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Marburg

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58. Mt 1923

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Amtliches VeMMgungsblatt des Kreises Marburg.

Anzeiger für (bas früher kurhessische) Oberhessen

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6ii Siretioriam?

Aus dem Reichstage wird uns von einer parla- pentarischen Seite geschrieben:

Die gegenwärtige politische Situation ist unge­mein verwickelt. Ein Ausweg zu finden, ist sehr schwierig. Hebet die zunehmende Rechtsentwicke- 6mg im Lande mutz man sich vollkommen klar sein and nach Lage der Dinge ist es kaum zu vermeiden, daß dieser Situation auch in bestimm­tem Umfange Rechnung getragen wird. Rur auf diese Weise wäre es vielleicht noch möglich, hie vom Rechtsradikalismus beherrschten Strömun­gen,, die angesichts der steigenden Wirtschaftsnot mit Wucht durchzusetzen versucht wird, aufzufangen.

Die Parteien des Reichstages sind gegenwärtig in Erörterungen über die Neugestaltung der Re­gierung begriffen. Die Sozialdemokratie hat sich koalitionsunfähig gemacht, dadurch, datz sie im ent­scheidenden Augenblick die Regierung und die übri­gen Koalitionsparteien unter ihre Forderungen zwingen wollte. Im Uebrigen sprechen viele An­zeichen dafür, datz die Sozialdemokraten nicht aus Verstandes- oder Eewißensgriinden, sondern aus Furcht vor dem Widerstande im eigenen Lager, die sich namentlich gegen das kommende Arbeitszeitge­setzt richtete, vor der Verantwortung entflohen sind. Datz bei der gegebenen Situation und lei der fortschreitenden Rechtsbewegung auch die Versuche eine Rolle spielten, die Deutschnationalen an die Neubildung der Regierung zu interessieren, braucht nicht besonders erwähnt zu werden. Damit sind iber auch schon die Schwierigkeiten, die sich nicht nur bei den Sozialdemokraten, sondern auch bei den Demokraten ergaben, gekennzeichnet. Andererseits stehen aber auch die Deutschnationalen in der Mehr­heit auf dem Standpunkt, datz eine bürgerliche Re­gierung, die unter der Führung Stresemanns stände, die Unterstützung der deutschnationalen Partei nicht bekommen könnte.

Wie gegenwärtig die Dinge können sich jeden Augenblick ändern die politische Situation steht, geht die überwiegende Meinung der Parteien der bürgerlichen Arbeitsgemeinschaft dahin, datz der Kanzler Stresemann im Amte bleibt und gegebe­nenfalls durch die Schaffung eines Direktoriums von wenigen Personen, wobei die Ressortminister ihre Aemter weiter zu führen hätten und die Lei­tung der Reichsgeschäfte bis auf weiteres durchge­führt würde, seine Tätigkeit erweitern würde. Man würde dann möglichst ohne allzu starke Belastung durch den Reichstag die zur Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung im Lande und der Wirtschafts­lage nötigen Maßnahmen zu treffen haben. Ob dieser Plan Gestalt gewinnen tarnt, hängt weniger von den politischen und parlamentarische Faktoren ab, als von den Ereignissen, die sich gegenwärtig überall im ßanbe- vorbereiten.

Der Reichstag wird vor Mitte der nächsten Woche" nicht zu einer Vollsttzung zusammentreten. Die Reichsregierung will freie Hand haben, um in den nächsten acht Tagen entscheidende Maßnahmen euf Wirtschafts- und währungspolitischem Gebiete durchzuführen.

Der Aeltestenrat des Reichstages ist sich weiter darüber schlüssig geworden, datz der Auswärtige Ausschuß noch vor dem Wiederzusammentritt des Reichstages zusammenberufen werden soll; da bei dieser Gelegenheit die Frage der besetzten Gebiete eingehend erörtert werden soll, werden zu dieser Sitzung des Auswärtigen Ausschnsies Sachverstän­dige aus den verschiedenen Parteien, also vor allem Abgeordnete der besetzten Gebiete herangezogen.

Berlin, 6. Nov. DerB. 3 zufolge wird sich das Reichskabinett heute Nachmittag mit der Besetzung der durch den Austritt der Sozialdemo­kraten freigewordenen Portefeuilles befassen. Es soll an die Aufnahme eines prominenten Mit­glieds der Bayrischen Volkspartei ge­dacht werden!

Im Reichstag hielten gestern nachmittag die Fraktionen der Deutschnationalen, der Deutschen Dolkspartei und der eDmokraten Sitzungen ob, in denen hauptsächlich die Frage behandelt wurde, ob eine Beteiligung der Deutschnationalen an der Re­gierung möglich sei. Wenn auch in der Sitzung der deutschnationalen Fraktion kein Beschluh gefaßt wurde, so kam doch die Meinung zum Ausdruck, daß eine Beteiligung der Deutschnationalen an der Reichsregierung unter Beibehaltung der gegenwär­tigen Regierungsreform nur in Frage komme, wenn sie in der Negierung so vertreten wären, datz sie sich durchsetzen könnten. Voraussetzung sei ferner, daß alsbald die Zusammensetzung der preußischen Regierung entsprechend geändert werde. Auch die

Fraktion der Deutschen Volkspartei faßte zu der Frage keinen Beschlutz. Den Blättern zufolge soll nnerhalb der Fraktion die Neigung bestehen, den Deutschnationalen entgegenzukommen. Die demo- ratische Fraktion dagegen verhielt sich völlig ableh­nend gegenüber dem Gedanken, die Deutschnatio­nalen in die Regierung aufzunehmen. Die Frak- tionsberatungen und die Fühlungnahme der ein­zelnen Fraktionen untereinander sollen heute fort­gesetzt werden.

München, 6. Nov. Auf der nordbayrischen Vertrauensmännerkonferenz der bayrischen Volks­partei in Bamberg nahmen die Abgeordneten Leicht und Held zu den politischen Fragen der Gegenwart Stellung. Leicht äußerte dabei u. a., wenn ein bürgerliches Reichskabinett möglich werde, werde ich die bayrische Volkspartei an der Regierungs- iilbung beteiligen. Für die Bayrische Volkspartei gebe es kein Erotzpreußen mehr, sondern nur ein Grotzdeutschland auf föderalistischer Grundlage. Der Parteiführer Held kam auf sie Treibereien der vaterländischen Verbände zuu prechen. Man »ergeffe, daß ehe die vaterländischen Verbände dagewesen seien, die Bayrische Volks­partei auf der Wacht gestanden habe, und datz es ohne die Bayrische Volkspartei auch keine Kahrpoli­tik gebe. Der Redner verurteilte weiter scharf den Nationalsozialismus.

Die Truppenansammlungen an der bayrischen Grenze

Stuttgart, 6. Nov. Das Wehrkreiskom­mando V teilt mit: lieber die Ansammlungen von Kampfverbänden an der bayrischen Nordgrenze werden aus thüringischer Quelle kommende beun­ruhigende und stark übertriebene Nachrichten durch amtliche Behörden verbreitet. Solche Alarmmel-' düngen von amtlichen Organen, die von ihrer eige­nen Regierung nach erfolgter Nachprüfung an Ort und Stelle dementiert werden mutzten, sprachen u. a. von der Ansammlung von vier Infanterieregi­mentern, großen Artilleriemasien und der Aufstel­lung von Batterien sogar auf thüringischem Boden im eigenen Bezirk der meldenden Behörden u. dgl. mehr. Tatsächlich steht, wie eine sorgfältige Nach­prüfung ergeben hat, lediglich bayrische Landes­polizei, allerdings verstärkt durch 2000 Mann Hilfs­polizei, die tcn ortsangesessenen Organisationen entnommen sind, an der Grenze. Daß Bewegungen von Truppen des Wehrkreiskommandos V an der thüringischen Südgrenze stattgefunden hätten, ist unrichtig. Ebensowenig stehen Reichswehrtruppen der 6. Division an der bayrischen Nordgrenze.

Sie enteilte M hie Mkeht hei Mnpmzen.

Paris, 6. Nov. Der englische Botschafter Lord Crewe verbandelte gestern nachmittag mit Vorncaro. Nach dem«,^Letit Paristen" wurde im Laufe dieser Beratung die Sachverständigenfrage nicht mehr berührt. Die Ver­handlungen haben sich aus die Sage bezogen, die durch die Rückkehr des ehemaligen deutschen Kronprinzen ckach Deutschland entstehen könnte. Cretve habe mit Poincare die Frage geprüft, ob ein ge­meinschaftlicher Schritt zu unternehmen sei, um die Schwierigkeiten zu verhindern, die entstehen könnten, wenn der Kronprinz wieder nach seiner Heimat zurückkehre. Außerdem ist im Lause der Unterredung auch die Frag' der separatistischen Bewegung im Rheinland behänd.!.' worden

Wie dieZeit" dazu mitteilt, tvollen England uui> Frankreich in Holland vorstellig werdm, damit der Kron­prinz von dort aus feine Ausreiseerlaubnis erhält. Dar Blatt schreibt dazu:Wenn die dcutiche Regierung dem Kronprinzen die Erlaubnis zum Auchnthall in Orts gewährt hat, so ist sie von dun sichresn Bewußtsein au? gegangen, daß der Kronprinz sich polftisch nicht Metz, betätigen wird. Da auch Bedingunam in dieser Richtung vorliegen, kommen bei der Beurteilung dieser Fruge nur noch rein menschliche Motive in Betracht. In­folge dessen kann der Einspruch Englands und Frankreichs, wenn er tatsächlich erfolgen sollte, nur auf rein per­sönlicher Gehässigkeit beruhen. Es ist wohl zu hoffen, daß sich die hollönd'sche Regierung eine solche Einmischung in ihre inneren Ang-l-aenheiten verbittet.

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9tr Mmpj um hie SaMWM'WlMttnz.

London, 7. Nov. Tie französische Antwort ist am Montag Abend bei Oer britischen Regierung eivqeganzeu. Wie vermutet wurde, schlägt sie vor, daß die Sachver­ständigen Deutschlaicks Zahlungsvermög.m im gegenwär­tigen Augenblick nur für eine beschränkte An­zahl von Jahren untersuchen sollen, entsprechend den von Poincare in seiner Rede in Revers gegebenen Richtlinftn. Es ist nicht deullich gesagt, wie taug die Periode sein soll, auf bk die Besprechungen der Sachver­ständigen sich beziehen sollen.

London, 6. Nov.Times" berichtet, daß die br> tische Regierung jetzt die Antworten von allen örer alliierten Mächten erhalten Hut, denen sie einen Entwurf (für die Vereinigten Staaten zur Teilnahme an oem

Untersuchungsausschuß für die Zahlungsfähigkeit Deutschlands unterbreitet hat. Bclgi-n und Italien haben beide dem britischen Entwurf zugestimmt Es verlaucei iedoch, daß die von Poincare gemachten Aenderungen oft Reichweite der Untersuchung derartig beschränken, dm es eine Frage ernster Erwägung für das britische Kabi­nett sein müsse, ob es der Mühe wert sei, mit dem Projekt fortzufahren. Es verlautet, daß Poincare tn seiner schriftlichen Antwort nicht darauf bestehe, daß das Wort aktuelle mitfähig Reparationen zu leisten" ersetzt werde, aber daß er statt dessen einet; Satz Vorschläge, dessen tatlächlicher Inhalt ziemllch dasselbe beoeute.

London, 6. Nov. Der Newyorker Bericht­erstatter desDaily Chronicle" erfährt: Jusierand müsie eine persönliche Zusammenkunft mit Eoolidge haben, der ebenso wie Hughes ernstlich hoffe, datz er die Möglichkeit habe, Poincare zu ü b »r - reden, dem Sachverständigenausschuß keine Be­schränkungen aufzuerlegen. Wenn diese Vorstellun­gen fehlschlagen sollten, werde Amerika sei­nerseits mit der Untersuchung nichts mehr zu tun haben wollen.

Paris, 6. Nov. Havas schließt aus der Un­terredung, die der französische Botschafter in Wa­shington mit, dem Staatssekretär Hughes hatte, und die, wie bereits berichtet, übet zwei Stunden dauerte, daß auf beiden Seiten der Wunsch be­stehe, sich zu verständigen. Der französische Botschafter werde heute vormittag auch den Präsi­denten der Vereinigten Staaten sprechen.

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Nach ben weiteren Meldungen über die Verhand- hingen des französisch?« Botschafters in Washington, nach denen Poincarö darauf besteht, nur über ein augen­blickliches Moratorium zu verhandeln, die Rahrbesetz- ungsftage ausschalteu will und etwaige Nachlässe nur unter der Bedingung der Festsetzung der interalliierten Schulden will, scheint es, als ob Frankreich, das dies­mal allein gegen die ganze Welt stehl, den ganzen Konferenzplan zum Scheitern bringt. Wenn Frankreich heute betont, daß eine Aenderung der politischen Ver­hältnisse im Reich es zu größeren Ausgaben und zu neuen Plänen zwänge, so heißt das nichts anderes, als » die sortschreitende Zersetzung Deutschlands ihm den Grund dafür liefern soll, seine Ausbeutung in politischer um wirtschaftlicher Beziehung auszudehnen. Die napoleo­nische Methiche ins Moderne übertragen. Ob diese sadistische Quälerei letzten Endes zum Ziel führt, mag man bezweifeln. Sie ist wobl nur an einem Leichnam ohne Blut möglich. Zur Zeit wird aber weder Euglaift, noch Amerika gegen Frankreich etwas unternehmen können und wollen, Amerika wird sich Höchst-ms aus eine umfang­reiche Liebestätigkeit einlassen.

Keine Gedächtnisreden mehr.

Paris, 6. Nov. Im heutigen Kabinettsrat ist beschloßen worden, datz die Regierung sich bis zum Tage des Wiederzusammentritts des Parla­ments bei Feierlichkeiten in der Provinz nicht mehr durch eines ihrer Mitglieder vertreten laßen wird. Der Beschkutz hat zur Folge, datz bis nach der Durch­führung der Wahlen von 1924 kein französischer Minister mehr autzerhalb von Paris in der Oeffent- lichkeit das Wort ergreifen wird.

Die Militärkoutrolle.

Paris, 6.Nov. Wie derTemps" mittalt, hat die Botfchasterkouferenz nunmehr eine Note an die deutsche Resierung ergehen laßen. Sie ist der deutschen Botsllmf! in Poris gestern abend übermittelt worden. Sir nimmt Bezug auf die Note der Botschafterkonseceiiz vom 3. Ok- tobet, in der der Wuillch ausgesprochen wurde, man möge es der int. ralliierteu Milftärkontrollkommission ermög­lichen. die Kontrolle wieder aufz» nehmen. Die Bokschaf- trrkonfrrenz drückt die Hoffnung aus, daß die deutsche Regierung bis zum 10. November mitteilen wird, welche Stellung sie zu diesem erneuten Vorschlag einzunehmen gebende.

Das Abkommen im Ruhrgebiet.

Paris, 6. Nov. Nach einer Havasmelduug aus Düs- sndors, ist gestern wieder zwischen der französisch-belgi­schen Inoenieurmission und den Vertretern des Ruhrberg­baues Klöckner, Vögeler, Thyssen, Re »sch und foub er verhandelt worden. Der neue Wortlaut de? abgeänderten Mkommeus sei geprüft und diskutiert wor­den. Die Bei-bauvertreter hätten jetzi mit ben Direk­toren der Betriebe noch das endgültig angenommene Ab­kommen zu besprechen. Nächsten Montag soll eine neue Besprechung stattfinden. Inzwischen würden dft Ver­treter der den Metallkonzeruen nicht angesch!o>'senen (Stu­ben mit der Jngenieurkommission über die ji? lctreis-iideck Sondersragen verhandeln.

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Sie MrMme» d» ösndt.Mdl« hör® die Weite.

London, 6. Nov. Der Kölner Berichterstatter derTimes" veröffentlicht angesichts der von fran­zösischer Sott« ausgestellten Behauptung über die an­gebliche Neutralität Frankr.-ifts gegenüber der sonder- bündlerischen Bewegung verschcedeue in feine: Hand befindliche authmiische Tokum nte und eck.äct, der doku­mentarische Beweis der smiizösifchen Kenntnis von dem

Vorhandensein von militärischen Organisationen, bie 'owvht nach dem Rheinlandabkommen, als auch durch en Friedensvertrag verboten sind, vervollständige eben- ö tote die Mitteilung, daß die Sonderbündler über belgische Munition verfüg tn, bas von neu» tr aie n Augenzeugen in zahlreichen Ail» len gelieferte Beweismaterial.

J.l ihrem Leitartikel schreibt bieTimes": Die mu­tige Aktion, bie von ben Belgiern unternommen wurde, um ben sonderbüublerßchen Unruhen in ihrer Rhein- landzvne ein Ende z:r bereiten, stehe augenblicklich in Gefahr, burch den französischen Druck vereitelt zu werden. Die Belgier verdienten die Glückwünsche der zivilisierten Welt für ihre energische Haltung, die At zu Ende der vorigen Woche eingenommen haben, da sic wenigstens endgültig bie Unsinnigkeit des fon» derbündlcrischen Abenteuers enthüllt hätten. Es sei allgemein klar, daß. wenn die Franzosen ebenso ent- schlossen wie die Belgier die Grundsätze strenger Neu» tratität beobachten würden, der bewaffnete Angriff durch verrufene Marodeure auf die Städte und Dörfer m b: setzten Gebiete an einem Tage erlMgt werden könnte. Es sei tief bedauerlich, daß die französisch« Politik der Unterstützung bet, Sonderbündler im Rheinland sich nicht gelockert, sondern im Gegenteil »er* schärst habe.

London. 6. Nov Dec n.r Sond rhenchür» Patter derTimes" schreibt, die Franzosen übten eine» 'tcrrken Druck ans die Belgier aus, um sie zur Wieder­aufnahme der offenen Unterstützung zu bewegen, die te früher den bewaffneten Sonderbündlern gewährt hätten. Alles deute daraus hin, daß die Franzose« mit den belgischen Nationalisten erneut Anstcengunge« unternehmen, die Losir-nnung gewallsam durchzusehen.

Paris, 6. Nov. Der Abgeordnete der Rechten, be Magellon, hat dem Ministerpräsidenten mitgetftit, daß er ihr; fiter die Politik der französischen Regierung gegenüber den chemischen Republikanern zu intet« :-elfteren beabsichtige. l

Paris, 6.Nov. Der Kriegsminister rdfi nach 6e* Abendblättern heute abend zu einer zweitätigen Jnfpel» tion?re:kx ins Ruhrgebiet. -

Str Smsi mit ben

Kaiserslautern, 6. Nov. Sorben haben die Separatisten in Stärke von etwa 20 Mann da» Hauptpostgebäude besetzt. Vor dem Gebäude patrouillierten Posten mit vorgehalftnem Karabiner, die die Leute auseinaichertreiben. Es ist damit zu rechnen, haß im Zeitraum von einer Stunde der ganze JSctfeljr > lahmgelegt wird. Heute morgen erhielten die Separa­tsten Verstärkungen von 600 Mann, die in dem großen Fruchthaussaale einouartiert wurde«. Der Ver­walter tourbe mit vorgehalte uem Revolver zur Heraus­gabe der Schlüssel gezwungen. D'.c Polizei soll bis heute nachmitta; eine Erklärung aogcben, ob sie gewillt ist, ihren Dienst unter ben Separatisten weiter zu ver­richten. Im Verweigervncisfalle soll sie entroaffnet werben ' . .

Kaiserslaute tu, 6 Rov. Im Lause des gestri­gen Nachmittags durchzogen bewaffnete Separatisten tm Auto, per Rad und »n Fuß die Stadt und requirierten iy verschiedenen Geschäften in der Hauptsache Lebensmittel. Gegen */24 Uhr erfolgte von dem Bezirkshaus die Au?» rnfuug der freien Pfalz als eines Telles der Rb-imfSrn Republik, wobei der Landwirt Heinz Orbis eine An- spräche an die Soiü>erbündler hielt Die. zahlreich v"r- sammelte Menge antwortete mit Pfuirufen. In einem Anschlag weisen di? Separatisten Darauf hin, baß sie von der Beiatzungsbebörd? aiurfannt seien Der bisher.gr Frisör Pfaffmann wurde zum Bürgermeister etnannt. Es kam zwischen der Bevölkerung und den Sonder­bündlern zu einem Zusammenstoß^ bei dem 1 Personen Verwundet wurden. Der deutschen Lll utzpolizei tvurbe von der Besatzungsbehörde verboten, gegen die Sonderbündler mit der Schußwasse vorzugehen. Sie versehen deshatb auch keinen Dieme, well sie ohne Schußwasse doch nicht bie Ruhe und Ordnung aufrecht erhalten können

Köln, 6. Nov. Wie derKöln. Ztg." aus Kaiserslautern berichtet wird, erhielten die Son­derbündler im Laufe des nachmittags erheb­liche Verstärkungen von auswärts. Es kam zwischen der Bevölkerung und den Sonderbündlern zu «inem Zusammenstoß, wobei vier Per­sonen verwundet wurden. Die französische Ve» satzungsbehords verhängte von 7 Uhr abends bis 6 Uhr morgens die Verkehrssperre. Der deutschen Schutzpolizei wurde von der Besetzungsbehörde ver­boten, gegen die Sonderbündler mit ier Schuß­waffe vorzugehn. Sie versieht deshalb auch keinen Dienst, weil es ohne Schußwaffe doch nicht möglich ist, die Ruhe und Ordnung aufrechtzuerhalten. Die Meldung, daß die Geschäftsräume derPfälzischen Preße" besetzt morden seien, ist unrichtig.

Auch in Kirchheimbolanden unternah­men nach der gleichen Zeitung die Sonderbündlbr einen Vorstoß. Eine Bande von oO bis 60 ManR- anscheinend der Gruppe Heia--Ordis besetzte das Bezirksamt.

Zn Kusel wurde die deutsche Gendarmeri« unter französischen Befehl gestellt.