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M-, 299

C" " "-6,^22. "Dezember

1923

herumgeht? Weil ich damit genau demselben Zwang gehorche, der mich in die Kammer drüben geführt und mich veranlaßt hat, durch die Scheibe zu gucken. Zufall? In solchen Dingen gibt es keinen Zufall."

Seine Tasche vorsichtig auf der Treppe nieder­stellend, eilte er in sein Zimmer zurück, entnahm einer auf dem Schreibtisch stehenden Schachtel die verdorrte kleine Schote, die er auf dem Wege vor der Parkpforle gefunden, und steckte sie in Seiden- vapie: gewickelt in seinen Geldbeudel, worauf er seine Reise autrat.

Eigentlich tat es ihm leid, nicht dabei sein zu können und zuzusehen, wie Fräulein Zingst ihren Auftrag mit dem Kakao aussühren würde, aber er war überzeugt, dast sie es gut und glaubwürdig zustande bringen konnte. —

Als Fräulein Zingst zum zweiten Male am gleichen Tage mit dem Getränk erschien, mutzte sie nicht von ihrem Herrn, der gutmütig über die tropfenweise Entziehung seiner gewohnten Getränke lachte, sondern von Pilar eine scharfe Bemerkung böten: „Warum kommen Sie immer hier, uns zu verstören? Warum nicht lassen Sie stesten dieser Kakao auf diese Tisch, bevor wir kommen, daran zu sehen?"

„Liebe Pilar, Fräulein Zingst dachte gewiß, datz niemand wissen könnte, was dieses Kakaokrüglein bedeuten solle, wenn sie es wortlos auf den Tisch stellen lieg: es ist sehr freundlich und lieb von ihr, datz sie sich zweimal selbst herbemühte, um mir zu sagen, daß es für mich bestimmt ist", milderte Elbenborn die unfreundlich und herrisch gespro­chenen Worte. Nun wir wissen, datz Kaffee und Tee für mich verboten sind, hat Fräulein Zingst ihre Aufgabe erfüllt, und niemand kann ihr dankbarer dafür sein als ich. Gelt, Zingstchen, wir verstehen uns schon?"

^Das sollte ich meinen, Herr Baron", tief die

mittags zum Tee gesetzt hat. dann erscheinen Sie wieder mit dem Kakao und sagen Ihr Sprüchlein noch einmal auf. Wissen Sie, einem Kranken mutz man nicht alles auf einmal nbfnöpfen; hübsch eins nach dem anderen, so wird's ihm leichter gemacht.

»Ja, ja, ich verstehe schon, Herr Doktor, und werd's genau besorgen. Uebermorgen wird bann der Herr Baron nicht mehr überrascht:sein, wenn er seinen Kakao schon auf dem Tisch findet. Unter uns, Herr Doktor, wenn ich mir die Bemerkung er­lauben darf: das gnädige Fräulein regt den Herrn Baron zu sehr auf! Das ist meine Meinung, und ick kann nichts dafür. Wo er doch früher so kern­gesund war! Ich habe auch ein Paar Augen im Kopf, und wenn ich mir auch durchaus nichts an- matzen will, so grht's mich doch was an. Die langen Jahre, die ich nun schon hier im Schsosse bin, da rechnet man sich gewissermatzen zur Familie, und darum sage ich: mit dem gnädigen Fräulein, da wer­den wir noch was erleben, oder ich will nicht Ba­bette Zingst heißen!"

Sie brach kurz ab, sah aber Rosenbauer so er- wartungsvoll an, datz er leicht erraten konnte, datz er nur ein Wort zu sagen brauchte, um eine Menge gemachter Beobachtungen über Pilar zu hören. Da es jedoch für ihn Zeit wurde, seine kleinen Reise­vorbereitungen zu treffen,, so begnügte er sich damit, „Hoffentlich nicht!" zu sagen, lenkte dann Fräulein Zingsts Gedanken auf ein Päckchen belegter Brote, um das er sie für seine Fahrt bat und kehrte danach in seine Klause zurück.

Als er, die Tasche in der Hand, Vie Treppe hinabstieg, um in dem inzwischen vorgefahrenen Wagen zur Station zu fahren, kam ihm plötzlich ein Gedanke, der ihn zu dem lauten Ausruf veranlatzte: „Ich Narr, datz ich auch daran nicht gleich gedacht habe! Wie gut, datz mir das noch rechtzeitig ein­gefallen ist! Und warum mutzte mir's einfallen, während mit doch etwas ganz anderes im Kopf

1923 wird summarisch abgegolten, die für 1924 in einem erheblichen Um/ange vorausbezahlt, ttm sie erheben zu können, wähltursn einen Maßstab, der sich leicht anlege> läßt, ohne bafe große Veranlagungen stattfinden m»Ii«n Bei der Landwirtschaft berechnet man da» Einkommen nach dem Betriebsvermögen, bei dem Gewerbe nach dem Umsatz Für die Vermögenssteuer bleibt die Veran­lagung vom Jahre 1913 zunächst in Kraft. Besonders fc; merkenswert ist das Verfahren der Gebrauchssteuer, nnt dessen Hilfe man radikal gegen Steuerhinterziehung Vor­gehen kann. Es gibt eine ganze Masse Drückeberger, die luxuriös leben und deren Einkommen trotzdem schwer zu fassen ist. Diese Existenzen toirb man nach dem Maß­stäbe ihres Aufwandes erfassen und hoffentlich dabei recht energisch zupacken. Denn Steuerschmarotzec veck«- nen keine Schonung. Sind die Steuern tragbar und gerecht? Don ihrem Ertrage hängt es jedenfalls ab, ob das Reich wciterkebt oder mit seiner «.'nen «yWB bankerott wird.

MkilAftM MStMttßtlW:

Bvn unserem volkswirtschaftlichen Mitarbeiter.

- Wir sind gegenwärtig Zeugen eines zähen Kämpft? tzm die Beständigkeit der deutschen Währungsreform. Bon feinem Ausgange hängt alles ab: Nicht nur die Exlstenz tzes Staates, sondern auch der Bestand und die Ge­sundung der deutschen Wirtschaft. Geht die neuge­festigte deutsche Währung abermals ten Wett des Ab­stieges, so sieht man keine Rettungsmöglichkeit mebr vor Augen. Tann geht es uns wie dem Spieler, der bet jchem Verlust den Einsatz verzehnfacht, bis er nut einem Schlage alles einbüßt. _ t

Die Reichssinanzverwaltung ist in einer ber jtw teuf n Lage. Sie hat dringend notwendige Ausgaben in aller- nächster Zeit zu leisten, für Gehälter, für Lieferunzm tznd für anderes, und sie hat nichts in ihren Kassen. Wer Remenmarkkrebit ist, tott es scheint, schon so gut wie erschöpft Da- braucht nicht wunder zu nehmen, wenn «an erfährt, daß allein für die Erwerbsko'enfüriorge bis ptm 31. März des nächsten Jahres 380 Millionen G,st>- «Ott dereitgestettt werden mußten. Und wenn man ferner «eiß, bcß statt der 1200 Mill'onen, die dem Reiche zur Verfügung stehen sollte», nur 900 zur Verfügung ge­stellt tvorbiu sind, da doS Ruhrgebiet bei der Ein­tragung von Sicherungshypotheken nicht in Frage kommt, sind durch diese Hrrahnnndernug der Deckung auch die Mentenmarkbeträge entsprechend verkürzt werden. Kurz­sim: das Reich steht mit leeren Händen da. W;r erleben kymplome dieser verzweifelten Lage, die mit einer ge­wissen Besorgnis erfüllen müssen. Der Reichsfinanzmim» 6er hat es persönlich auf sich geiwmmen, vor dem Auk- Pchtsrat der Rentenbank al? Bittsteller zu erscheinen Mr hat darum gebeten, über die 1200 Mill onen Mark hinaus (richtiger muß es heißen 900 Millonen) einen Aissatzkredit zu gewähren. Der Anfsichtsrai aber hat die Bitte abgeschlagen, und man wird ihm diese eutsch.edeue Haltung nur danke» können. Denn nach den bitteren Erfahrungen, die wir in den letzte,: Jahren gemacht Haben, wrsftn rotr, daß es feine Grenze gibt, wenn der erste Schritt getan ist. Die Verwallung der Reiiten'- |ant muß unbedingt bin Druck weiterer Retit-nmarWen- siblehnen, wenn sie nicht den guten Ruf, den die Renten-. jnart gegenwärtig gemeßt, selbst untergraben toll. In ter Schweiz wird die Rentenmark g gentoärtig über Bari tzehandelt. Sie stünde morgen schon auf bet Hälfte ihres Wertes, wenn man wüßte, daß die Rentenmarivecke ge­streckt wird, anstatt, datz wir uns unter allen Umständen

. «ach ihrer Größr strecken.

Die Lage wird deshalb als sehr ernst betrachtet wem» sitüsfen, wert das Reich unter allen Umstäickeu ?lelb straucht. Es kau» unmöglich am 1. Januar oder ftütir hie Beamten mit Vertröstungen abspessen, nachdem :nt Dezember schon die Ebbe der Reichssnanzkirsse bedrohlich sichtbar gctrocden ist. Wie aber soll das Reich Geld «rbalten? Es wird zunächst ein Versuch unt der Aufgabe tzön Nenk.nRarsschatza. Weisungen gemacht. Glückt dieser - isteriuch, so ist wenigstens fürs Erste geholfen. Tie Maß» »ahme selbst ist unschädlich und braucht vte Währungo- tkrfvrm nicht im mindesten zu gefährden. Das Reich gibt Schußwechsel au? Renteumarkbettilge aus und ver - siinst diejenigen Beträge, die es dafür erhält, lebt hoch Da die Wechsel auf ganz kurze Frist 0>.|d?en 11 Sagen sind 3 Monaten) laufen, so ist die Sache ein verlogne es Kreditgeschäft. Und da der Schatzwechfel selbstverstänosich in Portefeuille bleiben muß, und nicht etwa mit^ Papier tzeld weiter belieben werden darf, so. ist keine Jni:atiou ßu befürchten. Erforderlich ist nur, daß sich Kreditgeber pndeu. die dem Rerch Reutenrnark anvertrone»! und Cai! das Reich imstande ist, in ganz kurzer Frist die Wechsel' schuld wieder einzuläsen. Geht alles gut, so hat das Reick für die nächsten 14 Tage bis vier Wochen Wieget Dcld in der Tasche. Wieviel — da? hängt allerdings sianz von dem Erfolg ihres Anleihegeschäftes x».

Ätzer auch wenn alles gut geht, muß das Reich Veldqu-li:« habe», ui» si-irv W-chselfchuld wichet eai- Vs-n zu können. Und hier sollen die Stenern helfen, die wostl im Laufe des heutigen Tages durch das Recckozertz- blatt ausgeschrieben werden. Marr tolll durch oie>c Steuerverordnung rasch einen ansehnlichen Betrag von Goldmark der Reichskasse znführen. Deshalb wendet man ein summarisches Beriabren an, das in normaler Zeit kaum zu rechtfertigen wäre. Die Einkommensteuer Mr

WsiMsiMt MWksiNMlMMlöW MS §e!Ww Mernnteins, Kreis Kortura.

Marburg, 20. Dezember.

In den Stadtsälen. welche bis auf den letzten Platz gefüllt waren, tagte am Mittwoch der Hessische Bauernverein Kreis Marburg.

Herr Mink eröffnete um 11 Uhr die Versamm­lung, benrtinte die Anwesenden und dankte für ihr zahlreiches Ersch'inen Er betonte, datz die heutige Tageordnung unter dem Zeichen der allgemeinen Finanznot stände und in dieser schweren Zeit, wo Deutschland um seine wirtschaftliche Existenz kämpft, ein jeder auf seinem Posten sein müsse, demr der Siaat sei heute enger denn je mit der Wirtschaft ver­bunden. Die Schaffung der neuen Währung habe rin Umsturz des gefaulte!' Wirtschaftslebens gebracht. Gerade die Landlvtrtschaft. die seither bai-unter zu l-lden batte dass ihre Produkte nicht die Verviel­fachung b-<r Goldpreise wie alle andere Betriebs- mittel mitgcmacht hat, gebt deute noch schwereren Zeiten als je zuvor entgegen. Die Preise für land­wirtschaftliche Produkte stehen größtenteils erheblich unter den Friedenssätzen, während die Preise für landwirtschaftliche Betriebsmittel eilte Senkung noch nickt erfahren haben. Geradezu skandalös ist es. das; in dieser Zeit des Preisabbaues äußerst wichtige Betriebsmittel, welche seither schon ein vielfaches des Friedenspreises kosteten, noch weiter im Preise stei­gen. In erschreckendem Maste werden heute schon wieder Hypotheken von landwtrtschaftlutnn Kreisen aulgenommen. Die intensive Landwirtschaft wird extensivieri. Gerade dieses ist ein Moment, welches sich doch die verantwortlich'.n VollSwirtschastler deS Reiches überlegen sollten. Durch das Reich, Rar- i.-lle und Syndikate aller Art werden dem Landvolk immer größere Lasten auferlegt. Die Einnahmen da­gegen werden weniger. Dies wirkt sich in den nächst­jährigen Ernten aus, denn ohne Kunstdünger und bei Verschlechterung der. sonstigen Vetriebsmiitel .ommen wir bei guten Böden auf die früheren Erträge vnt 8 -Zentner pro Morgen anstatt, 12—18 Zentner Ge lrerde bei intensivem Betrieb zurück. Dar Reich möge fick diesen Moment überlegen. Die Landwirt­schaft ist der Ansicht, datz sie cmeö letzt noch die Ver- antwort"ng für die Bolkerttühning zu tragen bat. £-*rr Mink appellierte mt die Atiwekenden. unter allen Umständen den Betrieb eiuigermaße» aufrecht zu er­halten.

Aus dem Grunde, daß über die aegeuwänigen und kemutenden Lasten der Landwirtschaft ttoch große Un­klarheiten herrschen, erteilte er dann dem 'lveiten Be­amtete des Vereins, Herrn Meyer, das Wort 3um Referat über Steuern und sonstige Lasten.

Herr Meyer führte aus. das; er wohl das unerfreu­lichste Kapitel der Tagesordnung zu erledigen habe. Früher, als Franzoten, Juden, Schieber. Wucherer und Marrisntns unserem Volk das Lebensmark noch n'cht genommen hatten, waren Steuern '.’tfbcmaftvR. •t-eute ist Stenernzahlen bäuerliche Herbst- und » terarbelt gelvorden. Der verlorene Krieg wirkt sich schreckend zu Tage. Ein jeder Landwirt muß stÄ >» ,°tzt ans. Die Armut des ganzen Volkes tritt er- y?iua auf Steuerzahler Vorkommen, als siebe et am Rande eines Abgrundes und solle unter Einsetzung (eines, Levens, das Reich, welches im Abstttrzen be­griffen ist, retten Helsen. In der höchsten Rot des

Volks» wurde die Rentenbank errichtet, welche zur Hälfte auf landwirtschaftlichem Besitz aufgebaut ist. Ter Redner betonte ganz besonders, daß es Unsinn war, die Paviermarkflut seither mtt Steuern retten zu wollen. Er führte aus, dast bet Wäbrungsplan Helfserichs schon im Sommer Vorgelegen habe, durch Verzögerung und arts Opposition fei er aber erst jetzt teilweise in dem Rentenbankgesetz zur Ausführung gekommen Der Redner schilderte sodann die heutige Fincmznot de» Reiche» und forderte die Anwesenden aus, auch unter Einsetzung der größten Verluste die neuen Steuern aufzubringen, damit unsere Rentenmark nicht denselben Weg geht, wie die Papiermark. Er führte aus, dast ein Stur, der Rentenmark auch die Landwirtschaft ruinieren würde. Er ging sodann auf die einzelnen Lasten der Landwirtschaft cin und er» läuterte nach und nach Rentenbank-Gnindschuld und Zinsen, Umfabfteuer, Einkommensteuer rmd erhöhte Festsetzungsbescheide rum Zwecke der Vorausrabltm- gen der Einkommensteuer, ®ltan,fragen, Lohnsteuer- rrauttenina für 1923 und ab 1. 1. 1924, Rhein-Ruhr- Abgabe, Brotsteuer, neue Vermögenssteuer, Webrbei- rragswerte. Preußische Grundsteuer, Zuschläge der Kommunen, Landabaabe, Hypotbekenaufweriiing, Aufwertung der Obligationen, Mieten und Jn- flationsgewinne M Gunsten de» Reiche», Invaliden­versicherung, Krankenkasse und Ländersheuern. Nach Erklärung jeder dieser Positionen fand eine lebhafte Aussprache darüber statt. Der Redner forderte auf, die Hypothekenauswertung, welche nach dem Urteil des 5. Senats des Reichsgerichts nur von Fall zu Fall ent­schieden werden soll, innerhalb der Landwirtschaft oi.rch Schiedsgerichte zu regeln. Die Bildung dieser Schiedsgerichte wurde drm erweitert-n Vorstand des Vereins übertragen

frerr Meyer gibt noch einmal einen Ueberblick über hie nächsten Steuertermine und schließt fein Referat

der Aussprache betonte der Vorsitzende Herr Mink, daß man gehört bähe, was der Landwirt an Steuer bo- zahlen solle Der Landwirt sei gern bereit, Steuer •u "zahlen, die Steuer dürft aber nicht so ausgebaut wer­den, daß fein Landwirt sie bezahlen könne. Es müsse dafür gesorgt werden, daß die Landwirtschaft «halten bleibe und nicht dem Ruin eutgegeng-sührt werde. Her- Fürst befaßte sich mit der Krankenkassenftage. In der letzten Zeit seien in der Laudkrankenkasse unhaltbare Zustände entstanden. Aus diesem Grunde haben sich samt- liche landwirtschaMchru Organifationen mit dieser Frage beschäftigt. Er gibt dann nähere Erklärung, w-e e? gebaeht sei, das LaMmnkenkasscnwesen auf eine andere Grundlage zu stellen. Sodann fordert er die anwesen­den Vorstandsmitglieder der Landkrankenkasse auf, sich zu dieser Frage zu äußern. Herr WeierS Häuser- Wehrs bansen war als Vorsitzender der Landkrankenkasse der Ansicht, daß der Vorstand der Bauernschaft mit dem Vorstand der Landkraukonlaift dies». Frage zu behandeln, möge. Die Versammlung war mit diesem Vorschlag einverstanden. , .

Herr F ü r st geht bann noch einmal auf me einzelnen Steuerart. n ein und ist der Ansicht, dag kein Landtvirt sagen dürft, er wolle keine Steuer zahlen: er muß State» ’a&Ien. Es geht natürlich nicht, daß d'r LaiLwirt wegen den Steuern seine Substanz angreist. Hiervor warnt der Redner. Mr Landtvirt habe die Pflicht dafür zu sorgen, daß seine Landioirrschast erlialten bleibe. Ter Staat müsse endlich einmal beginnen, den überflüssigen Beamieitappavat abzubauen. ES gelte dem Kampf gegen die unmSgÜch-n Steuern. Herr Schmidt- Sterzbausen ist auch der Ansicht daß einmal den Stenern Einhalt ge­boten wird. Herr Lauer -Fronhansen spricht über das schnelle Stufen der Preise für landwirtschaftliche Er­zeugnisse und betont besonders, daß a'lle Produtte, die der' Landwirt kaufen müsse, weit über deut Frie­denspreis ständen. Da wäre es doch leicht crklärl'.ch, daß der Landwirt kein Geld zum Steucrzahlen habe. Herr Fürst kommt daun auf die Abgaben an die Landtolrtsch- Benrfsgeuossenschast zu sprechen. Die Emgabe an. den Landeechouptmann tun Stundung bei Abgaben jet ab« sschläglich beschieden worden Diesen Abgaben voran ainge* vor allen Dingen oft Reichs- und Staarssteuern und dann käm.n erst dir Abgaben an >ie Lanemni chcft- liche Berufsgenossenschaft. Jeder der zahlen köime, solle seine Pflicht rrsülle», aber dec nicht in der Lage ft-, ;»l5e hei feinem Bürgerine ster erklären, daß er die «steuern nicht zahlen könne. Mt diesem Vorschll^ war auch die Versammlung einverstanden.

(Rachdruck verdoren.)

Die Nichte aus Florida.

Roman von E. v. Adlersfeld-Ballestrem.

; 72. Fortsetzung

„Na, das trifft sich ja gut. Also wollen wir mal litte Verschwörung zu seinem Wohl anstiften, ntchl wahr? Sie wissen ja, Kranke sind oft sehr eigen­sinnig, und da mutz man schon mal eine List brau­chen, um sie zu dem zu bringen .was ihnen gut tut. Ich dachte mir, Sie kochen einen guten Kakao zum Frühstück und für die Vesper, lassen ihn aber nicht ertragen und aus den Tisch stellen, denn dann ließe Herr van Elbenborn ihn sicher stehen und würde lieber den sträflich starken Kaffee und den ebenso starken Tee nehmen, den Fräulein Pilar bereitet. Nein, Sie warten mit dem Kakao, bis Herr von Elbenborn morgen früh und morgen nachmittag schon am Tisch sitzt, dann erscheinen Sie selbst mit Ihrer Kanne, nehmen ihm die schon eingeschenkte Tasse fort, was Sie sich durch Ihre langjährige Zu­gehörigkeit zum Hause schon einmal erlauben bür« fat, und stellen den Kakao vor ihn hin, indem Sie ihm sagen, der Herr Professor habe es heute strengstens verordnet, bevor er wieder abreiste. Ich denke, diese fieine Umgehung der Wahrheit können wir vor unserem Gewissen schon verantworten, nicht wahr?"

t „Gewiß! Das soll mir mein Gewissen nicht be- sthweren", versicherte Fräulein Zingst strahlend. '-Wenn's zum Besten des Herrn Barons ist, will & gern mal lügen, so wenig, wie mir das sonst ein-- Aillen würde. Unter uns, Herr Doktor . .

„Das wäre abgemacht", fiel Rosenbauer ein. „Lassen Sie Herrn von Elbenborn zunächst mal morgen früh dabei, daß das Verbot des Herrn Pro- Mor» sich nur auf den Kaffee erstreckt, denn dann wird es ihm leichter erscheinen. Wenn er sich nach­

Der Vorsitzende gibt noch bekannt, datz ein Recht» serttgungsfchreiben der Schmie'oeinuung vortiegt, in welchem festgestellt wird, datz die erheblich erhöhten Preise für Schmiedearbeiten ans die hohen Eisen- und Kohlenpreise sowie der sonstigen Unkosten zurückzusüh- ren sind. Die Verfammmng schloß gegen 14-5 Hör.

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treue Seele triumphierend und drückte stolz dt« Hand, welche ihr Herr ihr mit freundlichem Lächeln reichte. Komm du mir nur, dachte sie draußen tu begreiflichem Aerger über Pilars schroffe Vemev«, kung. Ich werde dich wohl noch groß fragen sollen, was meine Pflicht ist, he^ Und haben rotr meinen Ueben Baron erst mal wieder ordentlich in der, Reihe, dann werde ich, Babette Zingst, es Ihm schon stechen, mit wem du dir Stilldichein gibst, wenn alle im Hause schlafen gegangen sind! Jawohl, das werde ich tun, denn das ist auch meine Pflicht, bn afrikanischer Affe du! schloß sie erbost ihr Selbst-, gespräch, womit sie zwar einen reichlich wirren Be-^ griff über die geographische Lage Floridas verriet,^ immerhin aber ihren Eefichlen für Pilar crleich- ternden Ausdruck gab.

Da von Rofenbauer kein Telegramm eintraf, so wurde ihm am folgenden Tage der Wagen zur 6e» stimmten Stunde zur Bahn geschickt, und eine Stunde vor dem Abendessen erschien er bei Elben»^ born, „um sich gebührend heil zurück zu melden Letzterer entschuldigte sich bei dem Freunde, daß er ihn nicht selbst abgeholt habe, aber nach dem Te« sei Zornau gekommen und habe wieder so viel Lbek seine ewige Wiesenparzelle geschwatzt, datz ihm nacht, her ganz elend geworden sei.

„Eine Onhn.acht war'» diesmal nicht", setzte et. lunzu, „aber lieber Gott, was haben mich die paar, Tage Unwohlsein hecuntergebracht — lch muß doch, scheußlich ausgesehen haben, denn Pilar trichterte, mir im ersten Schrecken und mit der besten Absich^ von der Weit eine eiskalte Kimonade ein, die ich, ihr zu Gefallen dummerweise getrunken habe, wa«^ zur Folge hatte, daß meine ohnehin schon immer, noch gleichkam erstarrten Nieder nun wie erfröre^ sind." *

(Fortsetzung folgt]

Deutscher Abend.

Der Ortsgruppe Marburg des Deutfck-Nationoft-,,. JugendbundcS.

Auf die Einladung dcr Orlsgnippe Marburg M D. R. I. batte ktch am Sonnabend abend eine »eine Zufckauennenge Im großen Saale des Ptzilippshauses zu einem Deutschen Abend cingesunden; war auch der Saal dicht besetzt, es toaren wirklich viel zu wenige, die das fetten und höre» konnten, was von beuttoen Jungen und Mäde'S an diesem Abend dargeboten wurde. Trotz der uneudlich vielen großen und Neinen Schwiertgketten — sollte der Abend doch einen guten Reinertrag ergeben — hatte es der Bund verstanden, in einem ernsten bateitänblfdten unb einem heiteren heimatlichen Teil ber Sptelfolge seinen Gästen ein Btlb von bem ;u geben, welche vaterlänbischen und kamerabfchastlichen Ziele Bunbesschwestern und Dun- besbrüber in tteudeutschem Zusmnmensehörigfettsgc« fühl vereinigen. — Nachbem ber flott vorgettageue Eingangsmarfch verklungen war, betrat ber erfte BunbeSvorsttzcnbe, Arno von Breibenbach, bie Bühne, um mtt kurzen, einbrucksvollen Worten bie Anwefetr- brn zu begrüßen. Er wies vor allen Dingen barauf bin, baß ber Bunb es sich zur Aufgabe gemacht habe, soweit es in seinen Kräften lebt, bett armen Kindern unserer Stadt, die sich in diesem Jahre nicht de» Glanzes der Weihnachtskerzen erfreuen können, ritt, Festfreude zu bereiten; in einer Zeit, da alle Kreise unseres Volkes soviel Siot unb Entbehrung erbulbe« ,Missen, sei es eine selbstverstänbliche Pflicht eine» jeben, bie tttber nock immer bestehenden soziale« Gegensätze nach besten Kräften zu mindern zu suchen, und welcbe Zett wäre ba wobl besser geeignet, al» gerade Weibnackten! — Und dann stand einer vor uns, ein Frontkämpfer mit bem E. K. I am Rock, der LaudesverbandAeorsitzeude Schütz, Frankfurt. Der Kerupuntt seiner mit jugendlich feuriger Begeisterung gebotenen längeren Uusfübrangen war der: Latzt den nationalen Gedankep, der sich jetzt machtvoll tot beut* tcken Botte Bahn bricht, nicht etnscklafen, reißt bie Trägen und Saumseligen mit fori, batz ber Tag bet Abrechnung ein in vaterlänbischeut Sclbstbewutztsem geeintes Volk vorfinbe, bas seinem Baierlanbe bea Platz an ber Sonne zurückerobert. Lauter Betfair lohnte bem jugenblichen Herolb ttinftigen beufstbett Wieberausstiegs seine» Weckrttf. — Rütliszenc. — Wit haben sie in letzter Zeit schon oft gesehen und auch mtterlebt, haben ben Sckwnr bet Eibgenosson mitgo- s> rochen, aber wahrlick, immer wieber unb nie genug können wir biese Worte bören, in betten sich unfit ganzes Sehnen und Denken vereinigt. Unb man »,erfte es den jugendlichen Darstellern.da oben an. Das war kein Theaterspielen mehr, das war d-neft, die mit erhobenen Händen da vor unS bett Schwur, sprachen, heiliger Ernst. Und wohl jeder von utt», dw rnhörten, hat bie Wort? nachgesprochen: Wir wollen ttauett auf ben höchsten Gott unb uns nicht fürchten vor ber Macht ber Welschen! Ja, nicht ftirch» ten vor ber Macht bet Welschen, trotz allem, einmal werb unb muß ja doch die Befreiung kommen, eine, Befreiung wie sie vor einem Jahrhundert das ge­knechtete Preußen erlebt hat, in deren Zett mt» bi# nächste Darbietung bc§ Abends .Deutsche Treue füv'te Ick glaube, mehr als ave Reben und «atzum gen führte uns biese tone Szene in das stanze Bun-, bestehen mit seinen ersten unb vornehmsten Zielen ur.b Etobanken ein. — Kameradschaftlichkeit und Treu» sind die beiden Grunbpscilet, die Bunbessckwcstern unb Bundesbrüber im ganzen beutichen Vaterland« unter bem Garbrstern mit tchwarz-weiß roiem Feld vereinigen Mit diesem Gedanken batte dann bet erste Teil des Abenbs sein Enbe gesumben. Im Zwei, «e» Tett kam bann mehr bie engere Heimat zu ‘britw Recht Et« heiteres Spiel von Hans SachS: »Der tote Mann' eröffne« binlelben. In frischer und mt* gezlvungen-r Wette cntled'gton sich die Darstellet, ihrer oft nickt leichten Rollen. Der BeifaA Tonn* fc'cr tote beim Folgenden nicht ansbleiben, AI» wasck>echtes .Lisbeth aus <Be(terM>bmtfen“ trug w rauf Freya Hobohm eintgr .5^essespäß' vor, die bei allen Zuhörern ungeteilten Beifall fanden und Zu«, .Hauptstück des zweiten Teils hinüberleileten: Spinn*, stnbe mtt Bauerntauz. einer ganz hervorragendes