «rhalten und verzichtete ferne auf den Glückwunsch. Stehen wir vielleicht wied-r einem Wendepunkt und kommen die alten Zeiten all­mählich zurück? ES soll uns wohl recht jein.

War denn das kein Rückfall?" fragte Rosen- bauer verblüfft.

Nein! Gelegentliche Schwächeanfälle konnten sich ja noch einstellen, aber die Erscheinung mit dem Erstarren der Glieder war überwunden; daß sie sich plötzlich und in solchem Maße wieder zeigte, ist der sicherste Beweis dafür, daß Herrn von Elbenborn neuerdings, wahrscheinlich seit heute mittag, eine sehr starke Dosts beigebracht worden ist.

Aber wie ist denn das möglich? rief Rosen­bauer außer fich. Ich habe heute, wie immer in letzter Zeit, draußen auf dem Gang gewartet, bis der Diener den Kakao aus der Küche brachte, und bin ihm dann auf dem Fuße ins Eßzimmer gefolgt. Ich habe das getan, weil ich fürchtete, daß auf dem Wege schon etwas geschehen könnte, trotzdem das ja eigentlich nicht anzunehmen war, weit ja der Diener dann als Zeuge auftreten konnte.

Sie haben ganz recht. Aber man hat einen anderen Weg gefunden."

Kosenbauer stöhnte.

Glauben Sie, daß er's überstehen wird?"

Ich bin überzeugt, weil die Gegenmittel so rasch wirkten, der Schlaf und Schweiß so bald einsetzten. Nun muß ich ein paar Tage länger hierbleiben, denn mit einer Rückwirkung muß gerechnet werden, wenn es auch fein kann, daß sie nicht eintritt. Herr von Elbenborn wird sich nach dein Schlaf vor­aussichtlich besser fühlen, aber nach feinem Falle, den wir, ich möchte sagen zum Glück, nicht mehr verhin­dern konnten, wird er sich körperlich etwas zer­schlagen fühlen, womit er zunächst in seinem Zimmer festzuhalten ist. Damit wäre für uns beide ab­wechselnd die Gelegenheit gegeben, ihn zu bewachen, aber das dürfte nicht lange währen, weil er sich dank dem raschen (Eingriff schnell wieder erholen wird, und ich kann doch auch nicht ewig hierbleiben. Sie werden das begreifen, und schon aus diesem

Publikum die lächerlichsten Lüge» über die Sepanx, iistenbewegnng aufgetischt hätten, f»h«- genötigt get Wesen, über die tatsächliche Zusammensetzung der s« paratistischen Armee und den moralischen Wert thrchl »Führer' die Wahrheit zu lagen. Wie sollten selbst d'ljentgen unter den Deutschen, die von aufrichtige« Absichten heieelt sekAl, nicht an einen wahres Sabotagen-i'l len Fran kreich S glauben^ wenn sie feststellen, daß man, um Leuten bett Prozeß" zu machen, die schließlich nur gehandelt bät< ten, wie tn einem f oieben Fall« auch^ d i e französische Polizei gehandelt! hätte, gerade den Zeitpunkt to 6 b I io * w o zwischen Deutschland und Frank«, reich Verhandlungen wer-,

den sollten. Durch solche Prozesse, wie bett Düsseldorfer, w-rde man c3 nicht fettig bringen, die' aufsehenerregende Niederlage der französischen Diplo­maten und Geireräle zu verschleiern, die auf die Kart< des .integralen Sepapatism u . gefetzt hätten.

Stimmen zm Stataleil iin Welt«!

«Dciilh News" sagt tn ihrem Leitartikel, wenn Poincav^ wirttich ein Einvernehmen mit Großbri­tannien WMf. , und er sich, wirklich vor einer Jso- licrundWn Europa fürchte, so dürfe er keine Zett verlieren, um die ungeheuerlichen Ur­teil«, die in Düsseldorf gefällt wur­den. anszuhsvjen. Frankreich habft während eS die Polizei entwaffnete, di« Bewaffnung ver­brecherischen Gesindels gestattlet. Jetzt würden die Polizisten statt der Sepn- rattsten zu langen Gefängnisstrafen oder zur Ausweisltng verurteilt. Keilt Land tonne derartige Verbrechen in seinem Namen geschehen lassen, ohne daß eS sich vor der Geschichte mit dauern­der Schmach bedecke.

Paris, 29. Dez. Die französische Presse, die über den Schuvovrozeg in Düsseldorf nicht fortlaufend bettchtete, drückte itfm großen Teil ihre Verwunde­rung aus, daß Vit sirteil nicht stillschweigend oder gar mit Zustimmung von der össenttichen Meinung hinge- uommen wird. Als einziges Blatt nimmt das offi­ziell« Organ der fozia istischeu Partei heute zu der Frage Stellung: .Nach den blutigen .Ereignissen von Düsseldorf", schreibt das Blatt, habe die Pattser .große Presse" die Separatisten als Helden blngestellt. Seitdem habe sich der Ton ge­ändert. Selbst Blätter, die Wochen hindurch dem