Amtliches Verkündigungsblatt des Kreises Marburg.
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Anzeiger für (das früher kurheffifche) Oberhessen
A. 256
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Marbuvg Mittwo-, de« 24. Mbtt ««»Hardt
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Der SMMWM geht weiter.
Di« Lage im Rheinland ist, wie man uns ton dort mitteilt, von tiefem Ernste. Tie Putschten egung der Sonderbündler entpuppt sich immer mehr Als eine lange vorbereitete und abgekartete Aktion. Nachdem die jüngsten Versuche der Reichsrezierung, «unf; einmal unmittelbar mit der französischen Re- Gnrung wegen der Beordnung der Dinge an Rhein KUd Ruhr, in Verbindung zu kommen, gescheitert sind, «md nachdem die Erwartungen auf eine, der deutschen Negierung übrigens inoffiziell in Aussicht gestellte Ein- jlaßnahme Englands und Belgiens sich nicht erfüllt Jdcn, war das Signal für die Sonderbündler gegeben. I'cäit kam, daß die Reichsregierung erklären mußte, haß sie die Finanzierung der Gebiete Rhein und Ruhr licht mehr durchführen und daß es auch d'k Sachi'iefe- M.gen nicht mehr bezahlen könne. Unter Aufgebot aller Kräfte werden die dringlichsten Bedürfnisse für die Erwerbslosenfürsorge und dergl. noch vom Reiche «is befriedigt, wenngleich angesichts dec furchtbaren Teuerung in den besetzten Gebi.'ten damit der wirkliche Ledarf nicht gedeckt werden kann. Inzwischen hat die Bergindustrie, übrigens in Ve bindung mit sen Bergarbeitern, den Vorschlag gemacht, daß Frankreich 1,9 Marionen Tonnen Oohlen gelief rt werden sollen, dere r Hs-icnzierung die Industrie durch ausländische Kredite durchführen wolle, wenn andererseits die Steuern einst« Keilen gestundet, und später etwa in Form von Obligationen errechnet würden. Das Reich ska'iuett hat sich prinzipiell mit di sein Vorschlag eiuv.rstanden erklärt, um noch letzte A^öglichkeiteu zur Unterstüt- p»na der bedrängten Volksgenos-rn in >en besetzten ö-chii-ten auszllnutzen.
Die »Voss. Zig." meidet über den Separatl'ien- kntsch zufammenfasfend: Im ni>tte!ihein«schen Gebiet Vk der separatistische Putsch nach einem ansängli-chen kcknttncrfolg überall mtfzglückt. In Wiesbaden sind die Sonderbündler aus allen ött-ntlicllen Gebäuden mit Ausnahme des Rathauses nach kurzer Auwcsen- Iftit wieder verschwunden Man bat den Gindrucl ge- Wonnen, dafz die Franzosen, nachdem die Führer aller politischer Parteien sich gegen die Putschisten ausgesprochen haben, aus der unangenehmen Lage herauS- »ukommen suchen. Auch in Mainz rücken die Fran- Hofen merklich von den Separatisten ab, nachdem sich Hmtlicve politischen Parteien, von den Dcnischnatio- »alen bis zu den Kommunisten, gegen die sonderbüud- kerische Bewegung ausgesprochen haben. In Grost- V-rau ist der normale Zustand wieder hergcstellt. Rach dem „Vorwärts- Hal der Reichskanzler solvohl deut Regierungspräsidenten in Aachen als auch den Aache «er Gewerkschaft.« den Dank der Reichsregierung für die tapfere Haltung bei der Befreiung der Stadt von den Separatisten augesprochen. Ruch der preußische Ministerpräsident hat ein Tanktelegramin an die Ge- pnrkschasten gerichtet.
Paris, 23. Oft. Wie das „Echo de Paris" meldet, fetzt sich die „provisorische Regierung" der Rhein« lai't livublik aus folgenden Persönlichkeiten zusammen: D-Wer, Rechtsanwalt Guthardt, Landtagsabgeordneter Wollerhof Abgeordneter Metzgeu-Mühlenhnsen, Ub- lach, Eyonen. Schisser,,Kroebe, Hermann Torten, von Han m, Schloob und Wilms. TaS Präsidium der po- visorifchrn Regierung, sei dem Wagenfabrikanten Tal- 6»t angeboten worden. Es fei jedoch noch nicht bekannt, ob er die Wahl annehmen werde. Gestern vormittag um 10 Uhr begab sich Decker zum belgistheu Ob.rbefehlshabel, um mit ihm die Ereignisse zu besore.« chen.
Paris, 23. Oft. Havas berichtet aus Düsseldorf: Teckert und Guthardt bleiben Kommissare für den Bezirk von Aachen. Sie gehorchen aber den An- vrdnungen von Mathes, der sein Hauptquartier in Türen aufgeschlagen hat. In Türen werde der Bür- germeister in seinen Amtsräumen, nachdem er gegen die sonderbündlerischen Gewaltmaßnahmen protestiert habe, gefangen gehalten. Die Sonderbündler ständen vor ungeheuren Schwierigkeiten, namentlich in der Frage der Ernährung, der Zahlung, der Unterstützungen an Arbeitslose (ua6> der Ausgabe von Pap eraeld.
R e r k i n, 23. Oft. Nach einer Meldung der „Boss. 8g" deröffen lichen d e vereinigten politischen Parteien des Rbeinlandes folgenden Aufruf: Rheinländer.' Lewasfnete Banden der Sonderbündler versuchen in einer Anzahl rheinischer Orte sich der öffentlichen Gebäude und der Verwaltung zu bemächtigen. Sie ver- truhren dadurch in verbrecherischer Weif« bas Unglück unseres Volkes. Rheinländer! Vertraut in diesen schwersten Tagen unseres Volkes euren Führern! Habt Vertrmten zu den politischen Parteien. Sie sind sich Hrer Aufgabe und ihrer Verantwortung bewußt und werden ihre Pflicht tun. Größer denn je ist gegenwärtig di« auf uns allen lastende Verantwortung.
Einer Blättermeldung zufolge wies der Regierungspräsident von Düsseldorf, Tr. Grützner, die Behör- fctfr. des Bezirk» in Orten, wo sich in den staatlichen »nd kommunalen Verwaltungen Sonderbündler breit
machen, an, die Zahlungen der Erwerbslosenunter- stützungen einzustellen.
Brüssel, 23. Oft Die belgische Telegraphen- Agertur meldet, daß in Aachen ernste Kämpfe ausge- krochen seien. Die Schupo hätte von der Waffe Gebrauch gemacht. Der Stadtteil Busbach steht in Flam- me’L,
Aachen, 23. Oft. Die Gegendemonstration der Bevölkerung gegen die Sonderbündler setzte gestern abend ein. Heute morgen gegen 10 Uhr bewegte sich eine unübersehbare Menschenmenge durch das Zentrum der Stadt. Man holte die Flagge der Sonderbündler auf dem Gebäude der Reichsbank herunter. Die Sonderbündler setzten zum Gegenangriff ein. Sie durchfuhren in Autos die Straßen und schossen auf die Bevölkerung, die ihren Kugeln wehrlos ausgesetzt war. Bis 11 llhr zählte man etwa 25 verwundete Zivilisten. Darauf rückte die Schupo heran, der man aber verboten hatte, von der Schußwaffe Gebrauch zu machen. Dem Führer der Sonderbündler, dem Möbelhändler Mülleneisen, warf die erregte Bevölkerung sein ganzes Möbellager auf die Straße.
Berlin, 23. Okt. Nach einem an hiesiger zuständiger Stelle aus Aache n eingegangenen Telegramm wurden die Sonderbündler wieder aus der Stadt entfernt. Die öffentlichen Gebäude sind restlos von den Sonderbündlern geräumt. Bei der Vefreiungsäktion haben sich die Gewerkschaften besonders verdient gemacht.
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Mainz, 23. Okt. Außer dem Amtsgebäude des Polizeireviers ist auch das K r e i s a m t (Regierungsgebäude) in den Händen der Sonderbündler, während sich das Stadthaus sowie das Polizeiamt noch in den Händen der gesetzmäßigen Gewalt befinden. Für heute nachmittag ist mit der Ausrufung des Generalstreiks zu rechnen. Heute mittag kam es vor dem Stadthaus zu heftigen Prügeleien zwischen den Sonderbündlern und der sehr erregten Bevölkerung . Zur Zeit ist die Lage noch ungeklärt.
Mainz, 23. Oft. Heute nachmittag kurz nach 4 Uhr versuchte eine riesige Menschenmenge, die einen Svuderbündlec festgenommen hatte, der ihnen aber wieder entweichen fonnte und in den.Hauptöahnhof flüchtete, in das Bahnhofsgebäude einzudrinzen. in dem eine große Anzahl Sonderbündler versammelt iror. T'e Angreifer wurden durch französische Gendarmerie an dem Versuch gehindert. Bis zur Stunde (4.30 Uhr) ist es zu weiteren ernsten Zwischenfällen nicht gekommen. Bei den heutigen Unruhen wurden 20 Personen, darunter mehrere Schwerverletzte, in das städtische Kranfenhaus eingeliefert. Ferner sind vier Tote zu vtrzeichnen.
Mainz, 23. Oft. Die Franzosen- haben für heute nachmittag den Sicherheitsdienst übernommen. Tas sravzksische Militär steht in starfer Alarmbereitschaft.
Mainz, 23. Oft. In d.c Stadt herrscht große Aufregung. Seit heute früh sind hier in der Stadt l’om 22. Oktober datierte Plakate angeschlagen, wonach d'e rheinische R p. blik ausge.ufen sei. D e Sond-rbündler haben sich tatsächlich der Amtsräume des 5. Polizeireviers bemächtigt, vor dem ihre mit Revolvern be- waffnete» Posteit Aufstellung genommen haben. J,t- wüweit di« übrigen amtlichen Gebäude im Besitz der Sonderbündler sind, ist zur Stunde, 12 Uhr mittags, noch nicht bekannt, da ganze Stadtteile abgefperrt wurden, der Verkehr also außerordentlich erschwert ist. Tie Geschäfte haben geschlossen.
Mainz, 23. Oft. Der 5. Polizeibezirf in der Frauenlobstraße wurde unter dem Zubel der Ve- völferung wieder von b er Polizei besetzt. Das ganze Wirtschaftsleben st e h t st i l l. Zn den Kreisen der Arbeiterschaft ist man zum äußersten Widerstand entschlossen. Die Schießereien dauern heute an. Die Polizei hat sich auf das Stadthaus und das Polizeiamt fonzentriert. Wie verlautet, wurde ihr ein Vorgehen gegen die Sonderbündler durch die französischen Besatzungsorgane untersagt. Spahis säubern augenblicklich dis Straßen. Die Sanitätsfolonne ist in voller Tätigfeit. Das Stadthaus wurde von französischem Militär abgesperrt. Ein Teil der Sonderbündler wurde von den Spahis entwaffnet unb weggcbracht, weil sie blindlings in die Menge geschossen hatten, wobei es roter Verletzte gab. Die Lage scheint sür die Sonderbündler recht fritisch zu werden, da der überwiegend größte Teil der Bevölkerung, obwohl wehrlos, keineswegs geneigt ist, sich den Sonderbündlern Zu ergeben. Von Seiten der freien
Gewerkschaften wurde ein Ordnungsdienst eingerichtet. Der dritte Polizeibezirk wurde von den Sonderbündlern gegen Mittag besetzt, die Schlägereien in den einzelnen Stadtteilen setzen sich fort. Es ist nach Lage der Dinge mit ernsten Zwischenfällen zu rechnen.
Mainz, 23. Okt. Wie verlautet, wurden sämtliche Sonderbündler von den Franzosen entwaffnet. Die Spahis durchrasen die Straßen. Die französische Gendarmerie hät die Zugangsstraßen zum Regierungsgebäude (Kreisamt) besetzt, in dem sich die Sonderbündler immer noch befinden. Eine riesige Menschenmenge versuchte bisher vergeblich, von der Rückseite des Kreisamtes einzudringen , um die Sonderbündler herauszutreiben. Das Zentrum der Stadt ist dicht von einer Menschenmenge besetzt, die eifrig nach Sonderbündlern fahndet, die sich in die Schlupfwinkel zurückgezogen haben. Abgesehen von der -Besetzung-des Kreisamtes, auf dem die Flagge der rheinischen Republik gehißt wurde, und einiger Polizeibezirke, haben die Sonderbündler keine weiteren Erfolge erzielen können, vielmehr scheint es, als ob die Sache der Sonderbündler Schiffbruch erlitte.
Mainz, 23. Okt. Sämtlich« Getverkschaf.sver- bände und alle politischen Parteien erklären sich durch Maneranschlag gegen die Bestrebungen gewisser Ele- nterfe, die rheinische Republik auszurusen und mahnen die Bevölkerung zur Rühe und Ordnung, zu w'lchem Zweck die Gewerksch-astsverbände einen Ord- m-r gsdeienst (weiße Armbinde mit dem Zeichen S. O.) organisiert haben.
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Frankfurt (Main), 23. Okt. Nach bet „Frank- 'furter Ztg." haben gestern abenb bewaffnete Sonder- bünbler das Rathaus in Wiesbaden besetzt, ohne daß von deutscher Seit« Widerstand geleistet werden konnte. Tie Polizei ist von den Sonderbündlern aufgefordert worden, in den Dienst der rheinischen Republik zu treten, was aber einmütig und kategorisch abgelehnt wurde. Auch das Regierungsgebäude scheint besetzt zu fein, de, vor demselben ein bewaffneter Sonderbünblrr« pvsien steht.
Wiesbaden, 23. Okt. Infolge des Vorgehens der Dorten-Partei haben die hiesigen Gewerkschaften heute vormittag 9 Uhr den Generalstreik proklamiert. Außer französischen Kavallierie- xatrouilleu, die den Verkehr ausrechterhalten fallen, durchfahren sogenannte „rheinische Truppen" die Stadt. Die Bevölkerung hat sich zahlreich auf den Straßen angesammelt, verhält sich aber ruhig.
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Köln, 23. Dff. bieder feie Vorgänge inBonn wird noch berichtet: Der erste Angriff der Sonderbündler auf das Rathaus wurde um 8/> Uhr vormittags abgewiesen, indem die an- rückenden Sonderbündler aus Wasserschluuchen mit Wasser überschüttet wurden. Drei Sonderbündler, die mit Revolvern bewaffnet waren, wurden gefangen genommen; außerdem ließen die Sonderbündler einen Kraftwagen und mehrere Fahnen zurück. Um 5 Ahr morgens näherten sich fünf französische Tanks dem Rathaus. Die Franzosen besetzten das Rathaus und erklärten, es fei aus dem Rathaus geschossen worden und suchten nach Waffen. Die ganze Besatzung des Rathauses wurde in einen Raum getrieben unb nach Was - f e n burchsucht, währenb weitere französische Tanks vor bem Rathaus auffuhren. Wahrend bcr Durchsuchung nach Waffen brangen bie Sonder- l'ünbler in bas Rathaus und bemächtigten sich bcr Führung eines Mannes namens Natter, ber gegen 8 Uhr morgens auf ber eisernen Treppe bes Rathauses bie rheinische Republik ausrief. Nach ergebnisloser Waffensuche waren unterboten bie Franzosen roieber abgerückt, halten aber bie weitere Umgebung unb bie Zugänge zum Rathaus abgefperrt. Da bie Sonberbünbler bas Rathaus in ber Gewalt hatten, verließen bie Beamten ber Stabt- uerroaUuug bas Rathaus.
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Jülich, 23. Ott. Die Herrschaft der Soul erbüno- let Hai ein rasches Ende gesunden. In mehreren Lastautos waren bie Stoßtrupps in den ersten Mor- genstuvben von auswärts hier angelangt uni» hatten das Rathaus unb die öffentlichen Gebäude beseht. 'Alle Behörden teilten dem Führer, einen W.inhändttr aus Aachen mit, daß sie nicht arbeiten würben, solange die Sonderbündler sich in den Gebäuden aufhiellen. Ter Führer, der seine Leut«. r,-il sehr fragwürdige Gestalten. mittags schon nicht m he in bet Hand hat e, ließ den größten Teil wieder abfahren. Ein anderer Sonderbündler riß nachmittags die Herrschaft auf hm Rathaus an sich. Als er den Revolver gegen den Bürgermeister zog, war es mit der Geduld der vor dem Rathaus« Kops an Kopf stehenden Menschru- tnfrge vorbei, Männer und Frauen stürmten i»s
Rathaus, stürzten sich auf den Rest der Sonderbünix ler und, schlugen sie blutig zur Stadt hinaus. Mehrere Sonderbündler die auf bie Menge schossen, wurden gefaßt unb von ber Menge ins Polizeigefängnis gebracht. Darauf zog bie Menge in die Wohnungen zweier örtlicher Sonderbündler zerschlug die Tchau- fenster und mißhandelt« bie Inhaber schwer. Nur dem energischen Zugreifen ber Behörden verdanken die tnX Krankenhaus Gebrachten ihr Leben. Tie Besatzungs« behörde hat zum Schutze der Bevölkerung sür drei Tage die Straßensperre ab 7 Uhr abends verhängt,
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München-Gladbach, 23. Oft. Heute wurde hier die eintägig! Herrschaft der Sonderbündler von der Volksmenge wieder gestürzt. Die Menge stürmte da» Rathaus und holte unter allgemeiner Begeisterung die rot-weiß-grüne Fahne herunter.und hißt« die Stadtsahne. Ter ehemalige Gewerkschaftssekretär Schildknecht, der sich ‘bie Gewalt als angeblicher politischer Kommissar ongeeig-eet hatte, wurde rm Rathaus überrascht, von der Menge in den Hof her« untcrgeschleppt und arg re.prügelt. Das gleiche Schicksal ereilte auch bie übrigen im Rathaus befindlichen Sonderbündler. Darauf begab sich die Volksmenge zum Hauptquartier der Sonderbündler. Letztere feuerten zunächst auf die Menge. Als sie bann aber von allen Seiten eiugeschlossen waren, versuchten sie über die Dächer zu flüchten, was ihnen auch teilweise gelang. Einige wurden von den Menge gefaßt nn verprügelt. Die Meng« drang bann in das Hauptquartier bet Sonderbündler, das sich in einem Restaurant befindet, zertrümmerte das Mobiliar und warf e8 auf die Straße. Das Rathaus wurde von der Polizei triftet in Besitz genommen. Augenblicklich bewegt sich eine ungeheure Menschenmenge durch die Hauptstraßen. Die belgische Besatzung verhält sich neutral. Die Zeitungen sind am Morgen wieder erschienen.
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Saarbrücken, 23. Okt. Wie die „Volksstim- tue" meldet, ist in Saarburg, an der Grenze des Saargebietes am Sonntag in einer Versammlung bie rhe i» nische Republik proklamiert worden. Die Sonderbündler haben die in nigen Polizeibeamten tut» wnffner und die öffentlichen Gebäude besetzt. An den gäugen zur Stadt wird eine st "enge Kontrolle ausgeübt. Ter Rendant ber Kreissparkasse wurde von den Son- derbiindlern verhaftet. Führer der Bewegung ist hier ein früherer Redakteur der „Volksmacht" in Trier, namens Holl.
T r i e r, 23. Oft. T'e Sonderbündler haben in der vergangenen Nacht die/ösfentlichen Gebäude besetzt tinb die rheinisch« Republik ausgerufen.. Die Stadtverwaltung führt die Geschäfte weiter. T:e Zeitungen stehen unter Zensur. Es ist ihnen verboten, Mitteilungen über die sonderbünd'erische Bewegung zu verbreiten.
Koblenz, 23. Okt. Der gestrige Nachmittag und die Nacht sind ruhig verlaufen, abgesehen von einer Schießerei, die sich in den Abendstunden entwickelte und bei der es sich um Schreckschüße gehandelt haben soll.
Köln, 23. Okt. Die telephonische Verbindung nach Gerolstein und Mayen ist unterbrochen. Man nimmt an, daß Gerolstein und Mayen in der Hand der Sonderbündler sind.
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Paris, 23. Oft. Das Komitee für das link« Rbcinulcr und das Komitee für belgische nationale Politik' sind über folgendes einheitlich« Programm für bie llh i landp litik üb reiugekommen: S:e lehnen ihn l stits jede Formel ab, die eine unmittelbare ober verschleiert« Annexion vorsieht, andererseits jede autonome Formel, die die Rhllnlande innerhalb be5 Reiches beläßt oder irgendwelcher Kontrolle von Seiten der Neutralen nnlt.toorfen we.de. Tie Ausschüsse tr- (■ fiten, ganz besonders gern die Errichtung einer Rheinföderation zu sehen. Um die Unterstützung Frankreichs und Belgiens zu haben, werd« das Rheinland folgende Garaniren b'eten müssen: Formelle Bee» vslichtung, seinen Anteil an den Schulden des Deutschen Reiches gegenüber Frankreich unb Belgien zu übernehmen, Verpflichtung, solange es Frankreich und Belgien für nötig halten, sich mit ber Aufrechterhaltung bei aftierie.i militärischen Barriere einverstanden zu erklären, die Uebernahme der von Deutschland in Artikel 361 des Versailler Vertrages übernommenen Verpflichtung betreffend den Bau des Kanals von Antwerpen bis zum Rhein. Unter diesen Voraussetzungen könnten Frankreich und Belgien dem unabhän- nungsdienst (weiße Armbinde mit dem Zeichen S, O.) schaftlichc Unterstützung anbieten.
Zahlreiche französische Agenten.
Lor d o .i, 23. Okt. Die „Times" bespricht di« Vorgänge in Deutschland und führt aus, das Unglück, das über Deutschland gekommen sei mit seinen weitcei- chrncheu Folgen, fei derart, daß es tief bie unmittel» bare Zukunft Europas unb Englands berühren millie.