Amtliches Verkündigungsblatt des Kreises Marburg.
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Anzeiger für (das früher kurhessische) Oberhessen
«r. 263
Die ^OderdeWche Zeitung" edcbeint !e»,m«I möAentli*. — B«z»g»vr«is 5.11.-10 11 4OOOOÜUÖ0OO Mark einschließlich Zustellungsgebuhr. Für ausfallende Nummern int" Streilr oo. element.Ereignisse lein Tria?. — Ber az von Dr. T. Hi?e rotd. — Druck der Univ.-Buchdruckerei von Job. Lug. Koch, Markt 21/23. — Nernsvrecher 55, Postscheckkonto: Nr. 5015 Amt Frankiurl a. Mair,
Marburg
lonnerslgg. i>n 8. Nwembn
Rebeluug
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58. Mrg.
1923
Berlin, 8. Nov. Wie der „Berk. Lot.-Anz" hört, ist die Fraktion der Deutschen Volkspartei im Preußischen Landtag zu der Ueberzeugling oekom- »en, daß die große Koalition in Preußen <>> ftecht- erhalten werden muß.
. 3it Stile.
Di« Kabinettsbildung. 3
Berlin, 7. Nov. Die Besprechungen über die l^rage der Kabinettsbildung tourten heute im Reichs« leg fortgesetzt. Wie di« Blätter glauben, könne »on einer Einbeziehung der Deu tschnätio- »al«n in das Reichskabinett keine Rede Hein. Der Wunsch, in daS Kabinett einzutreten, ist Auch bei einer Untechaltung zwischen dem Reichskanzler und dem Abg. Hergt, die gestern stattfand. von hem deutschnationalen Führer nicht geäußert worden. Rh Parlamentskreisen hält man es aber für wünschenswert, daß die Bayrische Volkspartei in die Rrichs- Mgierung eintritt. Ob das geschieht, bleibt freilich »och abzuwarten. (Gleichwohl verbreitet W. T. B. den Wunsch zum zweiten Male).
Kein Eintritt der Bayerischen Bolkspartei in ei« Kabinett Etreseman«.
München, 7. No». Der Arbeitsausschuß des Vorstandes der bayrischen Volkspartei, der nachmittags in Anwesenheit des bayrischen Ministerpräsidenten von Knilling zusammengetreten war, hat, veranlaßt durch hie Gerüchte, daß Stresemann sich um die Unterstützung her bayrischen Volkspartei für die Neubildung seines Kabinetts bemühe, einmütig beschlossen, die Reichs- tagsfraktion der Partei telegraphisch zu benachrichtigen, daß für sie eine Beteiligung an dem Kabinett Ärcse- »anu aus sachlichen und persönlichen Gründen nicht in Frage komme» könne.
Ein Briefwechsel zwischen Streseruaiul und Kardinal Faulhaber.
Der Reichskanzler hatte bet dem Kardinal Faulhaber angeregt, tn einer groben Kundgebung aller politischen Parteien tn der Neichsbanptstadt oder an einem anderen Ort feine Gedanken über eine soziale rnv polirtsche Ge'undung Deutschlands zu entwickeln. In dem Briese war die Idee entwickelt worden, das; feder an feinem Platz« tm Sinne der RetchSeinheit Wirken müsse.
Kardinal Faulhaber lehnte es in einem langen Schreiben ab aus gesundheitlichen und kirchcnrechtltchcn Bedenken. Er betonte dabei mit dem Dank für die Hobe Einschätzung der katholischen Kirche für die Bettung der Volksseele, er empfinde es als eine Gewissenspflkchr, an der Nttlichen Wiedercuvurt des Volkes, int besondere» an dem Abbau der Genußsucht und an der Pflege des Autorttüiswillens, an dein Abbau des Hasses und der Standesgegensätze und an der Pflege des Gemeinschaftssinnes, an dem Abbau der Selbstsucht und an der Pflege des Opfersinnes «ach Kräften mitzuarbeitcn.
Alle sitiiichen Mächte ohne Unterschied der Konfession und Sandesvfttcht und Partei müßten zu- ; fammenhelfen.
.Wie wollen wir tonst den Haß abbauen, der blind- toiittg über unsere israelitischen Mitglieder oder über andere Volksgruppen in Bausch und Bogen den Stab bricht, oder den Bürgerkrieg nährt, der nur unabsehbare neue Verwüstungen anstiften kann."
Der Kardinal betont, daß er eine Acndcrung der Weimarer Verfassung für notwendig hatte, um die schleichenden Bürgerkriege zu beenden und wertvolle t Kräfte aus dem Eigenleben der deutschen Volksstämme für den Dienst am Ganzen tu gewinnen. Das Reichs- schulgesetz mit seinem Eingriff tu die Freiheit der 1. Eltern gewissen habe das Vertrauen weiter Kreise zum I kl eich erschüttert. Ich habe nie ein Hebt daraus gemacht, daß die Treue des bayerischen Volkes zu seinem I Königshaufe das Recht der vötttschrn Selbstbestim- j Mung für fich in Anspmch nimmt. Das alles darf nur j «ttf verfassungsmäßigem und unblutigem Wege gd- l fchehen.
München, 7. Rov. Der Briefwechsel Faulhaber- Etresemanu wird von der „München-Augsburger | Abendzeitung" kommentiert. Das Blatt untersucht hie Ursachen, weshalb der Reichskanzler den bayrischen Kardinal Faulhaber in die Kreise seiner Politik einzu- beziehen such« und bemerkt dazu: Die Antwort liegt klar auf der Hand. Die große Autorität des Kardinals soll für die ReichsregieruNg zur Beseitigung eines gewissen Widerstandes in Bayern benutzt werden. Ein solches Verfahren, so urieilt das Blatt, müsse auf das bestimmtest: abgelehnt werden. Tas Blatt verlangt, haß auch der Hrief des Reichskanzlers btr Oefsentlich- fcit unterbreitet wird.
München, 7. Nov. Eine BrnrauenH u. dg.bung str den Generalftaatskommissar v. Kahr wird am Ton- «erStag Abend im Bürgrrbräukellcr stattsinden. Er wird dabei eine Rede über die politischen Zukunftsaufgaben halten. t
München, 7. Nov. Die Gerüchte von dem Ausscheiden Dr. Heims aus dem politischen Leben be- tzeichnet der „Bayrische Syrier" als unzukregeud.
Neue Notverordnungen.
Berlin, 8. Nov. Um zur Behebung der äußersten Not des Volkes die notwendigen Devisen für die Einfuhr der unentbehrlichsten Lebensbedürfnisse, insbesondere für Getreide und Fette, zur Verfügung zu halten, hat sich die Reichsregierung trotz der schwersten Bedenken entschlossen, die Deviscnabgabe auf der Grundlage der Brotversorgungsabgabc noch einmal zu erheben. Als Gegenleistung wird eine neue Goldanleihe gewährt werden. Weitere Devisen sollen durch die Ausfuhr einer beschränkten Menge des Zuckers beschafft werden. Die Not des Volkes zwingt zu diesem Schritt, um durch die Ausfuhr die Devisen zur Beschaffung von Getreide und Fetten zu erlangen, die für den Verbrauch an Mundzucker unerläßliche Menge bleibt im Jnlande. Beide Maßnahmen werden eine wesentliche Eutla- ftung des Devisenmarktes herbeisühren. Zur vorläu- ifigen Festigung des Kurses der Papiermark und zur demnöchstigen Herstellung eines festen Verhältnisses der Papiermark zu einem wertbeständigen Wert hat die Reichsregiening in Ergänzung ihrer bisherigen Entschließungen folgendes beschlossen: Alle Vorbereitungen sind getroffen machen, damit die Rentenbank mit der Ausgabe der Rentenmark am 15. November beginnen kann. Bon diesem Zeitpunkt ab wird der Bedarf des Reiches nicht mehr durch neue Herstellung von Papiermark gedeckt werden. Die Papiermark- inslation wird damit ihr Ende erreich«».' Die dann feststrhende Menge an Papiermark soll gegen Gold- anlcihe des Reiches eingetauscht werden könne». Zu diesem Zweck wird einer besonderen Stelle eine mit Sicherheiten ausgestatrete Goldanleihe des Reiches zur sügung gestellt werden. Der Kurs, zu dem dte'Papicr- mark zunächst eingelöst werden soll, wird festgcstellt werden unmittelbar, nachdem die Rentenbank in Kraft getreten ist. Die in der Rentenbankverordnung vor- geschene Möglichkeit der Einlösung von Reichsschatzanweisungen mit Rentenmark bleibt daneben bestehen. Damit bleibt zugleich die Möglichkeit offen, die Pa- pwrmark in Rentenmark einzulauschen, sobald die dafür erforderliche Menge an Rentenbankschcinen hergestellt ist.
Die Papjrrmark.
Verordnung über die Verpflichtung zur Annahme in Reichsmark bei Znlandsgeschäfte» vom 7. Nov.
Auf Grund des Artikels 48 der Verfassung des Deutschen Reiches wird folgendes verordnet:
§ 1. Ter Abschluß und die Ersültung »on Verträgen über die Lieferung von Waren oder dec Bewirkung von Leistungen darf nicht verweigert werden, weil die Zahlung in Reichsmark erfolgt. ,
§ 2. Bei Preisstellnng in ausländischer Währung ist Reichsmark zum letzten amtlich in Berlin notierten Kurl- einer ausländischen Währung oder dem letzten nach. Paragraph 2 der Verordnung über den Handel mit ausiänd schen Zchl nzsmittcla und Tollcr- schatzanw-eisungen zum Crr.heitskurse vom 22. Oki. ermittelten oder errechneten Kurse einer ausländischen Währung in Zahlung zu nehmen und zwar zum Gelc- oder Briefkurs oder dem dazwischen liegenden Kurse. Bei Preisstellung in Goldmark gilt Absatz 1 entsprechend mit der Maßgabe, daß eine Goldmark nicht höher as w/4* des nordamerikanischen Dollars bewertet werden darf.
§ 3. Im KleinhandelsveAehr ist Prnsstellung in ausländischer Währung v r o :n. D'e Pr issteltunz in Goldmark im Kleinhandel darf bei Berechnung des Rcichsmarkbrtrages kein höherer Tallarkurs zu Grunde gelegt werden, als der auf Gruttd des letzten anttlichen Berliner Kurses für Anszahlung Newyork errechnete Mittelkurs.
§ 4. Bei Zahlungen an öffentliche Kassen des Reiches oder der Länder für Forderungeiy die auf Goldmark lauten, gilt als Goldmark der Gegenwert von 3/« des nordamerika"ischen Dollars, für Ber-chuong des Reichsmarkbetrages ist der legte auf Grund des amtlichen Berliner Kurses für Auszahlung Newyork rcrechnew Mittelkurs mo‘g tenb, soweit nicht der Rrichsminister der Finanzen eine abweichende Berechnung zu läßt.
§ 8. Tie Reicksregierung erläßt ,bie erforderlichen Turchführungsbestimmnngen.
g 9. Tie Verordnung tritt mit der Verkündung in Kraft. Als Verkündung gilt auch die Verbreitung
Tagung der Vaterländische» Verbände.
Nach einer Meldung des „Tageblatts" ans München haben sich die Vorsitzenden und Vertreter der vaterländischen Verbände Deutschlands nach München begeben, um mit den vereinigten vaterländischen Verbänden Bayerns ein gemeinsames Vorgehen in der Frage der inneren und äußeren Politik zu vereinbaren. Die Tagung nahm gestern hinter verschlossenen Türen ihrs« Anfang und wich heute fortgesetzt.
durch das Wolff'sche Telegraphenbüro in Berlin und die Veröffentlichung in der Presse. Tie Reichsre- gferang bestimmt den Zeitpunkt ihres Außerkrafttretens. l j 1 i J
(folgen Unterschriften)
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Zu den Notmaßnahmen teilen die Blätter mit, daß die Maßnahmen ergriffen worden sind, um die vitalsten Lebensiitteressen des deutschen Volkes zu wahren. Die weitere Beschaffung von Devisen ist unbedingt nötig, um die zur Ernährung der Bevölkerung notwendigen Lebensrnittel einzuführen. Weiterhin muß der letzte Rest von Wert, den die Reichsmark noch hat, geschützt werden. Besonders schwerwiegend fiel dabei die trostlose Lage im Ruhrgebiet ins Gewicht, wo wegen des Scheiterns des Abkommens mit den Ftan- aof<n über die Wiederaufnahme der Arbeit die Zahl der Arbeitslosen auf zwei Millionen angewachsen ist, die vom Reich erhalten werden müssen. Die Rttchsregicrung glaubt deshalb nicht sofort den Tinlösungskurs für die Papiermark festsetzsn za können, weil sich noch nicht annähernd übersehen liißt, wie groß bis zu dem Tage, an dem mit der Ausgabe der enteumarl begonnen werden kann, der Papiermarkumlauf fein wird. Die neue Gold» anleihe, die zur Einlösung der Papiermark dienen soll, soll in Höhe von 300 Millionen Eoldmark aufgelegt werden. Aus der neuen Devifenabgabe hofft man, wie beim ersten Mal etwa 125 Millionen Goldmark zu bekommen. Wir- räel Devisen aus dem Zuckerexport einkomme» werden, läßt sich noch nicht übersehen. Man denkt daran, etwa 2 Millionen Doppelzentner Zucker zu exportieren, was Devisen von etwa 80 Millionen Eoldmark einbringen würde.
Noch fei* Umr«chnungösatz.
Berit», 7. Nov. Heute nachmittag um 4 Uhr wird das Kabinett eine Sitzung abhalten, in der über die Relation der Papiermari zu den wer-l-eständtgeu Zablunasmlttelu Beschluß gefaßt werden wird. Der NetchsftnanzMntster wird einen bestimmten Plan vorlege».
Die Beratungen der Sachverständigen babeir nach dem „Tag" das Finanzministerium doch Wohl darüber aufgeklärt, daß die- Durchführungen einer festen Re laiion in der einfachen Form, wie man .sie ursprünglich im Kabinett geplant hatte,
finanzpolitische Gefahren für die Rentenmark,' die Goldanleihe und sogar für die kor-^iende Gold- marknote nach sich ziehen kann, da 'm Augenblick beim besten Willen niemand tn der Lage ist, das ttchttge Verhältnis einer festen Relation zwischen der Papier- mark und einem iverrbeständigen Zahlungsmittel zu neunen. Es ist lebhafter Zwetfel entstanden, ob es' richttg war, von einer festen Relation auSzu- gcben. Eine andere Frage ist es, ob nicht das Kabinett auch beute aus wirtschaftlichen und psychologischen Gründen gezwu >: gen Ift, an dem et n m a 1 S fstc ni I i ch bie<a » n t ge ge b encn, Umtausch s ' st z.» halt en. Sollte das geschehen, so würde aber für die wirtschaftttche und finanzielle Entwicklung der nächsten Woche nicht so sehr die feste Relation als die Tatfache maßgebend sein, daß di« RetchSbagk für die EiittSsunz der Papiermart tn ein wertbeständiges Zahlungsmittel zu einem besttmtte» Termin, also etwa am 1. Januar nächsten Jahres, die nötige» Goldmarl- denäge zur Verfügung hatte» mutz.
Die Berettstelluug dieser Goldmarkbeträge vmtz aber wieder die GoldbastS schwächen. T«nn Retchsrabinett wird die Frage der Beschakfung dieser Mittel die größte Sorge mache».
In dieser Hinsicht ist nun in den Vorbesprechungen der Plan der
Schaffung einer Konvertterngsbant aufgetauckt, für die entweder die Wirischast tn ähnlicher Weise, wie das bet der Rentenbank eeMieocn ist, die ml sich nicht sehr hohen Wiftlcl aufbringcn soll. Ein anderer Plan läuft darauf hinaus, daß eine nur für die Konvertierung bestimmte Erhöhung der Gold- a,rleihe von 500 aus 700 Millionen Goldmark vorge- nomnteii wird, wöbet die nötige Deckung durch eine
. - mstcuer, etwa auf Zucker, erlangt werden könnte.
"y Gedanke der Konvertierung der Papiermark in Rentenmark ist saft aKgcmctu mit Rücksicht auf die Gefährdung, die für die Werl- beständigkeit der Rentenmark dadurch entstehen würde, aufgegeben worden. — Also wieder ein« falsche Ansicht.
Die kommunistische Kampfbereitschaft.
Einer Korrespondeuzmeldung zufolge trat in diesen Tagen tn: R.ichskcuferenz kommunistischer Partei- funktionäre zusammen, um zu der gegenwärtigen Lage Stellung zu nehmen. Nach Mitteilungen von kommunistischer Seile verlangte ber Bezirk Berlin-Branchen- denburg bie sofortige Auf »ahmedeS Kampfes gegen die Reichsregierung wegen beS Vorgehens gegen Sachsen und wegen ber von Bayern
her drohenbe» Gefahr. Die Zentrale nahm bagege» eine ablehnende Stellung ein unb erklärte, baß andern Beispiel Hamburgs bie notwendige» Schlüsse zu ziehen seien. Oertliche Aktionen seien zum Scheitern verurteilt. Nach einer lebhaften Aussprache setzte sich die Zentrale ber K. P. D. mit ihrer Ansicht gegen bie Stimmen der Berliner, Hamburger, sächsischen unb thüringischen Vertreter durch.
Frankreich und die Lag« in Deutschiaud.
Pari-, 7. Nov. Havas teilt mit, die französische Regierung verfolge aufmerksam bie Ereignisse in Teutschland, habe es bis jetzt jedoch noch nicht für nötig g halten, sich mit ihr n Alliierten in Verbindua- zu setzen, um bie unruhige Lage in Deutschland zu prüfen und festzustellen, ob sie eine Aktion nötig mache.
Der Wiederaufbau.
Zur Wiederingangsetzung der Wirtschaft wer« ben, wie man uns aus Berlin berichtet, eingehende und rasch durchzuführende Maßnahme» in allernächster Zeit getroffen werden. Durch die bebauet« liche Verschleppung ber Regelung bet Währungsfrage ist auch die Verordnung ber wichtigsten Frage bet Ingangsetzung ber Wirtschaft in ben Hintergrund gestellt worben. Das aber rächt sich heut« seht schwer. Die Dinge konnten nur soweit kommen, weil uns bie wertbeftänbigen Zahlungsmittel gefehlt haben. Der Ausgangspunkt aller wirt« fchaftlichen Belebung ist bet Baumarkt, bet ben Schlussel für bie Wiederingangsetzung ber Wirtschaft bebeutet. Für eine Wiederbelebung bes Baumarktes ist ja nun freilich die gegenwärtige Jahres« zeit recht ungünstig. Trotzdem wirb bie Reichs« regierung Ärebite unb zwar duf wertbeftänbiget Grundlage für diese Zwecke zur Verfügung stellen. Aber auch hier hängt alles von dem Urftoff, bet Kohle, unb ihrer Preisgestaltung ab. Unb bie beutfdje Kohle liegt gegenwärtig im Preise weit übet bem Weltmarktpreis.
Der zweite wichtige Punkt, an bem bie Wieder- ingangsctzung bet Wirtschaft einfetzen muß, ist bie Arbkilszeitfrage. Durch das Ausscheiden bet So« zialdemokraten aus ber Regierung ist hier freilich eine schwierige Lage geschaffen worben. Die Sozialdemokraten sind seinerzeit gewiße Bedingungen ein« gegangen, unb gerade dieser Umstand hat einen scharfen agitatorischen Angriff eingetragen. Aber bie Arbeitszeitregelung muß gegebenenfalls auch gegen: die Sozialdemokraten durchgeführt werden, denn fcnst würden alle Währungsreformen unb auch die wertbeständigen Zahlungsinittel, vor allem bie Rentenmark, wirkungslos im Sumpf versinken.
Bit Sagt in Ilnringtn.
Weimar, 7. Rov. Das Thüringische Presie- amt teilt mit: Die thüringische Regierung ist bei ben zustänbigen Regierungsstellen in Berlin persönlich gegen die Art des Einmarsches ber Reichs« ivehrtruppen in Thüringen vorstellig geworben, da hierzu feine Veranlassung vorlag. Darauf hat ber; Reichswehrminister bet thüringischen Regierung geantwortet, der Auftrag bes Generals Reinhatb laute dahin, Thüringen auch gegen jeden Einfall von Banden von auswärts z« schützen. Er sei ber Ueberzeugung, daß Schutzpolizei unb Reichswehr zu dieser Aufgabe völlig ge« nügeit, baß baneben aber bewaffnete Drgani« fationen unmöglich sind, weil sie eine Gefahr für bie Bevölkerung unb bie Truppe bilden.
Erfurt, 7. Nov. Eine Bekanntmachung an bie Vevölferung' besagt: Zahlreiche Hilferufe ber thüringischen Bevölkerung aller Schichten zeugen von Gewalttätigkeiten unb ungesetzliche» Eingriffen in bas Wirtschaftsleben durch die kommunistischen Hundertschaften. Trotz des ausdrücklichen Verbots bestehen diese Verbände weitet unb betätigen sich in einer Weife, bie unerträglich ist. Die zu treffenden Maßnahmen richten sich nicht gegen die ordnungsliebende Bevölkerung. Es wirb vielmehr auf deren Mitwirkung vertraut. Auf bet anderen Seite wird rücksichtslos jeder Wiederstand, ter sich ben Reichswehrtruppen unb ber Santes» Polizei entgegenstellt, mit allen zur Verfügung stehenden Machtmitteln gebrochen werden.
Dresden, 7. Roo. Wie bie Nachrichtenstelle bet Staatsfanzlei mitteilt, hat die sächsische Regierung wegen bes Vorgehens der Reichsregierung unb des Reichspräsidenten gegen das Ministerium Zeigner sowie wegen der Amtsenthebung bet bisherigen Minister durch den Reichskommisiar unb bes Verbots bes LanbtagsLufammeirtritts am B bie Entscheidung bes Staatsgerschtshofes über bie Verfassungsmäßigkeit biefer Maßnahmen atu gerufen.