Einzelbild herunterladen
 

Amtliches Verkündigungsblatt des Kreises Marburg.

Anzeiger für (das früher kurhesiischej Oberhessen

».286

F

.OderdeMich« Zeitung" ertoelnt ieckemal wöchentlich. Le;ugsvreis 3 128.12, 700000 000009 iWail einschließlich ZusteUnngsgedühr. Für ausfallende Nummern ins. Srreils oo. -lement. Ereignisse kein Ersatz. - Der az von Dr. T.hitzerotd.Druck der llnrv..Buchdruckerei van 3»6. «ug. «och. Marli 21.23. ktzern-precher 55, Dnst checkkonto: Rr. 5015 Smt Frankfurt a. Main.

Marburg

Steil«, ien 7. Stimttr Iulmoud

Der »nzelaenvrei, betrügt kur d«, ggesp. Zeilenmillimeter 0,06 Doldmark. Amtliche u. Ottswittliiitisen 0,08 Eoldmark. «ei schwier.Satz 50Aufschlag. Sammelan,eia.l00'/. Aufschlag. Reklamen 0,80 Eoldmark. Jeder Rabatt gilt als Barrabatt, Bel«,« werden berechnet, ebenso Auskunft durch die Geschästsstell« und Zusendung der Anaebote. Zahlung innerhalb 5 Tagen (1 Dollar <,20 Eoldmark), Berechnung nach dem Berliner Mittel kurs de, Zahlunzseiugaugstages. Verzugszinsen pro Tag nach dem Bankzinsfuß

58. zitkr.

1928

Noch immer keine Klärung.

spassige Politik hat sich diese Fraktion in eine gerade­zu trostlos« Lage gebracht. Ihre Zustimmung zum nel«e» Ermächtigungsgesetz brachte ihr aber die schärfste Opposition ihre- linken Flügels ein. Am Dvnners-

Sitzung v-om 6. Dezember.

Der Beginn der Reichstagssitzung, die auf 1 Uhr anbe- sgaumt war, hat sich um eine Stunde verzögert, weil von fctn Fraktionen der Regierungsmehrheit soviel Ab- tzeord treten fehlten, daß beim FerMe'chen der Leutschnationalen und der äußersten Linken die zur Perabschicdung des Ermächtigungsgesetzes notwendige DweLrittrlpiäsenz nicht vorhanden gewesen wäre.

Präsident L o e b e eröffnet die Sitzung um 2*/< Uhr. Ur teilt mit, daß von dc> Staatsanwaltschaft Anträge «f Strafverfolgung wegen Hochverrats gegen den Lbg. v. Graefe (Dentschvölkischt und gegen verschiedene Ummuni'stische Abgeordnete einocgangen seien.

Abg V.Graefe (Deusschvölkisch) beantragt selbst die Unshebung seiner Immunität, da er ein Interesie an der jchlcunizen Erledigung seines Strafverfahrens habe. Der Wltrag wird aus Borschlng des Präsid.nt.-n zurückg-stellt.

Nach Erledigung kleiner Vorlagen ohne Aussprache geht das Haus zur

3. Beratung des Ermächtigungsgesetzes ,Dber Ein Antrag auf namentlich? Abstimmung über itzss Mißtra uensvotum wird nicht genüg nd unter« ßützt Das Mißtrauensvotum wird darauf gegen die Kommunisten, Deutschvölkischen und Letelwur-Gruppe, dsgelamt etwa 11 Stimmen, abgelehnt

Abg. Mulle (Deutschvölkifch) wendet sich-gegen das Ermächtigungsgesetz. Der BankkapitakisMu» habe al!" Negierungsgewalt an sich gerissen und die Arbeitnehmer «md die schassenden Stände in rücksichtsloser Weise aus- tzebeutet. In Deittschlano wird alles reicher, was »asst, und alles srm r. was schaist. D/s erste Ermächti- ßungsgesetz sei ein Schutzgesetz für den jüdischen Bank- Kvitalismus gewesen: mit dem jetzt vorgeschlagenen je. dieselbe Msicht verbunden. Er wendet sich dann'gegen iic Art des Beamtenabbaues. Abgebaut werden kenne bei' den sozialdemokratischen Oberpräsidentcn, Regierungsprö- ßdenten und in den Ministerien. -

Abg Fehr Mayr. Bauernbund): Der bayerische Bauernbund muß dem Ermächtigungsgesetz seine Znstim- ining versagen, weil wir befürchten, daß die unter dem Ersetz ergehenden steuerlichen Maßnahmen die Interessen les bäuerlichen Mittelstandes nicht genügend berück- stchtigen werden.

Abg. Ledebour (Unabh.) verurteilt in längeren Ausführungen das Verhalten der sozialdemokratischen Partei gegen den. früheren sächsischen Mimsterpräsidenten Zeigner.

Abg Stöcker (Komm.): Es ist nur eine Frage von 13 Wochen, daß wir eine autonome rheimische Republik bekommen, die nur in sehr losem Zusammenhang mit dem Reiche und in keinem Zusammenhang mit Preußen ßsht. Die Träger dieser gefährlichen Eulkvichelung sind »cht di« Arbeiter, sondern die Reichsregierung, Schtver- indnstriellen, die bürgerlichen Parteien und die Sozial- tztmokraien. (Widerspruch b. d. Soz.) Die Sozialdemo­kraten wollen mit ihrer Zustimmung zum Ermächt guugS- tzesetz dem Strafgericht der Arbeiterschaft aasweichen, aber dieses Strafgericht wird doch kommen.

Abg. Soll mann (Soz.) weist die kommunistisch, n Ingriffe zurück

Abg. Guer ar.b (Ztr.) .erklärt, es sei unter feiner Barbe, auf die Verleumdungen deL Zentrums durch den lbg. StöckeetOU antworten.

Rei^zsfin«nzmiiusrer Tr. Luther nimmt dann Stel­lung zu purem inzwischen von den Deutschnatonalen ringebr»chwAM«üAW--wtmmh dre Ermächtigung sich nicht Mf-chkd:Lle«8ernM der währungsgesetzlichou Bestimm,lü­gen über^MtzWKMWnark erstrecken solle. Die Reg^rung 'stimme mit der Absicht der A. tragsteller, jede Ge­fährdung der Rentenmark unmöglich zu machen, völlig Überein Der Weg der Insiation fei durch die Renten- nrark verstopft. Der jetzige Preisabbau ist durch die Reu­te« mark verursacht. Äe Rcichsvegierung wird das Er- erächtigungsgesetz nicht bemchen, um di« prozen­tuale Belastung des Grundbesitzer ufto. irgendwie zu erhöhe». . Die Reg-eeuug bittet d.'mnach nm Ablehnung des Antrages, weil di« Von der Regierring beabsichtigte allmähliche Aufhebung der Zwangswirt­schaft bei den Mieten gewisse formale Arnderungemnöt g macken könnte.

Abg. Dr. Reichert (Denttchn.) ist durch bk/? Erklärung des Reichssinanzmimsters befriedigt und Ver- ztchtet aus «ine Abstimmung über den Anttag.

Sodann wird ein Antrag der Mittelpartrien, wonach der Reichstagsausschuß, euch über Anträge zu Ber- »rdnungen auf Grund des alten E«nächtigungsgesetz?s zu hören ist, angenommen

Dann folgt die A b stimm » n g über g 1 des Ermäch- dgungsgesetzes: sie ist auf Antrag ber Deusichnatwnalen namentlich. §1 wird mit 282 gegen. 79 Stimmen bei 4 Stimmenthaltung.n angenommen. Dagegen haben die Deutschnationalen, die Deutschvölkischen, der Bayrische Bauernbund, die Unabhängigen und die Kournmn stcir gestimmt. §2 wird gleichfalls in namentticher Ab­stimmung mit 278 gegen 81 Stimmen angenommen.

Präsident Loeb« verlieft gkaiu^ einen Antrag des Zentrums, . .

die entscheioendc Sch lußabsti mmung auf Sonnabend zu vertagen.

(Aha-Ruse und Gelächter, in das viele Tribünenbesucher eiuftimmen.)

Abg. S ch ultz-Bromberg (Deutschn.): Dsiser Antrag sst das Unglaublichste, was je vorgekommen ist. Mitten in der Schlacht blasen SieDas Ganze Halt!" Drau­ßen wartet das Kolk auf die Entscheidung. Sir aber, die

Sie so oft von der Würde des Parlaments leben, bieten jetzt das allerdlamabelste Schauspiel aus A n g st vor den Wahlen. (Beifall.)

Abg. Dr. Koch (Dem.): Wenn jetzt die Abstimmung ausgeschoben werden soll, so sind die Deutschnationalen daran schuld, weil sie aus die Frage dec Parteien und des Reichskanzlers, ob sie bei der Schlußabstimmung im Saal bleiben wollen, bis jetzt die Ant-rwrt verwegerö haben.

Äba. Herat (Teutichn.) verdirrek isch De'.chruugm vom Abg. Tr Koch nach den Erfahrungen, die die Deutschnationalen in letzter Zeit mit Dr. Koch gemacht hätten. (Unruhe bei den Dem.) Die Tcutschnationaftn hätten nur deshalb noch nicht über die Frage ihrer De- teiligung an d'r Abstimmung entscheiden können, weck der Reichskanzler noch nicht gesagt habe, was er bei eitern Scheitern des Ermächtigungsgesetzes tun wölk«. 'Die Delltschnationa!« Volkspartei lege den größten Wert aus schleunige Neuwahlen

Abg. Ba ecke r-Arnsberg (Ztr.) widerspricht dem Mo. Hergt und verurteilt scharf die deutschnationalen ObstruktionSabsich:en.

Die Vertagung der Schlußabstimniung auf Sonn­abend wird hierauf gegen die Deutschnationalen, Völki­schen und Kommunisten beschlossen.

Ein. Antrag L o e b e (Soz.), wonach der parlamenta­rische Ueberwachirngsausschuß auch bei Reichstagsans- lüsunc weiter arbeiten soll, wird mit ver für Verfassungs­änderungen erforderlichen Ztveidrittelmehrheit ange­nommen.

Die Anträge der Staatsanwaltschaft aus Ermäch­tigung zur Strasversolgung kommunistischer Abg oro- neter und des Abg. v. G r ae fe (Deutschvölk.) wegen Hoch­verrats toerben, wie üblich, dem Geschästsordnung°ans- schnst überwiese«: -Ein Antcag V.Graew.chn seneem^ttle sofort die Ermächtigung zu erteilen, w.rd abgelehnk.

Gegen 6llhr vertagt sich der Reichstag aus Sonn­abend 2 Uhr. Stuf der Tagesordnung stellen neben der Schlußabstimmung über das Ermächtigungsgesetz das Reichstagswahlgesetz und das Gesetz über den Volks- entscheio.

B e r l i n, 6. Dcz. § 1 des Ermächtigungsgesetzes wurde Lu Reichstag mit 282 gegen 79 Stimmen bei 4 Stimmenthaltungen, § 2 mit 278 gegen 81 Stim­men angenommen. Diss entscheidende Schlußaüstim- mung über das Gesetz wird gemäß einem Zentrums­antrag auf Sonnabend vertagt. Wie aus parla­mentarischen Kreisen verlautet, erfolgte diese Ver­tagung, weil damit gerechnet wurde, daß die Oppo­sition vor der Schlußabstimnumg den Saal verlassen wolle und damit die für die Annahme des Gesetzes erforderliche Anwesenheit von zwei Dritteln der Abgeordneten nicht gesichert' gewesen wäre.

Man schreibt uns: -

B e rti n, o. Dez.

Im Reichstem war am Donnerstag in den Ncrch- mttta.rSstunden noch nicht zu übersehen, wie das Trauerspiel der Sitzung auslaufen würde. Aber rins stand fest: Mochte sich der Reichstag durch die An­nahme des Ermächtigungsgesetzes selbst ausschallen und beiseitestellen oder mochte er im Weigerungsfall« der Auflösung ^verfallen unmöglich hat sich dieses Par­lament ans jeden Fall gemacht.

Am Mittwoch waren die Erwartungen im Reichs­tag aut einen guten Ausgang gestimmt und jcder- man rechnete eigentlich mit einem guien Verlauf der Abstimmunossitzung am folgenden Tage. Aber wie­der einmal zeigte sich, daß die Launen und Stimmun­gen dieses Parlamentes unberechenbar und weiterwen- disch sind, wie der April. Als am Donnerstag die Sitzung begann, stand sie nicht im Zeichen eines klaren Entscheidungswillens, sondern unter orm Ein­druck der denkbar größten Verworrenheit. Am Mitt­woch hatte man die Aussichten der deutschnationalen Opposition sehr geringschätzig beurteilt. Am Donners­tag wuchsen sie zu einer drobendcn Gefahr, denn in den Karderoberäumen der Fraktionen wurden so starke Lücken festgestellt, daß die ObshruktionSabfichte» der Deutschnationalen sofort Oberwasser bekamen. Ten Koalttionsparteien und den Sozialdemokraten fehl­ten mindestens 30 Mann an der zweidrittel Stärke aller Abgeotdneten. Brachten sie aber diese Zahl nicht auk, so konnten die Deutschnationalen. durch Fernbleiben aus dem Sitzungssaale die Abstimmung jederzeit vereiteln oder ungültig machen.

Ter Regierung und dem Lande brennt die Rot aus den Nägeln und im Reichstage ist es nicht möglich, die nötige Zahl von Abgeordneten auf die Beine zu bringen, um dem Ermächtigungsgesetz zu einer raschen Annahme ;tt verhelfen. Die meiste Schuld daran trifft die sozialdemokratische Fraktion. Auch die bür­gerliche!'. Mittelparteien hat.cn nicht für das restlose Erscheinen ihrer Mitglieder gesorgt, auf den sozi­aldemokratischen Sitzreihen glänzte fast die Hälfte durch Abwesenheit. Hier war nicht Fahrlässigkeit die Ursache, sondern ein inner;r Gegensatz, der die sozialdemokratisch« Reichstagsfrakuoir fast vtzUia Miähia gemacht hat. Durch ihre pme-

tag hatte sie von dieser Seite einen neuen Ansturm auszuhalten und wäre unter ihm beinahe zus.rmmen- geürochen. Aber wenn das auch schließlich verhütet wurde, so war doch die Rückwirkung dieses sozial- demokratischen Zweikampfes auf ihre parlamentarische Lage geradezu, unerträglich. Nachdem der Reichskanz­ler sich auf die Mitwirkung der sozialdemokratischen Rcichstagsfraktion eingerichtet hatte, mußte er am Donnerstag mit den Deutschnationalen verhandeln und in dem Wirrwarr, der damit begann, versank die Hoffnuitg. daß mit diesem Reichstag überhaupt noch etwas Vernünftiges anzufangen sei.

Mehr und mehr rächt sich die Taktik, diesen Reichs­tag noch zn konservieren. Wie die Dinge am Don­nerstag abermals bewiesen haben, kann das Parla­ment nicht mehr leben unb will doch nicht sterben.

Gewiß bestehen gegen die Neuwahlen auch ge­wichtige sachliche Bedenken, aber entscheidend ist doch die Frage, ob sich der Reichstag AIS Hemmschuh der EntNicklung anlegen soll, die rasch zum Bessern ge­fördert werden muß, wenn wir nicht auch twch das Letzte verlieren solen. Und diese Frage bedarf endlich einer Anwort.

e e

w

: Berlin, 5. Dez. DieZeit" schreibt: Ms der Reichskanzler davon in Kenntnis gesetzt wurde, daß abermals die Abstimmung zum Ermächtigungsgesetz gcfährder erschien, begab er sich selbst in den Reichstag und vcrsttchte auf die Deutschnationalen persönlich dahin einznwirken, daß sie ihren Beschluß rückgängig machten und bei der Mstimmung im Saale zugegen . rr rcy- Daraufhin hielten die Deutschnationalen eint mue Fraktionssitzung ab, die sich lange hinzog. In­zwischen bem ühten sich die anderen Parteien, die noch säumigen Mitglieder aus jede Weis« herbeizuschaffen. Der Äeltestenrat trat zusammen und beschloß, zu­nächst den Beginn der Ätzung um eine Stunde, als» bis 2 Uhr, zu verschieben.

Je weiter die Stunden vorrückten, desto verworre­ner und unklarer wurde die Lage, was bei einem Rcickstag her das Urbild der Verworrenheit und Unklarheit ist, sicherlich nicht viel sagen will. Die dcntichnasionale Fraktion war nach langer Beratung anseinandergegangen, und als Ergebnis wurde mitge­teilt es sei kein Beschluß gefaßt worden, sondern es -würden weiter^ Bkitteilungen der anderen Parteien abgewartet. Diefts delphische Urteil machte die Lage gewiß nicht klarer.

B e r l i n. 8. Dcz. Wie die Blatter zur heutige« Abstimmung im Reichstag erfahre», hat der Reichs­präsident de. Gedanken einer Auflösung des Reichstags erwogen und dem Reichs­kanzler die Auflösungsurkuude in die Hetnd gegeben. Der Reichskanzler hat sich jedoch nach Erwägung aller Umstände entschlösse'- noch einmal in eine Vertagung des Reichstags bis Samstag zu willigen, da heute höchstens 8 oder 8 Stimmen an der erforderlichen Zweidrittelmehrheit fehlten. Sollten die fehlende« Stil <.,en bis Sams­tag nicht aufgebracht werden könne», würde der Reichshanzler alsdann vor dem letzten Mittel der Reichstagsanflösung nicht zurückschrecken.

Berlin, 6.D->z. Nach Beendigung ber gestrioeu Reichstagssitzung beschäftigte man sich in parlamentari­schen Kreisen vor allem mit der Abschätzung der Mög­lichkeit, am Samstag ein ausreichend besetzes Haus ru- sammcnrnbekommen, um auch im Falle eines Fern­bleibens der Deut'chnatioitalen von der Abstimmung das Ermächtigungsgesetz durchzubringen. Es stellte sich her­aus, daß e'wa 40 Abgeordnete im Hause a n- wesend ivaren. die sich an der Abstimmung nicht beteiligten. Es wurde sestgrstellt, daß sich eine größere Anzahl von Sozialdemokraten von der Abstimmung ferngehalten hat. Mit die­ser Tatsache beschäftigte sich die fozmldemokrattsch« Re-chs- tagskcaktion, die noch gestern abend zu einer Sitzung zn- sammengetrüen war, in der man nach längerer Debatte zu folgendem Beschluß kam: Dfe Mitglieder der Fraktion sind nur dann berechtigt, sich aus Gewissensgründen einer von der Fraktion beschwsscncn Abstimmung unauf­fällig scruzuhalicn, wenn nicht durch diese Jernhaltung die Abstimmung der Fraktion in ihrem Ergebnis beein­trächtigt wird. Ueber bec Art ber Anwendung dieses allgemein gehaltenen Beschlusses in dem g gedenen Falle soll in einer neuen Fraktionssitzung am Samstag Vor ber eutfchiedcnden Abstimmung gesprochen werben. Ein Mtt- glied der Fraktion Abg Wilh. Hossmann-Schmargmdorf, der gegen die Sozialdemokraten mit den Teutschnasionalen !und Kommunisten gestimmt hatte, wurde mit großer Mehrheit ausge-schlosscn.

B e r l i n ,6. Dez In den heutigen Besprechungen bet Paririführet mit dem Reichskanzler einigte man sich derBoss. Zeitung" zufolge dahin, daß der Reichstag nach Abstimmung über das Ermächtigungsgesetz durch de» Rcichstagspräsidenten auf un bestimmte Zeit ver­tagt wird. Unter der Hand kam man überein, daß die Ferien des Reichstages bis Ende Jammt dauern lol- len. Nur in ganz außergewöhnlichen Fällen soll ein früherer Zusammentritt des Reichstages staüKnde.a. .

Kein Reichsschulgesetz.

Berlin, 6. Dez. Im Reichstagsausschuß für Bildungswesen erklärte Staatssekretär^ Schulz, der Reichsfinanzminister habe den Reichsschuigesetzent- wurf als solchen bezeichnet, der angesichts del Finanzlage des Reiches nicht weiter zu verfolgen fei. Der Ausschuß stellte fich auf den Standpunkt, daß bei der augenblicklichen Lage eine Weiter­beratung des Reichsschulgesetzes zurzeit nicht mög­lich sei. Eine Mehrheit zur allgemeinen Beratung des Gesetzentwurfs bestehe nicht.

Die «hetnlanvfrage.

Berlin, 6. Dez. Im Retchskabtnett wurde gestern die Beratung Nber dte Rheinlandfrage fotige- setzi. In Uebereinstimmung mii der Stellungnahme der preußischen Staatsregierung beschloß auch die Reichsregierung, daß die Lösung der Rheinlandssrage nur im Rahmen der Reichs- und LandeSvrrfaffung er-, solge« könne. 1

Malst Met dir Rat d» Mei im NeiWea LMlaa.

Berlin. 6. Dez. Auf der Tagesordnung bei Landtages steht als erster Puntt dte große Aussprach« ßbtt die Notlage des Volkes. Tie vortiegenden An- trüge fordern Maßnahmen zur Liudenmg der Rot durch Votrspetsnng. Zusührimg von. Brennmatcrtat, Fletsch und Fettversotgung, HetgaSe von Nährmitteln für Kinder, Unterstützungsempfänger usw., Fürsorge- Maßnahmen gegen Wucher, Aufkäufetunwesen, Brand­stiftungen und Plstndenmgen auf dem Lande, ferner Erwerbslosenuntetstützung tm besetzten Gebiet, sowie steuerliche Maßnahmen für kindarreiche Familien.

Abg. B u ch w t tz (So;.) macht den Eigennutz der kapttaltsttschen Gesellschaftordnung Verantivortlich für dte allgerneine Rot. Es sehtt cm deut rechten Gemein- schaftsstnn. Freilich sei auch eine Aufwärt:-''cwegung erst nrögltch, wenn unsere Gegner die Rcparattons- leistungen der LetstungSsähigkeit Deutschlands ange- pastt hätten. Der Redner polemisiert dann heftig ge­gen die Sndtkatsbildutlg. Die Schließung der Be­triebe soll nur dte Zertrümmerung des Slchtstunden- lages erzwingen. Gegen das Händlerunwcsen mutz eingeschrttten werden. Ferner ist eine starke Aufsicht der kommunalen Pteisprüfungsstellen notwendig. Für dte VolkSspetsungen müssen erhebliche Mittel beschosst werden. Dte Maffenenilaffungen tu der Industrie müssen ^von der Regierung dauernd nachgeprüfi wer­den.

Abg. Frau Weber (Ztr.): Bor allem sordert daS Glend der deutsche» Kind:r den Willen zur Abbilse heraus. Das deutsche Volk if: auch »ah« daran, in Uusaubcrkett und Nnkullur w versinken. Die Preis­politik muß der Staat so fccelnftirffcn, daß der BevSI, kerung das verlorene Vertrauen Wieder­kehr t. Der Wucher muß auch mit größten gesetzliche« Vorschriften noch viel cnergltch-r bekämpft werde». Abhilfe ist aber allein mit staatlichen Mitteln nicht z» erreichen, zumal bet der irostlo>;n Flitmiclagc. Di« private Wohlfahrtspflege muß sich nach amccitantschem . Muster auch hei uns noch tret umfangreicher be­tätigen.

Abg. v. d. Oste« (Din.) fchilde« die Ver­elendung des gewerblichen Mttteistan-,' des und ber ausgewtesenen Beamten, ' schäft. Sier müsse bi« Staatsregierung zuerst helfen. Redner wendet stch gegen die Vorwürfe zu hoher Preise ht dec Landwirtschaft. Die Landwirtschaft er­halte zum großen Teil Preise unter der Friedenshöhe, während sie doppelte und dretfäch« Friedenspreis« zahlen nrüsse. Die Landivtrtsichast habe den Rod leidende« in den Städten vielfach durch Sammlung«» geholfen, könne es aber nicht mehr, wenn der Steuem stskus ihr die Kuh tm Stall pfände. Redner verlangt Einschränkung der Behörden, bessere GoldpreiSpoliti^ Beseitigung des Zustandes, daß jüngere arbeitet nahezu dieselben Löhn-: erhalten wie Verbciraleie un* fordert zum Schluß Neuwahlen für die Par­lamente, da sie nicht mehr der wahre» Volksstimmung entsprächen. Das SBofl verlange Führer aus den Reiben der Rechten. Sein« Paetet werde das Vertrauen des Volkes rcchtfertge? (Beifall bet de« Deutschnattonalen.)

Abg. Eugberding (D. Vpi.) rügt, daß zu dich Partcipolittk getrieben werde. Das habe dahin oet führt, daß die Kluft zwischen Arbeitnehmern und Ar­beitgebern immer größer geworden sei. Di« Folgt zeige sich tm Verfall ber Währung infolge Rückgang- der Produktto«. (Sehr richtig.) Halten toIt jetzt den Kurs der Rentenmark nichts daun sind wir verloren. (Lebh. Zustimmung.) Die Steigerung der Produktion muß unverzüglich M der Landwirtschaft beginnen. Die Vor­würfe gegen die Landwirte sind ungeheuerlich. Der Kr nstdünger muß verbilligt werden. Tlc OrtocrW loienfürsorge ist t« den Dienst der Produktionssteige- rung zu stellen. Die Oedländereicn und Moore müsse« , schneller urbar gemacht werden. In der Frage der Arbeitsdlenstjahre müssen endlich Fortschritte gemacht, w-rden. In der jetzigen schweren Zeit darf ntentanb ; nichr verdienen, als unbedingt notwendig ist. Mehr«, arbeit ist nötig. Zur Steuerung der Not muß jedes geben, der Hal. (Beifall.

. Abg. Schultz-Neukölln (Komm.) erklärt, Wuche, treibe das Erzeugertum, dte Großagraier, die Koblew Eiken- und Stahlbaronc. Wenn man die Komrvll« ausschüsse verbiete, könne dem Wucher nicht talkrS-Ne, zu Leibe gegangen werden. Die Sozialdemoftallr aber uttterftiit?« durch ihre Polittk btt kapitalistisch«^ - Parteien.

Daraus wird die Beratung abgebrochen.

Niuchste Sitzung morgen Ijl Mr,

\ Schluß 6 Uhr, '