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Amtliches Verkündigungsblatt des Kreises Marburg.

Anzeiger für (das früher kurheffifchej Overheffen

Mr. 258

„Oberhejfiich« Zeitung" erjchetnt lechrmal wöchentlich. — Bezugsvrei» 2S. 10.-3.11. 9 000 OuO 000 Mark rinschlietzlich Zustellungrgebühr. Für auefallenbe Stummem ins. Streiks oo. element. Ereignisse lein Ersatz. — Deriaz von Dr. T. Httzeroth. — Druck der Univ.»Buchdrucker«! von 3ob. Lug. Koch. Markt 21/23. — Hernlprecher 55, Postscheckkonto: Rr. 5015 Lmt Frankfurt tu Main.

Marburg

Mag, ta 2. Mowmier

Rebeluug

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ss. m 1823

Mr« Stile.

Dft sozialdemokratische Reichstagsfraktion hat am Mittwoch Nachmittag stundenlang bis in den Abend ver­handelt und ist dabei zu einem Beschluß gekommen, der au den Reichskanzler eine Reihe von Forderungen richtet, darunter energisches Vorgehen gegen Bayern, Aufhebung des Belagerungszustandes und Zurückziehung der Nei'chs- ftehr aus Sachsen. Dem Beschluß wurde dadurch Nach­druck gegeben, daß man eine Antwort des Reichskanzlers his Donnerstag 1 Uhr verlangte.

Der Aufmarsch gegen bas Kabinett hat allerdings Versagt, einmal, weil der Kanzler erst am Donnerstag Abend von seiner Unpäßlichkeit soweit genesen war, daß nut Sitzung des Kabinetts ftattfinden konnte, zum sondern aber, weil kein Kabinett sich auf derartige Forde* rnngen einlassen könnte. Denn selbstverständlich würden nicht nur alle Koalitionsparteien, sondern z. B. auch alle Wirtschaftlichen Verbände, Gewerkschaften usw. mit ihren Forderungen bei einer Regierung antreten, die einmal »achgegeben hätte.

Die Dwhungen zeigen aber, aus wie schwache» Füßen- rin Koalitionskabinett überhaupt steht.

Man sollte meinen, wenn eine Koalitionspartei nicht Ehr will, daß sie dann von selbst austreten könnte. Die Form der Erpressung brauchte sie dann nicht zu wählen. Ob dir Aufrechterhaltung des militärische» Belagerungszustandes notwendig ist, ist doch eine sachliche Frage, so sehr auch die Sozialdemokratie a.sitatorisch ».Zt. die Aufgabe des Belagerungszustandes verlangen möchte.

Ter „Vorwärts" veröffentlicht selbst in seiner Dvn- mrstag-Nummer ein Rundschreiben der kommunistischen Zentrale, ans dem hervorgeht, daß die Kommunisten «ic aller Kraft den bewaffneten Aufstand vorbereiten, den ste als den Entscheidungskampf betrachten. Wie kann van unter solchen Umständen von der Regierung ver­langen. daß sie die Waffen des militärischen Velage- rrnaszustandes strecken soll. Hier wirkt offenbar immer, rach die unglückselige Neigung nach lrer kommunkV'chen Kvnknrrenf zuliebe, eine Politik des hohlen Schlagwortes .zu treiben, an die man selbst innerlich nicht glauben kann.

Wie uns aus Berlin gemeldet wird, will man es der Sozialdemokratie überlassen, von sich aus die Konsequenz m ziehen, die Regierung werde von ihrer Linie nicht abweichen, selbst wenn die So­zialdemokratie den Rücken kehren würde. Sollte eine aktionsfähige Regierung aus rein bürgerlichen Elementen sich nicht bilden lassen, so stände der Reichs­tag vor der Anstösung, an demselben Punkte ir|o, wo er irreits vor dem Ermächtigungsgesetz stand. In gew's,em Sinne ist die Krise wieder einmal akut, und das in ei"em Augenblicke, wo außenpolitisch die Aufmerksamkeit der Regierung besonders gefesselt ist. Di- g-strige Kabin-tts- sttzung hat denn auch wesentlich, wie der „Tag" mitteill, den Problemen gegolten, die vurch den Verlauf der Be- sp-vchungen der Industriellen in Düsseldorf Bitt d:e Ausnahme der Arbeit und die ganzen Ruhrfragen üb r- ^upt aufgeworfen sind. Zu diesen Verhandlungen, in denen eine Einigung erzielt worden ist, und die ganze Lage im Ruhrgebiet mußte die Regierung Stellung «hmen das war die brennendste Ausgabe.

Berlin», 1. Nov. Wie btt Blätter melden, wird die für vormittags wegen der Erkrankung des Reichs- lckr.zlers abgesagte B es p r e ch u n g des Kanzlers mit den Führern der sozialdemokratischen Partei abends 8yhr stattstnden. Um 9 Uhr wird dann die sozialdcmo statische Fraktion zusammentreten, um über die Frage des Verbleibens der sozialdemokratischen Minister im Reichs- kabinett Beschluß zu fassen.

Berlin, 2. Nov. Die Entscheidung über die Annahme der Forderungen der Sozialdemokraten durch das Reichs kabinett ist gestern noch nicht gefallen. Im Lauft des ftntigen Vormittags soll zunächst Rücksprache mit den Führern der bürgerlichen Koalition genommen werden, «egen mittag wird dann eine Kabinettssitzung stattsinden and im Anschluß daran wird die sozialdemokratische Reichstagsftattion die Entschlüsft des Reichskabinctts er­örtern. -— Der „Vorwärts" hält die Aussicht silr ein Verbleiben der Sozialdemokraten im Rcichskabinett nicht kür sehr hoffnungsvoll. Das Blatt schreibt: Allem An- förin nach treiben die Dinge zum Bruch. Dft sozial- demokratischen Forderungen sind für uns Selbstverständ Lchkeiten, ohne deren Erfüllung «in Verbleiben i.t der Negierung unmöglich ist. , ;

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Sie Joie ii S«W.

Dresden, 31. Dft. Die Nachrichtenstelle der Staatskanzlei teilt mit: Abends nach der Vereidi- S«ng des Ministerpräsidenten Fellisch vor dem Landtag und der sofort danach erfolgenden Be- rufung der Minister tritt die neue Negierung ihr Amt an. Der Reichskommissar Dr. Heinze wird »ach der Konstituierung der Regierung seine Funk­tionen sofort einstellen.

Berlin, 1. Nov. Der Reichspräsident hat, nachdem inzwischen in Sachsen eine neue Regierung gebildet worden ist, durch eine Ver­ordnung vom heutigen Tage die am 29. Oktober <uf Gründ des Artikels 48 der Reichsverfassung «ilafiene Verordnung zur Wiederherstellung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung im Gebiete •cs Freistaates Sachsen wieder aufgehoben.

Dresden, 31k Okt. Die Nachrichtenstelle der ktaatskanzlei teilt mit: Nachdem Fellisch vom Landtag zum Ministerpräsidenten gewählt

und dies dem Reichskommiffar Dr. Heinze zur Kenntnis gebracht worden war, hatte sich der Reichskommissar nach Berlin begeben und dem Reichskanzler über *t>ie nunmehr geschaffene Lage Bericht erstattet. Der Reichskommissar ersuchte Fellisch, ihm die Ministerliste seines neuen Kabi­netts mitzuteilen.

Der Reichskommiffar hat im Laufe des gestrigen Tages den sächsischen Ministerpräsident empfangen und ihm die Stellung der Reichsregierung bekannt gegeben. An der Unterstellung der Staatspolizei unter den Wehrkreisbefehlshaber, sowie den Auf­gaben der eingesetzten Truppen wird nichts ge­ändert.

Berlin, 2.Nov. Wie die Blätter aus Dresden melden, hat die Deutsche Volkspartei dem sozialdemokra­tischen Minderheitskabinett Fellisch ihre Unterstützung, die sie ihm vergangenen Dienstag in Form einer Wohlwollen- den Neutralität zugesagt hatte, entzogen. In der heutigen Landtogssitzung erklärte der Redner der Deutschen Volks- partei, daß die Zusammensetzung des neuen Kabinetts ein« wohlwollende Haltung seiner Pattei unmöglich mach«. Die demokratische Partei dagegen sagte dem Kabinett Fellisch weiterhin ihre Unterstützung z« mit der Be­gründung. daß jetzt nur eine Klärung der Lage zu prak* tischer Polittk führen könne. •

Berlin, 1. Nov. Blättermeldungen aus Dresden zufolge droht in der sächsischen Sozial­demokratie eine Krise. Der Landesarbeitsausschutz gibt bekannt, daß zwar die Landtagsfraktion mit 32 gegen 10 Stimmen beschloß, eine sozialdemokra­tische Minderheitsregierung mit Unterstützung der Demokraten zu bilden, daß aber die Landesinstan­zen diese Regierungsbildung mit 15 gegen 7 Stim­men ablehnten. Zur Klärung der Differenz soll ein Landesparteitag einberufen werden.

Die Reichswehr in Sachsen. - .<*, Dresden, 1. Nov. Das Reichswehrkom- mando 4 teilt mit: Bis zum 1. November wurde Äon der Reichswehr die Gegend von Voigtsgrün— Zrfersgrün und die Linie von Zschöppigen—Ober­lichtenau—Flöha erreicht. In Großenhain wurde am 30. Oktober ein Kommando von 4 Reichswehr­angehörigen, das einen Verhafteten zum Amtsge­richt führen sollte, auf dem Markt von einer Menge umringt und mißhandelt. Die Polizei alarmierte das Wachkommando des Reiterregiments 12, das sofort in die Stadt rückte, das Kommando be­freite, die Straßen säuberte und die Ordnung wie­derherstellte. Da die Menge den Anordnungen der Truppe nicht Folge leistete, wurde bestimmungsge- gemäß von der Schußwaffe Gebrauch gemacht. 15 Personen wurden verwundet. In der Nacht zum 1. November wurden auf die Kaserne in Großenhain einzelne Schüsse abgegeben. Ausgesandte Streifen kehrten zurück, ohne die Täter ermittelt zu haben.

Berlin, 1. Nov. Der Ausschluß des Reichs­präsidenten aus der sozialdemokratischen Partei haben nunmehr nach den Vorgängen der Leipziger Parteiorganisation auch die Berliner Funktionäre der sozialdemokratischen Partei gefordert. Der ge- .',en eine Parteiminderheit angenommene Antrag hat folgenden Wortlaut: „Die Funktionärversamm­lung der V. S. P. D. Eroßl erlins schließt sich dem Vorgehen der Funktionäre von Leipzig an und ver­langt den sofortigen Ausschluß des Reichspräsiden­ten Ebert aus der Partei. Eine Begründung nach den letzten Handlungen des Reichspräsidenten er­übrigt sich."

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Seincari WvM wieher.

Paris, 1. Nov. In Revers hielt am heutigen, dem Gedenken der Toten geweihten Fest Mnistccpcäsi* dent Poincare aus Anlaß der Enthüllung eines Krie­gerdenkmals wiederum eine Rede.

Er beschäftigte sich mit dem angeblichen Versuch Deutschlands, sich zahlungsunfähig zu machen. Lang« bevor man nach dem Ruhrgebiet gegangen sei und Pfänder erschlossen habe, habe Deutschland systematisch seinen Bankerott organisiert. In der gleichen Weise wie dl «französische Presse suchte Poincare dies zu ec* gründen. Er behauptete auch, daß Deutschland den Geist der Revanche und des Hasses gegen Frankreich in sein?» Schulen vorbereite, daß die Reichswehr und Schupc in Deutschland eine unabhängige und furcht­bare Macht dar ft eilten. Diese Anarchie hab« vor der Ruhrbesetzung bestanden. Man habe Pfänder nehmen müssen, die man erst nach vollkommener Zah­lung freioeben werde. Trotzdem Teütschland' der Re* parationskommission erklätt habe, es könne die Sach- tieserungen nicht bezahlen, erhöhten sich täglich die Lielernrgen. die es sich kostenlos selbst gesichert habe. Frankreich beginne jetzt, den Lohn seiner Mühen zu ernten. Wie am letzten Sonntag, erllärte Poincare, zulasten zii 'wollen, daß die Reparationskommission die derzr'tige deutsche Zahlungsfähigkeit und darüber hinaus auch die Zahlungsfähigkeit Deutsch*

lauds fü, eine kurze Zeitspanne prüfe und daß sie die neuen Zahlungs Modalitäten festsetze. Dagegen dürft man von der Reparationskommission keine Revision ihrer Beschlüsse über die Höhe der Reparation-schuld und krineFest* legung aus unbestimmte Zeit verlangen. Schließlich betonte PoinearL auch, er wolle mit Deutschland freundnachbattiche Bezichungen (! I) unterhalten, aber am Vertrage lasse er nicht rütteln.

Die Sachverständigen-Konserenz.

Paris, 1« Nov. Nach dem „Petit Pattsien" hat Poincarö schon gestern die Antwort der französischen Regierung auf den englischen Vorschlag der Bildung eines Sachverständigenausschusses zur Abschätzung der deutschen Zahlungsfähigkeit redigiert. Poincars nehme den englischen Vorschlag an mit der Begrenzung, daß die Sachverständigenkommission nur die augenblicklich« Zahlungsfähigkeit Deutschlands zu prüfen hab«, denn die Zahlungsfähigkeit Deutschlands für die Zukunft ab- zn sch ätzen, wäre nicht nur vergeblich, sondern auch ge­fährlich, weil man in eine Revision d«S Londoner Zah* lungsplanes hineingeraten könnte. Dieser könne aber selbst nicht durch die Reparattonskommission abgeän- dcrt werden, sondern nur tm Falle einstimmiger Zu­stimmung der allietten Regierungen, und man wiffe ja, dcß die französische Regierung für ihren Teil keiner Einschränkung znstimmen werde. Die ftanzösische Re­gierung verlange im übrigen, daß die Aufgaben des SachverständigenrusschuffeS von der ReparationSft-m* mijsion bestimmt werden. Was den Ort d«S gusam* menttttts der Kommission mcketvefft, so werde ste gegen Berlin keinen Widerspruch erheben. (

London, 1.Nov. Der diplomatische Berichterster deS „Daily Telegraph" schreibt, Mhlreich« Personen in London seien der Ansicht, durch die Natur seiner Funk­tionen werde der geplante Sachverständigen-Aus- "chuß gezwungen sein, „umherzuwandern", fti eS. daß sein Hauptquartier Berlin oder eine der alliierten Haupt­städte sein werde. Es werde vielleicht erforderlich fein, daß der Ausschuß sich nach gewissen neutralenLän* dein begtbt, entweder um die dottige« deutschen Gut­haben ftstzustellrn oder die Aussichten ihrer Beiträge zu einer internationalen Anleihe zu untersuchen.

Der Korrespondent bettchttt weiter, es werde ihm Oer* sichert, daß weder von Paris noch von Brüssel in die augenblicklichen Führer der separatistischen Be­wegung absolutes, Vertrauen gesetzt werde Genüsse ftanzösische und belgische öttliche Behörden schienen jedoch geneigt zu sein, die Separatisten mit ausgesprochenem Wohlwollen zu bebandeln.

London, 2.Nov. Reuter meldet aus Washington: Die Ernennung amerikanischer Mitgli^ier für den Unter* suckungsausschuß für die Reparationsfrage ist noch nicht in Erwägung gezogen worden, aber es herrscht der Ein-, druck, daß die Regierung möglicherweift 3 Mitglieder ver­langen wird. Bei der Auswahl soll den verschiedenen Interessen Rechnung getragen werden. Gleichzeitig soll die Wahl in der Weise ersolgem daß keine Besorgnis wegen einer Berwicklung Amerikas in 'Angelegenheiten des Völkerbundes zu bestehen braucht.

Smtrito Mi hie Ne In SnrtM.

Paris, 1. Nov. Nach einer Meldung der „Chicago Tribun-" bat die Opposttion des Senators Mac Cov- mik gegen die Beteiligung der Vereinigten Staaten au den Arbttten des geplanten Sachverständigenausschusfts zur Untersuchung der deutschen Zahlungs- f ä h i g ke i t in den Reihen der „Unversöhnlichen" keine große Unterstützung gefunden. Insbesondere fttzte sich Senator Bork dafür ein, daß der Regierung freie Hand gegeben werde, zu versuchen, was sie zuwege zu bring:n vermöge. Borah, der gestern eine längere Unterredung mit dem Präsidenten CoolDge hatte, aber erklärt, daß er gegen die Beteiligung Amerikas keinen Einspruch er­heben würde, obwohl er allerdings persönlich die stärksten Zweifel hege, daß das Verfahren zum Ziele führen und beispielsweise die Unterstellung des Sachverständigen- Komitecs unter die Reparattonskommission, wie sie von Frankreich verlangt worden sei sür ein praktisch un­überwindliches Hindernis halte. Die Regierung hat in* drssen nach der „Chicago Tribüne" gestern halbamt­lich mitgeteilt, daß die erzielten Fottschritte hinsichtlich der Organisation des Sachverständigen-Ausschusses ft# in vollem Umfange befriedige. •

V Re whork, 1. Nov. Generalmajor All e «, von Washington kommend, in Chicago eintras, teilte nur, das; Plan« in Vorbereitung seien, in diesem Winter zwti Millionen deutscher Kinder durch Vermittlung der, amettkanischen Gesellschaft der Freunde zu spellen. Alcn. ist der Vorsitzende des amerikanischen Komitees, Allen, ist der Vorsitzende des amettkanischen Komitees, das sich mit Förderung des von Hoover unterstützten Liebeswerkes beschäftigt. — Das wirkliche Liebe Zweck der Amerikaner bestände freilich darin, daß sic endlich ein­mal gerecht über uns denken lernten und den Geist Poincares durchschauten.

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Sie SolHiHethnltieii lebt noS!

Vor langer Zeit hat die Reichs reg ierung an die Vot- fchasterkonftrenz zu Paris das Ersuchen gerichtet, durch Sachverständige ftststellen zu lassen, daß Deut|'chland nicht imstande ist, Reparationszahlungen zu leisten. Seit­

dem ist der Ruhreinbruch über uns hinweggeganzen und hat mit feine« ganzen Folgen die Wittschaftskrast Deutsch­laichs noch mehr geschwächt und erschüttert. In Deutsch­land selbst wird aus allen Gebieten em Beamtenabbau und Sparsamkeit, Einschränkung oder Aufhebung, ftlbst der notwendigsten kulturellen Ausgaben durchgefühtt. I« diesem Augenblick erwacht di« Botschastettonferenz z« neuem Leben und läßt der Reichsregierung mittttlen, daß die Bezüge der Militärkontrollkommission unter Genera? Rollet der Teuerung i« Deutschland entsprechend z« rot höhen seien! Das ist fürwahr ein Lebenszeichen, bat der Botschafterkonferenz und der hinter ihr stehende» alliierten Mächte würdig ist. Jeder Deutsche wird ri» derartiges Verhalten wie Hohn empfinden und hoffen« daß die Reichsregierung unter Hinweis auf die Finanzlage entweder das Ansuchen glatt ablehnt ober überhaupt nicht darauf antwortet. Die beste Antwort wäre, dft Zahlungen an jne Militärkontrollkommissftn, die obnehi» längst nichts mehr zu kontrollieren hat, gänzlich einzu- stellen.

He GtporatWtwegiiM im Shtinlimh.

Paris, L No0. Nach einer Agcnturmeldung aus Brüsftl hat der deutsche Geschäftsträger «inen Schritt beim Außenminister unternommen, dem et im Namen der deutschen Regierung erklätte, daß Oon den belgischen Soldaten btt den jüngsten Vorgängen im Rbcinlmch! Handlungen dorgenommen Wochen seien, bie Neutralität-, widrig seien. Außenminister Jaspar habe geantwortet daß. wenn diese Vorgänge sich tatsächlich abgespielt hätte«, sft der Haltung und den unbedingten Anweisungen tet belgischen Regierung zuwiderlauftn. Ec werde sofott eint Untersuchung vornehmen lassen.

Abeene Phrasen!

Pari-, 1. Nov. „Malin" sche ibt, Poincare habk Loch Crew« bei der Ueberreichung der englischen Note übe? bi; Sonderbündlerbewegung geantwortet, die rhei­nische Bewegung sei keineswegs eine französische Schöp­fung, dic von den Besatzimgstruppen ermutigt mor­de« sei. Frankreich wünsche, daß künsttg -ine feste Barrier des Fttedens und der Sicherheit zwischen Frankreich und Deutschland erttchtet wech« und nicht nur materiell, sondern auch nwralHch seine Entmilit iri- sierung eintrete. ,

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Paris, 1 Nov Nach einer Meldung der HavaS- Agcntur aus Koblenz veröffentlicht die sogenannt: provi- sottsche rheinische Regierung ein Kommunique, daß di» rheinischen Truppen mehrere neue Ortschaften, darunter St. Goarshausen und Neuwied besetzt hätten. Die Be­amten arbeiteten weiter und die Bevölkerung sei ruhig.

Koblenz, 1.Nov. Durch eine den Schriftleitungei! zugestellte Verordnung der „Exekutive der vorläufigen Ne­gierung der rheinischen Republik" war ein Verbot aller Zeitungen ausgesprochen worden. Ter KrciS* delegierte der Rheinlandkommission hat jedoch auf An­frage hin erklärt, daß die Verordnung ungültig sei, da sie der Rheinlandkommission nicht Vorgelegen habe. Infolgedessen konnten die Zeitungen heute erscheine«.

Paris, 1. Nov. In einer von Matthes un­terzeichneten Proklamation der „vorläufigen rheini­sche« Regierung" in Koblenz wird erklärt:

Die vorläufige Regierung habe in einer Stadt zwei Plünderer erschießen lassen, die Anfang poriger Woche für einen- rheinischen Selbstschutzverband sich hätten amverben lassen. .Einer davon sei Inhaber der Mit- oliedekarte einer nationalistischen Organisation von Frankfurt a. M., der andere ebenfalls aus dem niche- befttzen Gebiet gebürtig gewesen. (Ms Einzelheiten über diesen unglaublichen Vorfall votliege.i, muß man annehmeih daß der Sonderbündler Ma.thes, um sich im Ausland als starker Mann Vvrzi.ste.lcn, hier über- trietet hat. T« er Privatperson ist, muß et die 53er* anitrcflung für die Tat vor dem regelrechten Gericht übernehmen).

Matthes hat ferner nach einer Koblenzer Havasmel- duna als Inhaber der vollziehenden Gewalt in einer Proklamation vom 31. Oktober verkündtt:

Tic Regierung der „Rheinischen Republik die dcu»ich, für den Frieden und die Mrsöhuung sei werde es niemals gestatten, daß diese von der Berliner Regierur.g sabottett würde. Es seien die enecgishsten BctteLigungsmaßnahmen vorgesehen. Jedes gemalt* tilge Unumehmen werde erbarmungslos mit größter Energie unterdrückt werden. Tie Berliner Regierung die weit tom Schuß sei, stürze durch ihre Scroti) nun gen das Rheinland in den Bürgerkrieg und Elend, soweit die Beamten ihr gehorchten. Man möge an die 8e» ndignng des Ruhekrieges und des Widerstandes mit seinen Konftaueuzen denken. Tie rheinische Regie* t.<ng mache die Beamten in den unter ihrer Gemalt stehenden Gebieten daraus aufmerksam, daß sie sich jeder Geirolttätigkeit zu enthalten und weoec schriftlich ne-' mündlich, weder direkt iwch indirekt der Berlin» PcrvrSnang des Reichsmiuistrrs für die besetzt.-n Ke* biete vom 29. Oktober zu gehorchen hätten, nie ihr rhalie'i gegenüber den Sondeebündlern regeln tvolle.

Arl rit, Brot und Frieden, da» fti der Will« du neue» Regierung. ' '