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Amtliches Verkündigungsblatt des Kreises Marburg.
Anzeiger für (das ftüheekurheffrsche) Oberhessen
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Die „Oberdesstiche Zeitung" erscheint sechsmal wöchentlich. — Bezugspreis 12.—17.11. 135 000 OuO006 Mark einschließlich Zustellungsqebiihr. Für ausfallende Nummern in?. 91t. 269 Streiks oo. element.Ereigniste kein Ersatz. — Beraz non Dr. L.hitzer»th. —Druck
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58. Mkis.
1923
Ervlte WÄ über bas Rhemlaab.
Bon unserem parlamentarischen Mitarbeiter wird uns Aiitaeteilt: t
Zn diesen Tagen müssen von der Reichsregierung Entschlüsse von unabsehbarer Tragweite gefaßt werden Es handelt sich um das Schicksal vonRhftn und Nähr, NM das Geschick des ganzen deutsHen Vaterlandes.
Im letzten Grunde geht alles, was wir in all diesen Fragen jetzt vor uns sehen, zurück auf das Problem der Währung. Die Rentenmark wird jetzt zur AnS- tzabe gelangen. Zu gleicher Zeit muß aber dir Inflation linifhören, das heißt also die Notenpresse wird stillgelegt. Das ist eine unerläßliche Voraussetzung dafür,.daß die Aentenmark durchgehalten werden kann, und daß diese »cht denselben Weg wie die Papicrmark geht. Dreie Stillegung der Notenpresse bedeutet aber auch ein Ad- stoppen aller untragbaren Reichsausgaben Zu vielen gehört die nach Anfgaüe des passiven Widerstandes, zunächst zwar etwas eingeschränkte, dann aber doch wieder in großem Umfange vollzogene Finanzierung der besetzten Gebiete. Die Hoffnungen, daß. na* Ausgabe des passiven Widerstandes die Wiederingangsetzung der Wirtschaft. durchgesetzt ttxtb^n könnte, sind bisher durch den Starrsinn der Franzosen immer wieder betrogen worden Auch jetzt ist noch kaum Gewähr dafür twrhanden, daß sie mit Wissen der Reichsregierung von der Industrie geführten Verhandlungen mit Frankreich, bei denen das Reich sowohl wie die Industrie große Verluste auf sich nehmen, zu einem Erfolg zu bringt sind. Gan; im ßsegenteil werden immer wieder neue Forderungen von Frankreich erhoben, neue.dinzs wird die Abtretung von 65 Prozent des Bestandes der deutsche n Rheinflotte verlangt. Diese und andere Forderungen lassen den Eindruck auskommnr, als wenn die Franzosen danach strebten, auch noch die Finanzierung ihres Rhein- und Rnhrrenternehmens Deutschland auf- zubürden, nachdem das Reich bisher die ganzen Lasten des Ruhreinmarsches übernehmen mußte.
Mtt dem Tag der Ausgabe der Rentenmark müssen Bare Verhältnisse bezüglich der Ausgaben des Reiches tzeschassen werden. Entweder will man die Rentenmr-k And damit den ersten Schritt zur Reform unserer Währung, und dann müssen Ausgaben, auch wenn man sie bisher für noch so notwendig hielt, eingestellt werden, oder ffter man setzt diese Ausgaben fort, und muß dann eine weitere riesenhafte Inflation und Zerstörung der Mark hinnehmen. Die Reichsregierung hat sich entschlossen, die Regelung der Währungsfrage in den Vordergrund zu fldffti. Daraus ergeben sich aber weitere Konseguenzen, Aon denen namentlich die besetzten G-biete betroffen werden Wie schwierig dort die Bechälknissc sind, ergibt sich daraus, daß das Reich zur Zeit etwa 2 Millionen Erwerbslose und nahezu dieselbe Zahl an Kurzarbeitern «nterhalten muß. Das macht geradezu fürchterliche Summen aus. die derart hoch sind, daß, wenn e? so weiter ginge in ganz naher, nach Tagen zu bemessenden Frist, die Wirtschaft von ganz Deutschland zusammenbrechen Alüßte. Die Regierung hat sich aber trotzdem bereit gefunden, die Erwerbslosenfürsorge noch für ettva 19 Tage »ach Ausgabe der Rentenmark: also bis etwa 25. November zu bezahlen.
Man muß sich klar darüber sein, baß diese Maßnahmen Von geschichtlicher Bedeutung sind. Es könnte ie ihnen ein Triumph der fogenannten Versackungstheor.e erblickt werden. Davon aber kann garnicht die Rede sein, denn dieser Vertrag wolle ja die Auflösung des Versailler Vertrages und die Loslösung von sämtlichen Ber Mchlungen, nicht nur finanzieller Art aus diesem Vertrag beraub, und die Folge hätte eine Lostrennung der besetzten Gebiete vom Reich ergeben müssen. Die Meinung ging auch dahin, daß man sich der Hoffnung hiugab. bei.’ Gebiete dann später wieder zu erhalten. Bei dem gegenwärtigen Zustand wird von der Re-ichsregieruug zwar ebenfalls erklärt, daß die finanziellen V--r- ksticht ungen aus dem Versailler Vertrag „ruhen" müßten, da Deutschland nicht mehr in der Lage sei, sie zu leisten, daß aber an der Basis des Vertrages sefoer festgehalten werden soll. Diese Stellung ist auch aus außenpolitischen Gründen und im Hinblick aus die Einstellung der Übrigen Alliierten notwendig.
Die Reichsregierung lehnt es auch auf das Entschiedenste ab, irgend welche Entscheidungen auf politischem oder gar staatsrechtlichem Gebiet bezüglich der Nheinlande oder des Ruhrgebietes zu treffen. Auch der 15er Ausschuß hat solch« Befugnisse nicht, sie betoegen sich lediglich auf wirtschaftlichem Gebiet. Wenn nun die Zahlungen für die besetzten Gebiete bei der in Wahrheit Seradezu erschütternden Finanzlage des Reiches — wer in dies» Dinge näheren Einblick hat, wird von einem form? kchen Entsetzen erfaßt —, eingestellt werden müssen, bann teitfc man andererseits der Bevölkerung der besetzten Geriete rechtzeitig Gelegenheit geben müssen, ihre wi Aastlichen Belange den veränderten Verhältnissen entsprechend anziipassen. Insbesondere werden He alle Freiheiten erhalte» müssen in der Regelung ihrer wirlschaftz- liehen Notwendigkeiten. Hier darf es dann keine sor- vleile» Bedenken mehr geben. Auch Verwaltungsbcfug- ifsse weitgehender Natur, die sich notwendigerweise auch
die besonderen Einkünfte, also auf bas steuerlich: Gel'iet zu erstrecken hätten, müßten hierbei in Frag: fommx». Es könnte so scheinen, als würde damit von' teirfix^negen ein erster Schritt zur Schaffung eines Swats- kebHdes getan. Aber auch das trifft nicht zu, die Bevölkerung muß vielmehr die weitgehendste Ermächtigung iin Regelung ihres Geschicks, vor allem also ihrer wirst- schafluchen Belange erhalten. Tas gift vor-allem auch
für die Beschaffung eines eigenen Geldes, das durch eine rheinische Währungsbank beschafft werden soll. Dieses Geld freilich wird kaum vor zwei Monaten in Umlauf gesetzt werden können, und wird, da es aus Devisen gegründet ist, nur einem Teil der Bevölkerung, der Devisen besitzt, zur Verfügung stehen. Infolgedessen muß da- fo.r Sorge getragen werden, daß solange nicht die Frage der Zulassung der Rentenmark positiv geklärt, und diese Zulassung auch unbedingt garantiert ist, daß ein besonderes Notgeld unter Bürgschaft des Reiches geschaffen wird. Diese Bürgschaft ist auch mit 60 Prozent vorgesehen, die wertbeständigen Depositen werden, jedem Zugriff sicher, in einer holländischen Bank hinterlegt.
Das sind im großen und ganzen die Fragen, die gegenwärtig der Entschließung unterliegen. Man wird es verstehen, wenn wir sagen, daß wir bicfo Dinge nur mit den allersckiversten Bedenken gegenüberstchcn, über die wir uns im Augenblick nicht näher verbreiten können. Tie Euffcheidung, die allein die Regierung zu treffen und zu verantroorten hat, ist Bitter schwer, aber bei allem was jetzt getan wird, muß das besetzte Gebiet sich bewußt sein, daß cs nicht verlassen ist, daß es nicht geopfert wird, und daß die politische Zusammengehörigkeit auch nickt einen Augenblick in Frage gestellt werden kann., • •
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Berlin, 14. Noo. Gestern nachmittag fand eine Konferenz der Reichsregierung und der Vertreter der Länder mit Vertretern der besetzten Gebiete statt. Die Reichsregierung stellte dem „Deutschen" zufolge fest, datz die ungeheure Erwerbslosigkeit im besetzten Gebiet dem Reich eine Last auferlcgt, die cs in anbetracht seiner Finanzlage nicht langer zu tragen vermag. Wie lange die Zahlungen nach dem besetzten Gebiet noch geleistet werden können, hänge davon ab, ob und wieweit die Besatzungsmächte dem Reiche die Einnahmen aus dem besetzten Gebiet etwa sperren sollten. Die Reichsregierung stellte zur Erörterung, was im besetzten Gebiet geschaffen werden könne, um der nikch der Einstellung der Zahlungen noch leidenden Bevölkerung die Möglichkeit zu schaffen, in einer Auseinandersetzung mit den Okkupationsmächten die Regelung der Wirtschaftsfragen selbst in die Hand zu nehmen. Hierbei sei von dem Standpunkt auszugehen, datz es sich an Rhein und Ruhr um eine tatsächliche Okkupation handele, die zurzeit der verfassungsmäßigen Regierung die Ausübung ihrer Hoheitsrechte unmöglich macht. Die Legalisierung des französisch-belgischen Rechtsbruches komme selbstverständlich nicht in Frage. Daher könne es sich auch niemals um die Abtretung der Hohrits- rechte an eine rheinische Organisation handeln, die zwangsläufig zur Bildung einer rheinischen Regierung führen müsse. Dazu würden das Reich und die Länder niemals die Hand bieten. Di« Vertreter der Länder bestätigten di« Auffassung der Reichsregierung, dah die Weiterzahlung von Erwerbslosenunterstütznngen über einen nahen Termin hinaus unmöglich sei. Die Vertreter der besetzten Gebiete dagegen drückten die Hoffnung aus, dah sich für das Reich doch noch Mittel und Wege finden lassen mühten, auch weiterhin die bisher an Rhein und Ruhr abgeführten Zahlungen fortzusetzen. Wenn dies aber tatsächlich auege- schloisen fei, miisi« eine rheinische Organisation mit weitgehenden wirtschaftlichen Vollmachten aus- gestattet werden, da sonst die Verhandlungen mit den Okkupationsmächten zur Wiederherstellung eines geordneten Wirtschaftslebens autzersrdent- lichen Schwierigkeiten begegnen würden. Die Verhandlungen werden in diesen Tagen fortgesetzt werden.
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Köln, 14. Nov. Die „Köln. Zig." schreib: unter der Ueberschrist „Schluß mit den unproduktiven Ausgaben!": Zur Rettung der deutschen Gesamtheit muffen die Zahlungen im besetzten Gebiet aufhören. Nach den jetzigen Berliner Verhandlungen ist der Entschluß der Reichsregierung bekannt geworden, die Weiterzahlung der Unterstützungen nach dem besetzten Gebiet und der gesamten Wiederherstellungsleistung überhaupt einzustel- l e n. Freilich wird jeder, dem ein deutsches Herz im Busen schlägt, mit einem gewiffen Grauen vor einem solchen Entschluß stehen, weil eine arbeitsame und intelligente Bevölkerung und ein schönes reiches Land damit den M a ch t g e l ü st c n fremder Gewalthaber ausgeliefert wird. Dasselbe deutsche Herz aber verlangt jetzt nach Rettung für die Gesamtheit des deutschen Volkes, das Brot und das Leben haben muß, wenn es in seinen physischen Kräften nicht mehr weiter so stark zerrüttet werden soll, datz jeder Freiheitsgedanke in ihm auf lange Zeit vollständig vernichtet werden würde. Die Ge
samtheit des deutschen Volkes, und wenn es eben nicht anders gehen soll, dann der unter eigener Verwaltung noch verbliebene Stamm des gesamten Volkes mutz am Leben erhalten werden und zwar in einem lebensfähigen Wirken und Schaffen,' sonst ist alles verloren. Auf diesem Standpunkt stehen mir heute. Deshalb ist es nur zu begrützen, datz sich endlich eine deutsche Regierung eine völlige Klarheit über die Sachlage geschaffen hat und dah sie gewillt ist, nunmehr auch danach zu handeln. Es bleibt noch die Frage, was am zweckmätzigsten für das Rheinland zu geschehen hätte. Wird die Papiermark in ein festes Verhältnis zur kommenden Rentenmark oder Eoldmark gebracht, so wird die Papiermark stabil und wir baden damit im Rheinland ein starkes Zahlungsmittel erreicht. Wird aber die Rentenmark von den Machthabern im besetzten Gebiet nicht anerkannt, vor welche Entscheidung sie aber noch zu stellen wären, so mühte zwar die Rentenmark im unbesetzten Deutschland auf schwächere Fühe gestellt werden, es wäre aber fein Hinderungsgrtmd, die Rentenmark trotzdem stabil zu erhalten. Wir werden dann sehen, ob. die Machthaber an Rhein und Ruhr auch weiter dazu übergehen werden, die stabilisierte Papiermark zu beschlagnahmen. Zn diesem Augenblick übernehmen sie zugleich und zwar vor aller Welt die allgemeine und volle Verantwortung für die Erhaltung eines einigermaßen geregelten Lebens an Rhein und Ruhr.
Köln, 14. Nov. Der Berliner Berichterftatter der . Kölnffchen Volkszeitung" schreibt s-inem Blatte nach einem Hinmft? aus die Tatsache, daß Rheinland und Ruhr- geliet durch die Schuld derjenigen, die ins Ruhr gebiet einma rschiert seie.n, einen großen ini'tschaftlichen Trümmerhaufen darstellen und Mach einer Aufzählung der letzten unerfüllbaren Forde- rnngen Frankreichs, die Reichsregierung sieht sich gezwungen. dem besetzten Gebiet mitzuteilen, daß ihre Kräfte erschöpft sind und daß sie gewisse Zahlungen nur noch wenige Tag-» über den 15 11. hinaus leisten kann. Tie Regierung weiß, welche schweren seel'sch?» Wirkungen diese Mitteilung Hervorrufen wird, aber sie bat auch das feste Vertrauen, daß die Bevölkerung an Rhein und Ruhr nicht einen Augenblick darüber im Zweifel ist, wo die wahre Schuld ist. Die Hoffnung aus Vereinbarungen mit Frankreich hat getrogen Nun muß die Reichst gierung einen Schritt tun, der ihr unvermeidlich erscheint. • Sie wird alle Leistungen au? dem Friedensvertrag einstellen, nicht weil ifo diesen Vertrag als ungültig und nicht mehr existierend kündigen will, sondern weil Frankreich ihn mit Füßen getrr ten bat. Die Wiederaufnahme der deutschen Reparationsverpflichtnn- gen ist nur möglich auf Basis deS Zustandes vom 11. Ianuar.
Köln, 14. Nov. Di: sozfoliftis.he „Rheinisch.'Zeitung'- teilt mit. die vell ge Zerrüttung d«S Wirtschaftslebens im b-'etztn Gebiet, sowie die furchtbare Gefahr, daß Hunderttausend« von Menschen buchstäblich zu n t-ißtrn drohen, zwingt zu sofortigen Handlungen. Heute ne-fmittag wird eine politisch: Abordnung ans den besetzter Gebieten, verstärkt durch einige M-inner aui dem Wir s haftsl be t mit der Rh inlardfommissiou über die zii ergreifenden Maßnahmen vershandeln.
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Paris, 14. Nov. Nach einem offiziellen Bericht hat der französische Delegierte in der Repara- tiouskommifsar erklärt, die Arbeiten des Sachver- stäudigeuausschuffes. mutzten sich auf die Abschätzung der inneren und äußeren Hilfsquellen Deutschlands und insbesondere aus die deutschen Guthaben im Auslande erstrecken. Ausgal»e der Reparationskommission würde es sein, das Programm des Sachverständigenkomitees festzufotzen, nachdem es die Bemerkungen der deutschen Delegierten zu der Frage des Sachoerständigenprogramms entgegengenommen hat.
Loudon, 11. Nov. Dem dipllma i che i Lk.ickt- ersiafter des „Daily Telegraph" zufolge ist in britischen u n b amerikanischen Kreisen eine beträchtliche Ueberraschung herorgernfen norden ttittfi den Antrag Poincares, die Untersuchung der deutschen Zahlungsfähigkeit in der Art des Bor- scklnges abzuhalten, der vom Botschafter Jusserand in Washing on unterbreitet und ton an ecilanifcie« Kabinett ber ics als zwecklos v-rvorftn wor en fei. Demselben Berichterstatter zufolge sind z wischen de-' alliierten Regierungen Verhandlungen über die Frag: ber Rncktthr des vornial'gen Kr npr'nzen nah Deut ich - land und über die Frage der Wiederaufnahme der Tätigkeit der interaffforten Kontrollkommission im Gange. Die Ansicht der britischen Kreise über rie Ruckichr des vormal gen Kronpr n ei ratt Dent'chlnnn sei, daß es ein Fehler fein wnwe. seine persönliche Wichtigkeit zu erhöhen. Was die Wi dernufnahene d.r Tä,igkeit der alliierten Kontrollrommi'sion 'anb-tressc, so werde sie als eine weit ernstere F r a 3 : äuge sehen, und als ein: Frage, die sorgfäl.ig vom dop-
p-lieu Standpunkt des Gesetzes und der Zweckmäßige leit geprüft werden müsse.
Paris. 14. Nov. Zu dem gestem von Barthoü in der Reparatienskommission ein Frachten Vorschlag, ein Sachversiändigen-Komitee nach sranzösischem Mir. fier zum Studium der deutschen Zahlungsfähigkeit „eiitznb.rnfen, schreibt das „Journal": Di e Z ustim< nning vcn Sir Bradbury ist von derarr tigen Hintergedanken umgeben, daß sik einer Ablehnung in aller Form gleich« kommt und für Deutschland eine Ermunterung darstellt, sich einet UntetfuV*' chung zu entziehen, die etwa angeorbnet würde. Irr impulsiver und quasi humorvoller Form habe et eine Kritik an der Politik geübt, die Frankreich unt Belgien befolgt hätten, um zu Genugtuungen zu gy langen. Wem als sei übrigens in so brutaler Weist bet Elegenfatz zwischen Frankreich und England irt dieser Frage zu Tage getreten. Der belgische und der italienische Delegierte hätten nicht in die Debatte et umgriffen. Die Sitzung ber Reparationskommission liefere so ben Beweis, daß Frankreich nur aus sich selbst zählen dürfe.
London, 14. Nov. In der Meldung des dipl» tnatischen Berichterstatters des „Daily Telegraph" über die Erörtening der Fragen der Rückkehr des ehe- mal gen KronprinM nach Deutschland imb die Wiederaufnahme der interalliierten Militärkontrolle in Deutschland heißt es weiter: Ter belgische Botschafter habe bei einem Besuch im Foreign Office informell der bezüglichen Ansichten seiner Regiening mitge- tcilt, die offenbar dahin gingen, daß, welche Aktion auch unternommen werde (und es scheine, daß Belgien für fine energische Aktion eintretc) sie gemeinsam von allen Alliierten unternommen werden müßte. Im übrigen hoffe Belgien vielleicht, daß England als Preis für feiste Beteiligung "Sri (eiter Akii Vn gewiff' Zugeständnisse Poincares in Sachen der Rcpurationeit und des rheinischen Separatismus erreichen werde. Ter Berichterstatter teilt In diesem Zusammenhang« mit, daß 'M Verlauf des diesbezüglichen diplomatifchc« Mcinungsauslansches Poincare den in der Pariser Presse angekündigten Vorschlag der Ausdehnung der gegenw artigen Besetzungszone in Westdeutschland und die Bes.tzr-ng Hamburgs und Bremens nicht gemacht hab«. Was nun die britische Regiening anbelange, so werde sie bei dieser Aktion nicht mitmachen, vielmehr dieselben Einwände erheben, d'.e sie seinerzeit gegen die Besetzung des Ruhlgebiets vorgebracht hätte.
P rias, 14. Nov. Die Botschafterkonserenz hat, wie gemeldet, heute weder über die Rückkehr des Kronprinzen, noch über die militärisch« Kontrolle verhandelt. Sic tritt morgen nachmittag wieder zusammen. Havas zufolge hofft man, daß die Instruktionen der alliierten Regierungen rechtzeitig in Paris eintreffon werden, damit noch in dieser Sitzung Hit Bef tzlnß gefotzt werden kann. Das „Journal des Tcbats glaickr mitteikn zu können, daß es in der Absicht der französischen Regierung liege, aufgrund der Versailler Vertrages energisch vorzugehen. £
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Untragbare Bedingungen für die Arbeit im besetzte» Erbiet.
Essen, 14. Nov. Die „Deutsche Bergwerkszeitung" nimmt an führender Stelle zu den Düffel- dorfer Verhandlungen Stellung und warnt dringend vor einer optimistischen Ausfaffung. Die Leistungen, die der rheinisch-westfälischen Industrie auferlegt werden sollen, sind so schwer und nieder- drückend, datz sie weder für die einzelnen Unternehmungen noch für die Bevölkerung tragbar er- cheinen. Die Vertreter der Wirtschaft werden es sich wohl überlegen muffen, ob sie Verträge ein- gehen können, die nicht allein für sie, sondern-für die gesamte Bevölkerung an Rhein und Ruhr von den verhängnisvollsten Folgen sein können. Rach dem Abbruch des passiven Widerjtandes glaubten die Jndustrieführer, die Wiederbelebung der Wirt- ichast durch Zusammenarbeit mit den Franzosen herbeiführen zu können Sie batten den besten Willen, ihre ganze Tatkraft und ihre Sachkenntniffe in ben Dienst dieser Aufgabe zu stellen. »Heute aber mutz ernstlich bezweifelt werden, ob dieses Ziel auch nur vorübergehend erreicht werden kann. D i e von den Franzosen g e ft eilten Bedin« g.ungen sind derartige, datz die Wie» derinbetriebnahine der Bergwerk« auf einen längeren Zeitpunkt ausgeschlossen erscheint. Selbst die schwachen Versuche zur Wiederaufnahme der Arbeit, die von den verschiedenen Konzernen auf Grund der Verträge, die autzerhalb des Rahmens der Gemeinfchaft der Hütten und Zechen abgefchloffen wurden, erweisen sich he»te , ch 0 n a l s u n t r a g b a r.
- Die Eisenbahnrrgie.
P a rj 5, 14. Nov. Nach einer HavaLMeldung aus Düffeldorf hat die franzöfifch-belgifche Eisen»