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Amtliches Verkündigungsblatt des Kreises Marburg.
Anzeiger für (das früher kurhessifchej Oberhessen
Die „£)be:S)effild>e Zeit»«," erl»ei«t ietbemal wöchentlich. — Lezugrvreir 10.—31.12. 2 Statt ei«schlietzlich Zultellungsgebühr. Bit ausfallende Nummern infolge Streiks o«. etement.Eteig«iiie lein 4tia$. — Let.ag von Dr. L. Hi?e toti>. — Dnuk der Univ.» Buchdrucker« oon Sei. Lug. Koch. Markt 21/28. — Kernjptecher SS. PostlckeLkonto: Nr. 5015 Lmt Btonttuit «. Main.
Marburg
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58. Ä
1923
MMd Md Wt Mot.
- Mit Gefühlen tiefer Dankbarkeit blicken wir auf ,'l» den Volksgenossen überall in der weiten Welt, die 'fetzt schon seit Jahren immer wieder Von neuem weck- ' tätig an der Arbeit sind ,bei der schweren Not des deutschen •Älteä lindernd und helfend einzugreisen. Ummfbörlich : strömen von allen Seiten Betveise echtesten Heimatgefühls l|e unS von Deutschen über See, die oft ihr Letztes her- ■ um uns zur Seite zu stehen. Es ist an dieser Stelle .häufig betont worden, daß namentlich in unseren misi- pebenbni amtlichen Stellen.das Hilfswerk der deutschen •fetr v.' ut: als solches nicht gebührend anerkannt worden ist, p :. eni daß man immer allgemein in amtlichen Kund- gfGi; g.n von der Hilfe des Auslands g-sprochen 6ß‘. Sehr Vies richtiger und wahrheitsgemäßer wäre es von ter deutschen Auslandshilfe zu sprechen und es hätte sich leine Regierung etwas vergeben, wenn sie das gebührend hrrvorgehoben hätte. Das gilt besonders für die Deutschamerikaner, die bisher fast ausschließlich, neben ihrer piivaten Wohltätigkeit auch die Kosten der gesamten Srgauisierten Fürsorge aufgebracht haben, für die Amerikaner mit nicht dcutzschen Namen Dank und Lobpreisung geerntet haben.
Nun ist nicht nur die Not des deutschen Volkes, sondern auch dessen Abnahm'fähigkeit für ausländische Waren im umgekehrten Verhältnis dazu so groß geworden, daß andere Völker selbst die Wirkungen zu spüren begrünen das ist die Veranlassung dafür gworden, daß man sich auch in anderen Kreisen ernstlich um uns zu kümmern beginnt. Namentlich in Amerika wird einerseits die Ge- Währung von umfangreichen Lebensmittelkrediten ins Werk gesetzt, andererseits auch die Verso Hung Derrtsch- teudS mit Lebensmitteln auf dem Wege privater Wohi- vtigkeit eifrig gefördert. Staatssekretär Hoover, der sich Lbrigens zuerst während deS Kr'.egeS mit der Versorgung Belgiens durch Amerika einen Namen genracht hat und damals dem Schreiber dieser Zeilen gegenüber die se'tst- test und wirksame Förderung seiner Bestrebungen durch die deutsche Regierung nicht genug zu rühmen wußte, Hat sich au die Spitze dieser Bttoegung gestellt Bon seiner Tatkraft, Umsicht und Erfahrung gmade auf dsts/m Aebiete darf man manches Gute erhoben, namentlich «ich eine rege Beteiligung des amerikanischen Volsts ohne deutschen Einschlag. So wild es vielleicht auch gelingen, ter ungemein rührigen, gerade jetzt beso.-ders eifrig betriebenen deutschfeindlichen Werbetätigkeit der Franzosen in Amerika einen Damm en'gegmzusetzen. Dmrn auch darüber dürfen wir uns nicht täuschen, daß drüben noch immer eine für uns sehr unfreundliche Stimmung vo- Handen ist, die von den Franzosen mit allen Mitteln der Ärovagauda, namentlich auch durch Filme genährt ivird.
Wenn wir somit hoffen dürst«, daß- der immer erschreckender um sich greifenden Hungersnot und ArbeitS- tesigkeit in Deutschland wenigstens zu einem Teil ab- gebolstn weichen kann, so bleibt doch noch viel zu tun übrig Wir haben ja auch den Trost, vaß in der übrigen Welt das Gefühl für Menschlichkeit noch nicht ganz aus- tzestorben ist, denn wir erhallen Beweise von Opfer« teilligkeit häufig auS Gegenden und aus Kreisen, von denen man es kaum erwarten durfte. Allerdings bleiben dabei auch unerfreuliche Erscheinungen n'cht aus.
Auch toir habe» ja früher privat-' und öksentlichc Wohltätigkeit durch die Bevanstaltung von öffentlichen Festen, Bällen, Theatervorstellungen usw. geübt, wenn man fick auch dabei einer leisen Beschämung nicht erwchr.-n konnte, die in dem Gedanken liegt, daß man zur Unter. Kützung notleitender Mitmenschen tanzt, ißt und trinkt So ->"sstn wir eS in unserer Lage heut« schließl-'ch a«ch hin nehmen, daß man sich jetzt in der sogenannten großen Beit auch zu unserem Besten amüsstrt. Soeben ha! d»; diplomatische Korps in Berlin ein solches Wohltätig- keitSstst zur Linderung der deutschen Not veranstaltet luti) dabei eine sehr beträchtliche Summe erzielt Denirnige,». denen da? so geivonnene Geld zugute kommt, braucht auch Saruich! gesagt zu werden, daß eS unter Ausnutzung «euschl'cher Schwächen und menschlicher Eitelkeit her- rinü. bracht ivoröe« ist, und man muß den Mitgliedern uuÄoärtiger Missionen Dank wissen, die sich der Aus- gnb.' unterzogen haben, ein solches Fest einzuleiten und zu glückkichent Ende zu führen. Aber leider ist eS dabr» »hne eine grobe Taktlosigkeit nicht abgegangen. Muß erst noch besonders betont werden, daß die Taktlosigkeit von Franzosen und Belgiern begange» worden ist? Bei einem solchen WohltätigkeitSstst in der deutschen Reichs- Hauptstadt, dar in gewissem Sinne amtlichen oder weuig- steu? offiziösen Charakter trögt, kann man selbstderstäub- sich die deutsche Gesellschaft und namemlich die Repröstn- tanten der Reichs- und Landesregierung nicht ansichließen — sst gehören dazu Es entsprang ernem richtigen Gefühl, daß man der französischen und belgischen Mission den Gedanken nahelegte, sich Voucher Veranstaltung strn- guhaltrn, denn unsere fürchterliche Notlage hat ihren tiefsten Urgrund in dem Ruhreinbruch der Franzosen und Belgier Aber wenn es auch gelang, die Herrschest m aus dem Festausschuß fernzuhalten, s» besaßen sie doch nicht Anstandsgesühl genug, um auch von dem Fest selbst fern zu bleiben. Daß ihr Erscheinen an jenem Abend von allen deutschen und wohl auch von den mcl- ßen andern Teilnehmern als eine grobe Taktlosigkeit, jo Als eine Unanständigkeit empfunden würde, ist selbstverständlich. Das war der Mißton, den hineinzubringen, Wieder einmal Franzosen und Belgiern Vorbehalten blich
Günther Thoma».
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Ioostt zur d»Wu Ao!.
London, 11. Dez. Rach einer Meldung der iJttaieS* aus Washington besagt eine Vom Handels-,
sckretär Hoover verfaßte Mitteilung über die Lebensmittelversorgung Deutschlands, daß Deuttchland drei - größeren Schwierigkeiten gegenüberstebt. Die erste sei der Zusammenbruch der deutschen Währung, der vie Verteilung der letzten Ernte katasttophal beeinflußt habe. Die zweite Schwierigkeit sei die, daß die deutschen Kaufleute, das angemessene Matz der Einfuhr, dos notwendig fei, um das Defizit der inneren Erzeugung auszugleichen, nicht finanzieren könnten, weil die verringerte Ausfuhr die sonst zur Verfügung st hend» Menge auswärtiger Devisen vermindert habe. Tie dritte Schwierigkeit sei die verbreitete ArbeitS- lostgkeit, infolge deren Millionen von Arbeitem nicht geiügend Lebensmittel kaufen könnten. Die gesamte Last des wirtschaftlichen Bankerotts hätte» die Arbei- terbevölkerung, die Alten und Invaliden und die Angestellten in den großen Städten und in den Jn- dustriebezirken zu tragen, insgesamt etwa 20 Millionen Menschen. Deutschland lnüfse eine gewifle Menge Lcvenmittek einfiihreni. Die Br das gegenwärtige Erntejahr benötigte Einfubrrn-nge -werde unter der Voraussetzung, daß die Verteilung im Inneren wiederbergestellt werden könne, etwa 50 Millionen Scheffel Brotgetreide und 700000 Tonnen Schweinefett betragen. Die Not fei groß, und unter ihr hätten besonders die Kinder zu leiden. Es fei alles in allem ein akuter wirtschaftlicher Zufammen- bruch. Zum Schluß erklärte Hoover, die Löfung. die am ehesten den Wiederaufbau verfpreche, fei die Schaffung eines auswärtigen kommerziellen
'Kredites für die Lieferung von Lebensmitteln Br deren EinBbrung die Erlaubnis jetzt von der deutschen Regierung nachgefucht werde. Eine derartige Kreditoveratton würde nicht nur eine vermehrte Einfilhr fdroffen, fanden sie würde auch infolge des Verkaufs diefe Einfuhr im Inneren der neu eiugeBbrten Währung einen fubstanttelleren Hintergrund geben. Aus einer derartigen Einfuhr könnten die Arbeitslofenun'erstüdungen und die öffentlichen Wohltätigkeltsfpeifungen Hefttitten werden. Die vorgefchlagene Maßnahme würde natürlich tun eine zeitweilige fein; denn die endgültige Lösung des Problems werde nur durch die Regelung der politi- ° „ Beziehungen, die Wiedecherstellung der Währung und der produktiven Industrien herbeigeBhrt werden.' Dies würde auf jeden Fall Zeit erfordern.
Washington, 11. Dez. Im Anschluß an die heuttge Veröffentlichung eines Privatbriefes HooverS, in dem stch diefer fiir die Auflegung einer deutfchen Leb-nSmittelanleihe im Bettage von 70 Millionen Dollars ausfvricht, verlautet, daß die amerikanische Regierung die Hoffnung hegt, daß die Nnleihever- handlungen Erfolg haben werden. Präsident Coolidge ist indessen der Ansicht, daß die Tätigkeit der privaten Hisssorganifationen für bl. Bevölkerung Deutschlands fortgesetzt iverden follte Es wird angenommen, daß etwa die Hälfte des Betrages der geplante» Anleihe für Lebensmittelkänfe in den Vereinigten Staaten verloendet werden wird.
Sir nm Mill ter Mimvg in ter SW tost.
Me verlautet, wird die Reichsregierung dieser Tage über wichtige Aktionen sich schlüssig machen. Es handelt sich darum, von dem Auslande Kredithilfe für Las Deutsche Reich zu erhalten. Es ist beabsichtigt, in -einem besonderen Schritt u. a. auch den Alliierten darzutun, welch« Leistungen bisher Deutschland vollzogen hat, ohne damit den Währungsverfall aufzuhalten. Die Reichsregierung ist tatsächlich am Ende ihrer Finanzkraft und auch alle geplanten steuerlichen Maßnahmen, wie auch die Schritte zur Einsparung der Reichsausgaüen reichen nicht hin, um die nächsten Bedürfnisse des Reiches decken zu können. Das Ausland als Gläubiger Deutschlands hat das dringende Interesse daran, das Reich nicht in völlige Zahlungsunfähigkeit geraten zu lassen.
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8« Me SkMesßtWtl.
Berlin, 11. $*3. Dir Mütter veröffentliche» einen Brief des Staatssekretärs im Auswärtigen Amt, v. Maltzau, worin darauf hiugewiesen wirb, daß dir neuen Gochgch älter der Beamten den s ch ä r s st e n Protest der Beamten des Auswärtigen Amtes h?r- vorgerusen hätten und auch nach seiner Ansicht nicht tragbar seien. Gchälter, die bei einer Verteuerung des Lebensunterhalte» auf das Doppelte n 0 ch n i ch t di« Hälfte deS Frirdenstzchaltes betrügen, würden das gesamte Beamtentum völlig zu gründ e- richten. Mn Versagen der Beamtenschaft gerade in der gegenwärtig«» politisch schr gespannten, vielleicht aber nicht ganz aussichtslosen Lage wäre außenpolitisch verhängnisvoll. Für das Auswärtige Amt müsse er jede Verantwortung für die Folgen einer solchen Politik ablehnrn.
Berlin, 11. Dez. Wie die „Deutsche Tageszeitung erfährt, lief als Antwort auf den Brief des Staatssekretärs v. Maltzahn ein Schreiben des Reichs- sinanzministers ein. Als unmittelbare Folge dieses Schreibens hat, wie verlaute^ MaltzaneinDis- zipli uarv«rfahren gegen sich selbst beantragt
Gegen die Proletaeifierung der Beamten.
Mü nch« n, 11. Dez. Gegen die GehaltSfest- setzurig ftp die Beamte», wie sie aus den letzten Brr-
lautbarungeu bekannt geworden ist, hat die bayrisch« Regierung Einspruch eicheben lassen. Sie billigt durchaus den Standpunkt, daß die Zahl der Beamten ein« geschränkt werden kann und soll, sie kann aber einer Proletarisierung der Beamtenschaft ihre Zustimmung nicht geben. Eine Proletarisierung haben aber nach ihrer Auffassung die in Aussicht genommenen Sätze zur notwendigen Folge. <
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Be rlin, 12. Dez. Tas Reichskabinett hat sich ernciu mit der Frage der Beamtenbesoldung befaßt. Tie wiederholte Befassung erklärt sich aus den außerordentlichen Sorgen, die mit den geringen Besoldungssätzen verknüpft sind. Ebenso, wie die Staatssekretäre in ihrer kürzlich bekanntgegebenen zemeinschasi- lichen Niederschrift muß indessen die Reichsregierung an den beschlossenen Sätzen fesch alten, weil unsere Finanznot «Im andere Besoldung durchaus nicht zulaßt. Tabei sei ausdrücklich bemerkt, daß bei einer allgemeinen Steigerung der Meten durch Aeuvenmg iwr Gesetzgebung, sofern, wie beabsichtigt, aus dieser Quelle auch dem Reiche und den anderen öffentlichen Verwaltungen unmittelbar oder mittelbar Beträge zu- fiießen, «'ne Echöhung des WohmmgsgeldeS in Aussicht genommen ist. Ferner ist selbstverständlich, daß die Gehälter eine Besserung erfahren müssen, sobald die östenflichen Finanzen wieder einigermaßen in Ordnung sind. Gerade die jetzige äußerste Einschränkung ist eine Voraussetzung daftr, daß eine solche Besserung Lbechaupt erzielt weiden kann.
B»§ dm Stoelcet-teM.
Berlin, 11 Dez. Der lögliedrige Ausschuß dem die auf Grund des Ermächtigungsgesetzes erlassenen Verordnungen vorzulegen sind, damtt er sich in vertraulicher Sitzung dazu äußert, beschäftigte sich heute mit der Beamtenabbau- verordnung. Nach einer ausführlichen Darstellung der katastrophalen Finanzlage des Reiches durch den Reichsfinanzminister Dr. Luther nahmen die Parteivertreter zu den Richtlinien über den Beamtenabbau eingehend Stellung. Nach Schluß der allgemeinen Debatte über die Beamtenabbau- verordnung wurde ein Antrag angenommen, in dem die Reichsregierung ersucht wird, die dazu geeigneten reichseigenen Gebäude durch Einbau von Läden, Umgestaltung zu Büro- Häusern usw. finanziell ertragreich zu gestalten. Mit der Spezialberatung der Beamtenabbauverord- uung wird morgen begonnen werden.
Berlin, 11." Dez. Der 15er-Ueberwachungs- ausschuß de- R-jchstags hat sich heute vormittag u. a. mit btT rheinischen Frage beschäftigt. Das Reichskabinett wird, den Blättern zufolge, auf Grund dieser Aussprache am Nachmittag voraussichtlich eine wichtige Entscheidung tn der Rheinlandfrage fällen. — Dem „Verl. Taget»!.- zufolge besteht ein Plan, das R e i ch s m i n i st e r i u m für die besetzten Gebiete mit einem Staatssekretär zu besetzen.
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Berlin, 11. Dez. Laut „Voss. Ztg." machte der württemb-rgisch« Finanzminister Dr. Schall int S:utt« gartet Verein der Demokratischen Partei bemerkenswerte Aussähntngen über die finanzielle Lage Deutschlands. Nach bet Stillegung der Notenpresse müsse das Reich bis zur Balauzierung be5 Etats mit 1200 Millionen Rentenmark auskomwen, die ihm von der Rentenbauk zur Verfügung gestellt toetär t. 550 Millionen davon seien bereits angewiesen, 400 Mil!i».i>en schon in den ersten vierzehn Tagen verbraucht, davon 100 Millionen für daS besetzte Gebiet. Ohne den schleunigst durchzufthrenden gründlichr.t Ar-bau der gesamten staatlichen Verwaltung und des Beamieu- körperS sei der Zusammrnbatch unserer Finatrzvirt- schaft unabwendbar. Der Finanzminister schloß j«d<ch mit Versicherungen, die über das Verantwor ungsgesühl und den ziell-wußten Wülen der leitenden Männer keinen Zrreifel lzeßen und daher geeignet seien, einen lähmenden Pessimismus zu verscheuchen, der <td) etwa breitmache» könnte.
Berlin, 11. Dez. Der Rechlrc-nojchuß des Reichstages beschäftigte sich heute mit einem sozialdemokratischen Antrag, der wünscht, daß das Säjutz- haftgesetz nachträglich in die Verordnung des Reichspräsidenten über den Ausnahmezustand aufgenom- men werde und daß Jugendliche nicht vor die in dieser Verordnung eingesetzten außerordentlichen Gerichte, sondern vor die ordentlick-en Jugendgerichte gestellt werden. Der Ausschuß nahm den sozialdemokratischen ä'/draq einstimmig an, lehnte dagegen einen kommunistischen Antrag ab, der sich gegen die Auflösung der kommunistischen Partei rietet k
Mit siik Me WM
Berlin, 11. Dez. Im ReichswirtschaftSminifle« . rimn fand gestern unter dem Vorsitz des Reicksver- , kehrsminister Oeser eine Sitzung deS Organisationsausschusses statt. , Der Minister machte den Blättern zufolge Mitteilungen über die schwierige finanzielle Sage der Reichsbahn, di« hervorgerufen worden sei durch das Abschneiden der Kredite durch das Reichsfinanzministerium. Auch die vor einigen Tagen veÄffentlichten Nachrichten über die Absichten der Industrie, der Reichsbahn gegen Bewilligung gewisser Forderungen SOHttel zur Verfügung zu stellen, waren Gegenstand der Aussprache. Es wurden voll verschiedenen Seiten Anregungen gegeben, die Kredit-^ frage, in einer anderen Weise zu lösen. Weiter machte । Minister Oeser Mitteilungen über eine Umstellung bet ‘ Reichsbahn auf kaufmännische Grundlage, die in möglichst kurzer Zeit restlos durchgeführt fein soll.
Wie mehrere Blätter von unterrichteter Seite erfahren haben wollen, ist tatsächlich ein Angebot n.'.B' gebender industrieller Kreise in der Frage der Kreditbeschaffung für die Neichsbahnverwallung gemacht worden.
$95 MiM WstMM.
Köln a. Rh., 11. Dez. Tie nach erfolgter Ge- nchmigung durch den ReichSverkehrSminister mn 10, b. Mts. in Kraft getretenen Vereinbarungen ^wische» der Regie und der deutfcben ReichSbahnverwaltung haben nur bett Zweck gehabt, nach Aufgabe deS passiven MderstandeS einen modus vivendi zur Wiedeo» aus» ahme eines geregelten Eisenbahnverkehrs zwischen dem besetzten Gebiet und dem übrigen Deutschland zn schaffen. Hierbei konnte jedoch der Berkchr mit dem englisch besetzten Brückenkopf Köln nicht mitbesprochen werden, da die britische Besatzungsbehörde in Mainz nicht vertreten war. Das Abkommen hat aber auch für den Kölner Bezirk die Folg« gchabt, daß auch hier nunmehr im Benehmen mit der englischen Besatznngsbehörde ein Weg benutzt wird zu« Wiedcringangbringung des Verkehrs mit den anschließenden von der Regie betriebenen Strecken. Bei Bespreckungen. die schon stattgefunden haben, wurdet deutscherseits Vorschläge gemacht, die einen glatten Verkehr ermöglicht hätten. Diese Vorschläge stimmten jedoch nicht überein mit bett von bet Regie gemachten Vorschlägen, bte eine erhebliche Erschwerung des Reiseverkehrs bedeutet haben würden. Die Besprechungen dauern fort. ..
Of fen bürg, 11. $eg. Zur Wiederaufnahme deS Gsenöahnbetriebs im Brückenkopf Kehl wird von zuständiger Stelle mitgeieilt, daß bei Besprechungen Mischen Vrrttetern der deutschen und französischen Behörde» in Kehl di« Wiederaufnahme des Betriebs beschlossen wurre. DaS deutsche Personal kehrt, soweit ersorderlich. schon heute in den Dienst zurück, um mit den Vorbereitungen für die allgemeine Wiederaufnahme deS Betrieb- zu beginnen.
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Köln, 11. Dez. Unter bei Überschrift „Um bie Bahnen bes Kölner Bezirks" berichtet bas „Kölner Tage bl.": Nachbem gestern bte britische Mili tärbelegation sich mit bet beutschen Reichsbahndirektion zwecks Bildung eines Sonderausschusses in Verbindung gesetzt habe, würden heute und in den nächsten Tagen im Kölner Direkttonsgebäude Besprechungen mit den Beamten und der Regiei ftattflnben. Man hoffe schon im Laufe dieser Woche alle technischen Fragen, u. a. die des F a h r p l a n s und im besonderen die Zugübernahme nach und von Aachen, Duisburg bezw. Düsselbvrf, Bonn psw. zu regeln, so daß noch vor Weihnachten der Verkehr auf allen Strecken des alt- und neubesetzten Gebiets wieder ausgenommen werden könne. Dies gelte freilich nur für Personenzüge, während ein reibungsloser Eiii erzugvcrkehr infolge der Ungeschultheit des fremden Personals noch ziemlich lange auf sich warten lassen dürfte.
Gegenüber Blättermeldungen, daß die englische Zone am 15. Dezember in den Regiebetrieä einbezogen werden dürste, teilt das „Kölner Tage- blatt" mit, daß eine organische Verschentlzung der Bahnen im britischen Brückenkopf mit dem Regiebetrieb notläufig nicht zu denken sei. Sie würde eine Umwandlung der Regie in eine internationale Bahugesellschast voraussetzen, deren Geschäftsbetrieb gegenüber alle Besatzungsmächte wie auch 6te Reichsregierung ein Vetorecht ausüben dürften. Solange ein solches Privatunternehmen mit internationalen Bindungen nicht existiere, würden die unter englischer Kontrolle stehenden Bahnen im Brückenkopf Köln verwaltungstechnisch außerhalb der sranzofisch« belgischen Regie'bleiben.
Köln, 11. Dez. Wie die „Köln. Ztg." meldet, ist die für HMe erwartete Sitzung mit den Frau«