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Noch keine Beendigung der Krise.
nächsten 24 Stunden eine kategorische Antwor
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58. Mri.
1928
» Sln. 3. Nov. Wie Vie „Köln. Als." hört, erbten der britische Kommissar in Koblenz, Lord Stumm «och eine Mitteilung der „provisorischen Regierung" de« Sonderbündler. Er liest sie zurückgehen mit dem »e- merken, er könne keine Mitteilung von einer nicht i «er, kannten Körperschaft nnn-rhmcn.
Da« ««schuldige Frankreich.
Paris, 3. Nov. Die französisch« Regiemn« hat Alstern Abend dir britische Rote in der Rheinlandfrage beantwortet. Sie soll erklären, die französische Regierung habe die separatistische Bewegungnicht provoziert und unterstützt. Sie beschränke sich lediglich daraus, di« Ordnung in de" von den Franzosen besetzten Zonc gnfrechtzuerbalten, ohne in irgend einer Weise die Be> vöikerung an der freien Willensäußerung zu hindern. Die Note entwickelt dann furistisch, daß der vom Foreign office angeführte Artikel Nr. 27 des Versailler Vertrags wohl die Grenzen festlege, sie aber nicht garantiere. Wenn z. B. Rust'and Deutschland morgen augretse und ihm eine Provinz eutreiste, dann würden die Alliierten nicht verpflichtet sein, dem Reiche z« Hilfe in kommen und der Vertrag von Versailles würde seinen ganzen Wert beibehalten.
ailf die Frage zu erhalten versuche, ob Frankreich den Sachverständigen freie Hand zu lassen beabsichtige. Sollte Frankreich aus seinen Einschränkungen bestehen, so werde dies nahezu sicher zur sch le unigen Zurückziehung des amerikanischen Angebots führen.
London, 3. Nov. Sleutet meldet aus Washington: Im Weißen Hause wurde namens des Präsidenten erklärt, der ursprüngliche Pmn zur Untersuchung der Zahlungsfähigkeit Deutschlands habe eine vollstän-
Marburg
Montag, den 5. Ronmdtt
Rebel uug
Von besonderem Interesse sind darum die Kommentare der Parteien zur Krise. Di- Presse der Rechten fordert vor allem auch den Rücktritt der Großen Koalition In Preußen Die „Deutsche Zeitung" außerdem den Rücktritt Eberts und auch Siresemanns. In einem neuen Kabinett Sttesemann sieht auch die Übrige Press- nur einen Uebergang. Eine Erklänmg der Deutsch n ai. Partei besagt, daß die Partei dem Versuch eines Rumpskabinetts der Kleinen Koalition einhelligen «nd entschiedenen Widerstand entgegensetzen werde, weil daraus nur Unheil zr erwarten wäre. Auch die Sozialdemokratie will „reine Opposition" machen, denn der „Vorwärts" sieht in dem Ausscheiden der Marxisten einen Sieg von Kahrs. Für das Kabinett wären also nur Demokraten, Zentrum und ein Teil der Bvlkspartei: es ist bekannt, daß ein großer Teil der Bolkspartei die Hin- »uziehung der Deutschnativnalen zur Regierung fordert.
See Echo ans Bayern
darf heute wohl besondere Beachtung fordern. Sind ooch die Anschauungen, wie sie heute in München herrschen, typisch für weite Kreise des Bürgertums in ganz Deutich- land, was von den Berliner Parteipolltikern gesüssent- kich übersehen wird. Die „Münchener R. Nachr." schrei- den: Die Krise mußte notwendig kommen; denn ein Kabinett der Großen Koalition mit den Marxisten hat aus die Dauer keine Lebensfähigkeit, weil seine marxistischer Teil die Aufgaben einer Regierung. Festirung des Staates, verneint. Der Kampf gegen den Marxismus ist kein Schlagwort, wie man in Berl'n zu sagen pflegt, und der „Marxismus" selbst ist auch kein- Wir hoffen, daß Inan in Berlin bei den Ent'cheioungen, die dort gettotrei# werden, über den engen Horizont der Partcischablone hin- »usgeht."
Und der „Tag" läßt sich aus München melden: „Der Austritt der Sozialdemokraten aus der Reichsregierung wird in München als „R e i n i g u n g" empfunden. Allerdings wird das Mßtrauen gegen den Reichskanzler nicht schwinden, und Kritik an Bayern, die in den Worten der amtlichen Verlautbarung enthüllen ist, wo von der „in Bayern mit dem Marxismus getriebenen Agitation" gesprochen wird, sowie die auch in anderen Erklärungen der Reschsregierung verschiedentlich wieder auftretende Gegenüberstellung Bayerns und Sachsens wird als neuer Beweis dasür angesehen, daß eine Regierung St re-
’emann nicht in der Lage sei, die Krankheit unserer Zeit und unseres Volkes in ihren Ursachen zu bekämpfen." ~ ,
Berlin, 2. Nov. Laut „93. Z. a. M." trat das Reichskabinett heute vormittag unter dem Bor« sitz des Reichskanzlers zur Beratung der durch den Austritt der Sozialdemokratie aus der Regierung und der Koalition geschaffenen Lage zusammen.
Berlin, 3. Nov. Wie die Blätter hören, ist die Auffassung über die gegenwärtige Krise in Regierungskreisen sehr ruhig. Eine Ergänzung des Kabinetts aus den Reihen der Parlamentarier, die der bürgerlichen Arbeitsgemeinschaft angehören, soll nicht in Frage kommen, vielmehr soll in Aussicht genommen sein, das Kabinett durch außerparlamentarische Persönlichkeiten, zu' vervollständigen. Uebrigens sei die Regierung der Auffassung, daß in diesem Augenblick politische Krisen nicht mehr als unbedingt nötig beachtet werden sollen und daß das Hauptaugenmerk auf die brennenden Wirtschaftsfragen gerichtet sein müsse. Das Reichsfabinett beschäftigte sich daher auch in der heutigen Sitzung n i ch t mit den großen politischen Tagesfragen, sondern lediglich mit Währungs- und wirtschaftspolitischen Angelengen- heilen. — Laut „Germania" sei beschloßen worden, daß das Reich die Mittel zur Verfügung stellt, um bestimmte Lebensmittel wie Reis und Fett, in größeren Mengens die greifbar in gewissen Hafenstädten liegen, zu erwerben. Diese Lebensmittel sollen durch die Konsumvereine an das Volk verteilt werdest. Außerdem sollen die Konsumvereine ein bestimmtes Quantum näher zu bezeichnender Lebensmittel zur Verfügung der Städte stellen für die Bedürftigen. Ferner kam es zwischen dem Reichswirtschaftsministerium und den Zentral- organisationen des Kleinhandels zu einem Verständnis darüber, zu versuchen, dis Lebensmittelpreise möglichst auf den Stand der Vorkriegszeit hinunterzudrücken.
Wie die Blätter melden, hielt die Zentrumsfraktion des Reichstages am gestrigen Sonntag eine fünfstündige Sitzung ab, in der zur politischen Lage, wie sie durch den Austritt der Sozialdemokratie aus dem Reichskabinett sich entwickelt hat, Stellung genommen wurde. Beschlüße wurden gestern noch nicht gefaßt. Heute werden zwei Ausschüße der Zentrumsfraktion zusammentreten, von denen der eine sich mit Fragen der Währung und Ernährung beschäftigen wird, während der andere die Rheinlandfrage erörtern soll. Nach Abschluß dieser Ausschußberatungen wird dann die Gesamtfraktion ihre Beratungen fortsetzen. Später soll der Reichsausschuß der Zentrumspartei einberufen werden. Das Zentrum ist sich mit den Demokraten einig in der Ablehnung jeder Erweiterung der Regierung Stresemann durch Einbeziehung der Deutsch- nationalen.
Berlin, 3. Nov Der Auswärtige Ausschuß des Reichstages, der für Montag einberufen war, wird erst am Dienstag nachmittag eine Sitzung abhalten. Der Termin für die Plenarsitzung bleibt zunächst für Mittwoch bestehen.
Berlin, 3. Nov. Reichswchrminifter Dr. Eeßler hat folgende Verordnung erlaßen:
Auf Grund des 8 1 der Verordnung des Herrn Reichspräsidenten vom 26. September wird der Reichsausschug der deutschen Betriebsräte mit Wirkung für das ganze Reich aufgelöst und verboten.
lgez.) Dr. Eeßler.
Wie lei die SitiwriWtn stMimsz.
Schleunige Zurückziehung.
P a-r i i, 3. Nov. In einem Washingtoner Bericht der „Chicago Tribüne" über bk Ausfassung der bereinigten Staaten in bei Frage der Sachverständigenkommission heißt es: Das Staatsdepartement steht in ständiger Fühlung mit den alliierten Hauptstädten, und es verlautet, daß die ^Regierung innerhalb der
dige vnd umfassende Prüfung der Frage vor- gesehen. Falls Einschränkungen erfolgen sollten, die nach Ansicht der amerikanischen amtlichen Stellen keine Hoffnung auf gute Ergebnisse der Prüfung eröffnen würden, o würde wahrscheinlich der amerikanischen Teilnahme nur mit der ausdrücklichen Erklärung zugestimmt werden, daß die Washingtoner Regierung von Anfang an der Aw- icht sei, daß die Bemühungen, die Reparationsfrage in sicser Weise zu regeln, auss ichtslos toören.
Paris, 3. Nov. Ministerpräsident Poineare empfing heute vormittag den britischen Botschafter Lord Crewe. Die Unterredung erstreckte sich, wie das „Journal des Debats( mitteilt, auf die Sachverständigenkonferenz und die Formel, in der sich die Einladung an die Bereinigten Staaten vollziehen soll. Poincare empfing auch den vor zwei Tagen aus seiner Heimat zuruckge- kehrten amerikanischen Botschafter Herrick. Die Regierungspresse will wissen, daß es sich hierbei um einen ein- achen Höflichkeitsbesuch gehandelt habe.
Parts, 4. Nov. Havas meldet am Brüssel: Den Blättern zufolge hatten der Mintster des Aeutzern Iaspar und Ministerpräsident Theunts tm Lause der letzten 24 Stunden eine Reihe Unterredungen mit dem französischen, englischen und dem amerikanischen Botschafter. Ein etwaiger Fehlschlag der SachverstSndi- genkonferenz würde in Belgien große Enttäuschung verursachen. Die Brüfleler Reelerung würde es für gefährlich halten, wenn der amerikanische Vorschlag scheitern würde. Sie fei mit Frankreich der Auf- sastung, daß lebe Herabsetzung der deutschen Schulden dem Verhältnis nach eine enttprechende Herabsetzung der alliierten Schulden bet den Vereinigten Staaten nach sich ziehen müßte. Trotzdem die Sage schwierig sei, gebe das Brüsseler Kabinett die Hoffnung aus eine Verständigung mit Amerika über den Plan nicht aus. Der Telegraph spiele ununterbrochen zwischen Brüssel, London, Paris und Washington.
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- London, 3. Nov. Der Sonderberichterstatter der „Times" in Aachen drahtet seinem Blatt: Nach mehreren SMnden heftigen Kampfes fei Rachen gestern von dem fast zwei Wochen daernden Terror der bewaffneten Banden befreit worden. Während der letzten Nacht brachten noch Regtezüge bewaffnete Separatisten aus Koblenz .und. Krefeld hierher. Um 5 Uhr morgens wurden die letzten Bewaffneten von einem belgischen Offizier durch dte Schranke gelassen, und die Bande begab sich dann nach dem nur von Feuerwehrleuten verteidigten Rachaus, das sie nm 7 Uhr mit großer Hesttgkett zu stürmen begannen. Die deutschen Behörden eilten zu den Belgiern, um ste zu ersuchen, die separatistischen Banden in Uebereinsttmmung mit de» interalliierten Ordonnanzen z» entwaffnen, sie wurden jedoch zurückgewiesen. Die belgische Gendarmerie, die noch vor einer Woche, als die deut-
ottz-i, ohne einen Schuß abzufeuern, die Separatisten aus ihrem Bollwerk vertrieb, die deutsche« Polizisten auf die Straße befahl, sie dort niederschoß und nachher die Separatisten wieder einsetzte; die noch vor drei Tagen das Rathaus nach Waffen untersuchte und "übet fesMellen konnte, daß die Feuerwehrleute ohne Schußwaffn Waren, lehnte es ab, die Angreifer zu entwaffnen oder dle Polizei zur Bertei- digung des Rathauses zu bevollmächtigen. Unter dte- ien Umständen bestand wenig Hoffnung für die Feuerwehrleute, dle mit ihren Aexten länger als zwei Stunden das Gebäude verteidigten. (Die mutige Haltuna der Ra iner Feuerwehrleute Wird and> von anderen englischen Berichterstattern hervorgehobcn.) Der Bc- richterftateri der .Times" schildert weiter dle durch dcn Angriff der Separatisten in dem wundervollen Aachener Rathaus, auf dem die belgtscve Fahne wehte, angerichtete Zerstörung. Die im Gebäude stationierte belgtscheWach' schaute dem Zerstörungswerk ruhig zu. Dcr Berichterstatter sand nach der Einnahme des Rathauses dte historische Hall« ungefüllt mit dem Auswurf Deutschlands, Frankreichs und Polens, der umheriag oder umherstand, bewaffnet mit Revolvern, Knüppel» und Aexten, und stch an der angerichtele» Zerstörung ergötzte. Rach dem Fall des Gebäudes fetzte ein noch schlimmerer Terro r ein.
Als jedoch dte Anweisung aus Brüssel eintraf, daß di» Unruhen aufhören müßten, wurde den separatistischen Banden zu ihrer Ueberraschung gesagt, daß ste ihre Waffe» aushändigen und die Stadt um 3 Uhr verlassen müßten. Der Berichterstatter der .Times" erklärt, die Tattache, daß die Rowdies die Stadt noch vor der festgesetzten Stunde verlassen hätten, sei ein neuer Beweis dafür, daß da» Ganze von Anfang an bis $u Ende von der Besatzungsbehörde gebilligt war. Tie Leute, dle lediglich gedungen waren, gehorchten bau Befehl, Vie Stadt zu verlassen, ebenso bereftwillta wie dem Befehl, zu fommen. Auf dem Rückwege schossen sie noch zwei harmlose Bürger nieder. Die belgische Gendarmerie schützte ste vor der Rache der Menge.
Paris, 3. Nov. Nach einer Havasmeldung ans Brüssel wird der Belgischen Telegraphenagenttir aus Aachen gemeldet, die Separattsten hätten nach der Besetzung des Rathauses von der Rhelnlandkommissio» dcn Befehl erhalten bis 4 Uhr nachmittags die öffentlichen Gebäude in verlosten. Ste hätten dieser Auffor- b nmg Folge geleistet und sich zurückgezogen. Die Bevölkerung (di« belgische Telegraphenagentur nennt sie Nattonalistten und Kommunistenl) sei ihnen gefolgt.
Paris, 3. Nov. Nach einer vom .Mattn" veröffentlichten Meldung aus Brüssel hat gestern nachmittag in Aachen belgische Gendarmerie eine Verordnung der Ryeinlandkommission angeschlagen, nach der dos Zusammenstehen von mehr als 5 Personen verboten ist. Es werde gemeldet, ‘■aß Decker verschwunden sei.
Dl- „Ob eiheisische Zeitung" etiibeint ie&emal wöcbentüd). — Beznzrvrei» 5.11.-10.11. iOOOOOUOOOO Mark einschließlich Zustellungsgebühr. Für ausfallende Nummerninf. Streiks oo. element.Ereigniste lein Sria?. — Ber az vonDr. T. Hitzeroih.—Druck der 8aiv.»Bachdruckerei non Job. Lug. Koch. Markt 21/23. — fterniprecher 56. PostiLeckkonta: Rr. 5015 Amt Frankfurt a. Main.
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Y Die große Krisis, die jetzt ausgebrochen ist, zeigt lknerpokitifch eine grundlegende Entscheidung ■gn. Das Experiment der großen Koalition, das letzt zweimal versucht wurde, ist endgiltig mih- blngen. Es ist nicht leicht, bei dem jetzigen Wirrwarr sich einigermaßen herauszufinden. Wenn wir letzt am Scherbenhaufen der großen Koalition ßehen, so mjisien wir uns diejenige Zeit in Erinnerung rufen, die förmlich stigmatisiert war durch den Ruf nach dieser großen Koalition.
Wenn sie nun auch jetzt wieder in die Brüche geht, so liegt die Ursache letzten Endes in der mangelnden Homogenität innerhalb der sozialdemokratischen Partei. Seit der Vereinigung mit den Unabhängigen «lachen sich destruktive Tendenzen lemerkbar, denen gegenüber die gemäßigte Richtung stch immer Weniger durchsetzen konnte.
Rach Lage der Dinge ist ein Wiederaufleben der Koalition ausgeschlossen. Was aber nun? Es gibt zwei Möglichkeiten? Entweder nimmt das fetzige Kabinett in der Gesamtheit seine Demission »der aber es wird der auch schon früher erwähnte Plan der Schaffung eines Konzentrationskabinetts »erwirklicht, und darauf gehen denn auch die Pläne Ltresemanns. Die Reichsregierung wird nun zu Müfen haben, ob sie für ihre Schritte die nötige parlamentarische Unterstützung findet. Der Zusammentritt des Re'chelages muß diese Entscheidung bringen.
Die Regier -uig fctti dem Reichstag sowohl über "bte äußer, wie über dte innere Politik eine Erklärung abgeben und verlangen, daß ihr im Anschluß an die Aussprache ein Vertrauensvotum aus-, gestellt wird. Ol der Reichstag für ein solches Vertrauensvotum die Mehrheit aujöringt, steht vorläufig dahin. Dis Sozialdemokraten haben scharfe Opposition zugesagt und die Haltung der Deutschstat icnalen ist nicht minder schroff. Es ist also vorläufig jedenfalls außerordentlich unsicher, ob die Mitte, sei es von rechts oder von links, den nötigen _ Zuzug bekommt. Für das Schicksal des Kabinetts wird diese Frage aber, wie wir hören, nicht entscheidend sein, da Dr. Stresemann entschlossen ist, im Falle einer Ablehnung des Vertrauensvotums die Konsequenzen in der Richtung zu ziehen, daß er den Reichstag auf löst und das deutsche Volk zu einer neuen Wahl auffordert. In Bezug auf seine Regierungstätigkeit würde das Kabinett durch den Artikel 45 genügend geschützt sein
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Brüssel, 4. Nov. Der belgisch« Oberkommtssaf in den besetzten Gebieten erklärte nach seiner Unter* rtbung »•“ dein l-elgikchen Minister Iaspar einen! Vertreter der „Agence Beige, er habe aufgrund bet ihm von ber belgischen Regierung über bte Neutralität gegenüber ben Ereignissen tm Rheinland erteilte« Weisungen geglaubt, am Sonnabend vormittag In Rachen einschreiten zu müssen. Es wäre unzulässig gewesen, baß die Belgier Partei für bte bewaffneten Banben, ble sich des Rathauses bemächtigten, ergriffen hätten. Die deutsche Polizei habe tote die belgisch« Gendarmerie den belgischen Militärbehörden unterstanden. Ein Nichteinschreiten hätte bedeutet, daß big Belgier für bte Unruhestifter Partei ergreifen, ober es hätte 3um minbstens ben Anschein erweckt, baß st« von ihnen eingeschüchtert seien. Deshalb habe er bte bewaffneten Banben ausgesorbert, bte Stadt zu verlassen. Die Stadtverwaltung habe ihm ebenso wie ter englische Vizekonsul unb ber holländisch« und chtoeiierische Konsul ihre Befricbigu«g über dies« Sicherheitsmaßnahme ausgebrückt.
Brüssel, 4. Nov. Der belgisch« Oberkommiffar im Rheinlanb hatte gestern eine Besprechung mit ben Ministern Iaspar unb Forthomme über bte Vorgänge in Aachen.
Paris 4. Nov. L>avas meldet ans Koblenz:' Die sevarattstische Regierung hat gestern beim belgischen Oberkommissar wegen der Vorgänge ht Aaches protestiert.
Rachen, 2. Nov. Dte heutige Stadtverordneten« sitzung stand unter dem Zeichen ber gestrigen Eret» nisse. Der stellvertretende Oberbügemeister Wickman« lettte fest, baß eine bewafsnete Bewegung zur Errich« timg von einer vom Deutschen Reich losgelösten Republik an ber gesamten Bevölkerung «icht bte geringste Stütze hab'e. Den mutigen Verteibigern bes Rathauses gelte ber Wärmste Dank ber Stabt, unb in tiefer Trauer gebenfe man bet Opfer, die ber ungleiche Kampf mit ben Horben gefordert hab«. Der wärmste Tank gebühr« auch ber gesamten Bürgerschaft für die in grenzenlosester Weise bewiesene Tren« deutscher Gesinnung. Er forber sie nunmehr auf, Ruhe und Ordnung ;« wahren intb vor allem keine Gewalttätigkeiten gegen bte Irregeleiteten zu begehen. Der Vorsitzende verlas eine Entschließung, die von allen Ftak« t i onett h er ?etadiverorbnejten°Veri- sammlung ein gereicht worden war. I« dieser wirb ber tiefen Empörung Ausdruck verliehen über Ne Schandtaten, bte bU Sonderbündler mit Hilfe von Bolksverbte« chern unb Gesinbel verübt habe«, um die Herrschaft in Aachen an sich ju reiften.
Amtliches VerLndigungsblatt des Kreises Marburg.
Anzeiger für (bas früher kurhesiische) Oberhessen
SudwigShafen, 3. Nov. Bar dem Stadt. Hause i» Ludwigshafen sammelte sich gestern abend ei«« Anzahl Sonderbündler, um einen Angriff gegen dasselbe zu unternehmen, sah jedoch in letzter Minute von ihrem Vordaven ab. Dte Ansammlung löste sich von selbst auf, so baß die Polizei nichi elnzufchreiten brauchte Wie man hört, soll bte sür gestern Abend geplante Atlicn heute, Samstag abenb zur Aussühruna gefangen.
Angriff« auf Kaiserslautern.
Kaiserslautern, 5. Nov. Heut« «acht ka« eine gröhere Anzahl Separatisten von aus. warts hier a«. Heute morgen gegen y27 Uhr et» folgte bet erste Angriff auf bas Stadthaus, besinn Ergebnis sich noch nicht übersehen lieh. Wie wir «tfahre«, wolle« bie Separatisten ihren Hauptstoß gegen Kaiserslautern führen, unb von hier ans bie ganz« Pfalz erobern. Zurzeit läuten noch bie Sturmglocke«. Die Abwehrposten, bie in letzter Zeit zum Schutze ber Stabt ausgestellt waten, fink von bet Besatzungsbehötb« entfernt worben.
Wie verlautet, hat gestern bie Besatzungs« behörb« in früher Morgenstunde bas Regietuugs- gtväube abgesperrt unb einet Untersuchung unter« zogen. Dasselbe geschah mit dem Postamt. Hier wurde« 80 Zivilisten, die zum Schutze des Postamts da waren, adgeführt. Um 8 Uhr rückte« die Fran, zostn ab.
Kaiserslautern, 5. Nov. Um 7.15 Uhr vormittags wurde bet erste Ansturm abgeschlagen.