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nabend/15. Dezember

; 1923 . .

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. Aus Rendsburg wird uns geschrieben:

«m 25. November dieses Jahres ist in Flensburg Mischen den Parteileitungen der dänis ch>en und »rutschen Sozialdemokratie ein Abkommen ge- tzraffen und von den Parteivorsihenden Wels und Stau» «ging unterzeichnet worden. Darin erkennt die deutsche sozialdemokratische Partei die gemäß dem Vertrage von Lersailles und der Abstimmung in Schleswig gezogen« deutsch-dänische Grenze, durch die aber auch tzberwiegend deutsche Grenzdistrikt«, wie etwa die Stadt Koitbtrn und der Ort Hoyer, Dänemark einverleibt wor­den sind, als die „gesetzmäßig geltenbe" an.

Berechtigtes Aussehen erregt es in der Rordmark, baß hie deutsche Grenztozialdemokratie, die bisher zusammen ent dem nichtsozialdemokratischen Deutschtum der Nord­mark energisch die Forderung nach einer Revision der Grenze — auf friedlichem Wege — vertrat, in dem Ab­kommen sowohl wie auch in späteren Kommentaren dazu von keiner Revision mehr spricht. In zwei­ter Linie fällt es noch auf, daß in dem Abkommen auch abgerückt wird von dem Geankert eines gegenseitig ver­pflichtenden deutsch-dänischen Staatsvertrages zur Sich«- rfing der Rechte der nationalen Minderheiten zu beiden Seiten der Grenze, den noch kurz vor dem Flensburger Abkommen ein Führer der Sozialdemokratie der Grenz­stadt Flensburg die in dem Zusammenhang der Dinge wesentlich in Frage dimmt, vertreten hat. Statt helfen wird auch in dieser Hinsicht der dänische Standpunkt aner­kannt, wonach die Staatsgesetze genügen sollen

Aus der Sage der Verhältnisse ergibt sich, daß dec schleswig-holsteinische und deutsche Standpunkt zur Frage bet deutsch-dänischen Grenze sich nur nach der Praxis bet national«« Politik richt n kann, d.h. also eine zeitlich unbestimmte Revision der jetzigen Grenze verlangt. Daß dieser Forderung, die aus gutem Rechte beruht, kein Nachdruck mit realen machtpotitischen Mit- Jrf« gegeben werden kann, ergibt sich aus der jetztg-n Gebundenheit Deutschlands. Was soll eS also heißen, wenn gesagt wird, daß die augenblicklich bestehende Grenze die „gesetzmäßig geltende" fei? „Gesetzmäß g geltend" im Sinne des die Völker jetzt beherrschenden Versailler Ver­trages und seines einseitigen Nachspiels, der Abstimmung — jawohl! Diese an und für sich selbständige Fest­stellung aber sollte eine mit dem Versailler Vertrag ge­knebelte Nation oder Teile dieser Nation nicht bewegen, »ns das Recht nach Forderung einer Revision, einer G>u- machung zu verzichten Denn das klar gere'chnete Recht eine? Volkes sollte vor dem Tribunal des Gesetzes und des Rechtes dauerhafter sein als der Vertrag von Ber- sailles dieses die Zeichen brutaler Gervalthaberei tragende 'Machwerk.

Ueber die Tatsache, daß die Haltung der schlestoig-hol- steinischrn Sozialdemokratie gegenüber gelegentlichen A nß- tungen Berliner Parteiführer zur Gr-nzfrage früher derart abwich, daß man den Berlinern gründlich Bescke d sagte, gleitet man in dem Flensburger Sozialistenorgan mit einigen Redewendungen hinweg. In einem zweiten Kam men mr der „Flensburger Bolks.zeituug" wird ver­sucht. die Ausnahme des sozialdemokratischen Grenzae- kommens als aus „Mißverständnissen" beruhend hinzu- steilen Wer jedoch glaubt, die die deutschen Hrenzmark- sozialdeinokraten für die Ti strikte mit großer deutscher Mehrheit, die widerrechtlich und widernalüc- lich nach Dänemark geraten sind, für die Fordecun.g nach R-vision, nach Korrektur der Grenze ein­treten, dec irrt sich, lieber diesen Punkt schwelgt mau sich von neuem auS. Und doch möchte man vor allem darüber unmißverständliche Klarheit empfangen! Wir SlotwendigM einer Grenzverschiebunz im Hinblick euf die vergewaltigten nordschl-Swigschen Deutschmehr- beitsbezirke die Grenze entlang ist bisher von der schles- tvig-holsteinifchen Sozlaldemoiralie in Einzelkundg.Hungen sowohl tote auch mit Mchtsozialdemokrsten zufammen jsProvinziallandtag usw.) betont worden. DaS Rcv's ons- Verlangen war da, — und nun auf einmal ist es nicht »ehr da, man vermeidet geflissentlich, e- in den Mund

(Nachdruck verboten.)

Die Nichte aus Florida.

Roman von E. v. Adlersfeld-Bal lest rem.

66. Fortsetzung

„Was?" fiel sie mit leuchtenden Augen ein.

Es darf nicht verschwiegen werden, daß Elben- botn nahe daran war: „Einen Dreck!" herauszu- bc-nnern, denn in Augenblicken höchster Wut machen sich gereizte Gefühle mit Vorliebe in sonst nicht ge­bräuchlichen Ausdrücken Luft. Aber ehe nach das iBott der Lippe entfliehen konnte, fach er das lleorr- flüssige derartiger Ausbrüche ein. aus denen Pilar sich genau das zu machen schien, als er efen ausdrück n wollte. Mit Anstrengung sagte er ruhig: „Nichts. Ich gab nur einem Gvdanken Worte, Oet gerade in mir ausstieg, und von dem du ersichtlich nur das letzte »erstanden hast. Solltest du aber begriffen haben, dann will ich dir nur sagen, daß eS mir nicht im Traum einfällt, dich zu einer Ehescheidung bereden zu wollen. Damit hättest du nichts gewonnen, da btt dich alS Katholikin doch nicht wieder verheiraten kannst. Wenn nicht —" Er war im Begriff zu sagen: Wenn Ächt eine Ungültigkeitserklärung der Ehc- fchließaag ersolgen kann, dann hätte die Sache nur mit­telbar einen Zweck, aber er ließ lieber ungesagt, was ja noch lange nicht spruchreif war. „UebrigeuS", setzte er statt de'sen hinzu, „wie ich Herrn Casablanca sagte: jeder Verkehr zwischen euch beiden unterbleibt, bis « mit den Beweis gebracht hat, daß du mit ihm ver­heiratet bist. Ich wünsche keinen Anlaß zum Katsch, «m allerwenigsten wünsche ich dich inS Gerede und in tblen Leumund durch gehetme Zusammenkünfte zu' bringen. Tri bist in letzter Nacht mit ihm gesehen worden und kannst wieder geschert iverden, ich will mein Haus nicht zum Gespött der Lästerzungen ge­wacht haben, denen ich auf guten Glauben hin nicht erzählen kann, daß der Mann dein Gatte ist. Ta Herr Casablanca meinen wohlgemeinten Wink, die Au- tunft der erforderlichen Papiere anderswo als hier zn

zu nehmen. Kann das etwas anderes bedeuten. Äs Ver­zicht auf die Revisionsforderung.

lieber Anderes, was in dem Flensburger sozialdemo­kratischen Organ vorgebracht wird, — Zusammenarb-tten der sozialistischen Parteien Deutschlands und Dänemacks im Sinne des Friedens und der Bekämpfung von Chau­vinismus, der Nutzen, der durch Gewinnung von Freun­den und Helfern im Ausland angesichts Deutschlands großer nationaler und wirtschaftlicher Not, die gewisse« deutschen Kreisen angeblich noch als Ideal vorschwebend- alte Königsaugrenze usw. — will man mit den sozial­demokratischen Unterhänddlern für Flensburg nicht rech­ten. Aber was die auf das lebendige Selbstbestimmungs­recht gegründete Forderung nach Revision der Grenze betrifft, so kann man nicht anders, als bei der Fest­stellung bleiben, daß die deutsche Grenzmarksozialdemo- kratie diese Forderung jetzt ruhen läßt, netn fallen ge­lassen hat. Sie ist leider umgefallen, oder hat sich durch höheren Willen von Berlin aus umwerfen lassen.

Die dänische Sozialdemokratie kann offenbar durch das Flensburger Abkommen ein dänisch-nationales Plus bu­chen. Aber der deutschen Grenzmarksozialbemokratie wird ein Opfer an bisher Vertretener Ueberzeugung und Politik angesonnen. Dies Opfer ist für die schleswig-hol- Ltcinisch; Sozialdemokratie peinlicher Natur. Die Führer, die in Flensburg dabei waren und nun die undankbare A tfgabe Haden, d n «Iro.;- der vermutlich willenskräftiger empfindenden dänischen Sozialdemokratie als eine pari­tätische Abmachung hinzustellen, mögen sich mit den sozial­demokratischen Parteianhängern im schleswig-holsteini­schen Lande über ihre Sinneswandlung und deren tiefere Gründe absinden! Das nichtsozialistische Bürgertum in Schleswig-Holstein bedauert das Ausscheiden der Sozial- bemokraten aus der bisherigen schleswig-holsteinischeit Einheitsfront in der Grenzfrage. An der sittlich-rechtlich gut begründeten Forderung nach Revision der deutsch- dänischen Grenze wird deshalb nichts geändert.

Die Kipper- und Wipper-Zeit in Deutschland 1618—1623.

Bon F. von Gey! o, Oberst a. D., Marburg a. L. (Aus der „Casseler Post".)

Die dem 30 tätirtflen Kriege vorhergehenden acht bis neun Jahrzehnte waren für Deutschland eine Zett gärender Bestrebungen und Kämpfe auf religiösem, »oltttschem, sozialem und wirtickaftlichem Gebiete. Die Zentralgewalt, die zum Unglück filr Deutschland tu diesen Zeiten mit dem österreichisch-spanischen Hause Habsburg verbunden war, sank zum Schatten berab, die Selbständigkeit (libertät) der mehr als .300 Terri- tortal-Herrschafteit befestigte und erweiterte sich Immer mehr. Diese folgenschwere Entwickelung verschärfte und vermehrte maßlos dir Wirrnisse und Zerklüftun­gen im Reich; anberetfeltS stellte sie die Terrttorial- Hcrren vor neue Aufgaben, vor eine gesteigerte staat­liche Tätigkeit, denen sie nur unvollkommen gerecht werden konnten. Altes und Neues lag miteinander iu Streit. Er herrschte uod> int wesentlichen w Rechis- anichauuug, daß der Landesherr wie ein guter Haus­vater das Land zu verwalten hätte. FürslllclreS Haus- vermögen und Landesvcrmögen waren noch nicht scharf getrennt. Aber der Nebergang von dem auf dem Lrbnöivesen aufgebauten mltteialterttcben Staat zu dem Beamteir-Staat der Neuzeit hatte doch schon große Fortschritte gemacht. Die Pflichten und Rechte des adeligen Grundherrn und des ritterlichen Amt­mann waren mehr und mehr auf. fürstliche Beamte übergegangen. Die Landesherren hatten für die Sicherheit des Lebens und Eigentums, für die Kirche und ihre Diener, für die seit kurzem entstandenen Uut beifitäten 5u sorgen, die Beamten zu besolden >md auch einige wenige Truppen als FestungS-Besatzungen zu unterhalten. Das alles kostete Geld, und Geld war nicht vorhanden. Je mehr das Geld­wesen die Naturalwirtschaft verdrängte, um so ärmer wurden die fürstlichen Familien und der grnndbe- sihende Adel. Der Welthandel hatte nach den Ent­deckungen des 15. Jahrhunderts andere Wege einge­schlagen: Portugiesen, Niederländer. Eitgländer hatten die Deutsclnu auS dem Welthandel verdrängt. In den deutschen Städten lagen yanM und Gewerbe darnieder. Die Landstände (Prälaten, Vertreter der

erwarten, nicht beachten will, so bleibt eS bei stren­gem Verbot eines Verkehrs mit ihm, oder Du mußt auS dem Hause!"

„O nein, lieber Onkel!" rief Pilar, htbem sie neben Elbenbcrn hinknieend schmeichelnd seine Hände ergrifft „Tu kannst mir nicht fortschicken von dieser schöne Ort, wo ich fein sehr glücklich, so viel sehr glücklich! Muß ich bei dich bleib«» dich zu machen deine Tee, dich eirrzjrgcbrn deine Kaffer, dich zu dritter Bräter mit Bul­ler bei der Frühgestück. Ich wollen auch jein sehr viel viel gut, alles tun, was du toolen haben."

Trotz allen Unwillens, trotz allen ber:cht'g.eu Zor­nes konnte Erbenboru fein Hertz dieser kindlich-naiven Bftte nicht verschlie-ßen; seines Bruders Bist» stieg in ihm auf, und daS Gelöbnis, seinem Kinde ein zweiter Vater za fein, klopfte laut an sein Gewissen und weckte wieder die Stimme des BluteS, Die tief ge­kränkt über die Unwahrheit und — ja, über Den Be­trug. dem er ausgesetzt worden war; verstummt. Ja, eS kam sogar etwa tote Rührung über ihn, beim was konnte dies arme Geschöpf für seine verwahrloste, Er­ziehung?

„Gerecht sein! Gerecht bleiben!" ermahnte er sich. „Wer lre.'ß? Vielleicht war mit Güte und Gevnle bet dem armen Ding doch iwch etwas zu erreichen an Zorn und Härte anscheinend ganz ohne Eindruck aus sie blieben. Am Ende ist das Gemüt bei ihr nnge- pslegt und darum unentwickelt geblieben. Sollte mich doch sehr wundern, wenn der Mann nicht die größere Schuld an dieser unglückseligen Heiratsgeschichte trifft. Hat er sie dazu bei ihrem wenig vertieften, leichten Sinn überlebet, weil er wußte, daß sie jenseits des WaffcrS eine reiche Erbin sein mürbe"?

Sonderbarerrveisr fuhr Eibenborn dieser mögliche Grund zum ersten Male durch den Sinn und blieb darin hasten.

„Hoffen wirs, daß et sich damit gründlich geschnit­ten Haftdachte er grimmig. Beinahe scheint die Neigung zu ihm so tief nicht zu sitzen, oder ich müßte mich sehr täuschen."

»Onkel tzttcherto! Liebster Onkel!" bettelte Pilar

dem Landeherrn die nöttgsten Steuern zu bewilligen, auch da, wo andere Gründe zur Opposition gegen die zunehmende fürftlMie Gewalt — wie es in Hessen un­ter Landgraf Moritz dem Gelehrten (1592—1627) der Fall war — nicht Vorlagen. Im Hinblick auf die ver­mehrten staatlichen Aufgaben war das gesamte Finanzwesen in seiner Entwickelung zurückgeblieben. Das, was wir fierte Kapital nennen, gab es nur als Hypotheken auf Grundbesitz tn höchst bescheidenem Maße. Dc»S Geldwesen war aufgebaut auf der Stl- bcrwäbrung. Kaiserliche Münzordnungen aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts bestimmten, wie- viel »grobe Münzen" (Gulden oder Taler) und wie­viel .Scheidemünzen" (Kreuzer, Groschen, in Hessen auch Albus oder Schreckenberger genannt) aus einer Mark Silber (c. 16 Lotü oder 234 Gramm) zu prägen seien.») Das Münzrecht. das ursprünglich nur den Kurfürsten und den Sikber-z^rgwerke besitzenden Tcrriwrial-Herren zustand, war im 16. Jahrhundert schon aus alle Reichsstände übergegangen, also aus Grasm, Siebte, Aebtisfinnen, große und kleine Reichs­städte. Diese Münzherren verpmhteten ihre Münz­stätten an Unternehmer, Münzmetster, die den Ankauf d-s Silbers und die Ausprägung in grobe und Scheidemünzen besorgten. Di« Aussicht über das Münzweien gehörte zu den Ausgaben der meist recht bunt zusammengesetzten Reichskreise, deren es feit Kaiser Maximilians Zeit-n (1493—1519) zehn gab.

versuche durch Miinzverfchlechierung, durch Zusatz von Kupfer rum Silber, sich unredlichen Gewinn zu verschaffen, konnten nicht lange verborgen bleiben. Die Kontrolle wurde mangelhafter, als vom Jahre 1606 ab der Zwiespalt im Reich durch die Bildung der protestantischen Union und der katholischen Liga sich verschärfte. Kluge Leute fingen an Geld zu .Ham­stern". Die Geldbedürfnisse der Fürsten wurden im­mer größere, denn wer Geld hatte, hatte auch Sol­daten. Da vennebrte sich bl«, Zahl der Münzstätten in auffälliger Weise, und als tm Jahre 1618 mit dem Auf- stayd in Böhmen und dem leichtfertigen Unternehmen des kfttrfiirsten Von der Pfalz die Reihe der fttegeri- schen Abenteuer begann, die den ersten Akt de? großen Tiauersptels bildeten, da traten deutlich« Anzeichen auf, daß einzelne Fürsten und Stände »u dein Mittel der Msinzverschlechtemng gegrisfcn hatten, um ihre leerenKassen zu füllen. Hatten av«r erst einige wenige mit dieser genialen Ftnanzkunst begonnen, dann muß­ten die anderen nachfolgen, wenn ihr gutes Geld nicht verlchwfttden sollte. »CS begann", so sagt Opel, .namentlich tn Ober- nnd Niedersachsen ein lebhafter Geldhanoek, der sich mit einer fieberischen Hast der allen, den Reichsordnungen gemäß geprägten Geld­forten au bemächtigen suchte, um sie zum Umprägen auf tue Münzen zu bringen. Aus den Messen zu Frankfurt a. M. und Leipzig spielten tn den Jahren 1618/19 Wechselciefckiäfte eine bedeutende Rolle. Bald sah man Unterhändler auf den Dörfern bei Pfarrern, Müllern und Bauern henmstreichen, um vollwichtige Gcrdsorlen, tm Anfang ohne, bald aber mtt einem »einen Aufgeld aufzukausen und Weiler zu ver­handeln . . . Zusehends steigerte sich der Wohlstand d r Wechsler und Münzer, und bald ergrtfs das Volk ein wahrer Taumel, stch ans dicfem so schnell zum Ziele sührenden Weg; iu bereichern . . . Arme Edel- leutr machten ein Geschäft daraus, Vie Geldwagen der Juden mtt retstgem Zug zu begleiten oder auf eigene Faust ihren Erwerb in dieser unehrlichen Hantierung zu suchen . , . Bald war auch ein Name sür diese neue Freibeuter,nnft gesunden; man nannte ihre Mit- (lieber «'gemein »Kipper und Wipper."

Die Mun eerr.'n glaubten anscheinend, den Stein der Wciisn gesunden zu haben, alS ihnen aus dem ,,Schlagschatz" ihrer Münzstätten immer größere Sum­men wflossen. »Zahlten doch allein die Wiener Juden, welche die leichte kaiserl'ck« Münze in CourS brachten, dafür wöchentlich 19000 Gulden" an die ewig leere Kasse des Kaifers Ferdinand II. Je ge- ringcr dir Silbergehalt der Mttnftn wurde, je mehr schlechte Münzen die vollwertigen «uffogcit, um so

») Die nachfolgenden Ausführungen sind tm wesent- (leben eiuent Auftatz von I. O. Opel .Deutsch« Binau, not beim Beginn des WjäbrigM Krieges" entnom­men, der 'n Bd. 16 der »Historischen Zeitschrift", Mün­chen, 1866, verSftentlicht wurde. AuS leicht erklär- lictzen Gründen führe ich möglichst viel wörtlich das an, was Opel vor einem halben Jahrhundert geschrie­ben hat.

mit gesafteten Händen. Er siche beim Klange ihrer tiefen, rinschmeichekichen Stimme auS seinen Betrach­tungen auf, hütet« sich aber Wohl» seine Bewegung zu zeigen.

„Ja, ja, «S ist gut", sagte et ausstehend. „Alle- hängt von deinem Betrage» ab, und wenn du mich nicht mehr dintergehst und belügst, werd« ich auch nicht 6ait zu dir sein — um deines Vaters willen."

Nachdem Elbenbor» einmal seine erste Idee, bag es sich bei „dieser verflixten Heirat" um eine an sich harmlose und übereilte Liebesgeschichte gehandelt, fallen gelaffen und durch die plötzliche Eingebung eines tiefer angelegten Planes des Casablanca, stch die reiche Erbin zu sichern, die Lage für ihn eine an­dere, einschneidendere Bedeutung erhalten hatte — wozu ja auch die sofortig« Ablehnung des jungen Mannes bezüglich einer Abfindungssumme stimmte —, ließ er bas Gras unter feinen Füßen nicht wach- sen, foitbern ging zum Handeln über. Er schrieb so­fort an seinen Rechtsanwalt, legte ihm die Tatsache mit den Umständen vor, die er bisher in Erfahrung gebracht, und erbat stch den Rat und den Beistand des gewiegten Juristen, indem er ihn beauftragte, selbst durch Kabelnachricht die Ermittlung und Be­schaffung des Trauzeugnisses in Rewlzork zu veran­lassen. Den Brief schickte er zum Einschreiben sofort auf das Postamt im Dorfe und begab sich danach zu seinem Freunde Rosenbauer, um weiter mit ihm zu sprechen.

Der Gelehrte saß, in feine Arbeit vertieft, in feinem Zimmer, antwortete auf das Klopfen nur mit einem zerstreuten „Herein,, und sah erst auf, als Eltenborn schon hinter ihm stand. Da aber sprang er rasch auf, denn der Freund griff ohne ein Wort der Begrüßung mit beiden Händen-in die Luft und fiel dann dem rechtzeitig noch zufaffenden Rosen- bauer ohnmächtig in die Arme.

Trotzdem der Gelehrte kleiner war, hatte er doch mehl: Kräfte, als man ihm zugetraut hätte; er hielt sich mit seiner leblosen Last auf den Füßen und Netz sie sanft und langsam zu Boden gleiten, wo der

höher stieg natürlich der Kurs v?r letzteren. Hick- über finden stch viele Aufzeichnungen, die uns di« Kursvewegung der Jahre 1618—1621 deutlich erkennen lassen. Für eine» alten Reichs'aler bekam man z. B. in Hildesheim im Juni 1618 einen Zcihlta cr und 12 Groschen, im September einen Zt.' und 19 Groschen, im Dezember zwei, im April 1919 drei. Dann trat eine gewisse Stabilität ein, der in 1621 ei» um so schnelleres Steigen folgte. Der alte Taler galt im Mat 1621 4 Zt., Ende Juli 4 Zt. 15 Aroichen, am 1. August 6, am 19. August 7, am 18. Oktober 8 Zt. Gaur ähnlich war es mit dem Gulden in Mtrtel- und Sud« deutlchland. Im Anfang machte .ich die große Mass« der Bevölkerung über das Bedenkliche und Betrügeri­sche dcr neuen Ftnanzkunst reine Gedanftn; man freu« sich, wenn man von den Aufkäufen» für einen alte» Taler 1% neue bekam. Als aber in 1621 mit de» raschen Kurssteigerungen d-r alten Münzen Brot Fletsch, Bier, Wein dann aoch atrderc Bedürfnisse in Preis- stiegen, wurde man doch stutzig. Es regnett Proteste und Klagen. In Erfurt war man entrüstct, daß man für eine Elle Luch statt 16—18 Grcvchen ( Gld., für ein Paar Schuhe statt 12 Groschen 5—6 »eu- geirögte Gld. zahlen mußte. .In Kuriach'eu »agtt man über die unerschwinglichen Papterpreiie; in dell Druckereien konntr Ende 1621 nur va'b gearbeitet werde»», und nach Ostern 1622 standen viele ganz still . . . Bäcker, Fleischer, Wirte. Brauer suchten durck Jnnnngsbeschlüfle den Preis angemessen zu bestim men . . . vorn Land her fing die Zufuhr an zustocken", weil Niemand mehr gegen die rafcb 'm Kurse fallen, den Münzen ettvas verkaufen wollte. „Now schlim­mere« als die Gewerbetreibenden hatten die auf fester Gehalt angewiesenen Beamten, Geistliche und Lehre» zu erdulden ... und nicht bte< besser waren die eigent­lichen Kapitalisten daran", denen ihre Zinsen tu leich­tem Gelde bezahlt wurden. Die Schuldner eilten, sich ihrer Verpflichtungen Z» erledigen, konnte doch nie­mand ein besseres Geschäft mache»», als wer die Ge­legenheit benutzte, mtt den geringen Sorten fefm Schulden zu bezahlen . . . Aus all' diesen Verhält^ nlssen erwuchsen eine Unzahl Prozesse, ttir deren Ent, fchcidung stch die Richter vergeblich nach einer gesetz­lichen Norm umsahen." Ovel führt nun eine ganz« Anzahl von Beispielen mt: auf sie näher einzugehen erübrigt stch, sie bieten genau das gleiche Bild, wie alle die Vorkommnisse und Streitigkeiten, von denen wir in der Gegenwart bis zum Neberdruß RcmttnU bekommen.

Das Volk scheint anfangs mlt einer gewissen hu­morvollen Spottsucht dem ganzen Treiben zugescbe» zu haben. Mit seinen Nöten »mb Leiden kam abe» die ErkennttttS, und n»it der Erkenntnis die Eut rlistung, der .Zorn. Dioke» »icbergang kann man ill, den noch zahlreich vorhandenen Flugblättern verfol­gen, die danials das waren, was heute dl« Zeitungen sind. Ich führe aus ihnen folgende Aussprüche an:

1. Die Leut' heutigen Tages werden je ärmer, j« mehr Geld sie bekommen.

2. Etliche wenig« Leut' werde»» vom Kupfer reiche die meiste» vom Silber arm.

3. Ein geldtragender Bot' kann äu diesen Zeiten soviel leisten, als ein Roß vor 5 Jahren.

4. Einer, der ein- Elle dreimal teurer als zuvor bezahl-n mutz, wird doch vom Krämer nickt betrogen»

5. Das heutige Milnztvesen »nacht die Leute out lutherisch, denn sie es mir dem Glauben ergreife« müssen, daß cs einen Potentaten könne reich mache»».

6. Thomas Münzer hat im Bauernfticge mit Waf­fen tveniger Schaden getan, als unsere Münzer mit Gold.

7. Ein armer Wechsler hat mehr alS ein reicher eiehiumn.

8. Heutigen Tages ehrliche Leute, wenn sie nicht zu Schelruen werden wolle», »Nüssen doch nottoenbtg Schelmen wcrden, denn wer nicht wechselt, muf bankerottleren.

9. Diebe, so einen bestehlen, werden gehenkt, uul di- alle Leut« arm macken, werden privilegiert.

In vielen Gegenden Deutschlands, besonders «m Bistum Halberstadt, tm Erzbistum Magdeburg, hl Thüringen und Sachsen, kam e» zu groben AuSschrci, tungrn; nicht nur gegen die Kipper und Wipper, deren \'äufer regelrecht au«zevlültdert wurden, auch geg.m Gewerbetreibende, z. B. gegen die Brauer, deren Bier (Broihau) immer wässerig« geworden war, Wettbett sich die Wut des Volkes. Jnzwtfchen batten dl« Geistlichen ar gefangen, den bedeutenden Einfluß, de« ste dantalS besaßen, tn anerkennenswert« Weise aus-

Ohnrnächtige lang ausgeftreckt liegen blieb. Nun öffnete er ihm den Kragen, rieb ihm Schläfen und Puls mit Kognak, den er in einer Reifeflafche zur Hand hatte, und sehr bald öffnete Eibenborn wieder die Augen, während in sein wachsweißes Gesicht all. mählich ein Schatten feiner sonst so gesunden Färb« zurückkehrte.

„Was war denn das' So was ist mir ja in mei­nem ganzen Leben noch nicht geschehen!" sagte er benommen mit schwerer Zunge.

Rosenbauer hob ihm den Kopf etwas In die Höhe und flößte ihm einen tüchtigen Schluck Kogoak ein. der sofort seine Wirkung tat, da Cll-enbor»» außer­ordentlich mäßig tm Genuß geistiger Getränk« war, Alkohol aber nie zu stch nahm.

„Pfui'Teufel!" machte er, sich schüttelnd, indem er sich auffetzte. „Das Zeug brennt ja wie Feuer."

„Hennessy mit drei Sternen, das ist allerdings kein Wasser. Ist dir jetzt besser? Ra, da gib mit. mal beide Hände — hupplala! Da hätten wir dich ja glücklich wieder auf den Beine». So, nun leg dich mal hübsch hier auf das Sofa, ohne Widerrede, verstanden?"

Mit verlegenem Lachen — denn wenn sonst ge­sunde, kräftige Männer mal ein Unwohlsein befällt, werden sie immer verlegen — folgte Eibenborn der wohlgemeinten Verordnung seines Freundes, die gar nicht fo überflüssig war, denn die Anstrengung des Aufstehens vom Fußboden schien ihn ganz er­schöpft zu haben, und er lag eine ganze Weile mit geschloffenen Augen auf dem Sofa, ehe er mit einem tiefen Atemzug erklären konnte, daß ihm nun beffer sei. Trotzdem zwang Rosenbauer ihn dazu, noch einen Schluck des gefürchteten Kognaks zu stehmen, und nickte befriedigt, als die „Medizin" ihre sichtlich belebende Wirkung tat, denn Eibenborn setzte sich alsbald wieder aufrecht hin und behauptete, stch bis auf das sonderbare Gefühl erstarrter Gliedmaße» ganz wohl zu befinden. _

t’r' (Fortsetzung folgt.) »