Amtliches Verkündigungsblatt des Kreises Mardmg.
Anzeiger für (das früher knrheffifche) Oberhessen
Jtr. 274
Tie .Oberheliiicke Zeitung" eriLeint leLemul wöLentli». — Se^ugsvrets 11—24.11. 420 000 OUOCO0 etnschlietzlich Zustellungsgebüdr. Für ausfoUenOe Nummern im. Streit, ov. element.Eieigniüe lein tttiafc — $et:«3 von Dr. L. Hitze rotb. — Druck »et Univ.-Buchdruckerei non Job. Lug. Koch, Markt 21.13. — Nermvrecher 55, Voft'ibe(Honte: Nr. 5015 Amt Frankfurt a. Main.
Marburg
Freitag, üen 23. November
Rebelumg
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Der Anzeigenerei» betrigt kür »en 9gefp. Zeilenmillimeter 0,06 Goldmark. Smtliche u.
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Eine grobe Rebe Dr. Stresemsnns.
SSL. Sitzung vom 82. November.
, Der Reichstag ist freute durch ein starkes Polizei- Msgrbot gesichert. Mehrere Portale sind geschlossen und
den offenen wird starke Kartenkontrolst geübt. Der in tz« letzten Sitzung ausgeschlossene kommunistische Abae- smdnete Remmele versuchte mehrfach, das Gebäude in betreten,- er fügte sich aber, als ihm der Eintritt öei* «tigert wurde. \ •
Um 1/82 Uhr eröffnete Präsident L ö b e die Sitzung mit ter Mitteilung, daß Abg. Remmele für die Dauer von 8) Sitzungstagen auch von den Ausschußsitzungen aus" tze s ch l o s f e n ist. Der Präsident teilt weiter mit, daß er von den schärfsten Bestimmungen der Geschäftsordnung Gebrauch machen werde gegen solche Abgeordnete, dst durch Schreien, fortgesetzte Unterbrechungen und Gewalttätigkeiten die Amtshandlungen des Präsidenten stören ober die Redner hindern, sich verständlich zu machen Mnfe frei den Kommunisten: „Lauert ist übertroffen!")
Ms Reichskanzler Dr. St re semann das Wort er-- Hält, rufen die'Kommunisten: „Der Reichsz-rtrummererf Der Kanzler der Separatisten!" Der Reichskanzler werf! zunächst die Meinung zurück, baß die Regierung die A b ° sicht hätte, sich der Vertrauensfrage des Parlaments zu entziehen. Sie wünsche im Gegenteil möglichst bald eine Entscheidung Der jetzige Träger teer französischen Politik Poincacö bar c8 fertig gebracht, in fortgesetzter Konseauenz die Grundlagen für die gesamte politische und soziale. Zertrümmerung Deutschlands zu schaffen Da ist es erklärlich, wenn die Entwicklung in Deutschlai^ ten Extremen zutreibt . Der Kommunismus zieht seine teste Stütze aus dem Elend des Volkes, der Rechtsradi- kaiismus aus der Politik fortgesetzter natonaler Demi)- tiguiigen, denen bisher jede deutsche Regierung ausgesetzt worden ist. (Lebh Zustimmung.) Wenn man der Auslassung ist chaß das konstitutionelle Leben Deutschlands in der Auflösung begriffen fei ,so ist das gerade die Wirkung dieser Politik. (Lanke Kvischenrufe des Abg. Höllein, die vom Präsidenten lerügt werben.) T as Parlament hat es herrlich weit gebracht, daß seine Mitglieder die Achtung vor dem Parlament selbst »utergraben . (Lckh Zustimmung. ) Wir sehen keine Hoffnung, die trostlose-Lage unseres Volkes zu bessern . (Hört! Hört! bei den Kommunisten. ) Abg. H.rgt hat uns daraus einen Vorwurf gemacht, daß wir Verhandlungen mit Frankreich re ichten Rhein und Ruhr sind viel zu wertvoll, als daß »rr nicht alle Verhond!ung-mög!ichkest-n erschöpfen muß- tat, ehe wir unsere Konsequenzen ziehen Der Versuch, Ke Sachleistungen zur Reparation Heron- »UKiehen, ist gescheitert an dem Wider- stand der französischen Politik Vielleicht ist ter Versuch noch einmal möglich, wenn es zu der inter- rationalen Sachverständigenkonserenz kommt über die R?- tzarotionssrage. Die Erhöhung der Kaufkraft der deutschen Bevölkerung ist nicht nur eine deutsche Sorge, Indern eine Angelegenheit der Aufrechterhaltung normaler Beziehungen der Weltwirtschaft. (Rufe der Som» vUuristen: „Stinnes!") Mit Herrn Stinnes müssen Sie m schon persönlich unterhalten. (Rufe d. Komm: „Sie taLen doch feint Politik!") Die „Deutsche Allgem. Kftung" scheint darüber anderer Ansicht zu fein. (Heiterkeit.) Wir wollen der Welt nicht das deutsche Elend verschleiern. (Abg. Maltzahn-Komm erhält wegen eines «wariamentarischen Zwischenrufes einen Ordnungsruf.) Wir haben die charitative Hilfe des Auslandes sngernfen, und wir sprechen den Helfern den wärmsten Dank ans, vor allem den Deutsch«me ri-
nern und den Brüdern in Oesterreich. (Siure te rKommunisteu :„Die Arbeiterhilfe und das russische Lrot erwähnt er nicht!") Das Versprechen, 24 Stunden Ml dem Abbruch des passiven Widerstandes mit un? zu terhandeln ,ist gebrochen worden Es hat sich her weltgeschichtliche Skandal ereignet, daß Äankreich die Sktfranoluneen mit der verantwortlichen Ätschen Regierung ab lehnte, sodaß wir einzelne Elassen der Bevölkerung mit diesen Verhandlungen beauftragen mußten, lieber alle Einzelheiten dieser Verhandlungen mit den Industriellen werden wir gern den kteich -i - i einem Weißbuch unterrichten Wenn er« »ärr vux.;. -ran hätte diese Verharchlunaen nicht an der te-itisch - roge der Anrechnung scheitern lassen dnr- stn, so MU . ich .agen :Wir haben gesehen was sich in der I Bettgefmuhte ergeben hat aus dem Schuldbeftnntni? *»n Verfalles. Sotten wir durch irgendeine Erklärung tach noch den Ruhveinbruch legalisieren? Wenn ich taerk.nn: .daß.die Kohlenlieftrungen angerechnet werden Men irichi aus die Reparationen, sondern auf die Bezah- teng de- Ruhreinbnrchs, dann würde ich den Stu6mn6ru(61 legalisieren, und das ist ausgeschlossen Cebh. Beifall bei der Mehrheit.) Das wäre auch eine Illoyalität gegenüber unseren übrigen Gläubigern. Es Aht jetzt darum, die Grundsätze festzulegen für Eine deutsche Zukunft. Wir sind am Ende Unserer Kraft. Wir können die Mittel für • ie Erwerbslosenfürsorge nicht länger ••uf6ringen Die Politik ist in einem so geschwächten Lande wie Deutschland auf Abhängigkeit von der Wirtschaft und Währung eingestellt. Der Vorstand der «iitenbank hat seine Wünsche der Regierung nur efcenjo frorgetragen wie andere Wirtschaftsgruppen. Ich bin nicht w allen Punkten mit ihnen einverstanden gewesen. Der ®*inung bin ich allerdings chaß eine Gesunoung der Wirt- k-aft ohne eine baldige Lösung der Ardeit^ellfrage nicht
möglich ist. (Zurufe der Kommunisten0 Es ist eine quor- tanerhafte Anschauung, daß eine Verlängerung der Arbeitszeit die Arbeitslosigkeit vermehrt. (Abg. Led-bour-Unabh.: „Was Sie sagen, ist höchstens Quinta!" ) Wenn der Versailler Vertrag zerrissen ist, so geschieht das von den Mächten, die un3 nicht einmal die wenigen Rechte znbill-'gen, die dieser Vertrag gewährt. Wir wollen f-ine Lostrennung des Rheinlandes, aber wenn wir mit schwerem Herzen von einem Teil der Reichsgewalt im Rheinlaich Abschied nehmen mußten, so geschieht es in der Erwägung, daß wir unmöglich in einem Augenblick, wo die Leistungen.für unstr hungerndes Vock eingestellt werden müssen, weiter zahlen sollen an den Gegner. Die Politik, die wir zu meiner größten Entrüstung im „Vorwärts" als- Förderung sepamtischer Bestrebungen ausgelegt worden ist, hat die volle Unterstützung des preußischen Staatsministeriums unter Führung des sozialdemokratischen Ministerpräsidenten Braun gefunden. . (Hört! Hört!) In dem Augenblick, wo die durchaus im Sinne unserer Instruktionen erfolgenden Verhandlungen im Rheinlande einen Abschluß finden der dort wieder die Arbeitsmöglr'chkeit schafft, in dem -Lugenblick wird auch wieder die völlige gleiche Behandlung der Erwerbslosen im ganzen Reiche eintreten. Im besetzten Gebiet muß mehr gearbeitet werden als bisher, sonst lohnt die Produktion ''ie Kosten nicht. (Große Unruhe b. d. Kommunisten. Rufe: „Stinnes!") Was geht mich denn Herr Stinnes an? Er ist nicht der Parteiführer .sondern ich Wenn wir von den Verhandlungen im Rheinland ausgeschrltet sind, dann ist es freier, wenn diese Verhandlungen geführt werden durch Genien, in denen alle Wirtschaftsgruppen und Parteien vertreten sind. Dieser vorübergehende Abschied von der Ausübung eines Teiles der Reichsgavalt würde auch der Well den flagranten Beweis liefern, daß dort ein Okkupationsgebiet durch Frankreich geschaffen ist, das nicht einmal die Rechte eines Okkupationsgebietes hat. In welcher Form die Dinge im Rheinland geregelt werden, das ist noch nicht abgeschlossen,darauf kannich nichteingehe.n
Wir müssen aber auch an die Länder den Appell richten, ihre Kraftquellen in großem Maße zur Verfügung zu stellen. Ter Wunsch nack Ersetzung des militärischen Ausnahmezusta-ides durch den zivi'en ka n erst dann erfüllt werden, wenn Ruhe und Ordnung im ganzen Reich, eingetrettv ist Bisher konnte nur eine parzielle Aushebung in Frage kommen, nicht eine allgemeine. Tie Ereignisse vom 8. uns 9. Rov. in München müssen jeder Regierung eine Warnring fein, die Dinge soweit gedeihen zu lassen, daß die R.gftrnng-gewalt in Abbä gi k it gerät von unteranr* wörtlichen Organisationen (Beifall). Für unsere Haltung gegenüber Bayern übernehme ich die Volke Verantwortung. Wir mußten die verfassungsmäßige Landesveg erung stützen, ob sie uns politisch freundlich gegenüberstand ober nicht (Ruse- Und Sachsen). Im besetzten Rheinland Hal die im Kampfe stehende Bevölkerung es besonder^ schwer empfunden, daß gerade in diesem Augenblick durch Putsche und Aufrufe in München das Geb and- des einigen Deutschlands kaputt geschlagen wurde (Abg. Sebebour: Sie sind der Hauptschuldige Abg. Höllein: Und in diesem Augenblick lassen Sie den Exkronprinzen zurück!) Ta'ür übern.frme ich die volle Verantwortung. Es handelt sich hier um eine Frage der Menschlichkeit. Wie für den letzten Gefangenen von Avignon, müssen wir auch dem Kronprinzen seine Staatsbürgerrechte verschaffen (Abg. Tho- mas (Komm.) wird zweimal wegen fortgesetzter Zwi- fchenruse zur Ordnung gerufen und vom Präsidenten Lobe auf die Folgen weiterer Störungen hingewie- fen). Ohne die Beschlüsse der Reichs-re- gierunz amAbenddesS. November wären vielleicht die Vorgänge nicht auf Mönchen beschränkt geblieben (R> fe links: Das ist oberflächlich!). Tie bereitgestellte Reichswehr war keine Oberflächlichkeit. Tas Instrument der Reichswehr zerbricht aber, wenn die Autorität der Befehlsgewalt sich nicht durchsetzen kann und wenn die Reichs- toebr zu politischen Zwecken mißbraucht wird. Bei den bevorstehenden Bechandlungen zwischen Bayern und dem Reiche wird die Grundlage der Reichsrezie- rung sein die Rückkehr zu verfassungsmäßigen Zuständen in Bezug auf die Reichswehr und die unbe- drngte Unterstellung der Reichswehr unter die Befehls- gemalt des Reiches. Innerhalb der Reichsregierunz haben Verhandlungen darüber flattgtfnnben, inwieweit Aenderungen der jetzigen Verfassung gegenüber den Ländern — denn das ist nicht nur eine bayrische Frage — möglich sind (Unruhe links). Auch Bismarck hat aefagt, frei einer Verfassung für die verschiedenen deutschen Stämme müsse man sich aus das Gemeiusame beschränken, das unbedingt gemeinsam fein mutz. Unter großer Unruhe der Kommunisten verteidigt der Kanzler bann die Reichs-rekutive gegen Sachsen und Thüringen. Es sei notwendig gewesen, den dort vorgekommenen Terrorakten mit diesen Mitteln zu begegnen. Er betont danK die Sisftpendigkeit
ausländischer Fininzhilfe für das Reich und erklärt dazu: Msher ist nur ein Angebot von ausländischen Finanzleuten beim Vorsitzenden des Reichsgrund fre- fitzerverbandes eingegangen mit einem Barkredit vou einer Goldmilliarde. Es ift nicht meine Schuld, daß dieses Angebot die Klausel enthält, der ffireöt1 würde nur der gegenwärtigen Reichsregierung gewährt werden (Hört! Hört!). '
Nach einem ehrenden Nachruf für den verstorbenen N cichsbonkprä sident.m Havrnstetn fährt der 'Kanzler fort: Wir sind erst jetzt eigentlich in die Ltgutdation des verlorenen Krieges und Friedens etngetreten. (Zustimmung.) Deutschland erliegt dem Druck seiner Gegner. Unser einftae Waffe ist die Solidarität de« deutschen Volkes. Da darf keine Sebeidung künstln gemacht werden zwischen den sogenannten nationalen und nicht nationalen Parteien. Jetzt gebt es nicht um Ristauration oder Resolution, sondern um Evolution und Zusammenfassung. Machtpolitik kann auch fnt Innern nicht dauernd getrieben werden. Ich sage offen, daß ich den Zusammenbruch der großen Koaü- t'on bedauere. Darin Mmme ich Überein mit Herrn v Kahr, der ja auch sein Bedauern ausgesprochen not darüber, daß er bei der Bildung seines früheren Ministeriums nicht die Beteiligung der Soztaldemo- fraten sand. (Heiterkeit.) Der Parlamentarismus leidet gewiß unter den Kinderkrankheiten eines neuen Systems, aber Wenn auch dem Vorschlag des Avg. Hergt an die Stelle der Parteien die Wirtschaftsverbände treten, dann würde der reine Materialismus herrschen und nicht das Fntereffe des deutschen Volke?, sondern das einzelner Fachgruppen maßgebend fein. Zu der Kritik, die Herr Herat als Ches ver neuen Negierung (Heiterkeit) an der alten geübt hat. kann ich nur sag-m, daß ich da? Programm der neuen Regierung noch immer vermisse. Das neue Kabinett des Vertrauens ist ja noch garntcht da. Wir wünschen die schleunige Entscheidung der Vertrauensfrage. Schließlich entscheidet das Gewissen. Wir haben die Ueberzeugung, daß wir gewissenhaft unsere Pflicht getan Haven. (Lebhafter Beifall in der Mitte, Händeklatschen auf de« Tribünen.> -
Von der deutfchnationalen Fraktion ist folgender Mißtrauensantrag eing-gangen: Der Reichstag entzieht der Regierung das Vertrauen, dessen sie nach Artikel 64 der Reichsverfassung bedarf.
Reichsfinanzminister Tr. Luther schildert bann, während die meisten Abgeordneten den Saal verlassen, die ungeheure Finanzust des Reiches, die zu äußerster Sparsamkeit zwinge. Tie Stillegung der Roteuprcsse et nicht au8 freiem Willen, sondern unter dem Truck der Tatsache geschehen, daß die Markwahrmiz ihren letzten Lebenshauch hergegckben hat. Wenn es nicht geling', die Ausgaben herab u^e -eu und die Einnahmen zu erhöhen, dann gibt c8 für das deutsche Volk keine LebeuSmöglichkeit mehr. Die Rentenmark kann nicht ausgeveiiet werden, damit nicht auch sie der Inflation verfällt. Wir werden genötigt sein, eine neue energifche Steuerpolitik auf Grund des Artikels 48 der ReichSderfasfnnq durchznstzen. Diele Steuerforderungen treiben in keiner Weise niedriger sein als die meines Amtsvor-ängers Hil'erding. Selbst diese Steuern werden jur Deckung der Reichsausgaben nicht ausreichen. Wir werden bis zum 30. S-Pwmber 1924 zu einer allmählichen Heraufsetzung der Mieten kommen. Nachdem jetzt die Anzeichen einer fortschreitenden Stabilisierung unseres Geldes bemerkbar sind, werd-.n wir mit äußerster Energie gegen die Ueberschreitung iwr Goldmarkpreise vorgehen. Das deutsche Volk braucht heute den Willen zur Arbeit und zur Armut (Beifall b. d Vptz). • •
Berlin, 22. Nov. Vor Begin« der heutigen Netchstagssitzung ist das Rc'chskabinett um 11 Uhr zu Beratungen zusammengetreten, die u. a. bet Frage Der eventuellen Aufhebung des militärischen AuZnahme- z-.standeS galten- Für den Abbau deS mllilärrschen Ausnahmezustandes sprachen sich gestern der »Vosi. Zig." zufolge außer den Sozialdemokraten mich die Parteien der ArbeitSgemeiusihast aus, deren Führer eine Bespreuung mit dem Reichskanzler hatten. — Im Laufe des Vormittags hielten mehrere Fraktionen deS Reichstages Sitzungen ab.
Brrl i n, 23. Okt. Die sozialdemokrat scheReichS- tagsfrakrion hat in ihrer gestrigen Abendsitzung beschlossen, L’Iqenbcn Antrag tm Reichstag nnzubriugen:
Tre Reichsregierung hat den militärischen Aus- nahmiruftand gegen Sachsen und Thüringen, ohne daß hierfür sachliche Gründe Vorlagen, in schärfster Form angewandt. Gegen die verfassungswidrigen Zustände in Bayern aber nichts Entsch idendes getan. Sie hat daher nicht das Bettrauen deS Reichstages.
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Die Haltung der Parieten.
Wie die Blätter amt tönten, werden die Dentsch- nat tonalen für das motivierte fozialdemokratlfche Mißlrmtensvotum nicht stimmen, während anderer- feiis auch die Sozialdemokraten nicht für das allgemein gehaltene deutschnatianale Mißtrauensvotuin ibre Stimme abgeben werden. Infolgedessen bürften die beiden Mttztrauensanträge mit verschiedenen Mehrheiten abgelehnt werden und das Robinett- Strcsemann wäre auf diese Weise formell nicht zum Rücktritt gezi^ungen. Da jedoch der Reichskanzeer sich mit der Ablehnung der Mißtrauensvoten nicht begnügen Werve, würden wahrscheinlich noch in ver Rächt die Mtttelvarteien einen Vettranensantrag für das Kabinett Sttesemann formulteren w.b nach ver jpeschiMordmms müßte dieser Vertrauensantrag als
der weitestgehende zuerst zur Abstimmung gelangen. Für ihn dürften lediglich die Mittelparteien stimmen gegen ihn die gesamten Ovpositionsparltten. Der Verttanensanttag würde bet diesem Ssimmenvervält- «18 der Ablehnung vettgllen. Mehrere Bwtter führen bereit? Kombinationen für die Bildung ves neuen Kabinett« an und nennen auch einige Namen.
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Die Rede Dr. Sttrfemanns wird nut in einem Teil der Presse ausführlich rommenrtert. Die deutschnationalen Blätter kommen zu dem Schluß, daß der gesttige Tag den Bankerott des ParlamcntattSmus m-aezeiat Babe. Die demokratischen Blätter nennten zwar zu einzelnen Punkten der Ausführungen Srrefe« Manns Stellung, das .Tageblatt stimmt insbesonvert b-t Außenpolitik Stresemanns zu. kommen aber zu keinem abfchlteßenden Urteil über die Rede. Tet .Vorwärts" krfttfiert die Erk'ärnngen Sfte'cmanns t* der Frage des befetzten Gebiets, in der baverlschell Angelegenheit und die Ausführungen deS Kanzlers über den militärischen Belagerungszustand und er. Närt, daß die Mitteilungen Sttelemanns über diese drei Fragen nicht befrtebtgen konnten.
Stimmungsbild aus dem Reichstage.
Von unserem parlamentarischen Vertreter.
Nach dem Hinauswurf des kommunistischen Ab* geordneten Remmele hatte man für die Donners« tags-Sitzung aufregende Szenen erwartet. Der Reichstagspräsident hatte aber für alle Fälle die erforderlichen Vorbereitungen in einer umfassenden und strengen Form getroffen. Der ganze Reichstag war umstellt von Schutzpolizei und Kriminal« beamten, die den Auftrag hatten, den auf 20 Tage des Hauses verwiesenen Abgeordneten Remmele nicht in das Gebäude hereinzulassen, ihn gegebenen« falls mit Gewalt an dessen Betreten zu verhindern. Weiter hatte der Präsident in Erwartung ähnlicher Vergänge, wie sie sich seinerzeit im Preussischen Landtag ereignet haben, sämtlichen Parteien seinen Entschluss bekanntgegeben, unter allen Umständen die neue Sitzung zur Durchführung zu bringen. Zu diesem Zweck war der Präsident entschlossen, jeden neuen kommunistischen Ruhestörer des Saales zu verweisen, und, wenn er der Aufforderung nicht Folge leiste, mit polizeilicher Gewalt aus dem Sitzungssaal heraus zu entfernen. Die Entfernung sollte weiterhin auch auf einem Wege erfolgen, der der Oeffentlichkeit nicht zugängig gewesen wäre.
Diese überaus scharfe, aber nach Lage der Dinge unumgängliche Massnahme war allen Parteien bekannt gegeben und von allen mit Ausnahme der Kommunisten gebilligt worden. Die Kommunisten selber hatten es doch auf das äusserste zunächst nicht ankommen lassen. So konnte der Reichskanzler nun endlich das Wort zu einer in Spannung erwarteten Rede erhalten. Sie ging int grössten Rahmen vor sich unter einer erdrückenden Fülle, die auf allen Räumen des gewaltigen Saales vorherrschte. Stresemann, der sich mit einem dicken Manuskriptbündel znm Rednerpult begibt, wird von den Kommunisten mit lärmenden Zurufen empfangen mit den Worten: „Reichskanzler der Separatisten! An den Ausführungen des Kanzlers konnte man von einer Müdigkeit oder Resignation nichts bemerken. Man beobachtete im Gegenteil eine förmliche Freude und Genugtuung darüber, dass er nun endlich selber das Wort nehmen kann, um sich gegen die verschiedenen Angriffe zu vertei- ’ ingen. Er tut das mit der ihm eigenen Lebhaftigkeit und er fesselt immer wieder das Haus, dessen grösste Aufmerksamkeit er in Anspruch nimmt Eigentlich sind es nur die Kommunisten, die immer wreder durch die dümmsten Zwischenrufe ihn aus dem Konzept zu bringen suchen. Aber der Kanzler geht keinem dieser Zurufe aus dem Wege und er fertigt mit grossem Geschick und einer erheiternden Schlagfertigkeit die Zwischenrufer ab. Oft genug; hat freilich der Präsident Mühe, gegenüber de« fortgesetzten Unterbrechungen der Kommunisten < dem Kanzler das Wort zu ermöglichen, aber schliess- . lich gelingt es. ;
Der Kanzler erklärt, dass es ihm gar nicht ein« fiele, der Entscheidung auszuweichen, sondern dass i er diese Entscheidung suche! Er brandmarkt mit1 schärfsten Worten die fortgesetzte Politik der natio« ; nölen Demütigungen, die Deutschland in seiner ganzen Politik und namentlich in der Behandlung der westlichen Frage immer wieder erfahre. Er tut das freimütig und findet den stärksten Beifall im Hause. Der Kanzler erklärt, dass er es unbedingt ablehne, durch eine Unterschrift auch noch den Ruhr-, einbruch zu legalisieren. (Stürmisches „Bravo!" im ganzen Hause.) Die innere Lage kennzeichnet, er freilich gerade auf Grund dieser fortdauernd»« Unterbrechungen von aussen her als trostlos und er erklärt offen, dass er auch keinen Ausweg sehe, diese: trostlose Lage zu bessern. Das war ein wahre*; Wort, das lähmend wirkte, und die Kommunisten- rufen ihm zu: „Das ist die Bankerott-Erklärung!" ?
Im weiteren Verlauf der überaus weit aus«.