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DieOberheMiche Zeitung- erscheint iechrmal wöchentlich. LejUgrvrei» 22.-27. Dtt. 750 CM) 000 Mark einschließlich Zustellungsgebühr. Für ausfallende Nnmniern int. Streiks oo. element.Ereignis;« kein (Erlas. S et ag non Dr. T. Hitzerotd. Druck bet llniv.-Buchdrucketei von Job. Lug. Koch. Markt 21,2L Fernsprecher 55, Postscheckkonto: Nr. 5015 Amt Frankfurt a. Main.

58. 7*.

1923 .

Amtliches DerÄndigungsblatt des Kreises Marburg,

Anzeiger für (das früher kurhessische) Oberhessen

Der Anzeigenpreis beträgt für den Sgesp. Zeilenmillimeter Grundzahl: 40. Amtlich« u. auswiirt. Lnzeigrn 50. Bei schwierigem Satz 50/, Aufschlag. Sammelanzeigen 100/« Ausschlag. Sieklamen Grundzahl 150. Jeder Rabatt gilt als Barrabatt. Belege werden OE AU.L.. berechnet, ebenso Auskunft durch die Geschäftsstelle und Zusendung der Angebote. Zahlung slvrmkltzlllu. Den 2d. Dllövkl innerhalb 5 Tagen nach Rechnungsdatum, sonst nach der Schlüsselzahl de» Zahlunas- tage». Bei Schecks auf ousw.Plätze müssen wir die Eingangs- u. Berzugsspesen in An­rechnung dringen. - Schl8ss«lzahl de» S. d. Ztgs.-B. e»m 20__26.(10. 2 000000.

3n HSGn M.

All«! Notzeiten, die wir bisher erlebt haben, treten iu den Hintergrund gegenüber der Epoche höchster Not, ^ie wir jetzt durchmachen müssen. Um uns herum toanti alles. Weder die Politik, noch die Wirtschaft hat eine sichere Grundlage. Eine ungeheure sozi­ale Klärung ist in der Entwicklung begriffen. Wir dmzen tatsächlich auf einem Vulkan. Niemand Iveiß, nicht in der nächsten "Stunde schon der Ausbruch «folgt. Alles, was in dieser Stunde geschaffen ist, H in der nächsten Stunde schon wieder in Trümmer zerschlagen.

Unter diesen Umständen st ht auch die gegenwärtige Politik auf schwanken Füßen. Kommt nicht bald eine krleichterung, dann gehen wir den allerschwersten Dia- M» in innenpolitischer Hinsicht entgegen. Versagt die­ses Kabinett in seinen Anordnungen, die es auf Grund her fast unbeschränkten Vollmachten des Ermächti- jpkngsgesetzes retten kann und verficht es nicht, aus tzeblofen Paragraphen endlich die lebendige Tat zu «rachen, dann ist für die Existenz dieser Negierung nicht mehr viel zu verwetten. Der Reichstag, der jetzt preder zusammentritt, dürfte sehr rasch eine neue Situ- Mion vorfinden, die zu neuen Entschlüssen drängt.

Ueber der ganzen deutschen, der wirtschaftlichen, pie der politischen Entwicklung steht das furchtbare Wort: Zu spät! Zu spät sind die Konsequenzen aus dem verlorenen Krieg gezogen worden, zu spät hat «an im Inneren auf die notwendigen und unvermeid­baren Forrderungen aus der Liquidierung des Krieges, ir.sbesor.dere nach der wirtschaftlichen Seite hiugear- bkitet, zu spät hat man den heute uns lächerlich vor- hmmtnben Streit um wirtschaftlichePrinzipien" aus- geoeben, weil man unter dem Druck der Verhältnisse das ausführen mußte, was man gestern noch für un­möglich gehalten hätte, zu spät sind die notwendigen Vorkehrungen zur Verhinderung eines weiteren Wäy- Mngszerfalls getroffen worden und gegenwärtig be- gionen wir immer noch auf Schritt und Tritt büro- krati-chen Hemmungen, die uns nachgerade oe» Lrbeus- alt-m benehmen. In dieser höchsten Not können nur Sc.tfii helfen, ausgesührt von einer Regierung, die tef'f was sie will, die aber auch ihre Machimitkel rrnznsitzen entschlossen ist, um Ihren Anordnungen zum Wohle unseres geliebten deutschen Vaterlandes,

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Heute mittag hat die Sitzung des Reichskabinetts begonnen, die sich vorwiegend mit der Ernährungs- lage beschäftigte.

Ein Termin für die nächste Vollsitzung des Reichs­tages wurde bisher noch nicht festgesetzt. LautVoss. Ala/ ist es jedoch nicht ausgeschlossen, daß Gtznn- tzen noch in dieser Woche stattfinden. Der Reichs- kanzsrr hat sich den Entschluß, wann er im Reichs­tage zu Erklärungen erscheinen kann, noch oorbehalten und besonders von den Verhandlungen im Reichsrat Uer die bayrische Angelegenheit abhängig gemacht.

Di- Reichsregierung hat gleichzeitig an di- Re para- tkonskommission die schon seit längerer 8a ge­plant« Note abgesandt. Sie enthält tein neues Repa- rationspwblem, sondern nur die Mitteilung über die Zahlungsunfähigkeit Deutschlands.

Im Anschluß daran wird sich eine Diskussion zinschn der Reichsrcgieruns und der RcparationskomMission üb.r

Loslösung der» Pfalz.

Ludwigshafen, 22. Ott. Die Pfälzische Rundschau meldet: Zu der außerordentlich ernsten, für die politische Zukunft der Pfalz entscheidenden Sitzung ist heute der Kreistag der Pfalz zu- sammengetreten. Es handelt sich um nichts weniger als die Frage, ob die Pfalz weiter bei Bayern ver­bleiben wolle. Wie weit dicke Dinge in dieser Hinsicht gediehen sind, geht aus einem sozialistischen Flug­blatt hervor, das die Sozialisten der Pfalz verbreite­ten. In diesem Flugblatt wird darauf hingcwiesen, daß Bayern die Re i ch s v e r f a s s u n g ge b r o- ch c n habe und sich in offener Rebellion gegen das Reich befinde. Die sozialistische Partei sieht sich da­her genötigt, aus dieser Lage in Bayern die nötigen Konsequenzen Zu ziehen. Die Pfalz kann nicht mehr bet Bayern bleiben. Die Sozialisten der Pfalz haben daher die Initiative zur Loslösung der Pfalz von Bayern und zur Bildung eines selbstän­digen Staates im Rahmen des Reiches er- rt ten. Um 11.15 Uhr eröffnete der stellverttetcnde Vorsitzende Dr. Bayersdorser die Sitzung. Die Tribünen waren außerordentlich stark besucht. Der Vorsitzende erklärte, er habe die Gelegenheit nicht ver­säumt, sich an die öffentlichen Stellen und an den General dc Metz zu wend-n, damit die Gefangen n wieder sreigelassen wurden und die Ausgewieseuen zu- rückkehren könnten. Hieraus wurde der sozialistische Anttag eingebracht. Der Vertreter der Rhein- candkommission Mafor Louis gab hieraus die Erklärung ab, daß der gegenwärtige Zustand nicht an- danern könne, ohne daß die moralische Grundlage der Bevölkerung gefährdet werde. In Anbetracht der Vorgänge in Bayern ist von heute ab die Pfalz als Autonomiestaat mit einer provisorischen Regierung, bis zur wei­teren Entwicklung der Ereignisse an­zusehen. Diese Autonomie der Pfalz verpflichtet sich feierlich gegenüber der interalliierten Kommission in Gegenwart und für die Zukunft, die strengste Loyalität zu beachten, ebenso die Erfüllung sämtlicher Verpflichtungen, welche zu den Garantien der geschul­deten Reparationen erforderlich sind.

Der Vorsitzende vertagte hierauf den Kreistag bis auf 4 I16r nachmittags, bis der General be Metz die Antwort auf die verlangteAwstage abgibt. An, derSpitze sozia listischein Bewegung der Psia/z sieben der zweite Bürgermeister von Ludwigshafen Kleinfeld und der frü­her sozialistischen Bewegung der Pfalz Präsiden t Hoffmann - Kaiserslautern und ein Rechtsanwalt Wagner in Lud­wigshafen.

Speyer, 24. Ott. Rach Wiederaufnahme der Sitzung des pfälzischen Kreistages teilte der Lor- sitzende mit, daß von General de Metz eine Antwort bisher nicht zu erlangen war. Die Sitzung wurde daraus bis zum Freitag «achmittag 4 Uhr vertagt.

Die LudwigshafenerPfälzische Post", das Haupt­organ der pfälzischen Sozialdemokraten, veröffentlicht heute einen Aufruf, der betont, daß die Stunde gekom­men fei, in der die Pfalz sich von Berlin lossagen müsse, nachdem die bayerische Regierung die Reichsversassung gebrochen habe. Die Bereinigte Sozialdemokratische Par­tei der Pfalz habe die Initiative ergriffen zur Bildunc eines selbständigen Staates im Verbände des Reiches, damit die durch bas Vorgehen der bayrischen Machthaber schwer gefährdete Pfalz dem Deutschen Reich erhalten bleibe. Die Partei sei beinüht, die anderen politischett

Parteien der Pfalz zu bewegen, sich an der Bildung einer neuen provisorischen Regierung zu beteiligen. _

Dem .Tag" wird von einem Kenner der Berhcitt- ttisse geschrieben:

In der Pfalz wurde schon seit einiger Zeit unter Führung der Sozialdemokratie eine Bewegung propa­giert mit dem Ziel der Lostrennung von Bayern, wo­bei sie zunächst beim Reiche zu bleiben gedachten. Hierzu kam, daß der Ruf der Arbeiterschaft nach einem wertbeständigenZahlungsmittel, der sich infolge dcr durch dieBesatzung noch stärker auswirkenden Teue­rung lauter erhob als in anderen deutschen Gebiets­teilen. Von den Führern der anttbaherischen Strö­mung wurde dies geschickt benutzt, und die Franzosen ihrerseits verkündeten, daß eine autonome Pfalz in dem .Regiefranken" ein Gold zay- lungsmittel erhalten kön,ne. Die zozial- demottatischen Führer griffen nun diese Idee auf und verhandelten, so daß vor einigen Tagen ein bekann­ter pfälzischer Parteigänger erklären konnte:

.Wir brauchen keinen Putsch, wir machen die Sache aus legalem (!) Wege."

Der Vertreter der Rheinlandkommission hätte sonst sicher auch nicht gewagt, in der gestrigen Sitzung des Kreistages die Loslösung der Pfalz zu prottamieren, wenn nicht die Führer der Linksparteien schon vorher mit General de Metz verhandelt und mit ihm wahr­scheinlich die gestrige Erttärung dem Sinne nach sest- getegt hätten.

Die sozialistische Presse sucht die HandlungSweile der Pfälzer Genossen als gegen dasreaktionäre" Bayern gerichtet hinZustellen und der .Vorwärts" schreibt:

Die Gründung der Pfalz-Republik sei ein Akt der Abwehr wgert den regionären Separatismus und eist Akt vor Treue zum Reich.

Eine Erklärung der bayerischen Regierung.

München, 25 Oft. Ministerpräsident Dr. von Knilling erläßt folgenden Aufruf an das pfälzische Kalt. Ur.Verantwortliche Elemente haben nach einer freute hier eingttrcffrnen Mitteilung versucht, die Pfalz von ihrem Mutterland loszureißen und aus ihr einen selbständigen Staat zu machen. Dies sollte geschehen auf den Bajonetten bei französischen Besatzung, mit der sich anscheinend diese Elemente ins Einvernehmen gefetzt halten Diese wollen einen zwischen Bayern und dem Reich entstandenen Gegensatz, bei dem eine Trennung Bayerns vom Mich niemals in Frage kommen kann, zum Anlag nehmen, um ein Unternehmen ins Werk zu setzen, das sich als Hochvermt am bayerischen Vater­land daisulle und das nicht anders als mit der Los- reißung der Pfalz vom deutschen Vaterlande hätte endi­gen, können Dcr gesunde Sinn der Pfälzer, ihre Treue und ihr starker Glaub? an ihr trotz schwersten Unglücks geliebten deutschen und bayerischen Vaterlandes haben den verabschcuungöwürdigen Entschluß hochverräterischerVolks- genossen vereitelt. Die bayerische Staatsregierung sendet der pfälzischen Bevölkerung in allen ihren Schichten und Berufen für ihr standhaftes Verholten, ihre Treue "nni> ihre Anhänglichkeit herzlichen Dank und höchste Aner­kennung zugleich mit der Versicherung, daß der Pfalz ihre Treue zur bayerischen und deutschen Heimat unver­gessen bleiben wird. Bayern und Pfalz. Gott erhalts zum Wohle unseres geliebten deutschen Vaterlandes.

heitere Maßnahmen anschließen, aus der sich dann wieder das Verhalten der Reichsregierung gegenüber der Entente jerleitcn wird.

Das A rbeitszertgesetz ist nach Annahme im Reichsrat gestern dem Reichstag zugegangen.

Berlin, 24. Olt. Die für heute anberaumte Sitzung des Reichsrats wurde abgesagt, dafür treten die Ministerpräsidenten heute zu einer Besprechung beim Reichskanzler in der Reichskanzlei zusammen.

Berlin, 24. Okt. Der Zusammentritt des Rtick-stagS ist auf die nächste Woche verschoben worden.

Eine Reis« des Kanzler« ins besetzte Gebiet.

Berlin, 24. Okt. Der Reichskanzler, der Reichs­minister des Innern, Sollmann, und der Reichsmini- ßer für die besetzten Gebiets FuchS, sowie der preus­sische Ministerpräsident Braun begeben sich heute abend nach Hagen, um mit den Vertretern der politischen Parteien und Berufe über di« Lage in den besetzten Gebieten zu sprechen. Dem Vernchmen nach wird in Hagen beabsichtigt, eine öffentliche Versammlung abzuhalten, in der der Reichskanzler, der preußische Mir. isterpr äsident und die Reichsminister das Wort er­greifen werden.

Forderungen der Gewerlfchaften.

"Der Vorstand des Allgemeinen deutschen Ecwwk- fchaftsbundes trat lautVorwärts" gestern zu ciner außcr- ord.ntlichen Vorstandssitzung zusammen, um zu der über­aus bedrohlichen Sag? der Bevölkerung Stellung zu neh- Lmcn. Es herrschte eine Meinung darüber, fraß unv.r- ^zügtich durchgreifende Maßnahmen ergriffen werden müs- t?i, um die Not der breiten Massen zu lindern. Eine Abordnung des Bundesvorstandes wurde zum Reichs­kanzler entsandt, dem folgende Forderungen in ultimativer Norm unterbreitet wurden: 1. sofortige Schaffung e ncs

notwendigen Lebensmittel, 3. Anpassung der Löhne an die Geldentwertung ohne Rücksicht auf bestehende Tarif­verträge. Sollte die Reichsregierung diese Forderungen nicht umgehend verwirklichen, so würden die Gwecrk- schaften-Spitzenorganisatwnen zu weiteren Maßnahmen greisen. Der Michskanzler hat, wie derVorwärts" Meldest in Gemeinschaft mit der zuständigen Restoot- ministern sofortige Hilfe zugesagt. A U v

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Die fiele an die «eporaticnstnmmilPon.

Berlin, 24. Oft. Am 24.10. ist Der Reparatims- kommission in Paris folgende Note der deutschen Regie­rung übermittelt worden:

Die deutsche Regierung hat der Reparationskommisston am 13.1.1923 davon Mitteilung gemacht, daß sie aus Anlaß der Besetzung des Ruhrreviers die Rcparations» leistungen an die an der Besetzung beteiligten Mächte cm- gestellt habe. Die ReparationskLNUmsswu hat dieje Mit­teilung mit Schreiben vom 26 1.1923 dohin beantwortet, daß sie die ftühcren Anträge der deutschen Regierung auf eine Neuregelung der Reparationsfrage als hinfällig betrachte und daß unter diesen Umständen alle Bestimmun­gen des Zahlungsplanes vom 5 5.1923 in Kraft blciben. Nachdem die dcutiche Regieruna durch ihre Erklärung vom 26.9.1923 die Bevölkerung der besetzten Gebiete auigetorbert hat. bett passiven Widerstand aufzugebm und nanchfrem sie die im Zusammenhang damit erlassenen Verordnungen und Anweisungen aufgehoben hast ist danut auch ibre Entschließung über die Einstellung der Rcpi- rationsleistungen an die an der Ruhrbcsetzung beteiligten Mächte hinfällig geworden. Die deutsche Regierung stell! daher ausdrücklich fest, daß sie grundsätzlich bereit ist, die Stiftungen aus dem Vertrag von Versailles an dreie Mächte wieder aufzunehmen. Andererseits haben jedoch

die wirtschaftlichen Verhältnisse, wie sie sich seit Januar

in Deutschland entwickelt haben, der deutschen Regierung

. wertbeständigen Zahlungsmittels für Sohu- imb Ge- in Deutschland entwickelt haben, der deutschen Regierung k-altSempfänger, 5L Heranschaffung der tatfachlich d« Möglichkeit genoq^eu, jetzt die Geldmittel

auszubringen, die zur Bezahlung der Leistungen aus dem Vertrag von Versailles erforderlich sind. Seit den Dar­legungen der deutschen Regierung vom 14. und 27.11. 22 ist infolge der Besetzung des Ruhrreviers und der wirt­schaftlichen und finauzislkn Abtrennung des Rheinlandes und des Ruhrreviers von Deutschland eine grundlegende Aenderung in der Leistungstätigkeit Deutschlands erng.'- treten. Die deutsche Regierung hat infolge der dadurch vcrvorgerufenin Zerrüttung der Wirtschaft und der Finan­zen bereits pm 11.8.23, wie dcr Reparationskommission bekannt ist, unter grundsätzlicher Anerkennung ihrer Lci- stungsverpflichtung ihrer tatsächliche Unfähigkeit erklären müssen, weitere Sachleistungen an die fraglichen Mächte zu bewirken. Aus dem gleichen Grunde ist sie auch jetzt tatsächlich außerstande, die Finanzierung der Stiftungen sortzusetzen, oder von neuem aufzunehmen Die deutsche Regierung stellt daher an die Reparationskommisston den Anttag, gemäß Artikel 234 der Vertrages von Versailles in eine Prüfung der Hilfsmittel an der Leistungsfähigkeit Deutschlands tinzutnten und Vertretern der deutschen dtegierung Gelegenheit zu geben, den gegenwärtigen Stand der Hilfsmitteln und der Stifizksigsfähigkeit Deutschlaichs im einzelnen darzulegcn, sowie ihre Maßnahmen zur Sa­nierung des Budgets und zur Stabilisierung der Währung mitzuteilen. Die Verordnung über die Errichtung Der deutschen Rentenmark durch die- eine Reform der deut­schen Finanzen vorbereitet worden ist. beehre ich mich hier­mit zur Kenntnis zu bringen. Die deutsche Regierung bat davon Kenntnis erhalt n. ha5 di? Reparalionskommissi.'n die technischen Vorschläge der königlich belgischen Regio- rung zur Regelung der Rcparalion ihrer FinanzaNeiluug überwiesen hat. Die deutsche Regierung wird ihre Be­merkungen zu den belgischen Vorschlägen der Reparatiöns- kommission demnächst schriftlich mit eilen. Be der Schwie­rigkeit der Mater« dürste es zweckmäßig sein, daß ihren Vertretern Gelegenheit zu geben ist, zu den belgischen Vorfchlägen und den deutschen Bemerkungen mündlich zu äußer«. l

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Berlin, 25. Okt. Anstelle der zur Besprechung der bayrischen Frage geplanten Reichsratssitzung fand' gestern nachmittag eine Sitzung der Ministerpräsi­denten und Gesandten der Sünder in der Reichskanzlei statt. Der bayrische Gesandte v. Preger legte die bayrische Aufsassung des Konflikts dar und erklärt«^ Baycru sei durchaus reichstveu, habe aber de.i Wunsch nach einer Minderung der Ueberspannung des uni* tanschen Gedankens in der Reichsversassung. Del Reichskanzler führte namens der Reichs', egierung av8, die Ernennung des Herrn v. Kahr zum Generalstaats* komm sfar habe die Gefahr mit sich gebracht, daß rechts­radikale Kreise in anderen Teilen des Reiches ihre Stuude für gekommen hielten und zu Gewalttaten ver* leertet wurden. Dieser Gefahr habe der Reichsaus* nahnezustand Vorbeugen wollen. Ter Reichskanzler H'bt weiterhin bei aller Würdigung der Schwierigkeiten der bayrischen Regierung hervor, daß die Reichsregie­rung zur Beilcgnng des Koufl kts bis an die Grenze keS Möglichen gegangen sei. Auch die Rtichscezierunz wünsche, daß es gelingen möge, einen Ausgleich her- beizuführen. Weiter weise der Reichskanzler auf di« wiederholt öffentlich betonte Absicht der Reichsregie­rung betreffend Erweiterung der Rechte und Pflichte» der Länder hin. Bayern stehe es frei, weitere An­träge in dieser Richtung zu stellen. Voraussetzung sei jedoch die Wiederherstellung verfassungsmäßiger Zu* stände. Nach längerer Besprechung wurde folgende Erklärung einstimmig angenommen: In dem Kon­flikt zwischen Bayern und Reich stellen sich die Ver­treter der Länder einmütig auf den Standpunkt der Reichsregierung. Sie halten eine schnelle Regelung der Perfonalfrage für notwendig. Um ähnlichen Kon­flikten für die Zukunft vorzubeugen, beantragen di« Länder einmütig die baldige Umwandlung des mili­tätischen Ausnahmezustandes in eine zivile. Im Ein­verständnis mit dem Reichskanzler halten die Ver­treter der Länder es für erwünscht, daß Berhand- lungen über die fernere Gestaltung des Verhälmissetz zwischen Reich und Ländern mit einer größeren Selbst­ständigkeit der Länder in geeigneter Zeit eingeleitet werden. Im Anschluß hieran erklärte der Reichs­kanzler die Bereitwilligkeit der Reichsregierung zur Verständigung. ®ie Rcichsregierung sei ferner z» Verhandlungen über größere Selbständigkeit der Län­der bereit. Schließlich sei die Reichsregierung ge- willt, sobald die Verhältnisse es gestatten, oen Reichs* anSnohmezustand vollkommen aufzuheben, oder den militärischen Ausnahmezustand in einen zivilen um* * zuwandeln,

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Das mMWW WM.

Berlin, 24. Olt. Der Reichssinanzminister hat für die Ausgabe des wertbestSuvigen Notgeldes fol­gende Bedingungen festgesetzt: 1. das Geld must auf Teile der RelchSgoldanleihe lauten, 2. der Gesamtbe­trag des ausgegebenen Geldes Ist vor der Ausgabe zu decke« durch Hinterlegung «lneS entsprechenden Gold­anlethebetrages bei der zuständigen Reichsbanlstell« oder einer vom ReichSminifter der Finanzen bestimm­ten anderen Stelle, wo das Konto zu Gunsten der ReichSministers der Finanzen gesperrt wird, 3. jede Ausgabe bedarf der Genehmigung durch de« Minister er Finanzen, 4. der Antrag muh durch die Landes­regierung beim Reichsfinanzministerium gestellt wer­ben. DieS kann auch telephonisch oder telegraphisch geschehe«.

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Nach- derB. Z." werden voraussichtlich morgen ;um ersten Mal Abschnitt« bet Goldanleih- zn 1, 2 und 5 Dollar in größerer Zahl in den Veck hr ge­geben werden.

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Zua ömrMnvM..

Paris, 24. Oft. Ueber den gestrigen Schritt b.» e Separatisten bei bet Rheinlandkommission berichtet Hava? anS Koblenz, der gefchästssührende Ausschuß der «epa a- tistischrn Partei habe ein mit Vollmachten versehenes Direktorium gewählt, das aus Matthes für das nörd­liche und Dorten für das südlich? Rheinland besteht. Abgeordnete des Direktoriums hätten sich gestern vor­mittag» beim ftanzösischen Obcrkommissar Tirard ein» gesunden uni) zwar Dr. L'ebing aus Mainz, Dr. Marr aus Trier und Simon au? Nassau. Sie hätten Tirard eine Erklärung übcireicht, in der sestgcstcllt werbe, daß die separatistisch? Partei sich durch die öffentliche Not gezwungen gesehen habe, die Macht an sich zu reißen und in einem Teil des besetzten Gebietes die Rh?in:sche Reo publik auszuruftn. Di: Rh inlär.bet seien entschlossen, die Bestimmungen des Vctiailler Beitrages zu beachten und sich den Befehlen bet Bcsatzungsbchörben zu fügen. Tira rd habe ihnen gcantworte-, da fx in einer Anzahl von Städten des besetzten Gebietes eine faktische Macht darstellten, würde das Oberkommissariat die Rheinländer für die öffentliche Ordnung in diesen Stabten gegenüber den Besatzungsbchörden für verantwortlich betrachte«, Die Delegierten des Tirektormms habe», wie Hadatz^