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; Amtliches VeMndigungsblatt des Kreises Marbmg.

Anzeiger für (das früherffurhesiischej Oberhessen

Ät.268

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Marburg

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58. $ain.

1923

Sie IiMMlWe LW.

Aus Berlin wird uns von unserem parlamentarischen Vertreter mitgeteilt:

Trotzdem die Sozialdemokraten sich für eine sofortige Berufung des Reichstages ausgesprochen haben, ist nicht Hamit zu rechnen, daß ein Zusammentritt des Reichstags in den nächsten Tagen erfolgt. Die gcsamtpolitische Situa­tion des Reiches im Innern und nach Außen lassen es im zegenwärtigen Augenblick nicht für wünschenswert erschei­nen, in parlamentarisch« Debatten «inzutreten. Nach Lage der Dinge muß man damit rechnen, daß bei einem Zu- sammentritt des Reichstags von den verschiedensten Seiten Interpellationen über die Vorgänge in Bayern eingebv.icht werden, deren Erörterung zu den unangenehmsten Rück- «irkungen in Bayern selber führen würden. Die Reichs- regierung ist der Auffassung, daß die Dinge in Bayern sich zunächst selber ausreisen müssen.

Ganz besonders schwüTig aber wird das Problem des Zusammentritts des Reichstags angesichts des Standes der Regierungskrise. Das Kabinett Stresemann hat zur Stunde überhaupt keine parlamentarische Basis. Durch hie Stellungnahme der Deutschnationalen zu den Vor­gängen in Bayern ist bei der Deutschen DolkSpactel so­wohl, wie beim Zentrum und naturgemäß auch bei den Demokraten jede bis dahin noch vorhandene Neigung für ein Zusammenarbeiten wieder ausgeräumt worden. Nrichs- tegswahlen in diesem Augenbl-2 vorzunehmen, hätte aber ebenfalls ckinen Sinn, da kaum daran zu benten wäre, daß sich klare Mehrheitsverhältnisse ergeben würden. Nie die Dinge liegen, würde nur eine Stärkung der Radi- kalcu von äußerst rechts und links unter Zcrreibang der Mitte herauskommen. So hat sich in den Kreisen der bürgerlichen Parteien der Mitte die Auffassung verstärkt, daß bis auf weiteres die Regierung Stresemann weiter im Amte bleibe, und daß sie, wie bisher, versuche, die brennenden Fragen der Wirtschaft und Währung mit ec- höbter Aktivität in Angriff zu nehmen . Rach dieser Rich- tenn hin deutete auch die Ernennung des Bankdicektors Schacht zum Währungskommissar. Das Just'z- und das Wiederausbauministerium sollen vorläufig unbe'etzt blei­bt n. Die Ernennung des bisherigen Duisburger Ober­bürgermeisters Tr. Jarres zum Jnnenm.nister b.d.'ntet, da Jarres dem rechten Flügel der Deutschen Vollspur.ei ange» hört, eine. Verstärkung der Rechtsrichtung im Kabinett. Allerdings kann nicht verschwiegen werden, daß die Er- »enuuug des Dr. Jarres in weiteren Kreisen der Be- tölkerung der besetzten Gebiet: als ein Mißgriff angesehen wird. Parlamentarisch werden also die Dinge vorläufig Auf dem gegenwärtigen Stande bleiben.

• «

Berl in, 13.Nov. Im Reichstag tagte heute her Borstand der sozia ldemokratischen Frak­tion, der über eine Entschließung aus sofortige Einbe­rufung des Reichstags beriet. Di« Sozialdemo­kraten haben den Wunsch, daß der Reichstag alsbaL, in bie Zage gesetzt wird, die politische Lage zu erörtern. Ter Frak-ionsvorstarch kam noch nicht zu einem endgültigen Beschluß. Es soll vielmehr über die Mi^akitäten der Ern- dernsung auch mit dem Reichskanzler tottttr verhandelt werden.

Von ten Deutsch nationalen ist bereits vor eini­ger Zeit im Skeltestenrat der Wunsch auf Einberufung des Reichstages geäußert worden. Nunmehr haben auch die Kommunisten einen solchen Antrag an den Aeichstagspräsidenten gestellt. Angesichts des Verlau­sens mehrerer großer Parteien wird der Ael testen rat toraussichtlich am Freitag darüber Entscheidung treffen, »nd es ist möglich, daß am Dienstag nächster Woche das Plenum tagen wird. Bon anderer Sette wird allerdings angesichts der ungeklärten politischen Lage die Einberufung des Reichstags zum jetzige« Zeit- punkt nicht für geeignet gehalten. Bei der politischen Aussprache würden zweifellos die Zustände in Sachsen And speziell in Bayern von verschiedenen Seiten scharfe Angriffe gerichtet werden, die einerseits den der- ftissungsmäßigen Gewalten in Bayern neue Schwierig-- Aiirn bereiten und auch das Verhältnis Bayerns ;nm Mich schwieriger gestalten würde«. Es wird also den Aerschiedcnen Seiten für zweckmäßig gehalten, den Reichs- Ag erst zn einem geeigneteren Zeitpuull zusammenzube- Ulfen.

Die Fraktion deS Zentrums beschäftigte sich in ihrer heuttgen Sitzung vorwiegend mit der rheimsch-west- Uskchen Frag« und wird morgen darüber weiter bemten, «chdcm heute nachmfttag der 15er-AuSschuß aus Ver­tretern dieser Landestelle verhandelt haben wird. Den Verhandlungen dieses Ausschusses wird in politische« Kreisen die größte Bedeutung bei gemessen. In den späten Abendstunden werden sich noch einzelne Fraktionen mit dem Ergebnis der Besprechungen dieser Ausschusses be­schäftigen. Auch der Reichskanzler und der Mini­ster sürdie besetzten Gebiete werden heute a«,nd »och die Presse empfangen, sodaß mit wichtigen Eni» ßheidungen in der rheinischt4v«stsälischen Frage in der «ächsteu Zeit zS rechnen ist.

Auch der Fraktionsvorstand der Demokratischen Partei trat heute nachmittag zu einer vertraulichen Besprechung zusammen.

Die Sozialdemokratie verlangt.

Berlin, 13. Nov. Der Borstand der sozial­demokratischen Reichstagsfraktion nahm gestern zu den aktuellen politischen Fragen Stellung. Er war, sie der „Vorwärts" meldet, einmütig der Auffas­sung, daß in Bayern in jeder Beziehung verfassungs- Räffige Zustände geschaffen werden mühten. Ins­besondere muffe die Freiheit der Presse wiederher- stestellt werden. Von reichswegen sollte ein Straf»

verfahren gegen Ludendorff und Hitler wegen Hoch­verrats gegen das Reich eingeleitet werden. Der Vorstand nahm weiter von den sächsischen und thü­ringischen Beschwerden gegen die Handhabung des militärischen Ausnahmezustandes Kenntnis und be­auftragte die Fraktion führer, diese Beschwerden ge­gen die Reichsregierung zu vertreten. Die Frak­tionsvorsitzenden wurden ferner beauftragt, gegen die beabsichtigte Einstellung der Erwcrbslosengelder und sozialen Unterstützungen im Rhein- und Ruhr­gebiet schärfstens Stellung zu nehmen, da die Ein­stellung der Unterstützungen weite Kreise der Be­völkerung dem Separatismus in die Arme treiben würde. Die Sozialdemokratie verlange von der Reichsregierung, dah sie die äußersten Anstrengun­gen mache, um das Reich in den ihm nach dem ver­lorenen Krieg gebliebenen Grenzen zu erhalten. (!) Der Fraktionsvorstand beauftrage feine Unter­händler, in der Parteiführerbesprechung mit dem Reichskanzler, die in den nächsten Tagen stattfindet, diese Gesichtspunkte mit aller Entschiedenheit zur Geltung zu bringen.

Keine Einberufung des Reichstags.

B e r l i n, 13. Rav. Zu der Forderung der So­zialdemokraten auf Einberufung des Reichstages hören die Abendblätter, daß di« Reichsregierung angefichts der ungeklärten Lage in Bayer« es für inoppertun hält» de« Reichstag im gegenwärtigen Augenblick einzuberufe«.

Gehler bleibt.

Berlin, 13. Nov. Die AuslandsmeDungen Über ein Rücktritts gesuch deS Reichswehrministers Dr. Geßler, der der demokrattschen Partei angehört, sind, wie wir »uverlässi- erfahren, völlig aus der Lust ge­griffen. L * •.

Die rheinisch-westfälische Frage.

Entscheidende Beschlüsse der Reichsregierung gegenüber dem besetzten Gebiet find nunmehr ge­faßt worden. Da mit dem Tage des Inkrafttretens der Rentenmark der Druck der Papiermark auf­hören muh, wenn die Rentenmark nicht ebenso zu­grunde gehen soll wie die Papiermark, hat die Reichsregierung beschlossen, von diesem Zeitpunkt an die bisher geleisteten Zahlungen einzustellen. Die Zahlungen für die Erwerbslosenfürsorge sollen noch bis zum 25. November weiterbezahlt werden. Man hofft, dah bis dahin die Wirtschaftsabkommen mit Frankreich unter Dach und Fach find. Der Be- schluh ist nicht als ein Erfolg der Bersackungsidee anzusehen. Was die wirtschaftlichen Belange an­geht, so erhält das besetzte Gebiet die Freiheit, die erforderlichen Schritte von sich aus vorzunehmen.

Berlin, 13 Nov. Dem „Deutschen" zufolge hat die Besprechung mit Vertretern der Länder und der be­setzten Gebiete heute vormittag 11 Uhr in bet Reichskanzlei begonnen. Die Besprechung war notwen­dig durch die Finanzlage des Reiches und die Weige­rung der stanzöfischen und belgischen BesatzungSbe- Hörden, das Wirtschaftsleben des besetzten Gebietes wieder in Gang zu setzen. Das Blatt glaubt, daß Be­schlüsse sowohl von wirtschaftlich als auch von politisch größter Bedeutung gefaßt würden.

Berlin, 13. Nov. Die schwere Finanznot des Rei­ches zwingt die Reichsregierung d-ru, noch auSstebend? geldliche Leistungen möglichst bald ststzustcllen. Es ist oaher auch für die aus dem besetzten Gebiet seit dem 11.1. auSgewiesencn Beamten und Privatpersonen zur Anmeldung der erlittenen Sachschäden, d. h. Schäden an den zu ihrem Hausrat gehört g-n Gegenständen, wozu als» nicht allgemeine Geschästsschäden ufw. gehören, eine Frist von einem Monat nach dem Bekanntwerden des Schadens- salles gesetzt. ES franbelt sich natürlich nur um die An­meldung tetjeniyn Schäden, die eichgültig feststehen. Bei denjenigen Sachen, deren endgülriger Verlust oder Be- schÄngung der Ausgewiesenen noch nicht bekannt sind, kraucht ein Schaden, auch vorsorglich, nicht angemeldet zu werden Beamte und diesen gleichstehend« Personen habn die Anttäge innerhalb der Frist ihrer vorgesetzten Dienst­behörde, wovon sie betreut werden, ausgewiesene Nicht- beamte durch die zuständigen Rote-Kreuzstellen der Reichs- entschädigungsstelle in Kajsi einzureichcn. Die Frist ölecht gewähtt, wenn, die Eingabe am letzten Tag« dec Fnst zur Pvst^gegeben ober bei der zuständigen Stelle cinz-rcicht wird. Für die jetzt noch" jestzustgeichen Schäden beginnt bk Frist mit dem 11. November und endet mtt dem 14. November.

Berlin, 13. Nov. Tie Reichs reg strunz wirb in den nächsten Tagen eine Verordnung veröffentlichen» wo­nach die Einlösung der Reparationsgut­schein e, di« in England auf Grund der „German Repa­ration Recovery Art" ausgestellt werden, ausgesetzt wird. Tie Gutschttne aus lausenden Betträgen werden wttterhin eingelöst, wenn sie bis zum 31. März 1924 vor­gelegt werden. Doch erfolgt die Entschädigung im allge­meinen nicht mehr in Bar, sondern gegen aus Gvldmark lautende Schatzanweisungrn. . .

Sin MMHknnMWtt.

Das Wolff-Buro hatte uns gestern gemeldet, datz Dr. Schacht zum Ernährungsminister ernannt sei. Es war zwar unwahrscheinlich; es stand aber mit dürren Worten da und in der Zeit der un­begrenzten Möglichkeiten von heute, wo ein öster­reichischer Arzt deutscher Finanzminister werden kann, ist schließlich nichts mehr unwahrscheinlich. Heute wird freilich gemeldet, daß Herr Schacht nur Währungsminister ist. Hoffentlich sorgt er auch da für unsere Ernährung.

B e r l i n, 13. Nov. Dr. Hjalmar Schacht wurde zum Reichswährungskommiffar ernannt. Dieser Posten wurde geschaffen, weil die Währungsfragen zurzeit einen derartigen 9fynim in den Aufgaben der Reichsregierung einnehmen, daß die beteiligten Refforts, insbesondere der Finanzminister, nicht mehr in der Lage wären, ohne Benachteiligung ihrer übrigen ebenso dringenden Obliegenheiten die Verantwortung weiterhin allein zu tragen. Da andererseits die Reffortarbeit in vollem Umfange erhalten bleiben mutz, so ist der Reichswährungs­kommiffar der Reichsverwaltung in der Form bei­geordnet, datz alle Matznahmen auf währungs­politischem Gebiet vorbehaltlich der Rechte des Reichskabinetts seiner Zustimmung bedürfen und datz er der Reichsregierung für die rechtzeitige An­ordnung der Maßnahmen verantwortlich ist. Der Währungskommiffar hat beratende Stimme im Reichskabinett. Schacht wurde für den Posten des Reichswährungskommiffars gewählt, weil seine Tä­tigkeit im Währungs- und Bankwesen ihn für diese außerordentlich wichtige Aufgabe besonders geeignet erscheinen läßt.

Bit kW In Wen.

München, 14. Nov. Die Korresp. Hoffmann meldet amtlich: Der Ministerrat hat sich mit den Vorgängen der letzten Tage und der gegenwärtigen Lage beschäftigt. Der Putschversuch vom 8. No­vember hätte, wenn es nicht gelungen wäre, ihn niederzuschlagen, das Volk und den Staat, das Reich und Bayern ins Unglück gestürzt. Die Staatsregie­rung beklage die Opfer dieser Wahnsinnstat. Tie Reichsregierung hat am 8. November die voll­ziehende und alle militärische Gewalt in der Hand des Generals v. Seeckt vereinigt. Die besonderen Verhältnisse in Bayern erfordern, datz der bayrische Ausnahmezustand fortbcstcht und die gesamte voll­ziehende Gewalt in einer Hand zusammengefatzt bleibt. Die Staatsregierung fordert die gesamte Bevölkerung auf, in der Verwirrung dieser Tage das Staatswohl über alles zu stellen und die Staatsregierung mit dem Generalstaatskommiffar in der Festigung der staatlichen Ordnung und der Rettung des nationalen Gedankens zum Besten un­seres deutschen und bayrischen Vaterlandes zu unterstützen.

München, 13. Nov. Vielfach wird das Ge­rücht verbreitet, datz Ludendorff am 9. November noch am Mittag nichts davon wußte, datz Kahr, Loffow und Seitzer mit der Reichswehr und der Landespolizei gegen den Hitterputfch ständen. Dem­gegenüber wird voni Wehrkreiskommando amtlich feftgestellt: Oberst Leupold, der die Infanterie­schule leitete, teilte am 9. November gegen 5 Uhr morgens Ludendorff und Hitler persönlich mit: Kahr, Loffow und Seitzer halten sich an ihre Zusage im Bürgerbräukeller nicht gebunden, weil sie unter Zwang abgegeben wurde. Die 7. Division steht nicht hinter der Unternehmung Hitlers. Sie wird nötigenfalls gewaltsam die Ordnung wiederher­stellen. Hierzu würden auch Truppen herangezogen. Diese Weisung ist im Auszug zwischen 12 und 1 Uhr nachts telephonisch an die Infanterieschule gekom­men und mit (Oberst Leupold) von Loffow persön­lich bestätigt worden. Ludendorff und Hitler er­suchten Leupold, den General Loffow umzustimmen, wobei Hitler betonte, datz er zu kämpfen und zu sterben bereit sei. Leupold erwiderte, datz er an eine Aeuderung des Entschlusses des Generals Loffow nicht glaube. Er würde wiederkommen, wenn Loffow es für nötig halte. Gegen 6 Uhr vor­mittags meldete Leupold dem General Loffow, bei dem sich auch Kahr und Seitzer befanden, den Inhalt seiner Mitteilung an Ludendorff und Hitler. Dem­nach erhielten Ludendorff und Hitler am 9. No­vember vormittags 5 Uhr durch einen Obersten der Reichswehr Kenntnis, daß die Fortsetzung ihres Tuns zum Zusammenstoß mit der bewaffneten Macht führen müßte.

München, 13. Nov. Die Vertreler bet vater­ländischen Kampsverbände waren am Montag beim Generalflaatskomnttssar, wobei sie di- unbedingte Notwendigkeit betonten, daß Herr v. Kahr di« volle

durch ketnettet Bindung gehemmt« vollziehend« Staatsgewalt ausübe. Sie sordetten eine Amnestie für alle anläßlich deS PntscheS erfolgten Vergehe».

M ü n ch e n, 13. Nov. Die „Münch N. N." mel­den: Die Jnfanterieschule in München ist auf Wei­sung von Berlin vorläufig.geschlossen worden.

München, 13. Nov. Ein Aufruf des Mün­chener Bürgerrates fordert die Bürger auf, sich ge­schloffen hinter die Regierung zu stellen.

München, 14. Nov. Die verbreiteten Ge­rüchte, daß die Standgerichte bereits in Tätigkeit gesetzt und bereits Todesurteile gefällt worden feien und Hitler bereits zum Tode verurteilt und erschossen worden sei, sind, wie die Korr. Hoffmann feststellt, erfunden. Bis jetzt sei überhaupt noch kein Standgericht zusammengetreten.

v. Knilling nicht in Berlin.

München, 13. Nov. Die amtliche Pressestelle bezeichnet die Blättermeldung, daß Ministerpräsi­dent. v. Knilling nach Berlin gereist sei, als falsch.

Berlin, 13. Nov. Bayern hat nach einer Privatmeldung es abgelehnt, den Ludendorff— Hitler-Putsch zur Aburteilung an das Reichsgericht oder den Staatsgerichtshof $tt überweisen.

München, 13. Nov. Nach eure Meldung r „Vorwärts" fand am Monirg n .i? tu der dorn gen Universität Jne Stud-t'icnv -ttamm.ung ««tt, In der die Stimmung noch <rrr ucr zewsien fein toll als am Sonnabend. Die beiden Rektoren der Universität und d't Technisch?» tzipchi - sowie :wei Pro,eyoren ver­suchten vergeblich ans die Studenten b-ruyig.nd »i wirken. AiS -xiter Redner ! rach Ko?Ehr­hardt, der erklärte, er stelle 'ich an die Spitze der nationalen Revolution und bitte die vaterländischen Verbünd«, sich ibm anzuichließen. Hinter ihm stände« bereits außer seinen eigenen Organtsalione« der Bund Oberland und die Magyaren. Die große Mehr-- bett der Versammelten schlossen sich tym an. Hierauf zogen die Versammelten auf die Straße und versuchte« einen TsmonstrationSzug zu bilden, der aber sosott durch Reichswehr auseinandergetrieben wurde. Da­raufhin ettolgte die bereits gemeldete Schließung der Universität auf 3 Tage.

München, 13. Nov. Am Montag abend kam eS im Stodtinnern abermals zu Ansammlungen, bet denen es aber zu keinen Zwischenfällen kam. Vom 12. av sind Tdeater-, Musik- und Lichilptelauffuhrungen wieder gestattet. Am Montag hat sich ein Ministcrrat mit der durch die Vorgänge der letzten Tage ge­schaffenen Lag: besaßt. Gegenüber in der Provinz verbreiteten Gerüchten, der Genralstaatskommissar sei von nächster Stelle zum Rückttiit bewöge»» worden, verlautet, daß v. Kahr besonders jetzt, wo die ganze Berantwortttng ruhe, nicht daran denke, sein Amt zu verlassen.

München, 13. Nov. Bei einem Zusammen­stoß dcr Studenten mit der Reichswehr vor bei Universität wurde u. a. Geheimrat Prof. Sauer­bruch durch einen Kolbenschlag auf den Hinterkop! verletzt. Er mutzte sich ins Krankenhaus begeben.

München, 14. Nov. Der bisherige militärische Führer des Deutschen Kampfburtd-s, Oberleutnant Kriebel, ist aus München geflüchtet.

Hitler verhaftet.

München, 13. Nov. Wie der „Bayr. Staats« zeitung" amtlich milgeteilt wird, bestätigt es sich, datz der Führer bete Nationalsozialisten Hitler am Sonntag abend in einer Villa in Ufsing am Staffel­see verhaftet worden ist. Wie hier zu erfahren war, erfolgte die Veryafung durch Landespolizei in der Villa Hanfstängl. Sodann wurde Hitler im Auto unter Bewachung von Uffing abtransportiert. Ec hat eine Prellung an der Schulter.

Beerdigung der Opfer.

München, 13. Nov. Die Opfer des Zusam­menstoßes der Hitlergardisten mit der Reichswehr vor der Residenz wurden heute auf verschiedenen Friedhöfen beerdigt. Eine gemeinsame Beerdigung hatten die Behörden nicht zugelassen Es waren umfaffenbe Sicherheitsmaßnahmen getroffen wor­den. Der Stadtrat veranstaltete heute vormittag eine Teilnahmekundgebung für die Opfer des Zu­sammenstoßes, bei der Bürgermeister Schmid dem Mitgefühl des Stadtrates für die Familien bet Ge­fallenen Ausdruck gab.

Der Flieqerhauptmann Göhring, Ritter de» Pour le merite, bet Führer von Hitlers Sturm­trupps, ber bei dem Zusammenstoß am Odeonsplatz verwundet wurde, ist seinen Verletzungen erlegen.

München, 13. Nov. Wie aus einer Erklä­rung General Ludendorffs hervorgeht, hat sich dieser entschlossen, sich in Untersuchungshaft zu be­geben, da et in der Weigerung bet Staatsanwalt­schaft, an dem Begräbnis der an seiner Seite ge­fallenen Männer teilnehmen zu dürfen, einen Bruch der ihm gegebenen Zusicherung erblickt.

Ehrhardt Hitlers Nachfolger.

München, 13. Nov. Die Brigade Ehrhardt, Befehlsstelle Koburg, teilt zu verschiedenen Presse­meldungen mit: Es ist unwahr, datz die Brigade