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Amtliches Verkündigungsblatt des Kreises Marburg.

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Anzeiger für (das früher kurhesfische) Oberhessen

Die „Obeibesfilche Zeitung" erlckeint iecksmal wöckentlick. — Dezugsvieir 5.11.-10 11

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40 000 OVO COO Mark einschließlich Zustellungsgebühr. Für ausfallende Nummern int.

Streite o». element.Lreigniüe kein Eriatz. — Bei von Dr. L. Hitze rotd. — Druck * der Univ.-Buchdruckerei von Jod. Lug. Koch, Markt 21,23. — Fernsprecher SS,

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58. Ml 1923

Aufgrund Artikel 48 ich wi, folgt:

§ 1. Die Ausübung siebenden Oberbefehls

Be- x, daß iitttnbe svcrein ächsten Kon- tzt der n-Mch. aß der m Ge- höchjke fianis- . zwei so fe­en flt» inrgo; i Ber- s Un­it!

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des mir versafsungsmStzig zu­über die Wehrmacht des

Die in Berlin arüvesrnden Reichsiagsabgeordneten der deutschnationalen Fraktion hielten gestern nach­mittag eine vertrauliche Besprechung über die gegen­wärtige Lage ab. Den Blättern zufolge wurde fe- chlossen, sämtliche nicht in Berlin anwesenden Frak­tionsmitglieder telegraphisch zu einer Fraklionssitzung zusmnmenzuberusen, die feute nachmittag 3 Uhr statt» iinfen fache. r -

Laut ,,Deutscher Allg. Ztg." tritt die Druffche Volkspartei heute vpr mittag zn einer Fraktionssit- zuug zusammen.

die Pfficht habe, sich mit einer Lage zu beschäftigen, die, wenn sie sich entwickele, zu nichts weniger führen könne als zur Errichtung einer Militärdiktatur, die nach Acußc- rungen ihrer Anhänger die Annullierung des Friedens­vertrages von Versailles, die Einstellung der Repara­tionszahlungen und die Vorbereitung eines Revanche- krieges bezwecke. Die französische Regierung könne sich nicht gleichgültig gegenüber einer Lage zeigen, die ge­eignet sei, eine ernste Entwicklung herbeizuführen. Der Botschafter solle der deutschen Regierung sagen, daß unter den gegenwärtigen Umständen alle Wünsche der fran­zösischen Regierung dehin gingen, daß die Konsolidierung einer wahrhaften Demokratie in Denischlaild erfolgen möge, die nach ihrer Ansicht das beste Pfand für den Frieden Europas und die Prosperität Deutschlands sei. — Das ist ja wutlderschön, nur hat Poincare alles ge­tan, um diese Regierung zu verhindern!

Reiches übertrage ich aus de» Ehef der Heeresleitung General v. Seeüt.

8 2. In Abänderung meiner Verordnung vom 26. 9. 1923 übertrage ich die vollziehenden Vollmachten an­stelle des Reichöwehrministers beui Chef der Heeres­leitung General v. Steift, welcher alle zur Sicherung des Reiches erforderliche« Maßnahmen zu treffen hat.

8 3. Die Verordnung «ritt sofort in Kraft.

Berlin, 8. IL 1923.

Gegengezeichnet: Der Reichskanzler Dr. Stresemann. Der ReichSwehrminiller Dr. Getzler.

Berlin, 9. Roo. Die Reichsregierung hat wegen 6er Absetzung der verfassnngsmäßigen bay­rische« Regierung de« gesamten Verkehr nach Bayer« eingestellt. Irgendwelche Leistungen des Reiches für Bayern finden bis zur Wiederherstel­lung verfafsungsmähiger Zustände nicht «ehr statt.

Berlin, 0. Rov. Der Reichswehrminister er- lätzt unter de« 9. 11. folgende Verordnung:

Das Verbreite« ««derer als amtlicher Nach­richten über die Münchener Ereignisse wird hier­mit verboten. Zuwiderhandlungen werden nach § 4 d-r Ausnahmeverordnung bestraft und führen zu« Verbot der Zeitung.

Sin AMI in MmmmT

Berlin, 9. Nov. Die deutsche Reichsregie­rung erläßt folgenden'Aufruf:

An das deutsche Volk!

3n der Zeit größter außen- und innenpolitischer Bedrängnis haben sich Verblendete ans Werk ge­macht, um das Deutsche Reich zu zerschlagen. In München hat eine bewaffnete Horde die bayerische Regierung gestürzt, den bayerischen Ministerpräsi­denten v. Knilling verhaftet und sich angemaßt, eine Reichsregierung zu bilden, den General Luden- dorsf zum angeblichen Befehlshaber der deutschen Armee, Herrn Hitler, der erst vor kurzer Zeit die deutsche Staatsangehörigkeit erworben hat, zum Leiter der Geschicke Deutschlands zu bestimmen. Es bedarf keines Hinweise» daraus, daß diese 'Putsche beschlüße null und nichtig sind. Wer diese Bewe­gung unterstützt, macht sich zum Hoch- und Landes­verräter. Statt unseren Brüdern im Rheinland und an der Ruhr zu helfen, die für Deutschland kämpfe", stürzt man Deutschland ins Unglück, ge­fährdet die Ernährung, bringt uns in die Gefahr eines feindlichen Einmarsches und zerrüttet alle Aussichten auf die Anbahnung wirtschaftlicher Ge­sundung. Die letzten Maßnahmen der Reichsregie­rung auf währungspolitischem Gebiet haben dazu geführt, daß die Mark im Auslande in den letzten 24 Stunden um das Vielfache gebessert hat. Alles ist dahin, wenn das wahnsinnige Beginnen Erfolg Hai, das in München versucht wird.

In der Schicksalsstunde des deutschen Volkes und Deutschen Reiches fordern wir alle Freunde des Vaterlandes auf, sich einzusetzen für die Bewahrung der deutschen Reichseinheit, deutscher Ordnung und deutscher Freiheit.

Alle Maßnahmen für die Riederkämpfung des Putjches und die Wiederherstellung der Ordnung sind getroffen und werden mit rücksichtsloser Energie durchgeführt.

Der Reichspräsident: gez. Ebert.

Die Reichsregierung:

gez. Dr. Strefemann, Reichskanzler.

Zu ber Ablehnung der Bayr Bo'kspartei schreibt das, Organ dos Vorsitzenden der Partei, Heid, der „Rcgensb. Anzeiger": „Man kann von der B«oer sch?;, Vv.kspartei nicht verlangen, sich an einer Reichsregiernng zu betätigen, deren Führer politisch abgewirtschastit hat, wie Dr. S treff mann. Solange sich an der Zusammensetzung der preußischen Regierung nichts geändert hat, solang: besteht keine Gewähr dafür, daß der sozialistische Einstutz auf die Reichs reg ierung tatsächlich zu Ende ist. — Wenn es Herrn Dr. Stresemann tatsächlich um eine Neu Orientie­rung der Politik zu tun ist, dann wäre es dessen erste Mlicht gewesen, mit seiner Person einer solchen Entwick­lung mcht im Wege zu sichen. Solange er dies mcht tut, verdient er fein Vertrauen, da es sich bei der äugen- «blicklichen Abkehr von der Sozialdemokratie um ein Prin­zip handelt."

den-r dieser Dank stehe morgen schon im Buche der deutschen Geschichte verzeichnet. General Luden- dorft übernahm die Leitung der deutschen natio­nalen Armee, deren Aufgabe es sein muffe, die schwarz-weitz-rote Kokarde, die die November-Revo­lution abgenommen hat, wieder zu Ehren zu brin­gen und die Armee zu neuen Siegen zu führen. Diese Stunde müsse den Wendepunkt in der deut­schen und in der Weltgeschichte bedeuten.

Französischer Einspruch.

Paris, 8. Nov. Der „Temps" teilt mit: Wie wir angekündigt haben, sind dem französischen Botschafter in Berlin Instruktionen zugegangen, die deutsche Regiernng davon in Kenntnis zu setzen, daß die französische Regie- psung die Bildung einer diktatorischen Regierung in Deutschland nicht dulden würfe.

Paris, 8.Nov. Die Havas-Agentur veröffentlicht dazu eine offiziöse Erklärung: Dieses Telegramm habe keineswegs den Eharatter einer Drohnote. Die franzö­sische Regierung wolle sich in keiner Weise in die inneren Angelegenheiten Deutschlands einmischen, daß sie aber

61 tt 11 g »1? t, 9. Rov. Das Wehrkreiskom­mando 5 teilt mit: Der Kommandant von Bay­reuth meldet: General v. Lossow und Eeneral- staatsLrmmiffk« v. Kahr bekämpfen Hitler. Bayerische Truppen aus Südbayern werden zum Kampfe gegen Hilter herangezogen.

Stuttgart, 9. Rov. Berordnung des Mili­tärbefehlshabers im Wehrkreiskommando 5: Zn München ist die verfassungsmäßige Regierung ge­stürzt. Hitler erklärte sich zum Reichskanzler. Ee- neralstaatskommiffar v. Kahr und General v. Los­sow bekämpfen Hitler. Zm Reiche hat allein Ge­neral v. Seeckt, der die vollziehende Gewalt über­nommen hat, zu befehlen. Die Reichswehr ist mobil erklärt. Zusammen mit der Landes­polizei wird sie jeden llebergriff der Münchener Vorgänge verhindern «nd zugleich jede Einmischung ungesetzlicher Kräfte unterdrücken. Zch verbiete ausdrücklich jede Bildung oder Zusammenführung von Selbstschutzverbänden oder ähnlichen Organi­sationen. Zuwiderhandlungen werden schwer be­straft.

Der Militärbeschlshaber des Wehrkreises 5: . gez. Reinhardt.

Letzte Stiegt» zu tzen MMm io Layem.

Stuttgart, 9. Roo. Durch Fuukspruch hat der Oberbürgermeister von Nürnberg mitgeteilt: Herr v. Kahr, General o. Lossow und Oberst Seisxe« haben erklärt, daß ihre Zustimmung zum Vorgehen Ludendorffs und Hitlers heute nacht e r - preßt worden feien und daß sie die Bewegung in jeder Beziehung ablehnen. Sie hoffen «och im Laufe des heutigen Tages der Bewegung Herr zu werde«. Etwa eiurückeude« Reichswehr truppen würden sie de« Sachverhalt mitteilen, um weitere Konsequenzen z« verhindern. Herr v. Kahr hat sämtliche Bezirksämter angewiesen, genaueste Paß­kontrolle ausznüben. Sämtliche Angehörigen der Nationalsozialisten und des Bundes Oberland sind estzunehmen. Lndendorff und Hitler sind zu ver­hafte«, wo sie angetroffr« werde«.

Ans Bamberg wird mitgeteilt, daß man die dortige» Führer bereits entwaffnet habe.

Das Singreifung der Reichsregierung.

Wie die Blatter Mitteilen, ist das Reichskablnett unter dem Vorsitz drS Reichspräsidenten um 12 Nhr nachts zu einer Sitzung zufammengetreten. Laut „Vorwärts" ist auch der preußische Minister deS Änne« Severins ;,u der Sitzung rnsezogc« worden.

Berlin, 9. Rov. Der Reichspräsident Hat fol­gende Verordnung erlaffen:

Berlin, 8 Nov. Wir die „Zeit" schreibt, wird die allgemeine inner politische Lage am Vorabend des 9. No­vember mit ziemlicher Ruhe und Sicherheit betrachtet. Selbstverständlich seien alle Vorbereitungen o^roffen wor­den, um etwaigen Gewaltstreichen mit aller Enschieoenheit entgegenzutreten. Es lägen jedoch fei nerlei An­zeichen dafür vor, daß derartige Aktionen ernsthaft geplant feien. Auch zuverlässige Nach­richten aus München bestätigen dies Man glaube dort nicht, daß die öfftntllche Ruhe und Ordnung durch Aus­schreitungen ernsthaft gestört werde, von irgend welchen Bormarschplänen ganz zu schweigen. Die „Zeit" glaubt, daß die parlamentarische Lage voraussichtlich in nächster Zeit eine Klärung erfahren iverde. Es fei damit zu rech­nen, daß die Ernennung des Innenminister» dem nächsterfolgen werde. Oberbgmstr. Jarres, ber in den letzten Tagen in Bariuen weilte, wird am Freitag in Berlin erwartet. Es dürste sich bann zeigen, ob er ber Berufung auf den Posten des Innenministers Folge leistet. Für das Reichsinstizministerium war ein Mitglied ber Bayerischen Volkspartei in Aussicht genommen. Die Partei hat aber abgelehnt.

Wie der „Berliner Lokalanzeiger" wissen will^ beabsichtige der Kanzler, al»baÜ> nach der Besetzung de» offenen Ministerpostens mit fern vervollständigten Kabi­nett vor den Reichstag zu treten und die Vertrauens-^ frage zu stellen.

Die mlmiüMr Sage.

Aus dem Reichstage wird uns mitgeteilt:

Noch keine einzige Partei ist zu einem positiven Be­schluß gekommen. Die allgemeine Stimmung ist folgende: Die Saziachemoftaten kommen für eine Neubildung der Regierung nicht mehr in Frage. Aber niemand hat ein Interesse daran, die Sozialdemokraten in eine ausge­sprochene Opposition zu drängen. Andererseits kann gar nicht geleugnet werfen, daß eine starke Rcchtsbewegung durch das Land geht, ja daß man sich immer mehr nach einer starken Hand und sei es auch ein Diktator sehnt, der die zwei Siunbforferunaen ber Massen erfüllen kann: Die Beschaffirng von B r o t u n b von Arbeit! Die bürger­lichen Koalitionsparteien sind der Auslassung, daß diese drei Parteien zunächst beisammen bleiben und die Er­richtung einer Regejrung erreichen sollten. Zentrum und Volkspartei haben schon immer die Ausfassung vertrete«, daß die Heranziehung der Dentschnafionalen erwünscht wäre. Ans diesem Grunde war man seinerzeit damft ein­verstanden, daß eine den Deutschnationalen und ber Land­wirtschaft nahestehende Persönlichkeit das Reichsernäh­rungsministerium übernehmen möchte. Ter damalig» Kandidat, von Oppen, ist aber auf Einspruch wieder zu­rückgezogen worden, weil die Sozialdemokraten in fern zweiten Kabinett Stresemann vertreten wären. Der jetzige Reichsernährungsminister, der aus der Deutsch- nationalen Partei ausgeschiedene Gras Kanitz, hat aber die Position nach rechts hin nicht verbessern tinnen^ Die Deutschnationalen selber, die die gegenwärtige Staat»- form und auch das jetzige parlamenlarische System bet ihrer femnächstigen politischen Einstellung ausbrücklich als nicht zu Ausgangspunkten ihres Kampfes zu mache« erklärten, haben sich dahin ausgesprochen, daß sie an einem rein bürgerlichen Kabinett, wenn ihnen etn be­stimmter Einfluß zugestanden würfe, zu beteiligen bereit wären. Gleichzeitig wird aber eine Umorientierung der preußischen Regierung gefordert. Von den bürgerlichen Koalitionsparteien haben die Demokraten eine solche Beteiligung der Deutschnationalen an einer Regierung, in fer auch die Demokraten vertreten sein sollten, ab­gelehnt.

Man war also in den Erörterungen bisher noch nicht weiter gekommen. Auch die Frage der Ergänzung de» Reichskabinetts ist noch nicht gelöst worden. Lediglich als Gerücht sei verzeichnet, daß für den Reichsjustizminister als Kandidat der Leipziger Oberreichzanwalt Dr. Eber- mayer genannt wird, fer. in- größeren Prozessen, die vor fern Staatsgerichtshof anhängig waren, der größere« OefftnUichkeit bekannt geworfen ist.

Das Kommando des Sturmtrupp» des D-utschen Kampfbundes hatte Hauptmann Göring übernommen, feruptmann Göring erklärte bei fernem Erscheinen im «rale in voller Uniform, dir Nationalsozialistische Par- « bat biefen Streich gewagt, weil sie heute am Jahres- ”9 des Novemberverbrechens den letzten Augenblick ge- «mmen sehe, den diese Herrlichkeit noch dauern dürfe.

Weiter trirb gemeldet, daß Hitler zum Landes- ^eser von Bayern Herrn v. Kahr vorgeschlagen habe, -cach einer einstündigen Beratung fer Mitglieder der provisorischen Regierung erklärte .Herr v. Kahr unter Mimischem Beifall der Versammel en: Ich übernehme die Geschicke Bayerns als Platzhalter der Monarchie, die vor fünf Jahren von Verbrechern zerschlagen ivor- dkn ist. Ich tue das schweren Herzens und wie ich hoffe, zum Segen unseres geliebten bayrischen Vaftr- lanfes und des geliebten großen deutschen Vater­landes. I

Hitler beglückwünschte Kahr zu seinem Ent- «chlutz. Den Dank habe er ihm nicht auszusprechen,

Marburg

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Nebelung

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500 58000 8500 1500 1500 5500 1000 75O00 12000

850 14000 6000 8000 7OC0 13750 4000 7000 26000

1000 20000 20000 50000 45000 10000

1800 1500 46000 20000

709 50000

1500 40000 10000 42000 23000 20000

725 3000 5750 25000 39000 24000 60000 85000 65000

6000 16000 25000

8500 5500 30000 55000

Der Anzeigenpreis beträgt für den Sgesp. Zeilenmillimeter Grundzahl: 40. Amtliche u. auswärt Anzeigen 50. Bei schwierigem San 50 Aufschlag. Sammelan,eigen 100°/, Aufschlag, Reklamen Grundzahl ISO. Jeder Rabatt gilt ate yarrabatt Belege werden berechnet, ebenso Auskunft durch die Gefchästsftelle und Zusendung ver Angebote. Zahlung innerhalb 5 Tagen nach Stechnunqsdatum, fönst nach der Schlüsselzahl des Zahlunas- taqes. Sei Scheck» auf nusw. Plätze müssen wir die Eingangs- u. Berzugstpefen in An­rechnung bringen. - Schlüsselzahl de» B. d. Z1q».»B. vom 9./11. ab 200 000000.

München, 9. Rov. Zm Bürgerbräukeller fand gestern abend eine nationale Kundgebung statt, bei der Eeneralstaatskommiffar Dr. v. Kahr ««ter wiederholtem Beifall ein Manifest au die deutsche Nation verlas, in dem er sich mit dem Marxismus befaßte. Besonders stark vertreten waren in der zahlreich besuchten Versammlung die t Mitglieder der vaterländischen Verbände. Von der bayerischen Staatsregierung waren die Minister Sckweyer, Wutzelhofer und Dr. Krausneck erschie- aen. Kommerzienrat Zentz sprach im einer Begrü­ßungsrede den Wunsch aus, daß der Generalstaats- kommissar der Führer sein möge in ein neues, besseres, schwarz-weiß-rotes Deutschland.

Mönchen, 9. Rov. Bon privater Seite er­hält das Süddeutsche Korrespondenzbüro über die Vorgänge int Bürgerbräukeller folgenden Bericht: Nachdem der Generalstaatskomnn^ar seine Rede be­endet hatte, sei Hitler mit S80 Mann in den Saal emgcdrungen nnd haben erklärt, daß die jetzige Re­gierung beseitigt sei. Eine neue Leitung sei bereits ausgestellt, ©euerol Ludendorff fei Landesbekebls- haber, Hitler politischer Berater, der frühere Mün­cheiner Polizeipräsident Pöhner und General von Lossow Wehrministcr. Daraufhin fei der Bürger- träukeller von Hitlertruppen in weitem Umkreis »bqcsperrt worden. Zu Zwischenfällen sei es Äs 16 Uhr abends nicht gekommen. Zur Zeit sammeln sich die Kampftruppen Oberland und Reichsflagge hi den verschiedenen Stadtteilen und besetze« die Plätze. Ueber die Haltung der Reichswehr upd der Landespolizei liegen noch feine Meldungen vor. t Wie tnyt privater Seite weiter miloeleilt wird, soll Kahr im Bürgerbräukeller Verhandlungen pflegen. Einer späteren Meldung zufolge ist das Tele- graphenamt vou der Landespolizei besetzt worden. Ferner seien in der Redaktion der „Münchener Neuesten Rachrichten" Offiziere der Hitlertruppen erschienen.

München, 9. Rov. Zu den Vorgängen er­fahren wir noch folgende Einzelheiten: Staats- kommiffar s. Kahr hat ungefähr 3—4 Stunden ge­brochen. Kurz vor 8 Uhr entstand im großen Bür- gerfa-il Unruhe. Aus dem Menschengewühl heraus sah man Hitler, begleitet von zwei schwer bewasf- «eten Nationalfozialisken, in fee Saal eiitbringeu, bie mit hochgehobene« Revolvern Ruhe verlangten. Als sich die Ruhe einstellte, gaben die beiden Na­tionalsozialisten Revolverschüsse gegen die Decke ab. Eitler rief sodann mit wartet Stimme in den Saal: »DieSachegehtnichtgegenvonKahr!" Die Ruhe wollte sich trotzdem nicht einstellen. Nun trat der frühere Polizeipräsident P o e h n e r her- »r und erklärte: „Bleiben Sie doch ruhig sitzen. Kohr und Hitler sind zwei deutsche Männer!" So- fenn verschaffte sich Hitler selbst Ruhe. Dann trat »in Stabsoffizier der Hitlertruppen vor die Ver­sammlung «nd.gab folgende Erklärung: „Heute beginnt die nationale Revolution. Aie richtet sich in keiner Form gegen »en von uns hochverehten General­kommissar von Kahr. Sie richtet sich gegen die Berliner Zudenregierung! stürmischer Beifall.) Wir haben den Schritt Unternommen, weil wir der lleberzeugung sind, daß «änner an der Spitze der Regierung stehen, von fenen uns ein starker Trennungsstrich scheiden muß. Die neue Regierung Hitler—Ludendorff—Poehner, * ^be hoch!" Im Saale folgte stürmischer Beifall.

Wie die „Frankfurter Nachrichten" aus München Weifen, ist die Lanfespolizei zur neuen Regierung über- *sangen. Bon fer Versmnmlung im BürgerbrSu wird »ch berichtet, daß die Minister von fern Gange fer Dinge sichtlich überrascht war.